Kein Wunschkonzert

Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!
Psalm 44,27
Ja, mache dich auf.
Hilf mir.
Erlöse mich,
in deiner Barmherzigkeit.
Aber:
Auch wenn ich es gern hätte,
es ist kein Wunschkonzert.
Meine Zeit ist nicht eure Zeit,
mein Weg ist nicht euer Weg,
mein Wille ist nicht euer Wille.
Ich bin der Herr, dein Gott.

Abendlied

Heute ist mir ein Kirchenlied begegnet, das ich mein ganzes Leben lang kenne. Es ist in meiner Erinnerung das erste Lied, das ich gelernt habe. Mein Großvater hat es abends immer mit mir gesungen.

Der 1.Vers geht so:

Jesu geh voran,
auf der Lebensbahn,
wollen wir auch noch verweilen,
dir getreulich nachzueilen,
führ uns an der Hand,
bis ins Vaterland.

Jahrzehnte später fallen mir folgende weitere Verse dazu ein:

Wollen wir nicht weiter gehen,
weil wir deinen Weg nicht sehen,
wenn es uns an Mut gebricht,
leuchte du mit deinem Licht,
so dass wir in deinem Schein,
uns von aller Angst befrein.

Wollen wir in schweren Tagen
Unser Kreuz nur ungern tragen,
weise uns den Weg,
auf dem es heimwärts geht.
Kommen wir im Bußgewand
reichst du gnädig uns die Hand.

Guter Gott ich bitte dich,
lass mich heute nicht im Stich,
Sei bei mir mit deinem Segen,
begleite mich auf meinen Wegen.
Schenke mir genug Verstand,
dass ich nicht im Glauben wank.

Pharisäer und Schriftgelehrte

Lieber Luther,

Ich befürchte, mit meinem Brief heute setze ich mich bei Dir in die Nesseln. Aber Du kennst das ja von mir, was raus muss, muss raus.

Die Tageslosung von heute heißt:

Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! (Jes 65,1)

Jesus geht zu den Heiden. Er ist bei denjenigen, bei denen es nicht offensichtlich ist, dass sie glauben, bei denen es man auf den ersten Blick nicht erwartet. Sein Verhältnis zum Kirchenestablishment, zu denen, von denen man per se annimmt, dass sie diejenigen sind, die Gottes Wort am ehesten verstehen und autorisiert sind, es auszulegen und zu verbreiten, war mehr als gespalten.

Im sechsfachen Weheruf gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten (Lk 11, 37-54) schleudert er ihnen entgegen:

Ihr Pharisäer haltet die Becher und Schüsseln auswendig reinlich, aber euer Inwendiges ist voll Raubes und Bosheit. Ihr Narren, meint ihr, dass es inwendig rein sei, wenn’s auswendig rein ist? Doch gebt Almosen von dem, was da ist, siehe, so ist’s euch alles rein.

Weh euch Pharisäern, dass ihr verzehnfacht die Minze und Raute und allerlei Kohl, und geht vorbei an dem Gericht und an der Liebe Gottes! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
Weh euch Pharisäern, dass ihr gerne obenan sitzt in den Schulen und wollt gegrüßt sein auf dem Markt.
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr seid wie die verdeckten Totengräber, darüber die Leute laufen, und kennen sie nicht!
Weh euch Schriftgelehrten! denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr rührt sie nicht mit einem Finger an.
Weh euch! denn ihr baut der Propheten Gräber; eure Väter aber haben sie getötet. So bezeugt ihr und willigt in eurer Väter Werke; denn sie töteten sie, so baut ihr ihre Gräber.
Weh euch Schriftgelehrten! denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr kommt nicht hinein und wehret denen, die hinein wollen.

Als er das zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, ihn hart zu bedrängen und ihm mit mancherlei Fragen zuzusetzen, und lauerten ihm auf und suchten, ob sie etwas aus seinem Munde erjagen könnten, das sie gegen ihn verwenden konnten.

Ja, das ist Jesus, der so spricht. Welch ein Abrechnung mit der herrschenden Klasse der Kirchenmänner. Das konnten sie nicht auf sich sitzen lassen. Das war das wahre Todesurteil für Jesus. Die anderen Beteiligten waren Randfiguren in dem Spiel, das gespielt wurde.

Zusammengefasst:
Wehe, die ihr Dienst tut in meinem Namen
ohne wahre Nächstenliebe,
von persönlicher Bequemlichkeit, Eitelkeit und Sucht nach Anerkennung getrieben und
die Unbequemen ausgrenzt und in der Versenkung verschwinden lasst,
die ihr Totengräber der wahren Kirche und des Glaubens seid.

Lieber Luther, ich glaube, das kommt Dir bekannt vor, auch wenn Du einer von Ihnen bist, die hier gemeint sind. Mir kommt das auch bekannt vor. Das macht die Testamente aus: Sie sind immer aktuell.

Jesus hat sich scharf von der theologischen Kaste abgegrenzt und Menschen außerhalb des theologisch-kirchlichen Establishments gefischt, „Heiden“. Er hat seine Kirche außerhalb jeglicher Organisation und jenseits von Gesetz und herrschender Ordnung gelebt. Er war ein unbequemer Querdenker, der die theologischen Rollenträger herausforderte und provozierte.

Ist er uns darin ein Vorbild mit vielerlei Konsequenzen, wenn man es ernst nimmt? Was heißt das für das, was man im kirchlichen Sprachgebrauch Sakramente nennt? Braucht es dazu organisierte Kirche, theologische Rollenträger? Was unterscheidet sie im Glauben vor Gott von mir? Vor Gott sind wir doch alle gleich nackt.

Das ist nicht einfach zu beantworten. Darüber, lieber Luther, und die Konsequenzen, muss ich – wahrscheinlich noch lange – nachdenken.

Herzliche Grüße
Deborrah

Gedenke meiner

Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! 
Jesaja 65,1
Ich werde gesucht von denen, die nicht nach mir fragen.
Ich werde gefunden von denen, die mich nicht suchen.
Ich habe Erbarmen mit denen, die am Kreuz hängen
und mich erkennen.
Herr, gedenke meiner!

Zungenschwert

Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. 
Psalm 57,2
Mitten unter Löwen ist meine Seele,
unter Flammensprühenden,
unter Menschenkindern,
deren Mund Gift versprüht,
und deren Zunge ein scharfes Schwert ist.
.
Deshalb flüchte ich in deinen Schatten.
Deshalb verberge ich mich bei dir.
Du bist meine Zuflucht.

Wortsalven

Worte können wie Gewehrsalven sein.
Wie Volltreffer schlagen sie ein und zerfetzen dich.
Manchmal reicht auch schon der Tonfall
oder eine Geste.

Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele.

Aber, er hat schon Elia nicht erhört,
was wird er mich erhören?

Verbinde deine Wunden, steh auf und iss,
du hast noch einen weiten Weg vor dir.

Segen

Der HERR segne dich und behüte dich. 
4.Mose 6,24
Ich segne und behüte dich.
Wo immer du warst,
Wo immer du bist,
Wo immer du sein wirst.
Was immer du getan hast,
Was immer du tust,
Was immer du noch tun wirst.
Warum immer du mich verleugnetest,
Warum immer du mir nicht nachfolgst,
Warum immer du nicht umkehren willst.

Das Kreuz mit dem Verstand

Aus dem Schatzkästlein von Teresa de Jesus:

Es ist ein kleines Kreuz,
wenn man seinen Verstand
jemandem unterordnen muss,
dem es daran fehlt.
Mir ist das nie gelungen,
und ich glaube auch nicht,
dass es notwendig ist.

Teresa, meine Schwester.

Widerspenstiges Volk

Des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein zu der Zeit, wenn der HERR den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird. 
Jesaja 30,26
Geh nun hin,
schreibe es vor ihnen auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch ein;
und es bleibe für die zukünftige Zeit,
auf immer bis in Ewigkeit.
Denn es ist ein widerspenstiges Volk, betrügerische Kinder, Kinder, die mein Gesetz nicht hören wollen.
Zu denen, die sehen, sprechen sie:
Sehet nicht!
Und zu den Durchschauern:
Zeig mir nicht das Richtige,
schmeichle mir stattdessen,
wir wollen die Wahrheit nicht hören!
Deshalb sage ich: Weil ihr mein Wort verwerft und auf Bedrückung und Verdrehung vertraut und euch darauf stützt, wird euch das zum Verhängnis werden, das plötzlich über euch kommen wird.
Ich aber werde da sein, wenn der Tag kommt, und den Schaden, den ihr angerichtet habt, richten und eure Wunden heilen.
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Weg nach Ostern

Die Vorosterzeit ist eine dichte Zeit,
die den ganzen Menschen erfasst.
Wie durch einen Tunnel laufen wir auf Ostern zu,
angezogen vom Ostermorgen.
Bis wir dort sind,
müssen wir durch die Bedrängnisse der Dunkelheit,
schonungslos auf die menschlichen Abgründe blickend,
denen wir an Karfreitag gnadenlos ausgesetzt sind.
Der Weg bergauf nach Golgatha ist kräftezehrend,
dennoch werden wir von ihm angezogen,
gehen wir entschlossen durch die Hölle,
das Licht des Ostermorgens fest im Blick.

Wie ein Senfkorn

Gott hatte ihnen große Freude bereitet; auch die Frauen und Kinder freuten sich, und man vernahm den Jubel Jerusalems weithin.
Nehemia 12,43
Alles Volk freute sich über alle herrlichen Taten, die durch Jesus geschahen.
Lukas 13,17
Wem ist das Reich Gottes gleich,
und wem soll ich es vergleichen?
Es ist gleich einem Senfkorn,
welches ein Mensch nahm und in seinen Garten warf;
und es wuchs und wurde zu einem großen Baume,
und die Vögel des Himmels ließen sich nieder in seinen Zweigen.
Und Jesus nahm das Wort,
brachte es unter die Menschen,
und es breitete sich aus und wuchs zum neuen Testament.
Die Menschen aber, die Zugang zum Wort haben,
ruhen in ihm.

Rechtsstreit

Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel.
5.Mose 32,10
Wie der Adler über seinem Nest wacht,
über seinen Jungen schwebt,
seine Flügel ausbreitet,
sie aufnimmt,
sie trägt auf seinen Schwingen;
So sorgt Gott für mich.
Ob er das tut, und
Was er tut,
liegt in seinem Willen,
nicht in meinem.
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Abend und Morgen

HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten. 
Psalm 30,4
Am Abend kehrt Weinen ein,
wenn ich in der Dunkelheit bin,
wenn ich kein Licht mehr sehe,
wenn alles in mir abgestorben ist.
Jedoch:
Am Morgen ist Jubel,
wenn dein Zorn über mich sich gelegt hat,
wenn du mich aus meiner Dunkelheit befreit hast,
wenn du mich erlöst hast.
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Wortfasten

Fasten von der Geschwätzigkeit.
Fasten vom falschen Wort.
Fasten vom Verstecken hinter dem Wort.
Fasten von der Wortklauberei.
Fasten vom Wortverdrehen.
Fasten vom Missverstehen des Wortes.
Fasten vom bösen Wort.
Wortlos das Kreuz hinauftragen nach Golgatha.

Augapfel

Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel.
5.Mose 32,10
Wie der Adler über seinem Nest wacht,
über seinen Jungen schwebt,
seine Flügel ausbreitet,
sie aufnimmt,
sie trägt auf seinen Schwingen;
So sorgt Gott für mich.
Ob er das tut, und
Was er tut,
liegt in seinem Willen,
nicht in meinem.

Wenn du durch Wasser gehst

Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.
Jesaja 43,2
Ich nehme dich beim Wort,
denn ich weiß,
auf dein Wort
kann ich mich verlassen
und
Wenn du bei mir bist,
Wer kann wider mich sein (Römer 8,31)
Mein Konfirmationsspruch.
Er begleitet mich durchs Leben
Gottseidank.

Don Quijote

Eine  Windmühle.
Don Quijote hatte ein anderes Bild im Kopf.
Entscheidend für ihn war seine Wahrnehmung.
Deshalb rannte er gegen Windmühlen.
Ein Mensch.
Wir haben ein Bild von ihm im Kopf.
Entscheidend ist für uns unsere Wahrnehmung.
Deshalb rennen wir gegen Mauern.
Du.
Ich habe  ein Bild von dir im Kopf.
Entscheidend für mich ist meine Wahrnehmung.
Deshalb renne ich weg.

Adler

Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.
Psalm 124,7
Meine Seele ist entronnen,
wie ein Vogel den Schlingen eines Netzes.
Als sie durch die Maschen schlüpfte,
hat sie Federn gelassen und
an einigen Stellen Hautabschürfungen erlitten.
Nun ist sie ist frei.
Sie spannt ihre Flügel auf und
schwingt sich in die Lüfte wie ein junger Adler,
der gerade das Fliegen lernt.
Hoch hinauf schraubt sie sich und
blickt nicht mehr zurück.

Seelenaspekte

Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen. 
Psalm 34,3
Meine Seele soll sich rühmen des Herrn,
dass es alle hören und sich freuen, denen es elend geht
und sich ein Beispiel daran nehmen.
(nach Lutherübersetzung)
Oder:
In Jahwe soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die Sanftmütigen und sich freuen
In Gott soll sich meine Seele rühmen, dass sie in ihm ist und er in ihr.
Hören und daran freuen werden sich nur die Sanftmütigen.
(nach Elberfelder Übersetzung)
Äußerer und innerer Aspekt.
Äußerer und innerer Mensch.

Lug und Trug

Gott spricht: Ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen. 
Jesaja 57,16
Mensch, du musst dich fragen lassen:
Vor wem hast du dich gescheut und gefürchtet
als du gelogen und betrogen hast?
Hast du nicht an mich gedacht?
Mich nicht im Herzen gefühlt?
Habe ich nicht geschwiegen, und zwar seit langer Zeit?
Und du fürchtest mich nicht?
Ich, ich werde deine Art der Gerechtigkeit und deine Machwerke aufdecken.
Jedoch,
ich will nicht ewig rechten und
nicht auf immer zornig sein;
denn dein Geist würde vor mir zerbersten,
und deine Seele, die ich ja gemacht habe, würde es nicht aushalten.
Deshalb werde ich dich verschonen.
Den Zeitpunkt, zu dem mein Zorn erlischt,
bestimme aber alleine ich.
Und:
Es wird keinen Frieden geben für die,
die meinen Ratschluss nicht beachten!
(Jes 57, 11-21)