Paulus

Lieber Luther,
dieser Welt Weisheit ist eitel. Salomon hat das gelernt und in Demut angenommen, aber beileibe nicht jeder. Paulus schreibt im Korintherbrief: „Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue.“ Damit sind wir beim Predigttext für diese Woche (1.Kor 3, 9-15). Und ein paar Sätze später schreibt er: Der Herr weiß der Weisen Gedanken, dass sie eitel sind (1.Kor 3, 20). Er meint aber damit nicht sich, sondern die Korinther.
Aber, so möchte man ihm zurufen, frei von Eitelkeiten bist auch du nicht, lieber Paulus. Du verlangst von anderen, was du selbst nicht hältst. Die Korinther hatten ihre eigenen Ansichten. Paulus hält dagegen: Mein Wort und meine Predigt besteht nicht in vernünftigen Reden menschlicher Weisheit, sondern dient dem Beweis des Geistes und der Kraft, damit – so belehrt er sie – euer Glaube nicht auf Menschenweisheit fußt, sondern auf Gottes Kraft (1.Kor 2, 4).
Was hier zur Sprache kommt und den (griechisch-logisch) gebildeten Korinthern wohl aufgefallen ist: Paulus argumentiert in nicht nachvollziehbaren Pseudologiken. Wenn er seine Rede mit „Sintemalen“ anfängt oder wenn er argumentativ in Schwierigkeiten ist, nicht mehr weiter weiß, deshalb seine typisch suggestiven Fragen im Konjunktiv stellt, ist Vorsicht angebracht. Er stellt etwas als logisch in den Raum, was nicht logisch ist, er führt Scheinbeweise, die – mit fleischlich menschlich beschränkter Weisheit betrachtet – keine Beweise sind.
Deshalb, lieber Paulus, ist man versucht zu sagen, auch wenn es an deinem Ego kratzt, du bist auch nur ein Mensch, der entsprechend seiner Einsicht und mit bestimmter Absicht schreibt. Man kann – und das waren die Korinther, die Epheser und nicht nur sie – auch anderer Auffassung sein, die Schrift anders auslegen, das Überlieferte anders interpretieren. Dagegen hast du mit aller Macht angekämpft. Deine Auslegung hatte zu zählen und sonst nichts. Mit deiner Arroganz hast du viele Widerstände herausgefordert: Keiner „der Obersten dieser Welt“ hat die heimliche, verborgene Weisheit Gottes erkannt, außer dir natürlich, denn: Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist und deshalb lehren wir mit Worten, die der Heilige Geist lehrt.
Mit Bezug auf Jesaja fragt Paulus weiter (1. Kor 2, 7-16): „Wer hat des HERRN Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen?“ und setzt hinzu: Wir aber haben Christi Sinn. Was aber steht bei Jesaja? Wer unterrichtet den Geist des HERRN, und welcher Ratgeber unterweist ihn? Wen fragt er um Rat, der ihm Verstand gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn die Erkenntnis und unterweise ihn den Weg des Verstandes (Jes 40, 13-14). Jesaja redet von der unvergleichlichen und vom Menschen nicht zu fassenden Weisheit Gottes. Paulus reklamiert ganz unbescheiden Gottes Weisheit für sich.
Paulus hatte ein Autoritätsproblem. Petrus, der von Jesus selbst und direkt eingesetzte Hirte, hatte wesentlich mehr Anerkennung als Paulus, der Konvertit, der ehemalige Pharisäer. Petrus war DER Jünger Jesus. Er hatte Jesus herausgefordert, war von ihm belehrt worden und schließlich von Jesus selbst erwählt worden. Da konnte Paulus nicht mithalten. Deshalb wurde er auch immer in Frage gestellt, musste um die Anerkenntnis dessen, was er lehrte, kämpfen. So argumentierte er geschickt: Ich habe den Heiligen Geist, deshalb rede ich auch in Christi Sinn. Wer anderer Meinung ist, ist noch in Sünde und nicht in Christi Sinn (1. Kor 2)
Wer ist Paulus, wer ist Appolos, fragt er? Ich habe gepflanzt, Apollos hat gegossen, Gott hat Gedeihen gegeben. Und dann kommt der Satz aus dem heutigen Predigttext: Ich aber habe den Grund gelegt als weiser Baumeister… (1.Kor 3, 6-10). Welchen Grund hat Paulus gelegt? Jesus Christus. Jesus Christus, der Grund von Paulus gelegt? Da kann man schon irritiert sein. Hat nicht Jesus gepflanzt? Ist nicht Jesus der Eckstein? War nicht Jesus der Baumeister? Was mit Gottes Wille und Wege? War Paulus nicht mehr und nicht weniger ein Arbeiter im Weinberg des Herrn wie jeder andere auch?
Doch, sagt Paulus, um gleich die Regeln des Wettbewerbs zwischen seiner und anderen Auslegungen festzulegen: Jeder wird seinen Lohn nach seiner Arbeit bekommen. Wird jemandes Werk bleiben, da er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen (=verpuffen), der wird Schaden leiden. Und damit die Verhältnisse auch klar sind, setzt er gleich wieder zu einer seiner typischen Fragen an, die den anderen für dumm verkauft: Wisst ihr nicht (ihr beschränkten fleischlich und nicht geistlichen denkenden Korinther), dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? So jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig. Niemand betrüge sich selbst. Welcher sich unter euch dünkt weise zu sein, der werde ein Narr in dieser Welt, dass er möge weise sein (1.Kor 3, 8-19). Und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt: Denn dieser Welt Weisheit ist Torheit bei Gott, denn, so Paulus, es steht geschrieben: ‚Die Weisen erhascht er in ihrer Klugheit‘, mit Bezug auf Hiob. Was sagt aber Hiob tatsächlich: Er macht zunichte die Anschläge der Listigen, dass es ihre Hand nicht ausführen kann; er fängt die Weisen in ihrer Listigkeit und stürzt der Verkehrten Rat“ (Hiob 5, 12-13).
Das Verhältnis von Paulus zu den Korinthern war schwierig und belastet. Die Korinther haben ihre eigene Einsicht vom Glauben, die nicht immer Paulus Einsicht ist, und so versucht er sie auf seine Schiene zu bringen. Noch schwieriger war die Beziehung zwischen Paulus und den Ephesern. Wenn es darum ging, seine Position durchzusetzen, war er nicht zimperlich. Er will Kirche bauen, auf seiner Theologie fußend und alles was ihn daran hindert, argumentiert er irgendwie weg, oft suggestiv oder mit einer Argumentation, die nicht wirklich nachvollziehbar ist. Er setzt „Beweise“ in die Welt, die keine Beweise sind, fern ab von dem was in den Evangelien steht, als Setzungen des Heiligen Geistes. Er behauptet, was Jesus nie behauptet hat, jedenfalls steht es so nicht in den Evangelien. Paulus predigt sein eigenes Evangelium.
Paulus ist radikal. Wer ihm nicht folgt, folgt nicht Christus und wird verflucht: So jemand den HERRN Jesus Christus nicht liebhat, der sei anathema, das heißt, der sei verflucht (1.Kor 16, 22). Oder gar: Denn obgleich ihr zehntausend Zuchtmeister hättet in Christo, so habt ihr doch nicht viele Väter, denn ich habe euch gezeugt in Christo Jesu durchs Evangelium (1.Kor 4, 15). Und wehe, steht in unsichtbarer Klammer dahinter, ihr weicht von dem ab, was ich euch befohlen habe (1.Kor 11,17).
Der Brief an die Korinther beginnt mit: Paulus, berufen zum Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes (1.Kor 1,1). In allem was Paulus schreibt, stellt er sich auf einen Sockel, von dem ihn seither niemand mehr gewagt hat auf ein normal menschliches Maß herunter zu holen. Die Petrusbriefe beginnen demütiger: Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi (2.Petr 1, 1) oder bei Jakobus heißt es: Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesu Christi (Jak 1, 1). Paulus sieht sich als mehr, verpackt das, um nicht ganz unverfroren dazustehen, immer mit einem Satz scheinbarer Demut: Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, darum dass ich die Bildung der Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe vielmehr gearbeitet denn sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist (1.Kor 15, 9-10). Ein kurzer Rundumschlag des selbst ernannten Apostels gegen alle von Jesus ernannten Apostel.
Lieber Luther, man kann sich mit Blick auf die Erkenntnisse der heutigen Psychologie so seine Gedanken machen über Paulus. Die Metamorphose vom Saulus zum Paulus ist wohl nur zum Teil geglückt. Genauso verbissen, wie er zuvor die Christen bekämpft hat, so verbissen hat er als Christ für seine Theologie gekämpft. Genauso radikal, genauso unversöhnlich denen gegenüber, die anderer Meinung waren als er, man könnte fast sagen, so wie er als ausgebildeter Pharisäer im Dienste der weltlichen Macht über die Leichen der Christen gegangen ist, so radikal ist er nach seinem Seitenwechsel mit theologisch oder religiös anders denkenden umgesprungen. Seine Sündentheologie passt in dieses Muster der Ausgrenzung, genauso wie seine manchmal buchstäblich an den Haaren herbeigezogenen, logisch kaum nachvollziehbaren Ab- und Ausgrenzungsbemühungen gegenüber dem „Gesetz“.
Also hat Paulus gepredigt und also habt ihr geglaubt (1.Kor 15, 11). Lieber Luther, dieser Paulus hatte Sendungs- und Machtbewusstsein. Er wollte sich und seine Lehre, seine Theologie, seine Auslegung der Beziehung der Menschen zu Gott, durchsetzen. Er geht eigene Wege. Seine Lehre vom Heiligen Geist, seine Sündentheologie, die Kirche als der Leib Christi, seine Lehre von der Auferstehung, alles paulinisch. Auf Jesus kann hiervon so gut wie nichts zurückgeführt werden und wenig auf das Erste Testament. Auch dagegen grenzt er sich ab, während Jesus darauf baut. Er beruft sich so gut wie nie auf ihn oder das, was von ihm erzählt wird.
Lieber Luther, ich muss gestehen, ich lese, wie die Korinther und die Epheser, die paulinischen Texte oft mit einem gewissen Unmut: Zuviel, was nur bei Paulus steht und sonst nirgends in der Bibel. Was er schreibt, wirkt unter den anderen Texten wie ein Fremdkörper, zu viel führt in eine Sackgasse, zu viel was er sich und anderen argumentativ in der Luft hängend zumutet, verkleistert und vernebelt in der umständlichsten Sprache der gesamten Bibel. Es hat viele Monate gedauert, bis dieser Brief zustande gekommen ist, bis ich ihn mir zugetraut habe, weil ich weiß, dass ich mich in ein Wespennest setze. Es ist sicher nicht der letzte Brief, den ich dir über Paulus schreibe, aber der Anfang ist endlich gemacht. Es gibt noch viel über Paulus zu sagen, auch viel Positives, auch wenn das heute noch nicht so richtig zu Wort gekommen ist.
Herzliche Grüße
Deborrah

Never give up!

Hier wieder einmal eine Bet-Mutmach-Geschichte:
Vor meinem Urlaub hatte ich wochenlang mit meinem Team an einem Positionspapier gearbeitet, es als letzte Tat vor meinem Urlaub vollendet, 26 Seiten Powerpoint-Präsentation in Englisch, mit vielen Grafiken, sehr zeit- und arbeitsaufwendig. Ich war ganz zufrieden mit dem Resultat, als ich an meinem letzten Arbeitstag kurz nach 19.00 Uhr meinen Computer heruntergefahren habe.
Diese Woche wollte ich die Präsentation hervorholen, jedoch, sie war nicht mehr aufzufinden. Den ganzen Computer, eRooms, eMail-Anhänge überprüft: Nichts, keine Spur. Mein Termin rückte näher, mein Stresslevel stieg und stieg. Meine Analyse: Wahrscheinlich habe ich die Datei, als ich meinen Computer heruntergefahren habe am letzten Arbeitstag, im Tran der Erschöpfung und einen Augenblick unkonzentriert, überschrieben, „Do you want to save the data“, „yes“. Alles verloren, ein Desaster am ersten Arbeitstag. Und wieso habe ich eigentlich keine Vorversionen?
In Lösungen denken. Computerspezialisten anrufen, vielleicht gibt es irgendwo in den Tiefen des Systems Sicherungskopien. Gecheckt: Nichts. Im Termin: Improvisieren, sorry, mein Papier ist leider unwiederbringlich verloren gegangen. Ich hätte heulen mögen. Ich hatte im Urlaub alles gründlich im Kopf weggepackt, unmöglich alles im Detail zu rekapitulieren und neu zu erstellen. Abgesehen von der fehlenden Zeit. Jede Minute ist ausgeplant. In Nachtschichten versuchen das Nötigste wieder auf Papier zu bringen, nach 12 Stunden Arbeit? Völliger Stress am ersten Arbeitstag. So habe ich mir meinen Arbeitsbeginn nicht vorgestellt.
Es hat mich gewurmt. So eine Fehlleistung! Nicht wirklich eine Katastrophe im Vergleich der Weltkatastrophen, aber für mich eine Alltagskatastrophe. Es ist wie wenn der Pfarrer auf der Kanzel steht und seine Predigt nicht mehr findet. So bin ich zu meinem Team und habe ihm eröffnet, dass durch meine Dusseligkeit leider alles weg ist, was wir vor meinem Urlaub gemeinsam erarbeitet haben. Wie peinlich. Die werden sich ihre Gedanken gemacht haben. Aber: Never give up.
Plötzlich schießt es mir durch den Kopf: Was tust du, wenn du sehr bedrängt bist? Du betest. So habe ich gebetet, vor meinem Computer, in meinem Büro, in dem ich nicht alleine bin, mitten im Trubel des Berufsalltags, habe mein Auge vom Bildschirm weg nach innen gerichtet:
Lieber Gott, ich brauche dich, so höre mich.
Gib mir die rettende Idee!
Du hilfst, wenn ich dich brauche.
Du siehst meinen Stress und meine Panik,
sieh auf dieses Häuflein Verzweiflung.
Du weißt, ich vertraue auf dich,
ich bitte dich, hilf!
Und die Idee war da. Ich war in Frankreich. Ruf doch mal die Mitarbeiterin an, die in Deutschland ist. Wenn ich es recht erinnere, hat sie etwas zugearbeitet. Gesagt, getan. Natürlich habe ich ihr von dem Missgschick erzählt. Sie hat sich auf die Suche gemacht und siehe: Sie hat die letzte Version auf einem Laufwerk gefunden! Ich konnte es nicht fassen.
Lieber Gott, du hast mir tatsächlich die rettende Idee gegeben!
Heile du mich, Herr, so werde ich heil,
hilf du mir, so ist mir geholfen.
Und wieder hätte ich heulen mögen, diesmal vor Dankbarkeit. Dass Gott sich bei mir in Erinnerung gebracht hat, jetzt, wo ich ihn brauche, an einem Ort und in einer Situation, in der wir in der Regel blind und taub für ihn sind. Angesichts seiner Wirksamkeit und seiner Präsenz in meinem Hier und Jetzt, in meinem einfachen, profanen Alltag, mit meinen banalen, eigentlich völlig unwichtigen Alltagssorgen. Ich weiß, ich bin absolut sicher, er ist da, er hört mich, er hilft. Ich muss ihn nur zu Gehör kommen lassen, meinen Lärm nur für eine Minute abstellen und anstatt mit mir selbst mit ihm reden. Er hat es mir bestätigt. Wie lehrreich und wie bekräftigend ist diese Alltags-Gottes-Erfahrung für mich. Never give up! Setz auf den, der dich allein retten kann!
Rettungspfahl

Wimpernschlag

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Psalm 31,16
Gute Zeiten,
schlechte Zeiten,
Wartezeiten,
Anfang,
Ende,
Übergang.
Alles nur ein Hauch von einem Wimpernschlag in der unendlichen Weite der Ewigkeit. Da können wir ganz gelassen bleiben.

Mein DEIN

Er wird sich unser wieder erbarmen und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. 
Micha 7,19
Die Losung ist eine nähere Erklärung der gestrigen Losung.
Im Zusammenhang gelesen :
Wer ist ein Gott wie du, der
die Ungerechtigkeit vergibt und
die Übertretung des Überrestes seines Erbteils übersieht?
Er behält seinen Zorn nicht auf immer,
denn er hat Gefallen an Güte.
Mein Teil, sein Teil, unser Anteil.
Mein DEIN
Er wird sich unser wieder erbarmen,
wird unsere Ungerechtigkeiten niedertreten;
und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
DEIN Mein

Arbeiter – Geleit

Arbeiter,
vergiss nie,
für wen du arbeitest,
wessen Brot du isst,
wer dich hinstellt,
wo du bist.
Auf, zu einer neuen Schicht.
Arbeiter,
vergiss nie,
auf wen du hörst.
Ein Ohr leihe der Welt in der du lebst.
Ein Ohr verstopfe,
damit du im täglichen Lärm des Alltags
meine Stimme noch hörst.
Arbeiter,
vergiss nie,
wieder aufzustehen, auch wenn du müde bist.
Verlasse meinen Weg nicht,
hüte dich vor deinen Untiefen.
Fürchte dich nicht,
ich will die Hügel vor dir glätten.
Arbeiter,
vergiss nie,
im Morgengrauen stehe ich mit dir auf,
gehe mit dir jeden Weg durch den Tag,
am Abend gebe ich dir Ruhe und
durch die Nacht wache ich bei dir.
Wo du auch bist, ich bin bei dir.
Arbeiterin

Glückstag

Freu dich, wenn du einen Glückstag hast. Und wenn du einen Unglückstag hast, dann denke daran: Gott schickt dir beide, und du weißt nicht, was als Nächstes kommt.
Prediger 7,14
Mein Glückstag heute,
kann sich morgen
als Unglückstag entpuppen.
Praktisches Beispiel: Hochzeiten
Wie ist der heutige Glückstag
am Trennungstag zu bewerten?
War es nun Glück oder Unglück?
Es war Leben,
das am jeweiligen Tag an der Reihe war.

Sex, Crime & Rubikon

Lieber Luther,
manchmal sind die Auslassungen aussagekräftiger, als das, was dasteht. So ist es mit dem Predigttext dieser Woche. Er besteht nämlich aus Auslassungen (2.Sam 12, 1-10, 13-15a). Zweieinhalb Verse, die es in sich haben, fehlen. Warum?
David ist ein demütiger Mann. Er geht Gottes Wege, auch wenn sie meistens nicht sehr bequem sind. Es geht auf und ab in seinem Leben. Vom Hirten, zum Helden, zum Krieger, zum König, zum Verfolgten, zum Geschlagenen, zum Enttäuschten, zum Müden und immer Diener des HERRN. Er arbeitet dort, wo Gott ihn hinstellt. Aber, wo Stärke ist, ist auch Schwäche. Das gilt auch für David.
Er stolpert, wie später auch sein Sohn Salomon, über eine Frau. Er ist in der Beziehung kein Kind von Traurigkeit. Seine Vielweiberei ist in der Bibel bezeugt. Eines Tages wirft er nicht nur sein Auge auf die Frau eines anderen, schlimmer noch, er lässt ihren Mann ermorden. Er übertritt dabei zweifach Grenzlinien: Er begeht einen Diebstahl, indem er dem anderen die Frau stiehlt und er mordet auch noch dafür. Er bricht, wie ein Dieb in der Nacht, in den Schafstall des anderen ein und nimmt auf Grund seiner Machtfülle, was ihm nicht gehört.
Die Frau, Bathseba, widerstrebt, sie ist eigentlich mit ihrem Mann zufrieden, aber David respektiert das nicht. Er respektiert auch nicht, dass der Mann sein treuer Diener ist, der für ihn in den Krieg gezogen ist und sein Leben riskiert. Dann der absolute Fauxpas: David schickt den Mann des Objektes seiner Begierde durch seinen Heerführer dorthin, wo keiner überlebt. David stiehlt nicht nur die Frau, er liefert auch noch den treuen und loyalen Anhänger aus Eigennutz ans Messer (2.Sam 11). Szenen, die das Leben schreibt.
Der Prophet Nathan weißt David in einem Bild auf sein Fehlverhalten hin. Ein Reicher bekommt einen Gast und will ihm kein eigenes Schaf „zurichten“, sondern nimmt hierfür das Schaf des Armen. Das Schaf ist die Frau, der Gast Davids Begierde. David erkennt, dass dies Unrecht ist, aber nicht, dass er selbst es ist, der Unrecht getan hat. So sagt es ihm Nathan. David erkennt was er selbst nicht erkannt hat und erschrickt in den Tiefen seiner Seele: Ich habe gesündigt wider den HERRN. Nathan antwortet: Ja, was antwortet Nathan?
So hat auch der HERR deine Sünde „weggenommen“; du wirst nicht sterben. So übersetzt du, lieber Luther. Dass dieses „weggenommen“ nicht so ganz in den Zusammenhang passt, ist dir sicherlich auch aufgefallen. Nathan hat nicht die Vollmacht für Gott von Sünden freizusprechen. Woher kommt diese Aussage plötzlich? Kein Prophet spricht in der Bibel von Sünden frei. Es ist, lieber Luther, ein Übergang gemeint. „Abar“ steht im Hebräischen für Übergang von einem Flussufer zum anderen. Es ist gemeint: Du – David – bist vom Weg des Herrn abgewichen und hast den Rubikon zur Sünde überschritten, aber, ich halte dir die Treue, du wirst auch in dem Land jenseits des Sündenflusses nicht für mich sterben.
Das ist die Kernaussage der ganzen Geschichte, die Kernbotschaft. Diese Zusage Gottes, dass er, sofern wir bereuen und umkehren, uns nicht vor seinen Augen sterben lässt. Auch wenn wir wie David den Rubikon überschreiten. Auch wer noch so heilig ist, wie David, sündigt. Jeder sündigt. David ist uns ein Trost und ein Vorbild, wie wir damit umzugehen haben. An David können wir uns festhalten.
Dieses Herzstück der Geschichte fehlt im Predigttext und damit bin ich bei den oben angesprochenen Auslassungen. Sind sie zu eingebettet in das Leben, das oft alles andere als feinfühlig daherkommt? Angst vor Klartext? Die kennt Nathan nicht.
Als Konsequenz prophezeit er: Die Folge deines Fehlverhaltens ist, dass von deinem Haus das Schwert, das du gegen Uria erhoben hast, in alle Ewigkeit nicht lassen soll, weil du von meinem Weg abgewichen bist. Die böse Tat fällt auf den, der sie verübt hat, selbst zurück. Der Mensch, der – meist unwissend und blind – gegen sich selbst wütet und sich selbst zerstört, ungeachtet der Folgen für seine Kinder und die Nachwelt. Nun soll von deinem Haus nicht lassen das Schwert ewiglich. Gott verhindert nicht, Gott greift nicht ein, Gott lässt Mensch gegen sich selbst wüten. So ist es bis heute. Mag jemand widersprechen? Nichts zu lernen? Wieso muss man das auslassen? Worin besteht der Unterschied in menschlichem Verhalten zwischen vor 2000 Jahren und jetzt?
Und weiter prophezeit Nathan: Siehe ich will Unglück über dich erwecken aus deinem eigenen Hause und will deine Weiber nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, dass er bei deinen Weibern schlafen soll an der lichten Sonne“ (2.Sam 12, 10-11).
Das klingt herbe. Da haben die betreffenden Kirchenoberen – moralinsauer – wahrscheinlich gedacht: Das lassen wir lieber auch weg. Noch mehr sexuelle Ausschweifung ist an dieser Stelle der Gemeinde nicht zuzumuten. Ist es das? Haben sie da nicht – ganz Mann – mehr auf die nackten Tatsachen geschielt als auf die Botschaft, mehr Fleisch als Geist vor Augen, blind gegenüber der Realität?
Was Nathan ankündigt, passiert tatsächlich, das lernt man, wenn man ein paar Kapitel weiter liest, es erwächst Unglück aus dem eigenen Haus: Einer von Davids Söhnen, Absalom, verschwört sich gegen ihn, putscht und tut, was heute noch aktuell in solchen Situationen weltweit passiert: Er vergewaltigt die Frauen seines Vaters auf Anraten eines übergelaufenen Beraters (2.Sam 16, 21-23). Nicht aktuell? Warum stehen in der Bibel solche Greueltaten? Bibel ist Mensch wie er leibt und lebt. Bibel zensiert das Leben nicht. In der Bibel stehen die Greueltaten der Menschen, die sich in den 2000 Jahren seither nicht geändert haben. Wer will den ersten Stein auf diese Bibelstelle werfen?
Um was geht es also? Zum einen um Sex, um machtmissbräuchlichen, erzwungenen Sex, um Vergewaltigung als Kriegswaffe. Um männliche Gewalt, die Frauen aufgezwungen wird. Das dies nicht dem Gebot der Nächstenliebe entspricht, bedarf keiner Erläuterung. Es geht aber auch um Diebstahl, um das An-sich-Denken auf Kosten des anderen, das Stehlen der Wohlfahrt des anderen, um das Hintanstellen der Interessen des Nächsten, selbst wenn dieser einem freundlich gewogen ist und einen unterstützt. Es geht um die Heimlichkeiten, die Ränke, die geschmiedet werden, um seine eigenen Ziele zu erreichen: Denn du hast es heimlich getan; ich aber will dies tun vor dem ganzen Israel und an der Sonne.“ (2.Sam 12, 12). Alles kommt irgendwann ans Tageslicht, wird von der Sonne beschienen und muss diesen Schein aushalten.
Jesus formuliert es so: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer nicht zur Tür eingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder (Joh10, 1). Und es geht um die Konsequenzen: Gehe ich mit schlechtem Beispiel voran, gehen andere nach und ich kann mich nicht beklagen, auch nicht über die Kinder. David hat sich nie über Absalom beschwert, im Gegenteil, er hat schwer getrauert um dieses verlorene Kind und ist ihm immer wieder entgegen gegangen, oft zu eigenen Lasten. Auch das zum Lernen.
Lieber Luther, man hätte das Abscheuliche auch, wie der Predigttext es tut, verschweigen können. Damit wir uns damit nicht befassen müssen. Wieso tut es die Bibel nicht: Weil sie sonst ihren Zweck verfehlen würde. Damit wir an ihr unsere eigenen Greueltaten erkennen und am Beispiel lernen. Man schaue auf die Kriege und Vergewaltigungen in dieser Welt. Wer meint, Vielweiberei sei in unseren Breitengraden abgeschafft, schaut auf das Gesetz, nicht auf das Leben und die nackten Tatsachen. David hat sich Gott und dem Leben mit allen Konsequenzen demütig gestellt wie es ist. So sollten wir es auch halten.
Herzliche Grüße
Deborrah

Waffen

David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Lanze und Spieß, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth. 
1.Samuel 17,45
Wie sehr wir gerüstet sind,
alle irdischen Waffen versagen,
vor dem bloßen Namen des HERRN,
unseres Gottes.

Bleib bei mir – Abendgebet

Bleib bei mir, Herr!
Der Abend bricht herein.
Es kommt die Nacht,
die Finsternis fällt ein.
Wo fänd ich Trost,
wärst du, mein Gott, nicht hier?
Hilf dem, der hilflos ist:
Herr, bleib bei mir!
Wie bald verebbt der Tag,
das Leben weicht,
die Lust verglimmt,
der Erdenruhm verbleicht;
umringt von Fall und Wandel leben wir.
Unwandelbar bist du;
Herr, bleib mir mir!
Ich brauch zu jeder Stund dein Nahesein,
denn des Versuchers Macht brichst du allein.
Wer hilft mir sonst, wenn ich den Halt verlier?
In Licht und Dunkelheit,
Herr, bleib bei mir!
Von deiner Hand geführt,
fürcht ich kein Leid,
kein Unglück,
keiner Trübsal Bitterkeit.
Was ist der Tod,
bist du mir Schild und Zier?
Herr, bleib bei mir.
(Theodor Werner; EKG 488)
Abide with me

Brot

Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher in eurem Lande wohnen.
3.Mose 26,5
Dein Brot gib uns, o HERR,
damit wir nicht hungern müssen und
von deinem Wort jeden Tag satt werden,
aber nicht übersättigt,
so dass wir jeden Tag Appetit auf dich haben.

Vergebens predigt Salomon…

Salomon, nach Wilhelm Busch – Lesart:
Vergebens predigt Salomo.
Die Leute machen’s doch nicht so.
Wer mal so ist, der bleibt auch so.
Wer auf den rechten Weg will,muss durchaus durch sich selbst hindurch.
Fortwährend hinter angenehmen Erwartungen schleichen die unangenehmen Möglichkeiten.
Der klugen Leute Ungeschick stimmt uns besonders heiter.
Man fühlt doch für den Augenblick sich auch einmal gescheiter.
Er muss die letzte Strophe mitsingen.
Mit sich selbst ist man nicht immer in der vornehmsten Gesellschaft.
»Bitte, sagen Sie nichts von der Verlobung!« –
»Tut mir leid. Mariechen ist grade damit los.«
Ein böses Wort läuft bis ans Ende der Welt.
Ihr ging’s wie dem neugierigen Zicklein, das in den Korb sah, wo die Katze mit den Jungen saß.
»Das erfrischt!« sagte die Katz‘, da fiel sie ins Regenfass.
»Das wird ein warmer Tag!« sagte die Hexe, da sollte sie verbrannt werden.
»Es wird mir so eng in der Haut!« sagte die Laus, da wurde sie geknickt.
Oben hält er den Sack zu, der unten ein Loch hat.
Der Ungeduldige fährt sein Heu nass ein.
Lamm: »Warum zerrupfst du mein Kleid?«
Dornenstrauch: »Weil es mich freut.«
Bettelleut‘ hat keiner gern,
Mehr beliebt sind reiche Herrn.
Es geht der Krieger, der gerechte,
Mit frohem Mute zum Gefechte.
Indessen ist es ihm doch lieber,
Wenn alles erst mal gut vorüber.
Horcher: Die Seele guckt ihm aus den Ohren.
Er gräbt ein Loch; ein zweites, um die Erde hereinzubringen (Schuldenmacher).
Schneid einen Dieb vom Galgen, und er bestiehlt dich.
Niemand holt sein Wort wieder ein.
Den Lasterhaften tadelt oft, wer ihn beneidet.
Der Vater Adam sockte weiter
Nachdem er Kain das verwies.
Er sprach: »Auf seiner eignen Leiter
Kommt keiner in das Paradies.«
Er wäre was, wenn er was hätte.
Fliehende Frucht