20 Liter Weihnachts-Gyrossuppe

Anfangs habe ich gedacht: Nein, das brauchst du jetzt nicht, dann habe ich mich aber doch überreden lassen. Wir haben extra den Weihnachtsbaum anders gestellt.

Heute sind 12 junge Männer bei uns eingefallen, viele hätte ich gar nicht mehr erkannt. Sie sind von Jungs mittlerweile zu jungen Männern geworden. Was sich verändert hat, im Laufe von ??? Jahren, sie brauchen mich viel weniger. Sie wissen inzwischen, dass das Alltägliche sich nicht wie von Mutterhand von selbst fügt. Das Studentendasein lehrt, was es heißt, auf eigenen Beinen zu stehen. Türen werden ausgehängt, Stühle vom Dachboden geholt, Konfirmationstische aufgebaut, es wird verkabelt und verdrahtet. Einer hat vorgekocht und 3 verschiedene Beläge für 80 Pizzabrötchen gemacht: damit sie gut durch die Nacht kommen.

Aber, was das Wichtigste ist: Sie freuen sich wie kleine Jungs an Weihnachten. Als einer nach dem anderen an der Balkontür auftaucht, fallen sie einander um den Hals, hüpfen vor Freude: Schön Alter, dich wieder einmal zu sehen. Gelegenheiten gibt es dazu sonst nie, nie jedenfalls vollzählig. Sie sind in alle Winde zerstreut, einer studiert sogar in Australien. Die Zeitpläne passen nicht mehr so einfach zusammen. Aber heute sind sie alle da. Wie vor ??? Jahren. LAN – Party, wie immer bei uns, wir haben die größte Stube, da passen alle rein. Das hat Tradition.

Und Muttern kocht auf Bestellung 20 Liter Gyrossuppe. Wie immer. Morgen früh wird nichts mehr da sein. Ein junger Mann meint begeistert, als er sich zwei Kellen auftut: Die sieht genau so aus wie letztes Jahr – dann kommt er ins Stocken, es war wohl nicht letztes Jahr? Vor wieviel Jahren dann? Keiner weiß, wie lange und wie oft man bei uns schon gemeinsam LAN – Party gefeiert hat. Einer meint, es werden annähernd 10 Jahre sein.

Die Generation Internet fängt an erwachsen zu werden. Sie sind alle von Kindheit an ans Internet gewöhnt. Es ist ihr Medium. Wie viele Unkenrufe gab und gibt es? Die Litanei ist lang. Ich kann sie nicht bestätigen. Ich kann keinerlei Schaden erkennen, weder an meinen Kindern, noch an ihren Freunden. Sie haben eher gewonnen, denn verloren: Die Jungs können über jede Distanz regelmäßig Kontakt halten und verlieren sich dadurch nicht aus den Augen. Sie können sich weiterhin über das austauschen, was sie gemeinsam interessiert. Dass man sich nicht so häufig persönlich trifft, ist dabei nicht so wichtig. Das Gemeinsame zählt, nicht das Trennende. Sie haben weiterhin etwas miteinander zu reden, sie gehen miteinander um, als würden sie sich jeden Tag sehen.

Es geht hoch her: Es wird gejohlt, debattiert, beratschlagt und sehr viel gelacht, aus vollem Herzen, das hört man. So war es schon immer bei den unzähligen LAN-Partys in unserer Stube und so ist es auch heute.

Nein, ich bereue es nicht, es erlaubt zu haben, obwohl mir eher nach Ruhe und in Ruhe gelassen werden zu Mute ist. Das ist Weihnachten, was sich da abspielt, das ist echtes Weihnachten! Sie freuen sich aneinander. Ganz unerwartet ist mir doch noch Weihnachten ins Haus geschneit.

Herzenslicht

Antworten

Wenn ich Gott anrufe,
folgt die Antwort auf den Fuß.
Heute ist sie mir ins Gedärm gefahren.

Taubheit ist Gnade.
Dem Tauben verlangt Gott nichts ab.
Es beklage sich keiner.

Derjenige jedoch, der überhört,
dem bringt er sich Gott ins Gehör.
Wehe der Stunde, in der Gott antwortet.

Antworten

Tun, ohne Verantwortung?

Das Herz blutet,
das Herz schreit.
Um die toten Söhne,
um die missbrauchten Töchter,
um die verlorenen Kinder.
Mensch, du sitzt auf der Anklagebank!
Wie immer du schönfärbst,
wie oft du weg siehst,
in welche Wolkenkuckucksheime du dich flüchtest,
welche Entschuldigungen du auch an den Haaren herbeiziehst,
wie oft es auch immer nur die anderen sind:
Mensch, du hast deinen Anteil.
Die bösen Taten werden dir zugerechnet.
Wem auch sonst?
Wer mordet? Mensch, mehrheitlich Männer. Sie tun es. Unschuldige Opfer?
Wer vergewaltigt? Männer. Sie tun es. Unschuldige Opfer?
Wer unterdrückt? Mensch, mehrheitlich Männer. Sie tun es. Unschuldige Opfer?
Mensch ist nicht schuld?
Wer dann?
Tun, ohne Verantwortung?
Das hat schon einmal eine ganze Generation ins Feld geführt.
Ich werde ihnen ihre bösen Taten auf den Kopf fallen lassen.
Das steht viele Male in der Bibel.
Prophetenwort.
Jesu Wort.
Und vergib uns unsere Schuld!
Blutendes Herz

Babylonische Gefangenschaft

Enthauptungen, Kreuzigungen, Steinigungen,
tausende Mädchen und Frauen in die Zwangsprostitution verschleppt,
als Sexsklavinnen verscherbelt.
Tot für den Rest ihres grauenvollen Lebens.
Ganze Landstriche entfraut.
Weggeführt in die babylonische Gefangenschaft.
Der reine Anblick von Männern muss sie zum Kotzen bringen.
Ich kotze mit.
Die Welt am Abgrund zur Hölle.
Nein, wir befinden uns nicht im mosaischen Zeitalter.
Wir schreiben 2014.
Der moderne, fortschrittliche Mensch, der so viel auf sich selbst hält.
Wie kultiviert wir doch sind.
Ich schäme mich, zu dieser Gattung zu gehören.
Das Gute im Menschen pervertiert ins abgrundtief Böse.
Unsere eigenen Bomben fallen uns auf den Kopf.
Gott, verbrenne dieses abartige Menschengeschlecht in der tiefsten Hölle
und lasse keinen entkommen.
Jedes Fünkchen wohl verdient.
Mensch, gefangen in Ketten, die er selbst geschmiedet hat.

Zeit der Bedrängnis

Man kann es kaum anschauen.
Die einen in ihren besten Sonntagsanzügen.
Die anderen schon zerlumpt.
Die Kinder in ihren Schlafanzügen.
Die Babys an die Mutterbrust gepresst.
Im Gesicht das nackte Elend.
Die Augen voller Hoffnungslosigkeit.
So gehen sie zwischen Panzern und Maschinengewehren
in die Zukunft des Nichts.
Egal auf welchem Flecken der von uns geschundenen Erde.
Menschheit, was tust du dir an.
Menschheit sind wir alle.
Die, die morden,
die, die vertreiben,
die, die aufrühren,
die, die ihre Machtinteressen vertreten,
die, die darüber über Leichen gehen,
die, die zulassen,
die, die zusehen,
die, die nichts tun,
die, die sich abwenden, weil sie denken, es geht sie nichts an, oder
die, die es nicht ertragen können.
Wir alle sind schuldig der Unmenschlichkeit gegen uns selbst.
Es zerreißt einem das Herz.
Wir zerreißen unser Herz.
Mensch frisst Mensch auf.
Verbrechen an uns selbst.
Alle schuldig!
Tränen rinnen über mein Gesicht.
Möge Gott jeder einzelnen dieser geschunden Kreaturen
einen kurzen Atemhauch der Hoffnung,
ein Lüftchen der Zuversicht,
ein Wölkchen der Geborgenheit geben,
mitten in ihrem Elend.
Jetzt, in diesem Augenblick!
HERR Gott, habe ein Auge auf sie.

HERR Gott, habe ein Auge auf uns.

Vergebens predigt Salomon…

Salomon, nach Wilhelm Busch – Lesart:
Vergebens predigt Salomo.
Die Leute machen’s doch nicht so.
Wer mal so ist, der bleibt auch so.
Wer auf den rechten Weg will,muss durchaus durch sich selbst hindurch.
Fortwährend hinter angenehmen Erwartungen schleichen die unangenehmen Möglichkeiten.
Der klugen Leute Ungeschick stimmt uns besonders heiter.
Man fühlt doch für den Augenblick sich auch einmal gescheiter.
Er muss die letzte Strophe mitsingen.
Mit sich selbst ist man nicht immer in der vornehmsten Gesellschaft.
»Bitte, sagen Sie nichts von der Verlobung!« –
»Tut mir leid. Mariechen ist grade damit los.«
Ein böses Wort läuft bis ans Ende der Welt.
Ihr ging’s wie dem neugierigen Zicklein, das in den Korb sah, wo die Katze mit den Jungen saß.
»Das erfrischt!« sagte die Katz‘, da fiel sie ins Regenfass.
»Das wird ein warmer Tag!« sagte die Hexe, da sollte sie verbrannt werden.
»Es wird mir so eng in der Haut!« sagte die Laus, da wurde sie geknickt.
Oben hält er den Sack zu, der unten ein Loch hat.
Der Ungeduldige fährt sein Heu nass ein.
Lamm: »Warum zerrupfst du mein Kleid?«
Dornenstrauch: »Weil es mich freut.«
Bettelleut‘ hat keiner gern,
Mehr beliebt sind reiche Herrn.
Es geht der Krieger, der gerechte,
Mit frohem Mute zum Gefechte.
Indessen ist es ihm doch lieber,
Wenn alles erst mal gut vorüber.
Horcher: Die Seele guckt ihm aus den Ohren.
Er gräbt ein Loch; ein zweites, um die Erde hereinzubringen (Schuldenmacher).
Schneid einen Dieb vom Galgen, und er bestiehlt dich.
Niemand holt sein Wort wieder ein.
Den Lasterhaften tadelt oft, wer ihn beneidet.
Der Vater Adam sockte weiter
Nachdem er Kain das verwies.
Er sprach: »Auf seiner eignen Leiter
Kommt keiner in das Paradies.«
Er wäre was, wenn er was hätte.
Fliehende Frucht

Da steh ich nun, ich armer Tor

Was hält die Welt zusammen?
Salomon, faustisch ausgedrückt:
Faust Monolog
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh‘ ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr‘
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
Dafür ist mir auch alle Freud‘ entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab‘ ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr‘ und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab‘ ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau‘ alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu‘ nicht mehr in Worten kramen.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Erwartungs-Abstand

Erwartung macht müde,
das Warten auf Echo,
unsere Sucht nach Widerhall,
Enttäuschung in uns hineinfressend,
die zur Übersäuerung führt.
Erwartung des Falschen.
Von Erwartung abstehen.
Auf Abstand bauen.
Eigene Baustelle.

 Erwartungsabstand

Peinlich?

Peinlich, Bibel und Gottes Wort.
Wer sich meiner schämt,
dessen werde ich mich schämen.
Interessiert mich nicht.
Pein-voll für dich.
Wieso? Mir geht es doch gut, schau auf mein Haus, meinen Garten, mein Auto, meine Freunde, meine Reisen, mein guter Job, meine prachtvollen Kinder… Ich liebe das Leben.
Was hilft es dir, wenn du nicht über den Tellerrand schaust, gierig raffst, was du kriegen kannst, Materielles und Immaterielles, deine Seele dabei verdorrt und mit dir am Ende zerfällt wie dein vermeintlicher Reichtum, den du nicht mitnehmen kannst und dein ganzes Raffen am Ende wertlos macht? Meinst du, der Tod schmeckt gut?
Sterben muss jeder.
Etliche werden den Tod nicht schmecken.
Ich bin ja getauft. Aber ob das am Ende etwas nützt? Deine Entscheidung, deine Barmherzigkeit, deine Gnade. Sie sagen,deshalb seist du ja schließlich gestorben.
Was gibst du, damit du deine Seele (er)löst?
(Dialog nach Markus 8, 35—38, Markus 9, 1)

Wie der Fisch im Wasser

Reisegedanken

Der Weg zu dir, o Gott,
ist eine lange Reise.
Aufraffen,
losgehen.
Vater, Mutter, Mann, Kinder, Geliebte
hinter sich lassen.
Festhalten hieße nicht losgehen.
Nicht in den Rückspiegel schauen.
Zuviel Gepäck dabei.
Drückendes Joch.
Unter der Last ächzend wächst die Bereitschaft,
sich Stück für Stück von Ballast zu trennen.
Der Blickwinkel, was Ballast ist,
verändert sich unter Einfluss des Wetters.
Enthusiasmus,
Zuversicht,
Demut,
Geduld,
Ungeduld,
Niedergeschlagenheit,
Rückschritte.
Das Wetter ändert sich beständig.
Die nächste Steigung kommt bestimmt,
mutig darauf zugehen,
die Aussicht auf die Anhöhe spornt an,
der grandiose Ausblick.
Ruhepausen einlegen,
Raststätten ansteuern,
neue Nahrung fassen,
Kraft schöpfen,
sich neu orientieren,
Wegzeiger erkennen.
Sich wieder losreißen,
die eigene Verantwortung schultern,
den inneren Schweinehund bekämpfen,
das Lied des einsamen Wanderers singend.
Weiter gehen,
den nächsten Schritt wagen,
gerade noch gedacht,
ist er schon wieder Vergangenheit.
Die Anstrengung hinter einem.
Durchwandertes Leben.
Jahr für Jahr.
Du Wanderer vor mir,
du bereitest mir den Weg,
ebnest ihn vor mir,
leuchtest ihn im Dunkeln aus,
nährst mich,
führst mich an die Quelle.
Du sorgst für mich,
wie für eine Blume,
an deinem Wasser gepflanzt.

Domus mea – mein Haus

Domus mea,
domus orationis vocabitur,
dicit Dominus:
in ea omnis, qui petit, accipit:
et qui quaerit, invenit,
et pulsanti aperietur.
“Mein Haus,
Haus des Gebetes wird es genannt“,
spricht der HERR:
„In ihm jeder, der bittet, empfängt,
und wer sucht, findet,
und dem Anklopfenden wird geöffnet.“
(Choralbuch für die Messfeier, hrsg von den Mönchen der Abtei Münsterschwarzach, 375)
Mein Haus
ist zwar nur eine Hütte,
aber jede Hütte kann ein Schatzkästlein sein,
das durch den Gast zum Palast wird.
Hütte, die auf den Himmel baut

Fackeln im Wind

Wir sind Fackeln im Wind.
Wenn der Wind die Fackel ausbläst,
leuchtet unser Licht in einer anderen Welt,
viel heller, als es eine Fackel auf Erden je könnte.
Schlichte und einfache Leben sind oft die ehrlichsten.
Ohne viel Anspruch,
ohne viel Streben,
einfach nur leben.
Meine Urlaube scheinen weiterhin vom ersten Tag an Trauer zu tragen. An was das wohl liegt? Wohin das wohl führt?
Vergängliche Sonnen

Davids Lobpreis

Der HERR ist mein Fels, meine Burg und mein Retter.
Gott ist mein Hort, auf den ich traue,
mein Schild und meine Stärke,
mein Schutz und meine Zuflucht,
mein Heiland und mein Helfer aus aller Not.
Ich rufe zu dir, o Gott, und du erlöst mich aus der Hand meiner Feinde.
Die Schmerzen der Finsternis hatten mich schon umfangen,
der Schlund des Verderbens mich erschreckt,
die Hölle hatte mich schon umfangen und
des Todes Stricke mich überwältigt.
In meiner Angst schrie ich zu meinem Gott und er erhörte mich.
Die Erde bebte und bewegte sich,
er schickte dunkle Wolken, Sturm, Blitz und Donner und
sein Zorn entlud sich wie ein großes Ungewitter,
so dass der Grund allen Seins für mich sichtbar wurde.
So hast du mich auf deine Weise von all meinen Feinden errettet,
mich herausgerissen aus dem Verderben und
mich in dein weites Land geführt,
weil du mich liebst.
Der HERR tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit,
er vergilt mir nach der Reinheit meiner Hände,
denn ich halte seine Wege und
bin nicht gottlos gegen meinen Gott.
Alle seine Rechte habe ich vor Augen,
seine Gebote werfe ich nicht von mir,
sondern ich bin ohne Tadel vor ihm
und hüte mich vor Sünden.
Darum vergilt mir der HERR nach meiner Gerechtigkeit,
nach meiner Reinheit vor seinen Augen.
Bei den Heiligen bist du heilig,
bei den Frommen bis du fromm,
bei den Reinen bist du rein, und
bei den Verkehrten bis du verkehrt.
Denn du, HERR, hilfst den Elenden und
mit deinen Augen erniedrigst du die Hochnäsigen.
Du bist meine Leuchte,
und machst meine Finsternis licht.
Mit dir überwinde ich was mich hemmt,
mit dir überspringe ich Mauern.
Gottes Wege sind vollkommen,
seine Reden sind Wahrheit.
Er ist Schild allen, die ihm vertrauen.
Denn wo ist ein Gott außer dem HERRN, und
wo ist ein Hort außer unserem Gott?
Du HERR stärkst mich mit Kraft und
weist mir einen Weg ohne Tadel,
du schaffst mir Raum,
damit meine Füße nicht wanken.
Ich will dir danken, o HERR, unter den Heiden und
will deinem Namen lobsingen,
du, der du mir großes Heil erweist.
Gelobt seist du in Ewigkeit.
Amen.
(nach 2.Samuel 22)
Leuchte

Gebet des Jeremia

HERR, DU sprichst:
Verflucht ist der Mensch,
der sich auf Menschen verlässt und
denkt, seine Kraft liege in ihm selbst,
der nicht versteht,
dass alles Leben von DIR kommt
und in seinem Herzen
dich nicht erkennt.
Er ist wie die Heide in der Wüste,
mit kurzer Blüte,
ohne tiefe Wurzeln.
Den Tröster wird er nicht sehen,
er wird in der Wüste bleiben,
verdorren in unfruchtbaren Land,
in dem kein Überleben ist.
Gesegnet aber ist der Mensch,
der sich auf DICH verlässt und
dessen Zuversicht DU bist.
Er ist wie ein Baum,
am Wasser gepflanzt,
tief verwurzelt an DEINEM Wasserlauf.
Er fürchtet die Hitze nicht,
denn seine Blätter bleiben grün,
und selbst wenn eine Dürre kommt,
braucht er sich nicht zu sorgen,
denn er trägt immer Frucht.
Das Herz des Menschen ist trotzig und verzagt.
DU prüfst Herz und Nieren,
gibst jedem nach seinem Tun,
nach der Frucht seiner Werke.
Gleich wie sich ein Vogel über die Eier setzt
und sie nicht ausbrütet,
so ist der Mensch,
der das Falsche sammelt.
Er bringt keine Frucht in die Scheuer,
sondern verschwendet seine Zeit mit der Spreu.
Alle, die sich auf sich anstatt auf den HERRN verlassen,
müssen am Ende den Tod sehen,
da sie nicht am Wasser bauen.
Ich, DEIN Hirte, sage es ihnen
und drücke mich nicht,
auch wenn sie mich dafür verspotten.
HERR, DEIN Wort,
das ich predige,
ist recht vor DIR und
sie glauben es mir nicht.
DU bist meine Hoffnung,
auf DICH vertraue ich.
Hilf DU mir, so ist mir geholfen,
denn DIR diene ich zur Ehre,
DEIN Wort verkünde ich,
wie DU es in mich gepflanzt hast und
in mir wachsen lässt.
Heile meine Wunden, o HERR,
die sie mir geschlagen haben,
so werde ich heil.
Amen.
(nach Jeremia 17)
Frucht bringen

Laufen lernen

Laufen lernen,
alleine gehen,
aufrecht,
den Blick nach vorn,
die sichernde Hand loslassen,
die ersten Schritte alleine wagen,
hinfallen und wieder aufstehen,
weitergehen,
ohne Angst, wieder zu fallen,
abbiegen,
neue Wege entdecken,
der Neugier folgen,
immer weiter,
die Freiheit gewinnen.
Alleine laufen lernen.
Auch wenn die Schuhe erst einmal zu groß sind.
Mutig ausschreiten.
Werdet wie die Kinder.

Auf dem Deich

Der Deich ist steil,
Schafe weiden darauf, ausgesetzt
dem Sturm, der sie auseinandertreibt,
Regenschauer, der sie peitscht,
Kälte, die sie frieren lässt,
Dunkelheit, in der sie sich verirren,
Blitz und Donner, der sie in Angst und Schrecken versetzt,
ausgeliefert den streunenden Hunden,
die sie rücksichtslos reißen,
als leichte Beute erachten,
sie achtlos und tief verwundet zurücklassen.
Niemand da, der rettet, wenn die Deiche brechen.
Wo ist der Hirte?
Auf den irdischen Hirten ist wenig Verlass,
er denkt nur an sich,
rennt von einer Weide zur nächsten,
maximiert seinen Gewinn,
bemerkt nicht die Gefahr.
Das Zäunlein, zum Schutz gebaut,
zerfetzt die Sturmflut.
Auf dem Deich ist das Leben immer in Gefahr,
er kann jederzeit brechen.
Der Weidegrund ist dennoch sicher.
Gottes Warft ist der schützende Stall.
Und wenn der Deich bricht,
der göttliche Hirte ist jederzeit wach,
zieht uns aus den Fluten,
bevor sie uns verschlingen,
umfängt uns mit Wärme,
trocknet die Tränen,
heilt alle Wunden,
hüllt uns in sein weißes Kleid,
von aller Blöße befreit.
Das rettende Ufer ist erreicht.

Auf dem Deich

Blaue Hortensie

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rau,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;
Verwaschnes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
(Rainer Maria Rilke, Neue Gedichte)

Räume

Räume können vollgestellt sein,
so dass man keinen Raum mehr hat.
Äußere Räume wie innere Räume.
Wenn die inneren Räume leer sind,
bleibt auch der äußere Raum leer,
egal wieviel Menschen den Raum füllen.
Gottes Raum ist,
wo Menschen innere Fülle haben,
Gott Raum geben,
Gottes Raum klingt,
wo Gottes Stimme hörbar ist,
unabhängig vom äußeren Raum.
Gottes Raum ist,
wo ER uns Raum gibt,
uns ihm entgegenfliegen lässt.
Himmelwärts