Lug und Trug

Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen. 
Jesaja 57,16
Mensch, du musst dich fragen lassen:
Vor wem hast du dich gescheut und gefürchtet
als du gelogen und betrogen hast?
Hast du nicht an mich gedacht?
Mich nicht im Herzen gefühlt?
Habe ich nicht geschwiegen, und zwar seit langer Zeit?
Und du fürchtest mich nicht?
Ich, ich werde deine Art der Gerechtigkeit und deine Machwerke aufdecken.
Jedoch,
ich will nicht ewig rechten und
nicht auf immer zornig sein;
denn dein Geist würde vor mir zerbersten,
und deine Seele, die ich ja gemacht habe, würde es nicht aushalten.
Deshalb werde ich dich verschonen.
Den Zeitpunkt, zu dem mein Zorn erlischt,
bestimme aber alleine ich.
Und:
Es wird keinen Frieden geben für die,
die meinen Ratschluss nicht beachten!
(Jes 57, 11-21)

Lügengebäude

Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede.
Jeremia 6,13-14
Wie recht du hast, es gibt einige, die das auch heute noch so handhaben.
Für heutige Verhältnisse ist die Aussage, zumindest in Regionen ohne kriegerische Auseinandersetzungen, jedoch etwas umzuformulieren. Heute wird gepredigt: „Liebe! Liebe!“, und ist doch nicht Liebe.
Das verkleistert, dass unter der Oberfläche keine wirkliche Liebe ist. Doppelt schwer wiegt das bei Propheten, Priestern, Pastoren, Wortverkündern:
Wenn sich bei ihnen das Verkündete als nichts als heiße Luft erweist, wenn man sie nicht beim Wort nehmen kann, ist der Schade groß.
Wenn sie vergessen haben, was sie gerade gepredigt haben, was für ein Gebet sie in den (Kirchen-)Raum geschickt haben, sobald sie von Rolle zu Individuum wechseln, heilen sie den Schaden nicht, sie vergrößern ihn sogar.
Wir sind schnell dabei, uns mit Jesu Liebe die Generalabsolution zu erteilen für alles was wir tun, selbst für Verleugnung mit Blick auf Petrus. So einfach ist die Sache nicht. Dass das unsere Generalabsolution ist, nicht Gottes, wird vergessen, dass einmal ein Gericht sein wird, wird verschwiegen.
Gottes Gericht, Gottes Gesetz, Gottes Recht – all das wird kommen, auch das ist uns verheißen, und zwar bevor die Liebe kommt. Und es ist gut so. Wir müssen uns dereinst erst von unseren Lügengebäuden reinwaschen lassen. Das ist der rechte Gewinn am Ende, den Jeremia meint.

Wölfe im Schafsmantel

Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. 
Psalm 83,2-3
Gut, dass du dein Schweigen hin und wieder unterbrichst.
So würden wir die Wölfe,
die im Schafsmantel daherkommen
und sich hinter deinem Wort verstecken,
nicht erkennen.

Schlamassel

Wie sollte ich ein so großes Unrecht begehen und wider Gott sündigen? 
1.Mose 39,9
Ja, wieso sollte ich?
Joseph ist gegen seinen Willen verstrickt worden
Und plötzlich war er mitten drin im Schlamassel.
Gott hat das zugelassen.
Warum?
Darauf gibt es keine Antwort.
Er hat es auch wieder gerichtet.
Nach welchem Plan?
Auch darauf gibt es keine Antwort.
Was ist sein Plan?
Wie kann ich nicht gegen ihn verstoßen,
wenn ich ihn nicht kenne oder
nicht verstehe?

Weichenstellung

Ihr werdet bald für euch selbst sorgen müssen, denn das Ende meines irdischen Daseins ist nah (Luk 22, 36 ff)
Deshalb rate ich euch:
Haltet zusammen.
Wer einen Beutel hat,
der nehme ihn,
desgleichen auch eine Tasche.
Wer aber nichts hat,
der verkaufe sein Kleid und
kaufe ein Schwert.
Sie antworteten, wieder einmal nichts verstehend, denn das Verständnis war ihnen noch nicht geöffnet: Herr, siehe hier sind zwei Schwerter.
Er aber sprach:
Es ist genug.
Genug an Gewalt.
Genug an Missetaten.
Genug an Verrat.
Er meinte ein ganz anderes Schwert.
Denn,
das Schwert ist der Zorn über die Missetaten,
auf dass ihr wisst, dass ein Gericht sei (Hiob 19, 29)
Deshalb, da ihr das wisst:
Seid zornig über Gewalt, Missetaten und Verrat,
verkündet, dass der Mensch sich dafür eines Tages verantworten muss,
gebt euer letztes Hemd für diese Botschaft,
bekennt euch dazu, auch wenn ihr euch entblößt und
ihr durch das Schwert, das ihr meint,
am Ende fallt.
Ein nicht ganz einfacher Text.

Jammer

Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! 
Psalm 25,18
Wie oft, lieber Gott, habe ich das schon zu dir geschrien.
Geschrien, weil du in meinem Empfinden taub bist,
damit ich dich aufwecke.
Jedoch,
du bist mit
meinem Jammer,
meinem Elend,
meinen Sünden
geduldiger
als ich
mit dir.

Fastenzeit der Seele

Lieber Luther,
die Fastenzeit hat begonnen. Das scheint die Phantasie der Menschen in Gang gesetzt zu haben. Fastenvorhaben konzentrieren sich auf Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen, Internet, Smartphone, Müll, Auto, usw.
Lauter Konsumartikel. Willentlicher Verzicht auf Verzichtbares. Ist das mit vorösterlichem Fasten gemeint?
Die Antwort finden wir in Matth.4, 1 ff.: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Er hat eine Bewährungsprobe zu bestehen. 40 Tage und 40 Nächte fastet er. Nun „hungert ihn“.
Daraufhin wird Jesus dreimal versucht:
Der erste Angriff gilt dem Ego: Wenn du Gottes Sohn bist, dann kannst du auch Steine zu Brot machen, auf dass es deinen Hunger stille. Jesus hat aber auf etwas ganz anderes Hunger: Auf das Wort Gottes, durch das der Mensch erst wirklich lebt.
Der zweite Angriff gilt dem Glauben in das Wort: Du kannst dich getrost in die Tiefe stürzen, denn es steht ja geschrieben, Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf Händen tragen werden (Psalm 91, 12). Jesus kontert: Es steht auch geschrieben, du sollt Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.
Der dritte Angriff gilt der Habgier und Käuflichkeit: Ich gebe dir allen Reichtum und weltliche Macht, wenn du vor mir in die Knie gehst und mich anbetest. Jesus bleibt standhaft: Es steht geschrieben, du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm dienen.
Dreimal ist Jesus der Versuchung ausgesetzt und dreimal beruft er sich auf Gottes Wort. Das ist es wonach Jesus hungert.
Wieso konnte er widerstehen? Jesus ist bereits von Johannes getauft, er hat aber seine Lehrtätigkeit noch nicht aufgenommen. Er ist sozusagen noch ein nicht herausragender Mensch. Dann schickt ihn der Geist, der in der Taufe auf ihn gekommen ist, in die Wüste, um ihm seine geistig seelische Rüstung anzulegen.
40 Tage dauert es, bis Jesus den verzichtbaren menschlichen Ballast über Bord geworfen hat, bis er seine Seele geklärt hat und nun für die göttliche Mission bereit ist. Jetzt hungert er danach, für Gottes Wort einzustehen und es zu verbreiten. Er ist zum erwachsenen, nicht mehr anfechtbaren Gottessohn geworden, zum Messias.
Das ist mit vorösterlichem Fasten gemeint. Die Reinigung unserer Seele von menschlich oberflächlichen Anfechtungen: vom Ego, von falschen Göttern, von Konsum, Habgier und Machtstreben. Das ist eine ganz andere Ebene als das oberflächliche Fasten, das wir betreiben. Das wiegt nur das Gewissen in den Schlaf, bringt unsere Seele aber nicht einen Schritt weiter. Mensch, da bist du wieder mal auf der ganz falschen Spur.
Bei Johannes wird am Anfang von Jesu Wirken mit der Erzählung von der Hochzeit von Kanaan bereits der Bogen zu seinem Ende geknüpft. Ähnlich ist das hier bei Matthäus, auch vor Beginn seines Wirkens: Dreimal wird Jesus versucht, drei Mal widersteht er, unverbrüchlich im Wort Gottes verankert. Dreimal ist Petrus gefragt worden, ob er Jesus kenne, dreimal hat er verneint. Dreimal hat er Jesus verleugnet, dreimal hat er nicht darauf gehört, was geschrieben steht.
Petrus konnte dem Versucher nicht widerstehen, wir können ihm nicht widerstehen, was immer wir uns als Fastenübung ausdenken. Wir werden immer scheitern. Das ist der Unterschied zwischen dem Menschensohn und den Söhnen und Töchtern der Menschen. Fasten wie Jesus bleibt bei uns immer nur ein annähernder Versuch.
Trotzdem, lieber Luther, lassen wir uns davon nicht entmutigen. Wir tun, was uns gegeben ist. Ich gehe mal davon aus, dass Du es auch mit dem innerlichen Fasten versuchst und nicht mit dem oberflächlichen. Der Verzicht auf das ein oder andere Fastenbier würde allerdings auch Deiner Linie nicht schaden.
Herzliche Grüße
Deborrah