Wehe-Korb

Ich hatte einen Kampf mit meinem unsichtbaren Gott. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich verweigere mich, geh weg von mir, reiß deinen Kreuzespfahl aus meinem Herz, so viele leben besser ohne dich, wieso nicht ich? Ich kann nichts mehr für dich hier tun. Nichts kommt mehr aus mir heraus. Ich will nicht einmal mehr beten, ich will dich nicht mehr hören, ich will dich nicht mehr sehen. Lass mich in Ruhe. Du hörst nur mein Rufen für andere, aber mich, mich vergisst du.
Nimm deinen Wehe-Korb und wandere durch dich. Lege in den Korb
alle Verwundungen,
alle Verbrennungen,
alle Versalzungen,
alles Versäuerte,
alles Spitze,
alles Grobe,
alle Verachtung,
allen Schmerz
und trage ihn vor mich, auch wenn du lange einsammeln musst. Und lege hinzu deine Flüche.
So gehe ich und sammle und fluche
den Undemütigen, die ich meine,
den Unmenschlichen, die ich meine,
den Ungehorsamen, die ich meine,
stelle alles vor dich, anempfehle alles in meinem Wehe-Korb deinem Ratschluss, deiner Gerechtigkeit und deinem Zorn. Denn du bist nicht nur ein sanftmütiger und langmütiger, du bist auch ein zorniger Gott.

Wunder

Die zwei Männer kamen auf mich zu. Vater und Sohn, Bruder und Patensohn. Seite an Seite. Es sind die Augenblicke, in denen man wahrnimmt, was man nicht sieht, was nicht in Worte passt. Ich habe bei ihnen Freude gesehen, einträchtige, frohe Freude. Freude, die gar nicht passen wollte zu dem Unglück vor gut 2 Wochen. Mein Bruder sah mich an, als sehe er mich zum ersten Mal. Du siehst gar nicht aus, wie ein Patient, meinte ich, als wir uns die Hände reichten. Ich sehe wieder. Die letzten zwei Tage sind seine verätzten Augen auf wundersame Weise geheilt, nicht 100%, aber so, dass er wieder sehen, erkennen, lesen kann. Den Ärzten ist das ein Rätsel.

Ich bin nur dankbar. Hier sind die Wunder, von denen manche meinen, sie gebe es nicht. Jesus macht Blinde sehend, auch heute noch. Wo seine Gnade hinfällt, ist Segen. HERR Gott, du hast meine Gebete erhört. Ich lege mich zu deinen Füßen und weine vor Dankbarkeit.

So feiern wir heute Hochzeit, der wir mit gemischten Gefühlen entgegensahen, mit doppelter Freude.

Rosen mit Dornen

Fundament

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsers Heils!
Psalm 95,1
Der Fels unseres Heils
Ist unser Fundament,
der unverrückbare Grund,
auf dem wir stehen und
der nicht wankt,
wie sehr der Boden
unter unseren Füßen
auch bebt.

Glauben

Wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? 
Jesaja 53,1
Was uns verkündet wurde,
glauben nur sehr wenige in Gänze.
Die meisten suchen sich heraus,
was ihnen passt,
suchen und finden Begründungen,
wieso, was nicht passt,
nicht stimmen kann,
passen sich das Wort an,
ordnen dich, o Gott, sich unter.
Bis du deine Hand hebst …

Erbteil

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! 
Micha 7,18
Was ist der Überrest deines Erbteils?
Wo ist er?
Die Zerstreuten?
Deine Gesammelten?
Dein gesegnetes Volk?
Das Kirchenvolk, egal welcher Kirchen?
Die Gläubigen in allen Variationen?
Das Volk Jakobs?
Die gesamte Menschheit?
Oder nur die Christen?
Es sind die, die du beim Namen kennst,
diejenigen, die bei dir angekommen sind,
die du bei dir versammelt hast,
diejenigen, die treu zu dir stehen,
auch wenn sie zwischendrin mal fallen.

Funkstille

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?
Jeremia 23,23
Hören und gehört werden,
Es ist immer du und ich, o Gott.
Wenn gerade Funkstille ist,
mag es in deinem Willen liegen oder
in meinem Unvermögen oder mangelnden Willen.

Wunderbarer Gott

David betete: Um deines Wortes willen und nach deinem Herzen hast du alle diese großen Dinge getan. 
2.Samuel 7,21
 
Um all deines Wortes willen,
damit Mensch begreift,
dass du allein es bist,
tust du all die großen Taten.
Du hast meine Gebete erhört
und ich stehe voll Andacht
und Dankbarkeit vor deiner Größe.

 

Du wunderbarer Gott.

Himmel und Hölle

In mir streiten Himmel und Hölle.

Wenn ich auf meinen Bruder schaue und muss weinen,
regiert die Hölle.
Wenn ich auf meinen Bruder schaue und habe guten Mut,
regiert der Himmel.


O Jesu, meine Zuversicht,
verlass mich nicht,
verlass mich nicht.

Wissen

Kaleb sprach zu Josua: Meine Brüder machten dem Volk das Herz verzagt, ich aber folgte dem HERRN, meinem Gott, treulich. 
 Josua 14,8

Es gibt viel erlerntes Wissen in der Welt,
viele Wissens-Theorien,
viel Technik, um Wissen anzuhäufen,
viel, was Mensch im Glauben wanken lässt,
eingeschüchtert,
eingeschnürt,
eingeengt
von so viel Wissenschaft.

Aber das Wissen um Dich, o Gott,
ist ein Wissen,
das kein Mensch ergründen kann.

Fadenfisch

Das Aquarium hat heute Nacht das Wohnzimmer geflutet.
100 Liter Wasser haben sich Raum gebrochen.
Ein kleiner Rest ist geblieben,
gerade genug, zum Überleben für die Fische.

Rettung aus höchster Not.
Verstört schwimmen sie in ihrem Notbehelf.
Orientierungslos,
heimatlos,
eingeengt,
um Sauerstoff ringend.

Die Fische, wie ich.
um Atem kämpfend,
gerade soviel Wasser im Becken,
um nicht trocken zu fallen,
eingeengt in meinem Gefäß,
sich nach frischem Wasser sehnend,
der Freiheit und Reinheit des Urquells entgegen.

Gleichmut, des alten, grauen,  müden Fadenfisches.
Fisch, am – seidenen – Faden.

Trost II

    • Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. 
      Psalm 73,26
      Jeden Tag eine andere Trost-Losung.
      Du weißt, o Gott, dass ich sie brauche.
      Die Verletzung eines Menschen, den man liebt,
      schmerzt in der eigenen Seele,
      als wäre es die eigene Verletzung.
      Das einzige Schmerzmittel, das hilft,
      bist du, o Gott.

Trost

Der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 
Jesaja 52,9
Ohne deinen Trost, o Gott, blieben wir ungetröstet,
ohne deine Erlösung unerlöst.
Dein Trost ist Erlösung, bringt Lösung,
Gehaltensein, in jeder Erschütterung.
Öffne uns die Augen,
weite den Blick.

Zwei Sekunden – und alles ist anders

Ich bin krankgeschrieben,
ich hatte einen Unfall,
einen schweren Unfall.
Mir stockt das Herz.

Zwei Sekunden,
und das Leben ist verändert.
Du bist nicht mehr der,
der du warst.

Wo Licht ist,
ist Dunkelheit,
wo Farben waren,
nur noch grau.

Wo ist der Plan B,
habe ich fast flehentlich gefragt,
vor 5 Monaten, als unser Vater starb.
Ihr braucht einen Plan B.

Wieso weiß ich immer im Voraus,
von dem Unglück, das kommt?
Wem hilft es? Mich quält es.
Verhindern kann ich nichts.

Ich kann von ihm lernen.
Was nützt es,
rückwärts zu weinen,
hat er zu mir, fast tadelnd, gesagt,
als der Schmerz mich überwältigen wollte.
Vielleicht bekommen sie es auch wieder hin.
Wenn alles gut geht.

Wie stark ist er.
Er hat es mir selber gesagt,
nicht ausrichten lassen,
ist selbst seinen Mann gestanden,
mitten in seinem Unglück.
Mit einer unfassbaren Gelassenheit.
Von Tempo 200 auf 0.

Wer mit und in der Natur arbeitet,
ist dem Leben nahe,
kennt Unglück,
kennt Krankheit,
kennt Sterben,
lebt mit dem Wetter,
so wie es ist.
Jeden Tag.
Demütig.

Er tut, was getan werden muss,
verliert keine Zeit mit Selbstmitleid und Trauer,
regelt die Dinge, unverzüglich,
behält ohne klaren Blick den Überblick.

Und wenn ich nachdenke,
sehe ich, dass alles vorgezeichnet war.
Die Hilfe kommt vom HERRN.
Sie war schon am Keimen,
das Saatkorn gelegt.

So ist es gut, wie es ist,
du Gott, hast vorgesorgt.
Ich sehe deine schützende Hand.
Bei DIR sind wir sicher,
du birgst uns unter deinen Flügeln,
und lässt uns nicht versinken
im Dunkel der Not.

Licht, im dunklen Gefängnis.

Dunkelheit

Mose – ein Nachruf

Es sind dürre Worte, die die Botschaft vermelden:
Also starb Mose, der Knecht des HERRN, im Land der Moabiter nach dem Wort des HERRN (5. Mose 34, 5)
Er war 120 Jahre alt. 120 Jahre im peinvollen Dienst für Gott. Meistens das Volk gegen sich, immer für es in die Bresche springend: HERR vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.
Mit einer Ausnahme: Am Haderwasser, am Haderwasser haderte auch Mose mit seinem Gott. Genug, für Gott, um ihn nicht in das gelobte Land zu lassen. Mose wäre gern hineingegangen, nach all der Mühsal, nach all dem Schmerz, nach all den Toten, nach all dem Widerstand. Mose war müde, schon lange, aber immer treuer Diener. So auch in seinem Sterben. Er wusste, er würde das Land, in dem Milch und Honig fließt, nur sehen, aber er würde nicht in ihm leben. Gott hatte es ihm gesagt. Demütig nahm er es hin. Er mahnte ein letztes Mal und er segnete ein letztes Mal. Jeden einzelnen Stamm, wie es zuvor schon Jakob getan hatte. Juda, Levi und Joseph waren die drei Säulen für die Zukunft des Volkes Israel, für die Bewahrung des Glaubens an den EINEN Gott.
Dürre Wort für einen Mann, über den später nur Jesus stehen wird: Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der HERR erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht. Mose war wie ein Stiefsohn Gottes. Nur sein wahrer Sohn, Jesus, hat ihn als Mensch in der Nähe zu Gott übertroffen. Keiner war so auf Du zu Du mit Gott, wie Moses. In Jakob setzte er Mensch auf seine Spur, in Mose sammelte er die Menschen zu seinem Volk, mit allen Abgründen, in Jesus verkörperte sich Gott, um das Menschsein mit allen Konsequenzen selbst zu durchleben. Die Konsequenz der Konsequenz. Wie als Abbitte für all diejenigen, die für ihn schon gelitten haben und leiden werden.
Mose hat sich dieses besondere Verhältnis zu Gott nicht ausgesucht. Er wollte es nicht, wollte die Aufgabe nicht annehmen. Gottes Wille ist mächtiger als des Menschen Willen. Das hat Mose begriffen und gehorcht. Mose, der als Ägypter aufgewachsen ist, als Fremdling, war Zeit seines Lebens auf der Reise und auf Erden ein Fremdling, wie das halsstarrige Volk, das er anführte, heimatlos. Immer das Messer an der Kehle, offener Meuterei ausgesetzt, selbst seine Getreuesten, wie Aaron, fielen ab von Gott, damit von ihm, sobald er ihnen den Rücken kehrte. Nur indem er diesem widerstrebenden, der Vielgötterei und den Menschenopfern frönendem Volk, Gott wie einen Blitz entgegenschleuderte, konnte er es einigermaßen in Gottes Bahnen halten. Einigermaßen – und mit unendlicher Mühe.
Aber, und das ist das Tragische, es ist Mose schon im Angesicht des Todes klar, dass sein Reden auf taube Ohren gestoßen ist. Das Volk hat nicht verinnerlicht. Es wird den falschen Göttern nachlaufen. Alles Mahnen war umsonst, hat nichts genützt, bis auf den heutigen Tag. Du wusstest das schon. So müssen dich, o Mose, zwiespältige Gefühle auf dem Berg Horeb ergriffen haben.
Einerseits: unendliche Erleichterung, diese Last endlich von den Schultern gleiten zu lassen, die Verpflichtung los zu sein, der Müdigkeit ihren Raum zu lassen, zu sagen: HERR, ich habe alles getan, was in meiner Macht steht, aber ich weiß, dass es ungenügend war, da ich auch nur ein fehlbarer Mensch bin, so wie ich gefehlt habe vor dir am Haderwasser. Vergib mir HERR meine Schwäche.
Anderseits: Unendliche Sorge um dieses halsstarrige Volk. Er wusste, sie werden nicht halten, was ich sie gelehrt habe. Alle Schreckensszenarien, die ich aufgebaut habe, waren nicht schrecklich genug, um ihnen ins Bewusstsein zu bringen, dass Gott allein ihr Heil ist. Sie sind geblendet von dem äußerlichen Schein ihrer kleinen Welt, der sie den Glanz von Gottes großer Welt nicht sehen lässt. Vergib Ihnen HERR, sie sind, wie ich nur schwache Menschen.
Also starb Moses, als Fremdling in fremden Land. Fremd den Mensch, die er 120 Jahre geführt hat. Er, ein großer Diener Gottes, aber kein Erbe im gelobten Land, keine eigenen Nachkommen. Er hat gedient. Wenn es von einem gesagt werden kann, dann von Mose, 120 Jahre lang. Wieviel Kraft ist dazu notwendig? Wieviel Durchhaltevermögen? Wieviel ertragen können?  Wieviel Zuversicht? Unvorstellbar. Ohne Gottes Gnade, ohne Gottes Leitung wäre dieses Joch nicht tragbar gewesen.
Aber, Gott sieht. Und Gott wiegt und wägt. „Und er begrub ihn im Tal der Moabiter gegenüber Beth-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf diesen heutigen Tag“. Wie tröstlich ist das. Gott hat selbst Hand angelegt, um seinen treuen Diener zu begraben, ihn der Erde zurückzugeben und ihn mit seinem Volk, dem geheiligten Volk, vor ihm und mit ihm zu sammeln. Gott selbst hat dafür gesorgt, dass kein Mensch sein Grab berühren kann, sein Grab kennt. Mose hat Gott gedient mit allem, was er hatte und Gott hat sich ihm in seinem Tod angenommen. Er hat ihn hinfort genommen, wie später Jesus, kein Mensch konnte ihn mehr entheiligen.
Mose war zwar müde des Wanderns und müde des widerspenstigen Volkes, aber er war nicht müde, Gott zu dienen, bis zuletzt: Seine Augen waren nicht dunkel geworden, und seine Kraft war nicht verfallen. Er sah nach wie vor mit aller Klarheit und setzte Gottes Wort mit dem Glanz aus der Wolke in aller Entschiedenheit auch gegen den Willen des Volkes in Wahrheit.
Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der HERR erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht.
Himmelwärts