Eimer

Eimer.

Volle und leere Eimer,
solange man einen in der Hand hat,
gilt es zu schöpfen,
läuft man hin und her,
dem nicht Tragenden nachlaufend.

Eimer manchmal gefüllt mit Segen,
Eimer manchmal gefüllt mit Leere,
Eimer einmal leicht und einmal schwer,

wir, wie Hase und Igel hin und her rennend,
zwischen Quelle und dem zu Tränkenden,
willig, aber erschöpft
vom Hin und vom Her.

Wieso tragen wir Eimer?
Es gibt keine Eimer,
wir machen die Eimer,
wollen den Henkel nicht loslassen,
weil wir denken,
wenn wir loslassen,
verlieren wir uns.

Wenn wir aber den Eimer loslassen,
der Eimer verschwindet,
gibt es kein Hin und Her,
keine Last,
kein Gewicht,
kein Gerenne mehr.

Das Gefäß sind wir selbst,
wir brauchen keine Eimer,
der Segen kommt aus mir
und fließt in den,
der dazu bereit und bereitet ist.

Wenn nicht,
braucht uns das nicht zu (be)kümmern,
darum kümmert sich ein anderer.
Ohne Eimer läuft sich ganz ohne Gewicht,
man braucht nicht mehr schöpfen,
man ist geschöpft,

voll mit Fülle,
voll mit Segen.

Frucht bringen

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Narretei

Gott, deine Güte ist besser als Leben. 
Psalm 63,4
Alles, was mich am Irdischen festhalten lässt,
mich umschauen, zurückschauen, vorausplanen lässt,
all mein Wollen, mein Wünschen, mein Sehnen,
das mich ablenkt von dir, o Gott,
hält mich fern von dir.
Wieso also festhalten?
Wo ist die Verlockung?
Wo der Gewinn?
Nichts als Gauckelei,
Narretei,
Selbstbetrügerei.

Koffergeschichten

Alle Bänder stehen still,
wieder einmal.
Man weiß nicht warum,
aber es ist so.
Mein Koffer rollt in einem Wägelchen an mir vorbei.

Wieso fliegen wir eigentlich nicht ab?
Boarding beendet, alles sitzt erwartungsvoll.

Ach ja!
15 (!) Koffer fehlen, unauffindbar (!).
Wir müssen noch warten,
bis sie sich wieder einfinden.
Wir wissen nicht, wie lange das dauert.

Wir warten und warten.
Jetzt fehlen noch 10 Koffer,
aber: wir können nur noch 10 Minuten warten,
wegen der Wetterlage,
sonst kann es noch richtig lang werden.

Nach 10 Minuten wird die Tür endlich geschlossen.
Es fehlt nur noch 1 Koffer.
Das verstehe wer will.
Wer wohl der/die Glückliche ist?
Ich bin nicht beunruhigt,
eigentlich ganz sicher,
dass es nicht mein Koffer ist,
ich habe ihn schließlich im Wägelchen gesehen.

Selten so eine schlechte Landung.
Das Flugzeug ist leicht gedopst.
Darauf war ich nicht vorbereitet.
Und dann eine Vollbremsung,
dass Tasche und Zeitschriften davongeflogen sind,
ich habe Mühe, mich im Sitz zu halten,
mein Ellbogen hat auch etwas mitbekommen.

Mein Nebenmann weiß warum:
Der wollte nicht wenden und zurückrollen,
der wollte die Abbiegung auf Anhieb bekommen,
Respekt, Respekt, und er grinst über das ganze Gesicht.
Tatsächlich biegen wir direkt Richtung Terminal ab.

Wahrscheinlich wollte er eher seine Verabredung nicht länger warten lassen,
da wir aufgrund der Koffergeschichte eh schon Verspätung hatten.
Ich kann diesem Manöver rein gar nichts abgewinnen,
während mein Nebenmann meine Handtasche und Zeitschriften
unter dem Sitz hervor fischt und immer noch grinst.

Nun wird es spannend –
wessen Koffer fehlt?
Meiner – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – nicht!!!

Gott-sei-dank, das Wochenende ist gerettet!

Pusteblume

Entscheidung

Gott spricht: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. 

Psalm 50,15

Am Tag der Bedrängnis,

den keiner kennt,

dem Tag der Entscheidung

zwischen Dunkelheit und Licht,

dem keiner entweichen kann,

rufe meinen Namen aus tiefstem Innern,

und ich will dich retten,

wenn du dich retten lässt,

und dann wirst du mich verherrlichen.

Wahrsager und Zeichendeuter

Die Völker hören auf Zeichendeuter und Wahrsager; dir aber hat der HERR, dein Gott, so etwas verwehrt. 
5.Mose 18,14
Zeichendeuter und Wahrsager
versuchen seit Jahrtausenden
die Menschen zu verführen,
machen reichlich Beute
mit falschen Versprechungen
und willfährigen Verlockungen,
weil du, o Gott,
deinen Plan nicht nach ihnen ausrichtest,
ihnen nicht nach dem Mund redest,
um ihnen zu gefallen.
Sie sollen dir zum Wohlgefallen sein.
Das findet nicht ihr Gefallen,
so rennen sie lieber zu Zeichendeutern und Wahrsagern,
die ihnen das vorsagen, was ihnen gefällt.
Eines Tages werden sie erkennen,
wie verblendet und dumm sie waren.

Ehre

Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR. 
Maleachi 1,6
Ehre sei dem Vater und dem Sohn.
Ein Menschenkind soll seinen Vater ehren.
Der Vater sorgt für das Kind,
verzeiht ihm immer wieder.
Ehrt das Kind den Vater dafür?
Dankt es ihm nachhaltig?
Liebt ihn vor allem anderen?
Ihr sagt „Vater“,
doch ehrt ihr mich?
Ehrlichkeit ehrt.
Unehrlichkeit verwehrt.

Gutes

Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag. 
Sprüche 3,27
Enthalte kein Gutes dem, welchem es zukommt,
wenn es in der Macht deiner Hand steht,
es zu tun.
Sage nicht zu deinem Nächsten,
geh, und komm morgen wieder,
morgen will ich dir geben,
wenn du es heute schon vermagst.
Schmiede nichts Böses wider deinen Nächsten,
während er dir vertraut.
Denn der Falsche ist Gott ein Greuel,
während sein Geheimnis mit den Aufrichtigen ist.
(Sprüche 3, 27-32)

Wenn einer fortgeht

Wenn einer fortgeht, gibt man sich die Hände,
Am Bahnhof lächelt man, so gut es geht.
Wie oft sind unsrer Sehnsucht Außenstände
Mit einem D-Zug schon davon geweht…

Wenn einer fortfährt, steht man zwischen Zügen,
Und drin sitzt der, um den sich alles dreht.
Man könnte dieses „alles“ anders fügen.
Durch einen Blick, ein Wort vielleicht. – Zu spät.

Wenn einer fortfährt geht das Herz auf Reisen
Und treibt sich irgendwo allein herum
Es ist schon manchmal schwer, nicht zu entgleisen.
Die klügste Art zu reden bleibt doch: stumm.

Wenn einer fortgeht, kann man nichts vergessen.
Und jeder Tag ist ein Erinnerungsblatt.
Wenn einer fortgeht, braucht man nichts zu essen.
Man wird so leicht vom Tränenschlucken satt.

Wenn einer fort ist, gibt es Ansichtskarten
Und ab und zu mal einen dicken Brief.
Ein schweres Verbum ist das Wörtchen „warten“
Und „lebe wohl“ ein Schluss – Imperativ…

(Mascha Kaléko)
in: Das lyrische Stenogrammheft

Rotdorn

Rotdorn Blüte

Verlangen

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.
Psalm 42,2

Wenn die Seele sich mit Gott vermählt,
hört jedes Verlangen nach etwas anderem auf.

Angst

Du wirst ferne sein von Bedrückung, denn du brauchst dich nicht zu fürchten, und von Schrecken, denn er soll dir nicht nahen. 

Jesaja 54,14

Hab keine Angst,

denn ich bin bei dir,

lass dich nicht erschrecken,

denn du stehst unter meinem Schutz.

Sei befreit von aller Anfechtung,

denn meine Gerechtigkeit begleitet dich.

Rettung

Du hast den Menschen zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan. 

Psalm 8,7

Du hast, o Gott,

den Menschen die Erde

unter ihre Füße gegeben

und sie ruinieren sie.

Die Menschen jedoch

hast du unter deinen Schemel getan,

damit sie gerettet werden.

Propheten

Wollte Gott, dass alle im Volk des HERRN Propheten wären und der HERR seinen Geist über sie kommen ließe! 

4.Mose 11,29

Mit Propheten ist es so eine Sache,

es gibt richtige und falsche.

Man verlasse sich besser auf den Geist,

diese Quelle ist verlässlich.

Ausgetreten!

Es ist getan! Ich war gerade bei unserem örtlichen Standesamt und bin aus der evangelisch-lutherischen Kirche ausgetreten. Es hat nochmals ¼ Jahr gedauert, aber wenn ich dann entschlossen bin, fackele ich nicht mehr lange, sondern mache Nägel mit Köpfen. Es hat mich viel Geduld gekostet, über 1 Stunde (!) Wartezeit, aber meine Entschlossenheit war größer als meine Ungeduld.

Als ich gestern meinem weisen Bruder von meiner Absicht erzählte, hatte er Verständnis. Wirklich überrascht hat ihn das nicht. Er ist ein Fan meiner Lutherbriefe und darin hat es sich schon lange abgezeichnet. Er könnte das auch, hat er gemeint. Wenn er nicht schon ein so hohes Alter hätte und ja, wenn er nicht doch gewisse Einschränkungen seines Standes akzeptieren müsste. Er hat nicht einen Versuch gemacht, mich zum Bleiben zu bewegen.

Ich bin gespannt, was das aus dir macht, hat er gesagt. Es ist, ja es ist ein neuer Lebensabschnitt, der beginnt, ein so ganz anderes Leben, als das, woher du kommst… Du hast dich verändert in den letzten Jahren … Ja, habe ich gesagt, ich brauche keine Kirche mehr, kein Kloster, keine Meditationsmatte. Ich lasse das alles zurück, ohne jegliches Bedauern.

Und wie siehst du dein voriges Leben? Es war notwendig, alle Gipfel und Täler, jede Aussicht, jeder Schritt, aber: Es kommt mir nun ein bisschen vor wie Kindergarten. Ich bin irgendwie etwas euphorisch und weiß nicht wirklich wieso.

Und deine Gregorianik-Workshops? Ja, habe ich geantwortet, da denke ich noch nach, da muss ich schauen, wie es klingt (ganz abgesehen davon, dass ich ein von zwei Organisatoren bin. Wenn ich weggehe, gefährde ich die Workshops.) Es ist nicht wirklich eine Not, das jetzt zu entscheiden. Und wenn es nicht mehr stimmt für mich, bin ich eh nicht aufzuhalten.

Hast du deinen Kirchenschlüssel schon abgegeben? Nein, aber auch das werde ich mit dem Kirchenaustritt erledigen. Keine faulen Kompromisse mehr. Keine Umkehr, alle Türen zu.

Und so ist nun eingetreten, was ich schon im Dezember 2012 geahnt habe:

Wenn du alles getan hast,
was man von dir erwartet hat;
Wenn du sehr viel mehr getan hast,
als man je von dir hätte fordern können,
dann lege den Schlüssel
unter die Matte,
und geh!

Schau nicht zurück.
Geh in Frieden,
lasse los.
Verscheuche allen Groll
aus deinem Herzen.
Erwarte keine Dankeshymnen.
Von niemanden.
Und vergiss nicht:
EINER weiss Bescheid!

(Franz von Sales)

Ich habe meinen Kirchenschlüssel nicht unter die Matte gelegt, sondern in den Briefkasten.

Und so sieht das dann aus:

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Gedanken

Der Übeltäter lasse von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, denn bei ihm ist viel Vergebung.
Jesaja 55,7
Manche denken,
Gedanken gehören nur einem selbst,
treiben im Verborgenen ihre Auswüchse.
Gott sieht auch in das Verborgene,
entdeckt jede Missetat,
und sei sie nur in Gedanken.