Partyreste

Die letzten Gäste sind gegangen.
Haben es heute noch lange ausgehalten,
ausgehend gefrühstückt.
Auf 14 Frühstücksgäste war
irgendwie niemand eingerichtet.
Brot hatten wir nur in der Gefriertruhe.
Gottseidank gibt es inzwischen
Bäckereien, die erkannt haben,
dass auch – oder gerade – sonntags
gutes Geschäft zu machen ist.
Auch der einzig verbliebene
Veganer ist bei uns nicht verhungert.
Noch interessante Gespräche geführt.
Habe mir erklären lassen,
wie man Met braut und gelernt,
dass man auch in den Zwanzigern
Dinge verbaselt, die man nicht verbaseln sollte.
Irgendwie tröstlich.
Scheint also keine Sache zunehmenden Alters zu sein.
Nicht jeder war heute voll auf der Höhe.
Insbesondere das Geburtstagskind
war mit der Resteverwertung beschäftigt.
Geschirrberge sind inzwischen gespült
und bis zur nächsten Party
im Keller verschwunden.
Wieder einigermaßen klar Schiff.
Es ist schon ein Unterschied,
ob Teenager feiern oder
20 – 30Jährige.
Alles schon etwas gesetzter.
Sohnemann meldet sich gerade.
Hat schon wieder Hunger.
Na dann, der Alltag hat uns wieder.
Gehen wir mal wieder kochen…

 Partyreste

Party-Alarm

Und wieder steigt eine Party.
Gyrossuppe, wie immer,
aber erstmals auch
Veganes geordert.
Auf Nachfrage die Bestätigung:
Doch, es werden auch vegan
gepolte Gäste kommen.
Vegane Gyrossuppe?
Geht wohl schlecht.
Also zusätzlich
Kürbissuppe mit Kokosmilch gekocht.
Je 10 Liter.
Dazu selbstgemachtes Ciabatta.
Eingekauft und dann 6 Stunden
in der Küche gestanden,
trotz Hilfe beim Schnippeln.
Links von mir die eine Freundin,
rechts die andere.
War ganz nett.
Diesmal keine LAN-Party
mit Schulkameraden,
sondern Party
mit sehr gemischtem Volk:
Schulkameraden, Studienkollegen, Footballer…
Mal sehen, was das wird, sagt mein Sohn,
nicht ganz sicher, ob der Mix sich auch mischt.
Ex-Freundin und neue Freundin treffen aufeinander,
man ist tolerant,
geht sich aber trotzdem, soweit ich das sehe,
aus dem Weg.
Beste Freundinnen muss aus ihnen auch nicht werden.
Ich mag sie beide.
Der ein oder andere,
den ich seit nahezu 15 Jahre kenne,
ist ganz schön auseinandergegangen.
Die Jungs-Figur weicht so nach und nach
der Männer–Figur, an der die Ansätze
des Wohlstandsbauches schon zu erkennen sind.
Beim weiblichen Geschlecht überwiegt der Typ
groß, schlank, kurzes Röckchen, blonde lange Haare.
Bis auf die Ex-Freundin.
Die Jungs alle schwarz gekleidet,
viele lange Haare, teils Zopfträger.
Ähnliche Lebenseinstellungen.
Aus den Boxen Heavy Metall.
Viele hatten einen langen Anreiseweg,
aber auch hier dominiert die alternative Lebensweise.
Einer kam über 40 km per Rad.
Als ich sah, wie er sich mit einem Handtuch
den Schweiß abwischte,
habe ich ihm eine Dusche angeboten,
die er dankend angenommen hat.
Ein anderer kam – anstatt anzurufen –
die 4 km von der Bahnstation gelaufen.
Der Rest hat Fahrgemeinschaften organisiert.
Der halbe Flur ist gefüllt mit Schuhen,
die sie alle brav dort aufgereiht haben.
So langsam kommt die Party in Fahrt.
Es ist nicht so,
dass sie sich nichts zu sagen hätten.
Lautes und fröhliches Stimmengewirr und Gelächter.
Die ersten singen schon,
Mädchengekicher.
Einige werden übernachten.
Der harte Kern hält erfahrungsgemäß durch,
bis ich wieder aufstehe…
Mal sehen, wie es um meinen Schlaf
heute Nacht bestellt ist.
Eigentlich bin ich ja todmüde.
Eigentlich.
Nebenan tönt es „Alarm“…
… und die Musikrichtung hat gedreht:
Ich hör TORFROCK …
Ach ja…

 Demokratie-Seifenblasen

Partyschlacht geschlagen

Die Partyschlacht ist geschlagen. Die letzten Gäste sind gegangen, die Reste entsorgt, das meiste aufgeräumt. Die Spuren bleiben noch eine Weile.

Die erste Überraschung kam Freitagmorgen, als noch keiner auf war. Ich hörte Stimmen im Garten, die aber aufgrund ihres Dialektes eigentlich nicht dort hingehörten. Ich wunderte mich über meinen Nachbarn. Seit wann spricht der so? Als ich aus dem Fenster sah: nichts. Weiter Stimmen mit fremden Klang: nochmals rausgeschaut. Da werde ich sie gewahr: Die ersten Gäste waren schon um 7.00 da, die Nacht durchgefahren. Sie meinten, es hätte keinen Sinn gemacht, nach dem Deutschland-EM-Rausschmiss noch ins Bett zu gehen. Also sind sie gleich anschließend losgefahren. Sie freuten sich wie die Schneekönige über ihren gelungenen Coup. Das fällt auch nur jungen Männern ein. Die frischen Brötchen vom Bäcker hatten sie schon dabei.

Im Laufe des Freitags trudelten noch weitere Familienmitglieder und Freunde ein. Der Abend ging noch bis halb drei Uhr nachts. Eine fröhliche, diskutier- und trinkfreudige Runde. Eine Sorte Weißwein war am Ende des Abends schon leergetrunken. Die Hausfrau sah es mit halb lachendem, halb weinenden Auge und dachte: Ob mein Wein wohl reicht? Meine Weinvorräte waren eigentlich reichlich. Das Weizenbier wurde anderntags nochmals nachgekauft. Die Gartenzelter übernachteten tatsächlich im Zelt.

Am Samstagmorgen und frühen Nachmittag, insbesondere unter Mithilfe von zahlreichen zupackenden jungen Männern, Zelt, Beleuchtung, Musik und Deko aufgebaut. Das ist für mich immer der schönste Teil: Das einträchtige gemeinsame Anpacken, das Aufbauen, das Schönmachen, das Wetteifern um die besten Ideen und ein Bonmot jagt das nächste. Neffen und Söhne einträchtig miteinander werkelnd, fröhlich, handfest, ein gemeinsames Ziel. Richtig schön ist es geworden. Die Party fing schleichend an. So einen richtigen Anfangszeitpunkt gab es nicht. Wer da war, war da.

Das Fest war gut bis perfekt. Viele sind lang geblieben. Wir haben bis 3.00 getanzt, musste die Sesselhocker aber erst aus ihren Sitzen bewegen. Die Gäste waren mit meiner Playlist sehr zufrieden, noch mehr erstaunt über die Technik. Mit Hilfe des Freundes meines Sohnes, der gekellnert hat, hat die Logistik im Festgebiet zwischen Küche, Wohnbereich, Terrasse und Zelt reibungslos geklappt. Die Kirschbowle, zu der ich mich kurzfristig entschlossen hatte, war ruckizucki weg, bekommt man schließlich nicht jeden Tag. Expresso, Kuchen, Torten, Wein, Sekt, Bier, Whisky-Cola, allerlei Kurze: alles wurde von mir aus der Küche hinausdirigiert und von unserem Junior-Hilfskellner zuvorkommend und charmant angeboten und serviert. Er hat dabei auch noch allerhand dazu gelernt. Das Buffet entsprach meinen Vorbefürchtungen, das Übliche halt. Den Leuten hat es geschmeckt, soll mir recht sein, war nicht in meiner Verantwortung. Die diversen Unterhaltungen blieben im Gang, auch zwischen denjenigen, die sich vorher nicht kannten. Der Erste ging, glaube ich um 1.00, so genau weiß ich das nicht. Als ich ins Bett ging, wurde es schon wieder hell.

Sonntag war aufräumen, die ersten Abreisen und Fußball-EM-Endspiel. Von Montag bis Donnerstag Touri-Programm für diejenigen, die länger geblieben sind. Manche brauchten 11 Stunden für die 800 km Rückweg, 2 Stunden Vollsperrung auf der Autobahn inklusive. So schön es war, die Reise ist immer eine Strapaze.

Und ich? Ich bin in einem Erschöpfungsloch, laufe wie in einem Müdigkeitsnebel, durch den es nicht mehr so richtig klar wird. Am Montag muss ich wieder arbeiten. Hoffentlich lässt jemand eine Hebebühne herunter, um mich wieder aus der Tiefe ins Klare zu holen. Ein Seil in die Grube reicht nicht, da braucht man ja Kraft, um sich wieder herauszuhangeln. Als Arbeitstier muss ich wahrscheinlich nur meinen natürlichen Instinkten folgen und es wühlt mich von selbst heraus. Wir werden sehen. Montag ist ja noch lang…

Party Schlacht

Befreiung

Sohnemann hat gestern schriftliches Abitur
mit der Mathematikprüfung abgeschlossen.
Ich freu mich für ihn,
dass es vorbei ist,
dass der Druck abgefallen ist und
dass Schule bald für ihn Geschichte ist.

Ich kann ihn nur loben!
Er hat den Prüfungsmarathon
sorgfältig geplant, konzentriert gebüffelt und
beherzt durchgezogen.

Ich habe Schule immer als Unterdrückungs- und
Lehrerwillkür- und Zwangsbetrieb empfunden.
Auch wenn man das nicht vermuten würde,
ich habe Schule immer gehasst.

Ich kann mich noch genau erinnern,
wie froh ich war,
wie entfesselt,
als ich diese Einrichtung,
mit der Kind 12 Jahre zwangs leben muss,
hinter mir lassen konnte.

Sohnemann ist beim Anfeiern,
das Mündliche kommt zwar noch,
aber das läuft,
kam die Wasserstandsmeldung über Whatsapp.

Schule ist also tatsächlich fast Geschichte für mich.
15 Lebensjahre hat es gedauert mit meinen Kindern,
insgesamt also 28 Jahre meines Lebens.
Fürchterlich lang, für eine Einrichtung,
die einen einengt.

Ich feiere innerlich mit.
Auch für mich ist es
ein erneuter Schritt der Befreiung.
Grund zum Feiern!

Befreiung!

 In heiliger Pracht, aus dem Schoße der Morgenröte wird dir der tau deiner Jugend kommen ( Ps 110,3 )