Märzenbecher

Märzenbecher,
du bist mutig,
du Botenblume, die vom Frühling kündet.
Weder von Schnee noch Eis lässt du dich abhalten.
Du richtest dich nach der Sonne,
nicht nach dem Frost.
Und wenn er dich dann doch überrascht,
senkst du demütig deinen Kopf
und wartest auf besseres Wetter.
Märzenbecher,
ach könnt ich mit dir tauschen.

Märzenbecher

Versuchung

Wo immer wir sind,
wo immer wir treiben,
im Oben oder im Unten
oder im Niemandsland dazwischen,
eines weiß und erfahre ich:
Gott spielt immer mit und
Er spielt mir in die Hand.

Demut ist hinnehmen, wie es ist.
Egal wie es ist.
Ob es sich gut anfühlt oder schlecht.
Wie schwer es auch auszuhalten ist.
Global gesehen sind wir weniger
als eine Marginalie des Lebens.
Deshalb lassen wir den Wind ruhig kräftig wehen,
aber müssen wir uns über ihn beklagen?
Ist es nicht besser,
mit ihm zu gehen als
uns gegen ihn zu stemmen?

Mir hat der Wind
gute Gedanken aus dem Kloster ins Haus geweht.
Stillschweigende Gedanken,
heilende Gedanken,
segenspendende Gedanken.

Versuchung – besser als ihr Ruf

P. Jonathan Düring OSB in: Ein Jahr voller Segen

Auf was will ich verzichten können?
Verzicht klärt und macht frei.
Er schickt uns einen neuen Blick
für die Versuchungen des Alltags.

Das Wort „Versuchung“ verweist auf den „Versuch“.
Wenn wir etwas versuchen, sind wir „Suchende“.
Wir sind noch nicht am Ziel,
haben keine fertige Antwort.
Das griechische Wort dafür bedeutet „Erprobung“.
Versuchung hat also viel mit Lernen zu tun.
Die Versuchung gehört zur Glaubens- und Lebensschule.

Auch wir sind Versuchungen aller Art ausgesetzt:
Der Versuchung der Einsamkeit,
des vertrockneten Herzens,
der wüsten Hetze nach Erfolg und Einfluss.
Da ist es kein Wunder,
wenn der Glaube an den Sinn des Lebens verdunstet.

Es mag anstößig klingen, wenn wir sagen,
Gott stecke hinter der Versuchung.
Aber Jesus sagt doch im Vaterunser:
„.. und führe uns nicht in Versuchung.“

Wesentlich ist die Botschaft:
Auch in der Versuchung ist Gott da.
Auch in der Versuchung liebt er dich.
Gerade in der Versuchung will er dich tauglich machen
fürs wirkliche Leben.

Danke Jonathan!

Gott gebe, dass wir bestehen
Gott gebe uns die notwendige Demut,
Gott gebe uns Geduld,
Gott gebe, dass wir nichts erzwingen wollen,
Gott gebe, dass wir die Versuchungen des Lebens aushalten.
Amen.

Versuchung

Riskier was

Menschenkind, die Kinder unter denen du bist,
haben harte Köpfe und verstockte Herzen.
Sie gehorchen oder lassens.

Menschenkind, du sollst dich vor ihren Worten nicht fürchten.
Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen bei dir,
du wohnst unter Skorpionen

Menschenkind, du sollst ihnen von mir erzählen.
Sie gehorchen oder lassens.
Sie sind ein ungehorsames Volk.

Menschenkind, höre was ich zu dir sage,
sei nicht ungehorsam.
Tue deinen Mund auf,
sage ihnen, was ich dir sage.

Menschenkind, was du ihnen zu sagen hast,
ist Weh und Ach, Schmerz und Elend,
fürchte dich nicht vor ihren Worten.

Ich habe allen Mut zusammengenommen
Aber begreifen müssen, was es heißt,
unter Skorpionen zu wohnen
und durch Dornen zu gehen.

Oder war ich unter Krebsen, Löwen oder sonstigen reißenden Tieren?
Was ich gelernt habe?
Sie verbergen sich in ihrer Höhle,
unerwartet kommen sie herausgeschossen
und verbeißen sich in dir.

Wo, lieber Gott, ist das Verbandszeug?

Ach ja, und noch etwas habe ich gelernt:
Hüte dich vor Blendern,
sie haben dein Wort im Mund,
aber es ist nichts als Zungenrede,
deshalb sind sie nicht bei deinem Wort zu nehmen.
Wehe dem, der es versucht.

Wie war das doch, lieber Gott:
Du Menschenkind sollst dich nicht vor ihnen fürchten?

(Nach Hesekiel, Hes 2,4ff)

Wilde Tiere

Wahrheit

HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit. 
2.Samuel 7,28
Riskier was, sag die Wahrheit,
Aber deine Wahrheit will kaum jemand hören,
Die meisten erkennen deine Wahrheit nicht.
Es endet bestenfalls in Diskussionen.
Deine Wahrheit ist aber nicht zu diskutieren.
Wer diskutiert, hat es noch nicht begriffen,
der kennt deine Wahrheit nicht.
Zu dem, der die Wahrheit nicht kennt,
bist du wie ein milder Vater.
Die aber die Wahrheit kennen,
aber nicht nach deiner Wahrheit handeln,
die ziehen deinen Zorn auf sich,
die sind dein widerspenstiges Volk.
Zu diesen bist du wie ein strenger Vater.
Ihnen gilt das Weh und Ach in Hesekiels Brief.

Tränenmeer

Wenn dein Herz voll Trauer und Schmerz ist
Läufst du Gefahr, dass du in der Trauer versinkst,
dass du im Schmerz ertrinkst.
Über Bord geworfen,
treibst du im aufgewühlten Tränenmeer,

Denkst an den Wal,
Denkst, Herr, sei da,
denkst, Herr, gib Demut,
denkst, Herr gib Nacht,

damit ich nicht mehr denken kann,
damit ich nicht mehr hoffen kann,
damit ein neuer Tag beginnen kann,
damit ich aufwache in deiner Stadt.

Im Tränenmeer

Es walte Gott – Vom Dienen II

Lieber Luther,
am Sonntag habe ich noch einen flammenden Appell über das Dienen an dich geschickt. Heute bin ich einen Schritt weiter. Wovon ich letzten Sonntag geschrieben habe, war nur eine Seite der Medaille, es gibt auch eine andere.
Dietrich Bonhoeffer hat die Medaille umgedreht (in: Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung):
„Ich glaube,
dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum [d.h. zeitloser Wille]  ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“
Gott wartet auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten. Er steht  uns bei und lässt aus dem, was du tust, nach seinem Willen Gutes entstehen.
In der Sicht bedient sich Gott des Menschen und das funktioniert nur, wenn sich der Mensch von ihm bedienen lässt. Das entspricht meiner Überzeugung, so kann ich mitgehen. Aber, Grundthema bei Dietrich Bonhoeffer ist: der verantwortlich handelnde Mensch, der der nicht nur zuschaut, sondern aktiv handelt, im Vertrauen und ruhend in Gott. Das sind die beiden Seiten der Medaille.
Auch das will gesagt sein: Ich habe in meinem letzten Brief  zu kurz gedacht. Ich will mich entschuldigen bei dem, den ich im Blick hatte.
Lieber Luther, wir sollten uns öfter an Menschen wie Bonhoeffer erinnern. Seine Gedanken können ohne weiteres in die Gegenwart transformiert werden. Wir  sollten bei ihm lernen.
Herzliche Grüße
Deborrah

Bonhoeffer

Das Buch steht schon etwas länger in meinem Regal.
Ich habe es auf mancher Reise mitgenommen,
aber nie angefasst.

Ich wusste warum,
ich wusste um den Schmerz und die Sehnsucht,
die mir dort begegnen würde,
hatte Angst vor der Wirkung,
Angst, beides durch mich hindurchgehen zu lassen.

Nun habe ich zu dem Buch gegriffen,
veranlasst durch einen kleinen Nebensatz in der letzten Sonntagspredigt,
bereit, dem Schmerz und der Sehnsucht ins Auge zu blicken.

Wenn Sehnsucht und Schmerz sich in dir vereint,
gehst du am besten hindurch,
umarmst das Kreuz.

Was das heißt,
Dietrich Bonhoeffer hat es mir erklärt.
Ich kann viel von ihm lernen.

Im Tränenmeer

Zeitgeist

Wenn sie aber zu euch sagen: Ihr müsst die Totengeister und Beschwörer befragen, so sprecht: Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? 
Jesaja 8,19
Wer sind die Totengeister?
Diejenigen, die tot im Geist sind,
die oberflächlichen medialen Konsum,
der nur noch in plakativen Überschriften lebt,
mit Geist verwechseln und
nicht merken, dass die Oberflächlichkeit
zum Totengräber wird.
Wer sind die Beschwörer?
Diejenigen die den Zeitgeist beschwören,
falsche Götter vorgauckeln,
zum schönen Schein verführen und
die Verführten zu lebenden Toten werden lassen.
Was, frei nach Dietrich Bonhoeffer, soviel heißt wie:
Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen.
Dem Menschen wird,
unter dem überwältigenden Eindruck der Machtenfaltung
(des medialen konsumorientierten Zeitgeistes)
die innere Selbständigkeit geraubt.
Der Mensch verzichtet – mehr oder weniger bewusst – darauf
zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden.
„Das Wort der Bibel, dass nur die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, dass die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.“
(in: Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung).

Wortwunden

Worte, in Ärger, Hass, Unachtsamkeit gesprochen,
haben in der Welt schon viel zerbrochen.

Manche prallen an dir ab,
manche schickten dich ins Grab, bevor es dich so richtig gab.

Der Ton, in dem abweisende Worte klingen.
bringt dich ins Beben und ins Schlingern.

Du kennst ihren Klang,
seitdem dich jemand ins Leben zwang.

Sie haben dich schon früh verstört,
als noch keiner dachte, dass du hörst.

Worte, die bewusst oder nicht,
du dein ganzes Leben nicht vergisst.

Gelangen sie dann unerwartet an dein Ohr,
finden sie in dir ein ungeschütztes Einfallstor.

Wenn sie dich dann so erreichen,
kannst du ihnen nicht entweichen.

Sie lassen deine Welt schmerzvoll erschallen,
Und alle Krücken auseinander fallen.

Worte, in Ärger, Hass, Unachtsamkeit gesprochen,
haben in der Welt schon viel zerbrochen.

Getragen

Du hast gesehen, dass dich der HERR, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt. 
5.Mose 1,31
Er zieht vor euch her,
denn ihr findet den Weg nicht allein.
Er wird für euch streiten,
denn sein Segen ist mit euch.
Stecken und Stab
werden euch den Weg bereiten

Vom Dienen

Lieber Luther,

gestern hieß es als Schlusswort in der Predigt, man müsse sich nur gefallen lassen, dass Gott uns bediene, dann würden die Dinge gut. Wie in der Gastwirtschaft. Ich bestelle und Gott tut mir Gutes. Ist Glaube Konsum göttlicher Wohltaten? Ist Glaube ein bloßes Lassen, ein pures sich Gott überlassen? Oder ist da etwas mehr von Gottes Volk gefordert?

Da scheinen unterschiedliche Geisteshaltungen aufeinanderzutreffen. Welcher ich zuneige, ist dir, lieber Luther, bekannt. Ich mache keinen Hehl daraus. Da bin ich ganz calvinistisch-protestantisch. Jedoch mag ich es mir nicht so leicht machen und doch nochmals in die Bibel schauen, was ich da begreife. Oft sind die Dinge ja nicht einfach schwarz und weiß.

Für das Alte Testament lässt sich die Frage leicht beantworten. Alle Propheten und hervorgehobenen Gottesmänner und -frauen haben sich als Knechte und Diener Gottes gesehen. Alle haben einen göttlichen Auftrag vernommen, den sie unter allerlei Widrigkeiten versucht haben umzusetzen. Alle haben gehadert und gelitten, bis hin zur Verzweiflung, zur Erschöpfung, zur Lebensmüdigkeit. Gott hat sie aber nicht aus ihrem Auftrag entlassen, bis er erfüllt war. Sie waren Knechte, die folgsam ihren Dienst im Auftrag Gottes erfüllt haben. Bequem hatte es keiner, jeder ist gestrauchelt. Alle waren bis zum Ende Diener Gottes, im Dienste Gottes, wie fehlbar sie auch waren, wie viel Selbstzweifel sie auch plagten, wie müde und überfordert sie sich auch fühlten. Das können wir von ihnen lernen.

Das Leben dieser Gottesdiener und –dienerinnen war alles andere als nur „zulassen, dass Gott wirkt.“ Was heißt das jeden Tag, wenn das Volk Hunger hat, ein Gemetzel bevorsteht, die Loyalität wankt? Sie mussten Entscheidungen treffen – manchmal auch falsche, sie mussten handeln, sie mussten sich der jeweiligen Lebenswirklichkeit stellen. Glaube war und ist nicht abgekoppelt von den Fährnissen des alltäglichen Lebens. Der Mensch ist gefordert, es kommt seltenst ein Deus ex Machina, der die Situation per Fernlösung rettet. Glaube ist keine Schönwetterveranstaltung, in der sich immer alle lieb haben. Auch bei Gottes Heiligen nicht. Auch das können wir von ihnen lernen.

Mensch ist nicht Gottes Marionette. Auch wenn Gott mit einem ist, ist es der Mensch, der die Verantwortung trägt, der für sein Tun verantwortlich ist, der hört und übertönt, der handelt und unterlässt, der liebt und verletzt. Je weniger er Gottes Wort hört und je weniger er versteht, was Gott will, desto mehr irrt er, geht er am Willen Gottes vorbei.

Diese Eigenverantwortlichkeit des Menschen hat auch Jesus nicht von den Menschen genommen. Im Gegenteil, er ist gestorben, weil Mensch in dem, was er selbstverantwortlich tut, irrt und vom rechten Weg abweicht. Weil Mensch eben Mensch ist und nicht Christus.

Aber Jesus hat auch den Dienst eingefordert: „Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“ (Joh 12,26). Auch die Hierarchie hat er klargestellt: „Ihr heißt mich Meister und Herr und saget recht daran, denn ich bin es auch. So nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. …Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer denn sein Herr, noch der Apostel größer denn der ihn gesandt hat“ (Joh 13,13ff). Das ist eindeutig, weder Gott noch Christus ist unser Diener, das sollten wir uns hinter die Ohren schreiben.

Und immer wieder die Botschaft: Haltet meine Gebote und erfüllt euren Auftrag: „Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt“ (Joh 17, 18). Und er hat vorhergesagt, dass seine Diener schwer an und in der Welt leiden werden, auch die Männer und Frauen des Neuen Testaments, nicht nur diejenigen des alten. Auch das sollten wir hören.

Jesus hat den Jüngern die Füße gewaschen, weil er ihnen ein Beispiel vom Dienen und von Demut geben wollte. Seht her, ich bin mir dafür nicht zu schade. Er hat ihnen das ins Stammbuch geschrieben als Beispiel für den Dienst am Nächsten, den er von ihnen erwartete. Das sollten wir beherzigen.

Jesus war, wie die Propheten des Alten Testaments, im Dienste Gottes unterwegs, aber sicher nicht, um die Menschen zu bedienen, sondern sie zu lehren, Gottes Wort und Gebot zu halten. Es lag ihm absolut fern, menschliche Bequemlichkeiten zu bedienen, er hat es den Menschen in seiner Umgebung zu keiner Zeit leicht gemacht. Er war streng und nahm es mit dem Wort genau. Jesus war ein Diener Gottes und des Wortes, aber keiner, der sich von Menschen in Dienst stellen und instrumentalisieren ließ. Das sollten wir nicht verwechseln.

Lieber Luther, Altes und Neues Testament sind in dieser Botschaft vom Dienst und der Dienerschaft des Gottesmenschen meines Erachtens deckungsgleich. Gott liebt mich, aber er bedient mich nicht, er ist der HERR und ich sein Knecht. Ich denke, lieber Luther, davon kannst auch du ein Lied singen.

Herzliche Grüße
Deborrah

Mann sagt…

Mann sagt,
Maria und Martha gehen nicht zusammen,
Frau überfordert sich.
Mann sagt,
Verwunderlich,
dass gerade Frauen beides wollen.

Frau sagt,
Mann, du hast nichts begriffen.
Es geht um die Seele, um das Innenleben,
nicht um das äußerliche Sein.

Martha steht für die Bereitschaft der Seele zu dienen,
Maria steht für „meine Seele erhebe sich zum Herrn“.
Maria und Martha stehen für die Ganzheit der Seele.

Mann, das lässt Frau sich nicht von dir absprechen.
Mann, egal ob Mann oder Frau,
Dienen und Loben,
das ist Ursprung und Ziel der Seele im Menschen.

Krankheiten

Ich bin der HERR, dein Arzt.
2.Mose 15,26
Heute hadere ich mit der Losung, da sie in dem Tenor ist, den ich gestern in meinem Lutherbrief beklagt habe, sie ist verfälscht:: Gott soll uns von unseren Krankheiten heilen. Geschrieben steht aber, wenn wir seine Bedingungen,  das Wenn, unsere Verantwortung, beachten, dann wird er keine Krankheiten auf uns legen. Das ist etwas völlig anderes.  Das ist eine Verfälschung der Botschaft. Deshalb hier wie es geschrieben steht:
Wenn du Mensch der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchst,
Wenn du Mensch tust, was Recht ist vor seinen Augen,
Wenn du Mensch auf seine Gebote hörst,
Wenn du Mensch alle seine Gesetze hältst,
dann will ich keine Krankheiten auf die legen.
Das klingt schon ganz anders, das klingt nach:
Mensch, bedenke, was du tust.
Mensch, du hast die Verantwortung für dein Tun.
Mensch, Gott ist nicht nur Müllabladeplatz
Mensch, Gott ist kein Wellness-Beschaffer,
Mensch, Gott verlangt etwas von dir.
Tu was er von dir verlangt.
Dann verschont er dich von Krankheiten.
Bequem ist diese Botschaft nicht.
Dass wir das nicht wahrhaben wollen, gehört zu den Krankheiten.

Schuld

Lieber Luther,
je näher wir Ostern und dem Verrat an Jesus kommen, desto mehr sind Absetzbewegungen zu spüren: Ja nichts mit Jesu Tod zu tun haben, ja nicht schuldig sein, das sind immer die anderen. Es gibt ein paar Kandidaten, die sich anbieten.
Zum Beispiel Kaiphas: „Ihr wisset nichts; bedenket auch nichts; es ist uns besser, ein Mensch sterbe für das Volk, denn dass das ganze Volk verderbe“ (Joh 11, 49f). Da lässt sich der Schuldige leicht finden.
Oder waren es Judas oder Pilatus?
Oder doch die Wunder, die Jesus vollbrachte?
Oder das gespannte Verhältnis von Jesus zu Pharisäern und Schriftgelehrten?
Oder haben die Entscheidungsträger nur verantwortlich gehandelt, weil sonst die Römer für Ruhe und Ordnung nach ihren Vorstellungen gesorgt hätten?
Oder wurden die Römer nur vorgeschoben, um eigene Motive zu verdecken?
Viele „Oder“, viele Möglichkeiten, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Es ist bequem Erklärungsmuster im historischen Kontext zu suchen. Aber ist das auch so gemeint?
Kaiphas sagte, was er sagte, in seiner Funktion als Hoherpriester, weissagte, denn „Jesus sollte sterben für das Volk“. Diese Verheißung zieht sich genauso durch das Alte Testament wie die Ankündigung von Jesu Geburt. Nur können wir mit dem Tod schlechter umgehen. Das sehen wir nicht als Grund zur Freude an, feiern tun wir lieber bei Jesu Geburt.
Jesu Tod hat was mit Schuld zu tun, auch mit unserer Schuld. Darüber sollten wir uns Gedanken machen, weniger um die historischen Begebenheiten. Jesus wusste, dass er durch Menschenhand und Menschenschuld sterben wird. Er ist deshalb geboren und gestorben, um unserer Schuld willen, die wir auf uns laden.
Am Tod Jesu hatte im Prinzip niemand „Schuld“. Es war von Gott so vorherbestimmt. Das war auch denjenigen, die eine Rolle dabei spielten, vorherbestimmt. Die Schrift, das Wort, musste erfüllt werden. Der Menschenanteil hierbei wird überschätzt.
Unterschätzt wird dagegen die jeweilige persönliche Schuld eines jeden aus Gottes Volk. „Er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volkes geplagt war“ heißt es bei Jesaja. Er ist geboren und gestorben, um unsere Sünden vor Gott zu tragen und um unsere Verzeihung zu erlangen. Jeder, der sich zum Volk Gottes rechnet, darf sich da angesprochen fühlen und ist da angesprochen. Auch diejenigen, die zerstreut sind, die Gott aus dem Blick verloren haben, die er aber trotzdem fest im Blick hat.
Lieber Luther, wir glauben gern, dass Jesus uns von Gott geschenkt ist, wir glauben auch gern, dass er gestorben ist, um uns zu erlösen, unseren Anteil daran, ignorieren wir gern. Das ist eine Botschaft, die nicht gern gehört wird, treibt vielleicht die Menschen aus der Kirche. Das kann man sich bei den schon lichten Reihen kaum erlauben. Deshalb lieber positive Botschaften senden, Gott und Jesus die Arbeitspakete zuschieben und uns selber auf das Bitten um Vergebung der Sünden beschränken. Reicht das aus? Nein.
Gott verlangt eine Umkehr, er verlangt einen willentlichen Akt der Reue, keine oberflächlichen Lippenbekenntnisse, sondern ein inneres Schuldeingeständnis, vor sich selbst und vor ihm:
Auch mein Schuldpaket hat Jesus gen Golgatha geschleppt,
auch ich habe einen Nagel durch seine Handfläche getrieben,
auch ich habe ihn und sein Wort mehr als einmal verraten.
Lieber Luther, es fange jeder bei sich selbst an nach seiner Schuld zu suchen. Du bist nicht müde geworden, darüber zu predigen und das den Menschen verständlich zu machen. Heute regiert überwiegend der Wellness-Gott. Auch deine Kirche ist davon nicht verschont. Jesus hat eine Dornenkrone getragen, er hat gelitten.
Wie weit sind wir heute bereit, für und unter seinem Wort zu leiden, damit wir nach seinem Wort leben, um die ewige Verzeihung zu erlangen?
Sehr betroffen grüßt Dich
Deborrah

Die Last mit der Last

Er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. 
Jesaja 53,8
Er ist aus dem Land der Lebendigen weggerissen,
damit die, die zu meinem Volk zählen,
zurück in mein Land kommen können.
Nur er vermag die große Last
ihrer vielen Missetaten vor mich zu tragen,
damit ich sie von ihnen wegnehmen kann.
Darum bitten wir durch Christus Jesus.
Darum danken wir durch Christus Jesus.
Darum setzen wir unsere Hoffnung in ihn.

Nähe

Die Dinge können nah von einem sein oder fern.
Es ist nicht unbedingt eine Frage des physischen Seins.
Was physisch weit weg ist von dir,
nicht erreichbar,
kann in dir ganz nah sein.
Nähe genäht ohne Naht.
Nichts kann trennen.

 

Sünden

Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – HERR, wer wird bestehen?
Psalm 130,3

Du wirst unsere Sünden nicht anrechnen.
Du hast ein Lamm geschickt, das unsere Sünden trägt,
was oft als Freibrief angesehen wird.
Das ist aber ein fataler Irrtum.
Du siehst in die Herzen,
Du erkennst reine Mundbekenntnisse,
Du siehst wer ehrlich bereut.
Nur dem gehst du entgegen.

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