Mitleid

Ein Mensch.
Ein Augenblick.
Ein Blick.
Du siehst
seine Verlassenheit,
seine Trauer,
seine Verlorenheit.
Du siehst
und er dauert dich.
Alles Mit-Leiden
fließt aus dir heraus,
umfließt ihn,
schließt ihn ein,
voller Wärme,
voller Zärtlichkeit,
voller Liebe.
Ein Blick,
ein Augenblick voller Erkennen,
der sich in die Seele einbrennt.
Bis in die Ewigkeit.
Gott sieht,
hat Mitleid,
rührt an,
weckt auf.

Rettung

Von dem Herrn kommt es, wenn des Mannes Schritte fest werden. Fällt er, so stürzt er doch nicht, denn der Herr hat ihn fest an der Hand.
Psalm 37, 23.24
Entschlossen gehe ich auf deinem Schotterweg weiter,
wanke ich auch im Sturm,
rutsche ich auch aus auf meinen Hoffnungssplittern,
falle ich auch aus meinen guten Absichten,
versinke ich auch in Trauer und Schmerz,
deine Hand fängt mich auf,
hält mich,
zieht mich heraus,
hin zu dir.

Jakob

Jakob zog seinen Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes.
1.Mose 32,2

Jakob zog dorthin zurück,
woher er gekommen ist.
Auf dem Weg aus der Heimat haben ihn Engel begleitet,
auf dem in die Heimat haben ihn Engel geleitet.
In die Fremde gehen und zurückkommen,
dorthin, wo Heimat ist.
Die Engel, Gott zeigt den Weg,
laufen wir ihnen einfach nach,
auch wenn es lange dauern kann
bis wir ans Ziel kommen.

Jakob weist den Weg.

Störrisches Volk

Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört.
2.Mose 3,7
Ich habe gesehen,
ich habe gehört,
ich habe gehandelt.
Mein Volk hat mich gesehen,
mein Volk hat mich gehört,
mein Volk hat trotzdem nach
seinem eigenen Willen gehandelt.
Wieso ist es nur so störrisch?

Rufen

Du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.
Psalm 86,5
Vernimm, o Herr, mein Gebet,
höre mein Flehen,
in der Not rufe ich dich an,
du hörst mich,
du gibst mir Antwort,
du zeigst mir den Weg,
den ich gehen muss.
Gib mir Demut.
Gib mir Mut.
Gib mir Dankbarkeit.
Vergib.

Gewissheiten

Die fünf buddhistischen Gewissheiten sind:
1. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich alt werde. Ich kann dem Altern nicht entgehen.
2. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich Krankheiten bekommen werde. Ich kann dem Krankwerden nicht entgehen.
3. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich sterben werde. Es gibt keinen Weg dem Sterben zu entgehen.
4. Es ist der natürliche Verlauf, dass alles, woran ich hänge, und alle die mir lieb sind, sich verändern. Es gibt keinen Weg , dem Getrenntwerden von ihnen zu entgehen. Ich komme mit leeren Händen und ich gehe mit leeren Händen.
5. Meine Handlungen von Körper, Rede und Geist sind das Einzige, was mir gehört. Den Konsequenzen meiner Taten kann ich nicht entgehen. Meine Handlungen sind der Boden, auf dem ich stehe.
Ich, meine gesamte Lebensäußerung,
ich, im Hier und Jetzt,
ich, in diesem Augenblick,
die Konsequenz aus meinen Konsequenzen,
jeden Tag,
in meiner Verantwortung.
Ob ich mit Gloria daherkomme,
oder in Sack und Asche.
Ich komme mit leeren Händen und
Ich gehe mit leeren Händen.
Das ist die Nacktheit,
in der ich am Ende
vor meinem Schöpfer stehe.
Lebensbaum – Träneneiche

Blindheit

Kommt nun, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!
Jesaja 2,5
Im Licht des Herrn
kann man wandeln als Sehender und als Blinder.
Der Blinde kann manchmal mehr sehen als der Sehende,
der Sehende ist manchmal blinder als jeder Blinde.
Das Licht in einem und im anderen sieht man nicht durch die Augen.

Großes Kino

In der öffentlichen Diskussion rund um Syrien und Ägypten ahnen wir es jeden Tag:
Die Wahrheit hat nicht nur einen doppelten und dreifachen Boden, sie ist vielstöckig.
Wie ist es aber mit uns selbst und der Wahrheit bestellt?
Hat bei uns nicht auch die Wahrheit einen vielstöckigen Boden?
Angst,
Egoismus,
Wankelmütigkeit,
Treulosigkeit,
Täuschung,
Verstecken,
Hintergehen,
Scham,
Eifersucht,
Prüderei,
innere und äußere Blindheit,
Schönfärberei,
sich ein X für ein U vormachen,
oder doch ein Y,
großes Kino in uns und auf unserem Display jeden Tag. Wir projizieren unseren Film auf die anderen und diese wiederum auf uns. Jedem gegenüber ist der Film, den wir abliefern, etwas verändert. Es kommt darauf an, was der andere zum Drehbuch beiträgt.
Zu einem Stück mehr Wahrheit brechen wir durch, wenn wir durch den doppelten Boden, durch die Falltür, die wir sorgsam versteckt hielten, fallen und der Schmerz uns das erkennen lässt. So fallen wir leidvoll immer mehr in die Wahrheit, getrennt, jeder für sich, aber dennoch verbunden. Die Schrammen und Wunden vom Fallen verbinden wir, verstecken sie leidlich mit einem Büschel schöner Schein. Die neue Falltür steht schon offen in ihrem Versteck. Das Programm auf dem Display nach außen ändert sich entsprechend.
Beständig ändern sich die eigenen Wahrheiten und die der anderen. Sie sind in strömendem Fluss, bis wir durch den letzten doppelten Boden, durch die letzte Falltür, in die eine letzte Wahrheit fallen.
Doppelte Böden und Falltüren.

Regen

Der HERR wird dir seinen guten Schatz auftun, den Himmel, dass er deinem Land Regen gebe zur rechten Zeit und dass er segne alle Werke deiner Hände. 
5.Mose 28,12
Ein Land ohne Wasser ist nicht fruchtbar.
Wasser braucht Mensch und Tier,
lebendiges Wasser Körper und Seele.
Herr, lass deinen Geist herunterregnen
wie einen milden Sommerschauer.
Segen über dein gelobtes Land.

Vertraue und bete

Mensch, wie wankst du in der tobenden See.
Schlimme Bilder tauchen vor dir auf.
Lässt du dich von Verführern verführen?
Wahrheit oder falscher Schein?
Mensch, wie wankst du in der tobenden See.
Du bist in Gefahr,
dein Schiff droht zu sinken,
wo ist der Rettungsanker?
Mensch, wie wankst du in der tobenden See.
Du treibst im Sturm,
drohst zu erfrieren oder zu ertrinken.
Oder übersiehst du etwas?
Mensch, wie wankst du in der tobenden See.
Wem traust du?
Wem folgst du?
Oder einfach nur die Augen verschließen?
Mensch, wie wankst du in der tobenden See.
Hast du vergessen, dass Jesus mit im Boot ist?
Er gebietet dem Sturm.
So vertraue und bete.

Friedensgebet

Mein Gott,
unser aller Gott,
sei mit denen,
die leiden,
körperlich, seelisch,
die unter anderen leiden,
denen Unrecht geschieht.
Sei jetzt, in diesem Augenblick, mit ihnen.
Begleite sie durch ihren Schmerz hindurch,
hilf tragen, wenn er zu schwer wird.
Sei vor allem bei denen,
die Leid und Schmerz zufügen.
Gebe ihnen Einsicht und
lass sie umdrehen.
Jetzt.
Überall in dieser kriegerischen Welt
und unabhängig von der Religion.
Sei du mit ihnen, du Weltumspanner,
gebe ihnen inneren Frieden,
nur dann kann äußerer Friede werden.
Amen.


In seinem Namen

Unsre Hilfe steht im Namen des HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat. 
Psalm 124,8
Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
auf allen Stufen unserer Lebens-Wallfahrt.
Er bekennt sich zu uns und hilft.
In seinem Namen klingt unser Name auf,
in unserem Namen klingt sein Name auf,
in seinem Namen.
Bekennen wir.

Tempel

Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel. 
Psalm 48,10
Dein Tempel, o Gott.
Er ist in jedem von uns.
Nur manchmal können wir ihn nicht erkennen,
weil wir blind sind.
Und manchmal wollen wir ihn nicht erkennen,
weil wir fremde Götter anbeten.
Gut ist, dass dein Tempel besteht in Ewigkeit,
so dass in ihm auch Leben ist,
wenn wir wie tot sind.
Du hörst uns auch,
wenn wir nach dir ins Nichts rufen.

Fruchtbares Land

Es gibt sie,
die Orte,
an denen sich Himmel und Erde auftun.
Heilige Orte.
Oft sind es Orte der Tränen,
Galgenberge, Schragenberge.
Scheinbar unscheinbar
Und doch verweilst du.
Du siehst, was nicht offensichtlich ist.
Diese Orte verlieren ihr Gedächtnis nicht.
Sie erzählen von den Menschen,
von der Trauer, vom Leid.
Und plötzlich verstehst du,
was du bisher nicht verstanden hast.
Genau dies hier
ist fruchtbares Land.
Gesättigt
stehst du auf,
gestützt auf deinen Pilgerstab,
und gehst weiter.
Fruchtbares Land

Von Gott erzählen

Wer kann die großen Taten des HERRN alle erzählen und sein Lob genug verkündigen?
Psalm 106,2

Es gab große Verkünder
von den großen Taten des Herrn.
Sie stehen alle in der Bibel.
Auch danach gab es viele.
Benedikt von Nursia,
Luther, Teresa von Avila,
Heinrich Seuse, Johannes Tauler,
Dietrich Bonhoeffer. Ein Übersetzer.

Das sind so meine Favoriten.
Alle betrachteten ihre Zeit als mehr oder minder gottlos.
und sie waren einigermaßen verzweifelt darüber.
Es gab ihnen aber auch Ansporn,
nicht nachzulassen
von den großen Taten des Herrn zu erzählen.

Wir sollten uns von ihnen ermutigt fühlen.
Wenn nur ein Körnchen auf fruchtbaren Boden fällt,
so hat es sich gelohnt
zu erzählen von den großen Tagen des Herrn.

Leben nach dem Tod

Horche in dich hinein.
Was weißt du?
Was weißt du ganz sicher?
Wo hast du keinen Zweifel?
Keine Wissenschaft kann erklären,
was du weißt, und wieso du gerade das weißt,
was du weißt.
Was du weißt,
macht dich einzigartig.
Es gibt keinen Zweiten,
der weiß,
was du weißt.
Was du weißt,
hat einen Anker,
einen Ursprung.
Dieser Ursprung ist dein Schöpfer.
Deshalb wird bleiben,
was du weißt,
auch wenn dein Körper vergeht.
Das ist Leben nach dem Tod.
Das, was du weißt,
wird bleiben.
Und du wirst erkennen,
dass du du bist.
Baum des Lebens