Tröstender Trost

Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. 
Jesaja 38,17
Nach Trost verlangt uns,
wenn wir verlassen sind,
unsere Seele weint.
Nach Trost suchen wir,
der unsere Tränen trocknet,
die verwundete Seele birgt.
Trost finden wir,
in aller Verlassenheit,
bei dir.
Trost des Trösters.
Tröstender Trost.
Getröstete Seele.

Treue

Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR. 
Jeremia 31,20
Ich gebe der Elberfelder Übersetzung den Vorzug:

Ist mir Ephraim ein teurer Sohn oder ein Kind der Wonne? Denn sooft ich auch wider ihn geredet habe, gedenke ich seiner doch immer wieder. Darum ist mein Innerstes um ihn erregt; ich will mich gewißlich seiner erbarmen, spricht Jahwe.
Gottes Kindschaft ist nicht abdingbar.
Wie widerborstig auch seine Kinder sind,
wie zornig er auch wegen ihrer Untreue und Vergehen ist.
Die Menschen sind wankelmütig in ihrer Treue,
Gott aber steht unverbrüchlich zu ihnen

Einäugige Gerechtigkeit

Träufelt, ihr Himmel, von oben, und ihr Wolken, regnet Gerechtigkeit! Die Erde tue sich auf und bringe Heil, und Gerechtigkeit wachse mit auf! Ich, der HERR, habe es geschaffen.
Jesaja 45,8
Deine Gerechtigkeit, o Herr,
ist nicht zu verwechseln
mit Selbstgerechtigkeit,
mit Selbstgefälligkeit,
mit Selbstbetrug.
Durch dich, o Herr, werden wir gerecht,
durch dich sind wir gerecht,
deine Gerechtigkeit fließt in uns ein,
lässt uns dein Recht,
deinen Willen tun.
Was ist deine Gerechtigkeit?
Nicht unser Recht,
sondern dein Recht,
dein waltender Wille,
in mir.
Deine Gerechtigkeit,
dein Recht ist ein Kernthema
deiner Botschaft:
Gottes Gerechtigkeit ist in der Schrift viel öfter Thema als Gottes Liebe.
Wieso sind wir so einäugig?

Von guten Mächten

Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben,
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das Alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns beweitet hast.
Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.
Lass warm und still die Kerze heute flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
(Dietrich Bonhoeffer)
Im Weinberg

Gottes Waschanlage

Hat Gott vergessen, gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen? 
Psalm 77,10
An Gottes Zorn und sein Erbarmen
denkt man vor allem in den Abs des Lebens.
Wir mögens nicht hören, aber:
Wer wird den Tag seiner Zukunft erleiden können?
Denn er ist wie die Seifen der Wäscher.
(Maleachi 3,1 ff)
Wenn wir durch seine Waschanlage gegangen sind,
sind wir rein gewaschen,
auch wenn wir viele Waschgänge brauchen,
auch wenn sein Schrubben uns schlaucht.
auch wenn wir wie begossene Pudel dastehen.
Veröffentlicht in Allgemein

Gottvertrauen

Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.
1.Mose 50,20
Mein Gott, auf dich vertraue ich,
dass du gut machst,
was wir böse miteinander meinen,
dass du die Wunden heilst,
die wir einander zufügen,
dass du den Weg zeigst,
der uns Brücken schlagen lässt.
Mein Gott, auf dich vertraue ich.
Veröffentlicht in Allgemein

Gottes Geheimnis

Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. 
1.Mose 1,31
Von Anbeginn hat Gott den Menschen Augen gegeben, aber sie haben nicht gesehen,
Von Anbeginn hat Gott den Menschen Ohren gegeben, aber sie haben nicht gehört.
Von Anbeginn hat Gott den Menschen Verstand gegeben, aber sie haben ihn nicht benutzt.
Von Anbeginn hat Gott den Menschen seinen Willen geben, aber sie waren nur eigenwillig.
Von Anbeginn hat Gott den Menschen sich gegeben, aber sie haben ihn nicht gewollt.
Und doch sah Gott alles an, was er gemacht hatte, und sah dass es sehr gut war.
Und doch sieht Gott alles an, was er gemacht hat, und sieht, dass es sehr gut ist.
Wie ihm das gelingt, ist sein Geheimnis.

Zensur

Lieber Luther,
heute ist Erntedank. Eigentlich ein Freudentag, ein freundlicher Tag, denn es ist ein Tag, an dem wir Gott danken sollten, für ein Jahr des Säens, Wachsens, Erntens. Eigentlich. Leider ist daraus ein Tag geworden, der mich wiedermal an der organisierten Form des Glaubens, an Kirche zweifeln und fast verzweifeln lässt. Wohlgemerkt, ich rede von Kirche, nicht Glauben. Vielleicht muss ich mich einfach auch mal wieder auskotzen und hinterher ist es wieder besser, auch wenn es bitterböse daherkommt, das ist mir bewusst.
Dass ich das hier wieder einmal niederschreibe, hinausschreie, öffentlich mache, ist Teil der Geschichte, meiner Auseinandersetzung mit Kirche, meinem Kirchenalltag. Ich muss mir darüber klar werden: Tue ich mir das noch an oder lasse ich es? Passt zur Tagesfrage bei glauben2017: Warum ist es oft so schwer „rüberzubringen”, dass Religion nichts Bedrückendes ist? Mich bedrückt der sonntägliche Gottesdienst oft sehr. Wieso gehe ich, wenn ich jeden Sonntag bedrückter aus der Kirche gehe als ich gekommen bin?
Die Kirche war heute schön geschmückt und recht voll. Das ist zunächst positiv. Jedoch, es war nur äußerer Putz, reine Fassade. Das liturgische Gebet zum Eingang war poetisch, aber aufgewärmt, bereits am Sonntag vorher im Einsatz, was unüblich ist. Ist zwar in Sachen Gottesdienstvorbereitung ökonomisch, das lange Wochenende lässt grüßen, für den regelmäßigen Gottesdienstbesucher, eine Spezies die zugegebenermaßen nicht sehr häufig anzutreffen ist, aber verwunderlich. Die Überlegung, dass sicher nicht viele Menschen an zwei Sonntagen hintereinander in die Kirche gehen, trifft sicher zu, aber zähle ich nicht? Bin ich nicht der Mühe wert? Was ist das für ein Signal? Oder aber war die Überlegung: Hört sowieso niemand zu, fällt sicher keinem auf, was sich auch nicht sehr wertschätzend anfühlt für die, die überraschenderweise nicht dem Kirchenschlaf fröhnen oder ihre Gedanken anderswo haben.
Der Predigttext heute leuchtete unsichtbar wie bei Nebukadnezar als Menetekel an der Wand:
Ihr sollt nicht Schätze sammeln auf Erden, sie werden von Motten und Rost gefressen, sammelt Schätze im Himmel (Matth 6, 19-21).
Auf der Predigt scheint die Energie nicht gelegen zu haben. Heraus kam eine grottenschlechte Predigt, bei der ich – was selten ist – Mühe hatte, dass meine Gedanken nicht abschweiften. An Erntedank, dem Dank an die Natur, war vom Internet die Rede, von Facebook. Eine Art Generalabrechnung mit der digitalen Welt. Statt Spiritualität wurde Internet gegeben.
Der Tenor war: Wieso muss man alles im Internet teilen, auf Facebook oder Google, insbesondere die Jüngeren. Ohne Facebook Profil, so denke die Internet-Schein-Gemeinschaft, sei es als ob man nicht lebe. Weil die armen Jugendlichen nicht im wirklichen Leben leben. Mal ein bisschen rausgehen, Freunde treffen. Platter und Unwissender geht es nicht mehr. Abgesehen davon, dass der Herr Pastor nicht auf der Höhe der Zeit ist – Facebook war einmal, es ist bei den Jüngeren so was von out, viel outer geht schon kaum mehr – haben sich die handvoll junger Menschen, die im Gottesdienst waren, sicher auf die Sweatshirtkapuze getreten gefühlt. Anstatt seine intimen Gedanken und Bilder zu posten, solle man sie doch lieber Gott mitteilen. Wie bitte? Was denkt sich angesichts einer solchen Anrede ein zwangsverpflichteter Konfirmand, andere Jugendliche sind ja –warum wohl? – nicht anwesend? Herr Pastor, Sie haben keine Ahnung davon, dass Jugendliche das Internet sehr sinnvoll zur Kommunikation nutzen und via Internet Lerngemeinschaften bilden, aktiv miteinander lernen, was in einem Flächenland wichtig ist und ein Segen. Schnell abhaken.
Oder waren die vielleicht gar nicht gemeint? So von gestern kann er doch unmöglich sein? Dann die Hauptkirchenbevölkerung der über 65jährigen? Die haben wahrscheinlich weiten Teils gar nicht verstanden, von was der Herr Pastor geredet hat. Oder wissen die, was eine „Cloud“ ist? Auch nicht?
Da kommen wir der Sache schon näher. Ja, nicht nur die Jungen haben sich an den Pranger gestellt gesehen, auch ich. Ich veröffentliche viel und durchaus auch Gedanken, die mich beschäftigen. Wieso trage ich das nicht nur vor Gott, sondern auch in die Blogs? Das ist es offensichtlich, was stört.
Das kann man einerseits verstehen. Das ist unbequem, wenn man so einen Querulanten dazwischen hat, wenn jemand zuhört und auch noch wagt, das ein oder andere kritisch zu hinterfragen, auch noch so öffentlich. Oder halböffentlich, schließlich ist ja nicht bekannt, um welche Kirchengemeinde es geht. Das stört die Gemächlichkeit. Lieber im eigenen Kirchengemeinde-Saft braten, das ist berechenbarer und lenkbarer. Wo kommen wir hin, wenn das jeder tut? Eine Zumutung für jeden Pastor.
Wer denkt, Pastor regelt das im Gespräch, der irrt ganz gewaltig. Selten habe ich so viel Stummheit, Sprachlosigkeit, mangelnde Kommunikationsfähigkeit erlebt wie bei Pastoren. Die Mehrzahl steht hier bewusst. In Unternehmen kann man sich so viel Sprachlosigkeit nicht erlauben. Also adressiert der Pastor die Botschaft dort, wo er Hoheitsgewalt hat und der Zuhörer sich nicht wehren kann: im Gottesdienst, in der Predigt. Manchmal hätte man Lust einfach dazwischenzurufen: Was redest du für einen Unsinn. Vielleicht müsste man das einfach mal tun, das würde bestimmt Leben ins Gotteshaus bringen.
Andererseits ist es genau das, was an Kirche bedrückt. Es ist nicht die Schrift, nicht der Glaube, es ist die Organisation und das Personal der Organisation. Immer wieder bringt es mich an die Grenzen meiner Toleranz und Duldungsfähigkeit, immer wieder setzt der Fluchttrieb bei mir ein, immer wieder kommt der Zorn in mir hoch. Immer wieder muss ich mit mir kämpfen, um nicht auch mit den Füßen abzustimmen.
Die Qualität der Gottesdienste schwankt stark, je nach diensthabendem Geistlichen und selbst bei den besseren sind wirklich gute Predigten eher selten. Letzte Woche gab es eine sehr gute Predigt, heute eine miserable, letzte Woche sehr spirituell, heute unterirdisch. Was ich für gut halte oder nicht gut, darin bin ich höchst subjektiv, das nehme ich auch so für mich in Anspruch. Schließlich gehe ich in die Kirche, damit ich am Ende etwas daraus ziehe, sonst könnte ich es lassen. Die Mehrzahl lässt es schon lange und die Frage ist, ob ich dazugehören will oder notgedrungen muss. Wollen tu ich es sicher nicht, es ist die Frage, ob ich es noch aushalten kann.
Das Internet, mit seiner Freizügigkeit auch in Glaubenssachen, scheint manch einem kirchlichen Rollenträger ein Dorn im Auge. Wieso müssen die Leute so etwas Intimes wie ihre Gebete, ihre Gespräche mit Gott, ihre Glaubenserfahrung im Internet, in Blogs posten? Überflüssig, falscher Ansatz, ist die Botschaft, da verfehlt man Gott. Man möchte fragen: Was ist der Unterschied zum Buch? Es gibt doch auch Bücher, in denen Gebete, Schriftauslegungen, Glaubensfragen erörtert werden. Die werden doch auch verkauft. Der Unterschied ist, dass der Markt da unter wenigen aufgeteilt ist, die die Marktführerschaft haben, die beruflich Berufenen. Das Internet hat uns von diesem Auslegungs- und Deutungsmonopol befreit. Ein Trumpf, der sticht, wenn auch nicht unbedingt für das, was ich organisierte Kirche nenne.
Ok, wieso benutze ich das Internet, um mich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen, wieso erlaube ich mir, mich zu Glaubensdingen zu äußern, obwohl ich kein Kirchenprofessioneller bin, nicht Theologie studiert habe? Eine Anmaßung, so scheint es, für den ein oder anderen Theologen. Vorweg möchte ich schicken, dass natürlich nicht alles schwarz oder weiß ist. Es gibt sicher viele Geistliche, die eine hervorragende Arbeit machen, die vielen Menschen helfen. Dennoch drücke ich mich nicht, ich will die Frage – ganz subjektiv – beantworten, bewusst akzentuiert und bewusst politisch inkorrekt, um die Dinge auf den Punkt zu bringen:
Ich setze mich mit Glaubensfragen im Internet auseinander,
weil ich an euch Kirchenprofessionellen verhungere,
weil ich mich mit euch nicht auseinandersetzen kann,
weil eure distinguierten Bibelkreise kein Forum ist, in dem man sich wohlfühlen kann,
weil ihr Glaubensseminare macht, bei denen man vom Glauben abfällt,
weil eure Zirkel ausgrenzen,
weil ihr alles abblockt, was nicht ins gewohnte Schema passt,
weil ihr nicht authentisch seid,
weil man sich schon an der Kirchentür verwundert die Augen reibt, weil ihr schon vergesssen zu haben scheint, was ihr gerade verkündet und von den Zuhörern, sofern welche vorhanden waren, eingefordert habt,
weil ihr nicht vorlebt, was ihr verkündet,
weil ihr nicht so glaubhaft seid, dass man an eurem Beispiel lernen könnte,
weil ihr mehr Glaubenszweifel vermittelt als Glaubenserfahrungen,
weil ihr in Sachen Glauben lieber auf andere verweist als auf euch selbst,
weil ihr es nicht versteht, weite Teile der Gläubigen anzusprechen und einzubeziehen,
weil ihr längst die Definitionshoheit verloren habt, wie Kirche und Glauben zu leben ist, ihr es nur noch nicht richtig gemerkt habt,
weil man sich bei euch fragt, seid ihr wirklich berufen oder tut ihr euren Beruf,
weil ihr mehr Sozialarbeiter seid als Gottesarbeiter,
weil ihr den Menschen nicht vorangeht, keine Hirten seid,
weil ihr den Menschen nicht zeigt: hey, Glauben geht, ich zeig dir, dass es geht,
weil ihr zurückschreckt vor dieser Verantwortung, vor direkter Nachfolge,
weil ihr euch und eurem Glauben nichts zutraut,
weil man bei dem ein oder anderen das Gefühl hat, dass er Gott gar nicht kennt,
weil ihr stumm seid und euch den Fragen der Suchenden nicht stellt,
weil ihr euch lieber als Mitsucher gebt, denn als Wegweiser, falsch verstandene Verbrüderung,
weil Blog- und Internetgemeinden viel lebendiger sind als eure Kirchengemeinden,
weil sich die Gläubigen längst – dank Internet – zu ortsunabhängigen Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen haben,
weil sie sich gegenseitig helfen, das Loch zu schließen, die Fragen zu beantworten, die ihr nicht beantwortet,
weil wir dort welche finden, die ihre Glaubenserfahrung mit mir teilen.
weil ich allein mit euch im Glauben verloren wäre und mir viele Dinge selbst erarbeiten muss,
weil ich, was ich erarbeite, gern teile, vielleicht gibt es dem ein oder anderen einen Denkanstoß, vielleicht eckt es auch an, vielleicht bewegt es,
weil, wenn es auch nur einen einzigen außer mir bewegt, sich gelohnt hat und
weil sich die Auseinandersetzung lohnt selbst, wenn es nur mich bewegt, d.h.
weil ich Gewinn für mich aus dieser Auseinandersetzung ziehe,
weil ich es nie so strukturiert, genau und systematisch tun würde, wenn ich nur denken würde, ohne zu schreiben, ohne zu veröffentlichen,
weil mich jede Veröffentlichung vorher zur Rücksprache mit Gott zwingt,
weil ich tun will, was in meinen Möglichkeiten steht,
weil ich weiß, was Glauben, Gotteserfahrung ist und davon erzählen will,
weil das Internet jedem die freie Wahl lässt, zu lesen, was ich schreibe oder nicht,
weil im Internet eine Wahlfreiheit besteht, womit ich mich auseinandersetzen will oder nicht.
Ob es passt oder nicht, ich lasse mich nicht schreib-mundtot machen, ich lasse mich auch nicht von der Kanzel zensieren, auch wenn ich das abkanzeln nicht verhindern kann, es sei denn, ich bleibe dem Gottesdienst fern. Lieber Luther, dieser Beitrag erinnert mich irgendwie an die Wurzeln dieses Blogs vor knapp einem Jahr. Das macht mich eher traurig, denn eigentlich ist es zum Heulen. Ich denke, du bist da ganz bei mir. Mal sehen, ob ich wieder in die Kirche finde, vielleicht freut man sich auch, wenn man mich los ist….
Herzliche Grüße
Deborrah.

Schatz

Ich renne und renne,
renne hinterher,
Menschen, Dingen, der Zeit.
Sie rinnen durch meine Finger,
stehlen sich davon
wie Diebe und
nehmen einen Teil von mir mit.
Werde still, mein Herz,
trauere nicht hinterher,
lass los,
werde leer,
so wirst du voll,
dein Auge licht.
Renn dem ew‘gen Glanz entgegen,
dem, der dich erkennt als Schatz.
(nach Matth 6, 19-22)

Ich bin mit dir

Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.
1.Mose 28,15
Wo ziehe ich hin, o Gott?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, du bist bei mir,
ob ich gehe oder stehe,
ob ich links oder rechts herum gehe,
ob ich stolpere oder falle.
Alle Wege führen zu dir,
ob ich sie sehe oder nicht,
ob sie offensichtlich oder verborgen sind,
ob ich durch Dornen oder Blumenwiesen gehe.
Das Ziel bist immer du,
ob ich bergauf gehe oder bergab,
ob ich mich verirre oder nicht ,
ob ich leichten oder schweren Schrittes gehe.
So gehe ich mit dir im Zickzackkurs,
bis ich bei dir ankomme und
sie sehe,
deine Himmelsleiter.

Erntedank

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 
Psalm 23,5
Ein Psalm, mein Lieblingspsalm, zur Zeit der Ernte.
Du Herr, bereitest mir einen Tisch,
was immer mir geschieht,
teilst mit mir das Brot,
teilst dich mit mir.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
gewonnen aus der Saat, die du gesät,
segnest mich,
mit deiner Frucht.
Mein Kelch ist gefüllt mit deinem Wein,
der den Durst meiner Seele stillt,
mal herb, mal lieblich,
gewonnen aus deinem Weinstock.
Reich gesegnet bin ich zur Erntezeit.
Du nährst mich täglich,
sättigst mich.
Dank sei dir.
Erntedank.
Veröffentlicht in Allgemein

Frieden

Die zum Frieden raten, haben Freude. 
Sprüche 12,20
Oder, nach Elberfelder Lesart:
Trug ist im Herzen derer, die Böses schmieden; bei denen aber, die Frieden planen, ist Freude.
Freude ist im Herzen derer, die Gottes Frieden anstreben.
Erwartende Freude,
zuversichtliche Freude,
ausgehende Freude,
eingehende Freude.
Alles umfassende Freude,
ewige Freude.
Veröffentlicht in Allgemein

Warum glauben Menschen an Gott?

Lieber Luther,
zu deiner Zeit war – unabhängig, ob die Menschen in die Kirche gingen oder nicht – Glaube noch fest verankert in den Menschen. Dieser Anker ist in weiten Teilen der westlichen Kultur längst verloren gegangen, verschüttet worden. Die Menschen erkennen, sehen ihn nicht mehr, sie treiben ankerlos im Strom der Zeit. Viele Menschen können nicht mehr einfach glauben, sie fragen nach „Beweisen“ für Gott. Warum glauben Menschen an Gott? Der gläubige Mensch wird hinterfragt, als ob er irgendetwas hätte oder nicht hätte, das der wissenschaftlichen Erklärung, des Beweises bedarf.
Mensch denkt, es besteht nur, was er mit seinen sieben Sinnen begreifen und mit seinen selbstgestrickten Denkmodellen nachvollziehen, „beweisen“ kann. Heute erklären und beweisen wir die Welt so, und wenn das wissenschaftlich überholt ist, beweisen wir sie eben anders. Wir beweisen, wie und was wir gerade vermögen oder eben nicht. Heute ist die Erde eine Scheibe, morgen eine Kugel. Psychologisch-soziologisch-historisch-naturwissenschaftliche Erklärungsversuche sind nichts als begrenzte Versuche, die die Zeit nicht überstehen und Glaube als Ganzes nicht erklären können, so wenig wie sie den Menschen als Ganzes erklären können. Wenn noch nicht einmal Mensch, der irden fassbar ist, in seinem ganzen Sein konsistent „beweisbar“ ist, wie wollen wir Gott „beweisen“? Hierin sind dem Menschen in seiner ihm innewohnenden Beschränktheit natürliche Grenzen gesetzt.
Gott braucht keinen Beweis in diesem menschlich wissenschaftlichen Sinn, auch nicht im historischen Sinn. Er zeigt sich in einem und wirkt im Alltag erlebbar. Die Bibel erzählt davon, in Gleichnissen, Bildern, wahren Begebenheiten. Wer in der Bibel Historie sucht und nicht Gott, verfehlt die Botschaft. Glauben hat keinen Beweis, Glauben braucht keinen wissenschaftlichen Beweis oder Begründung. Glauben braucht Weisheit und Verstand. Wer einen Beweis braucht, glaubt nicht.
Die Frage, warum Menschen glauben, ist eine Frage nach dem Grund. Sie meinen, alles was existiert, müsse einen nachvollziehbaren Grund haben, fassbar, beweisbar sein. Diese Frage stellen typischerweise Menschen, die nicht glauben. Sie fragen aber nicht, wieso glaube ich nicht, sondern, wieso gibt es Menschen, die glauben. Sie suchen die Antwort beim anderen anstatt bei sich selbst. Sie kehren die Beweislast um, als ob Glaube eine Rechtfertigung brauche, eine Begründung, Nichtglaube aber nicht. Sie denken, wenn diejenigen, die an Gott glauben, es nicht so beweisen können, dass ich das auch glaube, dann glaube ich nicht, dass Gott da ist, existiert. Wer glaubt wird dann gerne schnell in die Ecke und in eine Schublade gesteckt, ganz so als leide der Gläubige unter einer Krankheit. Aber vielleicht ist es ja gerade umgekehrt?
Menschen, die glauben, brauchen für sich keine Rechtfertigung für den Glauben. Für Menschen, die glauben, stellt sich die Frage, wieso sie glauben, nicht, weil Gott sich ihnen gezeigt hat. Gott ist da, Gott leitet und begleitet. Gott wohnt im GRUND ihrer Seele. Sie spüren diesen Grund. Sie erkennen ihn als den einzigen Grund. Aus diesem Grunde glauben sie.
Für Menschen, die glauben, ist Gott an sich ganz natürlich vorhanden. Es scheint eher so zu sein, das für diejenigen, die nicht glauben, diejenigen die glauben, ein Stein des Anstoßes sind. Sie stoßen auf Menschen, die sich hierin grundlegend von ihnen unterscheiden. Sie sehen anders, denken anders, haben andere Werte. Das stößt die Gedanken beim Nichtgläubigen an. Gott eckt an und fordert heraus, zeigt ihm seine menschlichen Denk-, Seh-, Erfahrungs-Grenzen auf. Gott fordert ihn auf, sich aufzuschließen und ihm die Tür zu öffnen. Er kommt gern, wenn man sie aufmacht.
Lieber Luther, eigentlich brauchen wir uns nicht über Glauben zu unterhalten. Du weißt was das ist, ich weiß es. Es gibt aber viele Menschen, die es nicht wissen. Die Frage ist, kann man „beweisen“, dass Gott existent ist? Gotteserfahrung ist Erfahrungswissen, keine Wissenschaft. Deshalb können wir nur erzählen, was wir erfahren haben, was Glauben im Alltag heißt, ganz subjektive Gotteserfahrung, nicht pseudo-objektiver Gottesbeweis. Ich denke, mehr vermag der Prediger nicht, mehr ist uns nicht gegeben und nicht aufgetragen. Die Tür zu Gott suchen, muss jeder selbst, dann hilft er auch, sie aufzumachen. 
Ich weiß, dass deine Tür schon sperrangelweit aufsteht. Die Tage werden kühler. Pass auf, dass du dir keinen Zug holst.
Herzliche Grüße
Deborrah

Gerechtigkeit

Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Amos 5,24
Ge-Recht-igkeit hat immer etwas mit Recht zu tun.
Ge-Recht-igkeit braucht ein Maß, an dem man misst.
Das Maß ist dein Recht,
das uns, wenn wir vor dir stehen,
erkennen lässt, was deine Gerechtigkeit ist und
uns gerecht werden lässt.
Gerechtigkeit und Recht kommen aus deiner Quelle.
Deine Gerechtigkeit und dein Recht versiegt nicht.
Deine Gerechtigkeit verhilft uns zur ursprünglichen und letzten Wahrheit.
Sie entspringt und mündet in dir.
Sie ist wie reinigendes Wasser, das Leben spendet.
Sie ist eine Lebensquelle, die uns speist.

Bedürftigkeit

Wer seinen Nächsten verachtet, versündigt sich; aber wohl dem, der sich der Elenden erbarmt!
Sprüche 14,21
Wohl dem, der sich um den Bedürftigen kümmert.
Bedürftig kann gerade der sein,
dem wir es nicht ansehen,
der Wohlsituierte,
der Erfolgreiche,
der sozial Etablierte,
aber geistlich Arme,
die reichen armen Wohlstandsbürger.
Veröffentlicht in Allgemein

Mehrzahl

Elisa sprach zu dem Diener: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind!
2.Könige 6,16
So wie Elisa dem Diener Mut zuspricht,
so spricht Gott uns Mut zu:
Fürchte dich nicht,
auch wenn der Gegner übermächtig erscheint.
Wer Gott auf seiner Seite hat, ist immer in der Mehrzahl.