Flugangst

Fliege oder falle ich?
Lahmer oder sich aufschwingender Flügel?
Es ist immer eine Frage der Perspektive
und der gegenwärtigen Befindlichkeit.
Klare Sicht und dichte Wolken wechseln sich ab,
Höhenflüge und Luftlöcher,
Gute Aussicht und Flugangst.
Ich fliege nur mit,
muss es nehmen wie es kommt.
Auf Kurs und Flughöhe habe ich keinen Einfluss.
Im Cockpit sitzt ein anderer.

Gottes Weinstock

Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.
Psalm 92,14-15
Die, die der HERR gepflanzt hat in seinen Weinberg,
werden grünen,
werden blühen,
werden reifen,
werden Frucht tragen
werden lebendig bleiben.
Es ist ein bis zur Ewigkeit dauerndes Werden, kein Sein.
Ein langsames Wachsen seines Weinstocks.
Ein geduldiges Warten auf das Reifen seines Weins.

Resignation

Resignation für Anfänger

Suche du nichts. Es gibt nichts zu finden,
Nichts zu ergründen. Finde dich ab.
Kommt ihre Zeit, dann blühen die Linden
Über dem frischgeschaufelten Grab.

Kommt seine Zeit, dann schwindet das Dunkel,
Funkelt das wiedergeborene Licht.
Nichts ist zu Ende. Alles geht weiter.
Und du wirst heiter. Oder auch nicht.

Zwischen Vergehen und Wiederbeginnen
Liegt das Unmögliche. Und es geschieht.
Wie und Warum waren nie zu ersinnen.
Neu klingt dem Neuen das uralte Lied.

Geh nicht zu Grunde, den Sinn zu ergründen.
Suche du nicht. Dann magst du ihn finden.

(in: Mascha Kaléko: Mein Lied geht weiter. Hundert Gedichte)

Vergebung

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! 
Psalm 32,1
Wohl dem,
der seine Vergehen, Missetaten, Ungerechtigkeiten, Bosheiten, Böswilligkeiten, Falschheiten, Hassausbrüche, Verleumdungen, Unterlassungen nicht verschweigt,
sondern sie eingesteht, sich selbst, vor dem anderen und vor Gott.
Über den wird Gott die vergebende Decke
seiner Gnade und Barmherzigkeit breiten.
Aber nur über den,
der aufrichtig bekennt und
ehrlich bereut.

Schneewähen

Das Leben ist
wie ein unwirtlicher Weg durch Eis und Schnee.
Scharfer Wind schneidet dir ins Gesicht.
Schneewähen versperren den Weg.
Ob du willst oder nicht,
du musst hindurch,
wie weit du auch versinkst,
wie viel Kraft es auch kostet,
wie erschöpft du auch bist.
Wenn du es geschafft hast,
ist das Glatteis dahinter eher schon Erholung.
Die Spuren, die du hinterlässt,
sind ein paar Atemzüge später
zugeweht.

Beten

Ich bete zu dir, HERR, zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. 
Psalm 69,14
Ich bete zu dir, o Herr,
ohne Bild und Ton.
Worte finde ich oft keine mehr.
Was sollte ich auch sagen?
Du weißt es sowieso, webst nach deinem eigenen Plan.
Meistens aber unterhalte ich mich mit dir,
das ist nicht beten, beten ist etwas anderes.
Wie sollte ich sonst auch verstehen,
was du von mir willst?

Passionszeit

Lieber Luther,
nur ein kurzer Zwischenruf. Mir fällt auf, dass es für mich nicht verständlich ist, wieso wir in der Zeit vor Ostern fasten. Das ist nicht eingängig.
Wenn ich auf Jesu Wirken in der Vorosterzeit bis zu seinem letzten Atemzug blicke, dann ist das beileibe keine karge Zeit, ganz im Gegenteil.
Sie ist voll des Wortes, der Botschaft und der Zeichen, eine pralle Zeit. Jesus hat versucht, alles, was er von seinem Vater verstanden hat, weiterzuvermitteln, seine Jüngerschar auf eine Zeit nach seinem Erdendasein vorzubereiten.
Diese Fülle strahlt bis zum heutigen Tag aus. Deshalb sind wir in der Vorosterzeit so bewegt, fühlen uns so angesprochen, so aufgewühlt, so betroffen. Das ist keine Zeit des Verzichts oder gar Fastens oder Leidens, wie das Wort „Passionszeit“ vorgibt. „Passion“ erinnert mehr an die Leidenschaft, mit der Jesus versucht hat, das Wort zu vermitteln und den Glauben an den Gottessohn wachsen und sich festigen zu lassen. Es ist eine Zeit des Aufnehmens, des gierigen Essens und Trinkens im gestern diskutierten Sinne, des Auseinandersetzens, des üppigen Wort- und Geist Einfließen-Lassens, der Klärung. Die Speisung der 5000 Menschen betrifft uns, spricht uns an, ist eine Aufforderung an uns mit Jesus das Lebensbrot zu essen, eben nicht zu fasten. Gerade jetzt, in der Vorosterzeit.
Fastenzeit ist von Jesu Tod bis zu seiner Auferstehung oder auch von seiner Auferstehung bis Himmelfahrt. Oder vor Weihnachten. Das sind karge Zeiten, Zeiten des Wartens, der Leere und des Vakuums. Aber nicht die Vorosterzeit. Das geht an dem vorbei, was Jesus in dieser Zeit tat und im Sinn hatte.
Lieber Luther, du magst mir jetzt vielleicht widersprechen wollen. Aber ich halte es mit dir und nehme einfach die Bibel als Referenz, nicht kirchliche Setzungen. Ist das eigentlich noch niemand aufgefallen, dass wir hier wieder einmal völlig schief liegen? Eigentlich müssten wir nicht an Weihnachten feiern, sondern in der Vorosterzeit, wir müssten die Wortgeschenke feiern, die Jesus uns in der Zeit schenkt.
Die Passionszeit bekommt in der Betrachtungsweise eine ganz andere Botschaft, nicht Leidenszeit, sondern leidenschaftliche Zeit, leidenschaftliche Glaubenszeit. Das hallt, klingt und singt in mir.
Herzliche Grüße
Deborrah

Mondnacht

Es war, als hätt´ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blüten-Schimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus.
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff

Alles hat seine Zeit. Diese Zeit ist nicht an unsere Tageszeiten gebunden.

Ich bin das Brot

Lieber Luther,
Ostern kommt näher und wir werden mehr und mehr erfasst, betroffen gemacht vom vorösterlichen Geschehen. Es zieht uns hinein in das Leiden Jesu, lässt uns mit ihm in den Abgrund schauen.
Johannes 6 ist Jesu Testament, der verzweifelte Versuch, den nicht verstehenden Jüngern, seinem Volk endlich begreiflich zu machen, um was es geht. Er weiß, er hat nicht mehr viel Zeit. So greift er zu einem Bild, das jeder kennt: Brot.
Ich bin das Brot, so seine Botschaft. Und damit es offensichtlich wird, sättigt er mit 5 Broten und 2 Fischen fünftausend Menschen: Es ist nicht das zu Brot gebackene Korn, das sättigt, sondern ich bin es, so seine Botschaft. Diese große Geste müsste eigentlich zum Beweis genügen, so hofft er.
Jesus erkennt: Ihr sucht mich nicht deshalb, weil ich euch zum Zeichen gespeist habe, sondern weil eure Mägen von dem Brot satt geworden sind. Wie können wir uns solche sättigende Speise verschaffen, fragen sie und denken an ihre hungrigen Mägen von morgen. Ganz einfach, antwortet Jesus, indem ihr an den glaubt, den Gott euch zum Zeichen geschickt hat, an mich. Ich bin das Brot, das der Welt Leben gibt.
Wenn das so ist, meinen sie, dann gib uns von dem Brot. Jesus bleibt hartnäckig: Ich bin das Brot des Lebens. Wer mir nachfolgt, den wird nicht hungern, wer an mich glaubt, den wird nie mehr dürsten.
Die Antwort ist also: Mensch, du musst mir nachfolgen, du musst an mich glauben, dann wird dein Hunger auf ewig gesättigt und dein Durst auf ewig gestillt. Leider glaubt ihr aber nicht, trotz aller Zeichen, die ich für euch bewirkt habe, ihr denkt, ein Sohn von Menschen kann so etwas nicht.
Beschwörend redet Jesus deshalb auf die Zweifler ein: Ich bin es nicht, ich bin nur der Vermittler. Es ist nicht mein Wille, der etwas bewirkt, es ist Gottes Wille. Gottes Wille bewirkt, dass ich nichts verliere von allem, was mir gegeben ist. Gottes Wille ist es, dass, wer mich sieht und an mich glaubt, das ewige Leben hat. Wen Gott mir gegeben hat und wer an mich glaubt, den werde ich auferwecken aus seinem Schlaf. Denn: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass „ihn ziehe der Vater“. Niemand vermag es aus eigener Kraft, auch ich nicht, Jesus, der Gottessohn. Indem ihr an mich glaubt, erfüllt ihr Gottes Willen.
Der Glaube an mich, den von Gott Gesandten, ist deshalb das lebendige Brot, das ihr essen sollt, das Wort, die Botschaft, die ich euch bringe. Nur durch mich werdet ihr das ewige Leben haben. „Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt“. Das finden die Menschen bis heute anstößig, seltsam, gruselig. Aber Jesus setzt noch eins drauf: „Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch.“ Nur, wenn ihr mein Fleisch esst und mein Blut trinkt, bleibt ihr in mir und ich in euch.
Jesu Fleisch essen und sein Blut trinken? Manch einer wendet sich – damals wie heute – mit Grausen ab und denkt, was ist das denn? Ich bin doch kein Kannibale. Jedoch: Mensch denkt rein physisch, wird aber von Jesus belehrt: „Der Geist ist’s, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich rede, die sind Geist und sind Leben“.
Wollt auch ihr weggehen, angesichts dieser Botschaft, fragt uns Jesus? „Es sind etliche unter euch, die glauben nicht“, deshalb „habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben.“
Jesu Fleisch und Blut, für uns gegeben, sein Abendmahl mit uns. Ob wir es mit ihm feiern wollen oder nicht, ob wir ihm nachfolgen oder nicht, ob wir glauben oder nicht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“. Immer wieder Abendmahl. Es führt kein Weg vorbei. Es ist das Vermächtnis Jesu. Jedes Mal ein Vergegenwärtigung Jesu, jedes Mal eine Erinnerung: Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin deshalb gestorben. Nehmt es doch an.
Lieber Luther, ich glaube, darin sind wir uns im Prinzip einig. Der Herr gebe uns, dass wir dieses Erbe, wenn es uns gegeben wird, immer mit Demut, Dankbarkeit und in dem Bewusstsein der Gegenwart Christi, des Erlösers, in gerade diesem Augenblick leben.
Herzliche Grüße
Deborrah

Triebwerk

Wenn du nach Luft schnappst und
mit Sorge auf das blickst, was kommt,
du um das Überleben ringst, dich fragst:
Wo ist der Atem, der dir Freiheit verschafft?
Dann ist es höchste Zeit für einen Stopp,
Zeit für eine Atempause.

Erkannt, Abhilfemaßnahme identifiziert,
auf den Weg gemacht.

Jedoch ist es, wie so oft mit dir, o Gott.
Du haust mir eine Vollbremsung rein.
Meine Regie ist nicht deine.
Unmissverständlich hebst du dein Stoppschild,
lenkst mich auf eine andere Bahn,
leitest mich zurück auf einen Weg,
von dem ich geglaubt habe,
er sei zu Ende.

Ich folge folgsam deiner Regieanweisung.
Wohin es führt?
Ich weiß es nicht.
Ich habe nur das Vertrauen in dich.
Du wirst es wissen.
Du bist das Triebwerk,
das mich antreibt.

Gerechtigkeit

Der HERR ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb. 
Psalm 11,7
Das meint nicht Gerechtigkeit nach unserem Maß.
Es meint Gerechtigkeit nach Gottes Recht und Gesetz,
so wie er es in unser Lebensbuch geschrieben hat,
jedem einzelnen gesetzt hat.
Er hat Gerechtigkeit lieb,
Er liebt es, wenn wir sein in uns gesetztes Wort tun,
dann sind wir in seinem Recht
und nach ihm gerecht.
Gerecht nach dem von ihm gegebenen Recht.

Stimmen

Als ich in Angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott; da hörte er meine Stimme.
Psalm 18,7

Irgendwann hört er unsere Stimme und neigt sein Ohr uns zu.
Irgendwann verstummt unser inneres Stimmengewirr,
so dass wir seine Stimme hören.
Irgendwann stimmen wir beide uns aufeinander ein,
so dass wir zu einem göttlichen Gleichklang werden.

Wer bin ich?

Dein, HERR, ist die Majestät und Gewalt, Herrlichkeit, Sieg und Hoheit. Denn alles, was im Himmel und auf Erden ist, das ist dein. 
1.Chronik 29,11
Denn:
Wer bin ich?
Was sind wir Menschen?
Wie könnten wir freigiebig sein, ohne deine Großzügigkeit?
Wie könnten wir lieben, ohne dass du die Liebe in unser Herz gibst?
Wie könnten wir dich erkennen, ohne dass du es willst?
Ohne dich bin ich nichts,
mit dir bin ich alles.

Gottes Hand

Ich sagte zu dem Engel, der an der Pforte zum Morgen stand:
Gib mir ein Licht,
damit ich sicheren Fußes
in die Ungewissheit gehen kann!
Er antwortete:
Geh nur in die Dunkelheit und
lege deine Hand in Gottes Hand.
Das ist besser als ein Licht und
sicherer als ein bekannter Weg.
(nach einer chinesischen Überlieferung)

63a0f-gotteshand

Abgewogen

Lasst euer großes Rühmen und Trotzen; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 
1.Samuel 2,3
Deine Taten werden gewogen.
Mit welcher Konsequenz?
Bevor wir erlöst werden,
stellt Gott uns auf eine Waage.
Je nachdem, wie viel Dreck wir am Stecken haben,
schickt er uns durch ein Reinigungsbad.
Der Reinigungsstrahl kann weich und sanft sein,
aber auch hart und schmerzend.
Jeder, den Gott kennt, wird reingewaschen.
Jeder, der Gott sucht, wird erkannt.
Jeder, der von Gott kommt, kehrt geläutert zu ihm zurück.

Gemütssache

Das wirkliche Haben Gottes liegt nicht im möglichst häufigen an Gott Denken,
sondern in einem inwendigen Streben zu Gott hin.

„Denn je entblößter und lediger das Gemüt Gott zuneigt
und von ihm dann gehalten wird,
desto tiefer wird der Mensch in Gott hineingepflanzt,
umso empfänglicher wird er für die wertvollen Gaben Gottes.

Denn allein auf Gott soll der Mensch bauen.“

(Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele)

Wunderbar

Ich will auch fernerhin mit diesem Volke wunderbar verfahren, wunderbar und wundersam, und die Weisheit seiner Weisen wird zunichte werden.
Jesaja 29,14

Und hört:
Weil ihr mir nur oberflächlich nachfolgt,
aber euer Herz vor mir verschließt,
und ihr mich – wenn überhaupt – nur fürchtet,
weil ihr das so gelernt habt,
aber die Furcht nicht in euch fühlt,
seid ihr blind und taub.

Es wird aber der Tag kommen,
an dem der Wunderbar
die Tauben die Worte des Buches hören und
die Augen der Blinden aus der Finsternis heraus sehen lässt.
Wunderbar wundersamer Wunderbar.

Nebel fragen

Ihr Nebel, was bringt ihr?
Kündet ihr vom Frühling
oder vom Herbst meiner Tage?
Nahezu undurchdringlich steht ihr vor mir
und doch seltsam leicht, nicht zu fassen.
Ein Versuch, mir den klaren Blick, zu nehmen oder
mich gnädig vor dem klaren Blick zu bewahren,
was auf das Gleiche hinauslaufen kann?
Meine Seele eingehüllt in tränennasses Grau,
die Außenwelt ein Spiegelbild meiner Innenwelt?
Oder alles nur Gaukelei,
meine Sinne vernebelt?

 

Kein Wunschkonzert

Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!
Psalm 44,27
Ja, mache dich auf.
Hilf mir.
Erlöse mich,
in deiner Barmherzigkeit.
Aber:
Auch wenn ich es gern hätte,
es ist kein Wunschkonzert.
Meine Zeit ist nicht eure Zeit,
mein Weg ist nicht euer Weg,
mein Wille ist nicht euer Wille.
Ich bin der Herr, dein Gott.