Jesu Blut für unsere Sünden vergossen?

Lieber Luther,

um Jesus ist es einsam geworden, bevor er sich aufmacht, um das zu durchleiden, vor dem es auch ihm gegraut hat. Der Satan, das menschlich Teuflische, wirkt an ihm, zerschindet seine Ehre, seinen Körper, peitscht sein Fleisch. Der Mensch greift nach ihm. Den Menschen in aller Grausamkeit zu durchleiden, ist nicht nur für uns, war auch für Jesus eine Herausforderung.

Zeit Bilanz zu ziehen, sich im Klaren zu werden, ob er nun alles erreicht hat, was ihm aufgetragen ist. Ob er manchmal daran gezweifelt hat, angesichts des anklagenden, geifernden Volkes? Die meisten kamen aus seinem Volk. Gerade diejenigen, auf die Gott von Anfang an gebaut hat.

Was war seine Mission? Für uns am Kreuz zu sterben? Für unsere Sünden? Ist das nicht ein grandioses Missverständnis? In die Welt gesetzt, aus menschlichen Gründen und Abgründen? Um andere Interessen, Kirchen-Macht-Erhaltungs-Interessen, zu tarnen? Als ob wir uns vor Gott tarnen könnten.

Wie bringe ich das Volk hinter mich? Das ist die Frage, die sich nach Jesu Tod stellte. Mit was kann ich punkten? Wie kann ich mich gegen andere Lehren abgrenzen? Alle Paulusbriefe sind voll davon. Ausgerechnet auf „Sünden“ zu verfallen, als Drohmittel gegen die, denen man eigentlich eine frohe Botschaft zu verkünden hatte, ist nicht unbedingt naheliegend. Diese Theologie steht auf höchst wackeligen Beinen, hält sich aber bis heute hartnäckig.

Eine Frau leidet bei der Geburt Schmerzen, sie hat Angst, sie weiß nicht, was sie erwartet. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst, um der Freude willen, dass der Mensch zur Welt geboren ist (Joh 16, 21). Jesus sagt, er muss zwar durch das Leiden hindurch, aber er hat uns ausgetragen, damit wir leben können. Er hat uns mit seinem Leib genährt, bis wir selbständig lebensfähig sind. Er hat uns alles gegeben, was dazu notwendig ist. Er ermöglicht uns ein lebendiges Kind zu sein. Was ist das für ein Leben, das er uns geboren hat?

Jesus ist alle Macht über alles Fleisch gegeben, über alles was Materie hat, damit wir das ewige Leben haben. Jesus öffnet uns das Tor zum ewigen Leben. „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Joh 17, 3). Das allein ist notwendig, um das ewige Leben zu haben. Dass wir Gott erkennen und Jesus als seinen Sohn anerkennen. Jesus hat das Werk, das Gott mit Adam in die Welt gesetzt hat, in der Welt vollendet. Das war seine Mission. Den Namen Gottes zu offenbaren. Gottes Wort unauslöschlich ins Gedächtnis der Menschen zu versenken.

Lieber Luther, er hat damit das Werk vollendet, das Gott seit Anbeginn der Menschheit gewirkt hat, beschrieben im Ersten Testament. Der Weg war lang. Der erste, der diese Mission hatte, war Mose. Das Volk war heidnisch, hatte viele Götter, opferte, Mensch, Tier, Nahrungsmittel, um Gott zu besänftigen. Mose sollte die Aufmerksamkeit auf den EINEN Gott lenken. Die Botschaft der Mosebücher kann man in einem Satz zusammenfassen: Ich bin der HERR. Erkennt das an. Ein Vielgöttervolk mit Jahrtausende alter Glaubenstradition auf einen Gott einzuschwören, ist ein geistiger Wandel, der sich nicht von heute auf morgen vollzieht, er muss tief im Innern der Menschenseele wachsen.

Gott hat einen Stufenplan entwickelt, um das geschehen zu lassen. Der Mensch musste erst begreifen, dass es den EINEN Gott gibt. Das ist die Geschichte des Ersten Testamentes. In der jüdischen Glaubenspraxis ist dieser Glaube an den Einen Gott gewachsen. Im jüdischen Volk hat sich dieser EINE Gott kanalisiert und sich einen Platz in der Aufmerksamkeit der Menschen gesichert. Deshalb ist das jüdische Volk das ausgewählte Volk. Es ist das ausgewählte Volk des Ersten Testamentes, der Offenbarung und Vergegenwärtigung Gottes auf Erden. Wäre dieser geistige Wandel, dessen Geburt unter vielen Schmerzen im Ersten Testament beschrieben ist, nicht im Wort festgehalten, wäre er nicht geschehen, hätte eine Sammlung hinter diesem EINEN Gott nicht stattfinden können. Für Jesus war es eine Vorbedingung. Jesus hätte nicht „vollenden“ können, da kein Anfang gewesen wäre. Deshalb hat Jesus immer darauf verwiesen, dass geschehen müsse, was geschrieben stehe. Jesus hat das nie in Frage gestellt, weil es untrennbar mit seiner Mission verbunden war, Stufe 1 sozusagen, damit Stufe 2 möglich wird.

Wogegen Jesus gewettert hat, ist der Missbrauch von Gottes Wort für andere Zwecke als den, der Anerkenntnis, dass Gott der HERR ist. Genau da sind wir bei der Mission Jesu. Seine Mission war, das Wort zu verkünden, das „Ich bin der HERR“ mit wahrem Inhalt zu füllen, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Masken von den Gesichtern der Amtsträger zu reißen, die leere Strukturen und Regeln als Mittel und Mittler des Glaubens ausgegeben haben. Damit hat Jesus gründlich aufgeräumt. Es ist nicht die Form, es ist der Inhalt, ist seine Botschaft.

Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast, sagt Jesus in seinem inneren Dialog mit Gott, als er seine Bilanz vor Gott offenlegt, sie haben dein Wort behalten. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. „Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; uns sie haben’s angenommen und erkannt wahrhaftig, dass sie glauben, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17, 8). Das allein war Jesu Mission. Das wahre Wort vom falschen zu scheiden, den Menschen zu ermöglichen diesem wahren Wort in all seinen Einzelbotschaften zu folgen, Gott anzuerkennen, das wahre Wort, das uns Leben ermöglicht, uns nährt und uns den Weg zeigt, zu glauben, in Jesu Nachfolge.

Das ist die Botschaft aller Evangelien, im Johannesevangelium ist es am deutlichsten, weil es konzentriert ist auf das Wort. In den anderen Evangelien steht die gleiche Botschaft, nur in Gleichnissen verpackt, weil, wie Jesu sagt, die Masse der Menschen es sonst nicht begreift. Die Werke und Wunder, die Jesus vollbringt, haben den einzigen Zweck, den Menschen diese Botschaft zu verdeutlichen, sie ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, vor Augen zu führen. Jesus heilt nicht und tut keine Wunder, um diesem oder jenem physischen Menschen aus seiner Situation zu helfen, er tut es nur, um die Allmacht und Herrlichkeit Gottes den Menschen zu offenbaren, um dem Glauben durch diesen Geburtskanal ans Licht der Welt zu verhelfen.

War Jesu Mission also, für uns am Kreuz für unsere Sünden zu sterben? Nein, das ist dem Wort und dem Geist der Evangelien nicht zu entnehmen. Jesus ist gekommen, um uns ein Leben im Wort und in seiner Nachfolge zu ermöglichen, nicht um unsere Sünden auf sich zu laden und für uns zu sterben. Das wäre die Fortschreibung der heidnischen Tradition, Gott Menschenopfer zu bringen. Das ist Gott fern. Gott wollte und will keine Menschenopfer, schon gar nicht seinen Sohn. Gott will, dass wir an ihn glauben, ihn anerkennen, seinem Wort, das Jesus uns verkündet hat, folgen. Jesus ist gestorben, weil die Menschen genau dies nicht getan haben. Sie haben ihm nicht geglaubt.

Für Jesus hat nur das Wort gezählt, nicht das Fleisch, nicht menschliche Bindungen. Wenn du mir nachfolgen willst, musst du Vater uns Mutter verlassen. Es geht um die geistige Bindung, um das Folgen in Geist und Wort. Jesus ist gestorben, weil der Mensch nicht so geschaffen ist, dass er das Wort nicht bräuchte, weil er von sich aus göttlich wahr, rein und gut ist. Der Mensch ist nicht Gott in vielen Menschengestalten. Wenn wir sagen, Jesus sei unserer Sünden wegen gestorben, führt das in die ganz falsche Richtung. In der Beziehung zu Gott zählt nicht die Beziehung unter Menschen, die Missetaten, die wir so gerne in die Sündenschublade stecken, es zählt nur, ob wir Gott und sein Wort erkennen und ihm folgen.

Jesus ist gestorben, weil wir das nicht tun. Die Menschen haben ihm nicht geglaubt, er hat diejenigen, die gemeint haben, die Hoheit über das Wort zu haben, demaskiert und sie konnten das nicht auf sich sitzen lassen, so haben sie ein Mordkomplott angezettelt. Aber, auch das steht schon im Ersten Testament geschrieben, auch das gehört zu Gottes Stufenplan: Den Menschen an sich selbst erschrecken lassen, um ihn wach zu rütteln, ihn zu sich her zu ziehen, in aller Freiwilligkeit, weder mit Sündenkeule, noch mit Sündengeneralerlösung durch Jesu Tod, allein in der Nachfolge im Wort.

Der Mensch greift nach Jesus und schlägt ihn ans Kreuz, macht sich zum Herrscher der Welt. So einfach ist Jesu Tod zu erklären, dass wir es nicht so einfach hinnehmen wollen. Anstatt selbst die Last dieser Untat zu tragen, schieben wir sie lieber Gott und seiner Vorhersehung in die Schuhe, um uns dann selbst, in einer verqueren Pseudologik, von dieser Sünde zu befreien. Das ist Jesu Wort nicht zu entnehmen. Wer mir nachfolgen will, muss sein Kreuz tragen, sagt Jesus. Vorsichtshalber – damit keiner auf unbequeme Ideen kommt – wird, was nicht in die Theologie-Mixbecher passt, unter Vorbehalt gestellt. Wer weiß, ob er das so gesagt hat, wie es da steht …

Lieber Luther, auch wir sind Teil von Gottes Stufenplan. Es ist noch einiges zu entwickeln. Er wird erst vollendet sein, wenn der Letzte Gott anerkannt hat. Auch das steht schon geschrieben.

Jesu Blut, nicht vergossen zur Vergebung unserer Sünden, dafür hat Jesus nicht gelebt und ist auch dafür nicht gestorben. Jesus hat gelebt, um Gottes Wort und Geist über uns auszugießen, damit wir leben können. Das geschieht immer wieder im Abendmahl. Gestorben ist er an menschlichem Unglauben.

Herzliche Grüße
Deborrah

1 Kommentar zu „Jesu Blut für unsere Sünden vergossen?“

  1. Zu jesu blut…..Große freude für mich diese klaren worte über dieses wichtige thema zu lesen mit wie viel freude könnte es wohl so manchen christen erfüllen??????!!!!!!. Als ich vor jahren mit diesen thema zum ersten mal konfrontiert wurde, muß ich zugeben hat es mir auch den Religiösen boden unter meinen füssen wegezogen!,aber heute ist es auch durch mancherlei anfechtung zu einem lieblingsthema geworden. um so grösser aber meine freude zu wissen das es noch mehr menschen gibt die sich darüber gedanken machen . Das lässt mich mit vielen anderen fröhlich des weges ziehen und in freude die gott gibt es noch vielen weiter sagen wurum Jesus wirklich gestorben ist. Gottes Segen und Nochmals Danke für diese Beiträge

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