Gerechtigkeit

Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein. 
Psalm 71,16
Du machst mich gerecht, dadurch,
dass du an und in mir wirkst,
dass du mir nah bist und mir zur Hilfe eilst,
wenn ich dich brauche.
Deine Gerechtigkeit hat aber nichts zu tun mit dem, was Mensch für gerecht hält.
Deine Gerechtigkeit wächst mir aus dem Glauben an dich zu, da in ihm deine Gerechtigkeit ist.
Der Glaube macht gerecht vor dir,
nicht unbedingt vor den Menschen,
nicht unbedingt vor mir selbst.

Die Frau sei dem Mann untertan

Himmel und Erde sind dein, du hast gegründet den Erdkreis und was darinnen ist. Nord und Süd hast du geschaffen. 
Psalm 89,12-13
Bleibt nur die Frage, wieso soll denn die Frau, lieber Gott, in deiner Schöpfung dem Mann untertan sein? Wie muss ich das verstehen? So, wie das allgemein verstanden wird, kann das nicht sein. Das kann ich mir absolut nicht vorstellen. Also wie dann (Genesis 2,3)?
Und Gott sprach zum „Menschen“: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört hast, anstatt auf mein Gebot, ist verflucht der Erdboden deinetwegen.
Die Frau hatte noch keinen Namen, ist nicht zu den „Menschen“ gerechnet.
Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva (Leben), „denn sie wurde die Mutter aller Lebenden“.
Es ist ein Bild: Adam steht für den physischen Menschen, der seine Mühsal mit und seine Verantwortung für Gottes Natur hat, Eva steht für alles Lebendige, Fruchtbare und Unbezähmbare in Gottes Natur.
Deshalb macht Gott auch Adam zum „Herr“ über Eva: Er sagt zu den Menschen: in der ersten Schöpfungsgeschichte: „herrscht und macht die Erde euch untertan“. Das ist die gleiche Botschaft nur anders ausgedrückt. Adam und Eva sind ein Bild, indem Gott seinen Menschen mit seiner Natur verheiratet und ihm die Verantwortung dafür übergibt. „.. er aber wird über dich herrschen.“
Ja, das gibt einen Sinn, ist auch für den modernen Menschen zu verstehen. Passt nahtlos zu meinen Gedanken über die Schöpfungsgeschichte.
Eine Wendung, die mich selbst überrascht. Habe ich doch geahnt, dass da eine Antwort jenseits oberflächlicher Deutungsmuster sein muss.
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Liebeserklärung

Lieber Luther,
gestern habe ich eine Lanze für die Bibel gebrochen, heute will ich eine für Dich brechen. Auch das ist mir ein Anliegen, das aus dem Herzen kommt. Der ein oder andere glaubt doch tatsächlich, du verstehst nichts von der Bibel.
Zunächst: Du hast meine höchste Hochachtung: dein Pensum, dein Rückgrat, dein Einstehen für die Bibel und das Wort, egal um welchen persönlichen Preis, ist absolut bewundernswert. Du kennst Glauben und Bibel wie wenige in den eineinhalbtausend Jahren der Neuzeit. Du predigst oft täglich 3-4 mal. Du kennst die Bibel fast auswendig.
Du bist ein Genie, was die Übersetzung von schwierigen biblischen Zusammenhängen in eine Sprache anbelangt, die auch ungebildete Menschen verstehen. Du bringst die Dinge klar und deutlich auf den Punkt. Was zu schwierig ist, lässt du in deinen Alltags-Predigten klug weg, um die Menschen nicht zu überfordern.
In deinen Traktaten und Streitschriften gehst du keiner Auseinandersetzung aus dem Weg. Du bist in deiner stringenten und geradlinigen Argumentation nur sehr schwer zu widerlegen. Deine katholischen Häscher haben mit Dir eine schwere Nuss zu knacken. Argumentativ bist du ihnen klar überlegen. Du bist nicht nur ein begnadeter charismatischer Prediger, du bist auch ein angesehener, genial argumentierender Wissenschaftler.
Auch die Gebildeten kommen von sehr weit angereist, um eine Lutherpredigt zu hören. Du bist in deinem Ansatz und in der direkten Ansprache von Jedermann völlig innovativ. Du willst, dass Gottes Wort von jedem verstanden und gelebt wird. Klingt einfach, ist aber ein riesiger Anspruch. Um den zu erreichen, scheust Du keinen Einsatz.
Deine Furchtlosigkeit, mit der du gegen soviel Verfolgung kämpfst, lässt sich nur mit Deinem unerschütterlichen Glauben erklären. Dein Mut, radikal mit katholischen Traditionen zu brechen, wie etwa das Aufgeben des Zöllibats, ist zu bewundern. Wo haben wir heute einen, der Vergleichbares leistet, der so mutig Farbe bekennt.
Wenn wir heute auch nur einen Luther hätten, der die Massen so bewegt wie Du, wären die Kirchen nicht so leer.
Ich lese jedes Wochenende einer Deiner Predigten mit Gewinn.
Ja ich liebe meinen Luther.
In diesem Sinne,
herzliche Grüße
Deborrah

Singen

Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für.
Psalm 89,2
Ich bin gerade nicht so gut bei Stimme,
das Singen fällt mir eher schwer.
Ein Loblied kommt mir nicht so richtig von den Lippen,
So schweige ich lieber.
Das ist ehrlicher als falsches Singen.
Ich denke, du verstehst auch mein stummes Lied.
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Bibel – Eine Streitschrift

Lieber Luther,

ich glaube, ich muss mal eine Lanze für die Bibel brechen. Es drängt in mir mit aller Macht. Ich weiß, bei Dir ist das Eulen nach Athen tragen, aber dennoch muss es heraus, ich habe in letzter Zeit so vieles gehört, gegen das mein Widerstand sich regt.

Kann man an den christlichen Gott glauben und die Inhalte der Bibel pauschal ablehnen? Manche meinen das. Kommt es auf das einzelne Wort an, wenn man Bibel liest und versteht? Oder auf die Summe der Wortzusammenhänge, wobei dem einzelnen Wort und seiner Übersetzung in der Masse eher eine untergeordnete Bedeutung zukommt? Kommt es nicht auf die immer gleiche Botschaft an, die in vielen Varianten und Bildern immer wieder aus anderen Blickwinkeln und Erfahrungszusammenhängen erzählt wird?

Der ein oder andere denkt, Bibel muss falsch sein, da mehrfach übersetzt, da können nur Verdrehungen dabei herauskommen. Oder, eine andere Variante, es wird unterstellt, der Prediger, auch du, verstehest die Bibel gar nicht. Was indirekt unterstellt, der Untersteller verstehe sie, er habe ja den Durchblick. Was für grandiose Missverständnisse!

Kommt es nicht vielmehr darauf an, mit welcher Brille ich die Bibel lese? Meiner eigenen oder einer fremden? Kommt es nicht darauf an, seine eigene Brille zu putzen, damit man selbst lesen kann und nicht darauf angewiesen ist, was andere einem vorlesen? Kann ich das nicht nur, wenn ich mich auseinandersetze und lerne zu lesen, ganz langsam zu Anfang, wie ein ABC Schütze? Mit Wegsehen lernt man das Lesen nicht. Auch auf anderen Misthaufen als dem eigenen zu kehren, hilft einem persönlich nicht wirklich weiter, sofern es nicht nur um schnöde Profilierung geht, um Ablenkungsmanöver von eigenen Misthaufen.

Ich glaube. Glaube an was? Glaube ohne Bibel? Glaube an einen abstrakten leeren Gott ohne Inhalt? Einen Gott, der aus mir heraus entsteht, dem ich Inhalt gebe? Ich als selbsternannter Gottgebärer, Gott als Verstandesgeburt? Mensch, wie überschätzt du dich.

Am Anfang war das Wort. Am Anfang ist das Wort. Alles wird durch das Wort. Wie wird das Wort transportiert? Wie wird der Satz? Aus was ergibt sich der Wort- und Satzsinn?

Bibel ist mehrfach übersetzt worden. Spricht das gegen die Bibel und deren Inhalt? Ist es entscheidend, ob der eine im Detail so oder so übersetzt? Im Großen ist das völlig unerheblich. Die Botschaft als Ganzes ist davon absolut unberührt.

Es geht um ein Begreifen des Inhalts und sonst um nichts. Wohl mag da ein Unterschied sein, ob etwas z.B. aktiv oder passiv übersetzt wird, aber das ist die Herausforderung an mich: Wo liegt der Sinn für mich? Darum geht es bei der Bibel. Den Inhalt, das Wort auf mich wirken lassen ohne am Wort zu kleben. Tage kann man so mit einem Satz verbringen und laufend entdeckt man neue Seiten an diesem Satz. Ich kann mich wochenlang mit einem Satz beschäftigen und mühelos viele Seiten über diesen Satz füllen. Wie wirkt das Wort auf mich? Wie verändert sich das jeden Tag? Was bewirkt diese Veränderung? Welchen Einfluss haben meine täglichen Lebensumstände? Was heißt das für den Sinn im Augenblick? Das Wort lebt mit mir und entwickelt sich in mir mit jedem Tag. Das Wort auf mich wirken, in mich einfließen, in mir arbeiten lassen. Nichts anderes zählt.

Ich glaube man muss sich von der falschen Vorstellung lösen, Bibel hätte einen allgemein gültigen festen Inhalt, der von allen Menschen über Tausende von Jahren gleich gesehen werden müsse. Gehe in ein Theaterstück und frage anschließend im Publikum, was für ein Stück gegeben wurde. Es gibt so viele Antworten wie man Personen fragt. Frage in 100 Jahren wieder und die Antworten werden ganz anders sein. Macht die Anzahl der unterschiedlichen Antworten das Theaterstück an sich richtig oder falsch? Objektive Richtigkeit gibt es noch nicht einmal in der Mathematik. Es ist keine Kategorie, die zu einer einzig richtigen Antwort führt, sie begrenzt nur im Kopf.

Bibel erzählt von Menschen und ihren Erfahrungen mit Gott, vom Leben mit dem Menschensohn. Sie beinhaltet Erfahrungswissen über Tausende von Jahren von Menschen, die sich Gott verschrieben haben, sich mit ihm auseinandergesetzt haben und in der Regel auch eine besondere Nähe zu ihm hatten. Ein unvergleichlicher Erfahrungsschatz. Erfahrung ist und bleibt Erfahrung, menschliches Erfahren, das aufgeschrieben ist, vor dem Hintergrund und im Wortverständnis des Schreibers.

Jedes Buch der Bibel lässt einen das jeweilige Erleben erfahren. Das tiefe Sehen Jesajas, das Leiden Jeremias, die wunderschöne Poesie Hiobs trotz aller Hiobsbotschaften. Jedes Buch eröffnet ein anderes Erfahrenstor.

Je nach meiner eigenen Verfassung lese ich mal lieber das eine Buch oder das andere. Das macht den Reichtum der Bibel. Viele Menschen vor mir hatten schon ähnliche Erfahrungen, ich kann mich bei ihnen zu Hause fühlen, verstanden. Die Fülle und der Reichtum ist so groß, dass ich immer etwas finde, was gerade für mich passt.

Den Denkanstoß, die Inspiration, die man daraus erhält, im für sich begreifenden Verstehen, führt ansatzlos in die direkte Auseinandersetzung mit Gott. So entsteht ein für mich ungemein fruchtbarer Dialog, in dem ich immer weiter hinein in das Verstehen geleitet werde.

Bibel ist etwas höchst Subjektives und zugleich zutiefst Persönliches, sie bewegt mich im Inneren und Äußeren. Was ein Text und sein Zusammenhang mit mir macht, kann keineswegs verallgemeinert werden. Ich lese ihn vor meinem Lebens- und Erfahrungskontext. Ich übersetze ihn für mich. Ich erkenne meine Wahrheiten in dem Text. Er schafft einen Draht zwischen mir und Gott.

Bibel lebt. Mit den Menschen, von denen sie erzählt, mit mir, jeden Tag. Indem ich lese, ersteht das göttliche Wort in meinem Verstehen. Das Wort lebt. Jedem steht es offen. Er muss nur die Initiative ergreifen. Amen.

Herzliche Grüße
Deborrah

Raben

Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben? 
Hiob 38,41
Elia wagte schlechte Nachrichten zu bringen und so musste er fliehen. Und die Raben sorgten für ihn mit Brot und Fleisch am Morgen und am Abend (1.Könige 17,6)
Vertraue auf Gott und wenn du dabei in Not gerätst, wird er einen Raben schicken, der dich nährt. Oder einen gefiederten Engel.
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Wie Schnee und Regen

Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und
die Erde feucht und fruchtbar macht und lässt wachsen,
so dass es Saat gibt und Brot zu essen,
so soll das Wort,
das aus meinem Munde geht, auch sein:
Es wird nicht wieder leer zurückkommen,
sondern wird tun,
was mir gefällt,
und ihm soll gelingen,
wozu ich es sende.
(Jesaja 55, 10 ff)
Das Wort wird tun, was mir gefällt.
Das Wort ist aktiv.
Das Wort ist handelndes Subjekt.
Das Wort ist ausführend.
Das Wort ist Bote.
Ihm soll gelingen, wozu ich es sende.
Basta.

Leben oder schlafen?

Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.
Daniel 12,2
Der physische Aggregatzustand, in dem ich mich befinde, ist nicht entscheidend, ob ich sagen kann, „ich lebe“ oder „ich schlafe unter der Erde“.
Der Zeitpunkt, in dem es sich entscheidet, ob ich aufwache zum ewigen Leben oder noch etwas schmoren muss, ist jetzt.
Dasjenige, was entscheidet, ob ich im Jetzt lebe oder schlafe, liegt in mir selbst.
Es ist mein uneingeschränktes Ja zu dem, der mir das Leben schenkt.
Nicht jeder erreicht das uneingeschränkte Ja.

5 mal Wehe

Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug! 
Jesaja 5,21
Weh denen, die lügen und Unrecht tun.
Weh denen, die die Wahrheit verdrehen.
Weh denen, die sich für weise und klug halten.
Weh denen, die dem Konsum verfallen sind.
Weh mir,
ich werde noch lange in Geburtswehen liegen.

Engel – eine unpopuläre Betrachtung

Was sind Engel?

Um Engel machen wir gerne viel Wind und viel Geheimnis. Es gibt unzählige Literatur, Erzählungen, Internetseiten zu dem Thema. Ja, es gibt eine ganze Engelindustrie, die mit der Hype um Engel gute Geschäfte macht.

Auch ich habe einige sehr schöne Bücher, Bildbände und einige Engelfiguren. Wenn ich Karten schreibe, benutze ich bevorzugt Engelkarten.

Auch ich kenne Engel. Würde man mich fragen, wie sehen sie aus, würde ich antworten: Ich kenne zwei: Gabriel ist gelb, Raphael ist blau, beide afigürlich. Sie sind einem aufgeschweist und wie ein Korsett im Rücken – der eine oder der andere, je nachdem, wen ich brauche.

Jedoch: Engel sind Engel – Gott ist Gott: Wähle ich doch lieber den direkten Kontakt.

Dagegen stehen Engel wie Nichtse. Traumbilder, Traumwelten, Traumwünsche, in die wir uns gerne selbst hineinträumen, hineinflüchten und verrennen.

Ja, sie kommen vor. Aber sie sind nichts als Sendboten Gottes, die in verschiedenster Form – bevorzugt als Mensch im Gegenüber – in Erscheinung treten. Ganz unspektakulär und unscheinbar. Ganz so, dass wir sie zu langweilig finden, um ihnen überhaupt Aufmerksamkeit zu schenken.

Es gibt keine Denk- oder Handlungsweise der Engel. Engel sind keine Personen wie wir. Was sie vermögen, vermögen sie aus verliehener Kraft – nicht weniger und nicht mehr. Aus eigener Kraft vermögen sie nichts. Sie haben weder ein Empfinden, noch einen eigenen Charakter oder Fähigkeiten, noch nicht mal eine spezielle Form. Aus sich heraus vermögen sie rein gar nichts.

Engel, die einem erscheinen, offenbaren sich in der Weise, wie sie von demjenigen, für den sie bestimmt sind, erfasst werden können. Weder Form noch Art und Weise ist vorhersehbar noch zu vereinheitlichen. Engelsysteme sind deshalb Humbug, menschliche Verstandesgeburten. Die Namen der Engel sind nur Bilder für ihre Erscheinung an sich, aber nicht für das Wie im Einzelfall.

Engel sind hilfreich, Hilfsboten, Hilfskonstrukte Gottes, Sendboten, seine Dienstboten, sofern man sie personalisieren will. Gottes Angesicht können wir nicht ertragen, Engel wohl. Sie sind Botschaftsträger, auf das jeweilige Begreifen zugeschnitten.

Ist eine solche Betrachtungsweise desillusionierend? Nein, ganz im Gegenteil. Sie gibt den Engeln den Rang, der ihnen zugewiesen ist und macht sie nicht selbst zu (falschen) Göttern. Der von Gott geläuterte Mensch steht als sein Ebenbild über jedem Engel.

Der Blutegel hat zwei Töchter: gib her! gib her! ( Sprüche 30,15 )

Wahrhaftig Lebendig

Der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König. Jeremia 10,10
Erschreckt nicht vor den Zeichen des Himmels, nur weil viele sie nicht lesen können. Lasst euch nicht blenden und irritieren von menschlichem Blendwerk und falschen Göttern.
Nur Gott ist reine Wahrheit.
Nur in Gott ist wahre Lebendigkeit,
Nur er hat das Zepter in Wahrheit in der Hand.
Lebt ganz einfach nach dieser Wahrheit.
Versucht sie nicht zu verstehen,
sie übersteigt menschliche Vernunft.
Fürchtet seinen Zorn.
Diejenigen, die seine Wahrheit nicht interessiert,führt er solange durch schwieriges Gelände, bis wir in seiner Wahrheit lebendig werden. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Feuchte Nässe

Ich hasse das.
Ich muss etwas essen.
Ich habe seit eineinhalb Tagen nichts gegessen.
Ich habe keinen Hunger.
Die Vernunft sagt: du musst etwas essen.
So überwinde ich mich und gehe hinunter ins Restaurant.
Alles sehr gesetzt und distinguiert.
Es ist ein Hotel der besseren Klasse.
Eine reine Männergesellschaft um mich herum.
An der Wand Kunst: nackte Frauenkörper ohne Kopf.
Passt zu der Männergesellschaft hier, schießt es mir durch den Kopf.
Essen und Wein ist gut.
Trotzdem fühle ich mich total deplaziert und fremd.
Ein Anschauungsobjekt wie die Frauenkörper an der Wand.
Wieso ich das alles poste?
Ich glaube, ich muss mich schütteln wie ein Hund, der nass geworden ist, und sich den Dreck und die feuchte Nässe vom Leib schütteln muss.
Vielleicht hätte ich doch besser gefastet.

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Stecken und Stab

Lieber Luther,
mein Arbeitsversuch ist heute gescheitert, ich muss der Krankheit Zoll entbieten. Die Zeit habe ich genutzt, wieder einmal über Psalm 23 nachzudenken.
Es gibt dort eine Stelle, über die stolpere ich immer: „dein Stecken und Stab trösten mich“.
Was ist Stecken, was ist Stab und wieso tröstet der Stab und stützt nicht?
Das hat sich mir bisher nicht erschlossen. Zunächst einmal, was ist „Stecken“ und was ist „Stab“? Man muss weit zurückgehen, zu Mose und Aaron, um dem Stecken und dem Stab auf die Spur zu kommen.
Mose und Aaron hatten die Herkulesaufgabe, ein renitentes Volk aus Ägypten zu führen. Immer wieder wurden ihre Entscheidungen angezweifelt, fast hin bis zur Meuterei. Gott musste starke Zeichen schicken, um sein Volk auf Kurs zu halten und seinen Anführern zu Hilfe zu eilen.
Zwölf Stecken ließ er Mose zusammentragen, von jedem Fürsten seines Vaterhauses einen. Auf jeden Stecken schrieb er einen Namen. Den Stecken dessen, den Gott als Anführer auserwählt hat, wird ergrünen. So das Versprechen.
Grün wurde der Stecken Aarons. Vom „Aaronstab“ zu sprechen, stimmt deshalb nicht, es ist der Stecken Aarons, der grün wird. Der Stecken steht für Gottes Volk und der Name darauf, für den Auserwählten, der dieses Volk führen soll. Der Stecken steht für das Volk, das sich in Gottes Namen hinter dem Auserwählten versammelt, dessen Name auf dem Stecken steht.
Wie unter dem Stecken des Kreuzes, auf dem der Name „Jesus, König der Juden“ steht. Unter diesem Stecken und diesem Anführer versammeln wir uns heute noch.
Für was steht aber der Stab? Der Stab steht für die Zeichen, die Gott immer wieder wirkt, um sein ungläubiges Volk bei der Stange zu halten. „Und diesen Stab nimm in deine Hand, mit dem du die Zeichen tun sollst.“ (2.Mose 4,17). Mit diesem Stab schlug Mose den Fels. Er steht für die besondere Kraft, die Gott seinen auserwählten Knechten verleiht, damit sie Zeichen setzen können, die das Volk braucht und versteht.
Das Kreuz ist aus Stecken und Stab gebildet. Als Zeichen für Gottes Volk, sich dahinter zu versammeln und als Zeichen für die besondere Kraft, die von ihm ausgeht. Es ist eine Verortung von Gottes Volk, wo immer das Kreuz steht. Es ist eine Verheißung, dass dieser Stecken grünt, da auf ihm der Name Jesus Christus steht. Dieser Stecken und Stab gibt seinem Volk Trost und Halt, egal, in welchem mehr oder minder verwerflichen Zustand es sich gerade befindet.
Deshalb „dein Stecken und Stab trösten mich“. Egal wie unzulänglich und renitent ich auch bin, unter dieser Führung kann mir nichts passieren. Der gute Hirte wird mit seinem Hirtenstab auf mich aufpassen.
Lieber Luther, wie können wir da froh sein. Mit einem Seufzer der Erleichterung muss ich jetzt schließen. Ich muss morgen früh raus. Ich muss schon wieder fliegen, hoffentlich zerreißt es meinen erkälteten Kopf nicht.
Herzliche Grüße
Deborrah

Kontrastprogramm

Der HERR hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. 
Psalm 40,4
Beharrlich habe ich auf Gott geharrt, und
er hat sich zu mir geneigt und
mein Schreien gehört.
Er hat mich herausgeführt aus den Fallstricken des Verderbens,
aus dem Müll meines Lebens.
Er hat meine Füße auf einen Felsen gestellt,
meine Schritte gefestigt.
Er hat ein neues Lied in meinen Mund gelegt,
einen Lobgesang Gottes.
Vor lauter Schreien habe ich keine Stimme mehr,
ich ersticke am Lebensmüll,
meine Schritten wanken und
der Lobgesang kommt nur noch stumm aus mir.
Welch ein Kontrastprogramm.
.
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Sämann

Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! 
Jeremia 4,3
Die Tageslosung für heute. Die hehre Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt die Kraft und die Zuversicht.
Wie lassen wir die Dornen hinter uns und kommen in das neue Land?
Was ist das neue Land?
Und das neue gute Land ist:
der neue Himmel und die neue Erde,
das neue Testament,
das neue Jerusalem,
die neuen Schläuche,
der neue Teig.
Was tut der Sämann,
wenn er das neue Land nicht findet,
wenn ihm die Kraft für den Pflug fehlt,
wenn ihm das Saatkorn ausgeht?
Das Beste für ihn wäre,
er legte sich hin und stürbe.
Aber auch das vermag er nicht allein.
Auch dazu braucht es einen barmherzigen Gott.
Damit wären wir wieder bei der Tageslosung.
Es ist ein Teufelskreis.
Fernes Land

Gutes Land

Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! 
Jeremia 4,3


Der Vers erinnert an Matthäus 13, 3-9, das Gleichnis vom Sämann:
Siehe,
es ging ein Sämann aus, zu säen. 
Und indem er säte, fiel etliches auf den Weg;
da kamen die Vögel und fraßen es auf. 
Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte;
und es ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 
Als aber die Sonne aufging, verwelkte es,
weil es keine Wurzeln gebildet hatte und
so verdorrte es.
Etliches fiel unter die Dornen;
und die Dornen wuchsen auf und erstickten es.
Etliches fiel auf gutes Land und trug Frucht,
etliches hundertfältig,
etliches sechzigfältig,
etliches dreißigfältig. 
Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Deshalb breche auf,
bleibe nicht stehen.
Breche dich auf,
dass Gottes Wort in dir auf
gutes Land fallen kann.
Sonst kommt ein kalter Wind und
das Schwert dringt bis an die Seele.
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Barmherzigkeit

Ein Wort, vor dessen Anspruch an einen selbst man erst einmal erschrickt:
Gehet hin und lernet, was das sei „Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht an Opfern“ (Matth 9, 13)
Einen Blick für dich,
Einen Blick für mich.
Erbarmen mit dir,
Erbarmen mit mir.
Wärme für dich,
Wärme für mich.
Mitleid mit dir,
Mitleid mit mir.
Ein Herz für dich,
Ein Herz für mich.
Barmherzigkeit für dich,
Barmherzigkeit für mich.
Nein, Opfer willst du nicht.
Nur wenn ich barmherzig bin,
bist du barmherzig mit mir.

Demut

Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.
Sprüche 3,34

Demut – welch ein scheinbar unmodernes Wort.
Was heißt es?
Sich zu lassen,
sich Gott zu überlassen,
anzuerkennen, dass ich,
was ich bin,
nur durch ihn bin.
Es braucht Mut zur Demut.