Das alte Jahr geht

Schritt für Schritt,
vom alten Jahr in das Neue.
Schritt für Schritt,
egal, ob der Boden trägt.
Schritt für Schritt,
egal, ob wir nasse Füße bekommen.
Schritt für Schritt,
egal, ob wir im Morast versinken.
Schritt für Schritt,
gehen wir durchs Leben.
Schritt für Schritt,
bis Land in Sicht ist.
Schritt für Schritt,
bis der Boden trägt.

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Trester

Der HERR verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.
Klagelieder 3,31-32
Der Herr betrübt wohl,
aber wenn er betrübt,
dann zu unserer Klärung.
Der Trester muss abgeschieden werden,
bevor der Most zu klarem Most wird.
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Vom Sterben – eine Mutmachgeschichte

Vom Sterben reden wir nicht gerne. Am besten würden wir es verdrängen, vergessen, totschweigen. Schon gar nicht an Weihnachten. Ich rede vom Sterben, ich habe es schon öfters hier in dem Blog getan, etwa als ich von Beates Sterben erzählt habe.

Viele Menschen haben Angst, einen wahren Horror vor dem Sterben oder dem Tod, was nicht das Gleiche ist, aber das sei hier dahingestellt. Mein Vater ist heute gestorben. Er war einer, der nicht vom Sterben reden wollte, Er wollte auch im Leben keine Menschen besuchen, die im Sterben lagen oder schwer krank waren. Darin ist er sich treu geblieben bis zum Ende. Keinen Besuch. Bis auf mich. Auf mich hat er noch gewartet.

Tod, wo ist dein Stachel? Ich will erzählen, wie er gestorben ist, um Mut zu machen, Mut, die Angst vor dem Sterben zu lassen, das Tabu wegzunehmen, den Tod anzunehmen, das Sterben zu leben, im Leben denjenigen sterben zu lassen, für den die Zeit gekommen ist. Den Tod als Teil des Lebens zu nehmen. Den Tod als Anfang eines neuen Lebens zu nehmen.

Mein Vater ist zu Hause gestorben, in dem Haus, in dem er und auch ich geboren bin. Krankenhaus und Ärzte waren ihm ein Gräuel. Er wurde hingebungsvoll gepflegt von meiner Schwägerin. Das war nicht selbstverständlich. Sie hat Jahrzehnte unter ihm gelitten. Als sie ihn immer hilfloser werden sah, hat dies ihr Herz gerührt. Sie hat nicht nachgetragen. Sie hat ihn nicht ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim abgeschoben, sie hat ihr Herz geöffnet, sich von seiner Hilflosigkeit berühren lassen, ihren Frieden mit ihm gemacht und sich ihm liebevoll zugewendet. Das nennt man wohl Vergebung oder auch Nächstenliebe.

In dem Haus leben 4 Generationen zusammen, eine Großfamilie mit viel Kommen und Gehen, viel Aus und Ein. Eine Bauernfamilie. Still ist es die ganze Nacht nicht. Irgendjemand ist immer am Kommen oder Gehen. Es geht laut, manchmal auch für mein Gefühl roh, aber herzlich und ehrlich zu. Die Tür zum Zimmer meines Vaters war unter Tags in der Regel einen Spalt offen. Er hat bis zuletzt Teil genommen am Leben der Familie. Zunächst habe ich gedacht, könnten sie nicht mehr Rücksicht nehmen? Dann ist mir aber klar geworden, dass gerade diese Normalität ihn birgt. Er kennt die Stimmen aller Familienmitglieder, vielleicht die der wechselnden Freundinnen der Enkel nicht. Einmal hat er mich nach einer solchen ihm unbekannten Stimme gefragt. Er war im Kopf ganz klar, so klar wie in den letzten 2 Jahren nicht. Meine Anwesenheit hat ihm nochmals einen letzten Lebensschub gegeben.

Als ich so an seinem Bett saß, hat sich mir der Sinn von „werdet wie die Kinder“ erschlossen. Am Lebensende kann man hilfloser sein als ein neugeborenes Kind. Das kann wenigstens noch schreien. Sterbenden fehlt die Kraft und die Stimme dazu. Es geht nichts mehr, die Körperfunktionen sind außer Kontrolle, kein Eigensinn, keine Bosheit oder Bösartigkeit, alles muss abgegeben werden, auch die Würde und das Schamgefühl. Zum Vorschein kommt der reine Mensch. Der reine Kern der Seele. Bescheidenheit, Dankbarkeit und Anerkennung der Zuwendung. Mein Vater hat noch nie in seinem Leben so oft Danke gesagt, wie in den letzten Wochen seines Lebens. Mensch ist in seinem körperlichen Verfall zurückgeführt auf seinen innersten Kern und der ist gut und freundlich, dem Nächsten zugetan. Werdet wie die Kinder. Derart vorbereitet sind wir gut vorbereitet, wenn wir durch das Sterbenstor treten und Gottes Klarheit und Wahrheit uns umfängt. „Wie lange dauert es noch?“ hat er mich wiederholt gefragt und ich habe geantwortet, „Ich weiß es nicht.“. Er wusste genau, dass der Augenblick, vor dem er sich so gefürchtet hat, nahe war, jedoch, ich hatte den Eindruck, dass ihm die Furcht genommen war. Aller Widerstand war abgelegt und wie ich meine, auch die Angst.

Ich habe noch Weihnachten mit ihm gefeiert, an Heiligabend, als schon der erste Weihnachtstag angebrochen war. Heiligabend wird bei uns traditionell mit der ganzen Großfamilie gefeiert, alle Generationen mit Anhang um den Tisch. Anschließend wird gesungen und dann ist Bescherung. Ausgiebig, laut und fröhlich geht es zu. Mir ist das zu wenig Andacht und so habe ich mich mit meiner Familie seit einem Jahrzehnt zurückgezogen. Aber dieses Jahr haben wir unverhofft, zur Freude meiner Kinder, wieder mitgefeiert. Nach der langen und fröhlichen Feier bin ich noch bei meinem Vater vorbeigegangen. Ich habe mich an sein Bett gesetzt und in aller Andacht Weihnachtslieder für ihn gesungen, bis ich nicht mehr singen konnte. Er hat mir seine Hand entgegengestreckt, ich habe sie genommen und während der ganzen Zeit gehalten. Mein jüngerer Sohn hat sich still dazugesellt. Es war wunderbar. Hier war Weihnachten, hier spürte ich Weihnachten. Hier habe ich schließlich doch noch Weihnachten in diesem Jahr gefunden. Als ich geendet hatte, lag feierliche, andächtige Stille im Raum. Das Gesicht meines Vaters lag ganz friedlich im Halbdunkel. Jesus kann auch so an Weihnachten kommen und er ist ganz gegenwärtig. Ich hatte das Gefühl, dass ich Weihnachten noch nie so intensiv gefühlt habe.

Gestern sind wir zurückgereist. Abends bin ich in die Kirche und habe für ihn gebetet: Lieber Gott, vergib uns unsere Schuld, öffne deine barmherzigen Arme, nimm seine Hand, sende ihm einen Engel entgegen. In „meiner“ Kirche bekommen meine Gebete immer eine besondere Kraft. Und Gott hat gehört.

So ist mein Vater heute gestorben, zu Hause, ohne Krankenhaus, ohne Medikamente, ohne Arzt, im Kreis seiner Familie, mein Bruder und meine Schwägerin waren bei ihm, als er starb. Alles war erledigt. Alle waren vorbereitet, alle haben anerkannt, dass der Augenblick da war. Und weder meine Schwägerin, noch eines seiner Kinder, hatten Hemmungen oder Angst, mit seinem Sterben umzugehen. Keine Unwahrheiten, keine Beschönigungen, einfach die Dinge so nehmen, wie sie im Augenblick sind, auch wenn sie nicht schön anzusehen sind, der Geruch des Todes schon im Raum liegt.

Mein Vater ist leicht und in Frieden hinüber gegangen, mit seinem typischen schelmischen Lächeln im Gesicht, ein Lächeln, als hätte er eine diebische Freude in sich: Seht, ich konnte es, was keiner gedacht hat, dass ich es schaffe, habe ich geschafft. Mir gehört die Welt. Der Friede und die Größe Gottes lag auf seinem Gesicht. Wir sind alle froh, dass Gott es nach einem schwierigen Leben so gut mit ihm gemeint hat.

Jesus ist kommen
Grund ewiger Freude;
A und O, Anfang und Ende steht da.
Gottheit und Menschheit vereinen sich beide,
Schöpfer wie kommst du den Menschen so nah.
Himmel und Erde erzählet’s den Heiden:
Jesus ist kommen,
Grund ewiger Freude.

(EG, Nr. 66)

Krippe
An der Futterkrippe

Rausch

Ihr trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert euch nicht um den Schaden Josefs. 
Amos 6,6
Wir berauschen uns und
lassen uns berauschen,
von unserem Ego,
von unserem Wohlstand,
von unseren vermeintlichen guten Taten und
an der Hausecke übersehen wir einen frierenden Bettler.
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DU

HERR Zebaoth, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht.
Jesaja 37,16
Du, o Gott, hast Himmel und Erde gemacht.
Kommen und Gehen,
Sein und Nichtsein,
Leben und Tod,
Veränderungen,
Unbeständigkeit.
Das Weiter im Leben und im Sterben,
Anfang und Ende,
Ausgangspunkt und Endpunkt.
Alles dein Urquell,
alles deine Schöpferkraft,
alles DU.
Ich, das DU in mir.

Weite

Weite öffnet sich aus der Enge,
der Beengtheit,
der Begrenztheit
von Gedanken, Herz und Seele.
Weite öffnet den Blick,
lässt aufsehen,
den Blick wandern,
den Horizont sich öffnen.
Weite öffnet die Augen,
öffnet das Herz,
lässt einen Blick zu auf eine Welt,
die sonst verdeckt ist.
Weite weitet,
Weite entgrenzt.
Lässt Gedanken, Herz und Seele dorthin fliegen,
wo die Sehnsucht sie hintreibt.
Du hast uns herausgeführt ins Weite.
Die Tageslosung, wie geschaffen für den Tag.
Der Tag geschaffen für das Heute.
Weihnachten.

Feuer und Wasser

Du hast Menschen über unser Haupt dahinfahren lassen. Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du hast uns herausgeführt ins Weite.
Psalm 66,12
Feuer und Wasser,
es brennt,
es läutert,
es klärt.
Du taufst mit Feuer und Wasser.
Wir mögen denken, wir verbrennen,
wir mögen denken, wir ertrinken.
Sei nicht kleinmütig, Mensch.
Du führst hinein,
aber auch wieder heraus.

Immanuel

Gelobt sei der Herr täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. 
Psalm 68,20
Oder:

Gepriesen sei der Herr Tag für Tag! Er trägt für uns (Last); Gott ist unsere Rettung.
(Elberfelder Übesetzung)
Immanuel.
Der, der tragen hilft.
Der, der erträgt.
Der, der trägt.

Heilendes Land

Israel ward durch den HERRN errettet, errettet für alle Zeit; ihr werdet nicht zuschanden, nicht mit Schmach bedeckt werden in Ewigkeit. 
Jesaja 45,17
In dem Land, in dem du bist, o Gott,
ist Rettung, ist das gute Land,
in das du uns führen willst,
das heilende Land.
Um uns das begreiflich zu machen,
hast du uns den Heiland geschickt
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Seelenquell

Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. 
Psalm 19,8
Gott setzt, pflanzt Bäume.
Wo und wann er pflanzt,
das Warum hinter allem, was geschieht,
ist sein Geheimnis,
von Mensch nicht ergründbar.
Dass, was ist,
vor Gott vollkommen ist,
verleiht meiner Seele Kraft,
auch wenn es sich mir nicht immer erschließt.

Heimat

Der Nebel, der den Wald entlang zieht,
der auf den Ästen gefrorene Tau,
der Geruch des Waldes,
die vertrauten Wege,
auf die es mich zieht,
magisch, als sei ich nie gegangen.
Mein Wald, den ich nach Jahrzehnten
mit Kinderaugen durchstreife,
quer durchs Gehölz,
nach jedem Meter stehen bleibe,
weil alle Waldgeister um meine Aufmerksamkeit buhlen,
ganz, als ob sie all die Jahre
auf mich gewartet haben.
Der Wald, in seiner ganzen Schönheit,
die im Sommer verdeckt ist vom Laub.
Der Wald, mit seinem ganzen Zauber,
der mich umschließt.
Der Wald, mit seiner ganzen Magie,
die mir das Tor zu einer anderen Welt öffnet.
Als ich auf das freie Feld trete, bemerke ich,
dass ich „Tochter Zion“ singe.
Das erste Adventslied,
das ich dieses Jahr singen kann.
Es fließt wie von selbst aus mir heraus.
Heimat.

Noah – ewiger Bund

Lieber Luther,
mit manchen Themen kann man sich lange beschäftigen. Wenn es um herausragende Gestalten der Bibel geht sowieso.
Noah ist so eine Gestalt. Ist es die Sintflut, die Arche oder Noah oder das ganze Paket? Oder die Geschichte danach, nach dem großen Regen und dem Sturm? Der menschliche Sturm danach? Seine Entblößung (1.Mose 9, 18ff)? Die Auf und Abs des Lebens. Noah, der uns sagt, auch der Gerechteste strauchelt, Mensch kommt vom Sturm in den Regen, vielleicht in die Sintflut, wird hinweggeschwemmt, wartet auf besseres Wetter, findet sich wieder auf festem Boden, wird Weingärtner im Acker Gottes, um dann wieder über sich selbst zu stolpern.
Gott rettet Noah, ganz so wie später Lot. Beide stolpern dann über sich selbst und ihre Nachkommen. Beide Geschichten erzählen die gleiche (Menschheits-)Geschichte: Seht, auch die Gerechtesten, auch diejenigen, die Gott leitet und geleitet, rettet, versinken trotzdem noch im menschlichen Sumpf. Und, das ist die tröstliche Botschaft, einen nur Gerechten gibt es in Gottes Schöpfung nicht – Gott selbst, als Mensch in Jesus mal abgesehen. Das Leben ist für alle gleichermaßen wechselhaft wie das Wetter. Gott weiß das, kennt das Wesen des Menschen. Deshalb hat er mit Noah für die Menschheit einen Bund geschmiedet, hat Noah geschworen, dass er den Menschen nicht noch einmal vernichten will, wie bei der Sintflut. Gott will mit den Menschen sein, auch wenn sie fehlen (1. Mose 9). Seid fruchtbar und mehret euch. Die Noahgeschichte ist insofern eine 3. Schöpfungsgeschichte.
Gott schließt einen ewigen Bund mit seiner Schöpfung. Er anerkennt den Menschen damit auch als frei handelnde Wesen, die auch getrennt von ihm sein können, eigene Wege gehen – auch, wenn es nicht seine Wege sind, die sie gehen, seine Gebote nicht achten. Gott ist sozusagen entidealisiert, er ist auf dem Boden der Menschheit angekommen, hat seinen göttlichen Anspruch an seine Schöpfung zurückgeschraubt auf ein menschliches Maß. Insofern ist es auch eine Weihnachtsgeschichte: Gott hat uns bereits mit diesem Bund, den er mit Noah stellvertretend geschlossen hat, ewige Verzeihung, ewige Treue versprochen:
… und soll hinfort keine Sintflut mehr kommen, die die Erde verderbe. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich gemacht habe zwischen mir und euch und allen lebendigen Seelen bei euch hinfort ewiglich. (1.Mose 9, 11-12).
Gott schließt diesen ewigen Bund nicht individualisiert, sondern mit der Menschheit als Ganzes. Deshalb hat er den Regenbogen an den Himmel gesetzt: dass er selbst ihn sehe und er sich an diesen Bund erinnere, damit sein Zorn über die Verfehlungen und die Gottlosigkeit der Menschen ihn nicht dazu verführe, noch einmal ein vernichtendes Urteil über die Menschen zu sprechen. Gott bleibt beim wetterwendischen Menschen, vernichtet hinfort nicht die Menschheit als Ganzes, sondern schaut genau hin, schaut auf den Einzelnen, spricht aus dem Wetter mit ihm, wendet sich jedem Einzelnen zu.
Die Noah- und die Lotgeschichte sagen, wenn ihr auf meine Stimme hört, werdet ihr gerettet, bringe ich euch aus dem Verderben aufs trockene Land, ermögliche ich euch, dass ihr euch rettet. Der Mensch ist dem Leben wie Wind und Wetter ausgesetzt, der Familie, dem sozialen Umfeld, den politisch und wirtschaftlich Mächtigen, den Naturgewalten. Er ist deshalb immer in Gefahr, dass die Atmosphäre zwischen den Menschen sich so auflädt, dass sie sich in einem Blitz, der auch vernichten kann, entlädt. Es ist aber immer eine begrenzte Vernichtung, eine Angelegenheit zwischen den Menschen. Mensch kann etwas tun, um es nicht soweit kommen zu lassen. In dieser Gefahr und in der Möglichkeit der Gefahrenabwehr sind sich alle Menschen gleich. Das ist Teil dieses Bundes, den Gott hier mit den Menschen schließt, ist Teil von Gottes Gerechtigkeit. Gott nimmt sich zurück, will sich nicht mehr seinem Zorn hingeben, sagt: Ich vernichte euch nicht mehr, ihr könnt euch nur noch selbst vernichten, wie ihr euch auch nur selbst retten könnt. Gott lässt dem Menschen den Vortritt, nimmt dem Menschen gegenüber eine demütige Haltung an. In Jesus wird das sichtbar und in ihm fordert er uns zur Nachfolge auf.
Welcher Gestalt dieser Bund ist, erschließt sich im unmittelbar Folgenden. Anstatt in Dankbarkeit über ihre Rettung in Frieden zu leben, verflucht Noah seinen jüngsten Sohn Ham (1.Mose 9, 18ff). Noah ist Gott nachgefolgt, hat wider alle Vernunft die Arche gebaut, Familie und Tier dort versammelt, den Frieden in der Arche bewahrt, so dass die dort Versammelten in der Enge und Eingeschlossenheit miteinander auskommen und ausharren konnten. Er war danach fleißig, hat einen Weinberg gepflanzt, ist Gottes Weingärtner geworden. Dann hat er sich aber berauscht, der klare Verstand ist ihm abhanden gekommen, seine Rechtschaffenheit. Er hat sich in einer Weise entblößt, dass es auch für sein Umfeld gewahr wurde. Damit nicht genug, er hat sich dann auch noch ungerecht gegenüber seinem jüngsten Sohn Ham verhalten, als dieser den Brüdern von der Verfehlung des Vaters erzählte. Noah führt uns vor Augen, dass ein vor Gott Gerechter in menschlichen Dingen fehlen und ungerecht sein kann und trotzdem Gott bei ihm bleibt, sofern er bei Gott bleibt.
Man kann die Dinge auch von einem anderen Blickwinkel betrachten. Ham hätte auch über die Verfehlung des Vaters hinwegschweigen können. Du sollst Vater und Mutter ehren. Gottes Gebot. Insofern könnte man Hams Mitteilungsbedürfnis auch als mangelnden Respekt vor dem Vater, dem Familienoberhaupt, ansehen. Heißt das, man soll als Kind über alles hinweg sehen und verschweigen, alles decken, egal was? Und wenn nicht, der jüngste Sohn Noahs sei euch ein warnendes Beispiel?
Nein, das heißt es sicher nicht. Es heißt, es ist genug, wenn sich einer selbst bloß stellt. Es ist verwerflich, einen derart Entblößten und Gedemütigten noch weiter bloß zu stellen. Er hat sich mit seiner Maßlosigkeit schon selbst herabgewürdigt, würdige ihn nicht noch weiter herab. Jeder Würdelose hat noch eine Würde, die es zu schützen gilt. Decke seine Blöße zu und verhelfe ihm wieder zur Würde. Respektiere seine Würde, ansonsten verlierst auch du deine Würde.
Lieber Luther, Gott schenkt uns durch Noah einen Bund, einen ewigen Bund, einen Bund, der unabhängig von menschlicher Fehlbarkeit ist. Eine Zusage auf Ewigkeit, die uns entlastet, auch wenn wir fehlen. Aber er sagt auch, entwürdige nicht, würdige deinen Nächsten, achte ihn, wenn du ihn nicht achtest, achte ich dich auch nicht.
Immer wieder sagt uns das Gott und, lieber Luther, immer wieder fehlen wir darin. Das ist der Anfang von menschlichen Ungewittern, die auch zerstörerische Ausmaße annehmen können. Das ist der Kern von Gottes Wort. Um es in die Welt zu bringen, um diesen Bund, den er mit Noah geschlossen hat, mit uns zu erneuern, darum ist er in Jesus selbst auf die Welt gekommen. Um ihm und dieser Botschaft Gehör zu verschaffen, feiern wir Weihnachten. Jedes Jahr aufs Neue. Wenn nur einer dies versteht, haben sich die vollen leeren Weihnachtsgottesdienste gelohnt. Deshalb sei unverzagt.
Herzliche Grüße
Deborrah

Ehrlichkeit

Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes. 
5.Mose 4,2
Nichts hinzutun,
nichts hinwegnehmen.
Nichts dazu dichten,
nichts verschweigen.
Ehrlich sein.

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Winterabend

Das Feld ist bestellt,
die Scholle liegt brach.
Das Leben hat sich zurückgezogen,
Leben auf Sparflamme,
in stiller Erwartung dessen, was kommen mag.
Sprachloses Erzählen, lautloses Zwiegespräch.
Schneeinseln künden vom Frost,
die Luft kalt und klar.
Untergehende Wintersonne.
Und die Hände gefaltet zum stillen Gebet.