Gottes Weinstock

Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.
Psalm 92,14-15
Die, die der HERR gepflanzt hat in seinen Weinberg,
werden grünen,
werden blühen,
werden reifen,
werden Frucht tragen
werden lebendig bleiben.
Es ist ein bis zur Ewigkeit dauerndes Werden, kein Sein.
Ein langsames Wachsen seines Weinstocks.
Ein geduldiges Warten auf das Reifen seines Weins.

Vergebung

Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! 
Psalm 32,1
Wohl dem,
der seine Vergehen, Missetaten, Ungerechtigkeiten, Bosheiten, Böswilligkeiten, Falschheiten, Hassausbrüche, Verleumdungen, Unterlassungen nicht verschweigt,
sondern sie eingesteht, sich selbst, vor dem anderen und vor Gott.
Über den wird Gott die vergebende Decke
seiner Gnade und Barmherzigkeit breiten.
Aber nur über den,
der aufrichtig bekennt und
ehrlich bereut.

Beten

Ich bete zu dir, HERR, zur Zeit der Gnade; Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe. 
Psalm 69,14
Ich bete zu dir, o Herr,
ohne Bild und Ton.
Worte finde ich oft keine mehr.
Was sollte ich auch sagen?
Du weißt es sowieso, webst nach deinem eigenen Plan.
Meistens aber unterhalte ich mich mit dir,
das ist nicht beten, beten ist etwas anderes.
Wie sollte ich sonst auch verstehen,
was du von mir willst?

Triebwerk

Wenn du nach Luft schnappst und
mit Sorge auf das blickst, was kommt,
du um das Überleben ringst, dich fragst:
Wo ist der Atem, der dir Freiheit verschafft?
Dann ist es höchste Zeit für einen Stopp,
Zeit für eine Atempause.

Erkannt, Abhilfemaßnahme identifiziert,
auf den Weg gemacht.

Jedoch ist es, wie so oft mit dir, o Gott.
Du haust mir eine Vollbremsung rein.
Meine Regie ist nicht deine.
Unmissverständlich hebst du dein Stoppschild,
lenkst mich auf eine andere Bahn,
leitest mich zurück auf einen Weg,
von dem ich geglaubt habe,
er sei zu Ende.

Ich folge folgsam deiner Regieanweisung.
Wohin es führt?
Ich weiß es nicht.
Ich habe nur das Vertrauen in dich.
Du wirst es wissen.
Du bist das Triebwerk,
das mich antreibt.

Gerechtigkeit

Der HERR ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb. 
Psalm 11,7
Das meint nicht Gerechtigkeit nach unserem Maß.
Es meint Gerechtigkeit nach Gottes Recht und Gesetz,
so wie er es in unser Lebensbuch geschrieben hat,
jedem einzelnen gesetzt hat.
Er hat Gerechtigkeit lieb,
Er liebt es, wenn wir sein in uns gesetztes Wort tun,
dann sind wir in seinem Recht
und nach ihm gerecht.
Gerecht nach dem von ihm gegebenen Recht.

Stimmen

Als ich in Angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott; da hörte er meine Stimme.
Psalm 18,7

Irgendwann hört er unsere Stimme und neigt sein Ohr uns zu.
Irgendwann verstummt unser inneres Stimmengewirr,
so dass wir seine Stimme hören.
Irgendwann stimmen wir beide uns aufeinander ein,
so dass wir zu einem göttlichen Gleichklang werden.

Abgewogen

Lasst euer großes Rühmen und Trotzen; denn der HERR ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen. 
1.Samuel 2,3
Deine Taten werden gewogen.
Mit welcher Konsequenz?
Bevor wir erlöst werden,
stellt Gott uns auf eine Waage.
Je nachdem, wie viel Dreck wir am Stecken haben,
schickt er uns durch ein Reinigungsbad.
Der Reinigungsstrahl kann weich und sanft sein,
aber auch hart und schmerzend.
Jeder, den Gott kennt, wird reingewaschen.
Jeder, der Gott sucht, wird erkannt.
Jeder, der von Gott kommt, kehrt geläutert zu ihm zurück.

Gemütssache

Das wirkliche Haben Gottes liegt nicht im möglichst häufigen an Gott Denken,
sondern in einem inwendigen Streben zu Gott hin.

„Denn je entblößter und lediger das Gemüt Gott zuneigt
und von ihm dann gehalten wird,
desto tiefer wird der Mensch in Gott hineingepflanzt,
umso empfänglicher wird er für die wertvollen Gaben Gottes.

Denn allein auf Gott soll der Mensch bauen.“

(Meister Eckhart, Vom Adel der menschlichen Seele)

Wunderbar

Ich will auch fernerhin mit diesem Volke wunderbar verfahren, wunderbar und wundersam, und die Weisheit seiner Weisen wird zunichte werden.
Jesaja 29,14

Und hört:
Weil ihr mir nur oberflächlich nachfolgt,
aber euer Herz vor mir verschließt,
und ihr mich – wenn überhaupt – nur fürchtet,
weil ihr das so gelernt habt,
aber die Furcht nicht in euch fühlt,
seid ihr blind und taub.

Es wird aber der Tag kommen,
an dem der Wunderbar
die Tauben die Worte des Buches hören und
die Augen der Blinden aus der Finsternis heraus sehen lässt.
Wunderbar wundersamer Wunderbar.

Kein Wunschkonzert

Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!
Psalm 44,27
Ja, mache dich auf.
Hilf mir.
Erlöse mich,
in deiner Barmherzigkeit.
Aber:
Auch wenn ich es gern hätte,
es ist kein Wunschkonzert.
Meine Zeit ist nicht eure Zeit,
mein Weg ist nicht euer Weg,
mein Wille ist nicht euer Wille.
Ich bin der Herr, dein Gott.

Pharisäer und Schriftgelehrte

Lieber Luther,

Ich befürchte, mit meinem Brief heute setze ich mich bei Dir in die Nesseln. Aber Du kennst das ja von mir, was raus muss, muss raus.

Die Tageslosung von heute heißt:

Zu einem Volk, das meinen Namen nicht anrief, sagte ich: Hier bin ich, hier bin ich! (Jes 65,1)

Jesus geht zu den Heiden. Er ist bei denjenigen, bei denen es nicht offensichtlich ist, dass sie glauben, bei denen es man auf den ersten Blick nicht erwartet. Sein Verhältnis zum Kirchenestablishment, zu denen, von denen man per se annimmt, dass sie diejenigen sind, die Gottes Wort am ehesten verstehen und autorisiert sind, es auszulegen und zu verbreiten, war mehr als gespalten.

Im sechsfachen Weheruf gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten (Lk 11, 37-54) schleudert er ihnen entgegen:

Ihr Pharisäer haltet die Becher und Schüsseln auswendig reinlich, aber euer Inwendiges ist voll Raubes und Bosheit. Ihr Narren, meint ihr, dass es inwendig rein sei, wenn’s auswendig rein ist? Doch gebt Almosen von dem, was da ist, siehe, so ist’s euch alles rein.

Weh euch Pharisäern, dass ihr verzehnfacht die Minze und Raute und allerlei Kohl, und geht vorbei an dem Gericht und an der Liebe Gottes! Dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
Weh euch Pharisäern, dass ihr gerne obenan sitzt in den Schulen und wollt gegrüßt sein auf dem Markt.
Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr seid wie die verdeckten Totengräber, darüber die Leute laufen, und kennen sie nicht!
Weh euch Schriftgelehrten! denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen Lasten, und ihr rührt sie nicht mit einem Finger an.
Weh euch! denn ihr baut der Propheten Gräber; eure Väter aber haben sie getötet. So bezeugt ihr und willigt in eurer Väter Werke; denn sie töteten sie, so baut ihr ihre Gräber.
Weh euch Schriftgelehrten! denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr kommt nicht hinein und wehret denen, die hinein wollen.

Als er das zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, ihn hart zu bedrängen und ihm mit mancherlei Fragen zuzusetzen, und lauerten ihm auf und suchten, ob sie etwas aus seinem Munde erjagen könnten, das sie gegen ihn verwenden konnten.

Ja, das ist Jesus, der so spricht. Welch ein Abrechnung mit der herrschenden Klasse der Kirchenmänner. Das konnten sie nicht auf sich sitzen lassen. Das war das wahre Todesurteil für Jesus. Die anderen Beteiligten waren Randfiguren in dem Spiel, das gespielt wurde.

Zusammengefasst:
Wehe, die ihr Dienst tut in meinem Namen
ohne wahre Nächstenliebe,
von persönlicher Bequemlichkeit, Eitelkeit und Sucht nach Anerkennung getrieben und
die Unbequemen ausgrenzt und in der Versenkung verschwinden lasst,
die ihr Totengräber der wahren Kirche und des Glaubens seid.

Lieber Luther, ich glaube, das kommt Dir bekannt vor, auch wenn Du einer von Ihnen bist, die hier gemeint sind. Mir kommt das auch bekannt vor. Das macht die Testamente aus: Sie sind immer aktuell.

Jesus hat sich scharf von der theologischen Kaste abgegrenzt und Menschen außerhalb des theologisch-kirchlichen Establishments gefischt, „Heiden“. Er hat seine Kirche außerhalb jeglicher Organisation und jenseits von Gesetz und herrschender Ordnung gelebt. Er war ein unbequemer Querdenker, der die theologischen Rollenträger herausforderte und provozierte.

Ist er uns darin ein Vorbild mit vielerlei Konsequenzen, wenn man es ernst nimmt? Was heißt das für das, was man im kirchlichen Sprachgebrauch Sakramente nennt? Braucht es dazu organisierte Kirche, theologische Rollenträger? Was unterscheidet sie im Glauben vor Gott von mir? Vor Gott sind wir doch alle gleich nackt.

Das ist nicht einfach zu beantworten. Darüber, lieber Luther, und die Konsequenzen, muss ich – wahrscheinlich noch lange – nachdenken.

Herzliche Grüße
Deborrah

Zungenschwert

Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. 
Psalm 57,2
Mitten unter Löwen ist meine Seele,
unter Flammensprühenden,
unter Menschenkindern,
deren Mund Gift versprüht,
und deren Zunge ein scharfes Schwert ist.
.
Deshalb flüchte ich in deinen Schatten.
Deshalb verberge ich mich bei dir.
Du bist meine Zuflucht.

Augapfel

Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel.
5.Mose 32,10
Wie der Adler über seinem Nest wacht,
über seinen Jungen schwebt,
seine Flügel ausbreitet,
sie aufnimmt,
sie trägt auf seinen Schwingen;
So sorgt Gott für mich.
Ob er das tut, und
Was er tut,
liegt in seinem Willen,
nicht in meinem.

Engel – eine unpopuläre Betrachtung

Was sind Engel?

Um Engel machen wir gerne viel Wind und viel Geheimnis. Es gibt unzählige Literatur, Erzählungen, Internetseiten zu dem Thema. Ja, es gibt eine ganze Engelindustrie, die mit der Hype um Engel gute Geschäfte macht.

Auch ich habe einige sehr schöne Bücher, Bildbände und einige Engelfiguren. Wenn ich Karten schreibe, benutze ich bevorzugt Engelkarten.

Auch ich kenne Engel. Würde man mich fragen, wie sehen sie aus, würde ich antworten: Ich kenne zwei: Gabriel ist gelb, Raphael ist blau, beide afigürlich. Sie sind einem aufgeschweist und wie ein Korsett im Rücken – der eine oder der andere, je nachdem, wen ich brauche.

Jedoch: Engel sind Engel – Gott ist Gott: Wähle ich doch lieber den direkten Kontakt.

Dagegen stehen Engel wie Nichtse. Traumbilder, Traumwelten, Traumwünsche, in die wir uns gerne selbst hineinträumen, hineinflüchten und verrennen.

Ja, sie kommen vor. Aber sie sind nichts als Sendboten Gottes, die in verschiedenster Form – bevorzugt als Mensch im Gegenüber – in Erscheinung treten. Ganz unspektakulär und unscheinbar. Ganz so, dass wir sie zu langweilig finden, um ihnen überhaupt Aufmerksamkeit zu schenken.

Es gibt keine Denk- oder Handlungsweise der Engel. Engel sind keine Personen wie wir. Was sie vermögen, vermögen sie aus verliehener Kraft – nicht weniger und nicht mehr. Aus eigener Kraft vermögen sie nichts. Sie haben weder ein Empfinden, noch einen eigenen Charakter oder Fähigkeiten, noch nicht mal eine spezielle Form. Aus sich heraus vermögen sie rein gar nichts.

Engel, die einem erscheinen, offenbaren sich in der Weise, wie sie von demjenigen, für den sie bestimmt sind, erfasst werden können. Weder Form noch Art und Weise ist vorhersehbar noch zu vereinheitlichen. Engelsysteme sind deshalb Humbug, menschliche Verstandesgeburten. Die Namen der Engel sind nur Bilder für ihre Erscheinung an sich, aber nicht für das Wie im Einzelfall.

Engel sind hilfreich, Hilfsboten, Hilfskonstrukte Gottes, Sendboten, seine Dienstboten, sofern man sie personalisieren will. Gottes Angesicht können wir nicht ertragen, Engel wohl. Sie sind Botschaftsträger, auf das jeweilige Begreifen zugeschnitten.

Ist eine solche Betrachtungsweise desillusionierend? Nein, ganz im Gegenteil. Sie gibt den Engeln den Rang, der ihnen zugewiesen ist und macht sie nicht selbst zu (falschen) Göttern. Der von Gott geläuterte Mensch steht als sein Ebenbild über jedem Engel.

Der Blutegel hat zwei Töchter: gib her! gib her! ( Sprüche 30,15 )

Demut

Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.
Sprüche 3,34

Demut – welch ein scheinbar unmodernes Wort.
Was heißt es?
Sich zu lassen,
sich Gott zu überlassen,
anzuerkennen, dass ich,
was ich bin,
nur durch ihn bin.
Es braucht Mut zur Demut.

Hochzeit von Kanaan

Lieber Luther,

manche Dinge gehen mir zu langsam, manche zu schnell. Heute ist schon der letzte Sonntag nach Epiphanias. So weit bin ich noch lange nicht. Ich bin gerade mal bei der Hochzeit von Kana angelangt. Das ist ja eine wichtige Bibelstelle, das erste „Wunder“.

Beim Kirchgang heute ist mir hierzu ein Licht aufgegangen, Weiterlesen „Hochzeit von Kanaan“ →

Recht

Suchet den HERRN, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut!
Zefanja 2,3

Gottes Gesetz, Gottes Recht, Gottes Gerechtigkeit, erst gestern habe ich darüber nachgedacht.

Anscheinend ist das gerade dran.
Damit es uns nicht zu wohl wird.
Dein Knecht lasse sich durch deine Gebote warnen.
Es ist der Herr, der tut, was ihm gefällt,
der mich nach seinem Maßstab mißt.

Recht suchen, bis ich wahrhaftig und gerecht bin.
Es schaue jeder auf sich selbst und erschrecke.
Uns selber sehend,
können wir nichts als demütig sein.

Einsammeln der eigenen Bos- und Bösheit,
Sie hinhalten vor Gott und bitten,
dass er einen Wind kommen lasse,
der all meine Schlechtigkeit hinwegbläst.

Sonst trifft uns Gottes Zorn
und Gottes Furcht.

Es wird einen Grund haben, wieso das gerade dran ist.

Jesus öffnet den Jüngern das Verständnis

Jesus öffnete den Jüngern das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden.
Lukas 24,45

Wenn man den Vers im Zusammenhang liest, ist es eine Zusammenfassung der Geschichte Jesu mit seinen Jüngern und folglich mit uns.

Er erscheint, sie glauben es nicht. Er greift zu einer bildlichen Maßnahme, um ihnen verständlich zu machen, was vorgeht: Weiterlesen „Jesus öffnet den Jüngern das Verständnis“ →

Zwischenruf

Der Lehrtext zur Tageslosung heute lautet:

Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.
(Jakobus 1,22)

Der Tag birgt noch Möglichkeiten.
Wenn jeder eine ergreift, ist schon viel getan.

Täter des Wortes

Wie Sterntaler

Ich kenne einen Weihnachtsort, der ist etwas ganz besonderes.
Man findet ihn vielleicht nicht auf Anhieb, aber
wenn man ihn gefunden hat,
tut sich der Himmel auf,
in silbernen und goldenen Fontänen
regnet es Sterne herab,
bedecken die Welt und
bedecken mich.
Wie Engelshaare.
Wie Sterntaler.
Machen mich zu einem
Segenstaler.

Ein wahres Weihnachtsmärchen.

Segenstaler