Vater auf ewig

Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. 
Jesaja 65,1
Du wolltest gesucht werden und die,
die dich im Munde führten,
suchten andere Götter,
fragten nicht nach dir.
Trotzdem warst du da,
wenn sie dich brauchten.
Vater auf ewige Zeiten.
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Wer bin ich und wer bist du?

Lieber Luther,

wer bin ich und wer bist du? So könnte man den Disput, den Jesus mit den Pharisäern in Johannes 8 hat, zusammenfassen. Da geht es zur Sache, Jesus nimmt keinerlei Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Pharisäer. Er sagt schonungslos, was er zu sagen hat. Und was hat er zu sagen?

Wer bin ich?
Ich bin das Licht der Welt.
Ich bin der, der weiß, woher ich komme und wohin ich gehe.
Ich bin nicht allein, in allem was ich tue ist Gott, mein Vater, mit mir.
Ich bin der, der vom Vater zeugt.
Ich bin der, von dem der Vater zeugt.
Ich bin der, der die Wahrheit redet.
Ich bin der, der von Obenher ist.
Ich bin der, dessen Wahrheit und Weisheit von oben kommt.
Ich bin der, der mit euch redet.
Ich bin der, der viel von euch redet und richtet.
Ich bin der, der wenn er richtet, recht richtet.
Ich bin der, der vor der Welt redet, was mich mein Vater gelehrt hat.
Ich bin der, der ohne Sünde ist.
Ich bin der, der den Vater ehrt.
Ich bin der, den der Vater ehrt.

Und wer seid ihr?
Ihr seid diejenigen, die Steine werfen wollen.
Ihr seid diejenigen, die nach dem Fleisch richten.
Ihr seid diejenigen, die von Untenher sind.
Ihr seid diejenigen, deren Wahrheit Streit, Zank und Neid ist.
Ihr seid diejenigen, die unfrei bleiben,
Ihr seid die Knechte der Sünde.
Ihr seid diejenigen, die in ihrenn Sünden sterben werden.
Ihr seid diejenigen, die weder mich noch meinen Vater kennen.
Ihr seid diejenigen, die mir nicht glauben.
Ihr seid diejenigen, die die Wahrheit nicht haben,
Ihr seid Lügner.
Ihr seid die Söhne des Teufels.
Ihr seid diejenigen, die mich nicht ehren.
Ihr seid diejenigen, die Gott nicht kennen.
Ihr seid diejenigen, die mich töten wollen.

Das alles sagte Jesus, der Zimmermann, den Pharisäern, den theologischen Glaubenshütern. Und wie reagierten diese? Sie hoben Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus versteckte sich und ging aus dem Tempel hinaus.

Lieber Luther, ist das verwunderlich, dass die Pharisäer nicht eben freundlich auf Jesus gestimmt waren? Im Tempel, ihrem Heiligtum, von einem theologisch Ungebildeten, der von sich behauptet, Gottes Sohn zu sein, so angegriffen zu werden, war eine unglaubliche Provokation. Jesus wusste das, er wusste auch den Ausgang, deshalb hat er auch kein Blatt vor den Mund genommen. Er sprach rücksichtlos gegen sich und die Pharisäer die Wahrheit. Diplomatisch oder politisch korrekt war er nie. Immer in Wahrheit und Wahrhaftigkeit, wahrlich, gerade gegen den religiösen Mainstream.

Was Jesus verdeutlicht: Es kommt auf die Wahrheit an. Die Wahrheit ist an ihn und Gottes Wort, so wie er es lehrt, geknüpft. Wahrheit und Unwahrheit sind die Gegensätze, Unwahrheit ist Sünde, Wahrheit ist in Gottes Wort, Sünde ist in der Unwahrheit, Unwahrheit ist der Inbegriff des Teufels, des Mörders des wahren Wortes von Anbeginn. Jesus bringt die Freiheit von Sünde durch das wahre Wort. Das muss geglaubt werden. Wer es nicht glaubt, der ist ein Sünder, umgekehrt, wer es glaubt, ist frei. Glauben macht frei von Sünde. So einfach ist die Wahrheit der Sünde. Alles andere, was wir so als Sünde denken, ist fleischlich: Ihr richtet fleischlich, sagt Jesus. Jesus aber richtet recht: Das wahre Wort, Jesu Wort, und der Glaube daran ist der alleinige Maßstab. Wessen Vater Gott ist, der hört das Wort, wessen Vater Gott nicht ist, der hört das Wort nicht. Sünde ist, diese Wahrheit Jesu nicht zu glauben.

Wer bin ich und wer bist du? Wahrheit und Lüge, Jünger und Gottlose, Glaube und Nichtglaube, Jesus ist trennscharf, messerscharf. Wenn ich das lese, frage ich mich, wie man behaupten kann, christlich zu glauben, ohne an Jesu Wort zu glauben? Wo anders als in der Bibel steht aber Jesu Wort? Woher kommt sonst das wahre Wort? Angesichts der vielen Menschen, die sagen sie glauben, aber glauben nicht, was in der Bibel steht, oder nur selektiv, was ihnen in den Kram passt, macht mich das ratlos. Welche Grundlage hat ein solcher Glaube? Ist es wirklich der Glaube an den Gott der Bibel, an Jesus und Jesu Vater, oder ist es doch der Glaube an selbstgegossene Götter? Nachdenklich,

herzliche Grüße
Deborrah

Stein-ein-Schlag

Lieber Gott,
Ich schäme mich.
Ich schäme mich vor dir,
für dieses Menschengeschlecht,
für die Menschen,
die auf Menschen,
die am Boden liegen,
Steine werfen,
für die Menschen,
denen jede Menschlichkeit fehlt,
für die Menschen,
die nicht bedenken,
dass ein Fels
auf sie gerichtet ist.
Vergib uns Menschen,
die andere richten und
nicht bedenken,
dass dein Gericht,
der Stein,
den wir werfen,
eines Tages auf uns
zurückfällt.

Opfer

Lieber Luther,
wenn wir von Brand-, Speis-, Dank-, Sünd- und Schuldopfer hören und dazu eine detaillerte Beschreibung geliefert bekommen, wie die Ochsen, Schafe, Ziegen, Vögel zu schlachten und zerlegen sind, und was mit den Einzelteilen passieren soll, denken wir eher an ein Naturvolk als an die Bibel. Das liest sich mit heutiger Brille erst einmal befremdlich und bedarf der Einordnung.
Wie ich dir bereits geschrieben habe, hatte Mose die Herkulesaufgabe, aus einem wilden, widerspenstigen, gesetzlosen, rohen Menschenhaufen ein verfasstes Volk zu machen. Ihm nicht nur Gesetze des Zusammenlebens zu geben, eine gerichtsbare Ordnung, sondern auch eine Ordnung, wie die Gemeinschaft mit dem EINEN Gott zu pflegen ist.
Es war ganz und gar nicht selbstverständlich, dass die Stämme, die unter seiner Führung standen, dem EINEN Gott nachfolgen, der der Gott Jakobs war. Das Volk in seiner breiten Masse pflegte die Vielgötterei mit ihren eigenen Sitten und Bräuchen. Sobald Mose schwächelt, das Volk vor einer großen Herausforderung steht oder ihr Anführer Mose abwesend ist, kehrt es zu den alten Sitten zurück, zu den ursprünglichen Göttern. Der Bau des goldenen Kalbs ist nur ein Beispiel, es folgen noch viele, bis auf den heutigen Tag.
Durch den Bau des Heiligtums, das Zelt der Begegnung, das Priesertum, die neuen Riten, die Gesetzgebung und die damit verbundene Strafandrohnung sollen die Abgötterei zurückgedrängt, der Glaube an den EINEN Gott etabliert werden. In der Bibel steht drastisch: Und sie sollen nicht mehr ihre Schlachtopfer den Bocksdämonen schlachten, denen sie nachhuren (3.Mo 17, 7). Geopfert werden sollte im neuen Zelt der Begegnung: Einen Altar von Erde mache mir, darauf du dein Brandopfer und Dankopfer, deine Schafe und Rinder opferst. Denn an welchem Ort ich meines Namens Gedächtnis stiften werde, da will ich zu dir kommen und dich segnen. (2. Mose 27.1).
Solch ein Kulturwandel war nur zu bewerkstelligen, indem Gott Mose in allem unterrichtete und wie mit einem Freund redete. Man kann nun nicht nach heutigen Maßstäben messen. Die Mosegeschichte ist etwa 1480 v.Ch. anzusiedeln. Tieropfer, wenn nicht gar Menschenopfer, gehörten in der Zeit zum Normalfall des Götterkultus. Es mussten noch einige hundert Jahre vergehen bis es im Psalter heißt: Opfer und Speisopfer gefallen dir nicht; aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer (Psalm 40, 7). Aber selbst die Psalmschreiber waren sich in dem Punkt noch nicht einig.
Jedoch, die Schlachtopfer waren nur die zeitgemäße äußere Form. Man sollte sich von ihnen nicht zu den Götzen führen lassen. Im Detail findet sich Gott. Zum Beispiel im Bild es „Erstlings“ (2.Mose 34, 19ff). Alles, was zuerst den Mutterschoß durchbricht, ist mein, sagt Gott, sei es Ochse oder Schaf. Aber den Erstling des Esels sollst du mit einem Schaf lösen. Wieso Ochse, Schaf und Esel? Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe des Herrn (Jes 1, 3). Die Stärke des Ochsen, die Wehrlosigkeit des Schafes, der Esel, das Lasttier. Jesus schickt seine Jünger, um den lastbaren Esel zu lösen, mit dem er, der Starke, als wehrloses Lamm in Jerusalem einzieht (Mt 21, 2).
Alle Erstgeburt unter deinen Söhnen sollst du lösen, sagt Gott. Niemand soll leer vor mir erscheinen (2.Mose 34, 19-20). Gott erhebt Anspruch auf den „Erstling“. Den Menschen gibt er die Möglichkeit, ihre Söhne abzulösen, seinen eigenen Sohn aber fast 1500 Jahre später nicht. Jesus, der in allem der Erstling ist, löst die Sitte der Schlachtopfer. In ihm wird alle heidnische Tradition überwunden. Ab Jesus, mit seiner Auferstehung, wird in Jesus des Namens Gottes gedacht. Auf den Altären löst das Kreuz die Brand- und Dankopfer ab.
Ostern ist schon lange vorgedacht: Du sollst das Blut meines Opfers nicht opfern neben gesäuertem Brot, und das Opfer des Osterfestes soll nicht über Nacht bleiben bis an den Morgen (2.Mose 34, 25). Das „du sollst“ hält der Mensch später wie meistens nicht ein: Jesu Blut wurde neben Verbrechern vergossen, neben gesäuertem Brot. Und das Opfer des Osterfestes soll nicht über Nacht bleiben. Das ist eingetroffen, da war Mensch nicht gefragt, so konnte es sein.
Blut spielt in den mosaischen Opferriten eine große Rolle. Mit dem Blut der Opfertiere wurde der Altar besprengt. Denn: Des Leibes Leben ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, dass eure Seelen damit versöhnt werden. Denn das Blut ist die Versöhnung, weil das Leben in ihm ist (3.Mose 17, 11-12). Bei den Tieropfern werden Körper und Blut geopfert, zum Gedächtnis Gottes, zum Dank, zur Ablösung und Vergebung von Schuld und Sünde.
Jesus hat zu genau gleichem Zweck das Abendmahl eingesetzt: Und er nahm das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch, nach dem Abendmahl, und sprach: Das ist der Kelch, das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird (Lukas 22, 19). Alter Ritus wird durch neuen Ritus abgelöst, alter Bund durch den neuen Bund, alter Wein in neuen Schläuchen, Blut wird durch Wein abgelöst. Das zweite Testament ist eine Erneuerung, im doppelseitigen Sinn, des ersten Testaments, eine Modernisierung, eine Aktualisierung, die durch Jesus in die Welt gebracht wird. 
Lieber Luther, eigentlich bin ich noch beim Vorwort, so mächtig und gehaltvoll sind die Beschreibungen der Brand, Dank-, Speis-, Schuld- und Sündopfer und der dazugehörigen Riten, so viele Parallelen und Schlüsse könnte man zu Jesus und zum Neuen Testament ziehen. Man könnte ein Buch damit füllen. Es ist schade, dass im oberflächlichen Betrachten der Schlachthandlungen der tiefe Sinn von oberflächlicher Empörung verdeckt wird. Das Alte, richtiger das Erste Testament ist nicht veraltet. Es sagt uns viel, wir müssen es nur wieder verstehen lernen. Gott denkt in anderen Kategorien. Das leiblich-fleischliche spielt für ihn keine Rolle, ihm geht es nur um das Geistige.
Lieber Luther, es ist unmöglich, alles, was mir so durch die Sinne schwebt, in so einem kurzen Brief zu erzählen. Eines mag ich aber, da wir auf Ostern zusteuern, nochmals aufnehmen: Gott sagt: Des Leibes Leben ist im Blut, das Blut ist die Versöhnung, weil das Leben in ihm ist. Ich will darüber nachdenken, was daraus für das Ostergeschehen zu lernen ist. Mal sehen…. 
Herzliche Grüße
Deborrah

Verkohlte Äste

Ich habe heute in den Frühling hineingehört.
Ob er anders klingt als letztes Jahr.
Nicht so bedrohlich, zerstörerisch.
Er klingt gar nicht.
Als ob er mich nichts anginge.
Wie die Stille nach einer Explosion,
wie ein in sich zusammengefallenes
Gedankengebäude.
Verglühte Sonnen erzeugen kein Bild.
Nicht eines konnte mich locken.
Mein Bitten verbrannt.
Verkohlte Äste.

Ostermorgen

Herr Gott,
Ostermorgen?

Wir beginnen gerade die Fastenzeit
Und doch sind meine Gedanken schon beim Ostermorgen.
Schon jetzt vermisse ich die Glocken,
dein Halleluja.

Ich habe Angst,
so alleine mit dir,
so alleine vor dir,

Wie kann ich das tragen,
wie kann ich das fassen?
Wie begegne ich dir?

40 Tage dahin.
40 Tage innere Vorbereitung.
40 Tage wie ein Tag.

HERR, sei bei mir,
HERR, sei mit mir,
HERR, ohne Gedanken mein Tag.

50825-eingrenzung

Fußspuren

Vergiss es nie, lieber Gott, dass ich lebe,
war nicht meine eigene Idee,
und dass ich atme, war ein Entschluss von dir.
Vergiss es nie, dass ich lebe,
entspringt deiner eigenen Idee
und dass ich atme, ist mir eingesenkt von dir.
Vergiss es nie, was immer ich auch tu,
ist schon vorgedacht durch dich
und wenn ich fehle, liegt der Sinn bei dir.
Vergiss es nie, was größer ist als ich,
liegt allein bei dir.
Vergiss es nie, mein Leben kommt allein von dir,
und ich vertraue ganz auf dich.
Ich geb mein Bestes,
doch ich weiß, es ist oft nicht genug und
wenn die Kraft mir fehlt
baue ich auf dich.
Du bist mein Schild,
mein Schutz,
mein Heil,
mein Retter überall,
was auch geschieht,
es ist dein Gedanke,
der mich lenkt zu jeder Stund,
Du bist du,
das ist der Clou,
ja, du bist du.
Fußspuren

HERRlichkeit

Lieber Luther,
wenn man die Exodus –und Levitikus-Kapitel in der Bibel liest, die kapitellangen Beschreibungen, wie das Heiligtum zu bauen ist und wann welche Speis-, Trank-, Sündopfer etc in welcher Weise darzubringen sind, dann fragt man sich, sagt mir das heute noch etwas? Insbesondere die Kapitel über die Opfer triefen vor Blut. Manch einen wird es angeekelt verschütteln, wenn er das liest. Wieso steht das in der Bibel? Wieso in der Ausführlichkeit?
Lange hatte ich Zweifel. Aber, es ist wie immer mit der Bibel, nachdem ich Kapitel um Kapitel an mir vorbeiziehen habe lassen, ist mir im Lichte des Morgens heute morgen doch der Sinn aufgegangen.
Blenden wir zurück. Es herrscht eine Hungersnot über große Landstriche hinweg. In Ägypten waltet zum Segen aller der verkaufte Joseph. Also zieht das Haus Jakob unter der Protektion Josephs zu den Ägyptern, um nicht zu verhungern, als Fremdlinge in die Fremde. Über die Jahre vermehren sich die Hebräer stark, Ägypten überfremdet nach dem Empfinden des neuen Pharaos. Natürlich hat Gott seine Finger im Spiel. Er will zeigen, dass er der HERR ist und so kommt es zum Machtkampf, den natürlich Gott gewinnt. Schließlich, verzichtet der Pharao auf die Arbeitskraft der Hebräer und lässt sie aus Ägypten gehen.
Was war der Sinn der Übung, wieso hat Gott dem Pharao das Verständnis verschlossen und warum mussten die zehn Plagen über Ägypten kommen? Gott erklärt es Mose: Ich bin der HERR und bin erschienen Abraham, Isaak und Jakob als der allmächtige Gott; aber mein Name HERR ist ihnen nicht offenbart worden (2.Mose 6, 2). Es geht darum, dass Gott zwar als Gott bekannt ist, aber seine Herrschaft und Herrlichkeit ist noch nicht etabliert in dieser Welt, es ist bisher nur Einzelnen bekannt, was er vermag. Bis dahin hatte Gott noch kein Volk, er hatte ein Haus.
Deshalb erklärt Gott Mose weiter: Ich will euch annehmen zum Volk und will euer Gott sein, dass ihr erfahren sollt, dass ich der HERR bin. Er will sein Volk sammeln und es in sein gelobtes Land führen, er will sein Volk aus den Beschwernissen führen, es erlösen durch seinen ausgestreckten Arm und große Gerichte (2.Mose 6, 6-7). Gott will durch Zeichen, Wunder und Taten zeigen, dass er der HERR ist, er will seine HERRschaft und seine HERRlichkeit aufrichten. Er tritt aus dem Haus Jakob heraus und wird Gott des ganzen Volkes Jakob, das der Hausgröße entwachsen ist. Gott macht sich offenbar als HERRscher seines Volkes.
Vor diesem Hintergrund ist auch das Weitere zu verstehen. Eine solch große Menschenzahl ist nicht mehr wie ein Haus zu führen, es bedarf der verbindlichen Regeln des Zusammenlebens, aber auch der verbindlichen Regeln des Lebens mit Gott. Ganz offensichtlich wird das, als Mose, wie von Gott befohlen, für 40 Tage auf den Berg Sinai steigt. Was sich dann abspielt, ist kaum zu glauben. Aaron, der von Gott erwählte Priester, der zurückgeblieben war, der Stellvertreter Moses, mit aller Autorität ausgestattet, baut auf Verlangen des Volkes ein goldenes Kalb, um es anzubeten. Aaron hat nicht die Kraft und Einsicht, gegenzuhalten und das zu verhindern (2.Mose 32, 1-6). Es ist offensichtlich, dass Regeln her müssen, um Gott Gott sein zu lassen. Genau dashalb hat er auch Aaron das Kalb bauen lassen: Die Natur des halsstarrigen Volkes Gottes sollte sichtbar und gebrandmarkt werden.
Gott hat das schon vorhergesehen. Alles, was er Mose auf dem Berg hat verstehen lassen, ist darauf gerichtet, das Wesentliche „mit dem Finger Gottes“ auf zwei steinerne Tafeln geschrieben. Als Gott gewahr wird, dass sein Volk in Moses Abwesenheit schon von ihm abgefallen ist, schickt er Mose vom Berg, um Gott wieder Gehör zu verschaffen. Als Mose sieht, was passiert ist, zerbricht er vor Zorn die Gesetzestafeln (2.Mose 32, 19). Den Zorn Gottes hatte er vorher schon umgebogen. Er hatte vor Gott für sein Volk gefleht, und – was sehr selten ist – Gott ließ sich von Mose umstimmen: Also gereute den HERRN das Übel, das er drohte seinem Volk zu tun (2.Mose 32, 14).
So macht sich Mose unverzüglich daran, durch Regeln und Riten eine Ordnung aufzubauen, die das Volk offensichtlich brauchte, um einigermaßen friedlich zusammenzuleben und glauben zu können. Es brauchte sichtbare Zeichen auch der Gottesherrschaft. Um zu verhindern, dass das Volk goldene Kälber baut und falsche Götter anbetet, baute er als sichtbares Heiligtum die Bundeslade, das Priestertum wurde eingeführt, mit Aaron als erstem Priester, quasi eine Standesordnung errichtet. Die Priester sollten sichtbar Priester sein, mit prächtiger Ausstattung an Gewändern Gottes HERRlichkeit repräsentierend, herausgehoben vom Volk, ernährt durch die dargebrachten Speiseopfer. Dann wurden Opferriten eingeführt, die in allen Einzelheiten beschrieben sind, zur Versöhnung von den Sünden und den Missetaten des Volkes.
Diese so Blut triefenden Opfer haben es in sich, lieber Luther. Es lohnt sich sehr, hinter die Oberfläche zu schauen. Davon will ich dir – damit ich dir heute die Zeit nicht zu lange stehle – morgen berichten. Vor dem beschriebenen Hintergrund werden sie verständlich und haben auch heute noch eine Aussage und Botschaft und auch eine Verbindung zu Jesus.
Lieber Luther, apropos Botschaft, aber da sage ich dir sicher nichts Neues: Es geht – wie ich schon öfter geschrieben habe – auch in diesem Bibelabschnitt ganz und gar nicht um einen Historienbericht, es geht darum, verständlich zu machen, zu verbildlichen, was der Kern des christlichen Glaubens, des Glaubens an unseren Gott ist. In den Mosekapiteln soll uns verständlich gemacht werden, was „Gottes HERRschaft“ heißt. Wie sollten wir es auch sonst wissen?
Herzliche Grüße
Deborrah

Gratwanderung

Ach, Herr, du großer und heiliger Gott, der du Bund und Gnade bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten! Wir haben gesündigt und Unrecht getan. 
Daniel 9,4-5
Dein Bund mit uns, o Gott,
ein wackeliges Gebilde.
Wir.
Immer eine Gratwanderung zwischen
Gehorsam und Widerstand.
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Unantastbarkeit

Wenn sie auch wider dich streiten, werden sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette. 
Jeremia 1,19
Wenn Gott für mich ist,
kann mir niemand etwas anhaben,
wie überraschend die Angriffe auch kommen,
wie scharf das Messer auch geschliffen ist,
wie giftig die Pfeile auch sind.
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Warte auf nichts

Vom Baum des Himmels
sind die Wolken auf die Erde gefallen.
Das Land ist gefleckt
von großen dunklen Blättern.
In den Straßen der Traurigen
werden die Fensterrahmen
in der Farbe des Himmels gemalt,
in der Farbe der Sonne
in den lichtlosen Häusern.
Taubenschläge auf den Dächern
für ein hellgefiedertes Gestern
das nicht wiederkehrt.
Nur das Geläute am Waldrand.
Wellen von kleinen Glocken
bis in das Zimmer.
Zieh die Schuhe aus,
netze die Füße.
Warte auf nichts
als das Läuten
der kleinen Glocken
am Waldrand.
(in: Hilde Domin, Auf Wolkenbürgschaft. Gedichte)