Mehrzahl

Elisa sprach zu dem Diener: Fürchte dich nicht, denn derer sind mehr, die bei uns sind, als derer, die bei ihnen sind!
2.Könige 6,16
So wie Elisa dem Diener Mut zuspricht,
so spricht Gott uns Mut zu:
Fürchte dich nicht,
auch wenn der Gegner übermächtig erscheint.
Wer Gott auf seiner Seite hat, ist immer in der Mehrzahl.

Gottes Angesicht

Der HERR sprach zu Mose: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.
2.Mose 33,20
Kein Mensch wird leben, der mein Angesicht sieht.
Um mein Angesicht zu sehen, ist ein Sehen notwendig,
über das ein Mensch nicht verfügt.
Ihr denkt, um mein Angesicht zu sehen,
müsst ihr das äußere Auge bemühen.
Damit werdet ihr mein Angesicht niemals sehen.
Auf dass ihr glaubt.
Wenn wir glauben, können wir damit leben.
Wenn wir glaubend sterben, werden wir leben
und sein Angesicht schauen.

Bedenke

Du sprichst: Ich bin unschuldig; er hat ja doch seinen Zorn von mir gewandt. Siehe, ich will dich richten, weil du sprichst: Ich habe nicht gesündigt. 
Jeremia 2,35
Ihr denkt, wenn ich meinen Zorn von euch wende,
ihr seid unschuldig.
Erkennt, dass dies nicht so ist.
Ich habe nur Milde walten lassen,
hatte Erbarmen mit euch.
Denke aber nicht, du hast nicht Unrecht getan,
denke nicht, du seist ohne Schuld,
denke nicht, ich bemerke deine unrechten Taten nicht.
Denke an den Tag, an dem du dir selbst ins Angesicht siehst und dich erkennst.
Denke an den Tag an dem Bilanz gezogen wird.
Denke an den Tag der Wahrheit.

7 Tage hat die Woche

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun. 
2.Mose 20,9.10
Der 7. Tag,
wann ist der, o Gott?
Alle meine Werke soll ich in 6 Tagen tun?
1.000 Jahre hat dein Tag.
Also brauche ich nicht hetzen.

Determination – Selbstbegrenzung

Lieber Luther,
heute fasse ich ein heißes Eisen an. Angeregt wurde ich dazu durch eine Frage bei glauben 2017, an deren Beantwortung sich bis jetzt noch keiner gewagt hat. Es ist die Frage nach der Determination, unserer Determination durch Gott und – anscheinend entgegenstehend – unsere Willens-, Handlungs-, Entscheidungsfreiheit.
Das ist eine hochphilosophische Frage mit vielen Antworten. Eine letztendliche „wahre“ Antwort gibt es nicht. Die Art der Beantwortung der Frage hängt daran, wie man sich zur „Determination“ stellt, welchen Schulen und Denkmustern man folgt. Das heißt, unsere Antwort ist schon von unseren – bewussten oder unbewussten – Prägungen und Festlegungen geprägt. Im Folgenden ein paar Denkanstöße.
Existiert „Welt“ tatsächlich in Ursache mit zwangsläufigen Folgen und Wirkungen oder ist das nur ein Denkschema menschlichen Ursprungs? Eine Hilfskonstruktion, um die Welt für uns erklärbar zu machen? Damit wir die Macht (oder Herrschaft?) über die Welt nicht verlieren? Weil uns das Angst macht, die Macht über die Welt zu verlieren? Ist das nicht ein Denkkonstrukt, das unsere Denkfreiheit einschränkt und in einer Weise kanalisiert, die uns den Blick auf das Universale, auf Gott, verstellt? Brauchen wir auf alles Antworten? Wieso? Gott ist metaphysisch. Jede Antwort, die ihn betrifft, lässt sich empirisch nicht überprüfen. Muss mich diese Diskussion, um Determination überhaupt interessieren oder determiniere ich mich da nicht selbst?
Geht das überhaupt: vollkommene Willens- und Entscheidungsfreiheit? Die neuere Hirnforschung sagt, vollkommene Willensfreiheit gibt es nicht. Sind wir nicht geprägt schon vom Mutterleib an, vom ersten Augenblick meines Entstehens? Werde ich eine Frau oder ein Mann? Habe ich das entschieden? Nein? Wer dann? Zufall oder höherer Wille? Muss ich das entscheiden? Wer zwingt mich dazu?
Die Frage ist also, wenn Gott ist, wenn Gottes Wille ist, wenn ich aus Gott komme und am Ende wieder ganz mit ihm vereint bin, wenn Gott in mir ist und er meine Wege leitet, bin ich dann von ihm bestimmt? Ist das, was ich tue in meinem Willen oder in seinem Willen? Bin ich seine Marionette, sein Werkzeug? Wo bleibt da meine Willens- und Handlungsfreiheit? Bestimmt Gott oder bestimme ich, was ich tue und lasse? Gibt es da eine feste Ursache – Wirkungsabfolge? Beten wir nicht „dein Wille geschehe“? Um die Frage auf den Punkt zu bringen: Ist Gott Ursache, bin ich vorherbestimmt Folge und im meinem Willen, meinen Entscheidungen und in meinem Handeln so bestimmt, das mein Leben genau so abläuft, wie es abläuft oder habe ich da auch noch eine Möglichkeit mitzubestimmen? Wobei man fragen kann, wieso ist das so wichtig für uns, dass wir selbst bestimmen? Dieser Frage will ich aber jetzt nicht nachgehen.
Diese Fragen nach der Determination hängen wie ein Damoklesschwert über dem Gläubigen. Soll ich Glauben Gott ist Realität oder ist er ein menschliches Konstrukt, um unser Wohlbefinden zu verbessern, etwas, an das wir uns klammern können, um uns von unserer Verantwortung für das Hier und Jetzt davonzuschleichen und uns die Angst vor dem Nichts nach dem Tod zu nehmen?
Gott ist unser Ausgangs- und Endpunkt. Heißt das zwangsläufig, wir sind von ihm in all unserem Tun, Entscheiden und Handeln von ihm bestimmt? Das das was ist, zwangsläufig so ist und nicht anders sein kann. Oder ist es nicht so, dass ich aus freiem Willen ihm nachfolge, Jesus nachfolge. Das Bild von Gott als Vater hilft uns bei dieser Nachfolge, da wir – idealerweise – mit Vater Liebe und Sorge verbinden. Ob Vater oder Mutter spielt hier absolut keine Rolle. Das ist eine Prägung auf „Eltern“, die schon im Mutterleib beginnt. Nicht nur wir, sondern auch Tiere haben sie. Gott ist mein freier Wille, meine freie Entscheidung, mein freies Handeln. Alles an Gott und meinem Verhältnis zu Gott ist eben nicht determiniert, sondern ist vollkommen frei. Ich muss nicht an ihn glauben, ich muss ihm nicht nachfolgen. Auch in der Art, Gott zu denken, bin ich vollkommen frei. Keiner kann mich zwingen, einem kirchlichen Dogma, einer Lehrmeinung zu folgen, keiner kann mich zwingen für wahr zu halten, was in der Bibel steht. Ich bin darin frei und eben nicht determiniert. Ein Blick in die Realität zeigt, dass das auch der Lebenswirklichkeit entspricht.
Gott wirkt, bewirkt. Auch das ist für den gläubigen Menschen eine Tatsache. Aber ist das eine Ursache-Wirkung-Bestimmtheit des Menschen? Oder ist es gerade umgekehrt: Mensch bestimmt und Gott folgt? Eine interessante Umdrehung der Verantwortlichkeiten.
Der Mensch als Wesen und im Wesen Teil von ihm Seiender, entscheidet, handelt, gut oder böse oder in Abstufungen dazwischen, voll verantwortlich für all sein Tun. Gott erkennt dieses Entscheiden und Tun des Menschen in all seinen Folgen und ist beim Menschen in all seinen Entscheidungen und Folgen. Gott ist mit uns, was immer wir tun. Er folgt uns, auch wenn wir ihm nicht folgen. Gott hat uns volle Handlungs-, Entscheidungs- und Ausführungsvollmacht gegeben: Macht euch die Erde untertan. Er folgt uns mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. Gott bewirkt an uns seine Liebe als Echo auf unser selbstverantwortliches Tun. Er muss dies zwangsläufig tun, will er uns nicht verlieren. Auch das ist Lebensrealität.
Gott ist die Liebe, das ist ein für den Glaubenden wahres Wissen. Nicht nur Gott ist die Liebe, auch der Mensch will Liebe erhalten, von anderen Menschen, von Gott, von einem selbst. Mensch will Liebe geben und wenn er Liebe gibt, ist er ganz bei sich selbst. Liebe geben und Liebe nehmen, aktivieren im Gehirn die gleichen Regionen, und nicht nur im Gehirn, auch in unserem Herzen. Das ist der Punkt, in dem wir ganz bei uns sind und ganz bei Gott. Unbestimmt, frei, ohne Abgrenzung, ohne Getrenntsein.
In Liebe zu leben – äußerer und innerer, ist das universale Prinzip, ist die Vereintheit von Gott und Mensch. Das ist der Schnittpunkt zwischen Mensch und Gott. In ihm sind Gott und Mensch eins, absolut in Übereinstimmung und Frieden miteinander. Es gibt in diesem Punkt keine Ursache und Wirkung, kein oben und unten, keine Zeit, keine Willens-, Handlungs- und Entscheidungsfreiheit und auch keine Notwendigkeit, diese zu haben. Dort gibt es kein Gott und ich, keine Getrenntsein, kein Dualismus, kein Ursache-Wirkungsprinzip. Es ist ein SEIN, ein EINS-SEIN, ein GEMEINSAM-SEIN. Ist das nicht das Paradies?
Lieber Luther, „Determination“ kommt aus dem Latein und heißt „abgrenzen, „bestimmen“, „begrenzen“. All das ist Gott, die Beziehung zu Gott, unsere Bestimmung in Gott eben nicht. Kann Mensch das nicht lassen, sich selbst zu begrenzen? Sich hin zu Gott zu begrenzen, sich von ihm abzugrenzen. Es fühlt sich gut an Gott und Glaube in Freiheit, in gedanklicher Unbegrenztheit zu leben.
Gott ist mein Anfangs- und Ausgangspunkt, Gott wirkt, Gott ist die Liebe, in der es kein Getrenntsein, keine Bestimmtheit, keine Determination, gibt. Aber ich glaube du weißt das.
Herzliche Grüße
Deborrah

Klein und Groß

Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!
Psalm 139,17
Schwer, sind deine Gedanken für mich,
schwer zu verstehen,
schwer zu vermitteln,
schwer zu ertragen, manchmal.
Ich bin zu klein, um ihre Größe wirklich zu erfassen.
Ich bin zu schwach, um sie mit ihrem ganzen Gewicht zu transportieren,
Ich bin zu wenig selbstlos, um mich ganz der Summe deiner Gedanken zu unterstellen.

Stummer Schrei

Ich liebe den HERRN, denn er hört die Stimme meines Flehens. 
Psalm 116,1
Der Herr,
er hört meine Stimme, auch wenn sie erstummt ist,
er hört mich, wenn ich verstummt bin,
er hört jeden stummen Schrei, der aus mir dringt.
Liebe ich ihn, weil er mich erhört oder
liebe ich ihn, weil er mich hört.
Liebe ich ihn auch ohne „weil“?

Ende des Konjunktivs

Wenn doch mein Volk mir gehorsam wäre! 
Psalm 81,14
Ja, wenn.
Auch Gott kennt den Konjunktiv
aber auch das Ende des Konjunktivs:
Am Ende wirst du, mein Volk, jubeln,
ich werde jubeln,
und wir werden gemeinsam Jubeln.
So wahr ich euer Gott bin.

Gottes Lied vom Leben und Sterben

Lieber Luther,
oft denken wir, wo Gott ist, muss alles gut sein, insbesondere unser Leben, das Leben der anderen, wo Gott ist, muss Friede sein. Wenn wir uns umschauen, müssen wir erkennen, dass das nicht so ist. Welche Rolle spielt da Gott, in diesem Spiel des Lebens?
Gott lässt uns Mensch sein und steht mit uns das Menschsein durch. Mit Jesus tat er das fleischlich und konkret. Wie das auf einer abstrakteren Ebene geht, erklärt uns Gott im Lied vom Leben und Sterben, Gottes Lied, gesungen durch Mose (5.Mose 32, 1-43).
Es klingt in unseren Ohren zunächst martialisch, nach einem zornigen, rächenden Gott. Wenn wir es uns aber genau ansehen, erkennen wir, dass es das Gegenteil ist, es zeigt uns, wie Gott mit unseren Verfehlungen umgeht: Gott sichert uns seine Treue und sein Erbarmen zu, wie viel Unrecht wir auch tun, wie oft wir uns auch gegen ihn stellen, wie sehr wir auch fehl gehen.
Wenn wir dieses Lied des Lebens und des Sterbens in unsere Sprache übersetzen, erkennen wir, dass es noch genau so aktuell ist wie vor 3400 Jahren. Ich will mich da auch nicht weiter einmischen:
„Horch auf, du Himmel, ich will reden, und die Erde höre die Worte meines Mundes. Wie Regen träufle meine Lehre, wie Tau riesele meine Rede, wie Regenschauer auf frisches Grün und wie Regengüsse auf (welkes) Kraut!“ (2)
Hört und seht, der Fels ist vollkommen und all meine Wege sind recht. Ich bin ein Gott der Treue, egal wie ihr euch mir darbietet. Ihr versündigt euch gegen mich, ihr verweigert mir eure Kindschaft und macht euch damit selbst zum Schandfleck.
Aber ihr seid ein Teil von mir und ich ein Teil von euch. Ihr seid die Nachkommen Jakobs, den ich behütete wie meinen Augapfel und den ich unter meine Fittiche genommen und auf meinen Flügeln getragen habe. Das will ich auch euch, als seine Erben, tun, wenn ihr auf mein Wort hört und mich euren Gott sein lasst.
Aber, ihr seid eine verkehrte und verdrehte Generation, seit vielen Generationen, die auf mein Wort nicht hört. Ihr seid nicht treu, schafft eure eigenen Götter. Ihr werdet daran zu tragen haben – Männer, Frauen, Kinder, Alte, Junge. Und ich, Gott, lasse es zu, ich rette euch nicht vor euch selbst. Ihr werdet ernten, was ihr sät. Ihr werdet die Konsequenzen eures Tuns selbst tragen müssen. Alles Jammern wird euch nicht helfen, auch nicht, dass ihr mich für eure Taten verantwortlich macht, dass ich retten soll, was ihr verbockt habt.
Dennoch verlasse ich euch nicht, denn ich bin ein treuer Gott. Ich werde nicht zulassen, dass das Böse am Ende über das Gute triumphiert und das Böse sich für das Gute ausgibt.
Du, mein Volk, hörst auf keinen Rat, zeigst keine Einsicht, wie trostlos du dir deine Welt auch bereitest, wie groß die Zeichen auch sind, die ich schicke. Ich kann nicht alles gut heißen, was du tust, deshalb tue ich Zeichen, die nur ich tun kann. Seht sie, hört sie, handelt danach.
Ihr habt immer die Wahl, ihnen zu folgen oder nicht. Jeden Tag könnt ihr euch von neuem für mich entscheiden. Wenn ihr meinem Wort und meinen Zeichen nicht folgt, ist es eure Entscheidung, ihr müsst dann aber auch mit den Konsequenzen leben, im Hier und Jetzt, im Leben und im Sterben. Ich kann euch tot lassen, aber auch zum Leben erwecken, ich kann zulassen, dass ihr euch gegenseitig zerschlagt, aber auch heilen. Ihr solltet erkennen und anerkennen, dass nur ich das kann, so wahr ich ewig lebe.
Wenn du weise wärest, mein Volk, würdest du bedenken, dass du mit all deinem Tun einmal konfrontiert wirst. Dann wirst du dein Böses und Gutes erkennen und mit mir gemeinsam ansehen. Das werde ich dir und mir nicht ersparen, aber es reinigt und versöhnt uns miteinander. Und dann, wenn ich sehe, dass ihr erschreckt vor dem Bösen, das Böse loslasst und euch ihm verschließt, werde ich Erbarmen mit euch haben und ihr werdet erkennen, dass ich euer Gott bin und kein anderer Gott neben mir ist.
Dann wirst du, mein Volk, jubeln, dann werde ich jubeln, dann werden wir gemeinsam jubeln.
So wahr ich euer Gott bin.

Mein Volk

Sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein in Treue und Gerechtigkeit. 
Sacharja 8,8
Siehe,
ich will mein Volk retten,
aus dem Land des Aufgangs der Sonne, diejenigen, die leben und
aus dem Land des Untergangs der Sonne, diejenigen, die tot sind.
Alle – ausnahmslos – zählen zu meinem Volk.
Ich will ihr Gott sein, das ist mein väterlicher Wille.
Ich bin treu, auch wenn sie treulos sind,
Ich bin gerecht, auch wenn sie ungerecht sind.
Ich will in ihre Augen schauen und in ihren Augen mich sehen.
Ich will sie heimführen, an dem Tag, den ich für sie bestimme.
Ich freue mich auf den Tag, da sie alle kommen werden.
Ich freue mich auf jeden einzelnen.

Entlastung

Jauchze, du Tochter Zion! Frohlocke, Israel! Freue dich und sei fröhlich von ganzem Herzen, du Tochter Jerusalem! Denn der HERR hat deine Strafe weggenommen. 
Zefanja 3,14-15
Der Herr entlastet.
Die Felsbrocken rollen von meiner Seele
und ich bin wie neu geschaffen.

Worte wie Silber

Die Worte des HERRN sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal.
Psalm 12,7
Die Worte des Herrn.
gewogen,
geprüft,
geklärt,
zu Sätzen geschmiedet,
von Menschenverstand,
kündend von
Wahrheit,
Glaube,
Demut,
Recht,
Gerechtigkeit,
Gnade und
Erlösung.

Stachel im Fleisch

Der HERR liebt Gerechtigkeit und Recht.
Psalm 33,5

Gerechtigkeit und Recht.
Das ist der Stachel im Fleisch unseres Wohlbefindens.
Ahnen wir doch,
wissen wir doch,
wir werden diesem Maßstab niemals gerecht.

Mitleid

Ein Mensch.
Ein Augenblick.
Ein Blick.
Du siehst
seine Verlassenheit,
seine Trauer,
seine Verlorenheit.
Du siehst
und er dauert dich.
Alles Mit-Leiden
fließt aus dir heraus,
umfließt ihn,
schließt ihn ein,
voller Wärme,
voller Zärtlichkeit,
voller Liebe.
Ein Blick,
ein Augenblick voller Erkennen,
der sich in die Seele einbrennt.
Bis in die Ewigkeit.
Gott sieht,
hat Mitleid,
rührt an,
weckt auf.

Rettung

Von dem Herrn kommt es, wenn des Mannes Schritte fest werden. Fällt er, so stürzt er doch nicht, denn der Herr hat ihn fest an der Hand.
Psalm 37, 23.24
Entschlossen gehe ich auf deinem Schotterweg weiter,
wanke ich auch im Sturm,
rutsche ich auch aus auf meinen Hoffnungssplittern,
falle ich auch aus meinen guten Absichten,
versinke ich auch in Trauer und Schmerz,
deine Hand fängt mich auf,
hält mich,
zieht mich heraus,
hin zu dir.

Jakob

Jakob zog seinen Weg. Und es begegneten ihm die Engel Gottes.
1.Mose 32,2

Jakob zog dorthin zurück,
woher er gekommen ist.
Auf dem Weg aus der Heimat haben ihn Engel begleitet,
auf dem in die Heimat haben ihn Engel geleitet.
In die Fremde gehen und zurückkommen,
dorthin, wo Heimat ist.
Die Engel, Gott zeigt den Weg,
laufen wir ihnen einfach nach,
auch wenn es lange dauern kann
bis wir ans Ziel kommen.

Jakob weist den Weg.

Störrisches Volk

Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört.
2.Mose 3,7
Ich habe gesehen,
ich habe gehört,
ich habe gehandelt.
Mein Volk hat mich gesehen,
mein Volk hat mich gehört,
mein Volk hat trotzdem nach
seinem eigenen Willen gehandelt.
Wieso ist es nur so störrisch?

Gefängnislicht

Das Gefängnis, in dem man sitzt, kann ein reales sein, Lebenswelten, Arbeitswelten, aber auch die Gedanken, in denen man gefangen ist. Letzteres ist oft noch einengender als nur räumliche Unfreiheit. Das Sichtbare ist fassbar, das Unsichtbare nicht. Wie kann man auch im Gefängnis frei sein, leben? Kann man das lernen? Bei einem anderen abschauen?

„Wenn man Gefangener ist, weiß man nichts, ist man sich über nichts sicher. Gerade das macht das Gefängnis aus. Man hat das Vertrauen verloren. Es ist mit einem Schlag abgeschnitten. Man findet sich in einer schrecklichen Welt wieder, in der nicht mehr Bestand hat, in der das einzig gültige Gesetz von Menschen gemacht ist. Und plötzlich begreift man, dass von allen Gefahren des Universums der Mensch die schlimmste ist“. Weiterlesen „Gefängnislicht“ →

Himmelsleiter

Lieber Luther,
manchmal steigen wir die Lebensleiter hoch, hin und wieder bricht eine Sprosse und ab geht es nach unten, wenn man Pech hat ungebremst. Auf wundersame Weise erkennen wir dann aber, dass wir gar nicht fallen, sondern nur die Leitern gewechselt haben.
Die Geschichte von Jakob und Esau ist ein Beispiel hierfür (1.Mose 25-28). Jakob und Esau waren Zwillingsbrüder, schon gegeneinander kämpfend im Mutterleib. Esau war der wilde, der Instinkt Geleitete, der Naturmensch. Er kam rötlich behaart zur Welt und behaart blieb er. Jakob war der Folgsame, der Ziel-Gerichtete, ein „glatter“ Mann, dabei war er durchaus auch skrupellos.
Jakob versuchte – mit Erfolg – Esau sein Erstgeburtsrecht abzukaufen, was ihm auch gelang, mit einem einfachen Gericht aus roten Linsen. Esau kam von der Jagd, hatte Hunger und wollte von „dem Roten“, das Jakob gekocht hatte, essen. Jakob hat aber nicht brüderlich geteilt, sondern zur Bedingung gemacht, dass Esau ihm sein Erstgeburtsrecht dafür überlasse. Bei Esau war der Magen näher als der Verstand und so willigte er leichthin ein. Zunächst war das nur ein Handel unter den beiden, der Segen Isaaks, des Vaters, fehlte dazu noch.
Rebekka, deren Lieblingssohn Jakob war, hatte einen Plan, Jakobs Erstgeburtsrecht widerrechtlich zu legalisieren. Jakob zog Esaus Kleider und Fellhandschuhe an, so dass sich seine Hand wie Esaus behaarte rauhe Hand anfühlte. Rebekka kochte Isaaks Lieblingsessen, was diesen einschläfern und die Sache befördern sollte.
Isaaks Lieblingssohn war aber Esau. Er fühlte, dass er bald sterben würde und wollte Esau als seinen Erstgeborenen mit all seinen damit verbundenen Rechten segnen. Er schickte ihn deshalb, ein Wild zu schießen und ihm ein Mahl zuzubereiten, „dass ich esse, damit meine Seele dich segnet“.
Das war das Szenario, als Jakob vor Isaak erscheint. Isaak war blind, aber nicht dumm. Er wundert sich, dass Esau schon wieder so schnell von der Jagd zurück ist. Jakob lügt frech beim Namen Gottes: „Weil der Herr , dein Gott es (das Wild) mir (so schnell) begegnen ließ“. Isaak bleibt misstrauisch und will seinen Sohn betasten. Er erkennt: Deine Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Er traute nicht der Stimme, er traute den Händen und so segnete er ihn und wurde von Jakob getäuscht.
Jakobs und Esaus Schmerz war groß, als sie den Betrug bemerkten, aber der Segen war ausgesprochen und nicht mehr rückgängig zu machen. Jakob war über Esau gesetzt. Es ist nicht verwunderlich, dass Esau Rachegedanken gegen Jakob hegte und dieser fliehen musste.
Ist das deine Gerechtigkeit, o Gott? Du belohnst einen Betrug? Nun ja, Jakob musste in der Folge 20 Jahre seinem Onkel dienen, bevor er sich wieder in die Heimat aufmachen konnte. Gottes Wege sind für uns nicht nachvollziehbar und wir können sie nicht nach unseren (wechselhaften) Moralvorstellungen bewerten, beurteilen oder gar verurteilen. Da würden wir uns über Gott setzen.
Vor diesem Hintergrund bettete sich Jakob auf der Flucht vor Esau im Staub von Haran unter freiem Himmel zur Ruhe, mit einem Felsstück als Kopfkissen, als sich ihm der Himmel auftat.
Eine Himmelsleiter erschien ihm in Traum, Engel die auf der Leiter herunter und hinaufstiegen, Himmel und Erde verbanden. Gott erschien ihm persönlich, um ihm eine Botschaft zu verkünden, die Gottes Programm für alle Zeiten ist (1.Mose 28, 13-15):
Dir und deiner Nachkommenschaft,
werde ich das Land, auf dem du liegst, geben
ihr sollt wie der Staub der Erde werden und
euch in alle Himmelsrichtungen ausbreiten,
In euch sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.
Und siehe, ich bin mit dir, und
ich will dich behüten,
überall, wohin du gehst,
und dich in dieses Land zurückbringen,
denn ich werde dich nicht lassen,
bis ich getan, was ich zu dir geredet habe.
Das ist Gottes Botschaft an uns, stellvertretend, vor 4000 Jahren über Jakob an die Menschheit ergangen und immer noch gültig, tief im kollektiven Gedächtnis der Menschheit vergraben, in unserer Seele eingestaubt. Sie ist gültig für alle Geschlechter, selbst wenn man sie wegwischt wie Staub, als Staub wird sie wieder zu Erde und fruchtbar.
Gott verspricht Jakob: Mein heiliges Land werde ich euch geben, meine heilige Stadt, mein Haus. Menschen so zahllos wie die Staubkörner werden mir nachfolgen, das heißt, am Ende alle Menschen, egal von welchem Volk oder welcher Himmelsrichtung sie kommen. Durch den Segen, den ich auf dich lege, sind auch sie gesegnet. Auch wenn du in unbekanntes Land ziehen musst, dich unterwerfen, dienen, nicht alles nach Plan läuft, ich bin bei dir und werde dich behüten, wohin du auch gehst. Ich werde dich immer in mein Haus zurückbringen. Ich werde dich nicht lassen. Auch, wenn du Böses getan hast und noch Böses tun wirst. Ich bleibe bei dir, bis du in mein Haus zurückgekehrt bist.
Gott hat sich höchst selten in der Bibel direkt einem Menschen gezeigt, in solch unvergleichlicher Klarheit und Direktheit nur Jakob. Deshalb ist das eine der zentralsten Bibelstellen überhaupt. Gott hat seine Botschaft selbst verkündet, in einer weltumspannenden Gewissheit, die nur Gott haben kann.
Der äußere Rahmen zeugt davon und ist der Feierlichkeit des Augenblicks angemessen: die Himmelsleiter, die Himmel und Erde verbindet, die Engel, die auf- und niedersteigen, in stetem Dienste im Auftrag Gottes an den Menschen. Sie ist Teil der Botschaft Gottes:
Siehe, Himmel und Erde ist verbunden, durch viele Sprossen, die man rauf und runter gehen kann. Die Engel kennen diese Leiter und sie nutzen sie, wenn ich sie zu euch schicke. Ihr seid nicht allein, ich oder einer der Meinen ist mit euch, wir sind beständig im Einsatz für euch.
Jakob erkennt das: Hier ist heiliges Land, hier ist Gottes Haus, hier ist die Pforte zum Himmel.
Lieber Luther, ehrfürchtig und andächtig wie Jakob sollten auch wir werden, wenn wir uns vergegenwärtigen, was dort eigentlich geschehen ist und vor allem, welche Botschaft uns Gott dort vermittelt: Ich lasse dich nicht. Auch wenn du fehlst. Jakob selbst ist hierfür ein beredtes Beispiel oder davor schon sein Großvater Abraham. Gott lässt uns nicht fallen, er behütet uns, auch wenn wir in die Irre ziehen.
Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst. Ich habe dieses göttliche Zusage seit ein paar Jahren auf meinem Armaturenbrett im Auto kleben. Wenn ich deprimiert, entmutigt, ratlos bin und mein Blick auf dieses Gotteswort fällt, bin ich augenblicklich getröstet. Es geht eine große Kraft von ihm aus. Wir sollten es uns an die Stirn kleben und in jeden Winkel unseres Herzens, damit wir die Lebensleiter besser hochkommen. Einen Klebestift lege ich bei.
Herzliche Grüße
Deborrah

Tempel

Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel. 
Psalm 48,10
Dein Tempel, o Gott.
Er ist in jedem von uns.
Nur manchmal können wir ihn nicht erkennen,
weil wir blind sind.
Und manchmal wollen wir ihn nicht erkennen,
weil wir fremde Götter anbeten.
Gut ist, dass dein Tempel besteht in Ewigkeit,
so dass in ihm auch Leben ist,
wenn wir wie tot sind.
Du hörst uns auch,
wenn wir nach dir ins Nichts rufen.