Skandalon

Lieber Luther,

„Wir wollen, dass du uns tust, was wir dich bitten“. Wie oft sagen wir das zu Gott, wie oft beten wir das zu ihm? Und was wollt ihr? Wir wollen, dass wir zu deiner Linken und zu deiner Rechten sitzen! Jesus sagt: Ihr wisst nicht, was ihr bittet.

Das ist bis heute so, lieber Luther. Schon die Übersetzungen des Bibeltextes, um den es geht, Mk 10, 35-45, passen in diesen Tenor. Ihr wisst nicht, was ihr bittet, weil ihr immer noch nicht versteht, was ich sage. Man hört Jesus förmlich aufstöhnen. Der Text, so wie er deutsch da steht, verstellt völlig, was Jesus den Jüngern eigentlich sagen wollte. Man hat den Eindruck, es ist einfach nachgeplappert, was einer einmal falsch vorgeplappert hat. Das entdeckt man erst, wenn man sich der Mühe unterzieht, sich den Text Wort für Wort zu erschließen. Dann bekommt er einen ganz anderen Sinn, der absolut konsistent zu Jesu Selbstverständnis ist, aber nicht unbedingt zu dem passt, was Jesu hier zugeschrieben ist. Es ist hinzu – geschrieben, verfälscht. Wieso? Jesus erklärt es im heutigen Predigttext. Weiterlesen „Skandalon“ →

Rechnung ohne Wirt

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts! 
Jesaja 29,16
Ihr meint,
Gott tanzt nach eurer Pfeife,
macht eure Meinungen zu seinen,
ihr sagt, er sei ein grausamer Gott,
er sei nur Einbildung,
meint, ihr könnt euch ein Urteil über ihn erlauben,
behauptet, er gebe jedem einen Freibrief,
denkt, ihr entscheidet, was entscheidet,
macht euch selbst zu einem Gott:
Es war noch nie ratsam,
die Rechnung ohne den Wirt zu machen.

Stärke

Lieber Luther,

Lätare, freue dich, dieser Ausruf passt perfekt zum Predigttext dieses Fastensonntages (Joh 12, 20-33). Wie das? Ist da nicht von einem Weizenkorn die Rede, das sterben muss? Und ist dieses Bild nicht auf Jesus gemünzt, auf seinen grausamen Tod? Von Verherrlichung ist außerdem die Rede. Was heißt das alles und wieso ist das ein Grund zur Freude? Aber der Reihe nach. Weiterlesen „Stärke“ →

Mitte

Mose sprach: Hab ich, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der Herr in unserer Mitte. 
2.Mose 34,9

Sei unsere Mitte, o Gott,
damit wir im Gleichgewicht bleiben,
gehe in unserer Mitte,
damit wir dich nicht verlieren,
nimm uns in deine Mitte,
damit wir in dir gesammelt sind.
Mitte, Gleichgewicht, Gott, Sammlung

Strandgut

Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen. Ich will das Verwundete verbinden und das Schwache stärken. 
Hesekiel 34,16

Wer immer verloren scheint,
den gibt Gott nicht auf,
wer sich auf Irrwegen befindet,
den gibt Gott nicht auf,
wer sich selbst verliert,
den gibt Gott nicht auf.

Wen Gott sucht, den findet er auch.

Aktienkurs

Rosse helfen nicht; da wäre man betrogen; und ihre große Stärke errettet nicht. Siehe, des HERRN Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen. 
Psalm 33,17-18
Was wir als Stärke erachten,
ist unsere Schwäche,
gefährdet uns.
Reichtum
versklavt,
korrumpiert,
macht abhängig.
Alles Geld nützt vor Gott nicht,
Gott misst Bettler und Milliardär
mit gleichem Maß.
Der Aktienkurs mag noch so steigen,
wenn wir bei Gott schlechte Aktien haben,
stehen wir vor dem Nichts.

Gleich, vorher muss ich noch …

Lieber Luther,

Auf den ersten Blick sieht es im Predigttext zum Sonntag Okuli (Lk 9, 57-62) so aus, als ob Jesus ein bisschen aufstöhne und sage, jeder Fuchs hat einen Bau, in dem er schläft, jeder Vogel ein Nest, in dem der die Nacht verbringt, aber ich, der arme Wanderprediger, weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafen kann. „Modernisierte“ Bibelübersetzungen führen auf die falsche Spur. Da heißt es: Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. So steht es im Gesangbuch. Ein kleines s, das einen großen Unterschied macht, materialisiert und die Bibelmodernisierer nicht gerade als Bibelversteher dastehen lässt. Für sie hat Jesus eigentlich das gepredigt, um was es im heutigen Predigttext geht. Weiterlesen „Gleich, vorher muss ich noch …“ →

Wahrhaftigkeit

HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.
Psalm 92,5
Was immer meine Hände tun,
wie wahrhaftig ich mich wähne,
wie sehr ich mich bemühe,
zu erklären und zu mehr (Er-)Kenntnis zu führen:
Ich vermag nur, o Gott,
was du in meine Hände legst.
Manchmal, vermag ich nicht viel,
und mein Lied ist keine Lobeshymne,
sondern ein Klagelied.
Aber dennoch,
danke ich,
für jeden Ton,
den du in mir zum Klingen bringst,
ob er in den Ohren gut klingt,
oder Bauchschmerzen verursacht.
Ich sage, was ich höre,
in der Wahrhaftigkeit,
die Du, o Gott, in mich gelegt hast.
Auf Deinen Segen traue ich.
Amen.

Gute und schlechte Nachrichten

Als Hiskia den Brief gelesen hatte, ging er hinauf zum Hause des HERRN und breitete ihn aus vor dem HERRN. 
2.Könige 19,14
Gute Nachrichten,
schlechte Nachrichten,
vor Gott gelegt,
von Gott demütig angenommen,
hat alles seinen Sinn.

Reminiscere

Lieber Luther,

der Mensch scheint unbelehrbar. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so. Im heutigen Predigttext (Mk 12, 1-12) besteht wieder einmal die Chance, die Botschaft zu verkünden, die verstanden werden will. Aber wer tut das? Welcher Pfarrer wagt dies? Kommt heute die Botschaft, um die es geht, von den Kanzeln oder wird fabuliert und abgelenkt, um ja nicht den Verdacht zu erregen, dass der Gott, von dem sie angeblich predigen, etwas verlangt vom Menschen. Es geht, lieber Luther, um den Herrn des Weinbergs. Weiterlesen „Reminiscere“ →

Güte

HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. 
Psalm 36,6
Gottes Güte und Wahrheit,
sie ist für uns so ungreifbar,
wie die ziehenden Wolken,
so hoch, wie der Himmel,
und nur so weit,
wie wir sehen.
Aber hinter unserem Horizont ist sie unendlich.

Güte

Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. 

Psalm 25,8

Gottes Güte

ist nicht zu verwechseln

mit persönlichem Wohlbefinden.

Gottes Güte zeigt sich,

wenn man jeden Tag den Alltag

als von Gott gegeben annimmt

und abends dankend die Hände

in den Himmel erhebt.

Gott zur Ehre

Ihr werdet erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich so an euch handle zur Ehre meines Namens und nicht nach euren bösen Wegen und verderblichen Taten. 
Hesekiel 20,44
Gehet hin,
wenn ihr nicht hören wollt,
und dient euren Götzen.
Aber es wird die Zeit kommen,
wenn ich euch in meinem gelobten Land sammeln werde,
da werdet ihr mir alle auf meinen hohen Berg folgen,
in meine Heilige Stadt.
Ihr werdet euer Unrecht und eure Missetaten selbst erkennen,
und euch vor euch selbst ekeln,
wenn ihr euch anschaut.
Dann werdet ihr wissen,
dass ich Gott, euer HERR, bin,
weil ihr verständig werdet.
Und ihr werdet erkennen,
dass ich alles, was ich euch tue,
um meines Namens willen tue,
und mich nicht von euch abkehre,
trotz all eurer Untaten.
Ihr werdet erfahren,
was es heißt,
dass ich der HERR, euer Gott, bin.
Das ist ein Versprechen,
das ich euch immer wieder gebe,
wie oft ihr den Bund mit mir auch brecht.
Am Ende werdet ihr
erkennen und
wissen und
bereuen und –
jubeln.
Allein zu meiner Ehre!
(nach Hes 20, 27-44)

Verführer

Lieber Luther,

es hätte mich gewundert, wenn ich über den Predigttext vom heutigen Sonntag, Mt 4, 1-11, nicht schon einmal geschrieben hätte, habe ich ihn doch schon viele Male gelesen. Was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, kann ich so stehen lassen.

Trotzdem will ich etwas hinzufügen. Weiterlesen „Verführer“ →

Dienst

Der HERR war mit Josef, und was er tat, dazu gab der HERR Glück.
1.Mose 39,23

In der Elberfelder Übersetzung heißt es:

Der Oberste der Fest sah nicht nach dem Geringsten, das unter seiner Hand war, weil Jahwe mit ihm war, und was er tat, ließ Jahwe gelingen.

Von Glück steht da nichts.
Ist Glück und Gelingen dasselbe?
Ist gelungenes Leben glückliches Leben?

Wohl nicht unbedingt.
Joseph war ein Segen für seine Mitmenschen,
was ihm gelang, gelang ihm für die anderen.
Persönlich hat er viel erlitten,
aber sich gelungen in den Dienst gestellt.
So ging es auch vielen Propheten nach ihm,
oder vor ihm seinem Vater Jakob.

Persönliches Glück ist nicht der Maßstab,
den Gott anlegt,
sondern das gelungene sich Gott in Dienst stellen.

Joseph – Schatzsuche

Leben

Wandelt in allen Wegen, die euch der HERR, euer Gott, geboten hat, damit ihr leben könnt.
5.Mose 5,33
Wandelt in meinen Wegen,
damit ihr leben könnt,
damit ihr eure Tage verlängert
in dem guten Land,
das ich euch gebe.
Nur dann könnt ihr leben,
auch nach dem Sterben.
Begreift es doch!