Rückbesinnung

Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war. LUKAS 2:7 ELB

Jesus ist unter schwierigsten Bedingungen in diese Welt gekommen. Über was jammern wir?

Einen rückbesinnlichen, dankbaren Heiligabend!

Hütte

Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war. LUKAS 2:7 ELB

Seit es Menschen gibt, gibt es Menschen, die besser gestellt sind und welche, denen es schlechter geht. Platz ist in jedem Stall. Nicht unser äußerer Zustand bestimmt unser Nähe zu Gott, sondern unsere innerer Glanz. Wie armselig unsere äußere Hütte auch sein mag.

Retter

Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.
Psalm 116,10

In der Elberfelder Übersetzung heißt der Vers:

Ich glaubte, darum redete ich. Ich bin sehr gebeugt gewesen.

Ich glaube,
darum rede ich,
vertrete,
was ich glaube,
mache kund,
wer meine Rettung ist,
mir den Becher der Rettungen
reicht,
auch wenn die Lage
mehr als einmal
rettungslos scheint.

Lobet den Retter!

Weihnachtsgeschichte

Maria war in Nöten. Sie war, kaum dem Kindesalter entwachsen, schwanger. Gegen den Mann, der ihr das angetan hatte, konnte sie nichts ausrichten. Sie war ihm ausgeliefert. Machtlos. Benutzt und dann weggeworfen. Sie ahnte, wie es solchen Frauen ging und wie sie endeten. Die Alten hatten davon erzählt. Abgestempelt vor der Gesellschaft, ausgestoßen aus der Reihe der ehrbaren Frauen. Gab es eine Alternative? Wie sollte sie das Kind durchbringen? Zum Davonlaufen. Ihr Kind werden sie später „den Sohn der Maria“ nennen. Als sie in den Wehen lag, von allen verlassen, graute ihr vor dem Morgen.

Ihre Not, ihr elendes Dasein erhöhten sie später. Weil ihre bigotten Moralvorstellungen nicht zulassen konnten, dass der, den sie später auch erhöhen und Christus nennen werden, von ihr abstammte, einer missbrauchten Frau. Sie demütigten, missachteten und entehrten sie ein weiteres Mal, indem sie sie nicht so nahmen, wie sie war, sondern sie zum Idealbild einer gottesfürchtigen Frau stilisierten. Ihr wahres Leben wurde von ihnen als nicht würdig genug angesehen, einen Christus zu gebären. Es durfte nicht ans Licht kommen. Es musste mit aller (Kirchen-) Macht verschleiert werden.

So redeten und schrieben sie über sie, auch sie sei heilig, um das zu heiligen, was sie aus ihrem Sohn gemacht haben. Einen Gottessohn, von Gott selbst durch den Heiligen Geist gezeugt. Fantasie hatten sie, das muss man ihnen lassen, wenn auch die Absicht dahinter unlauter war. Mit der Zeit wurden ihr immer mehr Dinge angedichtet. Einer berichtete sogar, ein leibhaftiger Engel sei ihr erschienen, und noch verwunderlicher, er wusste Wort für Wort, was dieser Engel zu ihr gesagt haben soll, ganz als sei er dabei gewesen. Auch von einem (wunderschönen) Dankesgebet ist die Rede, obwohl Maria weit davon entfernt war, dieses Kind als Geschenk anzusehen.

Ein Christus kann aus keinem Missbrauch entstehen. Wie soll man darauf eine Kirche gründen? Wie die Tatsachen zurechtrücken, so dass es passt? Jungfrauengeburt! Das ist der Knaller, wenn das nicht eines Christus würdig ist. Und schnell noch einen Josef erfunden, der seine Rolle im Weihnachtsmärchen spielt, ansonsten aber im (Z/N)immermannsland verschwindet. Irgendwo musste es mit dem Erfinden von Geschichten auch ein Ende haben. Man verstrickte sich ja immer tiefer im Fantastischen.

Und dann deuteten sie, nach Jesu Tod, alte Prophezeiungen um, verlegten, damit es passt, Jesu Geburt auch noch von Nazareth nach Bethlehem. Der Christus musste ja vom Stamme David sein. Was machen, wenn es um so Großes geht, da schon die paar Kilometer zwischen Bethlehem und Nazareth aus? Von Kindesmord ist die Rede und von Flucht, um dem Ganzen auch die nötige Dramaturgie zu verleihen. Mit der kleinen Einschränkung, dass kein Geschichtsschreiber diesen Zensus und den Kindermord je erwähnt hat. Ziemlich unwahrscheinlich. Genausowenig wie die drei Könige. Als ob drei Könige von der Welt unbeachtet durch die Gegend reisen könnten, ganz ohne Prunk, Gefolge und Tross. Als ob sie so einfach fremde Grenzen verletzen könnten, ohne aufgehalten zu werden, da ja auch andere Absichten dahinter stecken könnten. Ob es sich um „Weise“ oder „Könige“ handelte, macht die Geschichte auch nicht wahrer.

Aus Marias und Jesu knallharter Realität wurde ein Weihnachtsmärchen, mit Gut und Böse, mit allem, was zu einem guten Theater gehört: Engel, Posaunen, Liedern, ein leitender Weihnachtsstern. Kurz: Krippenspiele. Alle Jahre wieder. Es wird alles aufgefahren, was die Emotionen bedient und insbesondere den Veranstaltern dieser jährlichen Krippenfestspiele guten Zulauf bringt.

Warum bloß? Wäre ein Jesus, dessen Leben auf einen Missbrauch zurückzuführen ist, untauglich für die Rolle als Messias? Würde das sein Leben, sein Streben, in allem Gottes Willen zu tun, unglaubwürdiger machen? Würden wir ihn dann nicht mehr als unseren Leitstern ansehen? Das ist die Nagelprobe des Glaubens! Es frage sich jeder selbst.

Gerade, wenn wir das Leben Jesu unverfälscht als das nehmen, was es war, es samt dem Schrecken seiner Zeugung im Leben lassen und nicht mit Fantasiegeschichten überfrachten, ist das eine starke Botschaft Gottes: Seht, ich bin mit den Schwachen, den Unterdrückten, den Missbrauchten. Genau dort bin ich zu finden. Egal wie eure Geburt ist, vor mir ist dies unerheblich. Eure Abstammung spielt keinerlei Rolle.

Das ist eine Weihnachtsgeschichte, die jedem Mut gibt und als Ankerpunkt taugt. Lebensrealität anstatt Jungfrauengeburt und Engelschöre. Das ist der „ICH BIN DA“, der Gott des Lebens, der Gott, der mit uns lebt, egal wie das Leben spielt. Gott ist authentisch und kein Märchenonkel. Unromantisch, aber lebenstauglich. Das ist die Weihnachtsbotschaft, das ist meine Weihnachtsgeschichte!

Fehlende Herberge – Tödliche Reise

Lieber Luther,

die Geschichte von der fehlenden Herberge spielt nicht in Bethlehem, hat aber einige Gemeinsamkeiten. Sie wurde schon im Ersten Testament erzählt. Es klingt fast, als hätte sich die Lukaserzählung Teile dort ausgeliehen. Aber nur ausgewählte Teile. Es liest sich wie ein Krimi, mit tödlichem Ausgang (Richter 19, 1- 30). Genauso wie die Geschichte Jesu.

Ein Mann, ein levitischer Fremdling, wohnte am Rande des Gebirges Ephraim. Er hatte ein Kebsweib, d.h. eine Nebenfrau aus Bethlehem, heute würde man sagen, eine Geliebte. Nebenfrauen waren zu der Zeit üblich. Nachdem sie, wie du, lieber Luther, übersetzt, mit ihm gehurt hatte, ist sie zurück nach Bethlehem in ihr Elternhaus geflohen. Die Nebenfrau scheint den Mann verlassen zu haben.

Er zieht mit zwei Eseln und Knecht hinter ihr her, um sie zurückzuholen. Der Mann ist gekommen, um freundlich mit ihr zu reden, aber die Frau führt ihn zum Vater, welcher über sein Erscheinen erfreut zu sein scheint. Er bewirtet den Schwiegersohn wie es Brauch ist und nötigt ihn Tag für Tag zu bleiben. Fünf Tage ließ sich der Mann aufhalten und auch am 5.Tag versuchte ihn sein Schwiegervater weiter festzuhalten: Siehe der Tag hat sich geneigt und es will Abend werden, bleibe über Nacht. Du kannst noch morgen früh deines Weges ziehen. Hier hast du Herberge. Lass dein Herz guter Dinge sein.
Doch der Mann will sich nicht weiter aufhalten lassen. So nimmt er Frau und Esel und zieht los, obwohl es schon Nachmittag ist und es bald dunkel wird. Etwa 10 km weiter, nahe der Stadt Jebus, dem damaligen Jerusalem, schlug der Knecht vor, dort zu übernachten. Der Mann lehnt ab. In der „Fremden Stadt“ will er nicht übernachten. Die Stadt war noch „fremd“, weil der Stamm der Jebusiter dort noch wohnte, denn die Kinder Benjamin hatten die Jebusiter, die in Jerusalem wohnten, nicht vertrieben (Richter 1, 21).

Als sie etwa 8 km weiter gezogen waren, ging die Sonne endgültig unter und es war kein weiterkommen ohne Licht. Sie erreichten die Stadt Gibea , eine Stadt der Kinder Israel. Hier dachten sie, könnten sie sich sicher fühlen. Aber es kam ganz anders.

Sie mussten ihr Quartier auf der Straße aufschlagen. Die Benjaminiter wollten sie nicht beherbergen. Da kam ein alter Mann des Weges, der gebürtig auch vom Gebirge Ephraim war und folglich selbst ein Fremder in der Stadt. Der alte Mann „hob seine Augen auf“ (der Ausdruck wird im AT verwendet, wenn Gottes Geist aus jemandem spricht) und fragt: Wo willst du hin, wo kommst du her? Antwort: Wir reisen von Bethlehem in Juda an den Rand des Gebirges Ephraim. Da komme ich her. Ich bin gen Bethlehem gezogen und ziehe jetzt zum Hause des HERRN, und niemand will mich beherbergen. Wir haben alles bei uns, Stroh, Futter für die Esel, Brot und Wein für mich, deine Magd (= die Nebenfrau) und den Knaben. Wir liegen keinem auf der Tasche.

Da antwortete der alte Mann: Es soll dir wohlergehen. Alles was dir fehlt findest du bei mir. Er führte sie ins Haus und gab den Eseln Futter, sie wuschen ihre Füße, aßen und tranken miteinander. Und ihr Herz war guter Dinge.

Dann nimmt die Geschichte eine tragische Wendung:
Es kamen böse Buben aus der Stadt, umringten das Haus, klopften an die Tür und forderten von dem alten Mann: Bringe den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist, damit wir ihn erkennen. In der Bibel wird das Wort verwendet, um Geschlechtsverkehr zu umschreiben. Im Klartext heißt das also: Das Gesindel, das sich eingefunden hatte, wollte den fremden Mann vergewaltigen.

Der alte Mann ist in Not, er hatte dem Mann Wohlergehen in seinem Haus versprochen und so schlägt er ein Tauschgeschäft vor: nehmt stattdessen meine Tochter, sie ist noch Jungfrau, und die Nebenfrau des Mannes. Ich bringe sie heraus. Die mögt ihr zu Schanden machen und mit ihr tun, was euch gefällt. Aber vergreift euch nicht an dem Mann. Jedoch der Pöbel wollte den Mann. Da ergriff der Mann seine Geliebte und zwang sie hinaus. Die Rotte vergewaltigte sie und trieb die ganze Nacht ihren Mutwillen an ihr; als der Morgen rot anbrach ließen sie sie gehen.

Die Frau schleifte sich vor die Tür des Hauses, in dem der Mann übernachtete. Sie lag da, bis es licht wurde. Als der Mann morgens aus der Tür trat um weiterzuziehen, lag da seine Nebenfrau, die Hände auf der Schwelle. „Steh auf, und lass uns ziehen“. Aber sie antwortete nicht. Er lud sie auf den Esel, machte sich auf und zog in seinen Ort. Da nahm er ein Messer und zerstückelte sie in zwölf Teile und sandte sie an alle Grenzen Israels.

Wer das sah, sprach: Solches ist nicht geschehen und nicht gesehen, seit die Kinder Israel aus Ägypten gezogen sind, bis auf diesen Tag. Denkt darüber nach, gebt einen Ratschlag, und macht diesen bekannt.
Lieber Luther, erst einmal schaudert man, dem ersten Reflex folgend, zusammen. Das führt dazu, dass man die vielschichtige Botschaft übersieht. Worin besteht sie? Hat diese Geschichte etwas mit Weihnachten zu tun? Lieber Luther, die Antwort lässt sich nicht in einem Satz zusammenfassen. Nicht nur die Kinder Israel, auch ich muss erst nochmals darüber nachdenken. Morgen vielleicht mehr!

Herzliche Grüße
Deborrah

Weihnachts-Kirchen-Theater

Lieber Luther,

Jesus ist nicht in Bethlehem geboren. Das ist mittlerweile einigermaßen wissenschaftlich gesichert. Jesus war Nazarener, sein Licht ist in Nazareth aufgegangen, nicht in einem Stall und nicht unterwegs. Die Weisen aus dem Morgenland hat es nicht gegeben und noch weniger die Flucht von Maria und Josef mit dem Kindlein nach Ägypten. Wieso zelebrieren wir heute tausendfach Krippenspiele? Lassen Engel bei Hirten auftreten? Behaupten wir einen Kindermord, den es nie gegeben hat? Weihnachtstheater.

Die Gottesdienste heute in Serie durchgetaktet, Massenproduktion. Was veranstaltet Kirche da, mit tätiger Mithilfe ihrer Diener? Zum ersten Mal seit ich denken kann, besuche ich keinen Weihnachtsgottesdienst. Ich glaube, ich könnte die Heuchelei nicht mehr ertragen. Das billige Kalkül mit den Emotionen, die Kerzen, die das Licht der Welt symbolisieren sollen und nichts anderes sind als falscher Schein. Stimmungsmache. Christus ist heute geboren, hallt es von den Kanzeln, freuet euch! Wirklich? Oder alle Jahre wieder? In einer Reihe mit Dinner for One?

Alle Jahre wieder das Weihnachtsspektakel. Ändert der Weihnachtstag irgendetwas in den Gewohnheiten der Menschen, hin zu etwas, was Jesus wichtig gewesen wäre? Dauerhaft? Hin zu mehr Nächstenliebe? Die Liebe ist in die Welt gekommen? In Form von bunten Lichtern, frohen Liedern in höchsten Tönen, Geschenkbergen und Weihnachtsgans? Alle Jahre wieder der gleiche schöne Putz, der schon am nächsten Tag bröckelt. Weihnachtsbaum raus, Silvester oder Urlaub ruft. Umdekorieren.

Alle Jahre wieder Weihnachtstheater. Lieber Luther, ich habe bisher auch mitgemacht. Aber damit ist jetzt Schluss. Das Jahr in der Wüste hat mich der kirchlichen Festinszenierungen entfremdet. Jesus ist nicht umsonst vor den Menschen zu Gott immer in die Wüste geflüchtet, nie in den Tempel. In der Wüste ist man Gott näher, lernt man, auf ihn vertrauen, lernt man, dass es außer ihm nichts braucht. Die Stille der Wüste führt zur Klarheit, entblößt die Verklärung, auch die eigene. Es ist wie ein Erwachen. Verwundert reibt man sich die Augen, wie man das so lange nicht hat sehen können. Mitgeschwommen im Strom der geistigen – geistlichen Bequemlichkeit. In die falsche Richtung geleitet, von falschen Predigern. Bequem einfach das konsumierend, was einem vorgekaut wird. Ein gut verdaubarer Weihnachtsbrei. Alle Jahre wieder verkitschtes Kirchenfest.

Nein, dieses Jahr ohne mich! Lieber Luther, das „frohe Weihnachten“ kommt mir dieses Jahr sehr schwer über die Lippen, ich habe eine innere Sperre dagegen. Innerer Widerstand gegen das Weihnachtsvolkstheater, den Volksauflauf in den Kirchen, als gäbe es etwas umsonst. Was für ein von den Kirchen sorgsam gepflegter Irrtum. Gottes Wind bläst, wo er weht, alle Advents- und Weihnachtslichter aus, sein Sturm lässt vom Weihnachtsbaum nichts übrig. Er entblößt ihn als heidnisch oder pure Dekoration.

Mit der Gottesgeburt in uns hat all das Lichtgepränge und Gefasel nichts zu tun. Gottes Licht erkennt man wie die Sterne nur in der Dunkelheit. Ganz sicher nicht im hellerleuchteten Weihnachtskirchentheater! Geburts-Tage Gottes sehen ganz anders aus. Mehr davon die nächsten Tage.

Herzliche Grüße
Deborrah