Psalmodie

In Psalmen erklingt das Leben.
Mit seiner Freude,
mit seinem Leid.
In Psalmen bete ich,
in Psalmen bitte ich,
In Psalmen lobe ich den Herrn.
In Psalmen singe ich Gott ein Lied,
meine Seele schwingt sich ihm entgegen
und er fängt sie auf.
Ich möchte gar nicht mehr aufhören zu singen.

Boten

Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. 
Maleachi 3,1
Das ist so eine Sache mit den Boten.
Sie werden gesehen oder übersehen,
ernst genommen oder auch nicht,
für verrückt erklärt oder für skurril
oder gar geköpft.
Wer ist dein Bote, o Herr, in heutiger Zeit?
Schärfe unsere Augen,
Öffne unsere Ohren,
Weite unsere Herzen.
Lass uns erkennen.

Maria Himmelfahrt

Liebe Maria,
obwohl wir uns erst kürzlich gesehen haben, schreibe ich dir aus besonderem Anlass heute nochmals: Heute ist dein Hochfest, Mariä Aufnahme in den Himmel heißt es offiziell oder auch einfacher im Volksmund: Maria Himmelfahrt.
Das ist schon ein besonderer Augenblick für jeden Menschen, denn Mensch warst auch du. Du hattest ein schweres Leben. Schwanger, ohne verheiratet zu sein, bist am Pranger gestanden, Hohn, Spott und Verachtung ausgesetzt. Gut, dass Joseph zu dir gehalten hat. Dann diese entwürdigende Geburt, im Stall, unterwegs, ohne Hilfe von erfahrenen Frauen, nur mit dem hilflosen Joseph als Unterstützung.
Schon am Tag seiner Geburt waren Häscher hinter dem Kind her. Sicherheitshalber seid ihr mit dem Kind nach Ägypten geflohen. Strapazen und Entbehrungen, Hunger, Durst, Armut. Ja, dieses Kind war anstrengend. Du magst manches Mal mit deinem Gott gehadert haben.
Dann dieses Kind, das immer etwas Besonderes war. Neunmalklug hattest du von Kindesbeinen an einen schweren Stand bei ihm. Er wusste immer alles besser. Und trotzdem ging etwas von ihm aus, das dir gesagt hat, dass eine tiefe Wahrheit und Gerechtigkeit in diesem Kind ist.  Etwas, das man als Mutter spürt und weiß, aber nicht benennen kann. Trotz aller Kapriolen, das es geschlagen hat, ging von diesem Kind etwas Verlässliches aus, etwas das einem in aller Unsicherheit Sicherheit gab, unbenennbares Wissen.
Die paar Jahre, als er durch die Gegend zog und den Menschen von Gott erzählte, hattest du immer Angst um ihn. Er redete von Gott und oft stellte er sich gegen diejenigen, die das studiert haben, die Würdenträger der Kirche. Er, der Zimmermann, der gar nicht vom Fach war. Zimperlich war er dabei nicht. Nicht mit seinen Widersachern, noch mit seiner Familie. Wenn ihm etwas nicht passte, bügelte er einen ab und man konnte wie begossener Pudel wieder abziehen. Das konnte nicht gut gehen, du ahntest es schon.
Und dann diese Wundertaten. Du hast dich immer gefragt, wie er diese wohl vollbracht hat. Es musste mit diesem unbenennbaren Wissen, das er hatte, zusammenhängen. Aus diesem Wissen schöpfte er seine heilende Kraft. Schon ein bisschen unheimlich. Er verursachte immer ganze Volksaufläufe.
Dann wurden doch deine schlimmsten Befürchtungen wahr. Er wurde verfolgt und schließlich verhaftet, verurteilt, gefoltert, misshandelt, ans Kreuz geschlagen. Wie ein Verbrecher, mit Verbrechern. Eigentlich konntest du den Schmerz über das, was du mit ansehen musstest, kaum aushalten. Erstaunlich, was der Mensch so alles ertragen kann.
Aber er hat noch für dich gesorgt, dich in die Obhut eines seiner Jünger gegeben, so dass du wenigstens nicht als Freiwild unversorgt herumlaufen musstest.  Da kannst du dankbar sein. Alles, was du noch für ihn tun konntest, war seine Mission fortzusetzen, das Deine zu tun, dass die Botschaft, für die er sein Leben eingesetzt hat, weiter verbreitet wurde. Diese Arbeit gab dir Trost, Kraft weiterzuleben und richtete dein weiteres Leben aus.
Nun bist du am Ende deines menschlichen Weges angekommen, verlässt deine irdene Hülle. Endlich siehst du wieder den, nach dem du dich so gesehnt hast. Dein Kreis schließt sich. Erinnerst du dich noch, was du gebetet hast, als du von deiner Schwangerschaft erfahren hast? Meine Seele erhebet den Herrn. Nun erhebt sie sich zum Herrn. Sie lässt alles Irdische fallen, entpuppt sich wie eine Raupe, die bisher am Boden gekrochen ist und Erde gefressen hat, und fliegt wie ein befreiter Schmetterling in die Ewigkeit. Du kehrst dorthin zurück, wo du  herkommst, wirst wieder transzendent, körper-, zeit- und raumlos, wirst wieder Teil des Göttlichen. Heimkehr, welch glücklicher, froher Tag für dich.
Wenn ich dich so anschaue und deine Freude und dein Glück sehe, wird mir das Herz etwas schwer, weil mein Tag noch nicht da ist. Ich muss noch warten. Aber ich komme ganz gewiss nach. Es tröstet mich, dass unsere Seelenbande bleiben, über die körperlichen Grenzen hinweg. Wir bleiben in Kontakt.
Ich wünsche dir eine gute Reise, komm gut an! Ich freue mich auf ein Wiedersehen, im Hier oder im Dort.
Deborrah




Die Ernte ist eingefahren.

Das Gute

Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt. 
Amos 5,14
Suchet das Gute, heißt suchet Gott.
Schiebt den Ballast auf eurer Seele beiseite und
versucht ihn in euch zu finden,
dann wird er sich finden lassen.
Versucht die Versuchung zu meiden,
dann werdet ihr leben.
Der ehrliche Versuch zählt.
Wenn wir dann scheitern,
an uns oder anderen,
so zählt das nicht vor Gott,
denn er weiß um unsere Unzulänglichkeit.

In Gottes Hand

In deiner Hand, HERR, steht es, jedermann groß und stark zu machen. 
1.Chronik 29,12
Vor dir, o Gott, sind wir immer ganz klein.
Uns groß zu machen, heißt groß vor dir,
wie unbedeutend und gering wir auch im Hier sind.
Unsere guten Taten und Werke zählen nicht vor dir,
die schlechten wiegst du am Ende aus.
Das auszuhalten,
dir trotzdem zu vertrauen,
dich trotzdem im Guten wie im Schlechten zu wollen,
vermögen wir nur,
wenn du
unsere Seele groß und stark machst.
Ich verlasse mich und
gebe mich ganz in deine Hand.
Dann bin ich in aller Schwachheit stark.

Licht

Es wird ein einziger Tag sein – er ist dem HERRN bekannt! -, es wird nicht Tag und Nacht sein, und auch um den Abend wird es licht sein.
Sacharja 14,7
Nacht, die uns schreckt,
Dunkelheit, die uns umhüllt,
Blindheit, mit der wir geschlagen sind,
Abgründe, die uns in die Irre schicken,
der Abend, an dem wir uns schlafen legen,
ist
Finsternis, in der du bist.
Dein Licht kennt keinen Tag und keine Nacht.
Wenn dieses Licht in uns aufgeht,
ist es auch bei uns Tag und Nacht licht.

Maria

14 Stunden Arbeit ohne Pause zehren an einem.
Entweder man ist hypersensibel oder man spürt gar nichts mehr.
War da nicht ein Luftzug?
Kenn ich dich nicht?
Ja, du bist es doch tatsächlich.
Lange habe ich dich nicht mehr so nahe gespürt.
Beide hat es uns hier her getrieben,
den Ort der Stille, um vom Tagwerk auszuruhn.
Sehnsüchtig drücken wir Stecken und Stab in unser Herz.
Wieviel Tränen haben wir hier schon vergossen, Schwester?
Es muss dich zerrissen haben, als du ihn sahst,
zerschlagen, zerschunden, zermartert.
Vor lauter Schmerz in dir kein Schmerz.
Nein, leicht hat er es dir nicht gemacht,
eigentlich war es ein Sorgenkind,
immer mit eigenem Kopf.
Und trotzdem.
Er hat an dich gedacht, als es soweit war und
dich in seine Stadt geholt.
Still und ganz nah ist uns das Kind,
nachdem das Herz sich sehnt.
Wo kommst du eigentlich her?
Wieso begegne ich dir heute,
nach so langer Zeit der Abwesenheit?
Später schau ich im Kalender nach.
Heilige Tage, heilige Momente.
Sie hinterlassen ihre Spuren.
Das Echo ist noch Tage zu hören.
Danke, dass ich es hören durfte.

Sei stark

Der HERR, euer Gott, schafft euch Ruhe und gibt euch dieses Land. 
Josua 1,13
Sei stark und mutig,
achte auf mein Wort.
Stark und mutig muss man in der Tat heute sein,
auf dein Wort zu achten und
es auch noch im Munde zu führn,
nicht zu verzweifeln,
am Alltag, an den Menschen, an mir.
Sei stark, es wird dir gelingen,
wohin du auch gehst.
Ich bring dich in mein gelobtes Land.
Bald hast du es erreicht,
klage nicht und halte durch.
Stark bin ich nicht,
die Kraft geht mir aus,
wie soll ich, o Gott,
nur weitergehn?
Du bist stark und mutig,
schau nicht nach links oder rechts,
lass dich nicht irritieren.
Bald bist du über’m Berg,
und erreichst mein Land,
um von der langen Reise auszuruhn.
Und dann fließt Milch und Honig.

Zuflucht

Sei mir ein starker Hort, zu dem ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen; denn du bist mein Fels und meine Burg.
Psalm 71,3
Du bist da, o Herr,
wenn der Orkan mich wegfegt und
ich ins Irgendwo treibe.
Du bist da, o Herr,
wenn mir das schützende Dach wegbricht und
ich obdachlos dem Hagelschlag ausgeliefert bin.
Du bist da, o Herr,
wenn mir die Heimat genommen ist und
ich zum Flüchtling geworden bin.
Du mein Rettungsanker,
Du meine schützende Decke.
Du meine Zuflucht.

Fürchte dich nicht

So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. 
Jesaja 43,5
Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen,
du bist mein.
Wohin du auch gehst,
Irrwege und Sackgassen,
ich bin bei dir.
Wo du bist,
bin auch ich,
nichts anderes zählt.
Meine Hand hält dich.
Mein Wort leitet dich,
Mein Segen schützt dich.
Vertraue mir und
fürchte dich nicht.

Demütigung

Wie lange weigerst du dich, dich vor mir zu demütigen?
2.Mose 10,3

Demütigen hat etwas mit Demut zu tun.
Man kann sich vor anderen demütigen,
vor sich selbst,
vor dir, o Gott.

Uns gegenseitig demütigen?
Schaffen wir Menschen problemlos.
Das ist Teil unserer bösen Seite.

Sich vor sich selbst demütigen?
Manchmal denken wir, das tun zu müssen,
weil du, o Gott, es von uns verlangst.
„Stell dich zurück und ordne dich unter“, hallt es dann in uns
und wir stellen alle inneren Bedenken zurück, weil wir glauben,
dass wir tun, was du, o Gott, von uns verlangst.
Wenn es sich dann herausstellt, dass ich mich wohl verhört habe,
wie schäme ich mich dann vor mir und vor dir, o Gott, für meine Anmaßung.

Uns vor dir demütigen?
Heißt in Demut deinen Willen annehmen,
auch auf die Gefahr hin,
uns zu demütigen,
vor anderen Menschen, vor uns selbst und vor dir.

Gottes Wohnung

Wenn dich dein Bruder oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, so willige nicht ein. 
5.Mose 13,7.9
Andere Götter.
Woran, o Gott, erkennen wir,
was in deinem Willen ist,
was Nachfolge in deinem Wort ist,
was der Weg ist, den du uns leitest?
Woran erkennen wir, was fremde Götter sind?
Woran erkennen wir, dich, o Gott?
Es ist das Wissen, das tief in einem ist,
nicht übertönbar durch oberflächliches Tun,
nicht manipulierbar durch den Menschen,
ein Wissen, das sich nicht vom Leben beirren lässt.
ein Wissen, das man hat, obwohl man nicht weiß,
ein Wissen, das als Sicherheit in einem wohnt,
was immer das Leben augenblicklich zeigt.
Solche Gewissheit zu verleihen, vermagst nur du, o Gott.
Dein Wille wird offenbar werden,
damit offenbar werde, dass du Gott, der Herr bist,
für alle, die schwach sind und
es ohne sichtbare Zeichen nicht gewahr werden.
Deine Zeichen werden so mächtig sein,
dass dem Blinden die Augen geöffnet werden
und er erkennt, dass du Gott, der Herr bist.
Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut. 
Daniel 6,24
Du hast auf deinen Gott gebaut.
Für manche ist das bedrohlich.
Sie bauen lieber auf sich selbst.
Die Kraft, die mit dir war, hat ihnen einen Strich durch ihre Rechnung gemacht.
Deshalb warfen sie dich in die Grube,
wollten dich vernichten, aus dem Weg, eigene Pläne,
sahen nur sich und ihren kurz gedachten Vorteil.
möge er elendig verrecken,
So brutal ist Leben.
Sie haben den, der für dich ficht, mit hineingeworfen.
Betrügerisches trügerisches Heil.
Doch du hast unbeirrt auf deinen Gott vertraut.
Gott verlässt die Seinen nicht, auch wenn die Situation noch so hoffnungslos erscheint.
Er verhilft den Seinen zu seinem Recht, rettet ihre Seele.
Auf dass die Werke Gottes offenbar werden.
Die Rechnung, gegen Gott gemacht, geht nicht auf.
Gott lässt die Seinen nicht im Stich.
Gott lässt sich keinen Strich durch die Rechnung machen.
Er macht die Rechnung am Ende selbst auf und
das wird für die, die aus dem Hinterhalt kommen, unterm Strich teuer.
Aus vermeintlichem Tod wird Leben und aus vermeintlichem Leben erwächst der Tod.
Oder: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Nichts ist verborgen

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN. 
1.Mose 3,8
Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen soll.
Lukas 8,16-18
Niemand zündet ein Licht an und
bedeckt es mit einem Gefäß und stellt es unter eine Bank,
sondern er setzt es auf einen Leuchter,
damit es den Weg ins Haus weist.
Denn es ist nichts verborgen,
das nicht offenbar werde,
auch nichts Heimliches,
das nicht kund werde und an den Tag komme.
Achtet darauf, wie ihr zuhört.
Denn wer da hat, dem wird gegeben;
Wer aber nicht hat, von dem wird genommen,
was er meint zu haben.
Im Schein des Lichts kommt zum Vorschein,
wer hat und nicht hat,
wem gegeben, wem genommen wird.
Herr erbarme dich derer, die nicht haben,
in der Dunkelheit ist ohne Licht kein Überleben.
Licht ist Nahrung, ohne Licht ist der Tod.
Erbarme dich derer ohne Licht,
sei bei ihnen in ihrem Sterben, sei bei mir.
Ich weiß, dass du alles vermagst, was du willst.
Auch mein Unverstand ist dein Ratsschluss.
Deshalb schweige Mund, Körper und Seele
angesichts dessen, was ich nicht verstehe.
Das einzige, was sich mir entringt, sei ein:
Herr, erbarme dich meiner

Heiland

HERR, ich warte auf dein Heil! 
1.Mose 49,18
Es gibt viel zu heilen.
in deiner Schöpfung,
zwischen den Völkern,
in Beziehungen,
in mir.
Die Morde,
die Verletzungen,
die Kränkungen,
die Zurückweisungen,
die Lieblosigkeiten.
Du, o Gott, hast sie uns nicht zugefügt, sondern wir uns gegenseitig.
Du lässt uns das Leben selbstverantwortlich leben,
und heilst uns am Ende von unseren Irrtümern,
vom Leben, wie wir es gelebt haben,
aneinander schuldig geworden.
Wir tragen schwer an uns selbst und du an uns.
Aber eines ist gewiss: Der Tag der Vollendung wird kommen,
an dem du uns und dein Land wieder ganz heil machst,
an dem du deine Schöpfung heimführst.
Wir nennen dich nicht umsonst den Heiland.

Vorahnung

Zum Gedenken an Dietrich Bonhoeffer. Gedanken, die durch seinen Kopf gegangen sein mögen, als die Nachrichten vom Scheitern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 langsam zu ihm durchdrangen.
Glutofen des Sommers,
Ende des Kampfes.
Alles auf eine Karte gesetzt,
das ganze Blatt verspielt.
Dein Weg ist zu Ende,
du weißt es genau.
Jetzt fühlst du dich leicht,
nichts mehr zu verlieren.
Was aussieht wie zerronnen,
ist in Wirklichkeit gewonnen.
Der Teufelsritt ist bald zu Ende,
du weißt es genau.
Tödlich getroffenes Aufbäumen in sinnloser Gewalt,
ein letzter verheerender Flächenbrand,
Erfüllungsgehilfen finden sich überall.
Das bisschen Hoffnung, sei’s drum.
Der Galgen hat seinen Schrecken verloren,
du weißt es genau.
Du hörst den Ruf und
folgst ihm nach nach Gol’gatha,
wirst dein Kreuz tragen, stellst dich klaglos in den Dienst,
Alles Verstecken hat endlich ein Ende, die Freiheit ist nah,
dein Ziel ist erreicht –
du weißt es genau.

Herzblut

Dein Wort

Dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.
Jeremia 15,16
Deine Worte, o Herr,
tief in mir erklimmen sie Höhen,
durchströmen meine tiefsten Täler,
sind bei mir im Dunkel meiner Nacht,
öffnen meine Augen für dein Licht,
lindern meine Herzensnot,
heilen meine Lebenswunden,
füllen jeden Winkel meines Seins,
führen mich durch jede Wüste,
halten mich im Sturm umfangen,
leiten mich mit innerer Weisheit
bis die Seele kommt zur Ruh.

Gebote

Lass sich freuen alle, die auf dich trauen.
Psalm 5,12
Christus spricht: Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. 
Johannes 15,10-11
Das ist ein Wenn – Dann – Satz,
Ursache und Wirkung.
Wenn man diesen Satz liest,
dann könnte einem der Gedanke kommen, dass man das Ziel verfehlt.
Das liegt in der Natur eines jeglichen Menschen an sich.
Aber ist es wahrscheinlich, dass Gott uns vor unlösbare Aufgaben stellt?
Von was für „Geboten“ ist hier eigentlich die Rede?
Was sagt Jesus zu den „Geboten“?
Was den Menschen die Gebote übertreten lässt,
kommt aus dem Menschen heraus,
denn von innen, aus dem Herzen der Menschen,
gehen die bösen Gedanken aus (Mark 7, 21).
Jesus setzt sich wieder einmal mit den Pharisäern und Schriftgelehrten auseinander, die Menschengebote für Gottes Gebote verkaufen wollen.
Er beruft sich ausdrücklich auf zwei Gebote:
„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,“ und
„Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben.“ (Mark 7, 10).
Bei den Geboten geht es darum, dem himmlischen Vater (und hier sogar der Mutter) die Ehre zu erweisen, das Kindsein anzunehmen, die Herrschaft Gottes anzuerkennen. Alle anderen „Gebote“, alle Konsequenzen leiten sich daraus ab.
Wenn ihr meine Kinder werdet und bleibt, wenn ihr auf mein Wort hört,
dann bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Kind bin, auf sein Wort höre und in seiner Liebe bleibe.
Wenn ich aber Freude an euch habe, dann wird auch Gott Freude an euch haben und eure Freude vollkommen werden. Alle werden Freude haben, die diesem Wort trauen.
Es geht um eine doppelte Kindschaft. Es ist eine Aufforderung: Werdet wie die Kinder, werdet meine Kinder. Wenn ihr mich als Vater ehrt, wenn ihr auf mein Wort hört, wenn ihr mich anerkennt und respektiert, wie man einen Vater respektiert, dann bin ich euer Vater und ihr seid meine Kinder. Wie auch ich Kind meines Vaters bin. Kindsein heißt Fehler machen dürfen. Ich werde es euch nachsehn.
Vor diesem Hintergrund verlieren „Gebote“ ihren Schrecken.

Geduld

Es zieht ein stiller Engel
Durch dieses Erdenland,
Zum Trost für Erdenmängel
Hat ihn der Herr gesandt.
In seinem Blick ist Frieden
Und milde, sanfte Huld,
O folg ihm stets hienieden,
Dem Engel der Geduld!
Er führt dich immer treulich
Durch alles Erdenleid
Und redet so erfreulich
Von einer schönern Zeit.
Denn willst du ganz verzagen,
Hat er doch guten Mut;
Er hilft das Kreuz dir tragen,
Und macht noch alles gut.
Er macht zu linder Wehmut
Den herbsten Seelenschmerz,
Und taucht in stille Demut
Das ungestüme Herz.
Er macht die finstre Stunde
Allmählich wieder hell
Und heilet jede Wunde
Gewiss, wenn auch nicht schnell.
Er zürnt nicht deinen Tränen,
Wenn er dich trösten will;
Er tadelt nicht dein Sehnen,
Nur macht er’s fromm und still.
Und wenn in Sturmes Toben
Du murrend fragst: warum?
So deutet er nach oben
Mild lächelnd, aber stumm.
Er hat für jede Frage
Nicht Antwort gleich bereit,
Sein Wahlspruch heißt: ertrage,
Die Ruhstatt ist nicht weit!
So geht er dir zur Seite
Und redet gar nicht viel
Und denkt nur in die Weite,
Ans schöne, große Ziel.
(Carl Johann Philipp Spitta)

Ecksteine

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Psalm 118, 22-23

Auf Ecksteine bauen wir unser Haus.

Wenn der Eckstein schief sitzt, wird das Haus schief,
Wenn der Eckstein nicht passt, wird gar kein Haus.
Wenn der Eckstein falsch gewählt ist, fällt das Gebäude schnell in sich zusammen.

Die Wahl des Ecksteins entscheidet, ob wir an dem Haus Freude haben werden.
Mit der Auswahl tun wir uns mitunter schwer.
Was ist der Maßstab, den wir anlegen?
Schauen wir nur auf die geglättete Oberfläche?
Oder nehmen wir einen Stein mit Ecken und Kanten?

Ecken und Kanten halten oft besser zusammen als glatte Oberflächen,
Das Verkanten ist in diesem Fall Teil des Bauplans und
es sieht sich wie ein Wunder an,
wie die nicht normierten Oberflächen doch wie angegossen zusammenpassen.

Jesus hat nur ein paar Jahre öffentlich gewirkt, ein bis drei Jahre wird diskutiert.
Wer hätte damals gedacht, dass der spleenige Zimmermann Eckstein einer Weltkirche wird, dass Gott sein Haus auf diesen Außenseiter baut?
Auf einen, der für diesen Hausbau nur so kurze Zeit hatte?
Zimmermann hatte er ja gelernt, aber er musste auch die richtigen Steine für seinen Bau wählen, abseits aller Norm und äußeren Scheins.
Er hatte einen Bauplan, den er sich nicht von angeblichen Fachleuten hat zerreden lassen.

Das kann nur ein Wunder sein.
Kein Zweiter hat in so kurzer Zeit so nachhaltig gebaut.