Jesus öffnet den Jüngern das Verständnis

Jesus öffnete den Jüngern das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden.
Lukas 24,45

Wenn man den Vers im Zusammenhang liest, ist es eine Zusammenfassung der Geschichte Jesu mit seinen Jüngern und folglich mit uns.

Er erscheint, sie glauben es nicht. Er greift zu einer bildlichen Maßnahme, um ihnen verständlich zu machen, was vorgeht: Weiterlesen „Jesus öffnet den Jüngern das Verständnis“

Weisheit und Verstand

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.
Sprüche 1,7
Ich habe den ganzen Tag über diesen Spruch nachgedacht, diesem „freundlichen Ruf der Weisheit“. Wer weise ist, hört zu und bessert sich, wer verständig ist, der lässt sich raten. Ehrfürchtig.
Das steht ähnlich in Psalm 111:
Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. Das ist eine feine Klugheit, wer danach handelt, dessen Lob bleibt ewig.
Die Antwort gibt Hiob 28, unendlich weise:
Wo will man aber die Weisheit finden und
Wo ist die Stätte des Verstandes?
Niemand weiß,
wo sie liegt und
sie wird nicht gefunden
im Lande der Lebenden
Die Tiefe spricht:
Sie ist in mir nicht und
Das Meer spricht
Sie ist nicht bei mir.
Woher kommt dann die Weisheit und
wo ist die Stätte des Verstandes?
Sie ist verhohlen vor den Augen aller Lebenden,
auch verborgen den Vögeln unter dem Himmel.
Der Abgrund und der Tod sprechen,
Wir haben mit unseren Ohren
Ihr Gerücht gehört.
Gott weiß den Weg dazu und kennt ihre Stätte.
Denn er sieht die Enden der Welt
Und schaut alles,
Was unter dem Himmel ist.
Da er dem Winde sein Gewicht machte und
setzte dem Wasser sein gewisses Maß;
da er dem Regen ein Ziel machte und
dem Blitz und Donner den Weg:
da sah er sie und verkündigte sie,
bereitete sie und ergründete sie
und sprach zum Menschen:
Siehe,
die Furcht des Herrn,
das ist Weisheit;
und meiden das Böse,
das ist Verstand

Los-Loesungen

Das neue Jahr ist jetzt also da. Morgen muss ich wieder arbeiten. Das ist eine Herausforderung. Ich bin in einem ganz anderen Land. Es kommt mir vor, wie wenn ich aus einem warmen sonnigen Land in eine Eiswüste müsste. Ein ziemliches Kontrastprogramm von heute auf morgen. Ich muss mich darauf vorbereiten, damit ich nicht gleich in Schockstarre verfalle.
Wie gehe ich das an? Wie vermeide ich, dass ich unterwegs nicht erfriere oder von hungrigen Raubtieren aufgefressen werde? Jedes Jahr stelle ich mir die Frage aufs Neue. Am Ende spuckt mich meine Arbeitswelt wieder halbverdaut aus, so dass ich lange suchen und kämpfen muss, bis ich wieder in ein Land komme, in dem ich Wärme spüre.
Oberschlaumeier meinen, man sei selbst Herr über seinen Terminkalender. Das hört sich gut an, ist aber nur bedingt richtig. Ein großer Teil von Arbeitswelt ist Fremdbestimmung. Ein Pastor kann auch nicht einfach sagen, heute halte ich die Trauerfeier nicht, mein Terminkalender ist bereits voll. Sterben lässt sich nicht planen. Genauso ist es bei der Arbeit: entweder ich mache meinen Job oder nicht, einen Tod muss ich sterben. Und mein Job ernährt nicht nur mich.
Wie gehe ich es also an? Ich habe mich für Struktur und Disziplin entschieden, ein Wort Korsett. Einer Blog-Freundin sei Dank für den Hinweis auf die Tageslosungen.
Ich habe sie mir in Buchform gekauft, werde sie auf meinen Schreibtisch legen, mir morgens, wenn ich ins Büro komme oder im Flugzeug sitze, sie mir zur Gemüte führen. Wenn ich ungeduldig werde mit meinen Kollegen, fällt hoffentlich mein Blick auf das Büchlein und entlädt mich blitzartig.
Die Idee ist, den Arbeitstag mit einem Losungswort anzufangen, mich in das Wort einzupacken und durch den Tag leiten zu lassen. Jeden Tag auf Neue. Wie eine Schutzhülle, die mich den Anforderungen standhalten lässt, mich vor (eigener) Überforderung schützt und mich vor meinen Untugenden bewahrt. Auf dass die Worte mich kleiden mögen wie die Röcke aus Fellen, die Gott Adam und Eva gemacht hat, gerade im Scheitern. Wie eine Rüstung, die ich mir jeden Morgen anlege.
Ich bin sehr gespannt, wie das funktionieren wird. Ich werde einen neuen Blog anfangen „Los-Lösungen“, um dieses Experiment gedanklich zu begleiten, zu sehen, wie Losung und/oder Lehrtext mich ansprechen und leiten, was in mir spontan im Lesen aufblitzt, was die Blitzlichter sind, die meinen Tag erhellen. Wie sie mich aus meinem Gefangensein in mir selbst und in denen, die mich umgeben, los-lösen.
So sei dies Wort mein Jahreslosung:
Sie sah aber einen starken Wind; da erschrak sie und hob an zu sinken, schrie und sprach: HERR, hilf mir! Jesus reckte alsbald die Hand aus und ergriff sie und sprach zu ihr: O du Kleingläubige, warum zweifeltest du? (nach Matth 14, 30-31)

Ich steh an deiner Krippen hier

Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu Du mein Leben.
Ich komme, bring und schenke Dir,
was du mir hast gegeben.

Nimm hin,
es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut,
nimm alles hin und
lass Dir’s wohl gefallen.

Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren und
hast mich Dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt,
erkoren.

Eh ich durch Deine Hand gemacht,
da hast Du schon bei Dir bedacht,
wie Du mein wolltest werden.

Ich sehe Dich mit Freuden an und
kann mich nicht satt sehen; und
weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.

Oh dass mein Sinn ein Abgrund wär und
meine Seel ein weites Meer,
dass ich Dich möchte fassen.

(Paul Gerhardt)

Im Stall

Auf der Brücke bleiben

Meine Pilgerreise ist zu Ende. Ist sie das wirklich? Ist die Kunst aller Künste nicht vielmehr, die Schätze, die man in seinen Auszeiten gefunden hat, auch im Alltag zu bewahren, sie im Alltag zu leben, so dass sie zum wirklichen, verinnerlichten Leben werden?

Eben nicht mit Arbeitsbeginn wieder im Hamsterrad durchzustarten bis man mit hängender Zuge gerade noch so die nächste Auszeit erreicht. Das kenne ich zur Genüge, das will ich diesmal nicht so halten.

Das bedarf Achtsamkeit nach innen und außen. Ein Innehalten, bevor man von der Brücke fällt. Ein Hören auf die innere Stimme, ein Sehen mit dem inneren Auge. Ein Gelassen bleiben mit der inneren Gewissheit, dass man unantastbar ist, was immer auch passieren mag.

Einfach in seinem Rhythmus auf der Lebens-Straße weitergehen, mit dem Lebens-Rucksack auf dem Rücken, Stecken und Stab als Stütze und dem inneren Kompass als einzigem Wegweiser.

Einfach?

Nein, einfach ist das nicht. Man muss sich sehr in Acht nehmen, nicht gleich wieder in eingeübte Verhaltensmuster zu verfallen.

Dennoch: Genauso entscheiden wie ich mich zu dieser Reise aufgemacht habe, genauso entschieden will ich sie fortsetzen. Der Hall soll zu keinem Nachhall werden. Auch der Blog nicht. Ich glaube er hilft mir, den Kurs nicht zu verlieren. Und der Zuspruch tut gut.

Psalm 23 kommt mir in den Sinn, den hatte ich schon während der gesamten Pilgerreise im Kopf. Er erzählt vom Pilgern durchs Leben. Eigentlich kann ich da doch gelassen bleiben. Eigentlich.

Brücke über Wasser

Zitternde Wasser

(02.09.2012)

Die zweite Etappe hat mich an meine Grenzen gebracht. Wenn man unterwegs ist, hat man erst mal keine andere Wahl mehr und muss durchhalten, auch wenn das Ziel sehr weit weg erscheint.

Auch wenn es gar nicht so klingt und sich erst recht nicht so anfühlte: Es war eine schöne Etappe. An sich. Ich bin schon vor acht ohne Frühstück los, da ich schon ahnte, dass die 23 km für mich lang werden könnten und ich Zeit brauchen würde.

Die unangenehmsten Strecken sind immer die Strecken durch die Orte. Zuviel festen Boden unter den Füßen. Nicht viel, an dem sich das Herz erfreuen könnte. Asphalt tötet. Im Wald läuft es sich viel angenehmer und weicher. Man riecht den Wald. Alle Sinne sind beschäftigt, man geht beschwingter. Und man kommt dem eigentlichen Sinn des Pilgerns näher.

Weg und Ziel

Ja, wieso pilgere ich eigentlich? Und wieso sage ich, ich pilgere? Wo ist der Unterschied zum Wandern oder Trecken? Wenn man an den Grenzen ist, fängt man an zu hinterfragen was man tut und ob das wirklich gut für einen ist.

Pilgern ist keine sportliche Betätigung, dann wäre es nichts für mich als „no sports“, wenngleich ich mir gestern einen durchtrainierteren Körper gewünscht hätte. Es ist kein Kilometerfressen oder sich Stempel abholen, so dass man später auch seinen Pilgerpass stolz präsentieren kann. Pilgern ist eine innere Angelegenheit. Laut Wiki ein „in die Fremde gehen“. Wohin in die Fremde?

Obwohl wir uns zu einem bestimmten irdenen Ort aufmachen, ist es letztendlich ein Ort, der kein physischer Ort ist, sondern ein innerer Ort der Sehnsucht, der Hoffnung und der Heilung. Das „in die Fremde aufmachen“ erleichtert nur eingefahrene Spuren zu verlassen. Und den Blick dafür zu schärfen, dass wir diesen Ort zuallererst in uns selber finden müssen. Es ist eine Art meditatives Wandern an den heiligen, göttlichen Ort in uns selbst. Jakobsmuscheln, die einem den Weg weisen, gibt es da nicht.

Brautbett

Wie finde ich dann den Weg? Muss man sich hierfür körperlich bis in den roten Bereich verausgaben? Gestern, am späten Nachmittag, bin ich in Visbek auf das Hotelbett gefallen. Alles tat weh, ich hatte Schüttelfrost und die nächsten 4 Stunden war ich wie tot. Ich wusste, dass ich unbedingt essen musste und rappelte mich schließlich hoch, immer noch wie im Nebel .

Nein, so kann das doch nicht gehen. Es war mir ziemlich klar, dass ich am nächsten Morgen nicht gleich weitergehen konnte. Man muss einsehen, wenn man seine körperlichen Grenzen erreicht oder gar überschritten hat. Mit „Augen zu und durch“ kommt man da nicht mehr weiter. Ich möchte ungern von unterwegs den Notruf wählen müssen. Der Entschluss war also gefasst: Ich raste hier, dann sehe ich weiter.

Ich glaube auch das ist pilgern: DenTag zu nehmen und zu lassen wie er ist, seine Pläne und Vorstellungen, wie Pilgern an sich und insbesondere das eigene Pilgern auszusehen hat. Demut ist gefragt. Lassen. Einfach so wie es ist.

Zitternde Wasser.

Zitternde Wasser