Leere Fülle

Der Mensch ist ein Gefäß,
das leer oder voll ist.
Wenn es voll ist,
passt nichts mehr hinein.
Der kleinste Anlass
bringt es zum Überlaufen.
Das Stimmengewirr
erlaubt keine Klarheit.
Die Völle wird zur Leere.
Wenn das Gefäß leer ist,
öffnet sich Raum.
Es kann einfließen,
was bisher keinen Platz hatte.
In der Stille
wird Klarheit.
Die Leere wird zur Fülle.

Osterweihnachten

Die Amaryllis blüht wieder.
pünktlich zu Ostern.

Eigentlich blüht sie ja
zu Weihnachten.
Letztes Jahr
war sie wie tot.

Das Leben hat ihr nicht geboten,
was sie gebraucht hätte,
um zu blühen.
Doch sie hat nicht aufgegeben.
Sie ist eine Kämpferin.
Sie hat ihrer Dürre durchlitten.
Nun weiß sie,
das wir an Ostern
Weihnachten feiern sollten.
Jesus ist im Sterben neu geboren!
An Ostern feiern wir
sein neues Leben!
Man muss erst sterben,
um zu leben!
Man muss erst sterben,
um neu geboren zu werden.
Man muss erst sich ganz aufgeben,
um zu blühen!
Nach zwei Jahren verstehe ich den Wink,
liebste Amaryllis.



Karfreitags – Gedanken

Ich habe mich im letzten Jahr
sehr weit von organisierter Kirche entfernt.
Es fällt mir schwer,
Predigten des Kirchenpersonals
zu ertragen.
Ich kann den gesammelten Unsinn,
der verbreitet wird,
kaum ertragen,
gerade jetzt zu Karfreitag und Ostern.
Meine Kirchenzeit scheint vorbei,
meine Klosterzeit auch.
Ich brauche keine Kirche,
ich brauche keinen äußeren Ort mehr,
der innere Ort reicht.
Karfreitag, Ostern,
Kirchenfeste,
meine Kirche als Zufluchtsort,
den ich so geliebt habe,
sie lassen mich so unberührt
wie das letzte Weihnachten.
Seit vier Monaten habe ich
meine Kirche nicht mehr betreten.
Trennen kann man sich erst,
wenn man keinerlei Bedauern
mehr empfindet über die Trennung.
Gott allein.
Man muss viele Meilen gehen,
viele Wüsten durchqueren,
in vielen Wassern ertrinken,
bis die Lichter der Welt,
an Bedeutung für einen verlieren.
Ich komme langsam zur Oster – Besinnung.
Die Lichter der Welt,
sie rauschen an mir vorbei,
ohne mich zu treffen.
Jedoch: Das Licht der Welt trifft mich wohl.
Abglanz der Lichter der Welt

Ver-Harren

Fliegen und Abstürzen.
Beides nur einen Atemhauch voneinander getrennt.
Eine Gratwanderung, nicht vom Menschen beherrschbar.
Fliegen können wir nicht aus eigener Kraft,
abstürzen sehr wohl, in unserer
ganzen Schwachheit und Hilflosigkeit.
Davonfliegen.

Haute Couture

Es ist früh im Jahr und
doch tragen die ersten Schönheiten
ihr Festttagskleid.
Tief rot leuchtend,
ziehen sie meine Blicke auf sich.
Ein ungewohntes Bild für die Augen,
nach dem Wintergrau.
Ich traue ihnen gar nicht.
Wie kann das sein?
Es friert doch fast noch nachts.
Neugierig,
wer solch pralle Üppigkeit schon wagt,
zieht es mich wie eine Biene zur Blüte.
Kamelien,
rote und weiße,
Knospe an Knospe,
manche schon aufgeblüht.
Ich kann mich kaum satt sehen an ihnen,
in ihren roten und weißen Festtagsroben,
die sich kunstvoll in Falten legen.
Frühlings Haut Couture
vom Maßschneider
der Natur.

Rumpelstilzchen

Ich habe einmal auf einen Menschen geblickt, den ich schon länger kannte. Er hatte eine Gitarre in der Hand. Und wie ich auf ihn blickte, erschrak ich tief in meinem Innern. Was ist los mit ihm? Als ob der Teufel in ihn gefahren wäre. Als ob er ein anderer Mensch wäre. Er hat wie Rumpelstilzchen auf dem Boden aufgestampft, als er das Lied angestimmt hat. Als hätte er selbst gemerkt, dass etwas falsch ist. Der Teufel ist immer noch in ihm.

Ja, das gibt es. Und es kommt einem so – mit Trauer – in den Sinn, in der Wartezeit. Die Trauer um diesen Menschen. Wieso singt er dieses Lied: O, wie gut dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß?

Frühlings – Kyrie

„Ich bin toter als tot“.
Das war gestern früh.
Ich habe mich wieder einmal zu meinem geliebten Gregorianik-Workshop aufgemacht. Aber wie singen, wenn man toter als tot ist?
Unter hervorragender fachlicher Anleitung und der nötigen Zeit für einen selbst und die Stimme, wieder aufzustehen, geht es. Aufstehen lassen, sich aufrappeln, wieder auferstehen.
Am Ende des Tages konnte ich das Kyrie singen, wie nie. Es ist einfach aus mir herausgeflossen. Oder war das Kyrie gestern leichter als sonst?
Nach der Vesper: Irgendwie hatte jeder den Eindruck, es hat heute irgendwie alles besser geklungen… Das gewisse unbenennbare Etwas war im Raum, das nicht Sichtbare, das trotzdem da ist.
Ich bin toter als tot.
Das ist der Weg zum Leben.
Das Zulassen im Seinlassen.
Wir können es getrost.
Über Nacht sind Krokusse gewachsen.
Frühlings-Kyrie

Sonnenkraftwerk

Reinigung.
Wasser über sich fließen lassen.
Den Geist klären.
Die Sinne frei machen.
Seele und Körper duschen.
In aller Frühe gelingt es am besten.
Heute morgen haben sich meine Gedanken geklärt:
Du hast noch zwei Dinge zu tun:
deinen Kirchenschlüssel abgeben und
aus der Kirche austreten.
Aber wie macht man das?
Gegoogelt, nun weiß ich es:,
25 EUR,
schmerzlos,
Kirche braucht man dazu nicht.
Wechseln Sie den Stromversorger!
Ich bin inzwischen autonom,
nach vielen Kämpfen
habe ich nun mein eigenes Sonnenkraftwerk.
Wann ich es vollkommen in Betrieb nehme?
Ich werde sehen.
Vor drei Jahren bin ich noch jeden Sonntag in den Gottesdienst gegangen.
Weite Strecken, die man geht, bis man geklärt ist.

Schwalben

Wieder durchgestartet.
Das beflügelt.
Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling.
Und Schwalbe ist nicht gleich Schwalbe.
Es gibt Schwalben, die flattern und fallen,
und Schwalben, die fliegen und fleißig sind.
Die einen betrügen und stolpern,
die anderen nähren ihre Jungen.
Die einen sind Rauchschwalben,
die anderen Mehlschwalben.

Fruchtbares und flaches Land

Wenn über dich kommt Segen oder Fluch,
und du in dein Herz gehst,
und dort Gott nicht findest und dich
bekehrst zu ihm,
auf seine Stimme hörst,
von ganzem Herzen und ganzer Seele,
in allem, was ich dir gebiete, so wird der HERR,
dein Gott, sich
deiner erbarmen,
das Gefängnis in dir wenden,
und dich zu ihm versammeln.

Wenn du bis an der Himmel Ende verstoßen wärest,
so wird dich doch der HERR, dein Gott, von dort sammeln
und dich von dort holen und
dir Gutes tun.

Und der HERR, dein Gott, wird dein Herz vom Bösen beschneiden,
dass du den HERRN, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele,
auf dass du leben mögest.

Denn das Gebot, dass ich dir heute gebiete,
ist dir nicht verborgen, noch zu ferne,
noch im Himmel,
dass du sagen möchtest:
Wer will in den Himmel fahren und es uns holen,
dass wir’s hören und tun?

Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen möchtest:
Wer will uns über das Meer fahren und es uns holen,
dass wir es tun und hören?

Denn es ist das Wort gar nahe bei dir,
in deinem Herzen, dass du es tust.

Siehe ich habe dir heute vorgelegt
das Leben und das Gute,
den Tod und das Böse.

(5.Mose 30, 1-20).

Wunderschön.
Mensch, du hast keine Entschuldigung,
du hast die Wahl.
Das Wort ist nahe bei dir,
tue es.

Jesus hat dies erklärt im Gleichnis vom Sämann, der das Wort sät und der Mensch im Bild entweder karges, steiniges, dornenreiches oder eben fruchtbares Land ist. Der Same ist das Wort, erklärt Jesus.

Denn es ist das Wort gar nahe bei dir,
in deinem Herzen, dass du es tust.

Was wird gelehrt?

Vergesst die Auslegung des Gleichnisses. Alles nicht so gemeint. Das könnt ihr getrost beiseitelassen, und freut euch an Gottes verschwenderischer Liebe. Das sagt ein „Pfaffe“, der sich selbst so nennt. Das predigt er tatsächlich. Gott wirft, heißt das, sein Wort ja gern vergebens auf unfruchtbares Land. Er verschwendet gern.

Wieso braucht es dann überhaupt das Wort, überhaupt einen Pfaffen? Überhaupt das Gleichnis? Wieso erzählt Jesus das Gleichnis, wieso steht es in 3 Evangelien? Und überhaupt Land: Gutes Land, die Botschaft des Gleichnisses: Sei gutes Land? Die Anstrengung ist nicht nötig, Gott ist verschwenderisch mit seiner Liebe. Lehnt euch getrost zurück und schlaft weiter.

Als ich das gelesen habe, habe ich fast meine Austrittserklärung geschrieben. Ich muss Dampf ablassen, sonst tue ich es noch. Es ärgert mich, seit ich es gelesen habe. Solche Pfaffen soll ich ernst nehmen und auch noch alimentieren mit meinen Kirchen-Steuern? Ich habe große Zweifel. Ich würde gern entscheiden wollen, welchen Pfaffen ich für fruchtbares Land halte und welche für flaches Land. Das fruchtbare Land unterstütze ich gern, das flache nicht: Es welkt in der Sonne und ist unfruchtbar, verführt die Menschen zu trügerischem Schlaf und führt sie auf die falsche Spur.

Denn es ist das Wort gar nahe bei dir,
in deinem Herzen,
dass DU ES TUST!

Da kann man sich nur zu Mt 13, 24-30 retten:

Mt 13, 24-30 Gleichnis vom Sämann

Hier spricht der Kapitän

Eigentlich dachte ich schon am Nachmittag:
Dein Kopf ist leer, du fühlst dich ausgebrannt.
Dann: Zum Flughafen gerannt.
Mit schwerem Gepäck.
Auf dem Weg:
Du musst einen Gang rausnehmen,
sonst kommst du nicht an.
Eine riesige Schlange vor der Sicherheitskontrolle.
Monsieur, ich strecke ihm mein Ticket entgegen,
reicht das noch, wenn ich mich hier anstelle?
Er winkt mich raus in die Schnellspur für 1.Klasse.
Ich lächle ihn dankbar an:
Danke, Monsieur.
Es wird schon geboardet,
aber dann zieht es sich hin:
Flugzeug enteisen.
Hier spricht der Kapitän:
Leider müssen wir jetzt noch 20 Minuten warten,
wegen hohem Verkehrsaufkommen am Zielflughafen.
Mmmmhhhhh.
Endlich geht es los.
Zwischendrin,
hier spricht Ihr Flugbegleiter:
Bitte schnallen Sie sich an,
wir fliegen durch Turbulenzen.
Die Turbulenzen gehen eigentlich,
habe schon Schlimmeres erlebt.
Es kann nicht mehr lange dauern.
Hier spricht der Kapitän:
Wenn Sie nach rechts rausschauen,
sehen Sie sicher:
Es ist nebelig.
Wir kreisen jetzt noch maximal 20 Minuten,
vielleicht bessert sich das Wetter und
dann machen wir einen Landeversuch.
Mmmmhhhh
Das Fahrwerk wird ausgefahren.
Es klingt wie Musik in meinen Ohren.
Klappt also.
Wir gehen runter.
Plötzlich gibt der Pilot wieder Gas
und zieht die Maschine wieder hoch.
Mmmmhhh-
Hier spricht der Kapitän:
Das Wetter ist leider noch schlechter geworden.
Tut mir Leid,
für den missglückten Landeversuch.
Leider müssen wir jetzt doch auf einem anderen Zielflughafen landen.
Mmmmhhhhhhhhhhh.
Wir gondeln weiter.
Ich schaue aus dem Fenster,
ich hatte einen undankbaren Mittelplatz,
zwischen zwei doch etwas sehr beleibten Herren.
Wie schön.
So stelle ich mir das Ende der Zeit vor
(nicht die Herren, die Aussicht!)
Es ist tiefdunkel,
und dazwischen blass orange farbene Bänder.
Und plötzlich unvermutet, wie aus dem Nichts,
glasklar, ein Leuchtturm in voller Schönheit,
das einzige Gegenständliche,
zwischen den orangenen Bändern in der Dunkelheit.
Flugzeug bleib stehen!
Ich muss das sehen,
in mich aufnehmen.
Aber nein,
das Flugzeug hält nicht an,
bevor ich die volle Schönheit des Bildes,
des Leuchtturmes, erfassen kann,
sind wir auch schon weitergeflogen.
Diesmal klappt die Landung.
Hier spricht der Kapitän:
Es dauert mindestens noch 10 Minuten,
bis der Ground Support kommt.
Mmmmmhhhhhh.
Flughafenbesichtungsrundfahrt gemacht,
35 Minuten auf Gepäck gewartet,
weiter 15 Minuten in der Kälte auf den Bus,
der die Gestrandeten weiter transportieren sollte.
40 Minuten Busfahrt.
Dann Eis gekratzt,
Schleicher vor mir im Nebel,
hoffentlich reicht der Sprit,
aber tanken,
tanken mag ich jetzt nicht mehr.
Ich gehe das Risiko ein und
komme an!
7 Stunden Rückreise.
3 Stunden verspätetes Wochenende!
Unterwegs: Tagesspruch gelesen:
Aber Euer Vater weiß wohl,
das ihr des bedürfet.
(Luk 12, 30)
Hier spricht der Kapitän!
Im Nebel

Superbowl

Schon wieder Event bei uns.
Gemischte Truppe.
Der Ball rollt,
nein, nicht Fußball,
Superbowl.
Ich weiß nicht,
wieso man sich dafür die Nacht um die Ohren schlagen muss,
wieso ich immer ja sage,
wieso ich bereit bin, morgen mit der Müdigkeit zu kämpfen,
weil heute Nacht Superbowl ist.
Da habe ich sicher die gesamte Woche noch etwas davon.
Dieser Sport ist mir fremd,
obwohl meine beiden Söhne Football spielen und schiedsrichten,
ich habe in all den Jahren nicht ein Spiel besucht.
Mein Beitrag:
30 Buletten,
30 x Zutaten für Burger.
3 Stunden Zeit investiert.
Eigentlich absurd.
Mütter.
Ich sitze wie die Spinne im Netz.
Im selbstgesponnenen Spinnennetz gefangen.
Im Augenblick kein Entkommen.
Schlachtgesänge dringen an mein Ohr.

Sonne der Gerechtigkeit

Siehe, ich will meinen Engel senden,
der vor mir her den Weg bereiten soll.
Und bald wird der HERR, den ihr sucht,
zu seinem Tempel kommen.
Der Engel des Bundes, den ihr begehrt,
siehe, er kommt.
Ist es umsonst, Gott zu ehren und ihm zu dienen?
Wer wird den Tag seiner Zukunft erleiden können?
Wer wird bestehen können, wenn er an die Tür klopft?
Der HERR sieht und hört,
er hat, was wir tun,
auf seinen Denkzettel geschrieben.
Diejenigen, die ihn fürchten und ehren,
ihm nachfolgen und dienen,
wird er schonen,
wie ein Vater ein Kind schont.
Euch soll aufgehen
die Sonne der Gerechtigkeit und
Heil unter ihren Flügeln.
Ihr sollt aus- und eingehen in Gottes Haus,
und hüpfen vor Freude wie ein Kind.
Über die anderen, die meinen,
Gott nicht zu brauchen,
wird Gras wachsen.
Das ist das Geheimnis von Weihnachten.
Die Geschundenen werden hüpfen,
über diejenigen, die Schinden und Morden,
wird Gras wachsen.
(nach Maleachi 3, 4)

Mit Gottes Segen

Seltsam unbestimmt gehe ich ins Neue Jahr. Wenn ich in mich hineinsehe, sehe ich nicht viel: wenig Emotionen, wenig Erwartungen, eine Landschaft im Dämmerlicht, ohne Berg und Tal, reine Ebene.

Ein Wüstenjahr habe ich hinter mir. Ich bin dankbar, dass ich es durchwandert habe. Ohne die Einsamkeit der Wüste, das Verlassen sein oder Verlassen, wäre ich niemals den Weg gegangen, den ich gegangen bin, wäre zwischendrin abgelenkt worden, hätte der Bequemlichkeit des Denkens und Handelns Platz gelassen. Die Wüste eröffnet einem innere Horizonte, die man niemals sehen würde, wenn sie von äußeren Gebäuden und Mauern verstellt wären. In der Wüste braucht man nichts, außer?

Die Bibel, mein Bibelleseplan hat mich durch das ganze Jahr begleitet. Überall hin. Ich habe gelernt und erfahren, dass die Bibelkapitel, die ich jeden Tag gelesen habe, mir Kraft, Ruhe und Frieden gegeben haben. Was ich jeden Tag gelesen habe, habe ich gebraucht. Es hat immer gepasst und mich bei mir und in meiner Mitte gehalten. Ich habe gelernt, dass es nichts außer Gott für mich braucht. Das Jahr in der Wüste hat mich unabhängig und frei gemacht. Gott sorgt für mich. Ich habe verstanden, was es heißt, wenn Jesus sagt: Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? (Mt 6, 26).

Er hat mich dorthin geführt, wo ich hin sollte. Ich habe das ganze vergangene Jahr keinen Gottesdienst besucht, an keinem Abendmahl teilgenommen, seit der Vorweihnachtswoche keine Kirche mehr betreten. Es ist eine Art Sterben, das Absterben von etwas, was man gemeint hat, zu brauchen. Mein Jahr mit Gottes Wort allein hat mich weit abrücken lassen von Kirche, insbesondere von kirchlicher Lehre. Es hat mir einen neuen Blick, neue Einsichten, viel neues Verstehen gegeben. Ich denke nicht, dass ich dahin gekommen wäre, wenn ich weiterhin mitgeschwommen wäre. Alles hat seinen Sinn. Wenn ich konsequent wäre, müsste ich austreten, aber davor schrecke ich immer noch zurück. Auch das wird seinen Sinn haben.

Mein Leben hat sich im vergangenen Jahr komplett verändert. Ich arbeite fast nur noch im Ausland. Abgesehen von den hohen Reisestrapazen und den Auswirkungen auf meine frei verfügbare Zeit, ist die Herausforderung groß, Menschen aus anderer Kultur sind mir gegeben, ich ein Fremdling dort, mit meiner deutschen Art. Aber gerade als Fremdling findet man Gott im Nächsten, ist gezwungen, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden, denjenigen, der dir gegenübersteht, genau anzusehen, sorgsam und feinfühlig mit ihm umzugehen, wie mit einem kostbaren Gut. Das ist schwer und nicht immer zu schaffen im generellen Anspruch, ohne Gott habe ich keine Chance und ich schaffe nur, was ich mit seiner Leitung und seinem Segen tue. So ist meine Jahreslosung für 2015:

Wenn du dein Herz richtest, deine Hände ausbreitest, die Untugenden von deiner Hand fern hältst und die Augen aufhebst ohne Tadel, bist du fest und brauchst dich nicht zu fürchten. Dann siehst du die Mühsal wie Wasser, das vorüberzieht, das Leben geht auf wie die Sonne am Mittag, das Finstere wird zum lichten Morgen und du tröstest dich an der Hoffnung. Du legst dich in Sicherheit schlafen, ruhst in dir und niemand kann dich aufschrecken (nach Hiob 11, 13-20).

So bitte nun um Spätregen, so wird der HERR dir Gewölk machen und dir Regen genug geben zu allem Gewächs auf deinem Feld (Sacharja 10, 1). Fürchte dich nicht und stärke deine Hände. Das ist es was ihr tun sollt: Rede einer mit dem anderen Wahrheit, richtet recht, schafft Frieden in euren Toren, denke keiner Arges in seinem Herzen wider seinen Nächsten und schwört keine falschen Eide. Dann werdet ihr zu einem Segen! (nach Sacharja 8, 13-17)

Weihnachtszeit

Jauchze, du Tochter Zion!
Rufe, Israel!
Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen,
du Tochter Jerusalem!
Der HERR, der König Israels, ist bei dir,
damit du dich vor keinem Unglück fürchten musst.
Deine Strafe ist weggenommen und
deine Feinde sind abgewendet.
Lass nicht ab vom guten Werk deiner Hände,
denn der HERR, dein Gott, ist bei dir,
ein starker Heiland.
Er freut sich über dich mit lautem Schall,
ist dir freundlich,
vergibt.
Er bringt die Verängstigten zusammen,
hilft den Hinkenden,
sammelt die Verstoßenen und
bringt sie zu Lob und Ehren in seinem Land.
Zu der Zeit ist Weihnachtszeit!
(nach Zephania 3, 14-20)
Jauchze, Tochter Zion