Zugehaltene Hand

Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder. 
5.Mose 15,7
Du sollst dein Herz nicht verhärten,
deine Hand nicht zuhalten,
gegenüber deinem Nächsten,
gegenüber dem, der dir am Nächsten ist.
Damit dies nicht passiert,
ist manchmal Klartext notwendig.
Es hilft nur dann,
wenn der Satz auch beim Nächsten Gehör findet.
Nur dann wird
ein offenes Herz und
eine offene Hand auch
zu einem Liebespfand.

Hannemann, geh du voran

Aktiv und Passiv kennen wir aus der Grammatik.
Das Aktiv wird geprägt von der handelnden Person.
Das Passiv kommt ohne Handelnden aus.
Es gibt aktive und passive Menschen.
Die aktiven Menschen sind immer in Bewegung,
die passiven lassen sich von den aktiven bewegen.
Muss in solch einem Gespann immer der Gleiche vorangehen,
wird dieser irgendwann müde,
müde des Bitten und Bettelns:
Komm, hilf doch mit.
Schaut der eine weiter tatenlos zu, wie der andere sich abmüht,
überlässt jegliche Anstrengung dem anderen,
bis dieser fast nicht mehr kann,
sieht, dass der andere fast in die Knie geht,
lässt ihn trotzdem im Stich,
Hannemann, geh du voran, ich halt mich fein zurück.
Mal sehen, was du tust und ich entscheide dann,
ob, was du tust, mir passt oder nicht.
Hannemann ist dem völlig ausgeliefert und
kommt langsam ins Grübeln.
Ist das Partnerschaft?
Sieht so Liebe aus?
Nur im Passiv funktioniert Beziehung auf Dauer nicht.
Lebendige Beziehung braucht handelnde Personen.
Wenn der eine müde ist, muss der andere einspringen.
Wenn der andere sich dauerhaft verweigert,
gibt es irgendwann kein Aktiv und Passiv mehr.
Da hilft auch kein Blick in die Grammatik.
Die Beziehung ist am Ende mit ihrem Latein.
Trotz aller Liebe.

Kirchentag

Ich kehre wieder an die Wurzeln dieses Blogs zurück, so sehe ich das jedenfalls, als eine Art Pilgerreise. Ich habe mich ganz spontan entschlossen, mir eine Karte für den Kirchentag zu bestellen. So spontan wie meine Entscheidung zu pilgern. Ohne lange zu zögern. Erst die Entscheidung, dann die Planung.
Wieso, weiß ich nicht so richtig. Als ich zu meinem Erstaunen entdeckt habe, dass ich nächste Woche nur Montag und Dienstag arbeiten muss, hatte ich zwei Möglichkeiten: In den Garten gehen und dort werkeln oder Kirchentag. Erstaunlicherweise habe ich mich für den Kirchentag entschieden.
Eigentlich mag ich keine Großveranstaltungen.
Eigentlich mag ich keine Großstädte.
Eigentlich mag ich keine Großtuerei.
Gute Voraussetzungen also für eine Pilgerreise. Sie ist eine Herausforderung. Ich war noch nie auf einem Kirchentag. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass ich mich dort wohl fühle. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man sich da ausruhen kann, was ich eigentlich dringend nötig hätte.
Also bin ich sehr gespannt, was mich da hintreibt. Ich werde – natürlich – hier ein Pilgerprotokoll führen.
Erstaunlich auch, wie vergleichbar doch die Vorzeichen sind, fast ein Spiegelbild, aber wie unterschiedlich das Unterfangen: damals raus in die Stille, heute rein in den Trubel.
Irgendwie scheint der Vogel sein Nest verlassen zu müssen.

Rutschpartie der Gefühle

Eigentlich, dachten wir, der Winter ist jetzt wirklich vorbei.
Wenn man in die Natur schaut, könnte man dein Eindruck gewinnen.
Aber es ist heute Abend wieder sehr kühl.
Lieber Gott,
das entspricht der Rutschpartie meiner Gefühle.
Rauf und runter,
hin und her,
wohlig warm, dann Eiseskälte,
voller Sonne, tiefste Finsternis,
Optimismus, Realismus, Pessimismus.
Munter schüttelst du mich durch deinen Kosmos.
Weißt du, lieber Gott, ich bin es müde.
Weißt du. lieber Gott, das geht an die Substanz,
Weißt du. lieber Gott, ich habe darauf keine Lust mehr.
Weißt du lieber Gott, ich bin mit meiner Kraft langsam am Ende.
Weißt du lieber Gott, du musst dich meiner sicher sein, wenn du mir das alles zumutest.
Kannst du dich vielleicht mal entscheiden?
Ach ja, dann kommen noch die Schlaumeier, die sagen, komm aus deinem Wolkenkuckucksheim. Solange du Gefühle hast, bist du sowieso falsch. Da bedienst du dich nur selbst. Langsam denke ich, sie haben Recht.

recht gerecht

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.
Psalm 145,17
Der Herr und sein Recht. Ich habe mir schon einige Male darüber Gedanken gemacht:
Recht und Gerechtigkeit sind zusammen zu denken. 
Nur durch dein Recht und Gericht werden wir gerecht.
Im Gericht erfahren wir deine Barmherzigkeit.
Welcher Weg es auch ist, es ist dein gerechter Weg.
Welches Werk du auch an uns tust, du bist uns darin gnädig.
Wie würde es uns erst ergehen
ohne deine gerechten Wege und
ohne deine gnädigen Werke?

Ich will

Ich will unter euch wandeln und will euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. 
3.Mose 26,12
Ich will.
Ich will.
Ihr sollt.
Du willst.
Du willst.
Wir sollen.
In deinem Reich gibt es einen HERRN, der herrscht.
Wir dürfen gehorchen und demütig sein.
Wie hieß es gestern in der Predigt?`
Er wollte keinen Tyrannen.
Deshalb hat er zwei geschaffen: Adam und Eva.
Das gilt nur für die Knechte.
Ich weiß, manchmal bin ich undankbar.
Ich bin Mensch,
so hast du mich geschaffen,
so musst du mich nehmen.
Ich will demütig sein,
Ich will gehorchen,
Ich will Geduld haben,
aber ich kann nicht immer.

Sonnenglühen

Ich stehe vor diesem Frühling wie der sprichwörtliche Ochse vor der Apotheke.
Ich kann nichts mit ihm anfangen.
Das Herz will mir nicht aufgehen,
so sehr sich meine Augen auch anstrengen.
Die Furcht des HERRN.
Wer sie kennt,
weiß, dass dagegen kein noch so grünes Kraut gewachsen ist.
Eine Ahnung, ohne Anlass.
Wie ein Vorglühen.
Meine Erfahrung sagt, irgendetwas wird kommen.
Mein Gefühl sagt mir, die nächste Katastrophe.
Ich merke, wie ich schon tief Luft hole, um mich zu wappnen.
Ich kann weder weglaufen noch mich verstecken.
Die Furcht des HERRN ist zum Fürchten.
Hoffentlich verglühe ich nicht.
Den einen oder anderen Ast,
an dem ich mich halten kann,
brauche ich noch.
Lieber Gott, bedenke das.

Übergangszeit

Man könnte denken, der Winter sei vorbei,
lange genug hat er uns gekühlt.
Schaue ich aus dem Fenster,
strahlender Sonnenschein,
gehe ich hinaus,
fröstelt mich.
Wir haben äußere Jahreszeiten und innere Jahreszeiten.
Beide Sonnen strahlen nicht im gleichen Takt.
Die äußere Sonne scheint nur warm,
sobald ich mich von ihr verführen lasse,
zeigt sie ihr kaltes Gesicht.
Eigentlich nehme ich ihr das übel.
Ist das meiner Ungeduld geschuldet?
Die Sonne wärmt nur,
wenn auch sie aus dem Winterschlaf erwacht ist.
Auch sie braucht ihre Zeit,
um höher am Horizont zu steigen.
Frühlingssonne, so richtig traue ich dir noch nicht.
Frühlingssonne, so richtig wärmst du mich noch nicht.
Frühlingssonne, so richtig hast du mich noch nicht herausgelockt.
Noch bin ich hier drin und du da draußen,
aber irgendwann wird aus uns ein Paar.
Übergangszeit ist auch eine Jahreszeit.
Voller Sehnsucht,
Voller Erwartung
Voller Hoffnung.
Die Zeit zwischen Ostern und Himmelfahrt ist eine Übergangszeit.

Taube, Stumme und Blinde

Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten.
3.Mose 19,14

Denn der Taube kann nichts dazu,
dass er nicht hören kann.
Der Stumme hat nicht gelernt zu beten.
Der Blinde kann nichts dafür,
dass er nicht sieht.

Wer einem Kranken
seine Krankheit zum Vorwurf macht,
tritt Gottes Gnade mit Füßen,
der muss Gott fürchten,

aber nicht der Taube,
nicht der Stumme,
nicht der Blinde.

Ihnen gehört Gottes Vergebung.

Wie ein Fisch

Wie ein Fisch Sauerstoff braucht,
braucht auch der Mensch Luft zum Atmen.
So schwimmt er auf das Licht zu,
weil er denkt, dort gibt es Luft zum Atmen.
Jedoch, er landet nicht da, wo er hin will,
sondern auf dem Trockenen und erkennt,
er braucht das Wasser wie die Luft zum Atmen.
Hoffentlich, denkt der Fisch,
kommt bald die Flut,
die mich mitnimmt ins Wasser,
so dass ich wieder beides habe,
Wasser zum Schwimmen und
Luft zum Atmen.

Fürchte dich nicht

Du nahtest dich zu mir, als ich dich anrief, und sprachst: Fürchte dich nicht!
Klagelieder 3,57
Fürchte dich nicht vor dem, was war.
Fürchte dich nicht vor dem, was ist.
Fürchte dich nicht vor dem, was kommen wird.
Wenn du mich brauchst, bin ich da und stütze dich.
Wenn du selbst gehen kannst, bin ich da und begleite dich.
Wenn du dich verrennst, bin ich da und führe dich auf den rechten Weg zurück.
Denn ich bin bei dir, alle Tage, bis an der Welt Ende.

Anrufung

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. 
Psalm 138,3
Ich rufe dich an, wenn meine Seele in Not ist,
Weil ich weiß, dass du mich auffängst.
Ich rufe dich an, wenn ich keinen Ausweg mehr sehe.
Weil ich weiß, dass du mir einen Weg zeigst.
Ich rufe dich an, wenn ich ruhig werden will.
Weil ich weiß, dass du mich tröstet.
Ich rufe dich an, wenn ich ausgelaugt bin.
Weil ich weiß, dass ich bei dir ausruhen kann.
Ich rufe dich an, um mich in deine Hand zu legen.
Weil ich weiß, dass ich bei dir gut gehalten bin.

Schöpfung

Und Gott war das Wort
Und schuf die Welt,
Und schuf sich in der Welt.
Er gab das Licht und in den Tiefen der Erde das Feuer.
Er gab die Weiten der Meere und die Wasserquellen.
Er gab festen Boden unter den Füßen und die Abgründe.
Und den Menschen gab er Geist und Wort.
Und die Freiheit seinen Geist zu atmen
Und sich zu entscheiden.
Für sein Wort.

Gottes Waffen

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. 
Sacharja 4,6
Die Waffen Gottes haben eine scharfe Klinge,
die aber nicht aus Stahl ist.
Er streitet nicht mit Gewalt,
sondern tut Gerechtigkeit an.
Er kennt alle, die für ihn in seinem Namen streiten,
beim Namen und führt ihnen die Hand.
Er lässt sie das Richtige tun,
damit sein Wille geschieht.

Fels

Simon Jona, hast du mich lieb? Ja, das weißt du doch.
Simon Jona, hast du mich lieb? Ja, das weißt du doch.
Simon Jona, hast du mich lieb? Ja, du weißt alle Dinge.
(Joh 21,15 ff)
Auch wenn der Stein zum Felsen wird, bleibt er Mensch,
Auch wenn der Mensch nicht immer felsenfest ist, bleibt er dennoch Fels.
Auch wenn man sich auf dem Felsen manchmal blutige Knie holt, bleibt er meine Heimat.
Felsen sind so fest in einem verankert, dass sie nicht zur Disposition stehen.
Kein Sturm kann sie einem austreiben.
Darin bin ich felsenfest.
Habe ich dich lieb? Dreimal Ja.
Auch wenn Felsenmensch hin und wieder wie ein sturer Schafsbock daherkommt.