Weihnachtsandacht

Coronaweihnachten! Eine Wort, von dem wir vor einem Jahr noch nicht gewusst haben, dass es existiert. Jetzt ist es rund um den Globus das Sinnbild für den Albtraum, in dem wir uns befinden und den Abgrund, an dem potentiell jeder stehen kann. Das erste Weihnachten meines Lebens, das ich ohne Familie verbringen muss, ohne Kinder, ohne Enkelin.

Ich habe viel nachgedacht, ob das nicht eine Chance ist, Weihnachten zu entzaubern. Weihnachten einfach ausfallen zu lassen. Es für das zu nehmen, was es ist: Ein Datum im Kalender, das irgend jemand mal für Marketingzwecke für seine (christliche) Sache vereinnahmt hat und darin ziemlich erfolgreich war.

Mittlerweile ist der christliche Teil ein Tarnmäntelchen, das die meisten abgelegt haben. Der dieses Jahr sich hoffentlich erübrigende Kirchgang ist ein nettes Event, das die Kirchgänger in kindlich vernebelte Kindheitnostalgie versetzt. Stille Nacht, heilige Nacht… Etwas fürs Gefühl. Ich bin nicht sicher, ob alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die Weihnachten feiern, überhaupt noch wissen, was da eigentlich nach Kirchenlesart gefeiert werden sollte. Wie die Lemminge bewegt sich ein Teil der Menschheit jedes Jahr im Kaufrausch auf der hochtourigen Kommerzmaschine auf Weihnachten zu. Das große Lamento um den coronabedingten Weihnachtsumsatzausfall hallt in die ursprünglich Stillenacht in ärmlichsten Verhältnissen.

Also die Gelegenheit packen und mal fühlen, was es aus mir macht, wenn Weihnachten einfach nicht stattfindet? Um es kurz zu machen: Ich habe keinerlei Geschenke gekauft, kein Päckchen mit Weihnachtsplätzchen verschickt, der Adventskranz gammelt noch undekoriert auf der Gartenbank vor sich hin.  Aber ich habe, nach langem Zögern, vor drei Tagen doch noch einen der mittlerweile recht einsamen Weihnachtsbäume gekauft – einer der Übriggebliebenen.  Und ihn sogar geschmückt. Keinen verspielten Kinderbaum wie sonst, sondern einen nüchternen Erwachsenenbaum.  Wieso? 

Darüber denke ich nach, seit er nun im Wohnzimmer steht und bin mir nicht sicher, ob es eine gute Idee war. Ich habe ihn mit so viel Distanz wie nie geschmückt, mich innerlich auf Abstand gehalten. Ich konnte mich nicht auf ihn einlassen. Es ist kein perfekter Baum, oben sind die Äste zu kurz gewachsen und auch sonst gibt es Lücken. So, wie in meiner Familie, die sich dieses Jahr nicht unter unserem Tannenbaum versammelt. Der unperfekte Tannenbaum als Symbol für das ausgefallene Familienhochfest.

Irgendetwas in mir sagt mir, dass es ein Familienweihnachten, wie ich es seit über einem halben Jahrhundert kenne, für mich so nicht mehr geben wird. Der Weihnachtszauber hat sich unwiederbringlich bei mir tödlich mit Corona infiziert. Es ist in mir etwas zerbrochen. Ich spüre den Schmerz darüber bis in mein Innerstes. Loslassen, was einem heilig war, ist nicht leicht.

Fröhliche Weihnachten? Dieses Jahr sicher nicht.

Wasser des Lebens

Fisch mit Taufkerze

Wasser des Lebens, Worte des Himmels,
die sich verbinden, mächtig sie sind,
denn Gottes Segen fließt überströmend:
Du bist getauft, du bist Gottes Kind!

Klar wie das Wasser, rein wie sein Segen
tut sich der Himmel über dir auf,
du bist gehalten in Gottes Nähe,
nichts trennt dich wieder vom Lebenshauch.

Dank sei dir Gott, für bergende Nähe,
Dank sei für Schutz und für dein Geleit,
du bist der Anfang, füllst alles Leben,
zeigst einen Weg, gehst mit durch die Zeit.

Schick deine Engel, Hüter des Lebens,
sende uns deine Kraft, deinen Geist,
damit durch Wasser und deine Worte
du alles neu machst, segnest und heilst.

Text: Karl Ludwig Schmidt 2010

Wasser des Lebens

Taufe in Zeiten von Corona

Ich war sehr gespannt, wie denn eine Taufe in Zeiten von Corona so abläuft. Beim Einzug in die Kirche herrscht Mundschutzpflicht. In den Bänken darf der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden. Anwesend sind nur die 20 engsten Angehörigen. Jede 2. Kirchenbank bleibt leer, aber in einer Bankreihe dürfen 5 Personen Platz nehmen.

Die Pastorin beginnt mit einer Corona-Verhaltens-Aufklärung. Eigentlich hätte man den Gottesdienst gerne im Freien abgehalten, aber wir sind im Norden und das Wetter ist nordisch wechselhaft. Damit wir trotzdem singen können, wird es ein Wandel-Gottesdienst der eigenen Art. Für jedes Lied wird die Maske aufgesetzt und nach draußen gewandelt. Wir verteilen uns zwischen den Grabsteinen – der Friedhof beginnt direkt hinter der Kirchentür, der Gitarrenspieler und die Pastorin legen los und der Rest versucht zu folgen. „Lobe den Herren“ kennen noch einige, aber mit den modernen Kirchenlieder ist es so eine Sache. Sie werden von den Täuflingseltern zwar gerne ausgewählt, aber singen kann sie am Ende fast keiner. „Vergiss es nie, dass du lebst, war keine eigene Idee“ kennen nur sehr wenige. Das dritte Lied „Wasser des Lebens“ wird zur Melodie von „Morning has broken“ gesungen, was den Chor etwas anschwellen lässt. Ein sehr schöner Text (siehe den Post morgen).

Dann das Taufgeschehen an sich. Die Pastorin findet einfache erklärende Worte, was denn so eine Taufe bedeutet. Die Taufkerze wird vom Paten entzündet, der Taufspruch von der Patin vorgelesen, die Täuflingsmutter hält das Kind über das Taufbecken, der Vater – nicht die Pastorin – tauft das Kind. Die Pastorin hält sich in sicherer Entfernung.

Der Pate glaubt sich zu erinnern, dass er im Konfirmationsunterricht gelernt hat, dass er nur Nottaufen vornehmen dürfe und meint deshalb trocken: Dann ist das also eine Nottaufe.

Man wundert sich, zu welchen Zugeständnissen Kirche in Coronazeiten bereit ist: Der Vater tauft sein Kind und die Pastorin schaut zu. Mir gefällt das. Es handeln diejenigen, die es angeht: Die Mutter und der Vater wollen ihr Kind taufen und sie tun es selbst vor Gott. Für mich fühlt sich das sehr ursprünglich an, fast vor-christlich.

Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende
(Matthäus 18, 19-20).

Hierfür wurde gestern für den Täufling das Grundgerüst gelegt. Darüber, dass dies geschehen ist, bin wohl ich am meisten überrascht. Der gelegte Samen ist aufgegangen, was ich kaum erwartet habe. Ich stehe, staune und bin dem dankbar, der ihn wachsen ließ.

Täufling

Fische zur Taufe

Guter Gott,
Ein Täufling klopft bei Dir an.
Wir bitten Dich,
lass ihn gedeihen unter Deinem Schirm,
sei ihm in den Wechselfällen seines Lebens
Stecken und Stab,
sei ihm guter Hirte,
damit er zu Dir findet,
Dich nie verliert und sich nie verirrt,
gewähre ihm Schutz und Zuflucht ein Leben lang
und lass ihn ein Segen sein,
behütet und geleitet von Deinem Segen.

On Top

On Top, on Top,
wenn es nicht will,
dann will es nicht.

Habe ich mich gestern mit 2 meiner Männer ins Auto gesetzt,
um 2 Stunden durch die Landschaft zu gondeln,
um allen eine Freude zu machen und
gemeinsam das erste Footballspiel meines Lebens
mit Beteilung von Sohnemann 1
live anzuschauen.

Sohnemann2 meckert,
bei meinem Fahrstil könne er parallel nicht lernen 🏎
Mann meckert,
wir seinen zu spät los.
Ich, ich fahre.

Wir sind eine halbe Stunde vor Kick-off im Stadion.
Erster Zug: Sohnemann1 macht 20 Yard,
beginnt hervorragend.
Das Stadion tobt.
Mich freut es auch.

Zweiter Zug.
Sohnemann1 liegt am Boden,
wieder einmal umgehauen.
Kann das Spielfeld selbstgehend verlassen.
Das war’s.
Sehen ihn unten,
wie er von Physio verarztet wird.

Brrrrr, déjà vue.
Gerade hat er sich von der letzten schweren Verletzung zurückgekämpft.
Meine Hoffnung, dass er das ganz lässt,
hatte sich leider nicht durchgesetzt.
Ich: ich hasse diesen Sport!!!!
Sohnemann2, der diesen Sport auch betreibt: Stell dich nicht so an,
der hat nix, will den Kameraden nur etwas Verschnaufpause verschaffen bei der Hitze.
Dass ich nicht lache, die haben gerade mal angefangen.
Ich seh, wie Sohnemann1 am Spielfeldrand auf und ab humpelt.
Die Freude und Konzentration am Spiel hat bei mir abrupt geendet.

Anschließend sein Pad für ihn zum Auto getragen.
Sohnemann2 fährt Sohnemann1 nach Hause,
da er nicht selbst fahren kann.
Nach gemeinsamen Essen
treten wir wieder die Heimreise an.
Diesmal fährt Sohnemann2.

Nach etwa 60 km habe ich einen Geistesblitz:
Hast du Sohnemann1 seinen Schlüssel zurückgegeben?
Welchen Schlüssel?
Na den Autoschlüssel!!!
Sohnemann2 kramt in seinen Taschen:
Leider nein, alle Schlüssel von Sohnemann1
hängen an diesem Schlüsselbund.
Grrrrrrrrr……

Wir drehen wieder um.
Versuche Sohnemann1 zu erreichen und
unsere erneute Rückankunft anzukündigen,
schließlich war Neufreundin L. auch mit von der Partie.
Dauert etwas, aber dann erreiche ich ihn…
Danke, dass ihr umgekehrt habt.
Und alles retour.
Um kurz vor 24.00 fahre ich schließlich
zum Ausklang meines Ausruhtages
Sohnemann2 zum Bahnhof.

Heute nachmittag die Diagnose:
Verdacht auf Kreuzband- und Innenbandriss.
Grrrrrrrrrr…..
Gleich Anweisungen gewhatsappt.
Das hat mir gerade noch gefehlt….
Und alles on top, on top, on top…

Und immer weiter,
morgen ist auch noch ein Tag….
In der Ruhe liegt die Kraft….

Alarmstufe rot

Komm ich ins Krankenhaus,
um nach meinem Mann zu sehen,
fehlt sein Bett.
‚Wo ist mein Mann‘?
Fragen Sie bei den Schwestern.
Bei solchen Antworten schaltet der Körper schon auf Alarm.

Gleiche Frage wieder:
„Wo ist mein Mann?“
Vielsagende Blicke.
Warten Sie einen Augenblick,
ich hole einen Arzt.
Alarmpegel steigt.

Arzt kommt.
Sie machen mir Angst.
Alles gut,
ich erkläre Ihnen das gleich.
Hat man Sie nicht angerufen.
Nein, hat man nicht.
Alarmstufe rot.

Intensiv.
Beidseitige Lungenembolie.
Lebensbedrohend.
Und Herz pumpt auf beiden Seiten
völlig unterschiedlich.
Kommt vor bei multiplen Verletzungen.
Operation ist abgeblasen,
der Trümmerbruch das kleiner Problem

Ich darf ihn besuchen.
Nach 1.5 Stunden sehe ich ihm an,
dass er erschöft ist und gehe.
Ich bin wie in Trance.
Wie kann das Leben plötzlich so drehen?
Mein Gefühl sagt mir nichts Gutes.

Den Kindern sage ich erstmal nichts,
will ihnen die Feier heute nicht verderben.
Morgen ist auch noch ein Tag.

Ein Freund

Muss mal wieder einen Schwank aus meinem Leben erzählen.
Sohnemann, wegen seiner schweren Footballverletzung außer Gefecht, ist vom Spielfeld (hoffentlich nicht nur vorübergehend) hinters Mikrofon des Livestreams seiner Mannschaft gewechselt.

Co-Kommentator, verwundert über die gar nicht heavy Einmarschmusik der gegnerischen Mannschaft:

„Schon ein anderer Style hier. Die Einmarschmusik ist glaube ich ursprünglich von Heinz Rühmann.“

Sohnemann beredt, aber völlig unwissend:

Kenne ich nicht. Das ist vor meiner Zeit. Das muss ganz in meinen Anfängen gewesen sein.

Ich: umgehend eine Whatsapp geschickt:

„Das Lied ist von 1955! 40 Jahre vor deiner Zeit“

Bildungslücke gestopft!

PS: Ein bisschen Werbung machen, für das nächste Spiel:  Macht er wirklich sehr gut, selbst ich, der noch nie ein Footballspiel angeschaut hat, fand es spannend.

Knights FM.Live Streaming Radio

Desaster

Was sich gerade in Hamburg abspielt, macht einen fassungslos. Ich habe viel Verständnis für Demonstrationen, aber nicht in der Form, wie sie in Hamburg derzeit stattfinden. Pure Zerstörungswut. Ich habe auch kein Verständnis für die Schaulustigen oder diejenigen, die sich an den Gewaltausbrüchen ergötzen und damit indirekt die Gewalttäter schützen.

Was für ein Desaster. Der Gipfel selbst und noch viel mehr die Begleiterscheinungen. Es reiht sich eins ans andere…

Ausblick

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, mein Wochenende war gelungen. Seit gestern sitze ich und richte meinen neuen PC ein. Programme aufspielen, Lizenzinformationen suchen, Lizenzproblem lösen, die Freischaltefunktion suchen, warten, warten, warten, bis alles installiert ist.

Am meisten liebe ich die Meldung, ich müsse erst die andere Lizenz auf dem anderen PC deaktivieren, bevor ich sie auf dem neuen Rechner aktiviere. Wie macht man das, wenn man die defekte SSD in der Handtasche hat? Irgendwann war mir das, nach vielen Runden in den Hilfemenüs der Website, die nichts zur Problemlösung beigetragen haben, zu blöd, und habe kurzerhand eine neue erworben, neuere Version, die 3., die ich aufgespielt habe. Konsequent ist das nicht, ich weiß, aber 45.000 sortierte und in 28 Jahren Digitalfotografie verstichwortete Bilder schmeißt man nicht einfach in den Müll. Da bleibt man hartnäckig. Wer weiß, wie lange Verstichwortung so vieler Bilder dauert, weiß um das Grauen eines Verlustes.
Automatische Gesichtserkennung kann man vergessen. Habe ich schon probiert. Wenn ich nur an die ganzen Kleinkinderbilder meiner Kinder denke, bei denen ich bei manchen selbst nur schwer unterscheiden kann, um welches Kind es sich handelt, versagt jede Automatik. Bei den Erwachsenen funktioniert sie nicht viel besser. Von den ganzen Naturbildern ganz zu schweigen.

Mangels Performance meines alten PCs und weil das Jahr irgendwie so schnell vergangen ist, habe ich auch seit einem Jahr nicht mehr den gesamten Katalog gesichert. Ok, ein Jahr Stichwortverlust kann man angesichts des ganzen Restes verkraften. Aber auch von der letzen Komplettsicherung hat es die Icons nur bis etwa 2007 wieder hergestellt, wieso auch immer. Das Programm verknüpft nun seit über 10 Stunden neu und ist gerade mal bei 76%. Ich dachte, ich habe nun einen für meine Bedürfnisse zusammengebauten Hochleistungs-PC? Mal sehen, wie weit die Sache morgen früh gediehen ist, ob Icons, Stichwörter und Kataloge wieder funktionieren. Und wenn nicht?

Ausblick auf nächstes Wochenende. Aufgeben tue ich sicherlich noch lange nicht….

 Ausblick

Ach Marta

Auf dem Heimflug hatten wir heute Rückenwind, in rekordverdächtiger Zeit in den Feierabend gekommen. Wie freue ich mich, die Beine bald hochlegen zu können.

Aber dann: PC gestartet und das Elend beginnt. Dass es ein Elend ist, habe ich erst gar nicht realisiert, da ich ja meinen PC funktionstüchtig hinterlassen habe. War völlig ahnungslos. Und nun: Ntmarta.dll funkt SOS. System quasi manövrierunfähig, Tastatur funktioniert nicht, Browser funktioniert nicht, gar nichts funktioniert. Ca. 20 mal den PC neu gestartet, Marta lässt sich nicht kleinkriegen. Sohnemann zu Rate gezogen, auch keinen Rat, noch nie gesehen …Und bei der Problemlösung kein Durchhaltevermögen. Aber Aufgeben ist meine Sache nicht. Hat mir großzügig seinen Laptop zur Verfügung gestellt, auf dem ich nun schreibe. Aber, bis es soweit war…..

Ich habe zwar meine Dateien alle in der Cloud, meiner Reisetätigkeit geschuldet, aber wie sind die Passwörter? Bei den Passwörtern bin ich pingelig, die lassen sich nicht merken, die sind zufällig generiert. Ohne Passwort Tool kein Passwort. Da hilft aller Laptop nicht. Aber da ich ja nie aufgebe… Nach Stunden habe ich eine Lösung …. Und so bin ich jetzt auf dem Laptop meines Sohnes blogmäßig einsatzfähig.

Und morgen? Morgen, befürchte ich, muss ich mein kostbares Wochenende dafür einsetzen, meinen PC erst einmal zum PC-Doktor zu bringen. Ich befürchte, Marta komme ich mit Bordmitteln nicht bei …

Das Wochenende habe ich mir etwas anders vorgestellt. Das Leben ist eben kein Wunschkonzert. Ach Marta…

Verdeckte Sicht!

 Verdeckte Sicht Marta

With love from Palestine

„Insel ohne Wasser, Vogel ohne Flügel“ heißt das Buch von Agnes Fazekas, das ihre Begegnungen mit Menschen aus dem Westjordanland beschreibt. Von MENSCH zu MENSCH.

Was ich gelesen habe, hat mich aufgewühlt, betroffen gemacht. Es eröffnet sich der triste und beklemmende Blick in eine vergessene menschengemachte Hölle, in der die Menschen trotz alledem versuchen auszuharren und das Beste daraus zu machen.

Agnes Fazekas beschreibt den schweren Lebensalltag von Palästinensern, klagt an, ohne anzuklagen, selbst zerrissen zwischen ihrem israelischen Freund und Freunden und ihrer Empathie für die geschundenen palästinensischen Menschen, denen sie von MENSCH zu MENSCH begegnet. Mit ihrem Buch will sie aufrütteln, Bewusstsein schaffen und sie rüttelt ganz gewaltig auf. Sie zeigt das Unrecht und die Unmenschlichkeiten auf. Sie wertet nicht, sie berichtet. Das Bewerten dieses Glaubenskrieges, der Vertreibung der Palästinenser von ihrem Land mit der Begründung, von Gott sei das so legitimiert, überlässt sie dem Leser.

Was zu lesen ist, lässt einen zutiefst erschrecken: Da wird schikaniert, die Menschen vom Wasser abgeschnitten, von der Elektrizität, es wird ihnen die Bewegungsfreiheit genommen, sie werden hinter Mauern und Stacheldrahtzäune gezwungen, durch Schleusen mitten im Land. Wiederaufbauversuche werden mit Bulldozern niedergerissen. Großfamilien leben in Höhlen, in Containern, in Zelten, auch im bitterkalten Winter, ohne fließend Wasser, ohne Elektrizität. Es gibt auch vereinzelt reiche Palästinenser, aber die Mehrheit ist arm, versucht zu überleben, obwohl in ihrem Land fast kein Leben mehr ist.

Agnes Fazekas besucht und sucht die MENSCHEN, unabhängig von der Politik, erzählt Einzelschicksale. Aber auch sie kann sich dem Terror der Besatzungsmacht, der damit verbundenen Angst nicht entziehen. Die schrittweise und schleichende Okkupation auch des international den Palästinensern zugesprochenen Restfleckens ihres Landes ist eine auf jeder Seite spürbare Bedrohung des engen verbliebenen palästinensischen Lebensraumes. Man spürt förmlich, wie ihnen der Lebensatem abgeschnürt wird und man fragt sich unwillkürlich: Kann das auf Dauer gut gehen? Lässt sich jemand ohne Gegenwehr strangulieren?

Agnes Fazekas selbst ist Deutsche und lebt mit ihrem israelischen Freund in Tel Aviv. Sie versteht auch die israelischen Ängste und bringt das zum Ausdruck. Aber das ist nicht ihr Thema in diesem Buch. Sie will auf die Nöte der palästinensischen MENSCHEN aufmerksam machen, die in ihrem Land ausharren, sich trotz der Widrigkeiten nicht auch noch auf den Weg machen, um in Europa oder sonst wo auf der Erde sich einen neuen Platz zu erkämpfen. Sie wollen bleiben, aber können sie dort, wo sie sind, auf Dauer überleben, unter diesen Lebensumständen? Die Frage ist offen.

Und wir, die sogenannte Weltgemeinschaft? Wir schauen wie üblich zu, solange wir nicht direkt betroffen sind. Unserer Aufmerksamkeit wendet sich nur kurzzeitig dorthin, wenn irgendwo gebombt wird oder eine 3.Intifada ausbricht. So lange noch Zeit ist, das Schlimmste zu verhindern, hat das für unsere Regierungen keine Priorität. Sie treten erst in Aktion, wenn alles kurz und klein geschlagen ist und leisten dann „humanitäre Hilfe“ mit großem Einsatz. Wieso nicht, solange noch Zeit ist? Es wird den Menschen nicht ermöglicht, sich in ihrer Heimat eine Existenz aufzubauen oder bestehende Existenzen auf Dauer zu erhalten. Wenn sich die Massen dann schlussendlich doch in Bewegung setzen, um sich einen Flecken Erde zu suchen, auf dem es sich leben lässt, tun unsere Politiker dann ganz überrascht, erblindet und abgestumpft vom jahrzehntelangen Wegsehen und Nichtstun. An einem Brandherd kann man sich verbrennen, er kann sich aber auch zu einem Flächenbrand ausweiten. Die allerjüngste Geschichte hat das gezeigt.

Am vergangenen Mittwoch ging durch die Presse, dass ein junger israelischer Soldat, der einen wehrlos am Boden liegenden Palästinenser erschossen hat, durch ein Gericht verurteilt wurde. Selbst der Ministerpräsident Israels fordert nun seine Begnadigung, genauso wie 60% der israelischen Bevölkerung. Terroristen darf man erschießen, wobei ich nicht sicher bin, ob nicht alle Palästinenser als Terroristen betrachtet werden, die eine Bedrohung für Israel darstellen. Ein Rechtsanwalt hat es auf den Punkt gebracht: Es ist unerheblich, ob der Soldat die Regeln gebrochen hat oder nicht, erheblich ist, was in dieser Gesellschaft als moralisch gilt.
Recht wird durch rechte Gesinnung ersetzt, als „Moral“ verkauft, was an sich höchst unmoralisch ist. Palästinenser leben gefährlich, sie verlieren leicht ihr Recht auf Leben und Unversehrtheit aus israelischer Sicht. Alles mit der Tora in der Hand, mit dem Unaussprechbaren in der Standarte.

Unwillkürlich denke ich an die martialischen Texte im Alten Testament, die anscheinend wörtlich genommen werden, Recht hin und Recht her. Man blickt auf seine Bibel und fragt: Gott, hast du das so gewollt? Hast du die Ermächtigung erteilt, das palästinensische Volk von ihrem angestammten Land zu vertreiben, von ihren Lebensadern abzuschneiden, einzumauern, zu erniedrigen, langsam auszudürsten und auszuhungern?

Gott schweigt und auch nicht. Ich muss an meine Jahreslosung denken: „Gott in der Höhe ist gewaltiger als die Stimmen großer Wasser, als die gewaltigen Wogen des Meeres“. Ich befürchte, ich muss noch oft in diesem Jahr auf sie zurückgreifen, um mich an ihr festzuhalten.

Was kann ich als machtlose Einzelperson tun? Nicht viel, ich sehe schon die Schulterzucker. Agnes Fazekas hat in ihrem Buch um jeden MENSCHEN, der etwas für MENSCHEN tun will, geworben. Sie hat von der Möglichkeit des „Couch-Surfens“, eine billige aber gängige Übernachtungsmethode, erzählt, vom Palästinamarathon, von den Kletterparks, die entstehen, von den Wanderwegen, die im Aufbau sind, von der großen Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen, die auf uns, auf das Geld, das wir ins Land bringen, angewiesen sind, wollen sie dort überleben. Sie sind darauf angewiesen, dass wir sie nicht vergessen. Man glaubt es kaum, man kann Urlaub machen in diesem Land, anstatt das Geld nach Malle zu tragen. Und sie hat von der einzigen Weberei erzählt, die noch Kufiyas, die traditionellen Kopftücher, herstellt. Alle anderen mussten aufgeben, waren den Billigimporten nicht mehr gewachsen. Die Weberei produziert am Rande des Existenzminimums mit nur noch 4 Maschinen, 2 Stunden am Tag. Man kann den Menschen dort am besten helfen, indem man ihnen hilft sich selbst zu helfen, ihre Wirtschaftskraft stärkt.

Ich kam auf die Idee, nach dieser Weberei, von der Agnes Fazekas erzählt hat, im Internet zu suchen und fand sie ( MADEinPALESTINE.de und Kufiya.org ). Ich habe 2 Tücher bestellt, obwohl ich genug Tücher habe. Es gibt sie mittlerweile in verschiedenen unverdächtigen Touristenversionen, die helfen, die Absatzzahlen etwas anzukurbeln. Die Bestellung wurde prompt bearbeitet und verschickt. Statt eines bestellten schwarz-weißen Tuches kam ein grün-weißes, die Olivenbäume von Kaubar symbolisierend. Ein schöner Gedanke, ein Gedanke der Hoffnung. Die flexible Tüte war mit einem Aufkleber verschlossen“ With love from Palestine“ und es lag ein Beipackzettel bei:

„Thank you for choosing Hirbawi, the original kufiya made in Palestine. With your purchase, you are contributing to keep the last kufiya factory in Palestine running its production and preserving a Palestinian tradition and symbol.
We kindly ask you to further recommend the original and traditional kufiya by purchasing your Hirbawi from our official partner online shops.”

Was ich hiermit tue. Und es ist hinzugesetzt:

“You are most welcome to visit us at our factory in Hebron”.

Agnes Fazekas: Insel ohne Wasser, Vogel ohne Flügel. Im Zickzack durch das Westjordanland. Dumont, 2015.

 Palestine Agnes Fazekas

Dreikönigstreffen

Übrigens, unsere Drei Könige haben den Zieleinlauf inzwischen auch termingerecht geschafft, um ihr jährliches Dreikönigstreffen abzuhalten.

Weihnachtsendspurt!

Die Karavane zieht weiter, Weihnachten ist schon wieder graue Geschichte, abgehakt, bis nächstes Jahr der ganze Zauber wieder anfängt …

 Heilige Drei Könige - Dreikönigstreffen

2017er Wellen

Auf sieben fette Jahre folgen sieben magere Jahre. Eigentlich mag ich nicht über 2017 schreiben. Die Zeit der mageren Jahre hat begonnen. Sie bringen nichts Gutes. Gesundschreiben was todkrank ist, hilft nicht. Klüger, sich innerlich vorzubereiten, anstatt wie die Lemminge in den Abgrund zu laufen. Vorbereitet fällt man, tritt der Ernstfall dann ein, nicht aus allen Wolken, sondern landet – hoffentlich – auf beiden Füßen.

Was bringt das neue Jahr im Blog Neues? Ich denke nun seit vier Jahren täglich über die Tageslosung der Herrnhuter Büchergemeine nach. Sie haben ein festes Repertoire von 4000 Losungstexten in ihrer „Lostrommel“, die sich nach 4 Jahren wiederholen können. Die Bibel bietet aber viel mehr. Ich habe mich deshalb entschlossen, mir eigene Tageslosungstexte aus der Bibel herauszusuchen. Und wenn ich es nicht schaffe – der Blick auf letztes Jahr lehrt mich Bescheidenheit – greife ich auf die Herrnhuter Losungen zurück. Ich werde die Gewohnheit, mich täglich wenigstens einmal mit Gott und seinem Wort auseinanderzusetzen, also beibehalten, auch wenn ich erfahrungsgemäß weiß, dass es mich das ein oder andere Mal viel Disziplin kosten wird. Ich werde nur noch die Elberfelder Übersetzung verwenden, sie ist mir näher.

Meine Jahreslosung für 2016 ist 2017 weiterhin gültig: Sagen, was man sieht, auch wenn es unpopulär ist, so, wie die Botschaft, die Samuel seinem Ziehvater Eli überbringen musste:

Da rief ihn Eli und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete: Siehe, hier bin ich! Er sprach: Was ist das Wort, das dir gesagt ist? Verschweige mir nichts. Gott tue dir dies und das, wo du mir etwas verschweigst, das dir gesagt ist. Da sagte es Samuel alles an und verschwieg ihm nichts. Er aber sprach: Es ist der HERR; er tue, was ihm wohl gefällt (1. Samuel 3, 16-18).

Gottes Wege sind nicht immer einfach. So setze ich dieses Jahr hinzu, als Trost und um mich immer daran zu erinnern, wenn ich verzagen will:

Gott in der Höhe ist gewaltiger als die Stimmen großer Wasser, als die gewaltigen Wogen des Meeres (Psalm 93,4 )

Gott ist größer als alle menschlichen Wege und Irrwege. Solange ich auf Gott vertraue, kann ich getrost weitergehen, auch wenn wir unsere Welt aus den Angeln heben und sie in Schutt und Asche fällt, auch wenn man schwer ertragen kann, was man sieht und erfährt, auch wenn man erschrickt über die menschlichen Abgründe und Lügengebäude, über kaltes, menschenverachtendes Machtkalkül, wohin man blickt.

Mit Gottes Wort und seinem Segen gut gerüstet und gewappnet mache ich mich also auf den Weg ins neue Jahr. Es wird kein Spaziergang werden, aber: Gott ist gewaltiger als alle Dämme, die Menschen bauen und alle menschengemachte Wellen. Er ist der Mantel, der mich deckt.

Ich wünsche allen, Leser oder Nichtleser, Bekannten wie Unbekannten, mir selbst, dass wir alle trockenen Fußes durch das kommende Jahr gehen und, wenn die ein oder andere Welle über uns hinwegschwappt, wir uns immer an den EINEN Rettungsanker erinnern.

Gottes Segen im neuen Jahr!

 Neujahrs-Wellen 2017

Weihnachtssturmwind

Der Wind weht uns
dieses Jahr an Weihnachten
besonders stark um die Nase.

Landunter!

Als sei es eine Warnung,
dass die Deiche auch brechen können,
sind wir nicht auf der Hut.

Weichnachtssturmwind!

 Weihnachts-Sturm