Lügengebäude

Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und Propheten und Priester gehen alle mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede.
Jeremia 6,13-14
Wie recht du hast, es gibt einige, die das auch heute noch so handhaben.
Für heutige Verhältnisse ist die Aussage, zumindest in Regionen ohne kriegerische Auseinandersetzungen, jedoch etwas umzuformulieren. Heute wird gepredigt: „Liebe! Liebe!“, und ist doch nicht Liebe.
Das verkleistert, dass unter der Oberfläche keine wirkliche Liebe ist. Doppelt schwer wiegt das bei Propheten, Priestern, Pastoren, Wortverkündern:
Wenn sich bei ihnen das Verkündete als nichts als heiße Luft erweist, wenn man sie nicht beim Wort nehmen kann, ist der Schade groß.
Wenn sie vergessen haben, was sie gerade gepredigt haben, was für ein Gebet sie in den (Kirchen-)Raum geschickt haben, sobald sie von Rolle zu Individuum wechseln, heilen sie den Schaden nicht, sie vergrößern ihn sogar.
Wir sind schnell dabei, uns mit Jesu Liebe die Generalabsolution zu erteilen für alles was wir tun, selbst für Verleugnung mit Blick auf Petrus. So einfach ist die Sache nicht. Dass das unsere Generalabsolution ist, nicht Gottes, wird vergessen, dass einmal ein Gericht sein wird, wird verschwiegen.
Gottes Gericht, Gottes Gesetz, Gottes Recht – all das wird kommen, auch das ist uns verheißen, und zwar bevor die Liebe kommt. Und es ist gut so. Wir müssen uns dereinst erst von unseren Lügengebäuden reinwaschen lassen. Das ist der rechte Gewinn am Ende, den Jeremia meint.
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Wölfe im Schafsmantel

Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt. 
Psalm 83,2-3
Gut, dass du dein Schweigen hin und wieder unterbrichst.
So würden wir die Wölfe,
die im Schafsmantel daherkommen
und sich hinter deinem Wort verstecken,
nicht erkennen.
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Schlamassel

Wie sollte ich ein so großes Unrecht begehen und wider Gott sündigen? 
1.Mose 39,9
Ja, wieso sollte ich?
Joseph ist gegen seinen Willen verstrickt worden
Und plötzlich war er mitten drin im Schlamassel.
Gott hat das zugelassen.
Warum?
Darauf gibt es keine Antwort.
Er hat es auch wieder gerichtet.
Nach welchem Plan?
Auch darauf gibt es keine Antwort.
Was ist sein Plan?
Wie kann ich nicht gegen ihn verstoßen,
wenn ich ihn nicht kenne oder
nicht verstehe?
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Weichenstellung

Ihr werdet bald für euch selbst sorgen müssen, denn das Ende meines irdischen Daseins ist nah (Luk 22, 36 ff)
Deshalb rate ich euch:
Haltet zusammen.
Wer einen Beutel hat,
der nehme ihn,
desgleichen auch eine Tasche.
Wer aber nichts hat,
der verkaufe sein Kleid und
kaufe ein Schwert.
Sie antworteten, wieder einmal nichts verstehend, denn das Verständnis war ihnen noch nicht geöffnet: Herr, siehe hier sind zwei Schwerter.
Er aber sprach:
Es ist genug.
Genug an Gewalt.
Genug an Missetaten.
Genug an Verrat.
Er meinte ein ganz anderes Schwert.
Denn,
das Schwert ist der Zorn über die Missetaten,
auf dass ihr wisst, dass ein Gericht sei (Hiob 19, 29)
Deshalb, da ihr das wisst:
Seid zornig über Gewalt, Missetaten und Verrat,
verkündet, dass der Mensch sich dafür eines Tages verantworten muss,
gebt euer letztes Hemd für diese Botschaft,
bekennt euch dazu, auch wenn ihr euch entblößt und
ihr durch das Schwert, das ihr meint,
am Ende fallt.
Ein nicht ganz einfacher Text.

Jammer

Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! 
Psalm 25,18
Wie oft, lieber Gott, habe ich das schon zu dir geschrien.
Geschrien, weil du in meinem Empfinden taub bist,
damit ich dich aufwecke.
Jedoch,
du bist mit
meinem Jammer,
meinem Elend,
meinen Sünden
geduldiger
als ich
mit dir.
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Fastenzeit der Seele

Lieber Luther,
die Fastenzeit hat begonnen. Das scheint die Phantasie der Menschen in Gang gesetzt zu haben. Fastenvorhaben konzentrieren sich auf Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen, Internet, Smartphone, Müll, Auto, usw.
Lauter Konsumartikel. Willentlicher Verzicht auf Verzichtbares. Ist das mit vorösterlichem Fasten gemeint?
Die Antwort finden wir in Matth.4, 1 ff.: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Er hat eine Bewährungsprobe zu bestehen. 40 Tage und 40 Nächte fastet er. Nun „hungert ihn“.
Daraufhin wird Jesus dreimal versucht:
Der erste Angriff gilt dem Ego: Wenn du Gottes Sohn bist, dann kannst du auch Steine zu Brot machen, auf dass es deinen Hunger stille. Jesus hat aber auf etwas ganz anderes Hunger: Auf das Wort Gottes, durch das der Mensch erst wirklich lebt.
Der zweite Angriff gilt dem Glauben in das Wort: Du kannst dich getrost in die Tiefe stürzen, denn es steht ja geschrieben, Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf Händen tragen werden (Psalm 91, 12). Jesus kontert: Es steht auch geschrieben, du sollt Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.
Der dritte Angriff gilt der Habgier und Käuflichkeit: Ich gebe dir allen Reichtum und weltliche Macht, wenn du vor mir in die Knie gehst und mich anbetest. Jesus bleibt standhaft: Es steht geschrieben, du sollst Gott, deinen Herrn, anbeten und ihm dienen.
Dreimal ist Jesus der Versuchung ausgesetzt und dreimal beruft er sich auf Gottes Wort. Das ist es wonach Jesus hungert.
Wieso konnte er widerstehen? Jesus ist bereits von Johannes getauft, er hat aber seine Lehrtätigkeit noch nicht aufgenommen. Er ist sozusagen noch ein nicht herausragender Mensch. Dann schickt ihn der Geist, der in der Taufe auf ihn gekommen ist, in die Wüste, um ihm seine geistig seelische Rüstung anzulegen.
40 Tage dauert es, bis Jesus den verzichtbaren menschlichen Ballast über Bord geworfen hat, bis er seine Seele geklärt hat und nun für die göttliche Mission bereit ist. Jetzt hungert er danach, für Gottes Wort einzustehen und es zu verbreiten. Er ist zum erwachsenen, nicht mehr anfechtbaren Gottessohn geworden, zum Messias.
Das ist mit vorösterlichem Fasten gemeint. Die Reinigung unserer Seele von menschlich oberflächlichen Anfechtungen: vom Ego, von falschen Göttern, von Konsum, Habgier und Machtstreben. Das ist eine ganz andere Ebene als das oberflächliche Fasten, das wir betreiben. Das wiegt nur das Gewissen in den Schlaf, bringt unsere Seele aber nicht einen Schritt weiter. Mensch, da bist du wieder mal auf der ganz falschen Spur.
Bei Johannes wird am Anfang von Jesu Wirken mit der Erzählung von der Hochzeit von Kanaan bereits der Bogen zu seinem Ende geknüpft. Ähnlich ist das hier bei Matthäus, auch vor Beginn seines Wirkens: Dreimal wird Jesus versucht, drei Mal widersteht er, unverbrüchlich im Wort Gottes verankert. Dreimal ist Petrus gefragt worden, ob er Jesus kenne, dreimal hat er verneint. Dreimal hat er Jesus verleugnet, dreimal hat er nicht darauf gehört, was geschrieben steht.
Petrus konnte dem Versucher nicht widerstehen, wir können ihm nicht widerstehen, was immer wir uns als Fastenübung ausdenken. Wir werden immer scheitern. Das ist der Unterschied zwischen dem Menschensohn und den Söhnen und Töchtern der Menschen. Fasten wie Jesus bleibt bei uns immer nur ein annähernder Versuch.
Trotzdem, lieber Luther, lassen wir uns davon nicht entmutigen. Wir tun, was uns gegeben ist. Ich gehe mal davon aus, dass Du es auch mit dem innerlichen Fasten versuchst und nicht mit dem oberflächlichen. Der Verzicht auf das ein oder andere Fastenbier würde allerdings auch Deiner Linie nicht schaden.
Herzliche Grüße
Deborrah

Geleit

Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. 
Jesaja 55,12
Das klingt erst einmal gut.
Wir sollten uns aber nicht in falscher Sicherheit wiegen,
denn:
.. meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Jahwe (Jes 55, 8)
Was meine Freude ist,
muss nicht eure Freude sein,
Euer Unfriede,
kann mein Friede sein,
denn meine Gedanken sind von euch nicht zu fassen und
eure Wege sind nicht meine Wege.
Alle Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken,
weil ihr euch aufgemacht habt und
ausgezogen seid aus eurer Bequemlichkeit,
um meinen Frieden in euch zu suchen.
Alle Bäume auf dem Feld klatschen vor Freude in die Hände und
künden von eurem Kommen.
Das ist aber das Gleit,
das ich meine,
mein Geleit in
die ewige Freude und
den ewigen Frieden.

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Ohne sich

Wer meint,
in dieser Welt etwas zu sein,
während er doch nichts ist,
betrügt sich selbst.
Jeder untersuche nochmals sein Tun und
suche seine Vervollkommnung in sich selbst und
niemals in anderen oder durch andere.
(Johannes Tauler)
Mensch,
ganz auf sich geworfen,
ganz in sich gesetzt.
ganz ohne sich.

Land der Freude

Ich will ihr Trauern in Freude verwandeln.
Jeremia 31,13
Trauer wiegt schwer,
wie Zentnerlast liegt sie auf den Schultern.
Die Lebensfreude ächzt unter ihrem Gewicht
und geht in die Knie.
Einem Marathonläufer gleich,
sind wir daran gewöhnt sie weiter zu schleppen,
auf Stecken und Stab gestützt,
vor Augen wie eine Fata Morgana
einen gedeckten Tisch
und einen Kelch Wein.
Das verheißene Land der Freude,
wie unerreichbar fern es erscheint.
Ganz Knecht nehmen wir trotzdem den Stab und gehen weiter.
Solange die Füße tragen.
Und wenn sie es nicht mehr tun,
ist es erreicht –
das Land der Freude.
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Glaubt nur

Nun hat der HERR mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet hatte. 
1.Samuel 1,27
Jesus sprach: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. 
Markus 11,24
Glaube
Ich glaube
Oder: Ich glaube ich glaube?
Was Jesus vergessen hat zu erwähnen: Wie lange wird es dauern bis es wird?
Wir haben da morgen im Sinn.
Er morgen oder die Ewigkeit.
Glaubt nur.
Nur.

Zerreiß deine Pläne

Ein Rezept gegen die Angst von Mascha Kaléko in „Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte“.

Ohne weitere Worte:

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

30c84-wunder

Umwege

Ich bin der HERR, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. 
Jesaja 48,17
Nur, lieber Gott, ich verstehe dich nicht immer.
Manchmal stehe ich auf der Leitung.
Oder stelle auf Durchzug.
Nicht immer bin ich gelehrig,
manchmal will ich nicht so wie du.
Dann machen wir zwei einen Umweg,
und am Ende landen wir doch da,
wo du mit mir hinwillst.
Ich weiß das,
und ich weiß auch,
dass dein Weg für mich der richtige ist.
Und trotzdem ist es wie es ist.
Kann es sein, dass du mich auch auf die Umwege leitest?
Denn auch sie lassen mich lernen.
Bei dir ist nichts Zufall.
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Lehrgeld

Du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! 
Psalm 22,20
Nein, ferne bist du mir nicht.
Nur die Vorstellungen, wann deine Hilfe zu erwarten ist,
driften manchmal auseinander.
Ich denke zu oft,
Mein Wille sei dein Wille.
Und zahl dabei immer wieder Lehrgeld.
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Rosinenpicken

Lieber Luther
Beim heutigen Evangelium (Mark 8, 31-38) stutzt man.
Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Cäsarea Philippi. Er ist neugierig, was man so über ihn redet und so fragt er seine Jünger: Sie sagen, du seist Johannes der Täufer oder Elia oder ein Prophet.
Und was denkt ihr? Petrus ist mutig und sagt: Du bist Christus!
Und was macht Jesus. Er „bedroht“ sie, dass sie niemand etwas sagen sollen.
Er erklärt ihnen, dass der Menschensohn viel werde leiden müssen, dass er verurteilt und getötet werden wird, aber nach drei Tagen auferstehen werde.
Wiederum Petrus wagt Widerworte. Jesus wendet sich um, sieht seine Jünger an und j“bedroht“ Petrus: „Gehe hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.“
Und weiter: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben behalten will, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinet- und des Evangelium willen, der wird es behalten.
Da hat Jesus aber starke Geschütze gegen Petrus aufgefahren. Zuerst bedroht er seine Jünger, dann herrscht er Petrus an. Letzteren nennt er sogar „Satan“. Welch ein Affront gegen Petrus, seinen späteren Fels.
Es ist nicht das erste und einzige Mal, dass Jesus auffahrend ist. Seiner Mutter gegenüber, aber auch anderen, insbesondere den Pharisäern gegenüber. Als sie mit Argusaugen verfolgen, ob er etwa am Sabbat heile, sah er sie an mit „Zorn“ (Mark 3, 5). Ein anderes Beispiel ist die Demütigung der Frau am Jakobsbrunnen. Es ließen sich noch viele andere Beispiele aufzählen.
Nein, so wollen wir unseren Jesus gar nicht. Darüber schweigt man gerne hinweg. Das passt nicht in das Bild des Guten und Sanftmütigen.
Machen wir es da nicht wie Petrus: Rosinenpicken?
Wieso fährt Jesus Petrus so an? Weil er nur die Wunder und das Wunderbare sehen will, nicht aber das Kreuz, nicht aber das Leid, bis hin zur Bereitschaft, sein Leben zu geben, um Jesus und des Evangeliums willen. Dieser unbequemen Wahrheit will sich Petrus nicht stellen.
Jesus rührt an ein Tabuthema. Den Tod hat man schon damals lieber totgeschwiegen. Ja, Jesus ist der Christus. Was von ihm bei den Propheten geschrieben steht, müsste auch Petrus wissen. Er müsste wissen, wie das endet. Davor verschließt er aber die Augen. Er will lieber am Leben festhalten. Als der Hahn das dritte Mal gekräht hat, ist dies offensichtlich.
„Menschlich“ nennt Jesus das und er hat recht damit. Der Mensch hält gern das Leben fest. Die schwere Seite der Medaille, die das Christsein immer einschließt, ignoriert er gern. Gottes Liebe nimmt man gern, nicht aber Jesu Leiden und das Kreuz. Deshalb hat Petrus Jesus Zorn getroffen.
So ist es auch mit Jesus. Man will ihn nur als den Sanftmütigen, den Guten, den Geduldigen, den Liebenden. Der Zornige, der Aufbrausende, der Demütigende, der Rechthaberische, der gegenüber den Pharisäern Unerbittliche, den wollen wir nicht sehen. Das sind wir selbst. Von einer Lichtgestalt wie Jesus wollen wir das nicht sehen. Da wollen wir nur das, was wir denken, es sei die Zuckerseite.
Wieso eigentlich nicht? Er ist der Menschensohn, Mensch. Andersherum hat Gott uns nach seinem Ebenbild geschaffen und Gott ist im Alten Testament oft zornig, sehr sogar. Wieso wollen wir den Zorn als etwas nicht Göttliches ausschließen? Antwort: Passt nicht in unser Zuckerhasen-Bild.
Jesus ist durch das Leid des Kreuzes gegangen, durch den Spott, die Geißelung, das Verlassenwerden von seinen Jüngern. Er ist durch die Demütigung, den körperlichen Schmerz, den seelischen Abgrund gegangen. Er hat den Menschen in all seinen unmenschlichen Zügen selbst durchlitten. Er war Mensch. Er wurde menschlich geboren und ist menschlich gestorben. Deshalb durfte er auch zornig, aufbrausend und menschlich (nicht göttlich) ungerecht sein. Es war seine Bestimmung, Mensch in seiner ganzen Bandbreite zu sein. Das war der göttliche Wille. Ansonsten wäre er unglaubwürdig, seine Mission gescheitert.
Ist das enttäuschend? Keinesfalls, ganz im Gegenteil. Es bringt ihn uns näher, macht es uns leichter ihm nachzufolgen. Er zeigt, dass Mensch Mensch sein darf, mit all seinen Schwächen. Er hatte sie auch.
Indem wir Jesus sein lassen, was er war ? menschlicher Gottessohn ? bringen wir ihn uns näher als wenn wir ihn auf einen Sockel heben und ihn damit von uns wegheben. Nein, ich glaube, das hätte er nicht gewollt. Ich glaube, das ist nicht Gottes Wille. Er wollte uns eindrücklich einen vor Augen bringen, der unseresgleichen ist, einer der es uns ermöglicht, mit ihm zu ziehen, mit ihm Schritt zu halten, mit ihm zu gehen, ein Menschensohn eben, ein göttliches Ebenbild in Menschengestalt wie wir. Und er wollte uns sagen: So wie dieser Sohn durch das Kreuz gegangen ist, so müsst auch ihr durch das Kreuz gehen. Tut es ihm nach.
Jesus hält das seinen Jüngern unerbittlich unter die Nase, ob sie es hören wollen oder nicht. Seht, das ist es, was meine Nachfolge ausmacht, das Kreuz.
Und: Das gilt bis auf den heutigen Tag. Rosinenpicken ist eben nicht.
Ich gebe zu, lieber Luther, ich wage mich da wieder einmal weit vor. Ich hatte nicht die Zeit, deine Werke zu durchstöbern, um zu sehen, ob du dich um das Thema auch herumgedrückt hast. Wenn ja, gebe ich Dir hiermit eine Steilvorlage, die du gerne kontern kannst. Ich bin, wie immer, sehr disputierfreudig.
Herzliche Grüße
Deborrah

Enten Tsunami

Wir sehen in einen Spiegel und
wir sehen ein Abbild,
ein sich immer während sich veränderndes Abbild.
Kein Augenblick ist Stillstand.
Millionen von Augenblicken gehen vorbei,
Millionen von Wassertropfen fließen den Bach hinunter,
unzählbare Augenblicke,
jeder in der Fülle seiner Besonderheit nicht wahrzunehmen.
In die Bewegung kommt Bewegung von außen.
Das friedliche Bild wird gestört durch Störenfriede.
Wie unschuldige Enten kommen sie uns in die Quere,
lassen das Bild verschwimmen,
wühlen es auf.
Geduld ist gefragt,
bis sie durchs Bild geschwommen sind,
bis der Tsunami, den sie aufgewühlt,
sich wieder beruhigt.
Gerade denkst du,
nun kehrt wieder Ruhe ein,
da kommt eine neue Bugwelle,
und wühlt das Wasser wieder auf.
Selbst wenn keine Enten mehr stören,
bleibt die Lage aufgewühlt,
Seitenwinde peitschen das Wasser auf,
unterbrochen von unerwarteten Strudeln,
die abwärts ziehen.
Alles Warten hilft nichts,
Millionen von Wassertropfen sind inzwischen durchgezogen,
der Augenblick von vorher ist nicht wiederzubringen.
Langsam, stückchenweise beginnt sich das Bild wieder aufzubauen,
aber, es braucht Zeit und die richtige Witterung,
bis sich das Wasser wieder geglättet hat und
das Spiegelbild wieder klar ist.
Spiegelbild des Lebens.

Gnade

Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.
2.Mose 33,15
Ich will vor dir her senden einen Engel,
um euch in das Land zu bringen,
in dem Milch und Honig fließt.
Ich will aber nicht mir dir hinaufziehen,
denn ihr seid halsstarrig.
Dennoch rede ich aus der Wolkensäule mit dir,
deren Name ich kenne.
Hab Gnade mit uns, oh Gott, und
lass uns deinen Weg wissen,
erbarme dich deiner dummen Kinder,
gib uns gnädig das Geleit.
Wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig,
wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
Mein Angesicht soll vorangehen.
Damit will ich dich leiten.
Mein Angesicht wirst du aber nicht sehen,
denn kein Mensch wird leben,
der mich sieht.
Es ist aber ein Raum mit mir,
in dem wirst du auf dem Fels stehen und
ich werde meine Hand über euch halten.

Stückwerk Liebe

Wie schön klingt das,
wie schmelzen wir dahin,
wenn wir die Elegie auf die Liebe lesen,
eine Ahnung vom Scheitern schon im Hinterkopf (1.Korinther 13, 1-3):
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete
Und hätte die Liebe nicht,
so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich prophetisch reden könnte und
wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse und hätte allen Glauben,
so dass ich Berge versetzen könnte,
Und hätte die Liebe nicht,
so wäre ich nichts.
Und wenn ich all meine Habe den Armen gäbe und
ließe meinen Leib verbrennen,
Und hätte die Liebe nicht,
so wäre mir’s nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich,
die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen,
sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern,
sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie duldet alles.

Soweit die Beschreibung, was Liebe ist. Hier hören wir in der Regel auf zu lesen, denn dann kommt die unerbittliche Realität:

Die Liebe hört niemals auf, wo doch
das prophetische Reden aufhören wird und
das Zungenreden aufhören wird und
die Erkenntnis aufhören wird.
Denn unser Wissen ist Stückwerk undunser prophetisches Reden ist Stückwerk.
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
Wir würden gut daran tun, die romantische Brille abzunehmen, wenn wir in unseren Spiegel schauen. Im Korintherbrief ist göttliche Liebe beschrieben, keine menschliche Liebe. Mensch kann diesem Anspruch niemals genügen. Ich kenne nicht einen.
Es ist die Liebe beschrieben, die uns umfassen wird, wenn das menschliche Stückwerk aufgehört hat, wenn das Vollkommene kommen wird.
Menschliche Liebe zeigt sich egoistisch und endet früher oder später allermeist in Tränenfluten, in denen man ertrinkt. Weil wir auf Dauer keinem einzigen der oben beschriebenen Merkmale genügen können. Weder ich, noch der-/diejenige, auf den wir unsere Liebe projizieren, den wir denken zu lieben.
Deshalb sollten wir uns von der menschlichen Illusion von der Liebe im irdischen Dasein trennen. Das würde uns besser bekommen. Bei der Unzulänglichkeit des Menschen sind wir damit auf Dauer überfordert. Menschliche Liebe ist eine Selbsttäuschung. Menschliches Stückwerk, das irgendwann die Betroffenen zerstückelt hinterlässt. Sich darauf einzulassen ist auf Sicht masochistisch.
Brillen und Spiegel putzen ist schwere Arbeit und fördert einen Blick zutage, der uns gar nicht gefällt.
Liebe ist ein Kuckucksnest von Illusionen, in das wir uns verstricken und das viel zu hoch hängt für uns.

Dolchstoß Legende

Dolchstoß – Legende,
hört sich bedrohlich an,
fühlt sich nicht gut an.
Man glaubt sich in seinem Rücken sicher,
und unvermutet kommt einer,
den man eigentlich zu seinen Freunden zählte, und
rammt einem einen Dolch in den Rücken.
Der Dolch trifft dich ins Herz,
die Eingeweide quellen heraus und
du verblutest,
stirbst unter schweren Schmerzen
bei vollem Bewusstsein.
Legende – weil es deine subjektive Sicht ist.
Der, der den Dolch führt, sieht es vielleicht anders.
Das spielt aber keine Rolle,
weil du es bist, der am Ende tot ist.

Bund fürs Leben

Ich will einen ewigen Bund mit meinem Volk schließen, dass ich nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun.
Jeremia 32,40
Und wie lautet der Bund?
Ich will einen ewigen Bund mit dir schließen,
auf den du dich verlassen kannst:
Ich will dir meine Furcht ins Herz geben,
damit du nicht von mir weichst.
Ich will dir Gutes tun, zu meinem Wohlgefallen.
Auch wenn es für dich nach Unglück aussieht.
Ich will dich zum verheißenen Land führen,
weil ich es aus ganzem Herzen und aus tiefster Seele will.
Was ich an dir bewirke, tue ich meinetwillen, nicht deinetwillen.
Nicht treulos, wie menschliche Bünde.
Nicht wortbrüchig, wie menschliche Versprechen.
Nicht unzuverlässig, wie menschliche Zusagen.
Der Bund ist
Dein „ich will“ zu mir.
Mein „ich will“ zu dir.
Ein Bund fürs Leben.
Ein Bund für die Ewigkeit.
Einer, der hält.

Verlassen

So spricht der HERR: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und weicht mit seinem Herzen vom HERRN. Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist.
Jeremia 17,5.7
Mensch, du bist arm dran,
wenn du dich auf Menschen verlässt.
Mensch, du überschätzt dich,
wenn du denkst, dein Arm könne alles bewegen.
Mensch, wenn Gott nicht in deinem Herzen leuchtet,
bist du blind und siehst es gar nicht.
Mensch, wenn du dich auf deinen göttlichen Kern verlässt,
grünt dein Inneres auch wenn dein Äußeres vedorrt.
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