Da dachte ich …

Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen….

Zwei begnadete Prediger,
die ihr Suject verloren haben,
ausgebrannt,
verloren.

Der eine katholischer Priester,
der andere evangelischer Pastor.

Dreieinhalb Jahre später:

Beide predigen nicht mehr.
Beide haben ihre Berufung verlassen,
beide flüchten sich von einer vermeintlichen Idylle in die nächste,
die sich dann alle faktisch als Hölle erweisen,
immer auf der Flucht,
glauben sich hinter Privatheit verstecken zu können,
sitzen ihren eigenen Lebenslügen auf,
laufen brünftig einem Leben hinterher,
von dem sie glauben,
es versäumt zu haben,
immer meinend,
noch etwas Besseres verdient zu haben,
das sie aus dem Leben herausschlagen können,
nicht erkennend,
dass sie auch nach einem
halben Jahrhundert Leben
nichts vom Leben und Lebensrealitäten
verstanden haben,
dass sie ein weiteres Mal
scheitern werden,
weil sie auf ihre eigenen
Lebenslügen hereinfallen,
die innere Stimme niederkämpfend,
die Zweifel hegt,
die vernehmbar vor dem Erdbeben warnt,
das sich tief im Innern
schon zusammenbraut und
ihre Welt ein weiteres Mal
in Trümmer legen wird.

Da dachte ich:
Ich will nicht mehr an sie denken,
weil mein Herz, denke ich an sie,
nur noch weint.

 Weinendes Herz

In den Mund gelegt

Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Jeremia 1,7

In der Elberfelder heißt es weniger tendenziös:

Da sprach Jahwe zu mir: Sage nicht: Ich bin jung; denn zu allen, wohin ich dich senden werde, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebieten werde, sollst du reden.

Wer im Auftrag Gottes unterwegs ist,
braucht sich nicht sorgen,
was er sagt.
Gott legt es einem in den Mund.

Bei Jeremia kann man lernen.
Er hat auch gesagt,
was niemand hören wollte,
weder die Berufs-Betriebs-Tauben,
noch die Herrschenden
und Mächtigen.

Falschheit

 Wer verkehrten Herzens ist, wird das Gute nicht finden; und wer sich mit seiner Zunge windet, wird ins Unglück fallen ( Spr 17,20 )

Aus falschem Herzen
kann keine frohe und heilende Botschaft kommen.
Sie fällt durch den löchrigen Boden
und der Bote irgendwann mit ihr.

Sprüche 17:20

https://www.bible.com/de/bible/58/pro17

Predigerwort

Mein Volk soll meiner Gaben die Fülle haben, spricht der HERR.
Jeremia 31,14

In der Elberfelder Übersetzung heißt es:

Und ich will die Seele der Priester laben mit Fett, und mein Volk wird sich an meinen Gütern sättigen, spricht Jahwe.

Die Prediger tragen das Wort weiter,
wenn sie wahres Wort weitergeben,
sättigen sie diejenigen,
die zuhören,
mit Gottes Gut.

Stärke

Lieber Luther,

Lätare, freue dich, dieser Ausruf passt perfekt zum Predigttext dieses Fastensonntages (Joh 12, 20-33). Wie das? Ist da nicht von einem Weizenkorn die Rede, das sterben muss? Und ist dieses Bild nicht auf Jesus gemünzt, auf seinen grausamen Tod? Von Verherrlichung ist außerdem die Rede. Was heißt das alles und wieso ist das ein Grund zur Freude? Aber der Reihe nach. Weiterlesen „Stärke“

Gleich, vorher muss ich noch …

Lieber Luther,

Auf den ersten Blick sieht es im Predigttext zum Sonntag Okuli (Lk 9, 57-62) so aus, als ob Jesus ein bisschen aufstöhne und sage, jeder Fuchs hat einen Bau, in dem er schläft, jeder Vogel ein Nest, in dem der die Nacht verbringt, aber ich, der arme Wanderprediger, weiß nicht, wo ich heute Nacht schlafen kann. „Modernisierte“ Bibelübersetzungen führen auf die falsche Spur. Da heißt es: Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. So steht es im Gesangbuch. Ein kleines s, das einen großen Unterschied macht, materialisiert und die Bibelmodernisierer nicht gerade als Bibelversteher dastehen lässt. Für sie hat Jesus eigentlich das gepredigt, um was es im heutigen Predigttext geht. Weiterlesen „Gleich, vorher muss ich noch …“

Reminiscere

Lieber Luther,

der Mensch scheint unbelehrbar. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so. Im heutigen Predigttext (Mk 12, 1-12) besteht wieder einmal die Chance, die Botschaft zu verkünden, die verstanden werden will. Aber wer tut das? Welcher Pfarrer wagt dies? Kommt heute die Botschaft, um die es geht, von den Kanzeln oder wird fabuliert und abgelenkt, um ja nicht den Verdacht zu erregen, dass der Gott, von dem sie angeblich predigen, etwas verlangt vom Menschen. Es geht, lieber Luther, um den Herrn des Weinbergs. Weiterlesen „Reminiscere“

Säen und Ernten

Lieber Luther,

Mariä Lichtmeß, der 2. Februar, ist vorbei und damit definitiv auch die Weihnachtszeit, 40 Tage nach Weihnachten. Früher hieß Maria Lichtmeß: Der Winterruhe ist vorbei, die Feldarbeit beginnt wieder, ausgefeiert, es muss wieder in die Hände gespuckt werden. Das Licht, die Sonne steigt, das Licht, das die Heiden erleuchten soll (Lk 2, 32). Jesu Licht im Jahreskreislauf: Es wird geboren, steigt, fällt, steigt in anderer Gestalt. Und das Ganze wieder von vorn an Weihnachten. Ein Kreislauf von Geburt – Leben – Fallen – Neues Leben, Jesu Lebenskreislauf, der Jahreskreislauf des Wortes, der Natur, des Menschen. Geboren werden – Leben – Sterben – Neues Leben. Die Natur der Natur Gottes. Das Wort wird geboren, gesät, fällt an den Weg, auf felsigen Boden, zwischen Dornengestrüpp oder auch auf gutes Land. Damit sind wir beim Predigttext dieser Woche (Lk 8, 5-15). Weiterlesen „Säen und Ernten“

Lest

Lieber Luther,

wenn einer das Wort Prophet verdient, dann ist es sicher Jesaja. Kein anderer hat so die Zukunft geschaut, Jesus mal abgesehen, wie Jesaja. Jesaja ist Weisheit, deshalb sollten wir ihm zuhören. Was er angekündigt hat, ist so eingetreten. So zitieren wir ihn auch gerne, insbesondere an Weihnachten, wenn es um seine Hin- und Vorschau auf Jesus geht. Aber, haben wir auch den ganzen Jesaja gelesen? Sind wir bereit, ihm ganz zuzuhören, oder nur auf dem netten Ohr, mit der Botschaft, die in unser Gottesbild, das wir uns tunlichst nicht machen sollten, passt?

Propheten zählen nichts im eigenen Land. Das wusste auch schon Jesaja. Damals wie heute wollten die Menschen nur die eine Seite der Medaille mit Gott hören, die andere aber nicht. Jesaja ist sich dessen bewusst. Deshalb legt er genau dorthinein seinen Finger. Gott befiehlt ihm: Gehe hin, schreib es ihnen vor, auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für und für ewiglich. Dass sie nicht sagen können, sie können es nicht wissen.

Denn, es ist ein ungehorsames Volk und verlogene Kinder, die das Gesetz des Herrn nicht hören wollen, sondern sie sagen zu den Sehern: Ihr sollt nichts sehen. Und zu den Schauern: Ihr sollt uns nicht die rechte Lehre schauen lassen. Predigt uns sanft, schaut uns Täuscherei. Geht uns aus dem Weg, aus unserem Gesichtsfeld mit euren Warnungen: Hört auf vom Heiligen Israels zu predigen, wie ihr predigt. Wer will das schon hören (Jes 30, 8-11).

Was antwortet Gott? Ihr verwerft dies Wort und trotzt ihm mutwilllig, ihr seid wie eine undurchdringliche Mauer, aber irgendwann fängt euer Putz, von dem ihr denkt, er hält euch zusammen, an zu rieseln. Irgendwann fallt ihr zusammen und nichts wird von euch übrigbleiben. Wenn ihr umkehren und still sein würdet, so würde euch geholfen, durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber: ihr wollt nicht: Ihr meint davonrennen zu können, Tausende werden fliehen vor eines einzigen Schelten (Jes 30, 12-17). Darum harret der HERR, dass er euch gnädig sei. Er hat sich aufgemacht, damit er sich eurer erbarme; denn der HERR ist ein Gott des Gerichts. Wohl allen, die sein harren (Jes 30, 18).

Gott ist ein Gott des Gerichts. Das Gericht ist Erbarmen. Das steht im gesamten Jesaja, in der gesamten Bibel, in beiden Testamenten, aber verstehen wollen das heute nur Wenige. Weil vor allem nicht mehr verstanden wird, dass es eine Freudenbotschaft ist. Bei dem Wort „Gericht“ zittern schon viele, es scheinen viele an Ungerechtigkeit zu denken anstatt an Gerechtigkeit. Wieso muss man sich vor Gerechtigkeit fürchten? Trauen wir Gott so wenig zu? Oder uns selbst? Wohl beides.

Für Jesaja gab es da keinen Zweifel: Wenn Gott mit seinem Zorn kommt, da werdet ihr singen wie in der Nacht eines heiligen Festes und euch von Herzen freuen, wie wenn man mit Flötenspiel geht zum Berge des HERRN. Und der HERR wird seine herrliche Stimme erschallen lassen, dass man seinen ausgereckten Arm sieht, wie er zornig herannaht, mit verzehrendem Feuer, Blitz, Starkregen und Hagel (Jes 30, 29-30). Ein Sommergewitter. Wenn der Feigenbaum wieder grünt werdet ihr wissen, dass der Sommer nahe ist (Mark 13, 28).

Siehe, es wird ein König regieren, Gerechtigkeit anzurichten, und Fürsten, die das Recht handhaben (Jes 32, 1). Die sehenden Augen werden sich nicht blenden lassen, die Ohren der Zuhörer werden aufmerken und die Unvorsichtigen werden Klugheit lernen. Es wird nicht mehr ein Narr Fürst heißen, denn ein Narr bewirkt Heuchelei und predigt Unsinn, so dass er die hungrigen Seelen aushungert und den durstigen das Trinken wehrt. Der Geizige, der dem Volk nur ein Teil des Wortes sagt, richtet Schaden an, er gönnt dem Armen sein Recht auf Gerechtigkeit nicht (Jes 32, 1- 8).

Wer meint in seinem Glaubensmäntelchen immer auf der sicheren Seite zu sein, das Gericht leugnet, wer denkt, ohne Gottes Gericht in seine Ewigkeit zu ziehen, ohne Buße, ohne Reinigung, der täuscht sich: Nach Jahr und Tag werdet ihr Sicheren zittern; denn es wird keine Weinernte geben. Erschreckt Ihr Stolzen, zittert, ihr Sicheren! es ist vorhanden Ausziehen, Blößen und Gürten um die Lenden (Jes 32, 10-12).

Ihr wollt nicht unter einem verzehrenden Feuer wohnen, nicht bei der ewigen Glut? Wer in Gerechtigkeit wandelt und Wahrheit redet, wer Unrecht hasst, mit dem Wort nicht geizt durch Weg- und Auslassungen, wer sich nicht mit falschen Versprechungen bestechen lässt, wer seine Ohren nicht verstopft, um etwas über seine Schuld zu hören, wer sich die Augen nicht zuhält, damit er ja nicht Arges sehe, der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiss (Jes 33, 14-16).

Gottes Gerechtigkeit, lieber Luther, ist eine Heilszusage, Gott, Jesus, der zu seiner Rechten sitzt und der Richter sein wird, ist ein gerechter Richter. Ich kann es nur mit Jesaja halten: Freut euch und jubelt, wenn ihr vor ihm stehen werdet, wird uns Gerechtigkeit angetan werden. Wir werden das erreichen, nachdem wir hier auf Erden – vielleicht vergeblich – streben. Ich traue Jesus zu, dass er gerecht sein wird. Warum die Angst vor diesem gerechten Richter? Warum die Angst vor dem Abstreifen aller eigener Ungerechtigkeit? Wo ist das Vertrauen?

Die Angst, lieber Luther, ist geschürt in jahrhundertelanger Sünden-Lehre und Predigt. Daraufhin ist man ins andere Extrem verfallen. Predigt uns sanft, schaut uns Täuscherei. Nur Sünde oder nur voraussetzungslose, gleichmacherische Liebe Gottes zu predigen, ist gleichermaßen einäugig und nimmt sich in ihrer Halbheit nichts. Wer Gericht als Strafe interpretiert und als Bedrohung, hat nicht viel von der Botschaft und dem Geist in der Bibel verstanden – als Ganzes gesehen, nicht in ausgewählten Halbsätzen, so wie das heutzutage so üblich ist. Es geht um den Tenor. Es sind keine Drohungen, es sind Warnungen, ein Werben, Mensch, so hör doch. Wie ein Wetterbericht, der vor dem Donner-Wetter warnt, das am Ende den Segen im Regen bringt. Man vorenthält den Menschen dadurch ihre Chance auf Gottes reinigenden Regen, weil sie nicht entsprechend umkehren können, weil es ihnen niemand sagt. Es wird eine Bahn sein und ein Weg, welcher der heilige Weg heißen wird, auf dem kein Unreiner gehen darf (Jes 35, 8). Dies den Menschen vorzuenthalten, ist verantwortungslos.

Es ist gerade das Verschweigen, das Ängste schürt. Lass uns, lieber Luther, das gerechte Gericht ans Licht holen, damit der Mensch wieder lernen kann, dass das Gericht nichts anderes heißt als dass ich Gerechtigkeit erfahren werde. Es ist Teil der Heilsbotschaft, auch von Jesu Heilsbotschaft. Auch er hat von einem Gericht gesprochen. Die Wortgeizigen, die Wortunterdrücker, verschweigen das und richten damit, wie Jesaja schreibt, viel Unheil an. Auf Gottes Fügung kam dies Wort zu uns, lass es uns auch hören. Denn der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König, der uns hilft (Jes 33, 22). Suchet nun in dem Buch des HERRN und leset (Jes 34, 16)!

Herzliche Grüße
Deborrah