Am äußersten Meer – Nachtrag

Nachtrag zu meinem Eintrag vom 13. November: Am äußersten Meer

Am Ende des Horizontes ist das äußerste Meer.
Ich weiß wie es dort ist …
Aber ich weiß nicht, was im Oben oder Unten kommt.

Wenige Tage nur liegen dazwischen.

Kurze Lebenswelt.
Lange Erfahrenswelt.
Welten dazwischen.

Nun weiß ich, dass ich nicht alleine dort bin.
Weggefährten, die auch dort sind.

Särge vor Jahresfrist,
schwarzer Samt wie ein Totengericht,
zaubern ein Lächeln in mein Gesicht.

Särge, in die wir gelegt,
aus denen neues Leben entsteht.

Am äußersten Meer,
Am Ende aller Gegenwehr.

Im Oben oder Unten
sind wir nur Gott allein verbunden.

Ostermorgen

Zedern des Libanon

Du stehst wie eine Zeder des Libanon im Sturm und
weißt nicht woher der Sturmwind kommt.
Deine Hände suchen und finden Halt wie Wurzeln im Grund.
Du stehst im Sturm,
hältst dich fest und
hoffst, dass du nicht fällst.
Es reißt dich hin und her,
ohne zu wissen,
was für ein Sturmwind das ist.
Keine Zeit zu denken.
Du blickst auf das, was dir Halt gibt,
blickst auf den, der dich hält.
Eine Ahnung von der Heiligkeit des Augenblicks steigt in dir auf.
Das war ein Versprechen,
ein unauflöslicher Bund.

Zedern des Libanon

Am äußersten Meer

Am Ende des Horizontes ist das äußerste Meer.
Ich weiß wie es dort ist.

Es gibt keinen Boden unter den Füßen,
es ist leer und hell und
es ist völlig egal, ob man nach oben oder unten fällt.
Ohne Emotionen wartet man,
was nun kommen mag.
Ohne Schrecken.
In Erwartung.

Weiter bin ich noch nicht gekommen.
Ich weiß nicht,
was im Oben oder Unten kommt.
Neugierig bin ich schon.

Äußeres Meer

Aschermontag

Montags geht es mir schlecht.
Wieso?
Es liegt am Sonntag.
Ob es mir besser geht, wenn ich das lasse,
was die Sonntage zum Sonntag machen?
Die Sonntage abschaffe?

Selbst-Zerstörung.
Fröhlich.
Fröhlich Leiden.
Leiden verstehe ich.
Aber was ist fröhlich?
Selbst-Zerstörung als Lust?
Lustiges Leiden?

Die unfröhliche Variante muss reichen.
die kann ich,
die kenn ich ,
aber fröhlich.
fröhlich kenn ich nicht.

Mehr kann ich nicht bieten.
Mehr habe ich nicht zu bieten.

Oder die Montage abschaffen?

Trennlinie

Teilen – St.Martins Gedanken

Bist DU ein Kleid, das ich anziehe, wenn es mir gefällt?
Ein Mantel, den ich ausziehe, wenn er mir nicht gefällt?

Verkleidung?

DEIN Wille ist mein Wille.
Mein Wille ist DEIN Wille.

DEIN Leiden ist mein Leiden..
Mein Leiden ist DEIN Leiden.

DEIN Kleid ist mein Kleid.
Mein Kleid ist DEIN Kleid.

DU TEILST MIT MIR!

Vor DIR kann ich mich nicht verkleiden.
Vor DIR brauche ich mich nicht entkleiden.
Vor DIR bin ich nackt.
Vor DIR bin ich wie ich bin.

DEIN Spiegelbild.

Spiegelbild

Soweit die Füße tragen

So weit die Füße tragen.
Wie weit tragen die Füße?

Experiment am Selbstobjekt.

Ich kann 12 Stunden ohne Pause durcharbeiten.
Ohne zu essen,
Immer auf das konzentriert, was gerade das Nächste ist.
Web-Konferenzen dazwischen.
Das lockert auf.
Dann steht noch einer in der Tür.
Wenn andere in den Feierabend gehen,
gehe ich in die 2.Schicht.

Haufenweise Probleme,
die gelöst werden wollen.
Probleme der anderen.

Das macht mich leicht.
Es sind die Probleme der anderen.
Die kann ich lösen.
Das erleichtert die anderen.

Es gibt noch andere Spätarbeiter,
die immer noch Probleme haben,
die sie noch nicht an mich adressiert haben.
Das verbindet,
Gemeinschaft der Spätarbeiter.
Als Dank bekommen sie ihr Problem gleich gelöst.

Meditatives Arbeiten.

Ohne Rechenschaft vor mir abzulegen, wieso ich das mache,
ohne zu hinterfragen, ob ich was anderes verdränge,
ohne mich selbst anzuzweifeln,
ohne Emotionen.

Einfach arbeiten.
Es ist völlig gleichgültig,
was man tut.

Wie lange?
Ist das von Interesse?

Den Acker bestellen.
Den Acker bestellen

Wenn Widerworte Leben schaffen

Widerworte können wirken wie Widerhaken.
Ein Blick auf das Gegenüber reicht und du siehst den Schmerz,
den deine Widerworte ausgelöst haben.

Sie haben ihre Spuren hinterlassen,
im Gesicht,
in der Körperhaltung,
in der Seele,
in der ganzen Person,
haben sich sichtbar im Fleisch verhakt,
Dornen und Stacheln körperlich fühlbar.
Verletzt.

Verwundung, die du angerichtet.
Aus deiner eigenen Verwundung heraus.
Gemeinsam leidend und doch jeder für sich.
Dornenkronen.
Heilende Kronen.

Der Haken muss Widerstand spüren,
damit er zum Widerhaken wird.
Inneren Widerstand.
Wider was?

Den Widerstand auflösend,
gebären wir durch die langen Geburtswehen hindurch,
gefangen im Schmerz,
nicht davonlaufen könnend,
verzweifelt,
resignierend,
entkräftet,
um Atem ringend,
der Schmerzen überdrüssig,
trotzdem nie aufgebend,
immer wieder Mut fassend,
hoffend,

das eigene göttliche Kind.

Stachel

Verlassenheit

Tiefe Dunkelheit – und dann wieder Licht.
Der Blog der letzten Wochen ist ein Spiegel.
Ich hadere, aber auch wieder nicht.

Heinrich Seuse in seinem Büchlein von der Ewigen Weisheit:

Was will der allerhöchste Geist von mir?

Antworten der ewigen Weisheit:

In allem Gottes Willen zu tun.

Und wüsste ich,
ich müsste Nesseln ausreißen und anderes Unkraut,
so würde ich nichts anderes lieber tun.

Eine Gelassenheit ob aller Gelassenheit ist gelassen sein in Verlassenheit.

Wie erfahre ich Gottes Gegenwart?

„Wenn ich mich verberge und das Meine der Seele entziehe, so wirst Du erst inne, wer ich bin und wer Du. Ich bin das ewige Gut, ohne das niemand etwas Gutes hat. Und darum, wenn ich mich, das ewige Gut, so gütig und in Liebe ergieße, so wird gut alles das, wohin ich komme. Daran mag man meine Gegenwart erkennen, wie die Sonne an ihrem Glanze, die man doch nach ihrer Substanz nicht sehen kann. Empfandest Du mich je, so geh in Dich selber und lerne, die Rosen von den Dornen scheiden und die Blumen aus dem Grase lesen“.

 

„Wenn Lieb bei Lieb ist,
weiß Lieb nicht,
wie lieb Lieb ist;
wenn aber Lieb von Lieb scheidet,
so empfindet erst Lieb,
wie lieb Lieb war“

Dunkelheit und Licht

Equilibrium

Über manche Dinge kann man nicht einfach hinweggehen. Sie beschäftigen, fesseln, elektrisieren einen, füllen einen aus.

So geht es mir mit dem, was ich gestern auf der Heimfahrt begriffen habe: das „Grundlos“. Das gegenseitige „Grundlos“, das eine „Grundlos“.

Es ist ein Unterschied, ob man etwas intellektuell versteht oder ob man etwas erfährt, innerlich völlig erfasst, verinnerlicht, in jeder Faser begreift.

Intellektuell weiß ich, dass Gottes Liebe grundlos ist.
Das ist mir so gesagt worden,
das habe ich gelesen,
das muss so sein,
aus all meinem Verständnis des Göttlichen heraus.

Ganz anders ist das Erfahren.
Gestern habe ich erfahren, was grundlos ist.
Mit einem Schlag war er da,

der grundlose
dunkel helle
unendlich weite
heilige
Atem beraubende
feierlich
friedliche
leere
göttliche Raum.

Grundlos.

In mir und außerhalb von mir.
Als Teil von mir.
Und ich Teil von ihm.

Jetzt weiß ich, was grundlos ist.

Als ob sich ein neuer, unendlich weiter Raum in seiner ganzen Klarheit geöffnet hat.

Equilibrium

Grundlos

Jeder kennt das. Man ist den Weg schon über Tausend mal gefahren. Das Auto fährt allein. Die Gedanken fliegen davon.

Meistens sind sie noch mit der Arbeit beschäftigt. Wie unzufrieden bin ich heute wieder mit mir. Ich spüre, dass der Drehzahlmesser schon längst im roten Bereich ist. Die Kollegen spüren das auch. Ungnädig bin ich. Deshalb bin ich auch ungnädig mit mir.

Lieber Gott, wieso denkst du, ich nütze dir in dem, was ich so jeden Tag mache?
Könnte ich nicht vielleicht doch irgendwo anders nützlicher für dich sein?
Irgendetwas tun, was mir besser entspricht?

Nein„,
kommt mir mächtig die göttliche Belehrung postwendend entgegen,
grundlos ist dein Wert für mich.

Einschläge

Morgenglühen

Vor mir zwei Arbeitstage in einem,
Ohne Zeit Atem zu holen.
Arbeits – Alltags – Lebensschluchten.

Für mich gedacht –
Sagt mir der Morgenhimmel.

Morgenglühen
Morgenglühen

Herbst

Herbst. Das Leben in Veränderung. Was das Jahr über gewachsen ist, geht der Vollendung entgegen. Natur in ihrer Fragilität.

Fragilität
Fragilität

Die Zeichen des Umbruchs sind nicht zu übersehen. Die Farben können nicht darüber hinwegtäuschen. Sie sind wie Potemkinsche Dörfer vor dem Grau des Novembers.

Umbruch
Umbruch

Gewachsene Strukturen lösen sich auf. Die Lebensgeister entfliehen der Materie.

Lebensgeister
Lebensgeister

Gott als das stets sich verändernde Leben. Er wirkt und seine Natur wird, auch in der Auflösung.

Auflösung
Auflösung

„Das Ziel und Ende, zu dem alle Dinge als zu ihrer letzten Vollendung hindrängen, ist an keine bestimmte Weise gebunden. Es entwächst der (begrenzten) Weise und geht in die (unbegrenzte) Weite.“ (Meister Eckhart)

Lebenswolken
Lebenswolken

Auf der Brücke bleiben

Meine Pilgerreise ist zu Ende. Ist sie das wirklich? Ist die Kunst aller Künste nicht vielmehr, die Schätze, die man in seinen Auszeiten gefunden hat, auch im Alltag zu bewahren, sie im Alltag zu leben, so dass sie zum wirklichen, verinnerlichten Leben werden?

Eben nicht mit Arbeitsbeginn wieder im Hamsterrad durchzustarten bis man mit hängender Zuge gerade noch so die nächste Auszeit erreicht. Das kenne ich zur Genüge, das will ich diesmal nicht so halten.

Das bedarf Achtsamkeit nach innen und außen. Ein Innehalten, bevor man von der Brücke fällt. Ein Hören auf die innere Stimme, ein Sehen mit dem inneren Auge. Ein Gelassen bleiben mit der inneren Gewissheit, dass man unantastbar ist, was immer auch passieren mag.

Einfach in seinem Rhythmus auf der Lebens-Straße weitergehen, mit dem Lebens-Rucksack auf dem Rücken, Stecken und Stab als Stütze und dem inneren Kompass als einzigem Wegweiser.

Einfach?

Nein, einfach ist das nicht. Man muss sich sehr in Acht nehmen, nicht gleich wieder in eingeübte Verhaltensmuster zu verfallen.

Dennoch: Genauso entscheiden wie ich mich zu dieser Reise aufgemacht habe, genauso entschieden will ich sie fortsetzen. Der Hall soll zu keinem Nachhall werden. Auch der Blog nicht. Ich glaube er hilft mir, den Kurs nicht zu verlieren. Und der Zuspruch tut gut.

Psalm 23 kommt mir in den Sinn, den hatte ich schon während der gesamten Pilgerreise im Kopf. Er erzählt vom Pilgern durchs Leben. Eigentlich kann ich da doch gelassen bleiben. Eigentlich.

Brücke über Wasser