Lebensmelodie der Bärenraupe

Eine Ostergeschichte

Keine Chance. Sechs Meter Asphalt. Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Die Bärenraupe weiß nichts von Autos. Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.
Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst. Herrliches Grün, vermutlich fressbar.
Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt.
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.

Die Bärenraupe weiß nichts von Autos, Lastwagen und Pferdefuhrwerken, die einen überfahren könnten.

Sie ist mutig ohne zu wissen, dass sie mutig ist.

Bärenraupe in Menschfell hat einen Kopf zum Denken. Der sagt, ich hab Angst.
Bärenraupe in Menschenfell hält nach einem Ausschau, der mit ihr geht.
Bärenraupe in Menschenfell sieht sechs Meter entfernt eine andere Bärenraupe.
Bärenraupe in Menschenfell denkt, das ist gut, da lauf ich hin.
Bärenraupe in Menschenfell auf der anderen Straßenseite denkt das Gleiche.

Beide Bärenraupen in Menschfell laufen los.
Es kommt ein Pferdefuhrwerk.
Bärenraupe in Menschfell weicht aus.

Zwei Bärenraupen in Menschenfell laufen aufeinander zu und verfehlen einander.

Bärenraupe in Menschenfell steht auf der einen Straßenseite.
Bärenraupe in Menschenfell steht auf der anderen Straßenseite.
Beide Bärenraupen in Menschenfell weinen.

Sehnsüchtig geht der Blick über die Straße ins Grün auf der anderen Straßenseite.

Bärenraupe denkt: Bärenraupen in Menschenfell haben es gut, die können reden.
Bärenraupe weiß nichts von Bärenraupen in Menschenfell.

Bärenraupe in Menschenfell gibt nicht auf.
Bärenraupe in Menschenfell denkt:
Hoffentlich kommt dieses Mal kein Lastwagen

und

läuft voller Hoffnung wieder los.

PS 10. April 2014: Die Bärenraupe hat sich umsonst abgemüht. Es kam ein Panzer. Er hat sie unerbittlich platt gemacht. Es gab für sie kein Entkommen.

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Warten auf Irgendwann

Warten auf Vertrauen.
Warten auf Trauen.
Warten auf Dich.

Irgendwann blüht der Barbarazweig.
Irgendwann gewinnt das Leben.
Irgendwann ist Weihnachten.

Darauf hoffe ich.
Darauf baue ich.
Darauf vertraue ich.

Barbarazweig

Stillschweigen

Ich brauche Stille in mir und
Stille außerhalb von mir.
Damit es still wird in mir.

Viele Gedanken geteilt,
viel von mir mitgeteilt,

Kein Echo mehr nach außen,
nur noch lauschen nach innen.

Stille im Blog.
Stille im Wort.

Hoffnung auf Ewigkeit.
Hoffnung auf Leichtigkeit.

Am Ende der Zeit.
Ich bin bereit.

Weide