Das Neue Testament: Antisemitisch, frauenfeindlich, homophob?

Lieber Luther,

ich will nahtlos an meinen letzten Brief anknüpfen, an die These Ehrmanns, dass das Neue Testament ein gefährliches, frauenfeindliches, antisemitisches und homophobes Buch ist. Es ist natürlich so gekommen, wie es schon vorauszusehen war: Schon allein, wenn man sich der These stellt, die ja nicht so weit hergeholt ist, wenn man die Texte neutral liest, wird einem Unglauben unterstellt, wird gerichtet, mit dem Finger gezeigt, ganz unchristlich Christus im Munde führend. Aber ist es nicht eine Chance nachzudenken und Antworten zu finden, die in unsere Zeit passen? Ich will mich der These stellen, ich finde es herausfordernd, spannend. Zerbröckelt der Glaube unter den Erkenntnissen der Wissenschaft und lässt er sich wirklich nur verteidigen, indem man anfeindet, negiert und in bewährter paulinischer Tradition ausgrenzt?
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Schweigen

Lieber Luther,

der entscheidende Satz im heutigen Predigttext fehlt, wurde fälschlicherweise abgeschnitten:

Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn seht, das Reich Gottes ist inwendig in euch (Lk 17, 20-21).

Was hat sich zugetragen (Lk 17, 12-14)? Jesus ist ein Wanderprediger mit Charisma, dem der Ruf eines Heilers voraneilt. Zehn Menschen mit äußerlichem Gebrechen, einer Hautkrankheit, sehen ihn von weitem kommen und rufen: Meister Jesus, habe Erbarmen mit uns. Sie denken an ihre Krankheit und erwarten von ihm, dass er sie davon heilt. Man kann es ja versuchen.

Jesus macht nicht viele Worte. Erstaunlicherweise sagt er: Zeigt euch den Priestern! Wie? Was hat das mit den Priestern zu tun? Von Jesus wird die Heilung erwartet? Obwohl ihnen die Anweisung wohl seltsam erschienen sein mag, machen sie sich auf den Weg und während sie gehen, werden sie rein.

Man sieht schon, wie sich diverse Stirne in Falten legen. Wieder so eine Wundergeschichte über Jesus… Weiterlesen „Schweigen“

Fremdenhass und Nächstenliebe

Lieber Luther,

fast jeder kennt die Geschichte, um die es im heutigen Predigttext (Lk 10, 25-37) geht: Die Geschichte vom Barmherzigen Samariter. Es geht um Menschen, die die Straßenseite wechseln, anstatt dem Bedürftigen zu helfen, und um andere Menschen, die ihren geschäftigen Alltag zurückstellen, einen Umweg machen, um zu helfen, Geld in die Hand nehmen. Die Geschichte ist brandaktuell, angesichts brennender Asylbewerberheime, toter Menschen in Transportern und untergegangener Seelenverkäufer im Mittelmeer. Welche Rolle spielen wir? Ja, du! Jeder einzelne ist gefragt. Weiterlesen „Fremdenhass und Nächstenliebe“

Zweiklassengesellschaft

Lieber Luther,

Der Gedanke, den Jesus im heutigen Predigttext (Lk 18, 9-14) an den Mann / die Frau bringen will, ist nicht neu.

Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, daß sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe. Und der Zöllner stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Der Gedanke, dass es bei Gott keine Zwei- oder Mehrklassengesellschaft gibt, dass vor Gott alle gleich sind und die gleichen Rahmenbedingungen haben, ist ein Gedanke, der mit dem EINEN Gott verknüpft ist, seit es den Gedanken an ihn gibt.

Ein gesellschaftliches Oben und Unten gibt es, seit Menschen sich in größeren sozialen Verbänden organisieren. Die Evangelien sind im Kern eine Kampfansage gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen die Unterdrückung der Kranken, Schwachen und Armen durch die Mächtigen und Wohlhabenden: Weiterlesen „Zweiklassengesellschaft“

Menschenart

Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: »Auf und hilf uns!
Jeremia 2,27

Geschäftig ist die Welt,
der Mensch, in dem,
was er Leben nennt.

Selbstsicher ist Mensch.
Sich selbst in Frage stellen?
Ego einen Gang zurücknehmen?

Und dann die Not,
in die wir uns selbst hineingeritten haben.
Gott hilf!

Sie kehren mir den Rücken zu,
in der Not aber sprechen sie:
Auf, hilf uns, Gott!

Nähe

Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.
Psalm 75,2

Gott ist nah,
nah in jedem Alltag.

Wenn man seine Nähe duldet,
erfährt man seine Nähe.

In Gottes Nähe
fügt sich der eigene Alltag
wundersam
zum Guten.

Dafür danke ich jeden Tag.

Vertrauen

Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.
Psalm 62,9

Wieder einmal unterschiedliche Bibelübersetzungen mit unterschiedlichem Sinn. In der Elberfelder Übersetzung heißt dieser Vers:

Vertrauet auf Gott allezeit, o Volk! Schüttet vor ihm aus euer Herz! Gott ist unsere Zuflucht.

Hoffnung ist Zukunftsbezogen,
Hoffnung, dass etwas eintritt,
Hoffnung, dass Gott Wahrheit ist.

Vertrauen ist Gegenwartsbezogen,
Vertrauen, dass Gott da ist,
Vertrauen, dass Gott in meinem Alltag IST.

Hoffnung, dass Vertrauen in Gottes Gegenwart wächst.

Wachstum

Ich will sie mehren und nicht mindern, ich will sie herrlich machen und nicht geringer. 
Jeremia 30,19

Ich will sie mehren, nicht verringern,
ich will sie nicht geringer machen, sondern größer.
Das sei denjenigen gesagt,
die denken Gott will Übles.

Larifari

Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten.
Psalm 139,16

Für Manche eine Bedrohung,
für mich ein Glück:
Deine Augen sahen mich,
bevor ich bereitet wurde.
Anfang und Ende
sind nur bei dem EINEN.
Das Zwischendrin ist Larifari.

Gründung

So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
Jesaja 55,9

Wir suchen Gottes Gedanken,
wo wir sie nicht finden,
wir suchen in der Ferne,
doch Gott ist nah,
wir suchen zu ergründen,
wo wir uns nur gründen lassen müssen.

Selektive Wahrnehmung

Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.
Psalm 146,3

Mensch kann nicht aus seiner Haut,
wie gern er es auch möchte
und so tut, als ob.

Jeder sieht in seiner eigenen Realität,
interpretiert, filtert, grenzt ab und aus,
bis er es für sich passend hat,
aber auch nur für sich selbst.

Beim Nächsten sieht das Bild
schon ganz anders aus.

Ein Mensch kann aus
seiner selektiven Wahrnehmung heraus
nicht erretten, nicht erlösen.

Auf Gott allein ist Verlass,
bei Gott allein ist Wahrheit.
bei Gott allein ist Rettung.

Verlasst euch nicht
auf die Fürsten dieser Welt,
sie können ja nicht helfen.

Irgendwie fallen mir da
die Griechen ein,
die Flüchtlinge,
die Vertriebenen,
die Hungernden,
die Vergewaltigten,
die Gefangenen,
die Geschundenen,
die Vergessenen,
die …
dieser Welt.