Heilende Wort – Begeisterung

Ich möchte mal wieder eine Mutmachgeschichte erzählen, einfach, weil sie auch mir Mut macht und vielleicht auch anderen.
Im hektischen und stressigen Business Alltag ist nur wenig Zeit, um über Dinge abseits der geschäftlichen Dinge zu reden und einander näher kennenzulernen. Es geht selten über schnellen und oberflächlichen Austausch hinaus – keine Zeit. Jedoch spürt und sieht man den Druck, unter dem wir alle arbeiten, an jeder Ecke und in jedem Gesicht. Privater Druck kommt oft noch hinzu.
So habe ich mich mit einem Menschen aus meinem näheren Arbeitsumfeld zum Abendessen verabredet, um etwas mehr Ruhe zum Reden über das Geschäftliche hinaus zu haben. Ausnahmsweise mache ich schon etwas früher Feierabend.
Für französische Verhältnisse sind wir früh dran, wir sind die ersten im Lokal. Wir plaudern. Ich merke an, dass ich meine Disziplin etwas verloren habe, seit ich mein Bibelleseprojekt beendet habe. Bibelleseprojekt? Mein Gegenüber ist sehr interessiert. Ich fange an zu erzählen. Dass ich während eines Jahres die gesamte Bibel gelesen habe, wie fruchtbar und hilfreich das für mich war, dass es mich verändert hat, wie spannend es ist, die Geschichten der Bibel im Zusammenhang zu lesen, wieviel neue Horizonte sich mir geöffnet haben, …
Ich erzähle die Geschichte der zerstückelten Frau, erkläre die Bildhaftigkeit der Bibelsprache, die verschiedenen Ebenen, die man sich nach und nach erschließen muss. Die Bethlehemsgeschichte ist ein gutes Anschauungsbeispiel. Ich erkläre, dass in der Geschichte, so wie ich sie aufgeschrieben habe, die dritte Ebene fehlt. Sie hat sich mir erst ein paar Tage später erschlossen und seither frage ich mich, wieso ich das für mich jetzt Offensichtliche nicht schon ein paar Tage vorher gesehen habe. Das Verständnis muss sich erst öffnen, die Türen dir erst aufgetan werden. Du musst Geduld haben. Es dauert Jahre, es geht immer weiter, bis du am Ende der Zeit angekommen bist. Ich erzähle noch ein paar dieser spannenden Bibelgeschichten.
Mein Gegenüber ist fasziniert, auch von meiner Begeisterung. Irgendwann bringt der Kellner diskret die Rechnung. Wir schauen uns um. Sind wir noch oder schon wieder allein im Lokal? Seit vier Stunden erzähle ich von der Faszination der Bibel. Ich nehme mein Smartphone und zeige die Bibel App, mit der ich gelesen habe und auch, dass es eine französische Variante gibt. Wir schauen nach. Die Lutherübersetzung gibt es natürlich nicht auf Französisch. Ich zeige die Bibellesepläne, auch den von Robert Roberts, den ich gelesen habe. Es ist wichtig, die Bibelübersetzung, mit der man liest, sorgsam zu wählen. Sie muss zu einem passen. Es macht einen Unterschied. Wow, sagt mein Gegenüber, das eröffnet mir ganz neue Möglichkeiten, von denen ich bisher gar nichts wusste. Christlicher Glaube war bisher nicht sein Thema. Es ist spät, wir gehen. Wir haben nicht ein einziges Wort über geschäftliche Dinge verloren.
Am anderen Morgen im Büro. Hast du 5 Minuten? Ja, 5 Minuten habe ich. Dieser Mensch kommt in mein Büro und ich schaue ihm ins Gesicht. Ich bin sprachlos. Als ob ich einen neuen Menschen sehe. Auf dem Gesicht Ruhe und Frieden. Kein Vergleich zur Bedrängnis am Tag vorher. Noch in der Nacht hat dieser Mensch die Bibelapp installiert, einen Account kreiert, angefangen zu lesen und hat die heilende Wirkung der Worte, des Textes gespürt, obwohl er ganz am Anfang steht.
Noch nie zuvor ist mir so vor Augen gestanden, was es heißt, einen neuen Menschen anzuziehen. Auch, dass du gar nichts tun musst, außer die Tür aufzumachen, bereit sein, die heilende Wirkung der Bibelworte in dich einfließen zu lassen. Für mich ist das ein Wunder, ich kann es nicht anders bezeichnen. Diese unglaubliche Veränderung dieses Menschen innerhalb eines halben Tages. Es macht mir Mut, von der heilenden Wirkung der Bibel zu erzählen und sollte denen Mut machen, die erst am Anfang stehen, sich die Bibel selbst zu erschließen. Die Tür aufzumachen reicht und man wird weiter geleitet, so wie es zu einem passt. Einfach leiten lassen.
Einen weiteren Tag später: Hast du 5 Minuten? Ich kenne einen Menschen, der katholisch ist und nicht glücklich damit. Ich habe ihm erzählt, was ich von dir erfahren habe und dass bei den Evangelischen das alles freier ist. Wärst du bereit, mit diesem Menschen zu reden? Am besten gleich. Spricht er deutsch? Nein. Englisch? Ein bisschen … Ok, das wird schwieriger. Weißt du was: ich lade euch Zwei mal in Ruhe zu mir zum Abendessen ein, dann haben wir die Zeit … So machen wir es.
Wunderbarer Wunderbar!
Ich werde davon erzählen müssen, dass man die Religion – egal ob katholisch oder evangelisch oder jüdisch – ablegen muss, und das Wort anziehen muss, dass man ganz auf die Wunderkraft, die heilende Kraft des Gotteswortes in der Bibel vertrauen kann. Mitten im stressigen Business-Alltag. Es ist mir gerade wieder vor Augen geführt worden. Das festigt auch mich und macht auch mir Mut.
Grünes Gras kann unter jeder kalten Decke wachsen.

Kehre heim!

Ich lehrte Ephraim gehen und nahm ihn auf meine Arme; aber sie merkten’s nicht, wie ich ihnen half. 
Hosea 11,3
Ich lehrte Ephraim gehen,
nahm ihn auf meine Arme,
aber er merkte nicht, wie ich ihm half.
Man spürt den Schmerz,
man hört Gottes Weinen,
weint mit.
Ephraim,
mein verirrtes Kind,
kehre heim!

Bettler

HERR, wer sollte dich nicht fürchten, du König der Völker? Dir muss man gehorchen. 

Jeremia 10,7

Wenn es uns schlecht geht,

lassen wir uns von dir einsammeln,

wenn es uns gut geht,

lassen wir dich im Stich.

Gottes Königreich ist ein Königreich

der Bettler und Fahnenflüchtigen,

die vielen gehorchen,

nur nicht dem,

der sie immer wieder rettet.

Morgenluft

Hütet euch, dass sich euer Herz nicht betören lasse, dass ihr abfallt und dient andern Göttern und betet sie an. 

5.Mose 11,16

Immer das gleiche Spiel.

Immer die gleiche Gefahr.

Immer die gleichen Fallen:

Morgenluft birgt Gefahr und

doch wird nach jeder Nacht Morgen.

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Ehre sei Gott in der Höhe.

Mensch, vergiss es auch am Morgen nicht.

Klarheit

Lieber Luther,
der Schlüssel zu dem Predigttext dieser Woche, die Verklärung Jesu in der Version bei Matthäus (Mt 17, 1-9) steht eigentlich in der Bibel schon ein Kapitel vorher:
Denn es wird geschehen, dass des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln (Mt 16, 27).
Nach sechs Tagen nahm Jesus die 3 Jünger, die ihm am Nächsten waren – Petrus, Jakobus und Johannes – mit sich auf einen hohen Berg. Immer wieder kommt der „hohe Berg“ als Bild in der Bibel vor. Gott wohnt in der Höhe. Mose hat mit Gott auf einem hohen Berg geredet, Elia ist vor seinen Verfolgern ins Gebirge geflohen, ebenso David. Wenn in der Bibel von Abgöttern die Rede ist, wird meistens gesagt: Ihr betet auf den Höhen zu Baal & Co., tut sie ab von den Höhen, denn – das ist implizit gemeint – allein Gott ist in der Höhe, Gott ist die Höhe. Dieser Platz gehört nur ihm. Gott kam vom Mittag und der Heilige vom Gebirge Pharan. Seines Lobes war der Himmel voll, und seiner Ehre war die Erde voll. Sein Glanz war wie ein Licht; Strahlen gingen aus von seinen Händen; darin war verborgen seine Macht (Hab 3, 3)
Jesus stieg nach sechs Tagen mit den Jüngern auf den Berg, auf dem Gott ihn mit seinem Licht erleuchtete. Auch auf Moses Angesicht hat Gott seinen Glanz gelegt (2.Mose 34, 29), auch nachdem er auf einem hohen Berg, dem Berg Sinai, mit ihm geredet und ihm sein Wort gegeben hat: Den hört, diese beiden hört. Beides beschreibt einen hohen göttlichen Legitimationsakt. Paulus Polemik gegen Mose ist völlig unberechtigt, undemütig, arrogant und selbstherrlich angesichts solch göttlich-herrlichem Geschehen (2.Kor 3, 13-14), Jesus würde Mose, den Freund Gottes (2.Mo 33,11) nie so abgewertet haben. Nicht ein einziges abwertendes Wort ist von ihm über Mose übermittelt. Aber das nur am Rande.
Über die Zahl sechs habe ich dir, lieber Luther, erst kürzlich geschrieben, ich brauche hier nicht alles wiederholen. Dass das weiße Kleid auf Jesus nach sechs Tagen fällt ist konsistent: Die Sieben steht für die Vollendung, für das reine weiße Kleid, das denen angetan wird, die Gott in seinem neuen Jerusalem sammelt: Und der siebte Engel posaunte: und es wurden große Stimmen im Himmel, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt unsers HERRN und seines Christus geworden, und er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offb 11, 15). Jesus zieht in die Heilige Stadt ein, in das Neue Jerusalem. Deshalb war es so hell. Als er später in das alte Jerusalem einzog, war es nur laut. Er hat seine Meisterprüfung bestanden! Das heißt „Verklärung“. Er zieht in das Neue Jerusalem ein und wir, ja wir sind aufgefordert, nachzufolgen, irgendwann, wenn unsere Zeit da ist. Er ist derjenige, der uns als Erster vorangeht, uns zeigt, was auch für uns sein wird.
Die Jünger sehen Gottes Herrlichkeit nicht, sie sind noch nicht im Neuen Jerusalem angekommen. Sie sehen nur den Abglanz. Sie sind voll des Schlafes (Lk 9, 32), wie später in Gethsemane. Was geschieht, ist für die Jünger und Jesu Nachfolger nicht in Jesu Klarheit zu sehen, hören und zu erfahren.
Hier ist Wohlsein, soviel begreifen sie, und wollen für Mose, Elia und Jesus je eine Hütte bauen. Intuitiv spüren sie, dass sie hier an etwas Großartigem teilhaftig werden, an etwas, das ihr Verstehen übersteigt. Sie spüren: Hier ist Wohlsein, hier will ich bleiben, hier will ich meine Wohnung und mein Haus bauen.
Und ich hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein (Offb 21, 3). Gott hat seine Hütte in Jesus aufgerichtet: Eine lichte Wolke überschattet sie und eine Stimme kommt aus der Wolke, die sagt: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören! (Mt 17,5). Eine andere Hütte muss nicht aufgerichtet werden. Das ist mein lieber Sohn: Das ist die Hütte, das ist die Wohnung.
Die Jünger erschraken, fielen auf ihr Angesicht. Gottes Herrlichkeit übersteigt jedes menschliche Verstehen, das Unbegreifliche schürt Ängste. Jesus rührte sie an und sprach: Fürchtet euch nicht. … und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende. Ich, Daniel, entsetzte mich davor, und solches Gesicht erschreckte mich (Dan 7, 13-15). Der Mensch kann sich Gott nur begrenzt aussetzen.
Das ist mein Lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe: Und als ich mich umwandte sah ich .. einen, der war eines Menschen Sohn gleich, der war angetan mit einem langen Gewand und begürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee … und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne. Und als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie ein Toter; und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht! (Offb 1, 12-17).
Er rührte ihn an und sage: Fürchte dich nicht! Sein Kleid war weiß wie Schnee, dass kein Färber auf Erden kann so weiß machen (Mk 9, 3). Fürchtet euch nicht! Denn: Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, sei von dir. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben es angenommen und erkannt wahrhaftig, dass sie glauben, dass du mich gesandt hast. Ich bitte nicht für die Welt, sondern für die, die mir gegeben sind; denn sie sind dein. Und alles, was mein ist, das ist dein, und was dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verklärt. Und ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt (Joh 17, 7-11).
Auch bei Jesu Taufe kam dieses Wort aus dem Himmel: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (Mt 3, 13). Seither war aber schon vieles geschehen, Jesus hat gelehrt, Gottes Wort durch Jesus war geschehen, Jesu Meisterschaft des Wortes, deshalb heißt es jetzt: Den sollt ihr hören, den Prediger!
Lieber Luther, was zeigt uns das alles? Hört! Hört Jesus zu. Folgt nach, werdet zur Hütte, werdet zur Wohnung Gottes wie Jesus. Wo Gottes Wohlgefallen ist, ist unser Wohlsein. Selbst wenn ihr es nicht verstehen, unverständig seid wie die Jünger. Lasst euch anrühren von Jesus, fürchtet euch nicht, hört den, der euch vorangegangen ist, folgt nach, strebt nach dem weißen Kleid. Hört den Prediger, was er gesagt hat, führt zur Klarheit, verklart ihn in uns.  Das Neue Jerusalem ist dort, wo Jesus mit seiner Klarheit in uns ist, wo er in uns verklärt ist. Lasst euch von Jesus anrühren!
Herzliche Grüße
Deborrah

Treue

HERR, zürne nicht so sehr und gedenke nicht ewig der Sünde! Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind! 

Jesaja 64,8

Wie oft wir klagen,

wie oft wir jammern,

wie oft wir irre gehen,

wie oft du berechtigt zürnst,

irgendwann wissen wir,

dass du trotzdem da bist.

Niederungen

Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Brunnen und Seen sind. 

5.Mose 8,7

Bäche, Brunnen, Seen,

Gottes frische Wasser,

die in den Höhen und Niederungen entspringen.

Das Beruhigende ist,

dass Gottes Quellen auch

in den Niederungen entspringen.

Überleben ist nur,

wo wir nicht verdursten,

egal ob wir auf den Höhen oder den Niederungen wohnen.

Hoffnung

HERR, in deiner Hand ist Kraft und Macht, und es ist niemand, der dir zu widerstehen vermag. 

2.Chronik 20,6

Die Hoffnung

gründet sich auf den Glauben

an deine Kraft und Macht,

an deine Barmherzigkeit,

an deine Treue und

Gerechtigkeit.

Und immer denke ich,

du bist mehr als nur eine Hoffnung.

Aufgekratztes Huhn

HERR, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, HERR, denn meine Seele ist sehr erschrocken. 
Psalm 6,3.4
Meine Seele, o Gott,
ist manchmal wie ein aufgekratztes Huhn,
sie führt ein Eigenleben und tut, was sie will.
Sie fühlt sich bedroht, obwohl du über sie wachst,
sie erschrickt, obwohl du sie birgst,
sie ist aufgeregt, obwohl du ihr Ruhe gibst.
Herr, walte,
Herr, führe,
Herr, leite.
Nimm, o HERR,
meine Seele
in deine Hand.

Hochzeitsgesellschaft

Lieber Luther,
Ich muss noch schnell einen Nachklapp zur Hochzeit von Kanaan machen.  Was hat es mit der Hochzeit auf sich?
Die Hochzeit ist ein gängiges Bild in der Bibel, genauso wie Braut und Bräutigam. Die Hochzeit ist eine hohe Zeit. Ehre sei Gott in der Höhe. Gott ist in der Höhe, wir in den Niederungen unseres Menschseins. Wir sind in Ka’naan. Die hohe Zeit wird kommen, die Hoch-Zeit, wenn wir bereit sind, unsere Niederungen zu verlassen, uns zu erheben aus unserem Elend und unserem Dreck, wenn wir bereit sind, Gottes weißes Kleid anzuziehen. Auch wir sind eingeladen. Jedoch, die geladenen Gäste wollen noch nicht kommen, sie wertschätzen die Einladung nicht und von denen, die kommen, hat nicht jeder ein reines Kleid an (Mt 22, 2-11) oder sie wollen sich obenan setzen, auf den Ehrenplatz. Aber: Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden (Lk 14, 8-11).
Aus der Niedrigkeit erwächst die Höhe. Ka’naan ist die Niederung. Meine Stunde ist noch nicht da, sagt Jesus. Aber, sie wird kommen: Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. Sie hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihre Tore werden nicht verschlossen sein und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Heiden in sie bringen  (Offb 21, 2,11-27). Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst. (Offenb 22, 17).  Denn: Tochter Zion, so wahr ich lebe, sprich der HERR, du sollst mit deinen Zerbrechern und Verstörern wie mit einem Schmuck angetan werden und wirst sie um dich legen wie eine Braut ihren Schmuck (Jes 49, 18).
Ihr aber sollt Priester des HERRN heißen, und man wird euch Diener unseres Gottes nennen, und ihr werdet der Heiden Güter essen und ihrer Herrlichkeit euch rühmen. Denn ich bin der HERR, der das Rechte liebt, und hasse räuberische Brandopfer; und will schaffen, dass ihr Lohn soll gewiss sein, und einen ewigen Bund will ich mit ihnen machen, denn sie sind gesegnet vom HERRN. Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mich angezogen mit Kleidern des Heils und mit dem Rock der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam, mit priesterlichem Schmuck geziert, und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt (Jes 61, 6-10). Der die Braut hat, ist der Bräutigam (Joh 3, 29).
Die Hoch-Zeit, die hohe Zeit, die Zeit, in der Gott sein Volk im neuen Jerusalem sammelt, ist noch nicht da. Die Braut zickt noch und wird noch ein Weilchen zicken. Alles ist für die Hoch-Zeit vorbereitet.  Der Wein ausgeschenkt, das Lamm und Gott hat zum Abendmahl eingeladen, die Gäste sind aber noch nicht soweit. Sie sind anderweitig beschäftigt, trinken Wasser und halten es für Wein, sind trunken von fehlgeleitetem Ehrgeiz, beten auf den Höhen falsche Götter an. Der Bräutigam wartet vergebens:
Oben auf den Bergen opfern sie, und auf den Hügeln räuchern sie, unter den Eichen, Linden und Buchen, weil sie guten Schatten geben. Darum werden eure Töchter auch zu Huren und eure Bräute zu Ehebrecherinnen werden. Und ich will’s auch nicht wehren, wenn eure Töchter und Bräute geschändet werden, weil ihr einen anderen Gottesdienst anrichtet mit den Huren und opfert mit den Bübinnen. Denn das törichte Volk will geschlagen sein (Hos 4: 13-14). Der Bund mit Gott ist schon vor der Hochzeit gebrochen: Vergisst doch eine Jungfrau ihres Schmuckes nicht, noch eine Braut ihres Schleiers; aber mein Volk vergisst mein ewiglich (Jer 2, 32).
Gott lässt gewähren und wartet. So spricht der HERR: Ich gedenke deiner, weil du einmal eine freundliche, junge Dirne und eine liebe Braut warst, da du mir folgtest in der Wüste, in das Land, da man nichts sät (Jer 2, 2). Ich gedenke meines Bundes mit dir, gedenke auch du deines Bundes mit mir. Ich bleibe bei dir, du siehst aber in deiner Fülle meine Fülle nicht. Deshalb spricht Gott: Siehe, ich will an diesem Ort wegnehmen vor euren Augen und eurem Leben die Stimme der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut (Jer 16, 9). Denn, wenn Lieb bei Lieb ist, weiß Lieb nicht, wie lieb Lieb ist.
Der Bräutigam gibt nicht auf, er wird das Gefängnis der in sich selbst Gefangenen wenden und man wird hören ein Geschrei voll Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derjenigen, die sagen: Danket dem HERRN, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich (Jer 33, 11).
Man soll dich, Geliebte, nicht mehr die Verlassene noch dein Land eine Verwüstung heißen; sondern du sollst „Meine Lust an ihr“ und dein Land „Liebes Weib“ heißen: Denn der HERR hat Lust an dir und dein Land hat einen lieben Mann. Denn wie ein Mann ein Weib liebhat, so werden dich deine Kinder liebhaben; und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen (Jes 62, 4-5).
Gott hält seinen Treuebund unverbrüchlich, wie ehebrecherisch sein Volk auch ist. Gottes Liebe übersteigt die Untreue seiner Geliebten. Er wartet, bis wir, seine Geliebten, bereit sind, unsere Niederungen zu verlassen, bereit sind für die Hohe Zeit mit ihm, der Hoch-Zeit, der unverbrüchlichen Gemeinschaft mit ihm und dem Lamm, eine einige Hoch-Zeit- Gesellschaft werden, wir unseren Treueeid halten, wahr und gerecht werden, sein weißes Kleid anziehen. Sie haben nicht Wein, sagt seine Mutter. Meine Stunde ist noch nicht gekommen, sagt Jesus. Er wartet.
Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm!
Herzliche Grüße
Deborrah

Nacktheit

Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. 
Hiob 1,21
Kleider machen Leute,
helfen Schwächen verkleiden,
mehr scheinen, als man ist.
Vor Gott stehen wir nackt,
bar jeden Putzes,
angetan mit Wahrheit und Gerechtigkeit.

Wein-Geist-Schöpfer

Lieber Luther,
über die Hochzeit von Kanaan habe ich dir schon einmal vor zwei Jahren geschrieben. Verstehen entwickelt sich und so sind mir beim Lesen des Textes Dinge aufgefallen, die ich vor zwei Jahren noch nicht verstanden habe. Ich habe viel zu sehr an der Oberfläche gelesen. Ich beschränke mich deshalb auf die Teile, die ich bisher übersehen habe. Es geht um die alte und neue Weise der Reinigung, es geht um Wasser und Wein, um den Speisemeister, um die Hochzeit, den Bräutigam und vor allem um die richtige Reihenfolge.
Ausgangspunkt sind 6 steinerne Wasserkrüge, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung.  6 Tage hat Gott gearbeitet, um das Leben in die Welt zu setzen, jeden Tag Leben geschöpft. 66 Seelen flüchteten mit Jakob nach Ägypten (1.Mo 46, 26). Nach 6 Tagen nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes, führte sie auf einen Berg und eine Stimme aus derWolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören (Mt 17, 1-5). Jesus kam, als er müde war von der Reise, um die 6. Stunde am Jakobsbrunnen an (Joh 4, 6). In der 6. Stunde wurde die Welt finster, als Jesus am Kreuz hing (Lk 23, 44). Die Zahl 6 markiert das Ende und gleichzeitig einen neuen Anfang. Es ist der Vorabend zum 7.Tag, dem Tag der Vollendung.  Zuvor stehen aber 3 Sechsen: 666, der Inbegriff des Bösen, des Anfechters. Dessen Anfechtung muss erst durchlitten werden, ehe man zur Vollendung durchbricht. Auch Jesus musste das. Er schwitzte Blut und Wasser bis er angesichts seiner Leiden sagen konnte: Vater, nach deinem Willen.
Es standen 6 Wasserkrüge bereit in verschiedenem Maß, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung. Jesus verändert den Inhalt der Krüge. Er reinigt anders als bisher gereinigt wurde. Er füllt die Krüge mit seinem Wein. Oder:  Niemand fasst Most in alte Schläuche; sonst zerreißt der Most die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man soll Most in neue Schläuche fassen (Mk 2,22). Beides meint das gleiche: Jesus bringt etwas Neues. Bei Johannes füllt er das Neue in alte rituelle Krüge, bei Markus in neue Schläuche. Das heißt: Egal ob in alter Form oder neuer Form, der Inhalt machts, der Wein.
Wein gehört von alters her zu den heiligen Speisen, wie Semmelmehl, Öl und Weihrauch (1. Chr 9 , 29). Jeremia beweint, dass die Säuglinge und Unmündigen auf den Gassen verschmachten wie die tödlich Verwundeten, dass sie in den Armen ihrer Mutter  den Geist aufgeben, sie fragend, wo ist Brot und Wein? (KL 2, 11-12). Ja, Vater und Mutter, wo ist Brot und Wein, wieso habt ihr das Land so zugerichtet, dass wir im Elend sind? Wieso enthaltet ihr uns Gottes Geist vor?
Ohne Gottes  Brot und Wein verhungert der Mensch. Jesus sagt, ich bin das Brot. Der Wein steht für Gottes Geist. Wein-Geist. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist vergessen worden. Deshalb teilt Jesus Brot und Wein mit seinen Jüngern im letzten Abendmahl:  Das Brot steht für ihn, der Wein für den Geist Gottes. Das tut, damit ihr nicht vergesst, was ich zu euch gesagt habe.  Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, sagt Jesus, bringt Frucht an meinem Weinstock, sonst wird euch der Wein knapp. Wenn die Zeit des Kelterns kommt, wird sich zeigen, ob ihr guten oder sauren Wein bringt: Jesus wurde am Kreuz mit saurem Wein, mit Essig, getränkt.
Der barmherzige Samariter gießt Öl und Wein in die Wunde dessen, der von Jerusalem ausging und unter die Mörder fiel (Luk 10, 34). (Salb-)Öl und Wein heilen alle Wunden, wo immer man sie einsetzt, auch wenn der Wein zunächst nach saurem Wein schmeckt. Gottes saurer Wein klärt uns, verhilft uns zum richtigen Geschmack, verhindert, dass wir uns im Geschmack irren. Essig hat große Reinigungskraft, das weiß jeder, der putzt.
So sage nun dies Wort: So spricht der HERR, der Gott Israels: Es sollen alle Krüge mit Wein gefüllt werden. So werden sie zu dir sagen: Wer weiß das nicht, dass man alle Krüge mit Wein füllen soll? Siehe, ich will alle, die in diesem Lande wohnen, die Könige, die auf dem Stuhl Davids sitzen, die Priester und Propheten und alle Einwohner zu Jerusalem füllen, dass sie trunken werden sollen und will sie zerstreuen, weder schonen noch übersehen, noch barmherzig sein über ihrem Verderben. So hört nun und merket auf und trotzt nicht; denn der HERR hat’s geredet (Jer 13,  12-15). Auch so kann die Fülle von Gottes Wort klingen. Gott will in alle Krüge Wein füllen. Ihr musst das nur erst kapieren. In der Fülle, versteht ihr das nie. Deshalb fürchtet euch nicht. Gottes Geist ist mit euch, auch wenn der Wein gerade sauer schmeckt. Wenn ihr müde seid und in der Wüste nicht mehr weiter wisst, wird Gott da sein und euch seinen rettenden Weinkelch reichen, wenn ihr ihn nehmt, wird er euch mit seinem Geist erfüllen (2.Sam 16, 2). Er lässt euch nicht verdursten, wenn ihr nicht freiwillig verdurstet.
Die sechs rituellen Wasserkrüge stehen für den Menschen. Der Mensch, als Gefäß, von Gott dafür gedacht, Gottes Wort auf- und anzunehmen, angefüllt zu werden mit Gottes süßem oder saurem Wein, beiderlei Gottes Geist. Jesus hat die Macht, das Wasser in den Krügen zu wandeln, allein mit seinem Wort, er kann mit Gottes süßem Wein erfüllen. Nicht alle Krüge haben die gleiche Größe. Die einen sind größer dimensioniert, es gibt welche, die weniger Inhalt aufnehmen können und maßlose. Sie haben keinerlei Krug. Das Quantum, das jeder bereitstellt, ist unterschiedlich.
Jesus sagt: Schöpft! Er sagt es zu den Dienern, seinen Dienern: schöpft von Gottes Geist, schöpft Gottes Wort krügeweise in euch hinein und behaltet es. Werdet Behältnisse meines Wortes. Schöpft von mir. Ich mache euch selbst zu Behältnissen eurer Reinigung. Ich reinige mit Wein, nicht mit Wasser. Mein Wort in euch. Wenn ihr von meinem Wasser schöpft, werde ich daraus Wein machen. Wir sind angesprochen. Schöpft! Gott hat das Leben für euch geschöpft, schöpft mein Wasser, dann schöpfe ich euch für Gottes Geist. Ich bringe guten Wein, auch wenn er nach Wasser aussieht. Jesus, der Gottes-Geist-Schöpfer.
Am Speisemeister geht das alles vorbei. Er versteht in seiner abgehobenen Position nicht, wo dieser besondere Wein herkommt. Die Diener wissen es. Der Speisemeister ist zwar formal Meister seines Faches, der Chef, aber trotzdem ahnungslos und ohne Wissen. Er soll den Wein servieren, ihn zu den Hochzeitsgästen bringen, die davon kosten sollen, versteht aber gar nichts. Anstatt sich zu wundern, wo der Wein herkommt und nachzufragen und sich zu bedanken, ruft er den Bräutigam und belehrt ihn: Den guten Wein serviert man zuerst und den geringeren, wenn die Gäste betrunken sind, dann merken sie nicht, dass du sie mit billigem Fusel (oder Gefasel) abfüllst.
Du hast den guten Wein bisher behalten, beschwert sich der Speisemeister beim Bräutigam. Heißt: lieber Gott, du handelst in der falschen Reihenfolge. Erst kommt das Gute. Wenn die Menschen dann vom Guten berauscht sind, merken sie nichts mehr und wissen nicht, woher der Kater kommt, wenn sie am Morgen aufwachen. Sie bemerken die Moggelpackung gar nicht, wissen nicht, dass ich der böse Bube war, der sie mit Billigem krank gemacht hat, nachdem ich ihnen mit ein paar guten Schlucken aus der Pulle die Sinne vernebelt habe.  Meine Reihenfolge ist genau umgekehrt wie deine, lieber Bräutigam. Das ist 3 mal die 6: 666, das ist der Versucher, der so handelt und spricht.
Gott lässt sich die Reihenfolge nicht vorschreiben. Erst muss man sich der Mühe des Schöpfens unterziehen und dann vertrauen, dass Gott aus dem geschöpften Wasser Wein macht. Gottes Geist wandelt Wasser in Wein. In dem Geist hat auch Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert. Vergesst es ja nicht. Wein ohne Geist, ist nichts als Wasser mit Beigeschmack. Der Geist macht den Unterschied. Jesus macht den Unterschied. Insofern hatte der Speisemeister recht, wenn er zum Bräutigam sagt: Du hast den guten Wein bisher behalten. Ja, aber nun ist er in der Welt. Der gute Wein ist da. Jesus bringt den guten Wein. Er kommt und bringt den Wein wann er will, er lässt sich das von keinem Speisemeister der Welt vorschreiben, auch von keiner Mutter. Die Hochzeitsordnung bestimmt er, nicht der Zermonienmeister.
Auf welcher Hochzeit befinden wir uns eigentlich? Das Himmelreich ist gleich einem König, der seinem Sohn Hochzeit macht (Mt 22, 2-3). Nur die klugen Jungfrauen sind bereit, wenn der Bräutigam klopft, um mit ihm Hochzeit zu machen (Mt 25, 10). Das ist wie mit dem Schöpfen: Gott schöpft uns, wir schöpfen Wasser, Jesu Wort schöpft uns für Gott. Am Ende eine einig geschöpfte Hochzeitsgesellschaft.
Jesus ist bereitet, er ist auf der Hochzeit, bereit Wein in Wasser zu verwandeln. Was er euch sagt, das tut, ermahnt Jesu Mutter. Die Diener befolgen den Rat und Wasser wird zu Wein. Wir befinden uns in Ka’naan, d.h. der Niederung und dem Ort der Demut. Demütig sind aber nur die Diener, die dem Wort Jesu folgen, demütig ist auch Jesus in den Niederungen dieser Welt. Allein der Speisemeister ist unwissend, anmaßend und überheblich, sich seines Status bewusst und doch nur Statist.
Der Bräutigam, lieber Luther, nimmt es zur Kenntnis, er antwortet dem Speisemeister nicht. Auch Jesus, der Wein-Geist-Schöpfer nicht. Beredtes Schweigen. Noch ein Schlückchen Wein kann nicht schaden.
Herzliche Grüße
Deborrah