Falsche Ratgeber

So starb Saul wegen seiner Untreue, die er gegen den HERRN begangen hatte in Bezug auf das Wort des HERRN, das er nicht beachtet hatte, und auch, weil er den Totengeist befragt hatte, um Rat zu suchen; aber bei dem HERRN hatte er keinen Rat gesucht.
1.Chronik 10,13-14

Falsche Ratgeber sind unser Tod.

Auferstehung

Du aber geh hin auf das Ende zu! Und du wirst ruhen und wirst auferstehen zu deinem Anteil am Ende der Tage.
Daniel 12, 13

Die Verständigen und Einsichtigen
werden geprüft, gereinigt und geläutert werden,
die Unverbesserlichen werden unverständig bleiben.
Am Ende der Tage werden alle ihren Anteil bekommen,
so wie sie ihn sich erlebt haben.

Wink mit dem Krückstock

Ob man will oder nicht,
manchmal bleibt nur,
sich zu fügen.

Bin in ein unsichtbares Loch getreten.
Rechter Fuß blau,
Band gezerrt,
linkes Knie geschwollen und anfangs gar nicht,
dann schwer,
jetzt schon wieder besser beweglich.
Das ist schon was wert.

Unfreiwillige Verlangsamung.
Und Demut.
Ohne Hilfe ist anfangs kein Zentimeter gelaufen.
Vorgeschmack auf die Zeit,
wenn man wieder wie ein Baby verpflegt werden muss.
Ziehe vor, eher zu sterben.
Hätte ich letzten Freitag fast geschafft,
bin beinahe den Erstickungstod gestorben.
Aber sollte anscheinend noch nicht sein.

Und wenn es unrund läuft, dann richtig.
Fliegen konnte ich natürlich für diese Woche
völlig vergessen, nächste Woche mal sehen.
Meinen Key habe ich letzten Freitag vergessen und
kann mich im Geschäft nicht einloggen.
Aber … in Workarounds bin ich Meister.
Habe natürlich einen Weg gefunden…

Vielleich ein paar Winke mit dem Krückstock?
In welche Richtung,
da habe ich ja jetzt reichlich Auswahl,
vielleicht auch eine Vorstellung.

Mal sehen, in welche Richtung
der Krückstock ausschlägt.
Und egal wie, grünen wird
er in jedem Fall,
da bin ich zuversichtlich.

ÜbergangKrückstock

Opfer

Lasst uns über die Opfer reden und gebt den Tätern nicht den Raum. Was heißt es Opfer zu sein? Ich berichte hier vom wahren Leben.

Bei uns in der Abteilung wurde eine Mitarbeiterin vermisst nach dem Attentat in Nizza. Ein 20jähriges Mädchen, aus Russland, das bei uns ein Praktikum gemacht hat. Ein fröhliches und sehr nettes Mädchen mit langen blonden Wuschelhaaren. Sie war spurlos verschwunden. Der Vater hat sie auch vermisst, so kam er aus Russland angereist, kein Englisch, kein Französisch, nur Russisch. Seine Anfrage an die französische Polizei blieb unbeantwortet. Alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihn zu unterstützen. Die Belegschaft zwischen Hoffen und Bangen. Man tat, was man konnte, um die Mitarbeiter in dieser schwierigen Situation zu unterstützen.

Dann kam die Nachricht. Sie ist tot. So einfach schreibt sich das. So brutal. Der Tod saß auf dem Stuhl neben uns. Sie war nur noch mit DNA identifizierbar, so zerstört war sie. Deshalb hat es solange gedauert, bis Klarheit herrschte. Die Unklarheit ist noch schlimmer als die fürchterliche Wahrheit. Alle wie gelähmt. Den Raum, in dem die Nachricht verkündet wurde, verließen fast alle weinend. Psychologische Hilfe ist angeboten, für den, der sie in Anspruch nehmen will. Jeder kann nach Hause gehen, der es braucht. Jeder verarbeitet anders. Für ein paar Tage relativiert sich das, was im Berufsalltag für wichtig gehalten wird.

Ich sage meinen Mitarbeitern, wer ein Problem hat, kann gern zu mir kommen. Und tatsächlich kommt eine Mitarbeiterin. Sie will nicht, dass es alle wissen. Aber ihr Vater war auch in Nizza, auch er im Krankenhaus und verletzt. Sie will ihre äußerliche Unverletztheit bewahren, den Schein wahren, ja nicht darauf angesprochen werden. Auch für sie mit ihren Mitte 20 starker Tobak. Dieser enge Kontakt mit dem Tod ist für die meist jungen Menschen in unserer Abteilung neu. Sie sieht bleich aus. Nein, sie will lieber arbeiten. Anderntags fehlt sie doch.

Eine weitere Mitarbeiterin von mir, die mit dem toten Mädchen befreundet war, ist immer nahe den Tränen. „Man kann nirgends mehr sicher sein“, das ist, was sie beschäftigt. Sie hat ein kleines Kind. Sie sage von nun an immer Bescheid, wohin sie gehe, damit …. falls, jeder weiß wo sie ist (oder war). Man hat ja gesehen, wie furchtbar diese Ungewissheit ist. Sie erzählt mir, dass diesen Morgen ein weiteres Unglück passiert sei. In einer Feriensiedlung. Eine Frau mit 2 Töchtern und im Ferienbungalow nebenan eine muslimische Familie. Der Mann stört sich daran, dass die Frauen im Nebenbungalow im Bikini um ihren Pool liegen. Das gehöre sich nicht. Die Frauen lassen sich nicht einschüchtern. Anderntags hat er alle 3 Frauen mit dem Messer abgeschlachtet. Freiwild zuhause zu sein, damit kommen viele nicht klar. Jeden Tag verweinte Gesichter. Sie verstört das verlorene Sicherheitsgefühl. Man müsse sich, sagt sie, darauf einstellen, dass man nirgends mehr sicher ist. Und heute musste sie nach Marseille. Sie sagte es allen, nur für den Fall… Sie ist nicht gern gefahren, die Angst ist mitgereist. Der Verlust des Sicherheitsgefühls, der Unbeschwertheit, wiegt schwerer als der Tod der Kollegin.

Die Attentäter haben nicht nur die 87 Todesopfer auf dem Gewissen, sagt sie. Jeder Tote hat mindestens 30 Angehörige. Das addiert sich. Keiner spricht von diesen traumatisierten Hinterbliebenen. Man gibt den Tätern viel Aufmerksamkeit. Was sie über die direkt Ermordeten hinaus anrichten, ist wenig spektakulär und taugt für Schlagzeilen nicht. Über die Tausende umgebrachter Angehöriger schweigt man hinweg, als gäbe es sie nicht. Die Traumatisierten, die Lebens-Verunsicherten sind die wahren Opfer. Tot ist tot. Den Toten schert das nicht. Ich habe einen starken Glauben, sage ich zu jedem, mit dem ich spreche. Ich glaube, dass die Kollegin jetzt in einer besseren Welt ist. Die Hinterbliebenen sind die wahren Opfer. Die Traumatisierten. Die Verunsicherten. Sie müssen mit diesem Tod leben. Sie sind die wahren lebend Umgebrachten.

Auch meine Mitarbeiterin, mit ihrer deutschen Chefin, denkt, die Deutschen haben diese Entwicklung zum Bösen befördert, mit ihren offenen Grenzen, mit ihrer Politik. Das habe viele ermutigt, ihren persönlichen Kampf gegen die Ungläubigen aufzunehmen. Die Schläfer sind geweckt. Das Halali zur Jagd ist geblasen und nicht mehr in den Griff zu kriegen. Der Damm ist gebrochen. Keine organisierte Guerilla, die sich eventuell noch kontrollieren lässt. Eine Organisation ist kontrollierbar, aber nicht Nichtorganisierte. Die Scharfmacher haben das kapiert. Unsere Politiker und Schönredner bis heute nicht. Nein, es sind nun Individuen, die ihren persönlichen Krieg führen, die einen Freifahrschein ins Himmelreich von ihren Anführern haben, wenn sie Andersgläubige umbringen. Das ist von keiner Polizei der Welt mehr zu kontrollieren. Die Situation ist – nicht wirklich überraschend – außer Kontrolle geraten. Es wird in Feriensiedlungen, in Zügen, in Kneipen, auf Massenveranstaltungen wahllos und in immer höherem Tempo gemordet. Jeden Tag woanders. Das Blut trieft aus den Nachrichten-, Sondersendungen und Talkshows. Dazwischen die immer gleichen Betroffenheitsparolen der Politiker und Medien, die keiner mehr hören kann. Es war abzusehen, auch wenn es bis jetzt  viele immer noch nicht einsehen wollen. Keiner kann sich beschweren. Wir alle haben es zugelassen, dass es so kommt. Wir stehen erst am Anfang der Abfahrt in die Hölle. Und wir schauen weiterhin zu, wie sich die Fahrt beschleunigt.

Was ich auch noch nicht wusste bisher, aber in dieser schmerzlichen Zeit ans Tageslicht kam. Die Tochter einer weiteren Mitarbeiterin, die in Paris lebt, war in der Wohnung über dem Lokal, in dem einer der Pariser Anschläge stattfand. Normalerweise wäre sie unten gewesen. Ein Schutzengel hat sie gerettet.

Alles weit weg? Nein, hautnah da. In München heißt es inzwischen: Nicht auf die Straße gehen, es ist zu gefährlich. Die Täter lauern irgendwo. Nicht nur meine französische Kollegin sorgt für den Fall vor, auch ich. Ich fange an, meinen Kindern Verhaltensregeln anzuempfehlen, damit sie nicht offenen Auges in ein offenes Messer oder eine erhobene Axt rennen. Soweit sind wir mittlerweile. Opfer sind wir alle.

Anschläge Nizza IS Opfer

Außer Atem

Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin.
Psalm 104,33

In der Elberfelder heißt der Vers:

Singen will ich Jahwe mein Leben lang, will meinem Gott Psalmen singen, solange ich bin.

Manchmal kommen wir
außer Puste,
verlieren den Schwung,
den Vorwärtsdrang.

Und wenn wir aus dem letzten Loch pfeifen:
Gott soll unser letzter Atemzug gehören,
dann werden wir unser Leben nicht aushauchen.

Gott sei mit mir,
damit es so geschehe.

Selbstverantwortung

Der Tag des HERRN ist groß und voller Schrecken, wer kann ihn ertragen? Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen!
Joel 2,11-12

Die Verse oben sind nur teilweise wiedergegeben. Nicht verzerrt heißen sie nach Elberfelder Übersetzung:

Und Jahwe lässt vor seinem Heere her seine Stimme erschallen, denn sein Heerlager ist sehr groß, denn der Vollstrecker seines Wortes ist mächtig; denn groß ist der Tag Jahwes und sehr furchtbar, und wer kann ihn ertragen? Aber auch jetzt noch, spricht Jahwe, kehret um zu mir mit eurem ganzen Herzen, und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen.

Wir haben die Tendenz,
die Dinge
zu verkürzen,
zu vereinfachen,
uns schönzureden,
wo es uns nicht passt.

Gottes Geduld mit uns ist groß,
Umkehr ist bis zur letzten Sekunde möglich,
aber sie muss ehrlich sein.
Und wer nicht umkehren will,
kann es lassen.

Was es letzten Endes bedeutet,
können wir nicht wirklich übersehen.
Nur eines sollten wir wissen:

Die Verantwortung für sein Handeln
hat jeder selbst,
wir können sie vor Gott keinem
anderen mehr zuschieben.

Wir müssen die Antwort Gott selbst geben.
Die Verantwortung für uns selbst
geht über den körperlichen Tod hinaus.
Selbst-ver-antwortung.

Seelenrettung

HERR, du hast mich heraufgeholt aus dem Totenreich, zum Leben mich zurückgerufen von denen, die hinab zur Grube fuhren.
Psalm 30,4

In der Elberfelder Übersetzung heißt es:

Jahwe! Du hast meine Seele aus dem Scheol heraufgeführt, hast mich belebt aus denen, die in die Grube hinabfahren.

Die Seele ist mit Gott in Berührung.
Sie ist sein Anteil an uns
und unser Anteil an ihm.
Der wahre Tod ist unleiblich.
Es ist der Seelentod.
Er hat nichts mit irgendeiner Äußerlichkeit zu tun.
Gott kann uns vom Seelentod befreien,
wenn wir ihn retten lassen.