Schlammgrube

Er zog mich aus der grausamen Grube,
aus dem Schlamm,
stellte meine Füße auf einen Fels,
gab ihnen festen Grund und
legte ein Loblied in meinen Mund.

Das werden viele sehen und
vertrauend hoffen
auf den Herrn.

(nach Psalm 40, 2-3)

Schlammgrube

Fürchte dich nicht

Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. 
Micha 5,1
Bethlehem Efrata,
du Brothaus der Fruchtbaren.
Fürchte dich nicht, Rahel,
diesen Sohn wirst du auch haben,
auch wenn deine Seele ausgeht,
Ben-Oni, Sohn deiner Trauer,
Ben-Jamin, Sohn der Freude.
Und Jakob richtete einen Gedenkstein auf,
Grabmal für Rahel,
bis zu diesem Tag.
Die Wiege ist bereitet.
(1.Mose 35, 18-20)

Charakterstudie à la Jesus

Lieber Luther,
wir gehen gern um mit einem weichgezeichneten Bild von Jesus. Wir wollen denken, er war nur sanft, nur mitleidig, nur vergebend. Der Gebende gefällt uns wohl, der Nehmende weniger. Auf diesem Auge sind wir gern blind. Jesus war durchaus kritisch mit uns, mit dem Menschengeschlecht.
Es gibt Stimmen, die sagen, Gott kann nicht zornig sein auf uns, wieso sollte er über sein Ebenbild zornig sein? Wirklich nicht? Wir können uns nun ausdenken und ausmalen, wie wir das gerne hätten. Die Bibeltexte werden eher kritisch beäugt – in den Teilen, die einem nicht gefallen zumindest. Das wird dann als „nicht nachprüfbar“ deklariert, als Geschichten von Geschichtenerzählern, Hirngespinste. Als Referenz für Gott nimmt man lieber sich selbst, bastelt sich seinen Gott, wie man ihn gerne hätte, hört nur auf das eigene (innere) Geschwätz. Oder bastelt man sich da etwa einen eigenen Götzen? Rosinenpicken.
Wie du weist, halte ich mich lieber an die Bibel, versuche zu verstehen, was da steht, was Jesus sagt, was die Botschaft ist. Das Matthäus Evangelium gibt viel Denkstoff. Das Charakterbild, das Jesus von „diesem Geschlecht“ zeichnet, ist nicht gerade schmeichelhaft, aber bis heute ein Spiegelbild für „dieses Geschlecht“ (Mt 10-12). Jesus geht es um das Verhältnis zwischen Mensch und Gott und die Mittler zwischen Mensch und Gott. Wie er seinen eigenen Tod ankündigt, so kündigt er auch an, dass es ein Jüngstes Gericht geben wird, ob wir das hören wollen oder nicht. Das eine wollen wir glauben, da es sich offensichtlich bewahrheitet hat, das andere nicht? Den ersten Teil des Satzes glauben wir, den zweiten nicht?
Jesus schickt seine Jünger aus, um zu predigen, die Kranken gesund zu machen, die Toten aufzuwecken und die Teufel auszutreiben (Mt 10). Er hat ihnen Macht über die „unsauberen Geister“ gegeben, so dass sie auch etwas bewirken können. Aber, hütet euch vor den Menschen, schickt er gleich hinter her, ich schicke euch als Schafe unter die Wölfe. Geht nicht zu den Heiden oder Samaritern, sondern zu den verlorenen Schafen aus dem Haus Israel. Prüft genau, ob das Haus, in das ihr geht, es wert ist, und nur dann wird euer Friede über dieses Haus kommen. Geht aus dem Haus, der Stadt, dem Land, wenn ihr nicht gewollt werdet. Dieser Stadt, diesem Haus, diesem Land wird es am Jüngsten Gericht schlimmer ergehen als Sodom und Gomorra. Hütet euch vor den Menschen, sie werden über euch richten und euch in ihren Schulen brandmarken, „um meinetwillen“. Aber, sie werden sich mit ihrem Tun selbst entlarven. Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, flieht in die nächste. Ihr werdet auf der Flucht sein, bis der Menschen Sohn wieder kommt. Ihr werdet allein mit Israel nicht zu Ende kommen. Aber fürchtet euch nicht, nichts ist verborgen, alles wird offenbar werden.
Wer mich verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, der ist meiner nicht wert. Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat (Mt 10, 33-40).
Einer ist in allem schon vorausgegangen: Johannes, der Täufer. Jesus hält den Menschen entgegen: Wieso seid ihr zu Johannes in die Wüste gekommen? Wolltet ihr jemanden sehen, der seine Fahne in den Wind hängt? Oder seine Macht herausfordern oder Prophetie? Ja, es ist der, von dem geschrieben steht, er soll deinen Weg vor dir bereiten, von dem ihr annehmt, es sei Elia. Und, was macht ihr trotzdem oder gerade deshalb mit ihm? Ihr werft ihn ins Gefängnis. Ihr werdet ihn sogar umbringen. Ihr ehrt ihn nicht als den Gott Gesandten, der er ist. Stattdessen maßt ihr euch wie dumme Kinder an, zu entscheiden, was nur des Himmels ist, zu entscheiden. Ihr wollt über ihn zu Gericht sitzen? Das Himmelreich und Gottes Heilige sollen nach eurer Pfeife tanzen, ihr biegt was geschrieben steht so hin, wie es euch passt. Nach eurer Lesart müsste sich die Weisheit des Vaters von den Kindern rechtfertigen lassen anstatt die Dummheit der Kinder sich vor dem Vater rechtfertigt. Wer Ohren hat zu hören, der höre (Mt 11, 1-19)
Jesus war so aufgebracht, dass er anfing, über die Städte, in denen er die meisten seiner Zeichen vergebens getan hatte, in Wehe-Rufe auszubrechen, denn sie hatten sich nicht gebessert, nicht gehört, was er ihnen predigte. Weh dir Chorazin, weh dir Bethsaida, weh dir Kapernaum: Es wird euch am Jüngsten Gericht schlimmer ergehen als Tyrus, Sidon und Sodom zusammen. Es wird eines Tages eine Abrechnung geben. Alle werden dies nicht begreifen. „Ich preise dich, Vater und HERR Himmels und der Erde, dass du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart“. Denn niemand kennt den Sohn außer der Vater und niemand kennt den Vater, außer der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir (Mt 11, 25-29). Deshalb kommt her zu mir, ihr Unmündigen, ihr Beladenen, die ihr mich nicht belehren wollt, sondern die ihr euch von mir belehren lasst, ich werde euch entlasten, mit mir geht ihr leichter.
Alles ist in Jesu Hände gegeben. Und er warnt: Nehmt euch in Acht, was ihr redet. Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben, auch die Lästerung gegen den Menschensohn, aber nicht die Lästerung gegen den Heiligen Geist. Das wird nicht vergeben, weder in dieser, noch in jener Welt. Die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht „von einem jeglichen unnützen Wort“, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden und aus deinen Worten wirst du verdammt werden (Mt 12, 1-37). Es sind die Worte, nicht die Taten und nicht die Werke, die am Ende entscheiden. Am Anfang war das Wort und am Ende steht das Wort auf der Waage, unseres und Gottes.
Die Schriftgelehrten und Pharisäer konnten das so nicht auf sich sitzen lassen -was maßt der sich an – und so forderten sie Zeichen, dass Jesus wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Doch Jesus lässt sich nicht versuchen. Er weist das Ansinnen strikt zurück, mit Verweis auf die Zeichen des Propheten Jona. Dort steht alles schon geschrieben. Lest dort nach und glaubt es! Die Menschen von Ninive sind nach der Predigt Jonas umgekehrt und haben Buse getan, ihr tut es nicht und hier steht einer, der mehr ist als Jona. Am Jüngsten Gericht wird euch das vorgehalten werden, werdet ihr an die verpasste Chance erinnert (Mt 12, 38 ff).
Jesus erklärt auch, wieso er „diesem Geschlecht“ keine Zeichen tut: Wenn der „unsaubere Geist“ aus den Menschen ausgefahren ist, durchwandert der Mensch dürre Zeiten, sucht Ruhe und findet sie nicht. Er hat keine Durchhaltevermögen, durch diese dürren Zeiten hindurch zu gehen, geht den Weg des geringsten (inneren) Widerstands. Er verfällt wieder in die alten Laster, gibt seinem Ego nach und anderen Göttern, wird noch gottloser als er vorher schon war (Mt 12, 43-45). Deshalb werden „diesem Geschlecht“ keine sichtbaren Zeichen gegeben. Sie würden in der Konsequenz nicht verstanden, wären eher kontraproduktiv. Lest und glaubt!
Lieber Luther, man könnte es auch so zusammenfassen: Du Menschengeschlecht, sei nicht so anmaßend, nicht so halsstarrig, lerne von Jesus, was das Himmelreich ausmacht, es steht nicht zu deiner Disposition. Ihr habt keine Macht darüber, es unterliegt nicht eurem Urteil, wie sehr ihr euch das auch einredet. Und wenn ihr euch das auch weg redet, der Tag wird kommen, nenn es Jüngstes Gericht, nenn es Rechtfertigung vor Gott, an dem das gottlose Leben auf Gottes Tapet erscheint wie Menetekel an der Wand. Alle Sünde und alle Lästerung – auch gegen Jesus – ist da schon vergeben, es spielt nicht die Rolle, die Mensch ihm zuspricht. Allein die Lästerung des Heiligen Geistes ist es, was wirklich am Ende zählt. Jesus hat das so benannt.
Den heiligen Geist zu respektieren, zu ehren, nicht mit Worten und Gedanken in den Schmutz zu ziehen, ist doch eigentlich nicht so schwer, lieber Luther. Dem Jüngsten Gericht kann man leichter entgegen gehen, als gemeinhin gedacht wird.  Es bedarf nur, dass wir in diesem einen Punkt achstam sind: im Umgang, in unserer Beziehung zum Heiligen Geist. Das müsste doch – möchte man denken – leistbar sein. Deshalb sagt Jesus: Mein Joch ist leicht. Aber auch: Mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht, denn sie verstehen es nicht, oh, dies Menschengeschlecht! (Mt 13, 13).
Herzliche Grüße
Deborrah