Stärkbier

Lieber Luther,
morgen ist Epiphanias. Was soll das eigentlich sein, Epiphanias? Ich bin theologisch weder gebildet noch verbildet, also kann ich mich das durchaus fragen. Soweit ich mich erinnere, hat mir das noch niemand erklärt.
Erste Anlaufstelle ist heutzutage Wiki. Man sieht auf den ersten Blick, dass es nicht so einfach ist mit Epiphanias. Ein ziemliches Kuddelmuddel. Ich will nun nicht alles wiederholen, was da steht, das kannst Du selbst nachlesen.
„Heilig Drei König“, damit kann ich etwas anfangen, aber Epiphanias? Gähnende Leere, kein Echo in mir. Wenn ich auf die Straße gehen würde und Leute fragen, was denn bitte Epiphanias sei, es würde ihnen wahrscheinlich so gehen wie mir.
Johannes Tauler predigt zu Epiphanias, die Seele, erkenne wohl Gott, „sogar mit dem natürlichen Licht der Vernunft, aber wer er ist oder wo, das ist ihr gänzlich unbekannt und verborgen, und davon weiß sie gar nichts“.
Gott ist für einen Menschen zu hoch, er ist nicht von ihm zu verstehen. Damit gibt sich die Seele natürlich nicht zufrieden, sie strebt danach, hinter das Nichtverstehbare zu kommen. Was sie erreichen kann, ist ein Blick auf den Abglanz:
„In diesem aufmerksamen Bemühen geht ihr ein Stern auf, ein Schein und Glanz göttlicher Gnade, ein göttliches Licht; sieh, dieser, spricht das Licht, ist jetzt geboren, und weist die Seele auf den Ort der Geburt (Gottes) hin. Denn dahin, wo er ist, kann kein natürliches Licht hinführen.“
Oder, wie es bei Jesaja 60, 1 heißt: „Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir“.
Tu was Mensch, erwache aus deiner Lethargie, ohne deinen Willen geht es nicht, mache es wie die drei Könige, zieh diesem Licht in deiner Seele nach bis du bei dem Kind angekommen bist, das ist wenn Gott seine Gnade über dich ausschüttet.
Epiphanias hat etwas mit Aufbruch zu tun. Ein dreifaches Aufbrechen. Breche auf und mach dich auf dem Weg zum LIcht. Der Himmel bricht auf, Gottes Wort und Heiliger Geist bringen uns den inneren und äußeren Aufbruch. Jesus macht sich wieder einmal auf, um uns, angefangen in Kanaan, das Wort  aufzubrechen. Aufbrechende Dreifaltigkeit.
Epiphanias soll uns aus unserer Weihnachtsseligkeit wecken und uns erinnern, dass wir nun am Zug sind, uns aufbrechen lassen: „Und die Heiden werden zu deinem Lichte ziehen“, alle Voraussetzungen sind geschaffen, es liegt an uns. Aus mit Feiern, ein langer Weg liegt vor uns, Arbeit ist angesagt, der Alltag hat uns wieder. Auf zum nächsten Weihnachten. 
Lieber Luther, du schaust dem Volk gern aufs Maul. Tief in der Seele des Menschen verborgen sind noch Wahrheiten, für die keiner mehr so richtig den Grund kennt, aber sie sind noch vorhanden.
„Die Stärk antrinken“, ein Brauch im Oberfränkischen am Vorabend zum 06. Januar. Um sich gegen die Widrigkeiten des kommenden Jahres zu wappnen, für die Arbeit und den Alltag nach all dem Feiern. Ein schöner Brauch, ein schönes Bild.
Ich will gleich in den Keller gehen und schauen, ob ich ein Starkbier finde. Bei Dir ist das sicher kein Problem, Deine Katharina hat Dir sicher eines gebraut. Nehm einen guten Schluck!
Herzliche Grüße
Deborrah

Abendmahl

Lieber Luther,
du weißt, dass mich das Abendmahl schon des öfteren bewegt hat. Schon wieder hat es mich eingeholt.
Gleich in meinem ersten Brief an Dich musste ich meinen Zorn über die fehlenden Abendmahlsfeiern in meiner Kirchengemeinde loswerden. Ich erinnere an die beeindruckende Abenmahlschnitzerei in der Kirche von Steinfeld, vom Geburtstags-Abendmahl habe ich berichtet, auch darüber, dass es einen wie ein Sturmwind erfassen kann.
Zum Kern bin ich aber bisher nicht wirklich durchgedrungen, es ist mir gerade erst klar geworden: Es ist, wie bereits unten geschrieben, immer das Wort, in dem Fall die Einsetzungsworte Jesu Christi:
Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird“
„dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden“.
Das ist sein Vermächtnis. Mit diesen durch Jesus für mich gesprochen Einsetzungsworten werde ich in ihn eingesetzt, wird Gott im Brot und Wein, so dass ich ihn buchstäblich essen und trinken kann, Buchstabe für Buchstabe sozusagen. Möglich ist das nur durch den tatsächlich hingegebenen Leib Jesu Christi und sein für mich vergossenes Blut.
Der Blutzoll für das Böse und die Abgründe in mir ist durch Jesu Leiden für mich bezahlt und Gottes Gegenwart deshalb für mich unmittelbar möglich. „Gott direkt“ könnte man sagen, Christus bringt ihn zu mir, er trägt ihn mir quasi nach, ich muss ihn nur nehmen. Das ist von Gott so gewollt.
Das ist es was Du meinst mit „Aus Brot und Wein wird durch Gottes Wort der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi“ (Große Katechismus).
Wie einfach macht er es uns damit eigentlich. Wieso tun wir uns so schwer damit?
Meine Gedanken wandern zurück zum Adventsversprechen Maleachis:  „Wer wird bestehen, wenn er erscheinen wird?“
War es deshalb, weshalb ich so gewankt habe, wie eine Zeder des Libanon, beim letzten Abendmahl?
Mit weihnachtlichen Grüßen herzlichst
Deborrah
PS: Wieso beschäftigt mich 2 Tage vor Weihnachten das Abendmahl so sehr? Weil wir eine besondere Zeit haben? Weil Jesus für uns stirbt und Gott geboren wird in jedem Abendmahl? Ostern und Weihnachten außerhalb Ostern und Weihnachten? Ostern und Weihnachten – im Abendmahl?

Das dritte Weihnachten

Lieber Luther,
wir stehen wieder einmal vor Weihnachten und ich will dies zum Anlass nehmen, Dir wieder einmal zu schreiben. Wir warten auf die Ankunft des göttlichen Kindes. Alle Jahre wieder sollen wir uns erinnern, dass dieses göttliche Kind uns aus höchstem Schöpferwillen geboren ist. Es ist ein Geschenk an uns. Was will Gott uns damit sagen, an was will er uns erinnern?
Ich habe gerade die Schöpfungsgeschichten nochmals gelesen: Mose und Johannes. Gott hat das „Gut“ geschaffen („und er sah, dass es gut war“) und der Mensch war der letzte Teil davon. Er kam am Ende der Schöpfung.
Am Anfang stand Himmel und Erde. Die Erde war leer. Nur Geist und Wasser als Quelle des Lebens. Daraus gebar er das Licht: „Ich bin das Licht der Welt“, das die Finsternis erhellt. Damit war alles geschaffen, aus dem sich der Rest zunächst zeitlos entwickelte, da die Zeit noch nicht existierte. Sie ist erst mit dem Menschen und seinem Verstand geworden. Aus göttlichem Schöpfergeist und Lebensquell ist etwas geboren. Das war das erste Weihnachten.
Gott sagt, nachdem er den Menschen geboren hat: „herrscht und macht die Erde euch untertan“, weil er den Menschen sich zum Bilde schuf, er, der Herr. Und er gab dem Menschen auch das Wort – die Sprache – und einen Willen. Damit setzt er den Menschen über den Rest der Schöpfung, deshalb kommt er auch zuletzt, als der komplexeste Teil sozusagen, als sein Ebenbild.
Im Unterschied zum Rest der Schöpfung sprach er von Beginn an zu den Menschen. Er belehrte sie von Anbeginn, was sie zu tun hatten.
Im Grund ist es das gleiche wie bei Johannes, nur anders ausgedrückt: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott ward das Wort“. Das meint den göttlichen Schöpfungswillen, denn „in ihm war das (göttliche) Leben, und das (göttliche) Leben war das Licht der Menschen.“ Oder Gott „sprach es werde Licht“.
Aber nur das göttliche Leben ist das Licht der Menschen. Daneben gibt es von Beginn an auch die Finsternis und das Dunkel. Gott hat dem Menschen nach seinem Ebenbild einen Willen gegeben. Da es ein menschlicher Verstandeswille ist, ist er von Anbeginn begrenzt, eingeschränkt, fehlerhaft, subjektiv.
Von Anfang an hat Gott den Menschen auch Ohren gegeben zu hören, aber sie haben nicht gehört, damals nicht und heute nicht, von Anbeginn der Zeit nicht. Das macht den Menschen zum Menschen und unterscheidet ihn von Gott. Der Mensch ist ein begrenztes Ebenbild Gottes.
Oder, wie Johannes schreibt: Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen. Das ist der begrenzte Mensch.
Adam und Eva haben nicht auf Gottes Wort gehört, sondern nach eigenem Gusto gehandelt. Sie haben vom Baum der Erkenntnis gegessen und konnten fortan zwischen Gut und Böse unterscheiden und damit gut und böse handeln, nach eigener Entscheidung und in eigener Verantwortung. Das macht den Unterschied: Während Gott das ewige Gut ist, das Licht, das Leben, ist der Mensch das ewige Gut und Böse, Licht und Dunkel, Leben und Tod, ohne Ausnahme.
Auch nach dem Sündenfall – das heißt auch wenn der Mensch große und kleine Sünden begeht – ist Gott noch da: er macht Adam und Eva höchst selbst Röcke aus Fellen und kleidet sie, er hüllt sie ein, damit sie trotz ihrer bösen Charakterzüge nicht schutzlos sind. Das Paradies hat der Mensch von Anbeginn selbst verspielt. Das Gut und Böse ist in der Welt durch den Menschen selbst, die kindliche Unschuld verloren, der Mensch muss sich von da an vor Gott für das, was er tut, verantworten. Mit den Beschwernissen, die er der Menschheit auferlegt, legt er die Entscheidung, wie der Mensch auf sie reagiert, in Menschenhand. Sie liegt beim Menschen, nicht bei Gott. Nicht nur der Mensch, auch Gott blickt, wenn er den Menschen anblickt, in gut und böse, sein Ebenbild ist gut und böse geworden und er muss es aushalten.
Von Anbeginn ist es so, dass es Menschen gibt, die ihn hören und die versuchen danach zu handeln, was sie verstanden haben. „Wer Ohren hat zu hören, der höre …“. Diese Menschen haben bereits in ihre eigenen Abgründe geschaut, so dass sie angefangen haben sich zu schämen, vor sich selbst, vor Gott, vor ihren Mitmenschen. Und Gott kleidet und schützt sie in ihren Beschwernissen und Abgründen.
Von Anbeginn ist es aber auch so, dass es Menschen gibt, die sich nur nach dem eigenen Willen richten, die die göttliche Stimme übertönen und überstimmen, sein Wort nicht hören wollen. Sie ziehen die eigenen Erkenntnisse dem göttlichen Wort vor und entscheiden sich damit gegen Licht und Leben. Sie werden unter Schmerzen ihre Kinder gebären, d.h. nur unter viel Schmerzen wirkliches (göttliches) Leben in ihre Welt bringen – unter Schmerzen, aber sie können es. Die Möglichkeit steht ihnen offen.
Der Mensch hat menschlichen Willen und Verstand. Es ist seine Entscheidung, welchen Teil er wählt. Wenn er sich für den guten Teil entscheidet, webt Gott sein schützendes Kleid, auch in den Anfechtungen und Versuchungen der Beschwernisse. Entscheidet er sich für den anderen Teil, wird nichtsdestotrotz der Tag kommen, an dem er vor seinen Abgründen steht. Je unvorbereiteter er dies tut, desto mehr Schmerzen wird ihm das bereiten. Spätestens im Sterben wird er nicht mehr ausweichen können. Da wird ihm sowohl sein Gutes als auch sein Schlechtes unerbittlich vor Augen kommen. Er wird durch die Hölle seiner Abgründe gehen müssen.
Um das Gut beim Menschen wieder über das Böse siegen zu lassen, ist Gott unermüdlich. Er belehrte die Menschen von Anbeginn. „und Gott sprach zu ihnen …“. Dies tat er, tut er und wird es tun, bis das Gute über das Böse gesiegt haben wird. Das liegt nur in göttlichem (Durchhalte-) Vermögen, ein Mensch vermag das in seiner beschränkten Endlichkeit nicht.
Um den Menschen die Erkenntnis von Gut und Böse zu öffnen und vom Böse zum Gut zu führen, konfrontiert er sie seit Anbeginn mit ihrer Bösheit. Adam und Eva hat er konfrontiert, Kain und Abel, das Volk Israel, Mose, alle Propheten und Heiligen.
Er hat sogar in Jesus sein reines Ebenbild als Mensch geboren, um den Menschen Gut und Böse in der bösen Behandlung des Guten vor Augen zu führen, um sie mit seinem göttlichen Wort aus Menschenmund zur Umkehr zu bewegen. Er hat sich in seinem Sohn geopfert, um ein sichtbares Zeichen zu setzen, das die Menschen verstehen können. In Jesu Auferstehung wollte er uns vor Augen führen, das das göttliche Gut über das Böse und unsere Abgründe am Ende siegt. Alles in Menschenform, so dass es für Menschen besser und anschaulicher fassbar ist als wenn es außerhalb jeglicher Form geschieht. Formlos erschließt sich das nur wenigen.
Hier schließt sich der Schöpferkreis zu Weihnachten: Indem er uns aus seinem Geist ein Kind geboren hat, eines aus Fleisch und Blut wie jeder Mensch, hat er uns ein begreifbares, anfassbares Zeichen geschickt für das Gute, nämlich sich selbst in Menschengestalt. Schau her Mensch, auch so kann ein Mensch sein – ganz ohne Böses. Das war das zweite Weihnachten.
Jedes Jahr sollen wir an Weihnachten daran erinnert werden und wie weit weg sind wir doch davon. Gut, dass wir aus Gott in Gott geboren seine Kinder sind. Nur Elternliebe kann soviel Schmerz über die Torheit der Kinder aushalten.
Was heißt das nun, bezüglich der Frage, was Gott mit uns an Weihnachten will? Er will uns zum göttlichen Gut führen, zu seinem Ursprung, hin zum „sehr gut“ seiner Schöpfung, die sie in ihrem Ursprung ist. Er will uns zur Krippe führen und wir sollen still und klein werden und ganz nah an sie heranrücken, so dass uns der Atemhauch des göttlichen Kindes erfassen kann und es uns seinen Atem des ewigen Gut einhauchen kann. Wenn das jeder tut, ist Friede auf Erden und ein Wohlgefallen unter den Menschen, dann ist das dritte Weihnachten.
Gottes Atem möge dieses Jahr an Weihnachten viele Menschen streifen, uns eingeschlossen.
Ich wünsche Dir ein gesegnetes Weihnachtsfest mit einem Platz ganz nahe an der Krippe!
Herzlich Deine
Deborrah

95 Thesen zum Reformationstag 2012

1. Gott ist gegenwärtig, jeden Augenblick. Wir sehen und hören ihn nicht, weil wir es verlernt haben.
2. Der Lärm unserer multimedialen Welt übertönt den Klang unserer inneren göttlichen Stimme.
3. Wir fallen auf unsere eigene Reklame herein.
4. Die warme Glanz wahrer innerer und äußerer Schönheit wird vom effektvollen digitalen Scheinwerferlicht überblendet.
5. Das ist entgegen unserer wahren Natur, entgegen unserem innersten göttlichen Kern.
6. Wir sind selbst der größte Verhinderer unseres eigenen Friedens.
7. Wenn jeder für sich Frieden findet und hält, leistet er den größten Beitrag zum Frieden in der Welt.
8. Jeder kann lernen, den Klang seiner inneren Stimme wieder zu hören, sofern er es will.
9. Jeder kann lernen, wieder mit seinem inneren Auge zu sehen, sofern er es will.
10. Jeder kann lernen, wieder auf seine Intuition zu vertrauen, sofern er es will.
11. Jeder kann lernen, wieder sein Herz zu spüren, sofern er es will.
12. Jeder kann lernen, Gottes Gegenwart wieder zu erfahren, sofern er es will.
13. Jeder muss diesen Weg des inneren und äußeren Lernens für sich alleine gehen.
14. Er erfordert Geduld, es ist ein langer, leidvoller und dorniger Weg.
15. Innere Erkenntnis erfordert äußerliches Handeln.
16. Man muss bereit sein, sich den inneren Abgründen und Ängsten zu stellen und
17. alles Geröll und allen Schutt, der einem entgegenkommt, eigenhändig wegräumen.
18. Denkt man, man sei fertig, kommen einem schon neue Schlammlawinen entgegen.
19. Der Weg kann durch tiefe Täler und Wüsten gehen.
20. Wie leidvoll es auch ist, jeder Schritt führt zu einer inneren Reinigung und Klärung.
21. Man darf sich von Rückschlägen nicht abhalten lassen, den Weg weiter zu gehen.
22. So lernt man sein Ego zu erkennen und sich ein Stück weit von seinen Begrenzungen zu befreien.
23. Tag für Tag eröffnet sich uns die göttliche Gegenwart einen Spalt mehr.
24. Man muss sich selbst vergeben, um Gottes Vergebung annehmen zu können.
25. Man begegnet auf dem Weg seiner eigenen Sterblichkeit.
26. Sterben verliert dabei seinen Schrecken.
27. Wir erkennen, dass es nur ein Ablegen der äußeren, körperlichen Hülle ist.
28. Unser nicht körperlicher Teil, unser innerer Kern, geht in die göttliche Herrlichkeit ein.
29. Er kehrt an den Ursprung zurück, von dem er kommt.
30. Vor dem Sterbetor legen wir unsere irdenen, materiellen, anhaftenden Rucksäcke ab.
31. Wir blicken auf unser irdisches Leben zurück und klären, was es noch zu klären gibt.
32. Wenn wir mit uns im Reinen und von Schuld erleichtert sind, sind wir bereit, und gehen durch das Tor.
33. Ein Engel kommt uns entgegen und führt uns sanft in unser neues, unbegrenztes Leben.
34. Wir werden wieder Teil der göttlichen Herrlichkeit.
35. Unser Leben vollendet sich damit in seinem göttlichen Urgrund.
36. A und O werden eins.
37. Sterben ist ein freudiges Ereignis, es entgrenzt uns von unser körperlichen, irdischen Begrenztheit.
38. Das ist die frohe Botschaft.
39. Wer auf das Nichts nach dem Sterben baut, baut auf Sand.
40. Wer den Schritt vom irdischen Leben in das göttliche Leben vorbereitet geht, geht ihn leichter.
41. Die Eigenschau bleibt keinem erspart.
42. Wer Frieden mit sich und seinem Nächsten schon im irdischen Leben sucht, dem bleibt der Schrecken erspart, wenn er im Sterben auf sich selber blickt.
43. Wer Christus schon im irdischen Leben sucht, dem kommt er schon im irdischen Leben entgegen, und begleitet ihn auf seinem Weg zu innerem und äußerem Frieden und Freiheit.
44. Uns Loskaufen von unseren Sünden können wir nicht.
45. Demut, Reue und Umkehr sind Teil dieser Rückbesinnung auf unseren göttlichen Kern.
46. Der Weg führt früher oder später in die innere Freiheit.
47. Ob wir das schon im irdischen Leben angehen, liegt in unserer Entscheidung.
48. Ein Wegbegleiter, der einem Zuspruch und Mut macht und hilft, wo wir Hilfe benötigen, erleichtert das Durchhalten.
49. Kirche ist ein geschützter, heiliger Raum, in dem eine solche Entwicklung möglich ist.
50. Wahre Kirche ist nicht institutionelle Kirche.
51. Wahre Kirche ist der Raum des Erfahrens der göttlichen Gegenwart.
52. Das kann auch institutionelle Kirche sein, muss es aber nicht.
53. In der Alltagswirklichkeit ist Amtskirche in der Regel nicht Kirche in diesem Sinn.
54. Institutionelle Kirche ist mehr Veranstaltungsort als ein Raum, in dem die göttliche Präsenz im Jetzt erfahren wird.
55. Gefangen in den Routinen und Verpflichtungen verliert sich der Geist im geistlichen Alltag.
56. Die Seelsorger sind mehr mit dem Management der kirchlichen Administration und Geldnot beschäftigt als mit Seelsorge, geschweige denn geistlicher Sorge.
57. Sie brennen aus, eingepfercht zwischen Aufgabenwachstum, Anspruchsdenken der Gemeindeglieder, Sparzwängen und Selbstanspruch.
58. Alkoholismus, Kindesmissbrauch, Burn Outs, Resignation: Ausprägungen des geistlichen Standes in heutiger Zeit.
59. Die Bevölkerung unter 50 flieht die Kirche, Männer sind fast nicht mehr existent.
60. Die Institution Kirche wird vor allem von den Frauen getragen und am Leben gehalten.
61. Kirchengemeinde ist im Alltag ein gewachsener Zirkel, der nach außen geschlossen wirkt, trotz aller vordergründiger Freundlichkeit, wie eine Eingangssperre.
62. Kirchengemeinde wirkt altmodisch und anachronistisch, wie aus einer lang vergangenen Welt.
63. Das wirkt auf vom Lebensalter oder geistig Junge abschreckend.
64. Man geht freundlich miteinander um, nur nicht anecken, Friede-Freude-Mentalität.
65. Das ist für viele zu langweilig, da gibt es Spannenderes. Wo ist da das Anziehende, Herausfordernde?
66. Verschiedene Wirklichkeiten stoßen sich gegenseitig ab.
67. Der kirchengemeindliche Alltagskörper kommt so alt daher wie seine aktiven Mitglieder,
68. merkwürdig uninspiriert und uninspirierend.
69. Kirchengemeinden meinen, sie müssen ein weiterer Freizeit-Organisations-Anbieter sein und denken, sie könnten damit verhindern, dass noch mehr Mitglieder davonlaufen.
70. Sie schaden sich damit mehr als dass sie sich nützen,
71. da dies nicht ihre Kernkompetenz ist und sie da nicht wirklich konkurrenzfähig sind.
72. Sie verlieren dabei ihren Kern, ihre Kernbotschaft, ihren Sinn als Kirche, das, was sie einzigartig macht, aus ihrem Fokus.
73. Sie haben nicht verstanden, dass ein großer Bedarf an Innerlichkeit, an Spiritualität, an Kirche im urkirchlichen Sinn auch bei jungen und jung Gebliebenen besteht,
74. dass sie darauf setzen müssen, da sie auf dem Gebiet, wenn sie sich recht besinnen, die Kompetenz und jahrtausendealte Erfahrung haben, die ihnen keiner streitig machen kann.
75. dass sie die Form ändern müssen, wollen sie im Lärm unserer schnellen und oberflächlichen Zeit noch gehört werden.
76. dass Stille und Nachdenklichkeit ihr Trumpf ist, nicht Veranstaltungsmanagement und Lärm.
77. Die vielen Menschen, die Sehnsucht nach mehr Innerlichkeit und innerer Lebendigkeit haben, erreichen die Kirchengemeinden nicht.
78. Sie laufen davon oder Schauen mit Grausen hin, um sich schnell wieder abzuwenden.
79. Das moderne Berufsleben lässt sich mit amtskirchlichen Dienstzeiten und altmodischen Kommunikationsmitteln nicht vereinbaren und schließt damit ganze Berufsgruppen von der Teilnahme am kirchengemeindlichen Leben aus.
80. Alles in allem schreckt das äußere Erscheinungsbild mehr ab als dass es einlädt.
81. Die Menschen, die Bedarf an geistlicher Auseinandersetzung haben, wenden sie Kommunikationsformen zu, denen ihre Bedürfnisse besser entsprechen.
82. Es entstehen neue Urkirchen, fern von Institutionen und Ämtern,
83. Workshops, Seminare, auch von kirchlichen Einrichtungen veranstaltet, Internetforen, Blogs: eine lebendige Gemeinde, die sich ernsthaft mit Göttlichem, in welcher Glaubensrichtung auch immer, auseinandersetzt.
84. Es bilden sich neue Gemeinden, abseits vom „Gesetz“. Schon Jesus hat sich gegen den Tempel gestellt.
85. Diese neuen Kirchen (im nicht institutionellen Sinn) sind Keimzellen, die dem Glauben zu neuer Lebendigkeit verhelfen.
86. Kirchliche Rollenträger braucht es da nicht.
87. Der modern Gläubige ist von kirchlicher Institution emanzipiert.
88. Er hat sich, seiner inneren Stimme folgend, selbst Bahn gebrochen und Formen von Urkirche gefunden, die seinen Lebensumständen und seinem Lebensgefühl entsprechen.
89. Gott sorgt dafür, dass sich seine Kirche verjüngt,
90. Der Glaube geht nicht unter.
91. Gott braucht den Menschen, er braucht aber nicht die Institution Kirche.
92. Sie ist Menschenwerk und wie alles Menschenwerk irgendwann dem Untergang geweiht.
93. Suchen wir Gott, so eilt er uns entgegen, in welcher Form auch immer wir ihn suchen. Mit Institution Kirche oder ohne. Das ist eine Gewissheit, auf die wir uns verlassen können.
94. Der Weg im Leben und im Sterben führt immer ins göttliche Leben:
95. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“

Recht

Suchet den HERRN, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut!
Zefanja 2,3

Gottes Gesetz, Gottes Recht, Gottes Gerechtigkeit, erst gestern habe ich darüber nachgedacht.

Anscheinend ist das gerade dran.
Damit es uns nicht zu wohl wird.
Dein Knecht lasse sich durch deine Gebote warnen.
Es ist der Herr, der tut, was ihm gefällt,
der mich nach seinem Maßstab mißt.

Recht suchen, bis ich wahrhaftig und gerecht bin.
Es schaue jeder auf sich selbst und erschrecke.
Uns selber sehend,
können wir nichts als demütig sein.

Einsammeln der eigenen Bos- und Bösheit,
Sie hinhalten vor Gott und bitten,
dass er einen Wind kommen lasse,
der all meine Schlechtigkeit hinwegbläst.

Sonst trifft uns Gottes Zorn
und Gottes Furcht.

Es wird einen Grund haben, wieso das gerade dran ist.

Schmirgelpapier

Der HERR wird seinem Volk Recht schaffen, und über seine Knechte wird er sich erbarmen. 
5.Mose 32,36
… Recht schaffen …
Heißt nicht, dass ich Recht habe.
Heißt nicht, dass er vor den Lebenshöllen bewahrt.
Heißt nicht, dass ich vom Knecht zum König werde.
Heißt genau das Gegenteil.
.
Heißt, dass er mich durch Wüsten schickt.
Heißt, dass ich in Tränenfluten ertrinke
Heißt, dass er mich Rechtschaffen macht.
Er putzt, schmirgelt und poliert mich solange, bis ich wahrhaftig und gerecht bin. Solange, bis ich so bin wie der, der zu seiner Rechten sitzt.
Auch wenn es bis in die Ewigkeit dauert.

Wer Ohren hat zu hören

Gott spricht: Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wusstest. 
Jesaja 48,6

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Lukas 8,8
Was soll ich dazu sagen? Es steht schon im Klartext da.
Wer Ohren hat zu hören und nicht hört, dem klingeln schnell die Ohren und wenn er dies Telefon nicht abnimmt, muss er den Zorn des Anrufers fürchten.
Er hat uns nicht umsonst seine Telefonnummer gegeben. Da haben wir schon einen VIP Status bei ihm. Dann erwartet er aber auch, dass wir den Hörer abnehmen, wenn er anruft.
Er würde nicht anrufen, wenn er nichts zu sagen hätte. Deshalb sollten wir unsere Ohren spitzen. Man erfährt immer Dinge, die man noch nicht gewusst hat. Das bewegt doch so einiges – in einem und außerhalb von einem. Besonders hilfreich ist seine Notfall-Telefonnummer. Rund um die Uhr besetzt.
Das Klingeln hört man nur, wenn man selbst still ist. Wenn man zuhört. Wir wären dumm, wenn wir uns um diese Lernmöglichkeit und Notfall-Seelsorge bringen würden. Was man hört, ist verlässlicher als jedes Wiki, wohlwollender als jedes menschliche Wort. Lauter Worte, die in keinem menschlichen gedruckten oder digitalen Werk stehen. Von keinem menschlichen Verstand zu erreichen.
Ich kenne dieses Klingeln. Bei keinem anderen Anruf lerne ich mehr. Deshalb versuche ich immer an den Hörer zu gehen. Ich befürchte aber auch, ich habe das Klingeln schon oft überhört.