Trotzkopf

Ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dir helfe.
Jeremia 30,11

Vor Gott ist der Mensch wie ein trotziges, unreifes Kleinkind.
Er möchte helfen, aber wir stampfen mit dem Fuß auf,
wir brauchen dich nicht, denken wir,
und gehen unsere eigenen (Irr-)wege.
Aber auch jeder Irrweg ist irgendwann abgelaufen.

Größe

Dir, HERR, ist niemand gleich; du bist groß, und dein Name ist groß, wie du es mit der Tat beweist.
Jeremia 10,6

Niemand ist Gott gleich,
niemand kann ihn in seiner Allumfasstheit erfassen,
sein Name ist:
Ich bin in Ewigkeit,
ich bin der,
der wartet,
bis seine Schöpfung
zu ihm zurück findet.

Nähe

Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.
Psalm 75,2

Gott ist nah,
nah in jedem Alltag.

Wenn man seine Nähe duldet,
erfährt man seine Nähe.

In Gottes Nähe
fügt sich der eigene Alltag
wundersam
zum Guten.

Dafür danke ich jeden Tag.

Umzug

Nicht nur Blogs ziehen um, sondern auch reale Menschen. Mein Sohn heute wieder einmal: Aus Studentenwohnheim-WG in Privat-WG. Die Studentenwohnheims-WG  war unterrirdisch, vom Wohnniveau und der Sauberkeit her. Mir hat es beim Auszugsputz gegraust.

Seine neue WG hatte ich mir auch anders ausgemalt. Er hatte sie in den hellsten Farben beschrieben.  Raucher-WG, wo er Nichtraucher ist. Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat. Alte Boutique. Kein schlechtes Geschäft für den Vermieter, wenn man mal zusammenrechnet. Er und seine Freundin finden es gemütlich.

Während ich so warte, bis der Rest der Familie wieder vom Baumarkt zurück ist, erinnere ich mich an unsere erste WG in unserer Studienzeit. Alles second Hand und vom Sperrmüll, Ziegelsteinregale, die Duschkabine in der Küche und im Hausflur immer Mäusealarm.  Der wöchentliche Putzdienst hatte in unserer WG funktioniert, dafür habe ich damals unerbittlich gesorgt. Im Klo die Toplader Waschmaschine, weil eine andere schlicht nicht reinpassen würde, genau wie bei uns damals. Nicht so unterschiedlich.

Die Bewohner sind sehr nett, bieten Kaffee,  Wasser oder Tee an, singen mit wohlklingender Stimme und scheinen darauf zu achten,  dass es einigermaßen ordentlich ist. Im ganzen Haus verteilt sind Zettel, die Übeltäter daran erinnern, dass sie nicht alleine wohnen.

Irgendwann war das Chaos einigermaßen geordnet. Soweit möglich, bei noch fehlendem Kleiderschrank. Sohn und Freundin waren zufrieden, so bin ich es auch. Zum Abschluss noch alle gemeinsam gut essen gegangen. Ein gelungener, harmonischer Umzugstag, der viel Spaß gemacht hat.

Vertrauen

Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.
Psalm 62,9

Wieder einmal unterschiedliche Bibelübersetzungen mit unterschiedlichem Sinn. In der Elberfelder Übersetzung heißt dieser Vers:

Vertrauet auf Gott allezeit, o Volk! Schüttet vor ihm aus euer Herz! Gott ist unsere Zuflucht.

Hoffnung ist Zukunftsbezogen,
Hoffnung, dass etwas eintritt,
Hoffnung, dass Gott Wahrheit ist.

Vertrauen ist Gegenwartsbezogen,
Vertrauen, dass Gott da ist,
Vertrauen, dass Gott in meinem Alltag IST.

Hoffnung, dass Vertrauen in Gottes Gegenwart wächst.

Wachstum

Ich will sie mehren und nicht mindern, ich will sie herrlich machen und nicht geringer. 
Jeremia 30,19

Ich will sie mehren, nicht verringern,
ich will sie nicht geringer machen, sondern größer.
Das sei denjenigen gesagt,
die denken Gott will Übles.

Wassergeburt

Heute ist ein besonderes Datum. Der 20.Juli. Ein historisches Datum. (Gescheiterter) Anschlag auf Hitler. Aber das macht das Datum für mich nicht besonders. Rückblick.

Lang musste ich warten, durch viele Nöte hindurch gehen, bis es endlich einigermaßen gesichert war. Nur mich nicht mehr den Ärzten aussetzen. Geburt ist ein natürliches Ereignis, keine Krankheit. Gehegt habe ich dieses Kind vom ersten Augenblick an. Ich passe auf dich auf, mein Kind, es wird dir nichts passieren. Kein Krankenhaus. Das war mir von Anfang an klar. Du wirst zu Hause geboren werden, in der vertrauten Umgebung, ohne dem Zwang des Krankenhausalltags ausgesetzt zu sein. Meine Schwiegermutter war alles andere als begeistert. Schließlich war ich nicht mehr die Jüngste. Kein Mensch konnte mich davon abbringen, was auch als Vorwand und vermeintlich guten Ratschlägen vorgebracht wurde. Ich war absolut sicher, dass nur das das Richtige war.

Lange habe ich für dieses Kind keinen Namen gefunden. Nichts schien zu passen. Eines Tages, ich sehe mich noch stehen, wusste ich es. Das Kind heißt: Gott hat gegeben. Das war der richtige Name für dieses Kind.

Eine Wassergeburt sollte es werden. Wie passend das ist für ein Kind, das „Gott hat gegeben“ heißt, wird mir erst heute klar. Auch das noch, stöhnte die Verwandtschaft. Aber auch davon war ich nicht abzubringen. Bloß, wie eine Wassergeburt zu Hause bewerkstelligen? Eine Badewanne ist nicht wirklich geeignet.

Die Hebamme war für solche Fälle pragmatisch ausgerüstet: mit einem grünen Traubenbottich. Da war Platz genug. Unser Wohnzimmer sah aus wie ein gut ausgestattetes Geburtshauszimmer. Alles selbst gezimmert und gebastelt. Die Hebamme war beeindruckt, insbesondere von dem wassertauglichen Geburtshocker. Ich habe mich penibel auf die Geburt vorbereitet.

Der 20.Juli, Vollmond, ein Sonntag. Nichts deutete auf eine Geburt hin. Mein Mann war mit unserem älteren Sohn auf dem Spielplatz, seit Stunden. Plötzlich regte sich etwas. Na ja, es ist Sonntag, dachte ich, vielleicht doch die Hebamme anrufen, dass sie im Zweifelsfall nicht überrascht ist. Nein, kommen braucht sie noch nicht. Sie hatte aber Erfahrung und so kam sie doch, rief ihre Co-Hebamme an und machte sich wieder vom Acker. Mit einem langärmeligen Body macht sich eine Wassergeburt nicht so gut.

Mein Mann war immer noch nicht zurück. So lief ich Trepp auf, Trepp ab: Heizkessel heißer stellen, wir brauchen viel Wasser, Tücher bereitlegen, Eimer holen, Läden dicht machen und zwischendrin immer mal wieder eine Wehenpause. Die Wehen wurden stärker und stärker und ich war immer noch allein, aber nicht sonderlich beunruhigt. Eine Stunde verging. Immer noch niemand da. Ich rief die Tagesmutter an, ob sie nicht so nett wäre, vielleicht nach meinem Mann zu fahnden, schließlich gab es noch keine Handys. Klar doch, macht sie.

Endlich kam Mann und Sohn. Den Bottich mit Wasser füllen, kommandierte ich. Ich hatte schon Übergangswehen. Es war nicht meine erste Geburt und so wusste ich die Wehen einzuordnen. Das dauert mit dem verlegten Schlauch, es waren über 200 Liter Wasser, die in den Traubenbottich mussten. Also half er noch mit Eimern nach, damit es schneller ging. Ich glaube, es war das erste Mal in 15 Jahren, dass ich meinen Mann etwas schneller gehen sah. Endlich war genug Wasser im Bottich, so dass ich ihn entern konnte. Die Hebamme war immer noch nicht da.

Hebamme anrufen oder Entspannungsmusik einlegen, fragte mein Mann. Hebamme natürlich, ich brauche die Hebamme. Die stand gerade vor der verschlossenen Bahnschranke. Als sie endlich eintraf, war es für eine Untersuchung zu spät. Ich saß im Traubenbottich und wollte mich nicht mehr rühren. Sie zwang mich auf den selbstgebastelten Gebärhocker. Sie war überzeugt von dem Teil. Zähneknirschend gab ich nach. Eine Wehe. Der Kopf ist schon da. Schon? Das ging aber schnell. Nicht pressen. Aber es gab kein Halten mehr und das Kind war geboren. 19.40, keine 3 Stunden, ich konnte es gar nicht fassen, so schnell ging das. Die Hebamme hob das Kindchen aus dem Wasser in meinen Arm. Als die zweite Hebamme eintraf, war für sie nichts mehr zu tun. Ich hatte nicht die geringste Verletzung, kein Risschen.

Jonathan war aus dem Wasser, in einem Weintraubenbottich, in die irdene Welt gekommen, aus dem Licht, in das irdene Licht. Dort, wo seine vorgeburtlich schützende Hülle in der Erde liegt, haben wir ein Blaubeerbäumchen gepflanzt, das jedes Jahr Früchte treibt. Ich bin unendlich dankbar für dieses Kind. Heute wird es 18 Jahre alt, volljährig. Gott hat gegeben!

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, mein Kind!

Die Geschichte habe ich Dir aufgeschrieben. Für die Zeit, wenn ich sie Dir nicht mehr erzählen kann.

b8ee7-laufenlernen

Larifari

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten.
Psalm 139,16

Für Manche eine Bedrohung,
für mich ein Glück:
Deine Augen sahen mich,
bevor ich bereitet wurde.
Anfang und Ende
sind nur bei dem EINEN.
Das Zwischendrin ist Larifari.

Schlussgedanken

Der Blog schließt.
Bringt keinen Profit mehr.
Schließe ich auch?

Ich habe schon so viel gelassen.
Und habe eine Ahnung,
dass es Erleichterung ist.

Mich selbst brauche ich nicht überzeugen,
bewirkt irgendetwas, was ich schreibe,
irgendwas?

Wieso teile ich meine Gedanken?
Nicht mehr viel woran ich hänge.
Meine Kinder.
Mein Gott.

Das wars.

Nichts als Stilblüten?

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