Gnade

Wenn nicht dein Angesicht vorangeht, so führe uns nicht von hier hinauf.
2.Mose 33,15
Ich will vor dir her senden einen Engel,
um euch in das Land zu bringen,
in dem Milch und Honig fließt.
Ich will aber nicht mir dir hinaufziehen,
denn ihr seid halsstarrig.
Dennoch rede ich aus der Wolkensäule mit dir,
deren Name ich kenne.
Hab Gnade mit uns, oh Gott, und
lass uns deinen Weg wissen,
erbarme dich deiner dummen Kinder,
gib uns gnädig das Geleit.
Wem ich aber gnädig bin, dem bin ich gnädig,
wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.
Mein Angesicht soll vorangehen.
Damit will ich dich leiten.
Mein Angesicht wirst du aber nicht sehen,
denn kein Mensch wird leben,
der mich sieht.
Es ist aber ein Raum mit mir,
in dem wirst du auf dem Fels stehen und
ich werde meine Hand über euch halten.

Stückwerk Liebe

Wie schön klingt das,
wie schmelzen wir dahin,
wenn wir die Elegie auf die Liebe lesen,
eine Ahnung vom Scheitern schon im Hinterkopf (1.Korinther 13, 1-3):
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete
Und hätte die Liebe nicht,
so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Und wenn ich prophetisch reden könnte und
wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnisse und hätte allen Glauben,
so dass ich Berge versetzen könnte,
Und hätte die Liebe nicht,
so wäre ich nichts.
Und wenn ich all meine Habe den Armen gäbe und
ließe meinen Leib verbrennen,
Und hätte die Liebe nicht,
so wäre mir’s nichts nütze.
Die Liebe ist langmütig und freundlich,
die Liebe eifert nicht,
die Liebe treibt nicht Mutwillen,
sie bläht sich nicht auf,
sie verhält sich nicht ungehörig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern,
sie rechnet das Böse nicht zu,
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit,
sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie duldet alles.

Soweit die Beschreibung, was Liebe ist. Hier hören wir in der Regel auf zu lesen, denn dann kommt die unerbittliche Realität:

Die Liebe hört niemals auf, wo doch
das prophetische Reden aufhören wird und
das Zungenreden aufhören wird und
die Erkenntnis aufhören wird.
Denn unser Wissen ist Stückwerk undunser prophetisches Reden ist Stückwerk.
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
Wir würden gut daran tun, die romantische Brille abzunehmen, wenn wir in unseren Spiegel schauen. Im Korintherbrief ist göttliche Liebe beschrieben, keine menschliche Liebe. Mensch kann diesem Anspruch niemals genügen. Ich kenne nicht einen.
Es ist die Liebe beschrieben, die uns umfassen wird, wenn das menschliche Stückwerk aufgehört hat, wenn das Vollkommene kommen wird.
Menschliche Liebe zeigt sich egoistisch und endet früher oder später allermeist in Tränenfluten, in denen man ertrinkt. Weil wir auf Dauer keinem einzigen der oben beschriebenen Merkmale genügen können. Weder ich, noch der-/diejenige, auf den wir unsere Liebe projizieren, den wir denken zu lieben.
Deshalb sollten wir uns von der menschlichen Illusion von der Liebe im irdischen Dasein trennen. Das würde uns besser bekommen. Bei der Unzulänglichkeit des Menschen sind wir damit auf Dauer überfordert. Menschliche Liebe ist eine Selbsttäuschung. Menschliches Stückwerk, das irgendwann die Betroffenen zerstückelt hinterlässt. Sich darauf einzulassen ist auf Sicht masochistisch.
Brillen und Spiegel putzen ist schwere Arbeit und fördert einen Blick zutage, der uns gar nicht gefällt.
Liebe ist ein Kuckucksnest von Illusionen, in das wir uns verstricken und das viel zu hoch hängt für uns.

Dolchstoß Legende

Dolchstoß – Legende,
hört sich bedrohlich an,
fühlt sich nicht gut an.
Man glaubt sich in seinem Rücken sicher,
und unvermutet kommt einer,
den man eigentlich zu seinen Freunden zählte, und
rammt einem einen Dolch in den Rücken.
Der Dolch trifft dich ins Herz,
die Eingeweide quellen heraus und
du verblutest,
stirbst unter schweren Schmerzen
bei vollem Bewusstsein.
Legende – weil es deine subjektive Sicht ist.
Der, der den Dolch führt, sieht es vielleicht anders.
Das spielt aber keine Rolle,
weil du es bist, der am Ende tot ist.

Bund fürs Leben

Ich will einen ewigen Bund mit meinem Volk schließen, dass ich nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun.
Jeremia 32,40
Und wie lautet der Bund?
Ich will einen ewigen Bund mit dir schließen,
auf den du dich verlassen kannst:
Ich will dir meine Furcht ins Herz geben,
damit du nicht von mir weichst.
Ich will dir Gutes tun, zu meinem Wohlgefallen.
Auch wenn es für dich nach Unglück aussieht.
Ich will dich zum verheißenen Land führen,
weil ich es aus ganzem Herzen und aus tiefster Seele will.
Was ich an dir bewirke, tue ich meinetwillen, nicht deinetwillen.
Nicht treulos, wie menschliche Bünde.
Nicht wortbrüchig, wie menschliche Versprechen.
Nicht unzuverlässig, wie menschliche Zusagen.
Der Bund ist
Dein „ich will“ zu mir.
Mein „ich will“ zu dir.
Ein Bund fürs Leben.
Ein Bund für die Ewigkeit.
Einer, der hält.

Gerechtigkeit

Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN; ich preise deine Gerechtigkeit allein. 
Psalm 71,16
Du machst mich gerecht, dadurch,
dass du an und in mir wirkst,
dass du mir nah bist und mir zur Hilfe eilst,
wenn ich dich brauche.
Deine Gerechtigkeit hat aber nichts zu tun mit dem, was Mensch für gerecht hält.
Deine Gerechtigkeit wächst mir aus dem Glauben an dich zu, da in ihm deine Gerechtigkeit ist.
Der Glaube macht gerecht vor dir,
nicht unbedingt vor den Menschen,
nicht unbedingt vor mir selbst.

Wie Schnee und Regen

Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und
die Erde feucht und fruchtbar macht und lässt wachsen,
so dass es Saat gibt und Brot zu essen,
so soll das Wort,
das aus meinem Munde geht, auch sein:
Es wird nicht wieder leer zurückkommen,
sondern wird tun,
was mir gefällt,
und ihm soll gelingen,
wozu ich es sende.
(Jesaja 55, 10 ff)
Das Wort wird tun, was mir gefällt.
Das Wort ist aktiv.
Das Wort ist handelndes Subjekt.
Das Wort ist ausführend.
Das Wort ist Bote.
Ihm soll gelingen, wozu ich es sende.
Basta.

Leben oder schlafen?

Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.
Daniel 12,2
Der physische Aggregatzustand, in dem ich mich befinde, ist nicht entscheidend, ob ich sagen kann, „ich lebe“ oder „ich schlafe unter der Erde“.
Der Zeitpunkt, in dem es sich entscheidet, ob ich aufwache zum ewigen Leben oder noch etwas schmoren muss, ist jetzt.
Dasjenige, was entscheidet, ob ich im Jetzt lebe oder schlafe, liegt in mir selbst.
Es ist mein uneingeschränktes Ja zu dem, der mir das Leben schenkt.
Nicht jeder erreicht das uneingeschränkte Ja.

5 mal Wehe

Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug! 
Jesaja 5,21
Weh denen, die lügen und Unrecht tun.
Weh denen, die die Wahrheit verdrehen.
Weh denen, die sich für weise und klug halten.
Weh denen, die dem Konsum verfallen sind.
Weh mir,
ich werde noch lange in Geburtswehen liegen.

Wahrhaftig Lebendig

Der HERR ist der wahrhaftige Gott, der lebendige Gott, der ewige König. Jeremia 10,10
Erschreckt nicht vor den Zeichen des Himmels, nur weil viele sie nicht lesen können. Lasst euch nicht blenden und irritieren von menschlichem Blendwerk und falschen Göttern.
Nur Gott ist reine Wahrheit.
Nur in Gott ist wahre Lebendigkeit,
Nur er hat das Zepter in Wahrheit in der Hand.
Lebt ganz einfach nach dieser Wahrheit.
Versucht sie nicht zu verstehen,
sie übersteigt menschliche Vernunft.
Fürchtet seinen Zorn.
Diejenigen, die seine Wahrheit nicht interessiert,führt er solange durch schwieriges Gelände, bis wir in seiner Wahrheit lebendig werden. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Sämann

Pflüget ein Neues und säet nicht unter die Dornen! 
Jeremia 4,3
Die Tageslosung für heute. Die hehre Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt die Kraft und die Zuversicht.
Wie lassen wir die Dornen hinter uns und kommen in das neue Land?
Was ist das neue Land?
Und das neue gute Land ist:
der neue Himmel und die neue Erde,
das neue Testament,
das neue Jerusalem,
die neuen Schläuche,
der neue Teig.
Was tut der Sämann,
wenn er das neue Land nicht findet,
wenn ihm die Kraft für den Pflug fehlt,
wenn ihm das Saatkorn ausgeht?
Das Beste für ihn wäre,
er legte sich hin und stürbe.
Aber auch das vermag er nicht allein.
Auch dazu braucht es einen barmherzigen Gott.
Damit wären wir wieder bei der Tageslosung.
Es ist ein Teufelskreis.
Fernes Land

Demut

Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.
Sprüche 3,34

Demut – welch ein scheinbar unmodernes Wort.
Was heißt es?
Sich zu lassen,
sich Gott zu überlassen,
anzuerkennen, dass ich,
was ich bin,
nur durch ihn bin.
Es braucht Mut zur Demut.

Höllenfeuer

Ich glaube,
in mir brennt ein Höllenfeuer,
lässt meine Brust fast zerbersten.
Lodernd steigt es mir den Rachen empor.
Sein Rauch lässt mich um Atem ringen,
Nimmt mir die Stimme,
Verbrennt mir die Zunge,
lässt meine Augen tränen.
Solange meine Schlechtigkeit darin verbrennt,
soll es mir recht sein,
soll es lodern,
solange es Nahrung findet.

Heiligtum

Gott, dein Weg ist im Heiligtum. 
Psalm 77,14
Hat Gott vergessen, gnädig zu sein?
Es ist mein Kranksein.
Deshalb will ich nachdenken über all dein Tun,
Deshalb will ich nachsinnen, über deine Taten.
Deshalb will ich nachfolgen deinem Wort.
Gott, dein Weg ist im Heiligtum.
Gott, dein Weg ist in dir.
Gott, dein Weg ist in mir.
Der Ausweg führt zu dir in mir.
(Anmerkung: Deshalb ziehe ich die Übersetzung oben der vor, die heute vorgesehen ist: Gott, dein Weg ist heilig. Das ist etwas anderes.)

Ungeduldige Geduld

Das Warten der Gerechten wird Freude werden.
Sprüche 10,28

Geduld habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.
Hebräer 10,36

Ich verstehe das,
vermag es aber nicht umzusetzen.
in der Praxis scheitere ich an meiner Ungeduld.

Wie kann man als ungeduldiger schneller Mensch
zu einem geduldig wartenden Menschen werden?
Kann man das lernen?

Geduld habe ich nötig,
damit ich den Willen Gottes tue und
das Verheißene empfange.

Ungeduldige Geduld,
geduldige Ungeduld.
Gott gib mir Geduld,
Gott nehme mir meine Ungeduld,
sonst wird das nichts mit uns.

Wenn ich aber als Maß die Freude anlege,
bin ich unendlich geduldig.
Die Sprüche sind mir näher.

Lebend oder tot

Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt? 
Hesekiel 18,23
Wer gottlos ist, ist wie tot,
egal ob er körperlich lebt oder gestorben ist.
Wer in und mit Gott ist, der lebt,
egal ob er körperlich tot oder lebendig ist.
Wahres Leben ist keine Angelegenheit des physischen Seins oder Nicht-Seins.
Tot-Sein ist keine Angelegenheit des physischen Sterbens.

Außer Rand und Band

Gelobt sei Gott, der seinen Engel gesandt und seine Knechte errettet hat, die ihm vertraut haben. 
Daniel 3,28
Deine Knechte sind zum Verzweifeln.
Selbst wenn du selbst uns die Hand führst, bringt Mensch es fertig, noch den Karren gegen die Wand zu fahren. Sobald du dich wieder ins Unsichtbare zurückziehst, benehmen sie sich wie eine Schulklasse, wenn der Lehrer den Raum verlässt. Albern, infantil, pubertär, außer Rand und Band.
Deshalb braucht es über 1000 Bibelseiten, um dem Menschen eine im Kern einfache Botschaft zu vermitteln, die in einem Satz zusammenzufassen ist:
Ich bin Gott und sonst niemand, hört und handelt nach meinem Wort, glaubt und vertraut mir.
Mehr ist es eigentlich gar nicht.
Ein gutes Beispiel eines solchen unzureichenden Knechtes habe ich erst gestern hier abgeliefert. Selbst wenn man hört und sieht, hilft das nichts. Im Handeln, vertrauenden Lassen und Verlassen sind wir am unzulänglichsten.

95 Thesen zum Reformationstag 2012

1. Gott ist gegenwärtig, jeden Augenblick. Wir sehen und hören ihn nicht, weil wir es verlernt haben.
2. Der Lärm unserer multimedialen Welt übertönt den Klang unserer inneren göttlichen Stimme.
3. Wir fallen auf unsere eigene Reklame herein.
4. Die warme Glanz wahrer innerer und äußerer Schönheit wird vom effektvollen digitalen Scheinwerferlicht überblendet.
5. Das ist entgegen unserer wahren Natur, entgegen unserem innersten göttlichen Kern.
6. Wir sind selbst der größte Verhinderer unseres eigenen Friedens.
7. Wenn jeder für sich Frieden findet und hält, leistet er den größten Beitrag zum Frieden in der Welt.
8. Jeder kann lernen, den Klang seiner inneren Stimme wieder zu hören, sofern er es will.
9. Jeder kann lernen, wieder mit seinem inneren Auge zu sehen, sofern er es will.
10. Jeder kann lernen, wieder auf seine Intuition zu vertrauen, sofern er es will.
11. Jeder kann lernen, wieder sein Herz zu spüren, sofern er es will.
12. Jeder kann lernen, Gottes Gegenwart wieder zu erfahren, sofern er es will.
13. Jeder muss diesen Weg des inneren und äußeren Lernens für sich alleine gehen.
14. Er erfordert Geduld, es ist ein langer, leidvoller und dorniger Weg.
15. Innere Erkenntnis erfordert äußerliches Handeln.
16. Man muss bereit sein, sich den inneren Abgründen und Ängsten zu stellen und
17. alles Geröll und allen Schutt, der einem entgegenkommt, eigenhändig wegräumen.
18. Denkt man, man sei fertig, kommen einem schon neue Schlammlawinen entgegen.
19. Der Weg kann durch tiefe Täler und Wüsten gehen.
20. Wie leidvoll es auch ist, jeder Schritt führt zu einer inneren Reinigung und Klärung.
21. Man darf sich von Rückschlägen nicht abhalten lassen, den Weg weiter zu gehen.
22. So lernt man sein Ego zu erkennen und sich ein Stück weit von seinen Begrenzungen zu befreien.
23. Tag für Tag eröffnet sich uns die göttliche Gegenwart einen Spalt mehr.
24. Man muss sich selbst vergeben, um Gottes Vergebung annehmen zu können.
25. Man begegnet auf dem Weg seiner eigenen Sterblichkeit.
26. Sterben verliert dabei seinen Schrecken.
27. Wir erkennen, dass es nur ein Ablegen der äußeren, körperlichen Hülle ist.
28. Unser nicht körperlicher Teil, unser innerer Kern, geht in die göttliche Herrlichkeit ein.
29. Er kehrt an den Ursprung zurück, von dem er kommt.
30. Vor dem Sterbetor legen wir unsere irdenen, materiellen, anhaftenden Rucksäcke ab.
31. Wir blicken auf unser irdisches Leben zurück und klären, was es noch zu klären gibt.
32. Wenn wir mit uns im Reinen und von Schuld erleichtert sind, sind wir bereit, und gehen durch das Tor.
33. Ein Engel kommt uns entgegen und führt uns sanft in unser neues, unbegrenztes Leben.
34. Wir werden wieder Teil der göttlichen Herrlichkeit.
35. Unser Leben vollendet sich damit in seinem göttlichen Urgrund.
36. A und O werden eins.
37. Sterben ist ein freudiges Ereignis, es entgrenzt uns von unser körperlichen, irdischen Begrenztheit.
38. Das ist die frohe Botschaft.
39. Wer auf das Nichts nach dem Sterben baut, baut auf Sand.
40. Wer den Schritt vom irdischen Leben in das göttliche Leben vorbereitet geht, geht ihn leichter.
41. Die Eigenschau bleibt keinem erspart.
42. Wer Frieden mit sich und seinem Nächsten schon im irdischen Leben sucht, dem bleibt der Schrecken erspart, wenn er im Sterben auf sich selber blickt.
43. Wer Christus schon im irdischen Leben sucht, dem kommt er schon im irdischen Leben entgegen, und begleitet ihn auf seinem Weg zu innerem und äußerem Frieden und Freiheit.
44. Uns Loskaufen von unseren Sünden können wir nicht.
45. Demut, Reue und Umkehr sind Teil dieser Rückbesinnung auf unseren göttlichen Kern.
46. Der Weg führt früher oder später in die innere Freiheit.
47. Ob wir das schon im irdischen Leben angehen, liegt in unserer Entscheidung.
48. Ein Wegbegleiter, der einem Zuspruch und Mut macht und hilft, wo wir Hilfe benötigen, erleichtert das Durchhalten.
49. Kirche ist ein geschützter, heiliger Raum, in dem eine solche Entwicklung möglich ist.
50. Wahre Kirche ist nicht institutionelle Kirche.
51. Wahre Kirche ist der Raum des Erfahrens der göttlichen Gegenwart.
52. Das kann auch institutionelle Kirche sein, muss es aber nicht.
53. In der Alltagswirklichkeit ist Amtskirche in der Regel nicht Kirche in diesem Sinn.
54. Institutionelle Kirche ist mehr Veranstaltungsort als ein Raum, in dem die göttliche Präsenz im Jetzt erfahren wird.
55. Gefangen in den Routinen und Verpflichtungen verliert sich der Geist im geistlichen Alltag.
56. Die Seelsorger sind mehr mit dem Management der kirchlichen Administration und Geldnot beschäftigt als mit Seelsorge, geschweige denn geistlicher Sorge.
57. Sie brennen aus, eingepfercht zwischen Aufgabenwachstum, Anspruchsdenken der Gemeindeglieder, Sparzwängen und Selbstanspruch.
58. Alkoholismus, Kindesmissbrauch, Burn Outs, Resignation: Ausprägungen des geistlichen Standes in heutiger Zeit.
59. Die Bevölkerung unter 50 flieht die Kirche, Männer sind fast nicht mehr existent.
60. Die Institution Kirche wird vor allem von den Frauen getragen und am Leben gehalten.
61. Kirchengemeinde ist im Alltag ein gewachsener Zirkel, der nach außen geschlossen wirkt, trotz aller vordergründiger Freundlichkeit, wie eine Eingangssperre.
62. Kirchengemeinde wirkt altmodisch und anachronistisch, wie aus einer lang vergangenen Welt.
63. Das wirkt auf vom Lebensalter oder geistig Junge abschreckend.
64. Man geht freundlich miteinander um, nur nicht anecken, Friede-Freude-Mentalität.
65. Das ist für viele zu langweilig, da gibt es Spannenderes. Wo ist da das Anziehende, Herausfordernde?
66. Verschiedene Wirklichkeiten stoßen sich gegenseitig ab.
67. Der kirchengemeindliche Alltagskörper kommt so alt daher wie seine aktiven Mitglieder,
68. merkwürdig uninspiriert und uninspirierend.
69. Kirchengemeinden meinen, sie müssen ein weiterer Freizeit-Organisations-Anbieter sein und denken, sie könnten damit verhindern, dass noch mehr Mitglieder davonlaufen.
70. Sie schaden sich damit mehr als dass sie sich nützen,
71. da dies nicht ihre Kernkompetenz ist und sie da nicht wirklich konkurrenzfähig sind.
72. Sie verlieren dabei ihren Kern, ihre Kernbotschaft, ihren Sinn als Kirche, das, was sie einzigartig macht, aus ihrem Fokus.
73. Sie haben nicht verstanden, dass ein großer Bedarf an Innerlichkeit, an Spiritualität, an Kirche im urkirchlichen Sinn auch bei jungen und jung Gebliebenen besteht,
74. dass sie darauf setzen müssen, da sie auf dem Gebiet, wenn sie sich recht besinnen, die Kompetenz und jahrtausendealte Erfahrung haben, die ihnen keiner streitig machen kann.
75. dass sie die Form ändern müssen, wollen sie im Lärm unserer schnellen und oberflächlichen Zeit noch gehört werden.
76. dass Stille und Nachdenklichkeit ihr Trumpf ist, nicht Veranstaltungsmanagement und Lärm.
77. Die vielen Menschen, die Sehnsucht nach mehr Innerlichkeit und innerer Lebendigkeit haben, erreichen die Kirchengemeinden nicht.
78. Sie laufen davon oder Schauen mit Grausen hin, um sich schnell wieder abzuwenden.
79. Das moderne Berufsleben lässt sich mit amtskirchlichen Dienstzeiten und altmodischen Kommunikationsmitteln nicht vereinbaren und schließt damit ganze Berufsgruppen von der Teilnahme am kirchengemeindlichen Leben aus.
80. Alles in allem schreckt das äußere Erscheinungsbild mehr ab als dass es einlädt.
81. Die Menschen, die Bedarf an geistlicher Auseinandersetzung haben, wenden sie Kommunikationsformen zu, denen ihre Bedürfnisse besser entsprechen.
82. Es entstehen neue Urkirchen, fern von Institutionen und Ämtern,
83. Workshops, Seminare, auch von kirchlichen Einrichtungen veranstaltet, Internetforen, Blogs: eine lebendige Gemeinde, die sich ernsthaft mit Göttlichem, in welcher Glaubensrichtung auch immer, auseinandersetzt.
84. Es bilden sich neue Gemeinden, abseits vom „Gesetz“. Schon Jesus hat sich gegen den Tempel gestellt.
85. Diese neuen Kirchen (im nicht institutionellen Sinn) sind Keimzellen, die dem Glauben zu neuer Lebendigkeit verhelfen.
86. Kirchliche Rollenträger braucht es da nicht.
87. Der modern Gläubige ist von kirchlicher Institution emanzipiert.
88. Er hat sich, seiner inneren Stimme folgend, selbst Bahn gebrochen und Formen von Urkirche gefunden, die seinen Lebensumständen und seinem Lebensgefühl entsprechen.
89. Gott sorgt dafür, dass sich seine Kirche verjüngt,
90. Der Glaube geht nicht unter.
91. Gott braucht den Menschen, er braucht aber nicht die Institution Kirche.
92. Sie ist Menschenwerk und wie alles Menschenwerk irgendwann dem Untergang geweiht.
93. Suchen wir Gott, so eilt er uns entgegen, in welcher Form auch immer wir ihn suchen. Mit Institution Kirche oder ohne. Das ist eine Gewissheit, auf die wir uns verlassen können.
94. Der Weg im Leben und im Sterben führt immer ins göttliche Leben:
95. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“

Recht

Suchet den HERRN, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut!
Zefanja 2,3

Gottes Gesetz, Gottes Recht, Gottes Gerechtigkeit, erst gestern habe ich darüber nachgedacht.

Anscheinend ist das gerade dran.
Damit es uns nicht zu wohl wird.
Dein Knecht lasse sich durch deine Gebote warnen.
Es ist der Herr, der tut, was ihm gefällt,
der mich nach seinem Maßstab mißt.

Recht suchen, bis ich wahrhaftig und gerecht bin.
Es schaue jeder auf sich selbst und erschrecke.
Uns selber sehend,
können wir nichts als demütig sein.

Einsammeln der eigenen Bos- und Bösheit,
Sie hinhalten vor Gott und bitten,
dass er einen Wind kommen lasse,
der all meine Schlechtigkeit hinwegbläst.

Sonst trifft uns Gottes Zorn
und Gottes Furcht.

Es wird einen Grund haben, wieso das gerade dran ist.

Prediger

Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer.
Jeremia 20,9

Prediger sind Wortbeweger, wenn auch nicht alle Bewegte vom Wort. Die vom Wort Bewegten sollen innere Bewegung schaffen. Diejenigen, die zuhören, hören nicht immer das Wort und sind noch seltener bewegt vom Wort.

Ob das Predigtwort den körperlich Anwesenden bewegt, hängt von beiden ab. Es muss passen, wie der Schlüssel zum Schloss. Es gibt viele Schlüssel, aber nur einer passt ins Schloss.

Den Schlüssel zum Schloss zu finden, ist Predigerkunst, ist Berufung und Gnade. Wenn ein Prediger nur auf taube Ohren stößt, fängt auch er an zu verzagen.

Spätestens im Sich-Selbst-in-Frage-stellen holt den Prediger sein Menschsein ein, wird seine Berufung zum Beruf, fällt er selbst in die Krise, aus der er anderen den Weg zeigen soll. Alle Begnadetheit verschont davor nicht.

Jedoch, wie Jeremia zeigt, ist Berufung nicht Beruf. Auch wenn es weh tut, kann der wahrhaft Berufene nicht anders, sonst verbrennt er an einem anderen Feuer.

Möge das brennende Feuer, das Jeremia meint, bei dem fränkischen Zweifler mit Berufung, den ich meine, zu einem Flächenbrand werden, und alle Zweifel im hell lodernden Feuer ersticken, auf dass wieder Wort und Schrift aus ihm herausquellen, anstatt Zweifel.

Möge der sich aus der Krise bewegende begnadete lutherische Prediger, den ich meine, mir erhalten bleiben.

Meine Neujahrswünsche.