Niedergeschlagen

Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. 
Psalm 146,8
Da hast du viel zu tun, lieber Gott.
Wir sind niedergeschlagen,
weil wir niederschlagen,
weil wir niedergeschlagen werden,
weil wir uns niederschlagen lassen,
weil wir der Niederschlag von Mensch sind.

Bund aus Freiwilligkeit

Was hast du von meinen Geboten zu reden und nimmst meinen Bund in deinen Mund, da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich? 
Psalm 50,16-17
Wir denken, lieber Gott,
du bist die Liebe.
Was braucht es da Ordnung?
Was braucht es da Gebote?
Was braucht es da Schrift und Wort?
Ein Bund ist ein Geben und Nehmen
Ein Bund besteht aus Freiwilligkeit.
Solange ihr nur auf euch hört,
nur nehmt und nicht gebt,
schließt ihr keinen Bund mit mir.
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Not

HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst! 
Psalm 31,10
Ich bin in Bedrängnis, o Herr,
meine innere Not trübt den Blick auf dich,
meine Seele schreit und
das Messer, das in meinem Bauch steckt,
fährt mir durch die Eingeweide.
Vor Kummer schwindet mein Leben dahin.
Als Psalmist darf man das sagen,
Als Normalbürger gilt man dann als depressiv.

Selbstgerechtigkeit

Wir sind alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. 
Jesaja 64,5
Rein vor Gott sind wir nur,
wenn wir von ihm aus und wieder in ihn eingehen.
Gott macht uns gerecht im Glauben,
den Gott uns selbst anzieht.
Hin und wieder bekleckern wir das Kleid
mit unserer Selbstgerechtigkeit.

Ruhen im Herrn

Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? 
Jesaja 50,8
Ich bot meinen Rücken den Schlagenden und
meine Wangen den Raufenden,
mein Angesicht verbarg ich nicht
vor Schmach und Speichel.
Jesaja oder Bonhoeffer.
So viel Größe im Herrn,
so viel Ruhen im Herrn,
so viel Unabhängigkeit von Menschen.
Kann man das lernen oder ist es,
wie der Glaube,
eine Gnade?

Falsche Schwüre

Lieber Luther,
wenn wir denken, etwas besonders ehrlich zu meinen, schwören wir. Bei der Vereidigung von Politikern, Richtern, Soldaten, wird geschworen, auf die Verfassung, auf die Bibel. Auch ewige Liebe wird geschworen, Treue. Wenn geschworen wird, beteuert derjenige der schwört, ich halte mich an das Gesetz, an die Verfassung, an den Bund.
Damit ist schon offensichtlich, Mensch sollte nicht schwören, den es ist schon vorprogrammiert, dass er nicht halten wird, was er gerade noch im Munde führt. Es geht, lieber Luther, um den Predigttext an diesem Sonntag: Matthäus 5, 33-37:
Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl, noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.
Jesus weist uns hier in unsere Schranken und will uns gleichzeitig vor uns selbst bewahren: Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und entheiligen den Namen deines Gottes; denn ich bin der Herr (3.Mose 19, 12), denn du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht (2.Mose 20, 7; 5 Mose 5, 11). Das steht im 2. Gebot.
Das heißt, du sollst nicht ein Versprechen abgeben, das du nicht hältst, das heißt, Gott nicht im Munde führen und gleichzeitig Lug, Trug, Betrug, Falschheit, Nichtigkeiten leben, in die Welt tragen. Denn was in der Welt ist, das IST und lässt sich nicht mehr rückgängig machen, es ist und bleibt mit dir und deinem Namen verbunden. Du sollst nicht Hinterhältigkeit, Bosheit, Lüge im Munde führen, denn so trägst du keine Frucht, so bist du Spreu, die der Wind hinwegfegt, so kommst du nicht in Gottes Tenne.
Erhebe, Mensch, nicht die Hand zum Schwur. Du kannst nicht halten, was du schwörst. Schwören heißt, einen Eid leisten, sich verpflichten vor Gott, sich bekennen zu Gott und der Wahrheit. Wer schwört und nicht einhält, den trifft Gottes Strafe. Gott mag es nicht dulden, dass man seinen Namen benutzt, um Lügen zu begründen, Meineide zu rechtfertigen, Falschheiten zu beschönigen.
Der Einzige, der Schwüre hält, ist Gott. Gott schwört und hält Treue zu den Menschen. Als Mose ihn an seinen Schwur erinnert, den er vor sich selbst abgelegt hat, Abraham und seinen Nachkommen das Land, das er ihnen verheißen hat, zu geben, tut Gott etwas, was er höchst selten tut: Er revidiert sein Urteil, das er schon gegen sein Volk gesprochen hatte (2.Mose 13-14). Gott ist treu und hält sein Wort. Es zeigt aber auch, wie ernst es Gott selbst mit der Worttreue nimmt, er sagt uns: Mein Wort ist mein Eid, mein Schwur, zu euch. Was ich sage, das werde ich halten. In dieser unumstößlichen Gewissheit und Wahrheit kann dies nur Gott versprechen.
Gott schwört bei sich selbst: Ich schwöre bei mir selbst, und ein Wort der Gerechtigkeit geht aus meinem Munde, dabei soll es bleiben: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören (Jes 45, 23). Der einzige, der diesen Eid einfordern kann, ist Gott. Das einzige, was zu sagen bleibt auf diesen eingeforderten Eid, ist ein doppeltes Ja: ein Ja zum Vater und ein Ja zum Sohn, zur ihrer Wahrheit und Treue, zu unserer Umkehr und Reue, und ein doppeltes Nein: ein Nein zur Lüge und zu allem Bösen.
Führe den Himmel nicht im Munde, berufe dich nicht auf Gottes Schöpfung, noch auf Gottes Stadt Mensch, denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder schwarz zu machen. Du überschätzt dich, wenn du auf etwas schwörst, das deinen Möglichkeiten entzogen ist. Das kommt allein Gott zu. Es wiegt doppelt schwer, wenn du dich auf Gottes Gesetz berufst und es dann nicht hältst (Sir 23, 11).
Lieber Luther, es heißt, Gottes Namen vergeblich führen, wenn man Gott den Herrn nennt, dabei falsch ist, obwohl das Herz es anders weiß, wie du selbst im Großen Katechismus schreibst. „Denn lügen und trügen ist an sich selbst große Sünde, wird aber viel schwerer, wenn man sie noch rechtfertigen will und sie zu bestätigen Gottes Namen anzieht und zum Schanddeckel macht, also, dass aus einer eine zweifältige, ja vielfältige Lüge wird“.
Ja, Jesus wollte uns mit seiner Warnung vor uns selbst bewahren. Begnügt euch mit einem Ja oder Nein, ohne euch noch auf Gott zu berufen. Steht zu eurem Ja oder Nein. Doch selbst ein offenes Ja oder Nein, ein offenes Stehen, zu dem, was unser Herz sagt, fällt Mensch oft schwer. Und so betrügt er, sich und andere.
Tröstlich ist, lieber Luther, dass Gott in alle Herzen sieht, alle Wahrheit kennt und vor ihm jeder Betrug aufgedeckt wird, auch der Selbstbetrug. Auch wir sind davon nicht frei.
Herzliche Grüße
Deborrah

Dein Wort

Es ist nicht eins dahingefallen von allen seinen guten Worten, die er geredet hat durch seinen Knecht Mose. 
1.Könige 8,56
Alles, was du uns sagst, o Gott,
durch deine Heiligen,
durch deine Boten,
kein Wort, gesprochen
durch Mose, Jakob, David, Jesus,
verschriftlicht in der Schrift,
ist einfach dahin gesagt,
unbeabsichtigt gefallen.
Jedes Wort hat seinen Sinn und deine Botschaft.
Man muss sie nur lesen und verstehen können,
was nicht jedem gegeben ist.
Auch die Demut, das anzunehmen,
ist nicht jedem gegeben.

November

Der November ist erreicht,
die Ampeln in Natur und Mensch auf Stop gestellt.
Der November bereitet sich in mir aus.
Nebel und Nieselregen auf meiner Seele.
Der November bricht sich Bahn,
als ob alles in mir den Atem anhält.
Der November ist Stillstand,
ohne Energie, die vorwärts treibt.
Der November hält in mir Einzug,
die Trauer explodiert.
Der November erinnert an die Vergänglichkeit,
konfrontiert mit dem Vergehen.
Der November ist wie sterben,
Leben im Rückzug.
Der November ist wie ein Atemanhalten.
November ist der Hinterhof von Weihnachten.
Novemberhürden

Abwenden

Der HERR Zebaoth hat’s beschlossen – wer will’s wehren? Und seine Hand ist ausgereckt – wer will sie wenden? 
Jesaja 14,27
Abwenden können sich die Menschen von dir äußerlich.
Innerlich können sie dich mit Lebensmüll verdecken.
Aber abwenden, abwenden können sie dich nicht.
Du lebst in unser aller Seele,
Du streckst die Hand aus und hilfst uns ans Licht,
wenn der Müll von unserer Seele weggeräumt ist.
Abwenden, abwenden können wir dich nicht.
Abwenden, abwenden wollen wir dich nicht.

Lutherdekade – Gedanken zum Reformationstag 2013

Lieber Luther,
erinnerst du dich? Wir zwei feiern heute Geburtstag. Genau seit einem Jahr korrespondieren wir. Vor einem Jahr habe ich dir geschrieben, aus meinem Zorn heraus, dass der Reformationstag deinen evangelisch – lutherischen Kirchen keinen Gottesdienst mehr wert ist. Ein inneres Bedürfnis, das ich verspürt hatte, aber ins Leere lief und sich deshalb in anderer Weise Bahn gebrochen hat.
Ich habe gerade auch nochmals die 95 Thesen, die ich vor einem Jahr aufgeschrieben habe, gelesen. Jede einzelne ist noch genauso gültig und stimmig für mich wie letztes Jahr, vielleicht noch mehr.
Heißt das, keine Veränderung? Das kann man nicht sagen. Was den Zustand deiner Kirche anbelangt, sicher nicht, da geht es eher weiter bergab. Deine katholischen Brüder erleben mit der eigenen Zunft ein Waterloo nach dem anderen. Wie ich letztes Jahr schon schrieb, krankt der Patient Kirche schwer an sich selber,
an den eigenen Abgründen,
am Geblendet-sein vom Tand. von fremden Göttern, von Blendern,
am verheerenden Zustand der Institution Kirche,
an der sittlich, geistlich und spirituellen Erosion der kirchlichen Rolleninhaber.
Äußere Schätze stehen vor inneren,
der Umgang der Amtskirche mit Kritikern und Abweichlern ist nach wie vor unsäglich.
Es dominiert entgeistigter Zeitgeist,
billig produzierte geistige Wellness von der Stange oder Internet.
Die Litanei ist unverändert seit letztem Jahr, angereichert mit aktuellem Anschauungsunterricht, in dessen Folge sich viele Kirchenmitglieder mit Grausen abwenden und die Beine in die Hand nehmen.
Auch du bist in vieler Munde, schließlich sind wir in der sogenannten Lutherdekade. Deiner Reformation zu gedenken, reicht schließlich kein Tag oder Jahr, man braucht schon ein Jahrzehnt. Vielleicht wirst du einfach auch nur in Beschlag genommen, um im Gespräch zu bleiben. Schon bei der Benennung dieser Dekade haben die Absetzbewegungen von dir eingesetzt, wie bezeichnend.
„Luther“-Botschafter will man nicht sein (Frau Käßmann) und von „Luther“-Dekade nur in Gänsefüßchen reden, man spricht von unangemessener Engführung auf eine Person – du bist gemeint. Und – wie kurios – das EKD-Projekt „Reformdekade“ ja nicht mit der Luther-Reformationsdekade verwechseln. Nichts als Eitelkeiten, lieber Luther, aber immerhin restaurierte Kirchen und Plätze. Dir würde grausen, ob all der Indienststellung deines Namens für ganz unheilige Zwecke.
Die Großen kümmern sich unverändert nach wie vor um Prunk und schönen Schein, das Fußvolk ringt, ziemlich allein gelassen, um den Glauben, versucht in der Wüste und Einöde die suchenden Seelen nicht verhungern zu lassen, immer in Gefahr selbst zu verhungern. Das nährende Brot, die Unterstützer sind rar, es herrscht, insbesondere unter den Berufskirchlichen, viel geistige Dürre. Ein Ausdruck, der eher in deine Zeit passt, der aber den Kern genau trifft.
Als guten Aufhänger nimmt man dich gern. Heute beginnt ein neues Jahr in der ausgerufenen Luther(????)dekade mit dem Schwerpunkt „Reformation und Politik“, innere und äußere Freiheit, Paradies und Politik. Was hat das Ganze eigentlich mit Glauben zu tun? Interessiert das Ganze eigentlich jemanden außerhalb derjenigen, die Teil der Fest-Inszenierung sind und derjenigen, die politikhalber mitspielen, die innerkirchlichen und außerkirchlichen Profiteure? Interessiert eigentlich die Masse der Gläubigen oder nur die Kasse?
Lieber Luther, letztes Jahr war ich voller Zorn über den Zustand deiner Kirche. Er hat sich nicht gebessert. Im Gegenteil. Wenn ich auf mein eigenes „Kirchenleben“ blicke, so mag im Augenblick weder Kampfgeist, noch Andacht, noch Geist aufkommen, nur noch ein schwarzes Loch. Ich laufe nicht einmal mehr ins Leere oder auf, ich laufe gar nicht mehr hin. Eigentlich nur noch Trauer.
Wenden wir den Blick lieber ab. Schauen wir doch lieber in die Bibel. Da finde ich den Tröster, der hilft mir weiter, als der Blick auf Kirche. Deshalb Schluss nun, damit noch Zeit für das Wesentliche bleibt.
Reformatorisch gestimmt,
herzliche Grüße
Deborrah

Fehlbarer Mensch

Der HERR aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht! 
5.Mose 31,8
Ich weiß, mein Gott,
du bist bei mir,
du verlässt mich nicht,
wie verlassen ich auch bin,
wie schlecht es mir auch geht,
wie müde ich auch bin.
Blicke ich auf mich,
blicke ich um mich,
dann gelingt mir
das Fürchte- dich-nicht
und Erschrick-nicht
nicht immer.
Fehlbarer Mensch.

Hinterrücks

Trachte nicht nach Bösem gegen deinen Nächsten, der arglos bei dir wohnt. 
Sprüche 3,29
Hinterrücks,
das Schwert
dem Arglosen durch die Brust.
Der Arglose fällt
Und Gott fängt ihn auf.
Und der, der das Schwert führt?
Er wird, am Tag der Wahrheit,
das Schwert in der eigenen Brust fühlen.
Er selbst wird es gegen sich führen.
Und Gott fängt ihn auf.

Mit ungeteilter Seele

Diene Gott mit ganzem Herzen und mit williger Seele! Denn der HERR erforscht alle Herzen. 
1.Chronik 28,9
Und du mein Sohn, meine Tochter,
diene mit ungeteilter Seele,
willig, demütig.
Gott schaut in alle Herzen,
kennt alle Gedanken.
Wenn du ihn suchst,
wird er sich finden lassen.
Wenn du ihn verlässt,
wird er dich auch verlassen.
Dann bist du verlassen,
aber erst dann.

Erhöre

Erhöre mich, HERR, erhöre mich, damit dies Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist und ihr Herz wieder zu dir kehrst! 
1.Könige 18,37
Nicht nur wir, auch einer wie Elia war in vielen Nöten.
Erhöre mich,
erhöre uns, Herr,
wende die Dinge in deine Richtung,
wende sie so, dass es offenbar ist,
dass du es bist,
der wirkt.

Geisttaufe

Lieber Luther,
ich bin gestern mit meinen Gedanken zur Taufe nicht zu Ende gekommen. Ob man das je tut, ist die Frage. Wir erkennen immer nur Teile von Gottes Wahrheit, wir sind schon sehr begrenzt.
Das Geschehen bei Jesu Taufe sind ohne die Erklärungen, die Johannes gibt, dessen Auftrag die Taufe ist, die Taufe zu leben, zu erklären, zu verbreiten, kaum zu erfassen. Johannes lebt für die Taufe, Johannes lebt, um Jesus zu taufen, um Jesu Taufe in die Welt zu bringen. Gott bewirkt durch Johannes, dass die Taufe mit dem Heiligen Geist wird in der Welt. Jesus ist hier, wie in allem was zu Gott führt, derjenige, der uns vorangeht. Nach Jesu Taufe ist auch unsere Taufe mit dem Heiligen Geist möglich. Vorher war dies nicht der Fall. Jesu Taufe ermöglicht auch uns die Nachfolge. Jesu Taufe ist die Gottes Initiation der Geisttaufe. Deshalb sagt Jesus zu Johannes: Lass es geschehen.
Johannes bringt, um das Taufgeschehen zu erklären, zwei Bilder:
Der Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
Die Spreu wird vom Weizen geschieden und ins Feuer geworfen.
Jesus schaut sich alle Bäume an, diejenigen, die keine Frucht bringen, werden an der Wurzel abgehackt. Der unfruchtbare Baum, das tote Holz, wird verbrannt, die Wurzeln bleiben. Der Baum kann neu treiben, hat eine weitere Chance, ein fruchtbarer Baum zu werden.
Jesus scheidet Fruchtbares von Unfruchtbarem, er schließt uns für Gott auf, drischt uns, so dass die Spreu von uns abfällt, lässt uns neu wachsen. Sein Feuer brennt ewig, so dass alle Spreu, alles tote Holz verbrennen kann.
Jesus tauft mit dem Heiligen Geist und mit Feuer. Beides ist nicht zu trennen. Das Taufwasser spült unsere Seelen frei von allem Müll, der sich auf sie gelegt hat und macht sie empfänglich für Gottes Geist, lässt Gottes Geist in sie einfließen, lässt uns in Gottes Geist eintauchen – das griechische baptizo – taufen – heißt eintauchen. Gottes Geist taucht in uns ein und wir in seinen Geist. Das heißt Geisttaufe. Das tatsächliche Eintauchen in Wasser bei der Taufe verbildlicht unser Eintauchen in Gottes Geist, das Wasser verbildlicht Gott als die Quelle des Lebens, reinigend und nährend.
Bei Jesu Taufe öffnet sich der Himmel, der Heilige Geist fließt in ihn ein, Gott sagt: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. Das geschieht in Jesu Nachfolge auch bei unserer Taufe: Gottes Geist fließt in uns ein, Gott sagt zu mir, du bist mein liebes Kind, an dem ich Wohlgefallen habe. Gott begründet unsere Kindschaft mit der Taufe. Die Taufe begründet den „direkten Draht“ zu Gott, ob wir seine Stimme hören oder nicht. Sein Geist ist mit uns und wir sind Teil seines Geistes. Die Taufe ist das Herzstück des christlichen Glaubens, unserer Beziehung zu Gott in Jesu Nachfolge. Ohne Taufe ist das nicht möglich.
Deshalb ist auch das Letzte, was Jesus seinen Jüngern mitgibt:
„Geht nun hin und lehret alle Völker und
taufet sie im Namen des Vaters
und des Sohnes und
des heiligen Geistes
und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matth 28, 19-20).
Jesus hat bei der Taufe die Worfel in der Hand, scheidet das, was den Geist hindert, in uns einzufließen, mit der Taufe von uns ab, macht es möglich, dass Gott den Heiligen Geist in uns einfließen lässt. Diese Dreiheit begründet die Einheit in der Taufe, Trinitatis.
Lieber Luther, diese Erkenntnis hallt so stark in mir, ich möchte weinen. Weiteres ein anderes Mal.
Herzliche Grüße
Deborrah

Was willst du?

Womit soll ich den Herrn versöhnen,
mich bücken vor dem hohen Gott?
Du willst nicht dass ich buckele,
Du willst nicht dass ich knechte.
Du willst nicht äußeren Prunk,
Du willst inneren Glanz.
Du willst, dass wir dein Wort hören,
Du willst, dass wir deiner Stimme trauen.
Du willst, dass wir das Gute tun,
Du willst, dass wir das Böse meiden.
Du willst, dass wir dir folgen,
Du willst, dass wir dein Gut erkennen.
Du willst dass wir dir dienen,
Du willst, dass wir dich lieben.
Du willst nicht unsere äußere Hülle,
Du willst unsere innere Frucht.
Du willst nicht unser Leben.
Du bist unser Leben.
(Gedanken zum heutigen Predigttext: Micha 6, 6-8)
Innere Frucht

Selbstbilanz

Du wirst an deine Wege denken und dich schämen, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht Gott der HERR. 
Hesekiel 16,61.63
Ja, Mensch, der Augenblick wird kommen,
in dem du dir selbst ins Angesicht blicken musst.
Dann wirst du selbst ungeschminkt Bilanz ziehen müssen,
über dich, dein Leben im Angesicht der reinen Wahrheit.
Wir werden uns alle schämen.
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Taufwasser

Lieber Luther,
es hat etwas gedauert, bis ich mich nach dem Ausbruch letztens wieder gefangen und zu meiner Sprache gefunden habe. Wenn mich auch ein Teil deiner Zunft manchmal zur Weißglut treibt, ändert das nichts an meinem Glauben. Wende ich den Blick weg von Kirchengemeinden und hin ins Leben, dann elektrisieren mich die Fragen, die Menschen zum Glauben stellen, insbesondere junge Menschen. Es ist schön, dass sie Fragen stellen, keine leichten Fragen, Fragen die ins Mark gehen. Wenn das keine Herausforderung ist? Wenn wir keine Antworten haben, ist es nicht verwunderlich, wenn sie sich abwenden. Um eine solche Frage geht es heute:
Wieso ist es erlaubt, seine Kinder taufen zu lassen, obwohl sie die Entscheidung nicht selber getroffen haben und eine Taufe nach dem Verständnis der Kirchen nie „rückgängig gemacht” werden kann, fragt eine Siebzehnjährige.
Bei der Diskussion, die sich um meine Antwort entwickelte, merkte ich, dass ich mich zwar schon verschiedentlich mit dem Abendmahl, aber, mit einer eher unerfreulichen Ausnahme, nicht mit der Taufe beschäftigt habe. Dieses Versäumnis will ich heute nachholen. Es ging um lutherisches und pietistisch-calvinistisches Taufverständnis, selbst auf Twitter gab es Bewegung. Diese Diskussion hat mich auf dem linken Bein erwischt.
Wenn ich ehrlich bin, will ich mich nicht lange mit theologischen Auseinandersetzungen aufhalten, das überlasse ich den Theologen. Mich interessiert mehr, was ich aus der Bibel lesen kann (Matth 3).
Johannes, der Gleichaltrige, erkannte Jesus schon, als sie beide noch im Bauch der Mutter schwammen. So sagte er auch, als er später taufend durch die Lande zog: Ich taufe mit Wasser zur Buße, es wird aber einer kommen, der euch mit dem Heiligen Geist und Feuer taufen wird, er wird mit der Worfel die Spreu vom Weizen trennen, seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit ewigem Feuer verbrennen (Matth 3,11). Genau das passiert mit der Taufe.
Zunächst: Wieso lässt sich Jesus überhaupt taufen? Johannes ziert sich, wie kann ein Mensch, der mit Wasser tauft, einen taufen, der mit dem Heiligen Geist tauft? Das ist irgendwie verdrehte Welt. Jesus sagt: Lass es jetzt (so sein)! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Was will er damit sagen? Lass es SEIN. Die griechische Wortwurzel (dike) liefert die Antwort: Das Geschehen soll weisen, es soll zeigen. Das kann es aber nur, wenn es geschieht. So gibt Johannes nach und Jesus steigt ins Wasser.
Wasser ist der Quell des Lebens. Mensch wird im Wasser, im Fruchtwasser. Wasser ist das Element, in dem er zu seiner physischen Gestalt heranwächst. Leben kommt aus Gott und wächst im Wasser, in kindlicher Unschuld und Reinheit. Ein ungeborenes Kind ist noch ganz beseelt vom Göttlichen. Wasser ist unsere erste Heimat, das Element, in dem wir uns geborgen fühlten, ohne zu wissen, was das eigentlich ist. Das Taufwasser erinnert an diese göttliche reine Heimat, bringt uns – nachdem wir angelandet sind – zurück in die göttliche Heimat.
Johannes ist wütend, als er die Pharisäer zur Taufe kommen sieht. Was fällt euch ein zur Taufe zu kommen? Und wenn ihr schon kommt, dann nehmt das ernst, bereut euer unheiliges Leben ehrlich, kehrt um, bringt in Zukunft Frucht. Glaubt nicht, dass Gott nicht ehrliche Reue und Umkehr von Pharisäertum unterscheiden kann. Er kann Weizen von der Spreu unterscheiden und er hat die Worfel in der Hand, die die Spreu vom Weizen scheidet. Jeder Weizen hat Spreu. Bevor der Weizen zu Brot werden kann, nähren kann, muss er von der Spreu befreit werden. Jesus drischt uns, damit die Hülsen, die Grannen, die Samenhüllen, die Spelzen von uns abfallen. Die Worfel ist die Taufe, das Taufwasser. Mit der Taufe sind wir bereit, gute Frucht zu bringen, können nähren. Jesus ist auch Mensch und darin keine Ausnahme. Sein Wirken, seine Wundertaten, beginnen bei der Hochzeit vonKanaan, sie beginnen nach der Taufe.
Johannes, der Wissende, sagt: Er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er im ewigen Feuer verbrennen. Mit der Taufe, mit dem Taufwasser fällt die äußere Hülle, die den fruchtbaren Kern verdeckt, und wir finden uns in Gottes Tenne wieder. Jesus sammelt mit der Taufe sein Volk auf seiner Tenne. Johannes taufte mit Wasser. In den Bibelübersetzungen steht, er taufte, indem die Menschen ihre Sünden bekannten. Das griechische Wort für Sünden ist Harmartia. Das heißt zunächst ganz neutral, das Ziel verfehlen (nach Elberfelder Studienbibel). Wann „Sünde“ daraus geworden ist, vermag ich nicht zu sagen, aber Johannes hat sicher das gemeint: Kehrt um, ihr Pharisäer, ihr habt das Ziel verfehlt, ihr bringt, so wie ihr lebt, keine Frucht.
Und noch etwas sagt uns Johannes: Das Weizenkorn muss gedroschen werden, damit die Spreu von ihm abfällt. Die Spreu wird Jesus ins Feuer werfen und im unauslöschlichen Feuer verbrennen. Das ist eine gute Nachricht. Die Spreu ist der Teil des Weizenkorns, der keine Nahrung gibt, die Hülse, die nichtfruchtbare Hülle des Weizenkorns. Jedes Weizenkorn hat eine Hülle, jeder Mensch einen Teil, auf den er verzichten kann, der den Blick auf sein Innerstes, auf Gott verstellt, der verhindert, dass er nähren kann, zu guter Frucht wird. Mit der Taufe wird diese hinderliche Hülle weggespült und gibt unseren fruchtbaren Kern frei.
Taufe heißt eintauchen in Gott, in die Tiefe der Quelle des Lebens, in die Fruchtblase Gottes, in seinen Bauch, in seine Geborgenheit, in seinen Schutz. Er nährt mich mit seiner Nabelschnur. Mit der Taufe werde ich in Gott geboren, werde sein Kind.
Lieber Luther, wieso ist es erlaubt, Kinder taufen zu lassen, obwohl sie die Entscheidung nicht selbst getroffen haben. Ist das wirklich unsere Entscheidung? Jesus hat die Worfel in der Hand, nicht wir. Wie lang ein Korn gedroschen werden muss, bis die Spreu von ihm abfällt, ist unterschiedlich, aber der Tag wird kommen, an dem sie abfällt. Jeder Augenblick, der mich von Gott trennt, ist ein verlorener Augenblick, ist Spreu. Ich wurde getauft, als ich 4 Wochen und 1 Tag alt war und bei dir war es sicher nicht viel anders.
Herzliche Grüße
Deborrah
PS: Wie du wohl gemerkt hast, bin ich nicht bis zu den offenen Himmeln gekommen. Jesu Taufe passt nicht in einen einzigen Brief. Über die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes schreibe ich dir – hoffentlich – morgen.