Bleib bei mir – Abendgebet

Bleib bei mir, Herr!
Der Abend bricht herein.
Es kommt die Nacht,
die Finsternis fällt ein.
Wo fänd ich Trost,
wärst du, mein Gott, nicht hier?
Hilf dem, der hilflos ist:
Herr, bleib bei mir!
Wie bald verebbt der Tag,
das Leben weicht,
die Lust verglimmt,
der Erdenruhm verbleicht;
umringt von Fall und Wandel leben wir.
Unwandelbar bist du;
Herr, bleib mir mir!
Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein,
denn des Versuchers Macht brichst du allein.
Wer hilft mir sonst, wenn ich den Halt verlier?
In Licht und Dunkelheit,
Herr, bleib bei mir!
Von deiner Hand geführt,
fürcht ich kein Leid,
kein Unglück,
keiner Trübsal Bitterkeit.
Was ist der Tod,
bist du mir Schild und Zier?
Herr, bleib bei mir.
(Theodor Werner; EKG 488)
Abide with me

Brot

Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.
3.Mose 26,5
Dein Brot gib uns, o HERR,
damit wir nicht hungern müssen und
von deinem Wort jeden Tag satt werden,
aber nicht übersättigt,
so dass wir jeden Tag Appetit auf dich haben.

Herbstmosaik

Sommer, wohin bist du geflohen?
Kalt kommst du daher,
dein Mantel ist Regen,
dein Kleid Wind.
Der Herbst errötet vor der Zeit,
in buntes Mosaik gehüllt,
zeigt seine bunten Flügel,
letztes Farbspektakel,
das in seiner ersterbenden Fülle
im Flug dem irdenen Leben entrückt.
Herbsmosaik – Jungfer

Friedenslitanei

Gelobet sei der HERR, der seinem Volk Israel Ruhe gegeben hat, wie er es zugesagt hat. 
1.Könige 8,56
Wenn jemand seinen Nächsten verletzt, Herr schaff Frieden.
Wenn jemand sich von dir abkehrt, Herr lass ihn umkehren und schaff Frieden.
Wenn die Einsicht verschlossen ist, Herr öffne das Verstehen und schaff Frieden.
Wenn der Mensch geplagt ist, sei gnädig, lindere seine Not und schaff Frieden.
Wenn jemand zu dir betet und dich bittet, öffne dein Ohr und schaff Frieden.
Wenn jemand für dich ficht, sei ihm eine Waffe und schaff Frieden.
Wenn jemand gefangen ist, öffne sein Herz und schaff Frieden.
Wenn jemand ohne dich ist, Herr erbarme dich und schaff Frieden.
Gelobt seist du, o HERR, der einen Frieden gibt, den niemand streitig machen kann.

Tagträume

HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich!
Psalm 40,6
Ehe der neue Tag wird,
hast du, o Gott, ihn schon gedacht;
ein Wunder,
wenn wir uns auf deinen Gedanken
tragen lassen würden,
durch Tag und Raum,
durch Zeit und Ewigkeit,
tagträumend deinen Traum.

diese und jene

Das Volk derer aber, die ihren Gott kennen, wird stark bleiben und entsprechend handeln. 
Daniel 11,32
Es gibt immer diese und jene.
Jene kennen Gott nicht und werden deshalb untergehen.
Diese kennen den Namen ihres Gottes und er kennt den ihren.
Deshalb werden sie stark in ihrem Denken und Handeln sein,
selbst wenn es vor Menschen aussieht, als seien sie schwach.
Vor Gott zählt nur, was für ihn zählt.

Glück geben

Der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben zu allen Werken deiner Hände.
5.Mose 30,9
Der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben,
zu allen Werken deiner Hände,
er bringt nicht dir Glück,
sondern gibt Glück durch dich,
auf dass du ein Segen wirst für andere.

Äußerlichkeiten

Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? 
1.Könige 8,27
Salomo hat es geahnt:
Wie prachtvoll er auch das Bethaus baut, es ist nur Äußerlichkeit, in die er investiert und die am Ende verfällt. Sie ist nichts wert ohne inneren Glanz, der alleine bleibt.

Hoch-Zeit

Man wird wieder hören den Jubel der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, die da sagen: »Danket dem HERRN Zebaoth; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.« 
Jeremia 33,11
Wenn die hohe Zeit kommen wird, Hoch-Zeit,
die Zeit, in der Braut und Bräutigam zusammenfinden,
dann klingt ein klares „Ja“ durch die Welt
und DU und ich sind eins,
niemand kann uns mehr trennen.

Ein Bund fürs Leben.

Retter

Der Herr sprach zu Elia: Ich will übrig lassen siebentausend in Israel, alle Knie, die sich nicht gebeugt haben vor Baal. 
1.Könige 19,18
Gott ist klar in seiner Botschaft:
Ich bin der HERR, euer Gott.
Wenn ihr anderen Göttern nachlauft,
braucht ihr euch nicht darüber zu beklagen,
dass ich nicht euer Retter bin.

Anziehungskraft

Deine Sonne wird nicht mehr untergehen und dein Mond nicht den Schein verlieren; denn der HERR wird dein ewiges Licht sein. 
Jesaja 60,20
An dem Morgen, an dem das ewige Licht für uns aufgeht,
werden wir nur noch um Gott kreisen,
keine andere Anziehungskraft wird uns mehr aus der Bahn bringen können.

Hoffnung

Auf dich hoffen, die deinen Namen kennen; denn du verlässest nicht, die dich, HERR, suchen.
Psalm 9,11
Es klingt so einfach:
Auf dich hoffen, die deinen Namen kennen.
Wie viele kennen deinen Namen wirklich?
Wie viele suchen dich ehrlich?
Es ist dein Geheimnis, o Gott.
Wir können uns nie wirklich selber trauen.
Die Furcht des Herrn steht bei mir gleichberechtigt neben der Hoffnung,
die Furcht vor den eigenen Abgründen.

Lobpreis – Te Deum

Ich habe gerade mit den Benediktinern das Te Deum gesungen, zum Abschluss der Vigil am Vorabend zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel morgen. Ich liebe das Psalmsingen und habe schon viele dichte Singerlebnisse erleben dürfen. Aber heute, welch ein Erlebnis! Meine Seele hat sich mit dem Lobpreis in die Höhen der Abteikirche und darüber hinaus geschwungen. Noch nie war mir so klar, was Lobpreis ist, wie in diesen Minuten des Wechselgesangs, immer noch weiter, immer noch ein bisschen höher. Alles in mir Jubel. Ich hätte ewig weiter singen mögen. Heilige Tage sind immer besonders dichte Tage: Großes hat an mir getan der Mächtige: heilig ist sein Name. Ich bin sehr dankbar.
Dich, o Gott, loben wird,
dich, o Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt der Erdkreis.
Alle Engel jubeln dir,
Himmel und alle Gewalten.
Kerubim und Serafim mit unaufhörlichem Lob.
Heilig! Heilig!
Heilig, Herr, Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde deiner erhabenen Herrlichkeit.
Dich lobpreist der glorreiche Chor deiner Apostel.
Dich lobpreist die würdige Schar der Propheten.
Dich lobpreist das leuchtende Heer der Märtyrer.
Dich bekennt auf dem Erdenrund die heilige Kirche.
Dich, den Vater unendlicher Hoheit.
Deinen wahren und einzigen Sohn,
aller Anbetung würdig.
Den Geist auch, den Beistand.
Du, der Herrlichkeit König, Christus.
Du, der ewige Sohn des Vaters.
Du scheust nicht den Schoss der Jungfrau,
um zu befreien den Menschen.
Du besiegtest den Stachel des Todes,
hast allen, die glauben, erschlossen die Reiche der Himmel.
Du sitzest zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich nun flehen wir an:
Komm deinen Dienern zur Hilfe;
Du hast sie erkauft mit kostbarem Blute.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns unter die Heiligen.
Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe.
Und leite sie un erhebe sie bis in die Ewigkeit.
Alle Tage singen wir Lob dir.
Und preisen deinen Namen in Ewigkeit und für ewige Zeiten.
Herr, bewahre uns heute huldvoll vor jeglicher Sünde.
Sei uns barmherzig, o Herr, sei uns barmherzig.
Lass dein Erbarmen über und walten, o Herr,
wie wir von dir es erhoffen.
Auf dich, o Herr, hoffe ich:
Ich werde ewig nicht zu schanden!
(Beneditktinischen Antiphonale I, S.434)
(ich habe auf Youtube nichts gefunden, was dem Gesang von heute Abend adäquat wäre, ohne Beispiel, deshalb gibt es nur einen Gesangs-Link nach innen …)

Gerechtigkeit

Die Gerechten freuen sich und sind fröhlich vor Gott und freuen sich von Herzen. 
Psalm 68,
Gerecht vor dir, o Gott, ist, wer dein Recht erkennt und vor Augen hat.
Das von dir gesetzte Recht ist kein Menschenrecht oder –gebot, man erkennt es nicht auf Papier, dort sieht man höchstens Buchstaben, nicht den Zusammenhang. Man erkennt es nur durch dich, indem du uns die Augen öffnest.
Dein Recht und deine Gerechtigkeit macht nicht Angst, ist nichts, was wir tun können, sondern dein Geschenk an uns. Sie ist uns reine Freude, weil sie uns befreit und rein macht vor dir.

Mission Jesaja

Der HERR hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit. 
Jesaja 61,1
Die Mission des Propheten Jesaja, den Menschen von Gott zu erzählen, davon, was ist und was sein wird, zusammengefasst in einem einzigen Satz und ungekürzt:
Der Geist des HERRN ist über mir,
denn er hat mich gesalbt,
er hat mich gesandt,
den Elenden zu predigen,
die zerbrochenen Herzen zu verbinden,
zu verkündigen
den Gefangenen die Freiheit,
den Gebundenen, dass ihre Fesseln gelöst werden,
das Jahr der Gnade und
den Tag der Rache unseres Gottes,
zu trösten alle Traurigen,
dass die Asche auf ihrem Haupt zu ihrem Schmuck,
ihre Traurigkeit das Salböl ihrer Freude und
ihr betrübter Geist zu ihrem Festgewand werde,
dass sie genannt werden:
die Bäume der Gerechtigkeit,
Pflanzen, die den Herrn preisen.
(Jes 61, 1-3)
Mission Jesaja: die Menschen zum Hören bringen. Mission Impossible.