Scheideweg

Wir trafen uns zufällig, beim Arzt. „Dich treffe ich hier sonst nicht, sondern nur meine Sangesbrüder“, meinte er lachend. Dann fuhr er sich mit der Hand durch das nicht vorhandene Haar: „Die sind weg“. „Habe ich schon gesehen“. „Und als nächstes ist der dran“ und er zeigte auf seinen Schnauzer, „Ich habe Krebs“.
Er ist ein großer, gutaussehender, stattlicher Mann, selbst jetzt noch, wo er nur noch die Hälfte dessen ist, was er war, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, unter seinem linken Ohr eine lange Naht. „Zungenwurzelkrebs“. „Noch nie gehört“. „Ich vorher auch nicht“. „Machst du Chemo?“. „Bin ich schon durch, seit Februar bin ich zugange.“ Dann erzählt er in wenigen Worten von den Qualen der Chemo. „Und jetzt?“. „Sie sagen, sie hätten alles rausgeschnitten. Ab Donnerstag muss ich zur Bestrahlung, 7 Wochen. Ich habe den Beipackzettel gelesen, er ist lang“ und er zeigt mir in einer ausladenden Handbewegung, wie lang. „Wieso Bestrahlung, wenn sie sagen, alles ist raus?“ „Habe ich auch gefragt. Sie sagen, sonst fangen die Metastasen an zu leben und ich sitze in 8 Wochen wieder mit riesigen Geschwüren bei ihnen.“ „Mit der Begründung lassen sie dir ja nicht viel Wahl.“
Ich schaue ihn an. Die Hose wird nur noch durch den Gürtel gehalten. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes nur noch Haut und Knochen. Wie soll er das durchstehen, mit was? Er hat rein körperlich keinerlei Reserven mehr. „Mein Schwager“, sagt er, „hat die 5 Jahre voll gekriegt.“ Ich schaue ihn fragend an. „Er hatte Lungenkrebs und sie geben eine Prognose von 5 Jahren Überlebenschance“. Er grinst mich an: „Als wir noch 40 waren, haben wir gesagt, die alten Säcke mit 70, ihre Zeit ist da“, meint er lachend und es wirkt nicht aufgesetzt, eher verwundert, dass das jetzt auf ihn schon zutrifft. Jetzt, in der Gegenwart, nicht in einer unbestimmten, aufschiebbaren Zukunft. „Entweder die Bestrahlung schlägt an, oder …“, er beendet den Satz nicht. „Ich bin nicht sicher, ob es wünschenswert ist, 105 zu werden“, meine ich. Er sagt: „Ein Freund hat mal zu mir gesagt, jeder will alt werden, aber alt werden will keiner. Ich will dir erzählen, wie es mir ergangen ist, während der Bestrahlung. Wenn es vorbei ist.“ „Mok wi so.“ In einem gleichgerichteten Impuls umarmen wir uns. Alles gesagt für jetzt. Er geht davon. Keiner von uns ist weinerlich, sondern dem ins Auge sehend, was kommt, unabänderlich. Wir ahnen beide, dass dies ein Abschied gewesen sein könnte.
Wieso erzähle ich das? Ich habe keine Angst vor dem Sterben, weil Sterben ein Heilsgeschehen ist. Sterben führt uns zurück zu Gott und macht uns wieder vollkommen heil. Ich habe hier schon öfters von Abschieden und vom Sterben berichtet, immer gelungenem Sterben. Alle Menschen, die ich bisher in ihrem Sterben irgendwie begleiten durfte, sind gelungen gestorben. So wünsche ich sehr, dass auch dieser Freund gelungen stirbt, wann immer der Augenblick da ist. Was kann ich für ihn tun?
Alles ist vorgedacht und vorgezeichnet. Schon, dass wir uns begegnet sind, an einem Ort, an dem die Wahrscheinlichkeit, mich zu treffen, äußerst gering ist. Wir sind uns begegnet, weil ich viel für ihn tun kann. Wesentlich mehr für sein Leben, als alle Ärzte zusammen. Ich kann für ihn beten. Das ist wichtiger für ihn, als alle medizinischen Maßnahmen zusammen. Das ist etwas, was er nicht selbst für sich kann. Letzten Herbst ist er, auch das vorausschauende Fügung, wieder in die Kirche eingetreten, weil seine Frau ihn einmal mit kirchlichem Segen begraben will, so hat er mir vor ein paar Monaten erzählt. Von Krebs wussten sie damals noch nichts, sie dachten eher an sein Herzleiden.
Ich glaube an die Macht von Gottes Fügungen und ich glaube an die Macht des Gebetes. Ich habe beides schon oft erfahren, auch darüber habe ich schon mehrmals berichtet. Ich berichte, weil ich ermutigen will. Derjenige, der beten kann, kann beten für die Handvoll, die ihm gegeben ist. Wenn jeder dies tun würde, würde es weniger Leiden im Sterben und mehr gelungenes Sterben geben, davon bin ich absolut überzeugt. Man kann denen helfen, die selbst in ihrer Beziehung zu Gott verloren sind, keinen Zugang finden und keine Öffnung im Sterben. Man kann an ihre Stelle treten und für sie bitten, für sie anklopfen sozusagen. Ich bitte nicht, HERR, mach ihn gesund, ich bete:
HERR, ich befehle ihn in deine Hände,
dein Wille geschehe,
bewahre ihn,
führe ihn auf einen Weg,
der für ihn der beste ist,
bereite deine schützenden Flügel um ihn.
Ich bitte um einen Weg,
wie immer der aussehen mag,
der ihm am wenigsten Leiden verursacht.
Schicke ihm, wenn die Zeit da ist,
einen Engel entgegen, der ihn an der Hand nimmt
und ihn zu dir führt.
HERR, hilf.
HERR, erbarme dich.
HERR, auf dich vertraue ich.
AMEN.

Feuer

Ich will sie durchs Feuer gehen lassen und läutern, wie man Silber läutert, und prüfen, wie man Gold prüft. Dann werden sie meinen Namen anrufen, und ich will sie erhören. 
Sacharja 13,9
So wie das Feuer Eisen, Gold, alles schmilzt, was Materie ist,
so schmilzt Gottes Feuer unsere Verhärtungen, unsere Missetaten, unsere Sünden.
Wenn wir erkennen werden, welch befreiende Wirkung das hat,
werden wir Gott erkennen und seinen Namen anrufen.

Lest

Lieber Luther,

wenn einer das Wort Prophet verdient, dann ist es sicher Jesaja. Kein anderer hat so die Zukunft geschaut, Jesus mal abgesehen, wie Jesaja. Jesaja ist Weisheit, deshalb sollten wir ihm zuhören. Was er angekündigt hat, ist so eingetreten. So zitieren wir ihn auch gerne, insbesondere an Weihnachten, wenn es um seine Hin- und Vorschau auf Jesus geht. Aber, haben wir auch den ganzen Jesaja gelesen? Sind wir bereit, ihm ganz zuzuhören, oder nur auf dem netten Ohr, mit der Botschaft, die in unser Gottesbild, das wir uns tunlichst nicht machen sollten, passt?

Propheten zählen nichts im eigenen Land. Das wusste auch schon Jesaja. Damals wie heute wollten die Menschen nur die eine Seite der Medaille mit Gott hören, die andere aber nicht. Jesaja ist sich dessen bewusst. Deshalb legt er genau dorthinein seinen Finger. Gott befiehlt ihm: Gehe hin, schreib es ihnen vor, auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für und für ewiglich. Dass sie nicht sagen können, sie können es nicht wissen.

Denn, es ist ein ungehorsames Volk und verlogene Kinder, die das Gesetz des Herrn nicht hören wollen, sondern sie sagen zu den Sehern: Ihr sollt nichts sehen. Und zu den Schauern: Ihr sollt uns nicht die rechte Lehre schauen lassen. Predigt uns sanft, schaut uns Täuscherei. Geht uns aus dem Weg, aus unserem Gesichtsfeld mit euren Warnungen: Hört auf vom Heiligen Israels zu predigen, wie ihr predigt. Wer will das schon hören (Jes 30, 8-11).

Was antwortet Gott? Ihr verwerft dies Wort und trotzt ihm mutwilllig, ihr seid wie eine undurchdringliche Mauer, aber irgendwann fängt euer Putz, von dem ihr denkt, er hält euch zusammen, an zu rieseln. Irgendwann fallt ihr zusammen und nichts wird von euch übrigbleiben. Wenn ihr umkehren und still sein würdet, so würde euch geholfen, durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber: ihr wollt nicht: Ihr meint davonrennen zu können, Tausende werden fliehen vor eines einzigen Schelten (Jes 30, 12-17). Darum harret der HERR, dass er euch gnädig sei. Er hat sich aufgemacht, damit er sich eurer erbarme; denn der HERR ist ein Gott des Gerichts. Wohl allen, die sein harren (Jes 30, 18).

Gott ist ein Gott des Gerichts. Das Gericht ist Erbarmen. Das steht im gesamten Jesaja, in der gesamten Bibel, in beiden Testamenten, aber verstehen wollen das heute nur Wenige. Weil vor allem nicht mehr verstanden wird, dass es eine Freudenbotschaft ist. Bei dem Wort „Gericht“ zittern schon viele, es scheinen viele an Ungerechtigkeit zu denken anstatt an Gerechtigkeit. Wieso muss man sich vor Gerechtigkeit fürchten? Trauen wir Gott so wenig zu? Oder uns selbst? Wohl beides.

Für Jesaja gab es da keinen Zweifel: Wenn Gott mit seinem Zorn kommt, da werdet ihr singen wie in der Nacht eines heiligen Festes und euch von Herzen freuen, wie wenn man mit Flötenspiel geht zum Berge des HERRN. Und der HERR wird seine herrliche Stimme erschallen lassen, dass man seinen ausgereckten Arm sieht, wie er zornig herannaht, mit verzehrendem Feuer, Blitz, Starkregen und Hagel (Jes 30, 29-30). Ein Sommergewitter. Wenn der Feigenbaum wieder grünt werdet ihr wissen, dass der Sommer nahe ist (Mark 13, 28).

Siehe, es wird ein König regieren, Gerechtigkeit anzurichten, und Fürsten, die das Recht handhaben (Jes 32, 1). Die sehenden Augen werden sich nicht blenden lassen, die Ohren der Zuhörer werden aufmerken und die Unvorsichtigen werden Klugheit lernen. Es wird nicht mehr ein Narr Fürst heißen, denn ein Narr bewirkt Heuchelei und predigt Unsinn, so dass er die hungrigen Seelen aushungert und den durstigen das Trinken wehrt. Der Geizige, der dem Volk nur ein Teil des Wortes sagt, richtet Schaden an, er gönnt dem Armen sein Recht auf Gerechtigkeit nicht (Jes 32, 1- 8).

Wer meint in seinem Glaubensmäntelchen immer auf der sicheren Seite zu sein, das Gericht leugnet, wer denkt, ohne Gottes Gericht in seine Ewigkeit zu ziehen, ohne Buße, ohne Reinigung, der täuscht sich: Nach Jahr und Tag werdet ihr Sicheren zittern; denn es wird keine Weinernte geben. Erschreckt Ihr Stolzen, zittert, ihr Sicheren! es ist vorhanden Ausziehen, Blößen und Gürten um die Lenden (Jes 32, 10-12).

Ihr wollt nicht unter einem verzehrenden Feuer wohnen, nicht bei der ewigen Glut? Wer in Gerechtigkeit wandelt und Wahrheit redet, wer Unrecht hasst, mit dem Wort nicht geizt durch Weg- und Auslassungen, wer sich nicht mit falschen Versprechungen bestechen lässt, wer seine Ohren nicht verstopft, um etwas über seine Schuld zu hören, wer sich die Augen nicht zuhält, damit er ja nicht Arges sehe, der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiss (Jes 33, 14-16).

Gottes Gerechtigkeit, lieber Luther, ist eine Heilszusage, Gott, Jesus, der zu seiner Rechten sitzt und der Richter sein wird, ist ein gerechter Richter. Ich kann es nur mit Jesaja halten: Freut euch und jubelt, wenn ihr vor ihm stehen werdet, wird uns Gerechtigkeit angetan werden. Wir werden das erreichen, nachdem wir hier auf Erden – vielleicht vergeblich – streben. Ich traue Jesus zu, dass er gerecht sein wird. Warum die Angst vor diesem gerechten Richter? Warum die Angst vor dem Abstreifen aller eigener Ungerechtigkeit? Wo ist das Vertrauen?

Die Angst, lieber Luther, ist geschürt in jahrhundertelanger Sünden-Lehre und Predigt. Daraufhin ist man ins andere Extrem verfallen. Predigt uns sanft, schaut uns Täuscherei. Nur Sünde oder nur voraussetzungslose, gleichmacherische Liebe Gottes zu predigen, ist gleichermaßen einäugig und nimmt sich in ihrer Halbheit nichts. Wer Gericht als Strafe interpretiert und als Bedrohung, hat nicht viel von der Botschaft und dem Geist in der Bibel verstanden – als Ganzes gesehen, nicht in ausgewählten Halbsätzen, so wie das heutzutage so üblich ist. Es geht um den Tenor. Es sind keine Drohungen, es sind Warnungen, ein Werben, Mensch, so hör doch. Wie ein Wetterbericht, der vor dem Donner-Wetter warnt, das am Ende den Segen im Regen bringt. Man vorenthält den Menschen dadurch ihre Chance auf Gottes reinigenden Regen, weil sie nicht entsprechend umkehren können, weil es ihnen niemand sagt. Es wird eine Bahn sein und ein Weg, welcher der heilige Weg heißen wird, auf dem kein Unreiner gehen darf (Jes 35, 8). Dies den Menschen vorzuenthalten, ist verantwortungslos.

Es ist gerade das Verschweigen, das Ängste schürt. Lass uns, lieber Luther, das gerechte Gericht ans Licht holen, damit der Mensch wieder lernen kann, dass das Gericht nichts anderes heißt als dass ich Gerechtigkeit erfahren werde. Es ist Teil der Heilsbotschaft, auch von Jesu Heilsbotschaft. Auch er hat von einem Gericht gesprochen. Die Wortgeizigen, die Wortunterdrücker, verschweigen das und richten damit, wie Jesaja schreibt, viel Unheil an. Auf Gottes Fügung kam dies Wort zu uns, lass es uns auch hören. Denn der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König, der uns hilft (Jes 33, 22). Suchet nun in dem Buch des HERRN und leset (Jes 34, 16)!

Herzliche Grüße
Deborrah

Wüstenprophezeiungen

Die Wüste und Einöde wird lustig sein,
wird fröhlich stehen und blühen wie die Lilien,
denn Herrlichkeit und Schmuck unseres Gottes ist ihr gegeben.
Sagt den verzagten Herzen:
Seid getrost und fürchtet euch nicht.
Seht, euer Gott, der kommt zur Rache,
Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.
Dann werden
der Blinden Augen aufgetan,
der Tauben Ohren geöffnet,
die Lahmen springen wie ein Hirsch,
die Stummen singen Gottes Lob.
Denn es werden
Wasser in der Wüste fließen und
Ströme im dürren Land,
Brunnen sollen quellen und
Gras, Rohr und Schilf wachsen.
(Jesaja 35, 1-7)
Der aus Wüsten Gärten macht.
So warten wir.
So vertrauen wir.

Natur

Du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern. 
Psalm 104,4
Der Wind weht wo er will,
mal säuselt er uns ins Ohr,
mal fegt er uns weg.
Das Feuer lodert immer,
als Feuereifer oder
als eiferndes Feuer.
Gottes Naturgewalten.
sein walten über unsere Natur,
unsere Natur in seiner Natur.

Buckelpiste

Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. 
Jesaja 42,16
Jeder Anstieg, ist mit dir zu erklimmen, o Gott,
du gibst uns Atem, wenn uns die Luft ausgeht.
Jeden Abstieg fängst du auf,
damit wir nicht ins Trudeln kommen.
Aus jedem Schlagloch ziehst du uns wieder heraus,
damit wir nicht versacken.
Du geleitest uns sicher durch die Buckelpiste unseres Lebens.

Schemel

Ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir.
Psalm 51,5
Mancher verschließt gern die Augen
vor seinen Sünden und seinen Missetaten,
geschweige denn, dass er Konsequenzen daraus zieht.
Es regiert das „Immer weiter so“.
Erwarten wir, dass Jesus die Augen verschließt,
wenn wir uns dereinst als Schemel unter seinen Füßen wiederfinden?
Oder dass er die Augen aufmacht?
Die Konsequenzen sind unterschiedlich.
Jeder sollte eine Antwort für sich finden.

Treuer Gott

Der HERR, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unseren Vorfahren war. 
1.Könige 8,57
Gott ist mit seinem Volk,
auch wenn es in der Wüste irrt,
denn du, o Gott, bist ein treuer Gott.
Ob du dich zeigst oder verbirgst,
es geschieht aus Liebe.

Verschlossene Tür

Du musst noch viele Prüfungen, mancherlei Übungen hier auf Erden durchmachen. Trost wird dir bisweilen gereicht werden, aber ein Genuss, der dein ganzes Herz sättigt, kann dir nicht gegeben werden.
Fasse also neuen Mut und sei Mann, stark zum Leiden und stark zum Handeln, wenn sich gleich deine Natur noch so sehr dagegen sträubt. Du musst einen neuen Menschen anziehen und in einen anderen Mann verwandelt werden. Du musst oft tun lernen, was du nicht willst, und verlassen, was du behalten möchtest.
Was andere wollen, wird zustande kommen; was du willst, ins Stocken geraten. Was andere sprechen, wird Gehör und Beifall finden; was du redest, für nichts geachtet werden. Andere werden mancherlei begehren und erhalten, was sie begehren; du wirst auch begehren, aber nichts erhalten.
(in: Thomas von Kempen, Das Buch von der Nachfolge Christi, Kap.49, Von der Sehnsucht nach dem ewigen Leben und von den großen Verheißungen für die mutigen Kämpfer).
Verschlossene Tür

Segen und Fluch

Lieber Luther,

Gott ist das ewige Gut und wir ein Teil davon. Doch vor dem ewigen Gut steht viel Ungutes, viel Ungehorsam, viel Leid, mangelnde Demut, Eigenwille und Renitenz, kurz, der Mensch, so wie er geschaffen ist. Anzunehmen, der Mensch erreiche das ewige Gut, solange er menschlich lebt, ist Augenwischerei. Aber nicht nur, es ist auch Last und Belastung, das Postulat allein Beschwernis und Last. Gott wusste das. Deshalb hat er zum Segen auch immer den Fluch gesellt, zum ewigen Heil das ewige Gericht. Im ersten wie im zweiten Testament. Nicht nur der Mensch, auch Jesus und Gott sind zornig. Wären sie es nicht, wir – und unser Tun – wären ihnen gleichgültig, es bräuchte sie gar nicht. Ein Maßstab ohne Maßstab ist keiner. Es ist ja nicht unbegründeter Zorn. Wer das weg definieren will, verschließt die Augen vor 2,5 Millionen Jahren Menschheitsrealität.

Gott hat einen Bund mit uns geschlossen und die dazugehörige Handlungsanleitung ist einfach: So haltet nun die Worte dieses Bundes und tut darnach, auf dass ihr weise handeln möget in all eurem Tun (5.Mose 29, 9 ff). Du, jeder einzelne, der vor mir steht, sich zu dem Bund bekennt, tritt in den Eid auf den Bund mit mir ein. In diesem Bund und mit diesem Eid, besiegelt mit meinem Blut, richte ich dich zu meinem Volk auf. Ich sammle euch in dem Bund und unter diesem Eid. Ob dies der alte oder neue Bund ist, spielt keine Rolle, es ist immer der EINE Bund mit dem EINEN Gott, die EINE Stadt, das EINE Haus, der EINE Tempel, der EINE Zionsberg, das EINE Kreuz, der EINE Christus.

Gedenkt immer des Bundes, den ihr mit diesem EINEN geschlossen habt. Gedenkt eurer Geschichte und nehmt sie als Warnung, fallt nicht in eurem Herzen von mir ab, dient nicht anderen und falschen Göttern. Vor allem hüte dich davor, obwohl du diese Worte und diesen Fluch hörst, dich selbst in deinem Herzen zu segnen und zu sagen: Es geht mir wohl, obwohl du nur tust, was dir dein Herz sagt. Die sich an sich selbst betrinken, werden verdursten: Da wird der Herr nicht gnädig sein; sondern dann wird sein Zorn und Eifer rauchen über solchen Menschen, und es werden sich alle Flüche auf ihn legen, die in diesem Buch geschrieben sind; und der HERR wird seinen Namen austilgen unter dem Himmel (5.Mose 29, 20). Er wird ihr Land mit Schwefel und Salz verbrennen, dass es nicht besät werden kann, noch etwas darin wächst, noch ein Kraut aufgeht, gleich wie in Sodom und Gomorra. Warum? Weil du den Bund verlassen hast, den Eid gebrochen.

Gott ist ein zorniger Gott, aber auch ein langmütiger Gott: Wenn nun alles über dich kommt, nach deiner Wahl, der Segen und der Fluch, und du in dein Herz gehst, auch wenn du unter den Heiden bist, zu denen du verstoßen bist, Gott nicht kennst, und umkehrst, dich zu Gott bekehrst, seiner Stimme gehorchst, von ganzem Herzen und ganzer Seele, so wird dein Gott dir dein selbstgewähltes Gefängnis wenden. Selbst wenn du bis an der Himmel Ende verstoßen wärst, wird dich der Herr, dein Gott, von dort sammeln (5.Mose 30, 4).

Ihr habt keine Ausrede. Das Gebot, das ich euch gebe, ist nicht verborgen, ihr könnt nicht sagen, wer will uns über das Meer fahren und dein Wort uns holen, dass wir es hören und tun. Es ist da, es ist in der Welt. Es ist Verheißung, Hoffnung und Warnung. Denn seht, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben Mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und heilen, und ist niemand, der aus meiner Hand errette (5.Mose 32, 39).

Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst (5.Mose 30, 19). Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens (Heb 4, 12). Mensch, du hast die Wahl, auf mich, deinen Gott, kannst du es nicht schieben, wenn du meiner Stimme nicht gehorchst und du die Konsequenzen tragen musst.

Und es wird Konsequenzen haben. Auch darüber habe ich euch ausführlich belehrt. Denn, alle Menschen, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben und mich dennoch zehnmal versucht, meiner Stimme nicht gehorcht, mir gelästert haben, sollen das Land nicht sehen, das ich ihren Vätern verheißen habe, sie werden nicht in meine Ruhe kommen (4.Mose 22 ff). Welchen schwur er aber, dass sie nicht zur Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungläubigen (Heb 3, 18)?

Lieber Luther, auch mit mancherlei Speis und Trank, mancherlei Taufen und äußerlicher Heiligkeit ist es nicht getan, den Gott sieht in alle Herzen (Heb 9, 10) und wartet hinfort, bis dass seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden (Heb 10, 13). Mir kommen die Konfirmationen dieser Tage in den Sinn. Oder auch Taufen. Viel äußerliche Heiligkeit, wenn überhaupt, nicht nur von denen, die so scheinheilig vor den Altar treten, sondern auch derjenigen, die mitspielen und ihren Segen dazu geben.

Und, passend zu Pfingsten, lieber Luther, eine wie viel ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, den Bund, den er geschlossen hat, das Blut des Testamentes, unrein achtet, durch welches er geheiligt ist, und den Geist der Gnade schmäht? Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Heb 10, 29-31), in jeglicher Beziehung, in Gutem wie im Schlechten. Erschrecken von der Größe des Segens, aber auch vor der Größe des Zorns. Ich kenne beides, du, lieber Luther, sicher auch. Umfassende, mich ganz erfassende Gottesfurcht und –ehrfurcht.

Die An- und Aufforderung, lieber Luther, ist also nicht, vor all dem Unguten die Augen zu verschließen, sich in die vereinfachte Formel zu flüchten, Gott vergibt alles. Am Ende, lieber Luther, vielleicht ja, das ist die Hoffnung, aber davor steht der zornige, der richtende Gott, der sich unsere Untaten alle ansieht. Und das ist gut so. Mich erleichtert das. Ich kann vor ihn nicht nur meine Fürbitten, sondern auch meine Flüche legen. Er kennt beides. Er, der gerechte Richter, wird sie wiegen und wägen und nach seiner Gerechtigkeit bewirken, richten und rächen. Zu Gott wie auch zu mir, gehören Segen und Fluch. Wer nur den Segen sieht und den Fluch negiert, halbiert Gott und Mensch. Licht macht die Dunkelheit zum Licht.

Herzliche Grüße
Deborrah

Wehe-Korb

Ich hatte einen Kampf mit meinem unsichtbaren Gott. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich verweigere mich, geh weg von mir, reiß deinen Kreuzespfahl aus meinem Herz, so viele leben besser ohne dich, wieso nicht ich? Ich kann nichts mehr für dich hier tun. Nichts kommt mehr aus mir heraus. Ich will nicht einmal mehr beten, ich will dich nicht mehr hören, ich will dich nicht mehr sehen. Lass mich in Ruhe. Du hörst nur mein Rufen für andere, aber mich, mich vergisst du.
Nimm deinen Wehe-Korb und wandere durch dich. Lege in den Korb
alle Verwundungen,
alle Verbrennungen,
alle Versalzungen,
alles Versäuerte,
alles Spitze,
alles Grobe,
alle Verachtung,
allen Schmerz
und trage ihn vor mich, auch wenn du lange einsammeln musst. Und lege hinzu deine Flüche.
So gehe ich und sammle und fluche
den Undemütigen, die ich meine,
den Unmenschlichen, die ich meine,
den Ungehorsamen, die ich meine,
stelle alles vor dich, anempfehle alles in meinem Wehe-Korb deinem Ratschluss, deiner Gerechtigkeit und deinem Zorn. Denn du bist nicht nur ein sanftmütiger und langmütiger, du bist auch ein zorniger Gott.

Wunder

Die zwei Männer kamen auf mich zu. Vater und Sohn, Bruder und Patensohn. Seite an Seite. Es sind die Augenblicke, in denen man wahrnimmt, was man nicht sieht, was nicht in Worte passt. Ich habe bei ihnen Freude gesehen, einträchtige, frohe Freude. Freude, die gar nicht passen wollte zu dem Unglück vor gut 2 Wochen. Mein Bruder sah mich an, als sehe er mich zum ersten Mal. Du siehst gar nicht aus, wie ein Patient, meinte ich, als wir uns die Hände reichten. Ich sehe wieder. Die letzten zwei Tage sind seine verätzten Augen auf wundersame Weise geheilt, nicht 100%, aber so, dass er wieder sehen, erkennen, lesen kann. Den Ärzten ist das ein Rätsel.

Ich bin nur dankbar. Hier sind die Wunder, von denen manche meinen, sie gebe es nicht. Jesus macht Blinde sehend, auch heute noch. Wo seine Gnade hinfällt, ist Segen. HERR Gott, du hast meine Gebete erhört. Ich lege mich zu deinen Füßen und weine vor Dankbarkeit.

So feiern wir heute Hochzeit, der wir mit gemischten Gefühlen entgegensahen, mit doppelter Freude.

Rosen mit Dornen

Fundament

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsers Heils!
Psalm 95,1
Der Fels unseres Heils
Ist unser Fundament,
der unverrückbare Grund,
auf dem wir stehen und
der nicht wankt,
wie sehr der Boden
unter unseren Füßen
auch bebt.