Maß der Dinge

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat. 

5.Mose 7,7-8

Gott geht es nicht um Äußeres.

Macht und Einfluss,

Größe und Reichtum,

Ansehen, Ehre, Ruhm,

Schönheit und Glamour

sieht er nicht an.

Ich bin der Herr euer Gott.

Das ist das Maß seiner Dinge.

Bibelfrucht

Manche sagen, es ist unmöglich. Aber doch, es ist möglich, ich habe es ausprobiert. Ich habe die Bibel in einem Jahr gelesen. Mit App und nach festem Leseplan. Im Durchschnitt habe ich sicher mindestens 2 Stunden pro Tag für das Bibelstudium aufgewendet, wahrscheinlich mehr.
 Ich möchte es nicht missen. Dieses Jahr mit Gottes Wort gehört für mich zum Wertvollsten und Kostbarsten, zum Besten in meinem Leben, was mir widerfahren ist. Es gibt nichts anderes, was mir über ein Jahr hinweg Tag für Tag so gut getan hätte.
 Als ich angefangen habe, dachte ich, die Zeit würde mir lang werden, 1 Jahr lang im Durchschnitt 4 Bibelkapitel durcharbeiten, Tag für Tag. Das sieht erst einmal aus, wie eine große Belastung. Ist es aber nicht. Bibelstudium ist kurzweilig, inspirierend, beruhigend, energetisierend, erholend, es macht leicht.
 Natürlich heißt so ein Lesepensum neben dem normalen Leben her auch, dass man Prioritäten setzen muss. Liegengeblieben ist deshalb zum Beispiel meine Weihnachtspost, weil ich die letzten 3 Wochen vor Weihnachten aufholen musste. Wer betroffen ist, möge es mir verzeihen. Bis dahin hatte ich täglich gelesen. Auch das bedarf einiger Disziplin, abends um 22.00 oder später sich noch konzentriert ans Bibelstudium zu begeben, nach 12 Stunden oder mehr Arbeit. Die Wochen vor Weihnachten hat mein Arbeitspensum und meine Erschöpfung abends das nicht mehr zugelassen. Lesen, nur damit gelesen ist, ist fruchtlos. Es kommt ja die Weihnachtspause …
 Ich möchte über vieles schreiben, was mir durch den Kopf gegangen ist, es drängt förmlich aus mir heraus. Leider habe ich die Zeit nicht gefunden. Das bedauere ich sehr. Es ist für mich selbst ein persönlicher Verlust, dass diesen vielen guten Gedanken erst einmal wieder in irgendeiner Gehirnschublade abgelegt sind und verstauben. Damit nicht alles verloren ist, habe ich Mindmaps angelegt und die gesamte Bibel selbst verstichwortet, so dass es mir leichter fällt, bei Bedarf wieder zu den Zusammenhängen zu finden.
So bin ich 
froh, dass ich es geschafft habe. 
froh, dass ich das ganze Jahr für mich persönlich wertvoll gelesen habe. 
froh, über all das, was ich erfahren durfte, 
froh und dankbar um jedes Wort,
froh, dass ich nun jedes Wort kenne, wenn auch vielleicht nicht jedes verstehe,
froh, dass das Verstehen des Wortes sich entwickelt, man deshalb nie am Ende ist, es immer weiter geht, weiter vorwärts im Verstehen, bis zum Tag, an dem ich vor Gott stehe,
froh um die Bereicherung,
froh, dass ich gelernt habe, wie fruchtbar Bibellesen ist.
Gott ist mir ein gutes Stück näher gerückt. Ein angemessenes Dankeswort kann ich hier dafür nicht finden, jedes Wort wäre zu armselig.
 Was mach ich jetzt, ohne meinen täglichen Bibelfahrplan? Falle ich in ein Loch? Ich glaube nicht. Ich werde nicht aufhören, in der Bibel zu lesen, vielleicht nicht mehr so systematisch und vor allem nicht mehr so umfangreich, wie das vergangene Jahr. Das würde ich auch gar nicht mehr schaffen. Aber ich werde sicher einen neuen Plan fassen, wenngleich der erst in mir reifen muss. Es gibt noch die Apogryphen, oder – was mich auch reizen würde – die Bibel rückwärts aufrollen, von der Offenbarung her. Das ist sicher auch eine Jahresbeschäftigung. Mir fällt noch viel ein und ich bin sicher, es wird mir keinen Augenblick langweilig.
 Ich habe das alles erzählt, um zu ermuntern, es selbst mit der Bibel zu versuchen. Selbst zu entdecken, wir fruchtbar sie ist. Sich nicht abschrecken zu lassen. Sich nicht blenden zu lassen vom oberflächlichen Geschehen, sondern den Sinn dahinter zu suchen. Die Bibel ist kein Historiendokument, sondern ein Glaubensdokument, das Glaubensbotschaften transportiert, nicht – wie manche denken – ein Tatsachenbericht von Mord und Totschlag. Die Botschaft liegt im Sinn dahinter. Und sie ist aktuell.
Rein technisch ist mit einer Bibel-App das Lesen viel angenehmer als mit einer gedruckten Bibel. Ich will ermuntern, im Zusammenhang zu lesen, nicht sätzchenweise. Aus dem Zusammenhang genommene Einzelverse lassen den Zusammenhang nicht erschließen. Ich will ermuntern, sich für die Erfahrung zu öffnen, was es heißt, jeden Tag Gottes Wort in sich einfließen zu lassen. Es geht, ich habe es ausprobiert. Auch, wenn man viel Arbeit hat oder gerade dann. Es ist eine unendlich gute und heilende Erfahrung.

Wort – Erfahrungen

Lieber Luther,

Geschafft! Ich habe tatsächlich in einem Jahr die gesamte Bibel gelesen, das Neue Testament zweimal, Wort für Wort, mit zwei Tagen Verzug. Schon vor zwei Tagen hat mich das mit großer Euphorie erfüllt, wie zwei Schritte bis Weihnachten.

Gelesen habe ich nach einem festen Bibelleseplan, mit einer Bibel App, das macht einen örtlich unabhängig. Ich habe nach dem Leseplan von Robert Roberts gelesen, im Durchschnitt jeden Tag vier Bibelkapitel aus dem Alten und Neuen Testament.

Für den Leseplan bin ich voller Bewunderung. Unglaublich, wie sich die einzelnen Tageskapitel aus verschiedenen Bibelbüchern thematisch zusammengefügt haben, mit dem absoluten Highlight am Ende, den 10 prophetischen Büchern des Alten Testamentes, Hiob und der Offenbarung. Es ist wie der krönende Abschluss, die Zusammenfassung und die Gesamtsicht. Man kann nochmals anhand dieser Bücher nachprüfen, ob – was da steht – mit dem übereinstimmt, was man selbst verstanden hat. Und manches versteht man auch erst ganz am Ende, wenn es einem dann wie Schuppen von den Augen fällt.

Wer die Bibel im Zusammenhang liest, anstatt verschenweise, ausschneidend und verkürzend, zensierend, dem erschließt sich der Kontext und Zusammenhang in anderer Weise. Es eröffnen sich ganz andere Horizonte, die sich in einer Inselsicht nicht weiten können.

Die Bibelsprache ist eine Sprache in Bildern, wer die Bilder nicht versteht, versteht den Inhalt nicht. Je weiter man fortschreitet, desto mehr versteht man die Querverweise und die gemeinsame und abweichende Bildsprache und – natürlich – den gemeinsamen Inhalt, die Botschaft hinter dem Bild. Man kommt auch kuriosen Fehlinterpretationen auf die Spur, wie mir zuletzt bei der Offenbarung klar wurde. Haben diejenigen, die von dem Weib, das mit der Sonne bekleidet ist und einen Sohn gebiert, predigen, wirklich den Zusammenhang verstanden? Wenn sie auf Maria verweisen, was üblicherweise geschieht, sicher nicht. Dazu schreibe ich dir sicher noch einmal.

Klar wird einem dabei auch, dass man, sofern man sich nicht aus eigener Anschauung ein Bild macht, immer auf die Interpretation der anderen angewiesen ist und hier liegt die Wurzel vielen Übels begraben. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Pfarrer oder Priester die Bibel wirklich mindestens einmal von vorne bis hinten im Zusammenhang gelesen hat. Ich würde das erwarten, habe aber meine Zweifel. Dann könnten sie keinen solchen Unsinn verzapfen, den sie teilweise verzapfen. Sie sind oft selbst wie Blinde, die im Nebel stochern. Aber auch das ist nichts wirklich Neues. Sowohl im Ersten wie im Zweiten Testament wird dies häufig angeprangert, Jesus ist ein prominenter Vertreter davon. Geändert hat sich daran nichts, wieso auch? Mensch hat sich nicht geändert. Deshalb hat die Schrift ihre universale Gültigkeit behalten. Nichts ist veraltet.

Die Personen, Bilder und Symbole sind Container für die Botschaft, sie stehen nicht für sich als Person oder Ereignis, sondern als Träger der Botschaft. Für die Bibelschreiber war das noch klar. Der heutige im Eigenverständnis höchst gebildete Bibelleser oder auch –ausleger schreit, das könne alles nicht sein, Historie und Wissenschaft sprächen dagegen. Wie kann ein Elia oder Jesus in einer Wolke gen Himmel fahren? Was, wenn Jesus nicht in Bethlehem geboren wurde? Von keiner fleischlichen Jungfrau? Gebildet ungebildet, verbildet, falsche Götterbilder. Ein damaliger Bibelschreiber würde über so viel Analphabetismus nur den Kopf schütteln. Nichts verstanden zwischen A und O, nur die Buchstaben gesehen, den Sinn des Satzes nicht verstanden.

Deshalb ist es gut, dass die Bibelhistoriker Stück für Stück ans Tageslicht befördern, dass historisch in der Bibel recht wenig haltbar ist. Das gilt auch für Jesus. Das begrüße ich sehr. Das ist ein Fortschritt. Damit man endlich aufhört, die Personen als Personen zu sehen, den Kopf schüttelt über die Menschen im AT, sich über sie erhebt und doch die Unverständigkeit auf der eigenen Seite ist. Was, wenn die Ereignisse so gar nicht stattgefunden haben, real? Fällt dann der ganze Gottes- und Jesusglaube zusammen? Wenn Schaf nicht Schaf ist, und die Schafschur als landwirtschaftliches Ereignis nie stattgefunden hat?

Gut, dass die Wissenschaft eifrig weiter forscht, um den Realfetischisten diesen Zahn langsam hoffentlich endgültig zu ziehen. Die Religionswissenschaft frisst ihre Religionskinder, die auf die eigene Propaganda hereingefallen sind. Gut so und heilsam für den Glauben, vielleicht, je nachdem, auch für die Kirche. Ihr Lieben, was macht ihr, wenn die Wissenschaft euer Realgebäude langsam ganz aushöhlt, dann habt ihr nur noch ein Skelett, das noch nicht einmal mehr zusammenhält. Über unbefleckte Empfängnis braucht man dann gar nicht mehr diskutieren, das erledigt sich konkludent. Darauf spekulieren, dass diese Realität wenigstens den Anhängern verborgen bleibt? Das wäre eine tödliche Strategie. Es besteht ein gewisser (Wissenschafts-)Druck, diese veränderten Realitäten langsam anzuerkennen, sich von der Vordergründigkeit in die Hintergründigkeit zu bewegen, von der Oberflächlichkeit weg in die Tiefe, sonst laufen wegen fehlender Glaubwürdigkeit auch noch die Letzten Anhänger weg. Auf deren Dummheit und Ungebildetheit würde ich lieber nicht spekulieren. Entweder Kirche begreift es oder auch dieses Thema erledigt sich irgendwann von selbst. Jedenfalls als Volkskirche.

Die Gleichnisse von Jesu Lehren lassen sich nur vor dem Alten Testament und seiner Symbolsprache verstehen. Jesus war ein jüdischer Mensch, seine Botschaft fest im Alten Testament verankert. Wer sie aus diesem Zusammenhang herausreißt und durch eigene Lehren ersetzt, lehrt von Gott, es ist aber nicht Jesu Lehre, es ist eine eigene. Die christliche Lehre ist deshalb in weiten Teilen paulinisch, aber nicht jesuanisch. Jakobus und Petrus sind näher an der Lehre Jesu als Paulus.

Die fehlende Verankerung der paulinischen Lehre in Jesu Lehre und im alttestamentarischen Wort verschärft das Lehrproblem der Kirchen. Deshalb greift man es lieber nicht auf. Es wäre eine große Herausforderung, da dies ein großes Fragezeichen hinter die gesamte Lehre der katholischen und evangelischen Kirchen setzen würde, mit Gefahr des Legitimationsverlustes inklusive. Der moderne Mensch lässt sich nicht mehr mit leeren Sprüchen abspeisen und für dumm verkaufen. Er ist nicht mehr so ungebildet wie die paulinischen oder auch – lieber Luther, du würdest mir sicher Recht geben, der lutherischen Zuhörer. Christ ist heutzutage emanzipiert von Kirche. Er traut sich, auch ohne Kirche zu glauben. Der kirchliche Alleinerklärungsanspruch wird von den Menschen nicht mehr einfach geschluckt. Die Menschen drehen sich einfach weg und gehen ihre eigenen Wege. Macht das einen Unterschied in ihrer Stellung zu Gott? Sicherlich nicht.

Deshalb, wieso sich nicht selbst um ein Verstehen bemühen. Direkt in der Bibel. Aus eigener Anschauung und eigenem Verstehen. Das Bibelbuch liest sich meistens spannend wie ein Krimi. Es geht mir heute noch so wie von Anfang an: Bibel lesen, sich Bibel erarbeiten, erfüllt mich voller Energie, füllt mich bis oben an, inspiriert mich, bewegt mich, wühlt mich auf, klärt mich, bringt mir Ruhe, Frieden und Kraft. Jeden Tag ein bisschen mehr Verstehen, jeden Tag mehr Einsicht, jeden Tag ein anderes Aha-Erlebnis. Wir sind ein Gefäß, in das das Wort einfließen kann und soll. Wir müssen nur das Gefäß öffnen. Ich kann jeden nur ermuntern, es einmal zu probieren. Ich wäre bei Vielem noch auf einem anderen Dampfer, hätte ich nicht das ganze Wort mit eigenen Augen und eigenem Verstand gelesen.

Lieber Luther, ich habe die Bibel in deiner Übersetzung von 1912 gelesen, für mich immer noch das Beste, was es an Bibelübersetzung gibt. Das Einfühlsamste. In dieser Übersetzung ist die richtige Balance zwischen Wörtlichkeit und Sinnlichkeit getroffen. Bei dir kommt an erster Stelle der Sinn und da bist du, was das Verständnis anbelangt, nach wie vor unübertroffen. Und hin und wieder, wenn ich um den Sinn ringe, schaue ich auch in der Übersetzung von 1534 nach, da die dir noch ein Stück näher ist.

Eigentlich wollte ich ja weiter über Weihnachten schreiben, na ja, morgen ist auch noch ein Tag!

Herzliche Grüße
Deborrah

Zerstreutes Häuflein

Hilf, HERR! Die Heiligen haben abgenommen, und gläubig sind wenige unter den Menschenkindern.
Psalm 12,2
Hilf, HERR!
Heilige gibt es nicht mehr und
die Gläubigen zerreißen sich gegenseitig
oder sind scheinheilig.
Übrig von deiner Herde
ist nur noch ein zerstreutes Häuflein.
HERR hüte, HERR sammle.

Sonne der Gerechtigkeit

Siehe, ich will meinen Engel senden,
der vor mir her den Weg bereiten soll.
Und bald wird der HERR, den ihr sucht,
zu seinem Tempel kommen.
Der Engel des Bundes, den ihr begehrt,
siehe, er kommt.
Ist es umsonst, Gott zu ehren und ihm zu dienen?
Wer wird den Tag seiner Zukunft erleiden können?
Wer wird bestehen können, wenn er an die Tür klopft?
Der HERR sieht und hört,
er hat, was wir tun,
auf seinen Denkzettel geschrieben.
Diejenigen, die ihn fürchten und ehren,
ihm nachfolgen und dienen,
wird er schonen,
wie ein Vater ein Kind schont.
Euch soll aufgehen
die Sonne der Gerechtigkeit und
Heil unter ihren Flügeln.
Ihr sollt aus- und eingehen in Gottes Haus,
und hüpfen vor Freude wie ein Kind.
Über die anderen, die meinen,
Gott nicht zu brauchen,
wird Gras wachsen.
Das ist das Geheimnis von Weihnachten.
Die Geschundenen werden hüpfen,
über diejenigen, die Schinden und Morden,
wird Gras wachsen.
(nach Maleachi 3, 4)

Flüchtling

Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. 
5.Mose 6,4
Kinder im Geiste Jakobs,
lernt von Jakob.
Jakob war fast sein ganzes Leben
Flüchtling und in der Fremde.
Er hat sich in den Dienst gestellt.
In einem war er Herr seiner selbst:
Gott, ich lasse dich nicht und
du, Gott, verlasse mich nicht.
Dafür hat er selbst mit dem Engel gerungen.
Deshalb steht er bis heute für uns als Zeichen:
Sei ein Kind im Geiste Jakobs.

Lärm

Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, so will ich euch heilen von eurem Ungehorsam. – Siehe, wir kommen zu dir; denn du bist der HERR, unser Gott.
Jeremia 3,22
Der Lärm macht noch kein Wort:
„Wir kommen zu DIR“
Und sind doch schon wieder abgebogen.
Worte, die tatenlos verhallen.

Herberge

In der Angst rief ich den HERRN an; und der HERR erhörte mich und tröstete mich.
Psalm 118,5

In meiner Angst rief ich den HERRN an.
Er setzte mich in einen weiten Raum.
in dem kein Platz für meine Bedrängnis war.
HERR, lass mich in dieser Herberge bleiben.

Mit Gottes Segen

Seltsam unbestimmt gehe ich ins Neue Jahr. Wenn ich in mich hineinsehe, sehe ich nicht viel: wenig Emotionen, wenig Erwartungen, eine Landschaft im Dämmerlicht, ohne Berg und Tal, reine Ebene.

Ein Wüstenjahr habe ich hinter mir. Ich bin dankbar, dass ich es durchwandert habe. Ohne die Einsamkeit der Wüste, das Verlassen sein oder Verlassen, wäre ich niemals den Weg gegangen, den ich gegangen bin, wäre zwischendrin abgelenkt worden, hätte der Bequemlichkeit des Denkens und Handelns Platz gelassen. Die Wüste eröffnet einem innere Horizonte, die man niemals sehen würde, wenn sie von äußeren Gebäuden und Mauern verstellt wären. In der Wüste braucht man nichts, außer?

Die Bibel, mein Bibelleseplan hat mich durch das ganze Jahr begleitet. Überall hin. Ich habe gelernt und erfahren, dass die Bibelkapitel, die ich jeden Tag gelesen habe, mir Kraft, Ruhe und Frieden gegeben haben. Was ich jeden Tag gelesen habe, habe ich gebraucht. Es hat immer gepasst und mich bei mir und in meiner Mitte gehalten. Ich habe gelernt, dass es nichts außer Gott für mich braucht. Das Jahr in der Wüste hat mich unabhängig und frei gemacht. Gott sorgt für mich. Ich habe verstanden, was es heißt, wenn Jesus sagt: Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? (Mt 6, 26).

Er hat mich dorthin geführt, wo ich hin sollte. Ich habe das ganze vergangene Jahr keinen Gottesdienst besucht, an keinem Abendmahl teilgenommen, seit der Vorweihnachtswoche keine Kirche mehr betreten. Es ist eine Art Sterben, das Absterben von etwas, was man gemeint hat, zu brauchen. Mein Jahr mit Gottes Wort allein hat mich weit abrücken lassen von Kirche, insbesondere von kirchlicher Lehre. Es hat mir einen neuen Blick, neue Einsichten, viel neues Verstehen gegeben. Ich denke nicht, dass ich dahin gekommen wäre, wenn ich weiterhin mitgeschwommen wäre. Alles hat seinen Sinn. Wenn ich konsequent wäre, müsste ich austreten, aber davor schrecke ich immer noch zurück. Auch das wird seinen Sinn haben.

Mein Leben hat sich im vergangenen Jahr komplett verändert. Ich arbeite fast nur noch im Ausland. Abgesehen von den hohen Reisestrapazen und den Auswirkungen auf meine frei verfügbare Zeit, ist die Herausforderung groß, Menschen aus anderer Kultur sind mir gegeben, ich ein Fremdling dort, mit meiner deutschen Art. Aber gerade als Fremdling findet man Gott im Nächsten, ist gezwungen, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden, denjenigen, der dir gegenübersteht, genau anzusehen, sorgsam und feinfühlig mit ihm umzugehen, wie mit einem kostbaren Gut. Das ist schwer und nicht immer zu schaffen im generellen Anspruch, ohne Gott habe ich keine Chance und ich schaffe nur, was ich mit seiner Leitung und seinem Segen tue. So ist meine Jahreslosung für 2015:

Wenn du dein Herz richtest, deine Hände ausbreitest, die Untugenden von deiner Hand fern hältst und die Augen aufhebst ohne Tadel, bist du fest und brauchst dich nicht zu fürchten. Dann siehst du die Mühsal wie Wasser, das vorüberzieht, das Leben geht auf wie die Sonne am Mittag, das Finstere wird zum lichten Morgen und du tröstest dich an der Hoffnung. Du legst dich in Sicherheit schlafen, ruhst in dir und niemand kann dich aufschrecken (nach Hiob 11, 13-20).

So bitte nun um Spätregen, so wird der HERR dir Gewölk machen und dir Regen genug geben zu allem Gewächs auf deinem Feld (Sacharja 10, 1). Fürchte dich nicht und stärke deine Hände. Das ist es was ihr tun sollt: Rede einer mit dem anderen Wahrheit, richtet recht, schafft Frieden in euren Toren, denke keiner Arges in seinem Herzen wider seinen Nächsten und schwört keine falschen Eide. Dann werdet ihr zu einem Segen! (nach Sacharja 8, 13-17)

Programm

Ich will deinen Namen preisen für deine Güte und Treue; denn du hast deinen Namen und dein Wort herrlich gemacht über alles. 
Psalm 138,2
Vater, der mich an der Hand nimmt,
Hirte der mich behütet,
Knecht, der mir hilft,
Heiland, der mich heilt,
Wunderbarer Ratgeber,
Licht in meiner Finsternis,
Durchbrecher meiner Schranken,
Erlöser von meinen Banden,
Tröster in jedem Schmerz,
Feste Burg für meine Zuflucht,
Retter in jeder Not,
Friedenskönig ewiglich.
Dein Name, o Gott, ist Programm.

Weihnachtszeit

Jauchze, du Tochter Zion!
Rufe, Israel!
Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen,
du Tochter Jerusalem!
Der HERR, der König Israels, ist bei dir,
damit du dich vor keinem Unglück fürchten musst.
Deine Strafe ist weggenommen und
deine Feinde sind abgewendet.
Lass nicht ab vom guten Werk deiner Hände,
denn der HERR, dein Gott, ist bei dir,
ein starker Heiland.
Er freut sich über dich mit lautem Schall,
ist dir freundlich,
vergibt.
Er bringt die Verängstigten zusammen,
hilft den Hinkenden,
sammelt die Verstoßenen und
bringt sie zu Lob und Ehren in seinem Land.
Zu der Zeit ist Weihnachtszeit!
(nach Zephania 3, 14-20)
Jauchze, Tochter Zion