Wie oft?

Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet; ich will erzählen, was er an mir getan hat. 

Psalm 66,16

Kommt her und hört,

was Gott an mir getan hat.

Wie oft haben das die Propheten gesagt?

Wie oft steht es in der Bibel?

Wie oft haben wir zugehört?

Wie oft haben wir es verstanden?

Wie oft haben wir es geglaubt?

Mein Gott

Daniel sprach: Mein Gott hat seinen Engel gesandt, der den Löwen den Rachen zugehalten hat, sodass sie mir kein Leid antun konnten. 

Daniel 6,23

Mein Gott hat gewirkt,

mein Gott hat mich errettet.

Das „Mein“ macht das Sein.

Verinnerlicht  – Veräußerlicht.

Trauer

Der HERR hat mich gesandt, zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauerkleid, Lobgesang statt eines betrübten Geistes gegeben werden.
Jesaja 61,1.3
Die Trauer über die Trümmer dieser Welt
kann der wandeln,
der uns die Krone des Glaubens aufsetzt,
unsere Tränen trocknet,
unsere Hoffnung in ihn setzt und
sich in uns wachsen lässt,
hin zu seiner Gerechtigkeit

Wirken

Ich denke an die Taten des HERRN, ja, ich denke an deine früheren Wunder und sinne über alle deine Werke und denke deinen Taten nach. 
Psalm 77,12-13
Was du tust, o Gott,
kündigst du an,
damit wir erkennen,
dass du es bist,
der wirkt.
Wir können es lesen,
wir können es erfahren,
wir können es teilen.
Geglaubt will es sein!

Werke

Lieber Luther,

Gott ist ein Gott der Abwägung, der unsere guten Seiten sieht und unsere schlechten. Es entgeht ihm nichts. Sein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, uns zu ihm zu bekehren. Wir sind ein harter Brocken. Unser Alltag frisst uns auf, wir lassen uns aber auch auffressen, so dass wir immer in Gefahr sind, bei allem werkeln das falsche Gewerk anzupacken. Gottes Wort ist Wegzeiger jeden Tag, Maßstab zur kritischen Selbstreflexion, Wegweisung zu Umkehr, Reue und Buße, Betriebsanleitung, dass unser Werk vor ihm gelingen kann.

Die Sendschreiben zu Beginn der Offenbarung sind wie Mahnschreiben, die uns unverblümt eine Analyse unseres Tuns vor Augen halten. Jesus Christus lässt uns ausrichten:

Ich kenne deine Werke, deine Arbeit, deine Geduld um meines Namens willen, deinen unermüdlichen Kampf gegen das Böse, gegen die falschen Apostel und Lehrer, deren Lügen du entlarvst. Aber du lässt dich verwickeln, deine Liebe ist mehr Eigenliebe, mehr Liebe unter Menschen als Gottesliebe, ich nichts als ein Vorwand. Diene Gott anstatt den Menschen. Bedenke, aus was du gefallen bist. Wer die Welt überwindet, dem werde ich vom Holz des Lebens zu essen geben. Tue Buße, sonst sinkt dein Stern und dein Licht wird nicht mehr leuchten (Offb 2, 1-7).

Ich kenne deine Werke, deine Trübsal, deine Nöte, in denen du trotz alledem reich bist , die Anfeindungen, die du von denen erfährst, die von sich behaupten, sie haben die wahre Lehre für sich gepachtet, aber in Wirklichkeit falsche Lehrer sind. Auch wenn sie dich in die Finsternis stoßen, sei getrost, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer die Welt überwindet, dem wird der Tod nichts anhaben können (Offb 2, 8-11).

Ich kenne deine Werke, dass du inmitten Gottloser wohnst, wo das Böse regiert. Du hältst an meinem Namen und an meinem Glauben fest, auch gegen höchste Bedrängung der Gottesverächter. Aber, dein Tun ist zweischneidig. Wie Bileam lässt du dich missbrauchen, heulst mit den Wölfen, verbeugst dich vor Götzenbildern, lehrst vor und von falschen Göttern, wenn es opportun erscheint, und führst dabei meinen Namen im Mund. Lass das sein und tue Buße, sonst schneidest du dich von mir ab. Wer die Welt überwindet, den will ich nähren, der wird ein reiner Stein werden, auf den ich bauen werde, und auf dem der Name stehen wird, bei dem ich dich rufen werde (Offb 2, 12-17).

Ich kenne deine Werke, deine Liebe, deinen Glauben, deine Geduld, dass du je länger, je mehr tust. Aber du lässt falsche Propheten gewähren, die meine Knechte dazu verführen, anderen Göttern nachzulaufen, sie davon abhalten, mein Brot zu essen. Ich habe dir Zeit zum Nachdenken und zur Umkehr eingeräumt, aber du willst nicht. Du schiebst keinen Riegel vor und tust nicht Buße. Deshalb wirst du zusammen mit denen untergehen, denen du nicht wehrst, wirst keine Frucht mehr bringen. Alle werden erkennen, dass ich es bin, der bei jedem Herz und Nieren erforscht und jedem nach seinen Werken geben wird. Wer die Welt überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, den werde ich teilhaben lassen an meiner Macht und Herrlichkeit, ihm, gleich wie mir von meinem Vater gegeben ist, Macht über die Heiden geben, sie zu weiden, um das Böse mit ehernem Stab wie Töpfergefäße zu zerschmettern. Ich werde ihnen den Morgenstern geben, sie werden als erste Lichter am neuen Himmel des neuen Tages leuchten (Offb 2, 18-29).

Ich kenne deine Werke, denn du lebst und bist doch tot. Werde wach und stärke das Übrige, das im Begriff steht zu sterben. Du bewirkst nicht, was du bewirken könntest. Denke daran, jeder tue, nachdem er empfangen und das Wort gehört hat. Bewahre dies und tue Buße. Wach auf, damit du bereit bist, wenn ich komme. Wenn du nicht aufwachst, werde ich in dein Haus kommen wie ein Dieb und du wirst überrascht sein über mein Kommen und es verschlafen. Du weißt weder Tag noch Stunde. Besudle dein weißes Kleid nicht in der Dunkelheit. Wer die Welt überwindet, muss mit weißen, reinen Kleidern angetan sein, dann soll sein Name nicht ausradiert werden aus dem Buch des Lebens und ich will mich zu ihm vor meinem Vater bekennen (Offb 3, 1-6).

Ich kenne deine Werke, ich habe vor dir eine Tür aufgeschlossen, die niemand zuschließen kann. Ich habe dir eine kleine Vollmacht gegeben, du hast meine Worte behalten und meinen Namen nicht verleugnet. Diejenigen, die Böses tun und doch sagen, sie seien christlich und sind es nicht wirklich, werden zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du geduldig auf mich geharrt hast, werde ich dich vor der Versuchung durch das Böse bewahren, die alle heimsucht, die auf der Erde wohnen. Siehe, ich komme bald, halte, was dir gegeben ist, damit dir niemand deine Krone nehme! Wer die Welt überwindet, den will ich auf ewig zum Pfeiler im Tempel meines Gottes machen. Ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, den Namen des neuen Jerusalem und meinen neuen Namen (Offb 3, 7-13).

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist, dass du nicht anecken, nicht Position beziehen willst. Ach, dass du kalt oder warm wärst! Weil du lau bist, werde ich dich ausspeien. Du sagst: Ich bin reich, satt und bedarf nichts. Du weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und deine Schande offenbar. Ich rate dir, von meiner Wahrhaftigkeit zu kaufen, die von allem Selbstbetrug gereinigt ist, damit du reich wirst. Kaufe dir weiße Kleider, damit die schändliche Blöße, die du dir gibst, bedeckt wird. Salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du der Wahrheit in Gesicht sehen kannst. Die ich liebhabe, fordere ich auch. Deshalb mache dich auf, beweg dich und tue Buße. Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und seine Tür aufmacht, zu dem werde ich eingehen und mit ihm das Abendmahl halten und er mit mir. Wer die Welt überwindet, der wird mit mir auf meinem Stuhl sitzen, gleich wie ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Stuhl gesetzt habe (Offb 3, 14-22).

Ich kenne deine Werke. Lieber Luther, man kann sich an der einen oder anderen Stelle ertappt fühlen und feststellen, dass man auf dem Holzweg ist. Das ist Sinn der Sache, nämlich uns zu belehren, uns zu helfen, uns Orientierung und Anstoß zum Nachdenken zu geben, uns die Richtung zu weisen, uns den Weg zu zeigen. Ich kenne deine Werke, sagt Christus, aber kenne ich seine auch? Oder schönfärbe ich? Gehe ich den Weg seiner Werke, den er vorausgegangen ist? Wer die Welt überwindet … Fast unüberwindlich für uns.

Herzliche Grüße
Deborrah

Erhöhung

Gott erhöht die Niedrigen und hilft den Betrübten empor.
Hiob 5,11

Hiob hat es erfahren:
Gott erniedrigt und erhöht die Erniedrigten,
er hilft den Betrübten wieder empor.
Auch die Hiobs in heutigen Tagen
können das erfahren.
Sie müssen sich dazu nur auf Gott einlassen.

Segen und Fluch

Lieber Luther,

Gott ist das ewige Gut und wir ein Teil davon. Doch vor dem ewigen Gut steht viel Ungutes, viel Ungehorsam, viel Leid, mangelnde Demut, Eigenwille und Renitenz, kurz, der Mensch, so wie er geschaffen ist. Anzunehmen, der Mensch erreiche das ewige Gut, solange er menschlich lebt, ist Augenwischerei. Aber nicht nur, es ist auch Last und Belastung, das Postulat allein Beschwernis und Last. Gott wusste das. Deshalb hat er zum Segen auch immer den Fluch gesellt, zum ewigen Heil das ewige Gericht. Im ersten wie im zweiten Testament. Nicht nur der Mensch, auch Jesus und Gott sind zornig. Wären sie es nicht, wir – und unser Tun – wären ihnen gleichgültig, es bräuchte sie gar nicht. Ein Maßstab ohne Maßstab ist keiner. Es ist ja nicht unbegründeter Zorn. Wer das weg definieren will, verschließt die Augen vor 2,5 Millionen Jahren Menschheitsrealität.

Gott hat einen Bund mit uns geschlossen und die dazugehörige Handlungsanleitung ist einfach: So haltet nun die Worte dieses Bundes und tut darnach, auf dass ihr weise handeln möget in all eurem Tun (5.Mose 29, 9 ff). Du, jeder einzelne, der vor mir steht, sich zu dem Bund bekennt, tritt in den Eid auf den Bund mit mir ein. In diesem Bund und mit diesem Eid, besiegelt mit meinem Blut, richte ich dich zu meinem Volk auf. Ich sammle euch in dem Bund und unter diesem Eid. Ob dies der alte oder neue Bund ist, spielt keine Rolle, es ist immer der EINE Bund mit dem EINEN Gott, die EINE Stadt, das EINE Haus, der EINE Tempel, der EINE Zionsberg, das EINE Kreuz, der EINE Christus.

Gedenkt immer des Bundes, den ihr mit diesem EINEN geschlossen habt. Gedenkt eurer Geschichte und nehmt sie als Warnung, fallt nicht in eurem Herzen von mir ab, dient nicht anderen und falschen Göttern. Vor allem hüte dich davor, obwohl du diese Worte und diesen Fluch hörst, dich selbst in deinem Herzen zu segnen und zu sagen: Es geht mir wohl, obwohl du nur tust, was dir dein Herz sagt. Die sich an sich selbst betrinken, werden verdursten: Da wird der Herr nicht gnädig sein; sondern dann wird sein Zorn und Eifer rauchen über solchen Menschen, und es werden sich alle Flüche auf ihn legen, die in diesem Buch geschrieben sind; und der HERR wird seinen Namen austilgen unter dem Himmel (5.Mose 29, 20). Er wird ihr Land mit Schwefel und Salz verbrennen, dass es nicht besät werden kann, noch etwas darin wächst, noch ein Kraut aufgeht, gleich wie in Sodom und Gomorra. Warum? Weil du den Bund verlassen hast, den Eid gebrochen.

Gott ist ein zorniger Gott, aber auch ein langmütiger Gott: Wenn nun alles über dich kommt, nach deiner Wahl, der Segen und der Fluch, und du in dein Herz gehst, auch wenn du unter den Heiden bist, zu denen du verstoßen bist, Gott nicht kennst, und umkehrst, dich zu Gott bekehrst, seiner Stimme gehorchst, von ganzem Herzen und ganzer Seele, so wird dein Gott dir dein selbstgewähltes Gefängnis wenden. Selbst wenn du bis an der Himmel Ende verstoßen wärst, wird dich der Herr, dein Gott, von dort sammeln (5.Mose 30, 4).

Ihr habt keine Ausrede. Das Gebot, das ich euch gebe, ist nicht verborgen, ihr könnt nicht sagen, wer will uns über das Meer fahren und dein Wort uns holen, dass wir es hören und tun. Es ist da, es ist in der Welt. Es ist Verheißung, Hoffnung und Warnung. Denn seht, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben Mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und heilen, und ist niemand, der aus meiner Hand errette (5.Mose 32, 39).

Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst (5.Mose 30, 19). Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens (Heb 4, 12). Mensch, du hast die Wahl, auf mich, deinen Gott, kannst du es nicht schieben, wenn du meiner Stimme nicht gehorchst und du die Konsequenzen tragen musst.

Und es wird Konsequenzen haben. Auch darüber habe ich euch ausführlich belehrt. Denn, alle Menschen, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben und mich dennoch zehnmal versucht, meiner Stimme nicht gehorcht, mir gelästert haben, sollen das Land nicht sehen, das ich ihren Vätern verheißen habe, sie werden nicht in meine Ruhe kommen (4.Mose 22 ff). Welchen schwur er aber, dass sie nicht zur Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungläubigen (Heb 3, 18)?

Lieber Luther, auch mit mancherlei Speis und Trank, mancherlei Taufen und äußerlicher Heiligkeit ist es nicht getan, den Gott sieht in alle Herzen (Heb 9, 10) und wartet hinfort, bis dass seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden (Heb 10, 13). Mir kommen die Konfirmationen dieser Tage in den Sinn. Oder auch Taufen. Viel äußerliche Heiligkeit, wenn überhaupt, nicht nur von denen, die so scheinheilig vor den Altar treten, sondern auch derjenigen, die mitspielen und ihren Segen dazu geben.

Und, passend zu Pfingsten, lieber Luther, eine wie viel ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, den Bund, den er geschlossen hat, das Blut des Testamentes, unrein achtet, durch welches er geheiligt ist, und den Geist der Gnade schmäht? Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Heb 10, 29-31), in jeglicher Beziehung, in Gutem wie im Schlechten. Erschrecken von der Größe des Segens, aber auch vor der Größe des Zorns. Ich kenne beides, du, lieber Luther, sicher auch. Umfassende, mich ganz erfassende Gottesfurcht und –ehrfurcht.

Die An- und Aufforderung, lieber Luther, ist also nicht, vor all dem Unguten die Augen zu verschließen, sich in die vereinfachte Formel zu flüchten, Gott vergibt alles. Am Ende, lieber Luther, vielleicht ja, das ist die Hoffnung, aber davor steht der zornige, der richtende Gott, der sich unsere Untaten alle ansieht. Und das ist gut so. Mich erleichtert das. Ich kann vor ihn nicht nur meine Fürbitten, sondern auch meine Flüche legen. Er kennt beides. Er, der gerechte Richter, wird sie wiegen und wägen und nach seiner Gerechtigkeit bewirken, richten und rächen. Zu Gott wie auch zu mir, gehören Segen und Fluch. Wer nur den Segen sieht und den Fluch negiert, halbiert Gott und Mensch. Licht macht die Dunkelheit zum Licht.

Herzliche Grüße
Deborrah

Glauben

Wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des HERRN offenbart? 
Jesaja 53,1
Was uns verkündet wurde,
glauben nur sehr wenige in Gänze.
Die meisten suchen sich heraus,
was ihnen passt,
suchen und finden Begründungen,
wieso, was nicht passt,
nicht stimmen kann,
passen sich das Wort an,
ordnen dich, o Gott, sich unter.
Bis du deine Hand hebst …

Wissen

Kaleb sprach zu Josua: Meine Brüder machten dem Volk das Herz verzagt, ich aber folgte dem HERRN, meinem Gott, treulich. 
 Josua 14,8

Es gibt viel erlerntes Wissen in der Welt,
viele Wissens-Theorien,
viel Technik, um Wissen anzuhäufen,
viel, was Mensch im Glauben wanken lässt,
eingeschüchtert,
eingeschnürt,
eingeengt
von so viel Wissenschaft.

Aber das Wissen um Dich, o Gott,
ist ein Wissen,
das kein Mensch ergründen kann.

Falsche Propheten

Wehe den törichten Propheten, die ihrem eigenen Geist folgen, ohne etwas gesehen zu haben! 
Hesekiel 13,3
Falsche Propheten,
die irreleiten,
Wortverdreher im eigenen Namen.
Es gibt sie zu Hauf.
Wie sie erkennen?
Jeder muss selbst entscheiden, wem er folgen will,
welchem Wort er glauben will.
Unser Teil im Glauben.

Physis

Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf.
Psalm 49,16
Wir leben im Herrn und
sterben in den Herrn.
Ob wir physisch leben
oder physisch sterben,
ist einerlei vor dem Herrn,
wenn wir glauben.
Glauben enthebt uns aller Physis.

Jesu Blut für unsere Sünden vergossen?

Lieber Luther,

um Jesus ist es einsam geworden, bevor er sich aufmacht, um das zu durchleiden, vor dem es auch ihm gegraut hat. Der Satan, das menschlich Teuflische, wirkt an ihm, zerschindet seine Ehre, seinen Körper, peitscht sein Fleisch. Der Mensch greift nach ihm. Den Menschen in aller Grausamkeit zu durchleiden, ist nicht nur für uns, war auch für Jesus eine Herausforderung.

Zeit Bilanz zu ziehen, sich im Klaren zu werden, ob er nun alles erreicht hat, was ihm aufgetragen ist. Ob er manchmal daran gezweifelt hat, angesichts des anklagenden, geifernden Volkes? Weiterlesen „Jesu Blut für unsere Sünden vergossen?“

Hosianna – Jesu Einzug in Jerusalem

Lieber Luther,

alles läuft so, wie es verheißen war. Die Schrift muss erfüllt werden. Die Schrift ist das Wort Gottes. Gott ist die Weisheit, der Allwissende. Er weiß schon vor dem Anfang das Ende. Es ist alles gewoben, hat aber noch kein IST. Manches IST ist schwer zu ertragen. Für Jesus wie für uns.
Wie muss er sich gefühlt haben als er in Jerusalem einzog (Mt 21, 1-10)? Es muss wie ein Film vor seinen Augen abgelaufen sein, als er in den Tunnel des Massenjubels eintauchte. Befremdlich für ihn die Masse der Menschen, die heute Hosianna rufen und morgen kreuzige ihn. Was hat er wohl gedacht, als sie Palmzweige vor ihm hinwarfen? Weiterlesen „Hosianna – Jesu Einzug in Jerusalem“

Wer bin ich und wer bist du?

Lieber Luther,

wer bin ich und wer bist du? So könnte man den Disput, den Jesus mit den Pharisäern in Johannes 8 hat, zusammenfassen. Da geht es zur Sache, Jesus nimmt keinerlei Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Pharisäer. Er sagt schonungslos, was er zu sagen hat. Und was hat er zu sagen?

Wer bin ich?
Ich bin das Licht der Welt.
Ich bin der, der weiß, woher ich komme und wohin ich gehe.
Ich bin nicht allein, in allem was ich tue ist Gott, mein Vater, mit mir.
Ich bin der, der vom Vater zeugt.
Ich bin der, von dem der Vater zeugt.
Ich bin der, der die Wahrheit redet.
Ich bin der, der von Obenher ist.
Ich bin der, dessen Wahrheit und Weisheit von oben kommt.
Ich bin der, der mit euch redet.
Ich bin der, der viel von euch redet und richtet.
Ich bin der, der wenn er richtet, recht richtet.
Ich bin der, der vor der Welt redet, was mich mein Vater gelehrt hat.
Ich bin der, der ohne Sünde ist.
Ich bin der, der den Vater ehrt.
Ich bin der, den der Vater ehrt.

Und wer seid ihr?
Ihr seid diejenigen, die Steine werfen wollen.
Ihr seid diejenigen, die nach dem Fleisch richten.
Ihr seid diejenigen, die von Untenher sind.
Ihr seid diejenigen, deren Wahrheit Streit, Zank und Neid ist.
Ihr seid diejenigen, die unfrei bleiben,
Ihr seid die Knechte der Sünde.
Ihr seid diejenigen, die in ihrenn Sünden sterben werden.
Ihr seid diejenigen, die weder mich noch meinen Vater kennen.
Ihr seid diejenigen, die mir nicht glauben.
Ihr seid diejenigen, die die Wahrheit nicht haben,
Ihr seid Lügner.
Ihr seid die Söhne des Teufels.
Ihr seid diejenigen, die mich nicht ehren.
Ihr seid diejenigen, die Gott nicht kennen.
Ihr seid diejenigen, die mich töten wollen.

Das alles sagte Jesus, der Zimmermann, den Pharisäern, den theologischen Glaubenshütern. Und wie reagierten diese? Sie hoben Steine auf, um sie auf ihn zu werfen. Jesus versteckte sich und ging aus dem Tempel hinaus.

Lieber Luther, ist das verwunderlich, dass die Pharisäer nicht eben freundlich auf Jesus gestimmt waren? Im Tempel, ihrem Heiligtum, von einem theologisch Ungebildeten, der von sich behauptet, Gottes Sohn zu sein, so angegriffen zu werden, war eine unglaubliche Provokation. Jesus wusste das, er wusste auch den Ausgang, deshalb hat er auch kein Blatt vor den Mund genommen. Er sprach rücksichtlos gegen sich und die Pharisäer die Wahrheit. Diplomatisch oder politisch korrekt war er nie. Immer in Wahrheit und Wahrhaftigkeit, wahrlich, gerade gegen den religiösen Mainstream.

Was Jesus verdeutlicht: Es kommt auf die Wahrheit an. Die Wahrheit ist an ihn und Gottes Wort, so wie er es lehrt, geknüpft. Wahrheit und Unwahrheit sind die Gegensätze, Unwahrheit ist Sünde, Wahrheit ist in Gottes Wort, Sünde ist in der Unwahrheit, Unwahrheit ist der Inbegriff des Teufels, des Mörders des wahren Wortes von Anbeginn. Jesus bringt die Freiheit von Sünde durch das wahre Wort. Das muss geglaubt werden. Wer es nicht glaubt, der ist ein Sünder, umgekehrt, wer es glaubt, ist frei. Glauben macht frei von Sünde. So einfach ist die Wahrheit der Sünde. Alles andere, was wir so als Sünde denken, ist fleischlich: Ihr richtet fleischlich, sagt Jesus. Jesus aber richtet recht: Das wahre Wort, Jesu Wort, und der Glaube daran ist der alleinige Maßstab. Wessen Vater Gott ist, der hört das Wort, wessen Vater Gott nicht ist, der hört das Wort nicht. Sünde ist, diese Wahrheit Jesu nicht zu glauben.

Wer bin ich und wer bist du? Wahrheit und Lüge, Jünger und Gottlose, Glaube und Nichtglaube, Jesus ist trennscharf, messerscharf. Wenn ich das lese, frage ich mich, wie man behaupten kann, christlich zu glauben, ohne an Jesu Wort zu glauben? Wo anders als in der Bibel steht aber Jesu Wort? Woher kommt sonst das wahre Wort? Angesichts der vielen Menschen, die sagen sie glauben, aber glauben nicht, was in der Bibel steht, oder nur selektiv, was ihnen in den Kram passt, macht mich das ratlos. Welche Grundlage hat ein solcher Glaube? Ist es wirklich der Glaube an den Gott der Bibel, an Jesus und Jesu Vater, oder ist es doch der Glaube an selbstgegossene Götter? Nachdenklich,

herzliche Grüße
Deborrah

Nachfolge – Joseph

Lieber Luther,

manche Geschichten in der Bibel fesseln einen, sie sind spannender als jeder Krimi. So ist es mit der Geschichte von Noah, Abraham und Sara, Isaak und Rebekka, Jakob Israel mit seinen vielen Frauen und 12 Kindern. Der Kreis wird in der Genesis geschlossen mit der Geschichte Josephs und seiner Brüder. Die Geschichte hat mich so gefesselt, dass ich auf meinen Sonntagsspaziergang verzichtet habe, um die Geschichte ganz zu lesen. Wegen ihrer Bedeutung, nimmt sie viel Raum ein. Das Wesentliche versteht man nur im Zusammenhang und der ist überraschend: Hier wird die Geschichte Gottes mit den Menschen erzählt, das ganze Panorama, von gut bis böse(1.Mose 37-50).

Die Geschichte kann man unter zwei Aspekten sehen: Das Verhältnis Josephs zu seiner Familie, insbesondere seinen Brüdern, und das Verhältnis zwischen dem Pharao, seinem Volk und Joseph. Beides ist so voller Botschaften, dass es nicht in einen Brief passt. Deshalb wende ich mich zunächst dem unglaublichen, unbegreiflichen, wunderbaren Verhältnis zwischen Joseph und den Ägyptern zu. Joseph und die Ägypter ist eine Beschreibung, wie Gott sich unser Verhältnis zu ihm idealtypisch vorstellt, seine ideale Konstellation zwischen König und Knechten, zwischen Gott und den Menschen, das ideale Zusammenleben in Überfluss und auch in der Not. Es ist eine große Vision, die schon auf Jesus vorgreift, gleich ganz am Anfang der (biblischen) Geschichte zwischen Gott und Mensch.

Ausgangspunkt ist die besondere Liebe Jakobs zu seinem jüngsten Sohn, Joseph, und der Neid der Brüder auf diese Liebe. Sie beschließen ihn zu beseitigen. Eigentlich wollten sie ihn umbringen, aber Ruben, der älteste Sohn, verhindert das, und so beschließen sie, ihn als Sklaven nach Ägypten zu verkaufen. Dem Vater gaukeln sie vor, er sei von einem wilden Tier zerrissen worden.

So kommt Joseph als unfreier Fremdling nach Ägypten, so wie auch schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater jeweils Fremdlinge an den verschiedenen Orten, an denen sie sich aufhielten, waren. Was Joseph anfasst, gelingt, er hat die Gabe einer besonderen Gottesnähe, die ihn verstehen lässt, was andere nicht verstehen. Wie auch schon Abraham, Isaak und Jakob. Was erst einmal als Unglück daherkommt, entpuppt sich später als Vorsehung, um Schlimmes zu verhindern und Gutes zu bewirken, zu retten.

Joseph hat eine besondere Ausstrahlung. Die Dienstherrn, an die er kommt, erkennen das und stellen ihn jeweils über ihre Habe, verlassen sich völlig auf ihn, anerkennen seine Besonderheit und treten selbst zurück. Sie erkennen den Segen, der über Joseph liegt und auf sie ausstrahlt. Sein erster Dienstherr wird Potiphar, der Kämmerer des Pharao, ein mächtiger Mann. Er gibt alle Befugnisse an Joseph, den Fremdling, ab: er setzt ihn über sein Haus und all seine Güter. Zum Verhängnis wurde ihm die Frau seines Dienstherrn, die ihm vergebens nachstellte und ihn dann bei ihrem Mann falsch anschwärzte. Der Dienstherr glaubte der falschen Frau anstatt Joseph und so kam er ins Gefängnis.

Joseph nahm alles mit Demut und der Gefängnisaufseher befahl alle Gefangenen und alles was im Gefängnis geschah unter die Hand Josephs, denn der HERR war mit Joseph und was er tat, dazu gab der HERR Glück. Im Gefängnis traf er 2 Bedienstete des Pharaos, die von Träumen geplagt wurden. Joseph legte die Träume aus und was er voraussagte geschah. Auch der Pharao hatte einen Traum, er sah sieben fette und sieben magere Kühe, und niemand konnte ihn auslegen, bis sich einer der Bediensteten, der Joseph vom Gefängnis kannte, seiner erinnerte. So wurde Joseph zum Pharao gerufen und sagte sieben Jahre im Überfluss und sieben Jahre der Not voraus. Joseph sagte: Gott verkündigt, was er vorhat. Und der Pharao vertraute Joseph blind und bedingungslos.
Joseph gab auch noch einen Ratschlag: Sammle Getreide in den üppigen Jahren, dass du Speise hast in den Notjahren. Der Pharao folgt: Weil dir Gott solches alles hat kundgetan, ist keiner so verständig und weise wie du. Du sollt über mein Haus sein und deinem Wort soll all mein Volk gehorsam sein; allein um den königlichen Stuhl will ich höher sein als du. Siehe, ich habe dich über ganz Ägyptenland gesetzt. Er ließ ihn mit seinem Wagen fahren und ließ ausrufen: Der ist des Landes Vater! Und setzte ihn über ganz Ägyptenland. Ich bin der Pharao aber ohne deinen Willen soll niemand seine Hand und Fuß regen in ganz Ägyptenland. Und nannte ihn den heimlichen Rat (1.Mose 41, 39-45).

Hier ist ein Rat, der dem späteren Wunderrat im Alten Testament sozusagen in der Tat, mitten im Leben, voran geht. Joseph hat weniger gelehrt, er hat umfassend vorgelebt, getan und bewirkt, was Jesus später gelehrt hat. Im Gegensatz zu allen anderen Personen, ist von Joseph nichts Böses berichtet. Er war das personifizierte Gut, wie später Jesus. Sein Leben wird von seinen Brüdern verkauft, aus Neid, wie später Jesus von den Pharisäern gekauft wird, aus Neid, um ihn zu töten. Der Verkaufte wird zum Herrscher. Hier wie dort wird Korn in die Scheuer gesammelt. In dem einen Fall praktisch, in dem anderen Fall durch Wort und Predigt.

Das Volk der Ägypter unterwirft sich demütig dem Diktat Josephs ohne zu murren, nicht nur der Pharao, auch das Volk vertraut ihm, dem Fremdling mit dem fremden Gott, blind und Joseph speist sie auch in den Jahren der Not. Sie geben ihm all ihr Habe, alles Geld, alles Vieh, alles Land: Also kaufte Joseph dem Pharao das ganze Ägypten, ausgenommen das Land der Priester. Ihnen war verordnet, dass sie sich nähren sollten von dem Verordneten, das er ihnen gegeben hat. Deshalb brauchten sie ihr Land nicht verkaufen. Sie veräußern ihm alles und er gibt ihnen Brot, speist sie, gibt ihnen Samen, damit sie auf dem verkauften Land säen können. Von dem Getreide sollen sie den 5ten an den Pharao geben, vier Teile dürfen sie behalten, um ihre Familien zu ernähren. Was antwortete das Volk? Du hast uns am Leben erhalten; lass uns nur Gnade finden vor dir, unserm Herrn, so wollen wir gerne Pharao leibeigen sein. So machte Joseph ein Gesetz „bis auf diesen Tag“ über „der Ägypter Feld“, dem Pharao den 5ten zu geben, bis auf das Land der Priester, das ihm nicht zu eigen war (1.Mose 47, 25-26)

Joseph respektierte die Bräuche der Ägypter, es war ihnen zum Beispiel ein Gräuel, mit den Hebräern Brot zu essen. Joseph zwang sie nicht dazu, er ließ es ihnen getrennt zu den Hebräern servieren. Sogar die Integration von Josephs Sippe gelingt. Joseph bittet, der Pharao hat Verständnis, er gibt den Fremden das fruchtbarste Land, damit sie ihr Vieh weiden können.
Als Jakob in Ägypten stirbt, salben die Ärzte dort Israel, der Name, den Gott Jakob gegeben hat. Sie beweinen ihn 70 Tage. Der Pharao erlaubt Joseph, der verspricht wieder zu kommen, die Reise nach Kanaan, wo er seinen Vater wunschgemäß in der Familienbegräbnisstätte beerdigen will. Und – wie bemerkenswert – alle Ältesten des Landes Ägypten ziehen den weiten Weg mit. Sie erweisen Jakob und seinem ganzen Haus die Referenz. Die Trauerfeier wurde in Goren-Atad gehalten, das heißt Tenne des Dornbusches. Als die Kanaaniter das sahen, nannten sie den Ort Abel-Mizrajim, das heißt Trauer der Ägypter. Wohlgemerkt die Ägypter, bei denen Jakob Aufnahme suchte in der Hungersnot, trauerten um Jakob, nicht die Kanaaniter. Sie taten es, um Josephs willen, weil Jakob sein Vater war. Wie sie Joseph ehrten, ehrten sie auch sein ganzes Haus. Joseph hielt Wort und ging wieder zurück nach Ägypten.

Was für eine (Liebes-)Geschichte zwischen Joseph und dem ägyptischen Volk. Wenn man es auf einen kurzen Nenner bringen kann: Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Vertrauen, Demut, veräußern, teilen, gegenseitiger Respekt und Verlässlichkeit. Es ist kein böses Wort oder Widerspruch, Widerstreben des Volkes Ägypten gegen die Herrschaft dieses Fremdlings in der ganzen Geschichte. Joseph fordert viel, aber die Ägypter murren nicht, sie glauben und folgen ihm, weil sie an das Heil und das Gute, das er bringt glauben. Sie glauben ihm, obwohl er ein Fremdling unter ihnen ist und Joseph respektiert sie, obwohl sie andere Götter haben. Die Ägypter folgen dem Gott Josephs, da er sie in der Person Josephs völlig überzeugt. Joseph war der Inbegiff von Glück für das ägyptische Volk, obwohl für Joseph alles gar nicht glücklich angefangen hat.

Lieber Luther, die ganze Geschichte ist irgendwie Ball paradox. Joseph wird von seinen Brüdern böswillig verkauft und die Ägypter verkaufen sich Joseph freiwillig. Seine Brüder, von Jakob sicher gottesfürchtig erzogen, wissen nicht, was Gottesfurcht ist, aber die Ägypter wissen es. Seine Familie ist ihm gegenüber arglistig, die Ägypter ihm gegenüber vertrauensvoll. Jakob und die Ägypter ist eine Geschichte, was Gott bewegen kann, wenn Gott für einen ist, egal wie schlecht die Umstände sind. Die Joseph-Geschichte ist eine Heilsgeschichte. Sie zeigt, wie Gott sein Volk sammeln möchte. Die Ägypter geben alles, was sie haben, weg, Geld, Häuser, Felder, im bloßen Vertrauen auf Joseph und Gott. Sie folgen Joseph einfach nach, was immer er von ihnen fordert, sie hinterfragen ihn nicht. Joseph ist der Retter. Die Heiden versammeln sich hinter Joseph, werden gesammelt und gerettet, die Familie, seine Brüder, müssen ihr Vergehen an Joseph schwer büßen, sie müssen sich ihm zu Füßen werfen, sich demütigen und auf seine Bedingungen eingehen, wollen sie überleben. Über dieses besondere Familienverhältnis schreibe ich dir demnächst, sobald ich Zeit finde.

Lieber Luther, diese Josephsgeschichte ist ein Schatz, den wir immer zur Hand nehmen sollten, wenn wir nicht verstehen, was Gott uns will, wenn wir lamentieren, wenn wir meinen, Geld und Gut sei das Wichtigste, wenn wir meinen, Unglück, sei Unglück. Joseph hat gezeigt, dass dies nicht so ist, sondern der Leitspruch gilt: Wenn Gott für uns ist, wer mag wider uns sein. Vielleicht gefällt mir deshalb diese Geschichte so gut, da dies ja – wie schon öfters geschrieben – mein Konfirmationsspruch ist. Mit einem Augenzwinkern,

Herzliche Grüße
Deborrah

Rebekka

Lieber Luther,

lang hat es gedauert, bis ich zu meiner ganz persönlichen Jahreslosung 2014 gefunden habe. Die Jahreslosung 2013 lass ich hinter mir, sie hat mir genug Sturm gebracht und Wasser schlucken lassen. Eigentlich steht die Losung schon länger im Raum, es hat mir nur nicht gedämmert, was mir da ins Haus steht:
Haltet mich nicht auf, denn Gott hat Gnade zu meiner Reise gegeben (1.Mose 24,56)
Ich habe diesen Spruch an das Ende meines Nachrufs auf meinen Vater gesetzt. Der Predigttext dieser Trauerfeier beinhaltete – zu meiner Überraschung – meinen Konfirmationsspruch. Lebensreisen, die sich kreuzen. Grund genug, achtsam zu sein.
Der Schlusspunkt unter den Nachruf auf das Leben meines Vaters, ist eigentlich ein Ausgangspunkt, ein Anfang, der Anfang einer Reise, für ihn und für mich.
Abraham sendet Elieser, seinen ältesten Diener und Verwalter, auf die etwa 650 km lange Reise, um bei seiner Verwandtschaft um eine Frau für seinen Sohn Isaak zu werben. Der Bote weiß nicht, wer es sein soll und wie er die Frau finden soll. So bittet Elieser, der auf Gott vertraut, Gott um ein Zeichen: Diejenige, die auf seine Bitte hin, ihm am Brunnen zu trinken geben wird und auch noch unaufgefordert die Kamele tränkt, die soll es sein. Lass es geschehen und erweise deine Gnade, betet Elieser. Er trifft Rebekka am Brunnen und es geschieht, worum er gebeten hat.
Die Brüder und die Mutter zögern, wissen nicht so recht, ob das für Rebekka das Richtige ist. Rebekka zögert nicht, will einen Schlussstrich, einen neuen Anfang: Ich will gehen, gleich. Sie geht in eine ungewisse Zukunft, sie weiß nicht wirklich, auf was sie sich einlässt. Aber, tief in ihrer Seele weiß sie, dass es richtig ist, was sie tut. Deshalb duldet sie auch keinen Aufschub: Haltet mich nicht auf. Sie weiß, was sie weiß und was sie will. (1.Mose 24)
Rebekka, die Energische, Rebekka, die Zupackende, Rebekka, die Kraftvolle. Sie weiß nicht, dass sie einem entgegen geht, der schon gebrochen ist. Dass sie das Korsett, das Rückgrat, die Energie ist, die er braucht, um weiter zu gehen. Sie weiß noch nicht, dass sie 20 Jahre warten muss, bis sie Kinder bekommt. Sie weiß noch nicht, dass ihr Mann früh erblindet, noch nichts von ihrem Betrug an ihrem Ehemann, noch nichts von ihren Enkeln, die ein Massaker anrichten, weil sie denken, ihre Schwester sei vergewaltigt worden. Vielleicht hätte sie, wenn sie gewusst hätte, was denn so alles noch kommt, doch gezögert. Deshalb ist es gut, wenn wir nicht wissen, was kommt. Es lässt uns weiter gehen, wenn wir es für richtig in uns fühlen, unbelastet der Last und des Leids, das da kommen mag.
Rebekka geht nicht alleine. Mit ihr ging Debora, ihre Amme. Die Frau, die sie gesäugt hatte, die sie mit der Muttermilch aufgesogen hatte, der Mutterersatz. Debora war immer für sie da, Debora gab Rat, Debora verhütete, was zu verhüten war. Sie verhütete nicht, dass Rebekka Jakob dazu anleitete, sich vor seinem Vater Isaak als Erstgeborenen auszugeben, wo es doch sein Zwillingsbruder Esau war. Das ist der Fingerzeig, den Gott gibt. Nicht was irdisches Recht ist, zählt, sondern was Gottes Wille ist. Esau und Jakob wuchsen beide im Mutterleib, parallel, gleichberechtigt. Die Gesetze der Gesellschaft haben sie zu Ungleichberechtigten gemacht. Gott hat eingegriffen und ein Zeichen gesetzt: Eure Gesetze sind null und nichtig, allein meine Gesetze zählen. Nach meinem Gesetz ist Jakob der Erstgeborene. Aber, ich will die List und Tücke nicht dulden, die ihm dieses irdische Recht verschafft hat, so muss er Buse tun, viele Jahrzehnte, um sein Unrecht an seinem Vater zu tilgen. Rebekka sieht ihren Lieblingssohn nach dessen Flucht nie wieder.
Das alles änderte nichts daran, dass Gott Jakob eine besondere Erwählung gab. Das Unrecht, das Rebekka getan hat, an ihrem Mann und an ihren Söhnen, nach geltendem Recht, in ihrer Gesellschaft, ändert nichts daran, dass sie trotzdem mit Gottes Segen in Gottes Willen handelte. Gott hat Gnade zu der Reise gegeben. Was scheinbar Unrecht ist, kann vor Gott Recht sein. Rebekka wandelte in all dem Zwiespalt zwischen Recht und Unrecht dennoch sicher. Debora war ihr Korrektiv. Debora nahm sie in den Arm und weinte mit ihr, wenn es kein Weiter zu geben schien, Debora tröste, Debora fand die Worte, die Rebekka weiter gehen ließen. Debora war die Frau im Hintergrund, die nur zwei Mal erwähnt ist. Am Ausgangspunkt, wenn sich Rebekka auf die Reise einlässt, und am Endpunkt, wenn Debora begraben wird an an der Träneneiche, an der Klageeiche. Immer im Hintergrund, kaum einer Erwähnung wert, aber dennoch immer im Vordergrund. Sie starb in Bethel, dem Ort, an den Gott Jakob geschickt hatte, um einen Altar für ihn zu errichten. Mit Debora verschwindet auch Rebekka aus dem Gesichtsfeld. Am Ende hatte sie alles verloren, was ihr lieb und teuer war. Und doch: Gott hat Gnade zu der Reise gegeben.
Lieber Luther, haltet mich nicht auf, Gott hat Gnade zu dieser Reise gegeben. Für mich ist es meine persönliche Jahreslosung 2014. Wohin ich aufbreche in dieses neue Jahr, weiß ich nicht. Halten wir es mit Elieser und bitten um Gnade für diese Reise.
Herzliche Grüße
Deborrah

Gerechtigkeit

Wer der Gerechtigkeit und Güte nachjagt, der findet Leben und Ehre. 
Sprüche 21,21

Wer der Gerechtigkeit nachjagt, findet Gerechtigkeit.
Gerecht ist aber nur der,
den Gott gerecht macht.
Wen Gott gerecht gemacht hat, lebt.
Also muss ich noch der Gerechtigkeit nachjagen.