Wieso ist Frau Lot zur Salzsäule erstarrt?

Lieber Luther, 
ich weiß nicht genau warum, aber mich beschäftigt immer noch die Lotgeschichte. Ich habe schon vor ein paar Tagen und auch heute morgen schon etwas dazu geschrieben.
Die Lotgeschichte ist komplex und vielschichtig. Deshalb habe ich sie unter dem Himmelfahrtshimmel nochmals gelesen (1.Mose 18-19). Ich habe gelernt, dass Abraham sehr mit Gott gefeilscht hat, um die Gerechten in Sodom und Gomorra, um die paar, die er noch dem Verderben entreißen wollte. Lot und die Seinen hätten sich retten dürfen.
Mit dem göttlichen Willen mitgezogen, dass er auch wahr wird, haben letztendlich nur Lot und seine Töchter. Die anderen aus seiner Sippe haben sich verweigert. Auch Lot hat sich schwer getan, zu gehen und den Ort, den Gott ihm zugewiesen hat, anzunehmen. Die Engel mussten ihn bei der Hand nehmen und vom Ort des Unglücks wegzerren.
Die Lotgeschichte lehrt uns, dass Gott mit sich reden lässt und auf unsere Bitten eingeht, wenn wir noch nicht bereit sind, ihm ganz zu folgen. Er hat Abraham gehört und auch Lot. Er teilt daraufhin die Aufgabe in kleinere Päckchen, so dass es ihnen leichter gefallen ist, seinen Ratschluss anzunehmen.
Als Lot schließlich gegangen war, Gott hat solange gewartet, hat sich in Sodom der Himmel geöffnet. Herunter kam nicht Gottes segnende Ausstrahlung, wie an Himmelfahrt, sondern sein urteilsprechendes Zornesfeuer. So können offene Himmel auch aussehen. Das ist der Gott, der zum Fürchten ist.
Lot wollte nicht in das hügelige Land, in das Gott ihn schickte, sondern hat für eine kleine, unbedeutende Stadt gebeten, in die er gehen wollte: Zoar. Lot denkt, er muss wenigstens in die Stadt, nicht ins Hügelland, „Nur dass meine Seele am Leben bleibt.“ (1. Mose 19, 18-20)  Seine Seele hängt an der Stadt mit ihrer Üppigkeit, nicht im kargen Hügelland, in dem schwer überleben ist. Schick mir lieber einen Unfall, dass ich sterbe, sagt Lot zu Gott, das ist besser als dieses Hügelland.
So gewährte ihm Gott die kleine Stadt als Übergangsdomizil,  um ihn von Sodom wegzubewegen. Er verschonte das Städtchen. Als er schon dort in Sicherheit war, sah seine Frau zurück, „hinter seinem Rücken“ und wurde zur Salzsäule (1.Mose 19, 26). Sie waren körperlich schon gerettet und dennoch ist es für sie noch schief gegangen. Wie ist das zu verstehen?
Als die Engel Lot, seine Frau und seine Töchter aus der Stadt hinausführten, sagten sie: „Rette deine Seele! Und schaue nicht zurück“. Es geht in erster Linie um die Rettung der Seele in der Lotgeschichte. Die Frau hat zurückgeschaut. Es ist hier eine innere Schau gemeint. Sie hat das Leid und das Elend der Menschen in der Stadt gesehen, das Gericht Gottes, unter anderem auch über die Schwiegersöhne. Es war so furchtbar, dass das Salz ihrer Tränen sie innerlich erstarren ließ, zur Salzsäule, wie es in der Bibel heißt.
Hat sie die Liebe zu den Menschen dort, das Mitleid zurückschauen lassen? Frauen, die Kinder geboren haben, können schlecht untätig Kinder sterben sehen, auch nicht fremde. Deshalb hat sie die Weisung der Engel nicht eingehalten. Deshalb hat sie sich widersetzt, heimlich, hinter dem Rücken ihres Mannes, innerlich, wo er es nicht gesehen hat. Männer übergehen das Innenleben ihrer Frauen gerne. Und sie hat den Preis dafür gezahlt. Gott wollte sie schonen, aber sie hat sich selbst nicht geschont. Ihr seid das Salz der Erde. Das Salz der Tränen der Frau Lot waren so zahlreich, dass sie eine Salzsäule aufhäuften. Sie ist innerlich gestorben. Frau Lot war schon in der Stadt der Geretteten.
Frau Lot ist nicht gefragt worden, ob sie mit ihrem Mann aus der Stadt weggehen will. Ihr Mann hat es entschieden, über ihren Kopf hinweg, ohne sie mit einzubeziehen. Er hat über sie entschieden. Wir reden über Lot und seine Töchter, wer denkt an Frau Lot? Was spielt sie für eine Rolle?
Wenn es keine wäre, hätte sie gar nicht erwähnt werden müssen. Ihr seid das Salz der Erde. Zuviel Salz macht fruchtbares Land bitter, mit zu wenig Salz kann es nicht existieren, dummes Salz schadet dem Land, ungeachtet wie fruchtbar das Land ist.
Frau Lot ist zunächst im Zeichen der Bergpredigt zu sehen: Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll man’s salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten (Matth 5, 13). Frau Lot ist das Synonym für die Menschen in Sodom. Sie haben Gottes Gebote nicht mehr gehört, nicht mehr nach ihnen gehandelt, sie haben sie über den Herrn der Welt zum Herrn ihrer kleinen Welt aufgeschwungen. Bis Gottes Gericht über sie hereingebrochen ist. Dann war es aus mit ihrer sich selbst zugesprochenen Herrlichkeit.
Frau Lot ist der Inbegriff von Salz, bei ihr hat sich das Salz angesammelt, aufgestaut, aufgestapelt zu einer Säule, das Zuviel hat sich gekehrt in ein zu wenig. Ihre Sehnsucht nach denen, die sie ungefragt verlassen musste, der Mangel, der sich bei ihr daraufhin eingestellt hat, die Sehnsucht, der sie nachgegeben hat, hat sie am Ende verbittern und erstarren lassen. Sie konnte nicht mehr weiter. Das Salz, auf der einen Seite zu viel, auf der anderen zu wenig und in mangelnder Qualität, hat sie verätzt, aufgefressen, bewegungsunfähig gemacht. Ihre Seele hat nur noch Salzluft geatmet, ist zur Salzsäure geworden, hat ihre Luftröhre und ihre Lungen verätzt, hat ihr Stimme und Atem genommen. Alles in ihr war versalzen und versalzt und nicht mehr genießbar.
Wo hat Lot, wo haben seine Töchter hingeschaut, als die innere Erbitterung Frau Lot Stück um Stück versalzt hat, bis sie zur Salzsäule erstarrt ist?
Ob sie nicht das bessere Los gezogen hatte gegenüber Lot, der doch noch aus der Stadt in das ungeliebte, lebensfeindliche Hügelland musste? Aus Angst verbarg er sich in einer Höhle. Er wurde von seinen Töchtern dann auf üble Weise hintergangen. Frauen spielen in der Bibel hin und wieder eine üble Rolle. Aus diesem Betrug und Vergehen sind die Moabiter und Ammoniter hervorgegangen. Ein fruchtbares Land ist daraus nicht geworden. Ganz im Gegenteil: Beide Völker sind wieder zum Götzendienst zurückgekehrt.
Wir können weniger von den Überlebenden – schon gar nicht von Lots Töchtern – lernen, mehr von der stummen, erstarrten Frau Lot, die nicht einmal zu Wort kommt. Im Blick auf Frau Lot kumuliert sich die ganze Tragik von Gottes Volk: Einerseits ist sie dem Befehl gefolgt und hat ihre Stadt mit ihrem Mann verlassen, andererseits ist sie nicht angekommen. Im Irgendwo dazwischen ist sie verlorengegangen.
Lieber Luther, ich fühle mit Frau Lot: Wollen und Nichtwollen, gehört und übergangen werden, innerer Aufschrei und äußeres Stummsein, das Zerrissensein zwischen gestern und heute, das überfordert sein und nicht mehr Weiterwollen. Frau Lot ist ganz aktuell. Es gibt viele Frau Lots, schauen wir uns um.
Und plötzlich erstarren wir zur Salzsäule. Wer kennt das nicht? Aus der Geschichte von Frau Lot sollten wir lernen, das wir nicht zurück, aber hinschauen sollten, dass wir uns nicht wegdrehen und denken, das, was in unserem Rücken passiert, nehme ich nicht zur Kenntnis, geht mich nichts an. Lots Geschichte zeigt, auch das geht in Wirklichkeit nicht gut aus.
Mit salzigem Geschmack im Mund, dennoch herzliche Grüße
Deborrah

Veröffentlicht von

Deborrah

Spirituelle Pilgerreise zu mir selbst; Auseinandersetzung mit Kirche, Religion, Glaube, Gott, Bibel; Meditatives; Impulse zu den Herrnhuter Losungen / Tageslosungen; Lieber Luther Predigten

5 Gedanken zu „Wieso ist Frau Lot zur Salzsäule erstarrt?“

  1. Na, da gibt es noch den Aspekt – und das ist das, was mir „gesagt“ wurde:
    Schaue nicht zurück und sehne nicht mehr nach den „Segnungen“ dieser Welt, der verdorbenen Städte …

    War das nicht auch eine der möglichen Regungen bei Frau Lot, welche sich nur schwer trennen konnte, von diesem Leben in Saus und Braus, den Verführungen etc….?
    War es nicht das, was ihr gesagt wurde… und auch das eben diese Flucht eine Rettung ist???

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    1. Sie musste ihre Kinder und Familie zurücklassen. Und der Mann hat für sie entschieden. Sie tat, was ihr gesagt wurde und ist daran zerbrochen. Das hat nichts mit Saus und Braus oder Verführung zu tun. Und aus den Geretteten ist nur Ungutes erwachsen. Diese Flucht war für keinen einzigen eine Rettung.

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      1. Liebe Deborrah,
        beim AT bin ich noch schwach auf der Brust, darum kläre mich auf:
        Wo liest du in der Bibel, daß sie ihre Kinder zurücklassen mußte. Die Schwiegersöhne wollten wohl nicht mit und blieben – und hatte sie mehr Kinder als die zwei Töchter?

        Wo leitest du ab, daß sie tat, was ihr gesagt wurde und wo lesen wir in der Ausführlichkeit, daß sie daran zerbrochen ist?

        Es war doch wohl Abrahams Fürbitte bei Gott, daß zumindest die vier aus der Stadt fliehen durften – und dieser Fürbitte wurde doch von Gott entsprochen.
        Ich bin irritiert über deine Aussage, daß es für die verbliebenen drei keine Rettung war…
        … doch ist es nicht an uns Menschen, nach dieser Rettung unser Leben „gottes.fürchtig“ zu leben. Tun wir das nicht – so war es wohl für Gott vergebliche Liebesmüh, oder?

        Klär mich bitte auf, wo ich die von dir angesprochenen Informationen her bekomme.
        Der „Lebenstil“ in Sodom und Ghomorra wird uns ja in der Bibel dargestellt und über den Blick zurück kann man ja ins deuten kommen.
        Als Frau Lot zurückschaute, war die Stadt ja noch nicht vernichtet…

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  2. Zu Frau Lot: was heißt, sie sei zur Salzsäure erstarrt? Ist das äußerlich gemeint? Wohl nicht. Mensch wandelt sich äußerlich nicht in Salz. Man muss die Bilder der Bibel verstehen. Auch Schwiegerkinder sind Kinder. Lot musste mehrmals fliehen, ist von seinen Töchtern sexuell missbraucht worden (nachdem sie ihn betäubt hatten; auch mangels Männer, die sind ja zurückgeblieben) und die Söhne haben hinterlistig und frevelhaft ein halbes Dorf erschlagen. Alle Nachkommenschaft ist missraten und hat in der Folge nicht gottgefällig gelebt, sondern ist von Gott abgefallen. Lässt sich in den Folgegeschichten in der Bibel nachlesen (habe mir vor ein paar Jahren die Mühe gemacht, die gesamte Bibel zu lesen). Und ja, wenn du so willst, war es von Gott, oder besser Abraham, vergebliche Liebesmühe. Sodom und Gomorra hat sich fortgesetzt. Mensch bleibt Mensch.

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