Leben nach dem Tod – Das Sterben und Lachen der Beate

Es gibt viele Menschen, die haben Angst vor dem Tod oder denken, nach dem Tod ist das Nichts. Sie fragen nach „Beweisen“, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

Ich möchte eine Geschichte erzählen, eine Geschichte von einer Frau, deren Sterben Hoffnung geben kann. Sie kann zeigen, wie der Glaube die Angst vor dem Sterben heilen kann. Es ist die Geschichte von Beate. Ich bin sicher, es ist in ihrem Sinne, dass ich sie erzähle, da sie vielleicht dem ein oder anderen eine Hilfestellung ist.

Es ist Karwoche, immer eine dichte Zeit, in der Gottes Gegenwart besonders zu erfahren ist.
Ich stehe in der Auffahrt des Klosters als zu meiner Überraschung Beate mit dem Taxi vorfährt. Ich warte bis sie bezahlt hat und aussteigt. Beate ist klein und zierlich. Als ich sie in den Arm nehme, erschrecke ich. Sie ist nur noch Haut und Knochen, so richtig drücken mag ich sie gar nicht, ich habe Angst, sie zu zerbrechen. Wir freuen uns beide sehr, denn wir hätten beide nicht gedacht, dass wir uns noch einmal wiedersehen.

Beate ist schwer krank. Sie hat Krebs. Erst vergangenen August war es festgestellt worden. Im Dezember wäre sie fast schon gestorben. Aber sie war noch nicht bereit, noch nicht. An Neujahr schickte ich ihr ein Päckchen mit lauter kleinen Sächelchen, von denen ich wusste dass Beate sich daran festhalten konnte: einen Haselzweig, einen Stein, einen Ast, ein paar getrocknete Blätter, am Ast getrocknete Wildbeeren, Bibelversbonbons und andere Kleinigkeiten, auf die mein Auge vor dem Kloster gefallen war. Sie werden ihr Kraft geben, dachte ich, sie kommen von einem Ort, den wir beide als Kraftort empfinden. Ich brauchte einen ganzen Tag, um den Brief an sie zu schreiben. Was schreibt man einer Frau, die auf Abruf lebt? Kneifen wollte ich nicht.

Beate ist zäh und will noch nicht sterben. Ich verstehe das zwar nicht so ganz, wieso sie so eisern kämpft. Sie weiß doch auch, dass, wo sie hingeht, kein Schmerz mehr ist. So schreibe ich ihr, dass jeder den Weg bergauf in seinem eigenen Tempo gehen muss, zwischendrin vielleicht in ein Gewitter kommt oder sich ausruhen muss. Wenn du irgendwann oben ankommst, Beate, da bin ich ganz sicher, wartet eine warme Stube auf dich. Gute Reise Beate.

Und nun steht sie tatsächlich vor mir. Sie ist immer noch unterwegs nach oben. Wir gehen den Weg zum Kloster hinauf, zwischendrin muss sie anhalten, um Atem zu schöpfen. Sie ist schwach, hat aber eine Willensstärke, die man ihr auf den ersten Blick nicht zutrauen würde.

An Karfreitag gehen wir gemeinsam den Kreuzweg durch den Wald. Ich hake sie unter. An den verschiedenen Stationen singen wir aus einem Blatt. Den Impulstext überlässt sie mir achtlos. Ich spüre, solcher Art Dinge sind nicht mehr wichtig für sie. Sie feiert zum letzten Mal Karfreitag. Sie weiß es und ich weiß es.

Der Ostersonntag ist ein wunderschöner Frühlingstag. Strahlend blauer Himmel. Ich setze mich mit Beate auf die Wiese, wir lassen uns von der Sonne bescheinen und schauen den Menschen zu, die sich um das Kloster tummeln.

Beate erzählt und sagt, wir seien Seelenverwandte. Da fasse ich Mut und frage sie: Beate, wie ist es, wenn man stirbt? Wie ist das, wenn man schon für tot gehalten wird? Was passiert da? Und Beate erzählt.

Sie erzählt von der Achtlosigkeit der Menschen, die sich darüber unterhalten, dass sie tot ist. Man schwebe quasi über der Szenerie. Sie sieht und hört die Menschen von ihrem Tod reden. Sie findet das unglaublich. Der Widerspruch liegt auf ihren stummen Lippen. Schon das allein hält sie im Leben. Ich spüre ihre Empörung.

Ich löchere sie mit Fragen, ich will mein inneres Wissen mit dem abgleichen, was sie erfahren hat und sie gibt bereitwillig Auskunft, wir gleichen gemeinsam ab.

Sie erzählt davon, wie vor einem das eigene Leben wie ein Film abläuft, das Gute, das Böse, die Missetaten. Das sei heftig, sagt sie. Es sei kein Strafgericht, aber man muss sich alles ansehen. Man erschrickt vor sich selber. Sie hat keine Angst empfunden, eher ein schonungsloses wahrheitsgemäßes sich ins eigene Antlitz blicken, in die eigene Seele. Sich ungeschönt zu sehen, ist nicht unbedingt schön. Kein Vorwurf von irgendwem. Man muss vor sich selbst Rechenschaft ziehen. Und das Maß ist die ungeschönte Wahrheit. Das ist das Reinigungsbad, durch das uns Gott schickt, sein „Gericht“ ist unser eigenes Gericht über uns selbst.

Dann erzählt sie etwas, was mir neu ist: Sie sagt, man bleibe zusammen, man bleibe ganz. Man verliere alles Menschliche, die Person, aber das Wissen von sich als Ganzem bleibe erhalten. Ich wusste sofort, das war der Baustein, der mir gefehlt hatte. Das lässt mich zu meinem Vater, zu meinem Schöpfer gehen als „mich“. Ich löse mich nicht auf, ich bleibe – irgendwie – erhalten.

Als wir uns trennen, sind wir beide aufgewühlt. Es war das letzte Mal, dass ich Beate gesehen habe.

Die folgenden Wochen hatte sie noch ihr Leben aufzuräumen, begleitet, auch geistlich begleitet, von Einem, dem sie vertraut hat, der ihr geholfen hat, das loszuwerden, das sie bisher noch festgehalten hat.

Beate hat sich sorgfältig auf ihren Tod vorbereitet, Kerzen bastelnd, Engel malend. Sie hat bestimmt, was auf ihrem Sterbekärtchen stehen sollte. Auf dem Bild, das sie lächelnd kurz vor ihrem Tod zeigt, sieht man in ihren Augen schon den Glanz und das Leuchten der Ewigkeit. Jetzt war sie bereit.

Als der Augenblick ihres Sterbens da war, haben sich, wie von ihr erbeten, die Schwestern und Ärzte um ihr Bett versammelt, ihre selbstgebastelten Kerzen angezündet und das Lied gesungen, das sie hierfür ausgesucht hatte. Als es verklungen war, war sie auf dem Gipfel des Zionsberges angelangt und ihrem Schöpfer in die Arme gesunken.

Das letzte Stück ist sie leicht gegangen, ohne Schmerzmittel, das Ziel vor Augen, bereit loszulassen, den letzten Schritt zu tun, ohne Angst. Beate wusste, dass sie nicht ins Nichts geht. In Beate war ein Wissen von Gott, ein tiefer Glaube, ein starkes Vertrauen in Gott. Beate wurde 49 Jahre alt.

Beate ist in einem ganz normalen Krankenhaus gestorben. Die Ärzte und Schwestern haben ihren letzten Willen respektiert und sie tatsächlich hinüber in ihr neues Leben gesungen. Gegenwärtiger kann Gott nicht sein. Deshalb habe ich von Beates Leben und wunderbarem Sterben erzählt. Damit wir an ihr lernen. Das gibt ihrem Sterben einen Sinn.

Ich höre, wie sie zustimmt und lacht, ein strahlendes, alles überwindendes Lachen von dort, wo auch ich hingehen werde.

Gipfelankunft

Seele

Achtet ernstlich darauf um euer selbst willen, dass ihr den HERRN, euren Gott, lieb habt. 
Josua 23,11
Achtet auf eure Seelen,
dass sie nicht verloren gehen,
nicht verbittern,
nicht vermüllen,
sich nicht verführen lassen,
sich nicht eintrüben,
sich nicht beirren lassen,
dass sie den nicht verlieren,
aus dem sie geboren sind.

Zuversicht

Sei du mir nur nicht schrecklich, meine Zuversicht in der Not! 
Jeremia 17,17
Schrecklich finde ich dich manchmal.
Schrecklich, wenn ich deinem Weg nicht folgen mag,
Schrecklich, wenn ich vor deiner Größe und Macht erschrecke.
Schrecke auch du, mein Gott, nicht vor mir zurück.
Schrecke nicht zurück vor meinen Schwächen und Sünden,
Schrecke nicht zurück vor meiner mangelnden Demut.
Schrecke nicht zurück
vor unseren Zerstörungen,
vor unseren Trümmern,
vor unseren Höllen.
Bleibe meine Zuversicht in aller Not.

Erkenntnis

Ja, was du durch deinen Mund verheißen hattest, das hast du durch deine Hand erfüllt, wie es jetzt am Tage ist.
1.Könige 8,24
Ja, was hast du verheißen, o Gott?
Und dazu noch durch deinen Mund?
Wo steht, was du verheißen hast?
Wer hat es wirklich gehört?
Wer kann es heute noch überprüfen,
ob du gesagt hast, was du gesagt haben sollst?
Legenden?
Positivistisch, historisch, empirisch, wissenschaftlich exakt,
ausgestattet mit neuester Technik wollen sie dir ans Leder.
Wollen sie derart bestätigt, egal in welche Richtung, entscheiden,
ob sie glauben wollen oder nicht?
Dein Wirken, deine Hand, wer hat sie je gesehen?
Sie denken sich deine Hand wie die ihre.
Die Blindheit regiert,
bei allem vermeintlichen Fortschritt der wissenschaftlichen Erkenntnis.
Ist das deine Erkenntnis?
Sie glauben lieber an Kollege Zufall,
an ihre eigene Geistesgröße als an dich, mein Gott.
Du kennst die Litanei.
Alles in deiner Hand, alles so, wie es sein soll,
im Guten wie im Schlechten,
du trägst gelassen, dass sie die Verantwortun

Ausgang und Eingang

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und die Berge werden von süßem Wein triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein. Denn ich will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, dass sie die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen.
Amos 9,13-14
Säen und ernten zu gleicher Zeit.
Anfang und Ende des Wachsens,
Brot und Wein für jeden.
Alles in einem.
So gehen wir, o Herr, aus dir hervor und zu dir zurück,
im beständigen Fluss der Zeit.
Du bist Ausgang und Eingang.
Alles ist in dem Einen.
Veröffentlicht in Allgemein

Gottes Angesicht

Der HERR sprach zu Mose: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.
2.Mose 33,20
Kein Mensch wird leben, der mein Angesicht sieht.
Um mein Angesicht zu sehen, ist ein Sehen notwendig,
über das ein Mensch nicht verfügt.
Ihr denkt, um mein Angesicht zu sehen,
müsst ihr das äußere Auge bemühen.
Damit werdet ihr mein Angesicht niemals sehen.
Auf dass ihr glaubt.
Wenn wir glauben, können wir damit leben.
Wenn wir glaubend sterben, werden wir leben
und sein Angesicht schauen.

Bedenke

Du sprichst: Ich bin unschuldig; er hat ja doch seinen Zorn von mir gewandt. Siehe, ich will dich richten, weil du sprichst: Ich habe nicht gesündigt. 
Jeremia 2,35
Ihr denkt, wenn ich meinen Zorn von euch wende,
ihr seid unschuldig.
Erkennt, dass dies nicht so ist.
Ich habe nur Milde walten lassen,
hatte Erbarmen mit euch.
Denke aber nicht, du hast nicht Unrecht getan,
denke nicht, du seist ohne Schuld,
denke nicht, ich bemerke deine unrechten Taten nicht.
Denke an den Tag, an dem du dir selbst ins Angesicht siehst und dich erkennst.
Denke an den Tag an dem Bilanz gezogen wird.
Denke an den Tag der Wahrheit.

Hüte dich

Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt.
Jesaja 7,4
Hüte dich,
Hüte deinen Mund.
Bleibe still
Bleibe demütig.
Fürchte dich nicht.
Lass die Furcht des Herzens nicht zu.
Habe aber Ehrfurcht vor dem Herrn.
Lass dich nicht irritieren, mein Herz,
von den alltäglichen Störfeuern,
lass leuchten das Feuer des Herrn.
Veröffentlicht in Allgemein

Abschied von der Kindheit

Abschiede sind schwer.
Es gibt große und kleine Abschiede.
Ein großer Abschied ist
der Abschied von der Kindheit.
Für die Mutter,
für den Vater,
für das Kind.
Abschiede heißen verlassen,
Eltern,
Geschwister,
Freunde,
die Bequemlichkeit,
die vertraute Umgebung.,
das Umsorgtsein.
Abschiede verursachen
Unsicherheit,
Bauchgrummeln,
Aufgeregtheit,
Schlaflosigkeit,
Angst.
Bei allen Beteiligten.
Ein Abschied ist immer auch ein Aufbruch.
Wer auszieht,
bricht auf,
in ein verändertes Morgen,
in eine noch im Nebel liegende, hoffentlich rosige Zukunft,
in ein Abenteuer, mit vielen Herausforderungen, und
wenn man jung ist, mit vielen Illusionen im Kopf.
Abschied habe ich heute von meinem Sohn genommen,
mit einem weinenden und einem lachenden Auge.
Er ist von zu Hause ausgerückt und in sein Studentenleben eingerückt.
Sein zartes feines weißes Milchgesicht
muss sich nun selbst in den Alltag stellen,
muss lernen, dass der Kühlschrank sich nicht von selbst füllt,
das Klopapier gekauft sein will und am Sonntag die Läden geschlossen sind.
Er wird viel lernen müssen.
Es wird anfänglich holpern.
Er wird lernen, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Sicher auch Lehrgeld bezahlen.
All das wird ihm sehr gut tun.
Und das ist mein lachendes Auge,
mein lachendes Herz.
Mein Segen über dich, mein Sohn,
Gott möge dich behüten,
er möge dir den Weg zeigen, wenn du gerade verloren bist,
er möge dich erkennen lassen, wenn du fehl gehst,
er möge dich auf die alltäglichen Dinge des Lebens hinweisen, wenn du diese ignorierst,
er möge dir Menschen schicken, die du magst und die dich mögen,
er möge dir das Glück, das er dir in die Wiege gelegt hat, bewahren,
Gottes Segen sei mit dir, jeden Tag.
Amen.

7 Tage hat die Woche

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun. 
2.Mose 20,9.10
Der 7. Tag,
wann ist der, o Gott?
Alle meine Werke soll ich in 6 Tagen tun?
1.000 Jahre hat dein Tag.
Also brauche ich nicht hetzen.

Determination – Selbstbegrenzung

Lieber Luther,
heute fasse ich ein heißes Eisen an. Angeregt wurde ich dazu durch eine Frage bei glauben 2017, an deren Beantwortung sich bis jetzt noch keiner gewagt hat. Es ist die Frage nach der Determination, unserer Determination durch Gott und – anscheinend entgegenstehend – unsere Willens-, Handlungs-, Entscheidungsfreiheit.
Das ist eine hochphilosophische Frage mit vielen Antworten. Eine letztendliche „wahre“ Antwort gibt es nicht. Die Art der Beantwortung der Frage hängt daran, wie man sich zur „Determination“ stellt, welchen Schulen und Denkmustern man folgt. Das heißt, unsere Antwort ist schon von unseren – bewussten oder unbewussten – Prägungen und Festlegungen geprägt. Im Folgenden ein paar Denkanstöße.
Existiert „Welt“ tatsächlich in Ursache mit zwangsläufigen Folgen und Wirkungen oder ist das nur ein Denkschema menschlichen Ursprungs? Eine Hilfskonstruktion, um die Welt für uns erklärbar zu machen? Damit wir die Macht (oder Herrschaft?) über die Welt nicht verlieren? Weil uns das Angst macht, die Macht über die Welt zu verlieren? Ist das nicht ein Denkkonstrukt, das unsere Denkfreiheit einschränkt und in einer Weise kanalisiert, die uns den Blick auf das Universale, auf Gott, verstellt? Brauchen wir auf alles Antworten? Wieso? Gott ist metaphysisch. Jede Antwort, die ihn betrifft, lässt sich empirisch nicht überprüfen. Muss mich diese Diskussion, um Determination überhaupt interessieren oder determiniere ich mich da nicht selbst?
Geht das überhaupt: vollkommene Willens- und Entscheidungsfreiheit? Die neuere Hirnforschung sagt, vollkommene Willensfreiheit gibt es nicht. Sind wir nicht geprägt schon vom Mutterleib an, vom ersten Augenblick meines Entstehens? Werde ich eine Frau oder ein Mann? Habe ich das entschieden? Nein? Wer dann? Zufall oder höherer Wille? Muss ich das entscheiden? Wer zwingt mich dazu?
Die Frage ist also, wenn Gott ist, wenn Gottes Wille ist, wenn ich aus Gott komme und am Ende wieder ganz mit ihm vereint bin, wenn Gott in mir ist und er meine Wege leitet, bin ich dann von ihm bestimmt? Ist das, was ich tue in meinem Willen oder in seinem Willen? Bin ich seine Marionette, sein Werkzeug? Wo bleibt da meine Willens- und Handlungsfreiheit? Bestimmt Gott oder bestimme ich, was ich tue und lasse? Gibt es da eine feste Ursache – Wirkungsabfolge? Beten wir nicht „dein Wille geschehe“? Um die Frage auf den Punkt zu bringen: Ist Gott Ursache, bin ich vorherbestimmt Folge und im meinem Willen, meinen Entscheidungen und in meinem Handeln so bestimmt, das mein Leben genau so abläuft, wie es abläuft oder habe ich da auch noch eine Möglichkeit mitzubestimmen? Wobei man fragen kann, wieso ist das so wichtig für uns, dass wir selbst bestimmen? Dieser Frage will ich aber jetzt nicht nachgehen.
Diese Fragen nach der Determination hängen wie ein Damoklesschwert über dem Gläubigen. Soll ich Glauben Gott ist Realität oder ist er ein menschliches Konstrukt, um unser Wohlbefinden zu verbessern, etwas, an das wir uns klammern können, um uns von unserer Verantwortung für das Hier und Jetzt davonzuschleichen und uns die Angst vor dem Nichts nach dem Tod zu nehmen?
Gott ist unser Ausgangs- und Endpunkt. Heißt das zwangsläufig, wir sind von ihm in all unserem Tun, Entscheiden und Handeln von ihm bestimmt? Das das was ist, zwangsläufig so ist und nicht anders sein kann. Oder ist es nicht so, dass ich aus freiem Willen ihm nachfolge, Jesus nachfolge. Das Bild von Gott als Vater hilft uns bei dieser Nachfolge, da wir – idealerweise – mit Vater Liebe und Sorge verbinden. Ob Vater oder Mutter spielt hier absolut keine Rolle. Das ist eine Prägung auf „Eltern“, die schon im Mutterleib beginnt. Nicht nur wir, sondern auch Tiere haben sie. Gott ist mein freier Wille, meine freie Entscheidung, mein freies Handeln. Alles an Gott und meinem Verhältnis zu Gott ist eben nicht determiniert, sondern ist vollkommen frei. Ich muss nicht an ihn glauben, ich muss ihm nicht nachfolgen. Auch in der Art, Gott zu denken, bin ich vollkommen frei. Keiner kann mich zwingen, einem kirchlichen Dogma, einer Lehrmeinung zu folgen, keiner kann mich zwingen für wahr zu halten, was in der Bibel steht. Ich bin darin frei und eben nicht determiniert. Ein Blick in die Realität zeigt, dass das auch der Lebenswirklichkeit entspricht.
Gott wirkt, bewirkt. Auch das ist für den gläubigen Menschen eine Tatsache. Aber ist das eine Ursache-Wirkung-Bestimmtheit des Menschen? Oder ist es gerade umgekehrt: Mensch bestimmt und Gott folgt? Eine interessante Umdrehung der Verantwortlichkeiten.
Der Mensch als Wesen und im Wesen Teil von ihm Seiender, entscheidet, handelt, gut oder böse oder in Abstufungen dazwischen, voll verantwortlich für all sein Tun. Gott erkennt dieses Entscheiden und Tun des Menschen in all seinen Folgen und ist beim Menschen in all seinen Entscheidungen und Folgen. Gott ist mit uns, was immer wir tun. Er folgt uns, auch wenn wir ihm nicht folgen. Gott hat uns volle Handlungs-, Entscheidungs- und Ausführungsvollmacht gegeben: Macht euch die Erde untertan. Er folgt uns mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Gott bewirkt an uns seine Liebe als Echo auf unser selbstverantwortliches Tun. Er muss dies zwangsläufig tun, will er uns nicht verlieren. Auch das ist Lebensrealität.
Gott ist die Liebe, das ist ein für den Glaubenden wahres Wissen. Nicht nur Gott ist die Liebe, auch der Mensch will Liebe erhalten, von anderen Menschen, von Gott, von einem selbst. Mensch will Liebe geben und wenn er Liebe gibt, ist er ganz bei sich selbst. Liebe geben und Liebe nehmen, aktivieren im Gehirn die gleichen Regionen, und nicht nur im Gehirn, auch in unserem Herzen. Das ist der Punkt, in dem wir ganz bei uns sind und ganz bei Gott. Unbestimmt, frei, ohne Abgrenzung, ohne Getrenntsein.
In Liebe zu leben – äußerer und innerer, ist das universale Prinzip, ist die Vereintheit von Gott und Mensch. Das ist der Schnittpunkt zwischen Mensch und Gott. In ihm sind Gott und Mensch eins, absolut in Übereinstimmung und Frieden miteinander. Es gibt in diesem Punkt keine Ursache und Wirkung, kein oben und unten, keine Zeit, keine Willens-, Handlungs- und Entscheidungsfreiheit und auch keine Notwendigkeit, diese zu haben. Dort gibt es kein Gott und ich, keine Getrenntsein, kein Dualismus, kein Ursache-Wirkungsprinzip. Es ist ein SEIN, ein EINS-SEIN, ein GEMEINSAM-SEIN. Ist das nicht das Paradies?
Lieber Luther, „Determination“ kommt aus dem Latein und heißt „abgrenzen, „bestimmen“, „begrenzen“. All das ist Gott, die Beziehung zu Gott, unsere Bestimmung in Gott eben nicht. Kann Mensch das nicht lassen, sich selbst zu begrenzen? Sich hin zu Gott zu begrenzen, sich von ihm abzugrenzen. Es fühlt sich gut an Gott und Glaube in Freiheit, in gedanklicher Unbegrenztheit zu leben.
Gott ist mein Anfangs- und Ausgangspunkt, Gott wirkt, Gott ist die Liebe, in der es kein Getrenntsein, keine Bestimmtheit, keine Determination, gibt. Aber ich glaube du weißt das.
Herzliche Grüße
Deborrah

Klein und Groß

Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!
Psalm 139,17
Schwer, sind deine Gedanken für mich,
schwer zu verstehen,
schwer zu vermitteln,
schwer zu ertragen, manchmal.
Ich bin zu klein, um ihre Größe wirklich zu erfassen.
Ich bin zu schwach, um sie mit ihrem ganzen Gewicht zu transportieren,
Ich bin zu wenig selbstlos, um mich ganz der Summe deiner Gedanken zu unterstellen.

Tau

Gott spricht: Ich will für Israel wie ein Tau sein, dass es blühen soll wie eine Lilie und Wurzeln schlagen wie (ein Gewächs) des Libanon .
Hosea 14,6
Blumenstreit,
Pflanzenstreit.
Gelehrtenstreit.
Wie soll Israel wachsen:
Rose, Lilie, Hyazinthe, Schwertlilie, Narzisse.
Wurzeln wie der Libanon,
Pappel, Zeder, Gewächs des Libanons?
Eitelkeiten, die da blühen.
Besserwisserei.
Ob Rose, Lilie, Pappel, Zeder oder sonst ein Gewächs,
ob etwas wächst in Gottes Land,
egal ob Acker, Weinberg, Stadt oderTempel:
Der Tau spendet das Leben,
das reine Wasser,
das nach der Nacht den Morgen bringt,
egal, welche Pflanze wir sind und
wo wir Wurzeln schlagen.

Stummer Schrei

Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens. 
Psalm 116,1
Der Herr,
er hört meine Stimme, auch wenn sie erstummt ist,
er hört mich, wenn ich verstummt bin,
er hört jeden stummen Schrei, der aus mir dringt.
Liebe ich ihn, weil er mich erhört oder
liebe ich ihn, weil er mich hört.
Liebe ich ihn auch ohne „weil“?

24 Lichter für Verlassene

Guter Gott, unser aller Vater, sei bei denen,
die vor den Trümmern der Vergangenheit stehen,
in der Gegenwart am Untergehen sind und
kaum in die Zukunft zu blicken wagen.
Der Herr lasse sein Licht leuchten über dich,
er erhelle deinen Tag 24 Stunden mit seinem Licht,
und zünde in jeder Stunde am Tag ein Licht für dich an:
1 Licht weise dir den Weg durch den Tag.
1 Licht trockne deine Tränen.
1 Licht umhülle dich mit Wärme.
1 Licht lasse deine Trauer verblassen,
1 Licht mildere deinen Zorn.
1 Licht bringe deine Eifersucht zum Schweigen.
1 Licht heile deine Verletzungen.
1 Licht erhebe dich aus der Demütigung.
1 Licht verschaffe dir eine Atempause.
1 Licht gebe dir Kraft.
1 Licht erhelle deine Dunkelheit.
1 Licht vertreibe deine Angst.
1 Licht lasse die Zuversicht in dir nicht ausgehen.
1 Licht für das Schöne am Tag.
1 Licht für ein Lachen.
1 Licht schicke dir Menschen mit einem weiten Herz.
1 Licht erhelle deine Seele.
1 Licht, damit du weißt dass du nicht verlassen bist.
1 Licht erinnere dich daran, dass du vor Gott ganz und unbeschädigt bist.
1 Licht für die Gewissheit, dass er dich auffängt.
1 Licht für ein demütiges Herz.
1 Licht, damit du auf Gott hoffen kannst.
1 Licht, damit du sein Licht erkennst.
1 Licht, das über dir wacht, auch wenn du schläfst.
Dank sei dir, o Gott,
für dieses Lichtermeer und
gib, dass es die Dunkelheit vertreibt.

Arm

HERR, sei unser Arm alle Morgen, dazu unser Heil zur Zeit der Trübsal!
Jesaja 33,2
Herr, leihe uns deinen Arm,
jeden Morgen,
so dass wir uns auf dich stützen können.
Herr, sei unser Heil,
jeden Morgen,
so dass wir heilen können.
Veröffentlicht in Allgemein

Reine Lippen

Dann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des HERRN Namen anrufen sollen und ihm einträchtig dienen. 
Zefanja 3,9
Reine Lippen,
wahre Rede,
keine Lippenbekenntnisse.
Bekennende Lippen.
Worte, denen Taten folgen,
Taten, die den Worten folgen.
Ohne Falsch.
Veröffentlicht in Allgemein

Morgenröte

Höret auf mich, ihr Verzagten, die ihr fern seid vom Heil: Schon lasse ich nahen mein Heil, es ist nicht fern.
Jesaja 46,12-13
Hört,
die ihr fern seid vom Heil,
mein Heil ist nicht fern.
Klingt wie ein Hauch von Morgenröte,
der das Ende der Nacht ankündigt
und durchhalten lässt
bis zum Morgen.
Veröffentlicht in Allgemein