Ruhebank

Altes Jahr, neues Jahr.
Ende und Anfang.
Geh weiter, wer mag, ins neue Jahr.
Ich bliebe am liebsten sitzen.
ruhte am liebsten aus,
auf einer Ruhebank.
Im Nichts oder Irgendwo.
Bliebe ewig sitzen,
zwischen altem Jahr und neuem.
Ein Stäubchen in der Ewigkeit.
Ein Nichts,
ein Schatten, der sieht und nicht gesehen wird.
Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft.
Wo ist die Abfahrt dorthin?

Schritt für Schritt

Schritt für Schritt,
vom alten Jahr in das Neue.
Schritt für Schritt,
egal, ob der Boden trägt.
Schritt für Schritt,
egal, ob wir nasse Füße bekommen.
Schritt für Schritt,
egal, ob wir im Morast versinken.
Schritt für Schritt,
gehen wir durchs Leben.
Schritt für Schritt,
bis Land in Sicht ist.
Schritt für Schritt,
bis der Boden trägt.
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Neujahrs Abendmahl

Und reichst du mir den Kelch, den bittern,
mit Leid gefüllt bis an den hohen Rand,
so nehme ich ihn mit Zittern,
aus deiner ach so geliebten Hand.
Fahren lassen.
Verlassen.
Lassen.
Du, o Gott,
spinnst meinen Lebensfaden und
lässt ihn auch reißen.
2014.
Ein gutes neues Jahr.
Meine Ahnungen.
Will sich dann die Stille um mich breiten,
so lass mich hören jenen vollen Klang,
der Welt, die unsichtbar sich weitet,
meiner Seele frohen Lobgesang.

Das alte Jahr geht

Schritt für Schritt,
vom alten Jahr in das Neue.
Schritt für Schritt,
egal, ob der Boden trägt.
Schritt für Schritt,
egal, ob wir nasse Füße bekommen.
Schritt für Schritt,
egal, ob wir im Morast versinken.
Schritt für Schritt,
gehen wir durchs Leben.
Schritt für Schritt,
bis Land in Sicht ist.
Schritt für Schritt,
bis der Boden trägt.

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Trester

Der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.
Klagelieder 3,31-32
Der Herr betrübt wohl,
aber wenn er betrübt,
dann zu unserer Klärung.
Der Trester muss abgeschieden werden,
bevor der Most zu klarem Most wird.
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Vom Sterben – eine Mutmachgeschichte

Vom Sterben reden wir nicht gerne. Am besten würden wir es verdrängen, vergessen, totschweigen. Schon gar nicht an Weihnachten. Ich rede vom Sterben, ich habe es schon öfters hier in dem Blog getan, etwa als ich von Beates Sterben erzählt habe.

Viele Menschen haben Angst, einen wahren Horror vor dem Sterben oder dem Tod, was nicht das Gleiche ist, aber das sei hier dahingestellt. Mein Vater ist heute gestorben. Er war einer, der nicht vom Sterben reden wollte, Er wollte auch im Leben keine Menschen besuchen, die im Sterben lagen oder schwer krank waren. Darin ist er sich treu geblieben bis zum Ende. Keinen Besuch. Bis auf mich. Auf mich hat er noch gewartet.

Tod, wo ist dein Stachel? Ich will erzählen, wie er gestorben ist, um Mut zu machen, Mut, die Angst vor dem Sterben zu lassen, das Tabu wegzunehmen, den Tod anzunehmen, das Sterben zu leben, im Leben denjenigen sterben zu lassen, für den die Zeit gekommen ist. Den Tod als Teil des Lebens zu nehmen. Den Tod als Anfang eines neuen Lebens zu nehmen.

Mein Vater ist zu Hause gestorben, in dem Haus, in dem er und auch ich geboren bin. Krankenhaus und Ärzte waren ihm ein Gräuel. Er wurde hingebungsvoll gepflegt von meiner Schwägerin. Das war nicht selbstverständlich. Sie hat Jahrzehnte unter ihm gelitten. Als sie ihn immer hilfloser werden sah, hat dies ihr Herz gerührt. Sie hat nicht nachgetragen. Sie hat ihn nicht ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim abgeschoben, sie hat ihr Herz geöffnet, sich von seiner Hilflosigkeit berühren lassen, ihren Frieden mit ihm gemacht und sich ihm liebevoll zugewendet. Das nennt man wohl Vergebung oder auch Nächstenliebe.

In dem Haus leben 4 Generationen zusammen, eine Großfamilie mit viel Kommen und Gehen, viel Aus und Ein. Eine Bauernfamilie. Still ist es die ganze Nacht nicht. Irgendjemand ist immer am Kommen oder Gehen. Es geht laut, manchmal auch für mein Gefühl roh, aber herzlich und ehrlich zu. Die Tür zum Zimmer meines Vaters war unter Tags in der Regel einen Spalt offen. Er hat bis zuletzt Teil genommen am Leben der Familie. Zunächst habe ich gedacht, könnten sie nicht mehr Rücksicht nehmen? Dann ist mir aber klar geworden, dass gerade diese Normalität ihn birgt. Er kennt die Stimmen aller Familienmitglieder, vielleicht die der wechselnden Freundinnen der Enkel nicht. Einmal hat er mich nach einer solchen ihm unbekannten Stimme gefragt. Er war im Kopf ganz klar, so klar wie in den letzten 2 Jahren nicht. Meine Anwesenheit hat ihm nochmals einen letzten Lebensschub gegeben.

Als ich so an seinem Bett saß, hat sich mir der Sinn von „werdet wie die Kinder“ erschlossen. Am Lebensende kann man hilfloser sein als ein neugeborenes Kind. Das kann wenigstens noch schreien. Sterbenden fehlt die Kraft und die Stimme dazu. Es geht nichts mehr, die Körperfunktionen sind außer Kontrolle, kein Eigensinn, keine Bosheit oder Bösartigkeit, alles muss abgegeben werden, auch die Würde und das Schamgefühl. Zum Vorschein kommt der reine Mensch. Der reine Kern der Seele. Bescheidenheit, Dankbarkeit und Anerkennung der Zuwendung. Mein Vater hat noch nie in seinem Leben so oft Danke gesagt, wie in den letzten Wochen seines Lebens. Mensch ist in seinem körperlichen Verfall zurückgeführt auf seinen innersten Kern und der ist gut und freundlich, dem Nächsten zugetan. Werdet wie die Kinder. Derart vorbereitet sind wir gut vorbereitet, wenn wir durch das Sterbenstor treten und Gottes Klarheit und Wahrheit uns umfängt. „Wie lange dauert es noch?“ hat er mich wiederholt gefragt und ich habe geantwortet, „Ich weiß es nicht.“. Er wusste genau, dass der Augenblick, vor dem er sich so gefürchtet hat, nahe war, jedoch, ich hatte den Eindruck, dass ihm die Furcht genommen war. Aller Widerstand war abgelegt und wie ich meine, auch die Angst.

Ich habe noch Weihnachten mit ihm gefeiert, an Heiligabend, als schon der erste Weihnachtstag angebrochen war. Heiligabend wird bei uns traditionell mit der ganzen Großfamilie gefeiert, alle Generationen mit Anhang um den Tisch. Anschließend wird gesungen und dann ist Bescherung. Ausgiebig, laut und fröhlich geht es zu. Mir ist das zu wenig Andacht und so habe ich mich mit meiner Familie seit einem Jahrzehnt zurückgezogen. Aber dieses Jahr haben wir unverhofft, zur Freude meiner Kinder, wieder mitgefeiert. Nach der langen und fröhlichen Feier bin ich noch bei meinem Vater vorbeigegangen. Ich habe mich an sein Bett gesetzt und in aller Andacht Weihnachtslieder für ihn gesungen, bis ich nicht mehr singen konnte. Er hat mir seine Hand entgegengestreckt, ich habe sie genommen und während der ganzen Zeit gehalten. Mein jüngerer Sohn hat sich still dazugesellt. Es war wunderbar. Hier war Weihnachten, hier spürte ich Weihnachten. Hier habe ich schließlich doch noch Weihnachten in diesem Jahr gefunden. Als ich geendet hatte, lag feierliche, andächtige Stille im Raum. Das Gesicht meines Vaters lag ganz friedlich im Halbdunkel. Jesus kann auch so an Weihnachten kommen und er ist ganz gegenwärtig. Ich hatte das Gefühl, dass ich Weihnachten noch nie so intensiv gefühlt habe.

Gestern sind wir zurückgereist. Abends bin ich in die Kirche und habe für ihn gebetet: Lieber Gott, vergib uns unsere Schuld, öffne deine barmherzigen Arme, nimm seine Hand, sende ihm einen Engel entgegen. In „meiner“ Kirche bekommen meine Gebete immer eine besondere Kraft. Und Gott hat gehört.

So ist mein Vater heute gestorben, zu Hause, ohne Krankenhaus, ohne Medikamente, ohne Arzt, im Kreis seiner Familie, mein Bruder und meine Schwägerin waren bei ihm, als er starb. Alles war erledigt. Alle waren vorbereitet, alle haben anerkannt, dass der Augenblick da war. Und weder meine Schwägerin, noch eines seiner Kinder, hatten Hemmungen oder Angst, mit seinem Sterben umzugehen. Keine Unwahrheiten, keine Beschönigungen, einfach die Dinge so nehmen, wie sie im Augenblick sind, auch wenn sie nicht schön anzusehen sind, der Geruch des Todes schon im Raum liegt.

Mein Vater ist leicht und in Frieden hinüber gegangen, mit seinem typischen schelmischen Lächeln im Gesicht, ein Lächeln, als hätte er eine diebische Freude in sich: Seht, ich konnte es, was keiner gedacht hat, dass ich es schaffe, habe ich geschafft. Mir gehört die Welt. Der Friede und die Größe Gottes lag auf seinem Gesicht. Wir sind alle froh, dass Gott es nach einem schwierigen Leben so gut mit ihm gemeint hat.

Jesus ist kommen
Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide,
Schöpfer wie kommst du den Menschen so nah.
Himmel und Erde erzählet’s den Heiden:
Jesus ist kommen,
Grund ewiger Freude.

(EG, Nr. 66)

Krippe
An der Futterkrippe

Rausch

Ihr trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert euch nicht um den Schaden Josefs. 
Amos 6,6
Wir berauschen uns und
lassen uns berauschen,
von unserem Ego,
von unserem Wohlstand,
von unseren vermeintlichen guten Taten und
an der Hausecke übersehen wir einen frierenden Bettler.
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DU

HERR Zebaoth, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht.
Jesaja 37,16
Du, o Gott, hast Himmel und Erde gemacht.
Kommen und Gehen,
Sein und Nichtsein,
Leben und Tod,
Veränderungen,
Unbeständigkeit.
Das Weiter im Leben und im Sterben,
Anfang und Ende,
Ausgangspunkt und Endpunkt.
Alles dein Urquell,
alles deine Schöpferkraft,
alles DU.
Ich, das DU in mir.

Weite

Weite öffnet sich aus der Enge,
der Beengtheit,
der Begrenztheit
von Gedanken, Herz und Seele.
Weite öffnet den Blick,
lässt aufsehen,
den Blick wandern,
den Horizont sich öffnen.
Weite öffnet die Augen,
öffnet das Herz,
lässt einen Blick zu auf eine Welt,
die sonst verdeckt ist.
Weite weitet,
Weite entgrenzt.
Lässt Gedanken, Herz und Seele dorthin fliegen,
wo die Sehnsucht sie hintreibt.
Du hast uns herausgeführt ins Weite.
Die Tageslosung, wie geschaffen für den Tag.
Der Tag geschaffen für das Heute.
Weihnachten.

Feuer und Wasser

Du hast Menschen über unser Haupt dahinfahren lassen. Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du hast uns herausgeführt ins Weite.
Psalm 66,12
Feuer und Wasser,
es brennt,
es läutert,
es klärt.
Du taufst mit Feuer und Wasser.
Wir mögen denken, wir verbrennen,
wir mögen denken, wir ertrinken.
Sei nicht kleinmütig, Mensch.
Du führst hinein,
aber auch wieder heraus.

Immanuel

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. 
Psalm 68,20
Oder:

Gepriesen sei der Herr Tag für Tag! Er trägt für uns (Last); Gott ist unsere Rettung.
(Elberfelder Übesetzung)
Immanuel.
Der, der tragen hilft.
Der, der erträgt.
Der, der trägt.

Heilendes Land

Israel ward durch den HERRN errettet, errettet für alle Zeit; ihr werdet nicht zuschanden, nicht mit Schmach bedeckt werden in Ewigkeit. 
Jesaja 45,17
In dem Land, in dem du bist, o Gott,
ist Rettung, ist das gute Land,
in das du uns führen willst,
das heilende Land.
Um uns das begreiflich zu machen,
hast du uns den Heiland geschickt
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Seelenquell

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. 
Psalm 19,8
Gott setzt, pflanzt Bäume.
Wo und wann er pflanzt,
das Warum hinter allem, was geschieht,
ist sein Geheimnis,
von Mensch nicht ergründbar.
Dass, was ist,
vor Gott vollkommen ist,
verleiht meiner Seele Kraft,
auch wenn es sich mir nicht immer erschließt.

Heimat

Der Nebel, der den Wald entlang zieht,
der auf den Ästen gefrorene Tau,
der Geruch des Waldes,
die vertrauten Wege,
auf die es mich zieht,
magisch, als sei ich nie gegangen.
Mein Wald, den ich nach Jahrzehnten
mit Kinderaugen durchstreife,
quer durchs Gehölz,
nach jedem Meter stehen bleibe,
weil alle Waldgeister um meine Aufmerksamkeit buhlen,
ganz, als ob sie all die Jahre
auf mich gewartet haben.
Der Wald, in seiner ganzen Schönheit,
die im Sommer verdeckt ist vom Laub.
Der Wald, mit seinem ganzen Zauber,
der mich umschließt.
Der Wald, mit seiner ganzen Magie,
die mir das Tor zu einer anderen Welt öffnet.
Als ich auf das freie Feld trete, bemerke ich,
dass ich „Tochter Zion“ singe.
Das erste Adventslied,
das ich dieses Jahr singen kann.
Es fließt wie von selbst aus mir heraus.
Heimat.