Heiliger Geist – Denkschranken

Alles Denken bringt Form auf irgendeiner Ebene.
Alles Denken formt sich früher oder später zu etwas.

Wer Angst denkt, hat Angst.
Wer Liebe denkt und lässt seine Gedanken abschweifen, ist untreu.
Wer krank denkt, ist krank.

Das Denken formt das Tun,
kein Tun ohne denken.

Für unser Denken und Tun sind wir selbst verantwortlich,
wir können die Verantwortung nicht abschieben.

Dein Glaube hat dir geholfen.
Der Glaube kann Berge versetzen.

Wer Angst hat, vor diesem Denken,
hat Angst vor seinen Gedanken,
traut sich selbst mehr,
als dem Heiligen Geist.
Selbst gemachte Denkverbote.

Wenn meine Gedanken nichts bewirken,
bin ich fein raus, denkt mancher,
welch ein Irrtum.

Wer dem eigenen Geist nicht traut,
nimmt den Heiligen Geist nicht wahr,
denn er verbindet sich mit mir nur in meinem Geist.

Der Heilige Geist wirkt in meinem Geist,
mein Geist ist in Vollendung Heiliger Geist.

Der Heilige Geist will wirken,
nicht nichts bewirken,
will zugelassen sein von meinem Geist,
sich mit ihm vermählen zu einem Geist.

Wer den Heiligen Geist in sich nicht wirken lässt,
weil man sich selbst mehr traut als dem Heiligen Geist,
sich selbst im Nichtzutrauen traut,
wirkt nicht den Willen des Heiligen Geistes,
ist nichts als Eigenwille.

Denkschranken
werden zu Wahrnehmungsschranken,
werden zu Wirkschranken.
Egomanismus.

Von den Denkschranken müssen wir uns selbst befreien.
Wer Angst davor hat, muss sich erst seiner Angst stellen.
Wer das nicht will, will nicht schrankenlos gewirkt sein vom Heiligen Geist.

Eine Entscheidung, die im freien Willen eines jeden liegt,
eines scheinbar freien Willens,
der aber in Wahrheit von uns selbst in Ketten gelegt ist.

Die Schranke auch nur einen Millimeter zu öffnen,
die Ketten zu sprengen,
ist der erste Schritt zur Heilung,
zur Korrektur unseres von uns selbst irregeleiteten Geistes.

Wem es an Heiligem Geist mangelt,
dem mangelt es an eigener Einsicht
über die Wirkung des eigenen Geistes,
der baut willentlich nicht auf Gott,
sondern auf seine eigenen Irrtümer.

Wenn diese Einsicht geboren ist,
kann Heilung sich entwickeln.
Die Fähigkeit dazu schlummert
in jedem als
Embryo.

Blatt Embryo

Den Tag leben

Den Tag zu leben, wie er kommt.
Den Tag zu nehmen, welches Gesicht er auch hat.
Dem Tag keine Bedeutung geben, welche sich auch aufdrängt.
Keine gute, keine schlechte.
So lebt es sich Tag um Tag,
den ganzen Tag voller Energie,
ganz im Tag,
ohne Zeit, abzuschweifen vom Gerade,
Energie zu verschwenden mit dem Rück- und Vorausblick,
das Gerade immer erst entdeckend,
wenn es da ist,
konzentriert im Augenblick,
nichts beachtend außer ihn,
wenn man aus dem Gleichgewicht zu kippen droht,
sich besinnend:
Dem Tag keine Bedeutung geben,
keine gute, keine schlechte.
Sowohl die gute als auch die schlechte
zeigt sich im nächsten Augenblick schon verändert.
Nichts ist wichtig am Tag,
nichts ist vergänglicher als der Tag,
außer, dass er ein weiter Schritt Richtung Ewigkeit ist.

Wie ein Blatt im Wind.

Blatt im Wind

Gräser im Wind

Eimer

Eimer.

Volle und leere Eimer,
solange man einen in der Hand hat,
gilt es zu schöpfen,
läuft man hin und her,
dem nicht Tragenden nachlaufend.

Eimer manchmal gefüllt mit Segen,
Eimer manchmal gefüllt mit Leere,
Eimer einmal leicht und einmal schwer,

wir, wie Hase und Igel hin und her rennend,
zwischen Quelle und dem zu Tränkenden,
willig, aber erschöpft
vom Hin und vom Her.

Wieso tragen wir Eimer?
Es gibt keine Eimer,
wir machen die Eimer,
wollen den Henkel nicht loslassen,
weil wir denken,
wenn wir loslassen,
verlieren wir uns.

Wenn wir aber den Eimer loslassen,
der Eimer verschwindet,
gibt es kein Hin und Her,
keine Last,
kein Gewicht,
kein Gerenne mehr.

Das Gefäß sind wir selbst,
wir brauchen keine Eimer,
der Segen kommt aus mir
und fließt in den,
der dazu bereit und bereitet ist.

Wenn nicht,
braucht uns das nicht zu (be)kümmern,
darum kümmert sich ein anderer.
Ohne Eimer läuft sich ganz ohne Gewicht,
man braucht nicht mehr schöpfen,
man ist geschöpft,

voll mit Fülle,
voll mit Segen.

Frucht bringen

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Koffergeschichten

Alle Bänder stehen still,
wieder einmal.
Man weiß nicht warum,
aber es ist so.
Mein Koffer rollt in einem Wägelchen an mir vorbei.

Wieso fliegen wir eigentlich nicht ab?
Boarding beendet, alles sitzt erwartungsvoll.

Ach ja!
15 (!) Koffer fehlen, unauffindbar (!).
Wir müssen noch warten,
bis sie sich wieder einfinden.
Wir wissen nicht, wie lange das dauert.

Wir warten und warten.
Jetzt fehlen noch 10 Koffer,
aber: wir können nur noch 10 Minuten warten,
wegen der Wetterlage,
sonst kann es noch richtig lang werden.

Nach 10 Minuten wird die Tür endlich geschlossen.
Es fehlt nur noch 1 Koffer.
Das verstehe wer will.
Wer wohl der/die Glückliche ist?
Ich bin nicht beunruhigt,
eigentlich ganz sicher,
dass es nicht mein Koffer ist,
ich habe ihn schließlich im Wägelchen gesehen.

Selten so eine schlechte Landung.
Das Flugzeug ist leicht gedopst.
Darauf war ich nicht vorbereitet.
Und dann eine Vollbremsung,
dass Tasche und Zeitschriften davongeflogen sind,
ich habe Mühe, mich im Sitz zu halten,
mein Ellbogen hat auch etwas mitbekommen.

Mein Nebenmann weiß warum:
Der wollte nicht wenden und zurückrollen,
der wollte die Abbiegung auf Anhieb bekommen,
Respekt, Respekt, und er grinst über das ganze Gesicht.
Tatsächlich biegen wir direkt Richtung Terminal ab.

Wahrscheinlich wollte er eher seine Verabredung nicht länger warten lassen,
da wir aufgrund der Koffergeschichte eh schon Verspätung hatten.
Ich kann diesem Manöver rein gar nichts abgewinnen,
während mein Nebenmann meine Handtasche und Zeitschriften
unter dem Sitz hervor fischt und immer noch grinst.

Nun wird es spannend –
wessen Koffer fehlt?
Meiner – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – nicht!!!

Gott-sei-dank, das Wochenende ist gerettet!

Pusteblume

Wenn einer fortgeht

Wenn einer fortgeht, gibt man sich die Hände,
Am Bahnhof lächelt man, so gut es geht.
Wie oft sind unsrer Sehnsucht Außenstände
Mit einem D-Zug schon davon geweht…

Wenn einer fortfährt, steht man zwischen Zügen,
Und drin sitzt der, um den sich alles dreht.
Man könnte dieses „alles“ anders fügen.
Durch einen Blick, ein Wort vielleicht. – Zu spät.

Wenn einer fortfährt geht das Herz auf Reisen
Und treibt sich irgendwo allein herum
Es ist schon manchmal schwer, nicht zu entgleisen.
Die klügste Art zu reden bleibt doch: stumm.

Wenn einer fortgeht, kann man nichts vergessen.
Und jeder Tag ist ein Erinnerungsblatt.
Wenn einer fortgeht, braucht man nichts zu essen.
Man wird so leicht vom Tränenschlucken satt.

Wenn einer fort ist, gibt es Ansichtskarten
Und ab und zu mal einen dicken Brief.
Ein schweres Verbum ist das Wörtchen „warten“
Und „lebe wohl“ ein Schluss – Imperativ…

(Mascha Kaléko)
in: Das lyrische Stenogrammheft

Rotdorn

Rotdorn Blüte

Ausgetreten!

Es ist getan! Ich war gerade bei unserem örtlichen Standesamt und bin aus der evangelisch-lutherischen Kirche ausgetreten. Es hat nochmals ¼ Jahr gedauert, aber wenn ich dann entschlossen bin, fackele ich nicht mehr lange, sondern mache Nägel mit Köpfen. Es hat mich viel Geduld gekostet, über 1 Stunde (!) Wartezeit, aber meine Entschlossenheit war größer als meine Ungeduld.

Als ich gestern meinem weisen Bruder von meiner Absicht erzählte, hatte er Verständnis. Wirklich überrascht hat ihn das nicht. Er ist ein Fan meiner Lutherbriefe und darin hat es sich schon lange abgezeichnet. Er könnte das auch, hat er gemeint. Wenn er nicht schon ein so hohes Alter hätte und ja, wenn er nicht doch gewisse Einschränkungen seines Standes akzeptieren müsste. Er hat nicht einen Versuch gemacht, mich zum Bleiben zu bewegen.

Ich bin gespannt, was das aus dir macht, hat er gesagt. Es ist, ja es ist ein neuer Lebensabschnitt, der beginnt, ein so ganz anderes Leben, als das, woher du kommst… Du hast dich verändert in den letzten Jahren … Ja, habe ich gesagt, ich brauche keine Kirche mehr, kein Kloster, keine Meditationsmatte. Ich lasse das alles zurück, ohne jegliches Bedauern.

Und wie siehst du dein voriges Leben? Es war notwendig, alle Gipfel und Täler, jede Aussicht, jeder Schritt, aber: Es kommt mir nun ein bisschen vor wie Kindergarten. Ich bin irgendwie etwas euphorisch und weiß nicht wirklich wieso.

Und deine Gregorianik-Workshops? Ja, habe ich geantwortet, da denke ich noch nach, da muss ich schauen, wie es klingt (ganz abgesehen davon, dass ich ein von zwei Organisatoren bin. Wenn ich weggehe, gefährde ich die Workshops.) Es ist nicht wirklich eine Not, das jetzt zu entscheiden. Und wenn es nicht mehr stimmt für mich, bin ich eh nicht aufzuhalten.

Hast du deinen Kirchenschlüssel schon abgegeben? Nein, aber auch das werde ich mit dem Kirchenaustritt erledigen. Keine faulen Kompromisse mehr. Keine Umkehr, alle Türen zu.

Und so ist nun eingetreten, was ich schon im Dezember 2012 geahnt habe:

Wenn du alles getan hast,
was man von dir erwartet hat;
Wenn du sehr viel mehr getan hast,
als man je von dir hätte fordern können,
dann lege den Schlüssel
unter die Matte,
und geh!

Schau nicht zurück.
Geh in Frieden,
lasse los.
Verscheuche allen Groll
aus deinem Herzen.
Erwarte keine Dankeshymnen.
Von niemanden.
Und vergiss nicht:
EINER weiss Bescheid!

(Franz von Sales)

Ich habe meinen Kirchenschlüssel nicht unter die Matte gelegt, sondern in den Briefkasten.

Und so sieht das dann aus:

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Kirchenmenschen

Der Entschluss ist gefasst. Lang hat es gedauert. Viele Jahrzehnte.

Als ich gerade auf dem Nachhauseweg an meiner heimischen Kirche vorbeigefahren bin, stand mir ein Bild der Trostlosigkeit vor Augen. Kahle Mauern, Leere, Inhaltslosigkeit, Falschheit, Scheinheiligkeit, Verkommenheit, Fassaden mit rissigem Putz, wie tot. Nirgends sind mir in meinem schon einige Jahrzehnte dauernden Leben erbärmlichere Menschen begegnet als in Kirche, katholischer wie evangelischer, aktuell in meiner Kirchengemeinde, allen voran der vermeintlich geistliche Vorsteher. Es ist tatsächlich so. Jeder Obdachlose, dem ich eine Obdachlosenzeitung abkaufe, strahlt mehr ehrliche Herzenswärme aus als jeder einzelne dieser Kirchenmenschen, die mir dort begegnet sind. An einem Bettler und seiner Freundlichkeit kann man sich wärmen, an den Kirchenmenschen erfriert man, da hilft auch keine Kirchenheizung.

Irgendwie wollte ich das all die Jahre und Jahrzehnte nicht glauben wollen, nicht loslassen, was offensichtlich ist, immer denkend, das kann doch nicht sein. Immer wieder einen Versuch startend. Immer in der Hoffnung, auch nur einen einzigen dort zu finden, bei dem das anders ist.

Kirchenmenschen sind in der Form und der Äußerlichkeit gut, aber wehe, man fragt nach Innerlichkeit. Da hört die Kompetenz schnell auf und die Sprachlosigkeit fängt an. Mit absoluter Klarheit stand mir das gerade vor Augen: ES IST SO. Kirche hat nichts mit wahrem Glauben zu tun, da geht es um etwas ganz anderes. In Kirche findet man Gott nicht, sondern nur Abgötter.

Jetzt weiß ich auch, wieso es mir schon seit vielen Wochen tatsächlich körperlich speiübel wird, wenn ich an diesem Kirchenort vorbeifahre: Weil ES SO IST und weil es nach einem Schlussstrich verlangt. Wie üblich habe ich die Dinge vorher gespürt, bevor sie sich klären. Nun weiß ich endgültig, dass ich in dieser Kirche nichts mehr verloren habe. Endlich kann ich ohne jegliches Bedauern gehen. Und ich kann aus dieser Kirche jetzt auch ohne jegliches Bedauern austreten. Alles in mir sagt, ich muss es sogar.

Ich muss daran denken, dass ich das eigentlich schon als 13jährige wusste. Schon damals konnte ich mit den Kirchenmenschen nichts anfangen. Ich weiß es noch genau. Ich dachte: Das kann doch nicht alles sein? Was ich erkenne, weiß ich, weiß ich tief in mir felsenfest und mit absoluter Wahrhaftigkeit, durch alle Selbsttäuschungsversuche hindurch.

Ich musste einen langen Weg gehen, bis ich endlich bereit bin, diese Erkenntnis zuzulassen und den letzten Schritt zu tun. Aber alles hat seinen Sinn. Ich wäre nie dorthin gekommen, wo ich bin, wenn mein Gott mich nicht auf diesem Weg geführt hätte. Er weiß viel mehr als ich und ich weiß, dass dort, wohin er mich führt, das GUT ist. Ich weiß, dass er bei mir ist. Wer denkt, das bedeute kein Leid, der hat noch nichts begriffen. Es ist gerade das Leid, das einen klärt. Im Leid ist viel mehr Gutes und wahres Leben als in jedem vermeintlichen Glück, das nichts als eine vergängliche Emotion ist. Nichts Tragendes für das Leben. So bin ich erleichtert über die Klärung und dankbar allein meinem Gott gegenüber und ihm allein verpflichtet.

Wenn Gott für mich ist, wer mag wider mich sein? (Röm 8, 31; mein Konfirmationsspruch).

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar (Psalm 23, 6). Dafür sorgt er schon.

PS: Um wahrhaftig zu sein: Zwei Menschen habe ich in vielen Jahrzehnten in kirchlicher Organisation gefunden, an denen ich nicht erfroren bin. Auch sie leben inzwischen nicht mehr Kirche, obwohl sie beide Kirchenmänner waren, geistlichen Berufs, sondern nur noch Glauben, nur noch Berufung, mit zum Teil radikalen persönlichen Konsequenzen, die Mut verlangen. Sie leben das „Du musst alles verlassen“ mittlerweile in großer persönlicher Konsequenz und durch viel Anfechtung hindurch. Diese meine Brüder haben meine allerhöchste Hochachtung und Liebe. Sie verstehen mich und ich verstehe sie. Irgendwie gehen wir seit Jahren jeder für sich und doch Hand in Hand den gleichen Weg, auf Augenhöhe, hin und wieder einander stärkend und stützend. Ich bin dankbar, dass mir diese beiden Menschen in einer kirchlichen Organisation begegnet sind.

Herrgottsblatt

Schöllkraut

Brautschaft

Sie ließ ihre frühere Prostitution hinter sich,
sie reinigte sich von der Befleckung der Ehebrecher und
erneuerte sich zur Brautschaft.
Sie reinigte sich im Brautgemach,
füllte es mit Wohlgeruch.
Sie setzte sich darin nieder und
wartete auf den wahren Bräutigam.
Sie läuft nicht mehr auf den Marktplatz,
um sich mit dem, den sie begehrt,
zu vereinigen.
Vielmehr wartet sie geduldig auf ihn,
an welchem Tag er kommen würde und
fürchtete sich zugleich vor ihm.
Denn sie kannte seine Gestalt nicht,
sie erinnerte sich nicht mehr an die Zeit,
da sie aus dem Haus ihres Vaters fiel.
Aber nach dem Willen des Vaters.
Sie träumte aber von ihm wie Frauen,
die Männer lieben.
(Nag Hammadi, p132, 10-23)

Schalksknechte

Es gibt Menschen,
die lassen sich aus ihrem Sumpf ziehen.
Sobald sie wieder bei Kräften sind,
werfen sie denjenigen,
der sie aus dem Sumpf gezogen hat,
selbst in den Sumpf und
schauen ungerührt zu,
wie dieser versinkt und
elendig krepiert.
Du Schalksknecht,
alle Schuld habe ich dir erlassen,
weil du mich batest,
solltest du denn dich nicht auch erbarmen über deinen Mitknecht,
wie ich mich über dich erbarmt habe?
Du musst jeden Heller bezahlen.
(Mt 18, 23-35)

Himmelfahrt

Eine Wolke raffte mich dann auf und
der Wind hob mich über die Oberfläche der Erde und
setzte mich an das Ende der Himmel.
(Henoch, Kap 37, 3)
Henoch, der Erste, der erhöht wurde,
Mose, dessen Grab niemand kannte,
Elija, der mit feurigem Wagen erhoben wurde,
Jesus, den eine Wolke umarmt hat.
Dort wünschte ich zu bleiben,
und meine Seele sehnte sich nach dieser Wohnung.
(Henoch, Kap 37, 8)
Elia Himmelfahrt

Vatertag – Jungstag

Die Jungs,
von denen ich die meisten nicht kenne,
imponieren mir immer wieder.
Wiedereinmal freue ich mich über sie.
Viel nachgedacht, alles durchgeplant.
Mit wie viel Phantasie!
Waren alles mal normale Bollerwagen.
Nichts geschraubt,
alles geflext und geschweißt.
Und sie lernen dazu.
Dieses Jahr gibt es eine Aggregatslösung,
damit der Strom nicht ausgeht.
Der Fußmarsch,
den sie angehen,
ist imposant,
über 40 km,
zu 50.
Jungstag!
Vatertag

Leerer Eimer

Den Eimer,
gefüllt mit lebendigem Wasser,
zu jemanden hin zu tragen,
ist einfach.
Es verschenkt sich leicht.
Den Eimer,
gefüllt mit der eigenen Leere
wieder zu sich selbst zurückzutragen,
ist viel schwerer.
Man muss ihn zwischendrin ausleeren,
um das Gewicht tragen zu können.
Vom Wasser weggespült

(Ver)Hungern

Doch es gibt etwas Schlimmes,
das ich unter der Sonne beobachtet habe,
es lastet schwer auf dem Menschen:
Gott schenkt ihm
Reichtum,
Wohlstand,
Geltung,
so dass ihm nichts fehlt.
Aber:
Gott ermächtigt ihn nicht,
davon zu essen.
(nach Prediger 6, 1-2)
Er verhungert am gedeckten Tisch.
Wie eine Biene sammelt er fleißig Honig,
essen tun ihn aber andere.

Rückfälle

Schlecht geht es einem,
wenn man die Linie verliert.
Wenn man rückfällig wird,
die Sehnsucht einen packt,
nach etwas,
von dem man aus Erfahrung weiß,
dass es einen auffrisst.
Schlecht geht es einem,
wenn man kraftlos ist.
Wenn man rückfällig wird,
keine Kraft hat, sich dagegen zu stemmen,
sich nach rückwärts wenden will,
sich gut und schön redet,
was einen schon einmal umgebracht hat.
Schlecht geht es einem,
wenn man seine Verankerung aufgibt.
Wenn man rückfällig wird,
und die Gedanken
wie vom Sturmwind getrieben
zurücktreiben lässt.
Schlecht geht es einem,
wenn man achtlos wird.
Wenn man rückfällig wird
und vernachlässigt,
was man weiß,
dass man weiß,
dass Friede und Heimat
nur bei dem EINEN ist.
Schlecht geht es einem,
wenn man rückfällig wird.
Gut geht es einem,
wenn man seine Schwachheit erkennt
und weiß, wer allein hilft.
Gut geht es einem,
wenn man die rettende Hand sieht,
die einen packen und
aus dem eigenen Sumpf herausziehen will.
Gut geht es einem,
wenn man der Versuchung widersteht
und seine Hand in die richtige Hand legt.
Ob es mir schlecht oder gut geht,
liegt an mir,
in wen ich mein Vertrauen lege.
Mensch oder Gott,
es ist nur ein Entweder-Oder,
der Versuchung nachgeben oder widerstehen.
Kalter oder warmer Regen?
Die Wahl in die eigene Hand gelegt.

394.470.000 Atemzüge

Wieviel Atemzüge machen wir,
vom ersten bis zum letzten?
Ich habe sicher schon über 394.470.000 Atemzüge getan.
Wen wundert meine unendliche Müdigkeit?
Der letzte Atemzug ist oft ein tiefer Seufzer,
ein Gott – sei – Dank,
endlich ausgeatmet.
Mit Erstaunen dann feststellend,
dass der letzte Atemzug getan –
und man lebt.
Hobelspäne –
die ganze Hinterlassenschaft.
Wieso hat der Mensch nur so Angst
vor dem letzten Atemzug?
Er lässt das Leben gewinnen.

Schuhwerk

Schuhe können
zu groß sein,
zu klein,
zu eng,
ausgelatscht,
unmodern oder
neu.
Je nach Schuhwerk,
laufen wir gut oder schlecht.,
holprig oder
bekommen Blasen an den Füßen.
Schuhe,
die nach außen gut aussehen,
aber schlecht passen,
sind peinigende Fassade.
Unsere Schuhe tragen uns von
der Vergangenheit,
in die Gegenwart,
in das Morgen.
Egal, wie das Schuhwerk,
wir müssen weiter.
ob der Schuh drückt oder nicht.
Manchmal ziehen wir auch Schuhe an,
die uns nicht gehören.
Das hinterlässt Spuren an den Füßen.
Neue Füße,
Heute Morgen stehen
neue Schühchen im Hausflur.
Wie weit sie tragen,
wir werden sehen.

Bonhoeffer – Vom rechten Beten

Gestern (09. April) war der 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer.

Ich schlage aus diesem Anlass die Nachfolge auf und lande – Zufälle gibt es nicht: Beim Beten im Stillen Kämmerlein und bei seiner Auslegung des Vaterunsers.

Dietrich Bonhoeffer schreibt in der „Nachfolge“ im Kapitel über „Die Verborgenheit des Gebetes“, dass man auch beim Beten im stillen Kämmerlein Gefahr laufen kann, sich zu beweihräuchern: Am Beten an sich. Der Mensch ist auch nicht im stillen Kämmerlein sicher, dass er Gottes Wille mit seinem Willen überlagert. Er schreibt:

Wie soll ich mich selbst schützen?
Vor meiner Reflexion?
Wie töte ich mit meiner Reflexion die Reflexion?
Das Wort ist gefallen: mein eigener Wille, mit meinem Gebet irgendwie mich selbst durchzusetzen, muss sterben, getötet werden. Wo Jesu Wille allein in mir herrscht und all mein eigener Wille in seinen hineingegeben ist, in der Gemeinschaft Jesu, in der Nachfolge, stirbt mein Wille. Dann kann ich beten, dass der Wille dessen geschehe, der weiß, was ich bedarf, ehe ich bitte. Dann allein ist mein Gebet gewiss, stark und rein, wenn es aus dem Willen Jesu kommt. Dann ist Beten auch wirklich. Das Kind bittet den Vater, den es kennt. Nicht die allgemeine Anbetung, sondern das Bitten ist das Wesen des christlichen Gebets. Das entspricht der Haltung des Menschen vor Gott, dass er mit ausgestreckter Hand den bittet, von dem er weiß, dass er ein väterliches Herz hat.

Das Vaterunser richtet das Gebet – ohne Heuchelei – allein auf Gott aus. Das Vaterunser ist DAS Gebet schlechthin. Alles Beten hat in ihm sein Wesen und seine Grenze. Jesus führt mit dem Vaterunser in die volle Klarheit des Gebets. In der Gemeinschaft Jesu Christi haben die Nachfolgenden ihren Willen ganz an Gottes Willen hingegeben, kein Geschöpf soll ihm widerstreben.

Genau das habe ich in meiner kleinen Vaterunser-Reihe herausgearbeitet: Jesus begibt sich ganz in den väterlichen Willen, unterwirft sich total, ist 100% Demut, 100% Gottes Wille. Er unterwirft sich nicht nur im Gebet, sondern in seinem ganzen Sein. Wir sind aufgefordert es ihm nachzutun.

Ich denke, Dietrich Bonhoeffer hat dies verinnerlicht:

DEIN WILLE GESCHEHE.

Das letzte, was von Dietrich Bonhoeffer übermittelt ist:

DAS IST DAS ENDE – FÜR MICH DER BEGINN DES LEBENS.

Bevor ihm die Schlinge über den Kopf gezogen wurde, hat er innig gebetet, sich ganz in den göttlichen Willen begeben. So kann man gelassen gottergeben sterben.

WIE SOLLTE DER NICHT FRÖHLICH SEIN,
DER AUF DEN HERRN HOFFT!

(Dietrich Bonhoeffer in einem Nachruf)

rote-glockenblume