Mensch wie Ware

Du, HERR, bist meine Leuchte; der HERR macht meine Finsternis licht.
2.Samuel 22,29

Unsere Augen sind überreizt
von dem marktschreierischen Licht,
von all der Reklame und dem Marketing,
von all dem Produktplacement,
der Eigenwerbung,
denen sie ausgesetzt sind.

Mensch wie Ware.

Gottes Licht ist unscheinbar,
verschwindet hinter dem falschen Glanz.
Unsere Augen müssen lernen,
es in der gleisenden Dunkelheit zu erkennen,

die Ware vom Wahren zu unterscheiden.

Das musste auch Samuel lernen.

Mein Freund, der Weihnachtsbaum

Habe heute den Weihnachtsbaum abgeschmückt.
Entblößt steht er in seiner welkenden Pracht.
Mein Freund, du leidest, du stirbst,
für uns, für unsere Freude.

In den vielen Jahren vorher,
hatte ich eine sehr
liebevolle Beziehung zu dir,
stundenlang geschmückt,
wie verzaubert auf dich geblickt,
mit deinem langsamen Tod gelitten.

Es will kein Weihnachtszauber mehr in mir aufkommen,
ich denke, vergangen für immer,
zu weit vorangeschritten,
zu viel erkannt,
Entzauberung.

Du bist ein heidnisches Symbol,
von Christen, wie so viele heidnische Symbole,
vereinnahmt,
Abwerbung.

Emotions-Opium für die Massen,
seit jeher,
als Werbemaßnahme 1419
von geschäftstüchtigen
Bäckern im Breisgau wieder entdeckt.
Im Nachhinein:
Geniale Werbestrategie.

Hat sich gehalten bis jetzt.
Die Kirchen haben sich
auf den fahrenden Zug gesetzt.

Mein vergangener Freund,
ich fürchte,
unsere Beziehung
ist zerrüttet
auf ewig.

Jedoch:
Weihnachten ist – eigentlich – längst vergessen,
ein Tag zum Gedächtnis von Adam und Eva,
zum Gedächtnis an Gott,
zum Gedächtnis, dass Gott uns geboren hat,
dass er mit uns den Baum des Lebens gepflanzt hat.

Vielleicht lässt sich auf der Basis,
ja unser Verhältnis wieder kitten.
Mein Freund, du Weihnachtsbaum,
bist tot,
für dieses Jahr.

Ich hoffe,
ich finde dich eines Tages wieder,
ich habe dich sehr geliebt.