achtet nicht auf das Vorige!
Denn siehe, ich will ein Neues machen;
Jetzt soll es aufwachsen, und
Ihr werdet’s erfahren,
dass ich Weg in der Wüste mache und
Wasserströme in der Einöde.
Ob im Eis des Winters,
ob in der Flut der Wasser,
ob in der Trockenheit der Steinwüste,
ob in der Finsternis der Polarnacht,
Mensch, lass dich nicht irritieren,
schau auf die Lichtmarken,
die dich den Weg nicht verlieren lassen,
die dich bei jedem Wetter leiten,
wie eisig, unter Wasser, trocken oder dunkel
dein Land auch ist.
Ewige Wahrheit.
Ewige Weisheit.
Ewige Dankbarkeit.
Lobgesang aller Psalmen.
Die zwei Männer kamen auf mich zu. Vater und Sohn, Bruder und Patensohn. Seite an Seite. Es sind die Augenblicke, in denen man wahrnimmt, was man nicht sieht, was nicht in Worte passt. Ich habe bei ihnen Freude gesehen, einträchtige, frohe Freude. Freude, die gar nicht passen wollte zu dem Unglück vor gut 2 Wochen. Mein Bruder sah mich an, als sehe er mich zum ersten Mal. Du siehst gar nicht aus, wie ein Patient, meinte ich, als wir uns die Hände reichten. Ich sehe wieder. Die letzten zwei Tage sind seine verätzten Augen auf wundersame Weise geheilt, nicht 100%, aber so, dass er wieder sehen, erkennen, lesen kann. Den Ärzten ist das ein Rätsel.
Ich bin nur dankbar. Hier sind die Wunder, von denen manche meinen, sie gebe es nicht. Jesus macht Blinde sehend, auch heute noch. Wo seine Gnade hinfällt, ist Segen. HERR Gott, du hast meine Gebete erhört. Ich lege mich zu deinen Füßen und weine vor Dankbarkeit.
So feiern wir heute Hochzeit, der wir mit gemischten Gefühlen entgegensahen, mit doppelter Freude.
Rosen mit Dornen
Ich bin krankgeschrieben,
ich hatte einen Unfall,
einen schweren Unfall.
Mir stockt das Herz.
Zwei Sekunden,
und das Leben ist verändert.
Du bist nicht mehr der,
der du warst.
Wo Licht ist,
ist Dunkelheit,
wo Farben waren,
nur noch grau.
Wo ist der Plan B,
habe ich fast flehentlich gefragt,
vor 5 Monaten, als unser Vater starb.
Ihr braucht einen Plan B.
Wieso weiß ich immer im Voraus,
von dem Unglück, das kommt?
Wem hilft es? Mich quält es.
Verhindern kann ich nichts.
Ich kann von ihm lernen.
Was nützt es,
rückwärts zu weinen,
hat er zu mir, fast tadelnd, gesagt,
als der Schmerz mich überwältigen wollte.
Vielleicht bekommen sie es auch wieder hin.
Wenn alles gut geht.
Wie stark ist er.
Er hat es mir selber gesagt,
nicht ausrichten lassen,
ist selbst seinen Mann gestanden,
mitten in seinem Unglück.
Mit einer unfassbaren Gelassenheit.
Von Tempo 200 auf 0.
Wer mit und in der Natur arbeitet,
ist dem Leben nahe,
kennt Unglück,
kennt Krankheit,
kennt Sterben,
lebt mit dem Wetter,
so wie es ist.
Jeden Tag.
Demütig.
Er tut, was getan werden muss,
verliert keine Zeit mit Selbstmitleid und Trauer,
regelt die Dinge, unverzüglich,
behält ohne klaren Blick den Überblick.
Und wenn ich nachdenke,
sehe ich, dass alles vorgezeichnet war.
Die Hilfe kommt vom HERRN.
Sie war schon am Keimen,
das Saatkorn gelegt.
So ist es gut, wie es ist,
du Gott, hast vorgesorgt.
Ich sehe deine schützende Hand.
Bei DIR sind wir sicher,
du birgst uns unter deinen Flügeln,
und lässt uns nicht versinken
im Dunkel der Not.
Erschöpft sank Maria zusammen.
Es ist vorbei.
Es ist vollbracht.
Schneller als gedacht.
Sie hatte mitgelitten.
Jeden Schlag,
jede Schmähung,
jede Demütigung.
Gott hatte ein Einsehen.
Ihr Kopf hob sich.
Ihr Blick umfasste zärtlich seine Gestalt,
leblos der Körper,
der Kopf auf die Brust gesunken.
Gottseidank, dachte sie.
Er hat es würdevoll getragen.
Jetzt war er nur noch leere Hülle.
Ein Lächeln huschte über ihr müdes Gesicht.
Was würde er sagen, wenn er sie so sitzen sähe?
Frau, was weinst du?
Freust du dich nicht mit mir, dass ich beim Vater bin?
Ein Wind erfasste sie.
Sie hob den Blick,
reckte die Arme gen Himmel,
in ihrer Seele jubelte es:
Gott, ich preise dich.
Unbenennbare Fülle umfasste sie.
Es war ihr leicht,
gar nicht mehr traurig.
Es ist vollbracht.
Alles gut.
Sie erhob sich.
Sie wusste,
sie hatte eine Aufgabe.
Lieber Herr Jesu,
Was willst du von mir?
Was sagst du mir?
Wie soll ich dich verstehen?
Dein Wort in mein Auge.
Dein Wort in mein Ohr.
Dein Wort in mein Herz.
Dein Wort sagst du mir.
Dein Wort zeigst du mir.
Dein Wort erklärst du mir.
Dein Wort ist der Weg.
Dein Wort ist der Maßstab.
Dein Wort ist die Wahrheit.
Dein Wort will ich halten.
Dein Wort will ich verkünden.
Dein Wort will ich preisen.
Dein Wort schützt mich,
Dein Wort leitet mich.
Dein Wort klärt mich.
Preis,
Lob und Dank
für dein Wort.
(nach Psalm 119)
Herr Gott,
Ostermorgen?
Wir beginnen gerade die Fastenzeit
Und doch sind meine Gedanken schon beim Ostermorgen.
Schon jetzt vermisse ich die Glocken,
dein Halleluja.
Ich habe Angst,
so alleine mit dir,
so alleine vor dir,
Wie kann ich das tragen,
wie kann ich das fassen?
Wie begegne ich dir?
40 Tage dahin.
40 Tage innere Vorbereitung.
40 Tage wie ein Tag.
HERR, sei bei mir,
HERR, sei mit mir,
HERR, ohne Gedanken mein Tag.
Das Eis brüchig,
der Eimer geleert,
der Krug zerbrochen,
der Schlüssel unter der Matte,
nichts zu ergründen,
finde dich ab.
Alles gegeben,
nichts behalten,
es dauert Jahre,
der Weg zu mir zurück.
Franz von Sales: Lege den Schlüssel unter die Matte
Mascha Kaléko: Resignation für Anfänger
Hilde Domin: Leere den Eimer

Hilde Domin
Nimm den Eimer
trage dich hin
Wisse du trägst dich
zu Dürstenden
Wisse du bist nicht das Wasser
du trägst nur den Eimer
Tränke sie dennoch
Dann trage den Eimer
voll mit dir
zu dir zurück
Der Gang
hin und her
dauert ein Jahrzehnt
(Du kannst es fünf- oder sechsmal tun
vom zwanzigsten Lebensjahr an gerechnet)
in: Hilde Domin: Sämtliche Gedichte, 4.Aufl 2010, S.259
Like a balloon
my soul strives
towards open heavens.
Like a balloon
whose cord
wrenches from life’s thicket.
Like a balloon
which knows the direction
straining at the restricting leash.
Like a balloon, o soul, ascend;
escape from the fetters
which narrow your throat.
Like a balloon, move, my soul,
to freedom.
Fly, my soul. fly.
Like a balloon,
disappear in the open heaven.
Beyond things.
Wie ein Luftballon
strebt meine Seele
dem offenen Himmel entgegen.
Wie ein Luftballon,
dessen Schnur sich
dem Lebensgestrüpp entwindet.
Wie ein Luftballon,
der die Richtung kennt,
zerrt sie an der zurückhaltenden Leine.
Wie ein Luftballon, o Seele, steige,
mach dich los von den Fesseln,
die dir den Hals verengen.
Wie ein Luftballon,
zieh, meine Seele, die Freiheit hinauf.
Flieg, Seele, flieg.
Wie ein Luftballon
entschwinde im offenen Himmel.
Über den Dingen.
