Mit Herz und Seele

Was fordert der HERR, dein Gott, von dir, als nur, den HERRN, deinen Gott, zu fürchten, auf allen seinen Wegen zu gehen und ihn zu lieben und dem HERRN, deinem Gott, zu dienen mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des HERRN und seine Ordnungen, die ich dir heute gebe, hältst, dir zum Guten?
5.Mose 12-13

Was Gott uns zuspricht,
ist zu unserem Guten,
auch wenn es mit Mühsal,
mit Schmerz und Tränen
verbunden sein mag.

Sich von seinen Wegen
nicht abbringen zu lassen,
heißt ihm zu dienen,
mit ganzem Herzen und ganzer Seele.

Schlachtfelder des Lebens

Und ich wandte mich und sah all die Unterdrückungen, die unter der Sonne geschehen. Und siehe, da waren Tränen der Unterdrückten, und sie hatten keinen Tröster. Und von der Hand ihrer Unterdrücker ging Gewalttat aus, und sie hatten keinen Tröster.
Prediger 4,1

Unterdrücker gibt es viele.
Noch mehr Opfer.
Schlachtfelder des Lebens.
Glücklich,
wer in allem Unglück
Gott als Tröster hat.

Bei Gott anklopfen

Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, dass sie nicht zu Fall kommen; denn ich bin Israels Vater.
Jeremia 31,9

Eine ganz andere Übersetzung in der Elberfelder:

Mit Weinen kommen sie, und unter Flehen leite ich sie; ich führe sie zu Wasserbächen auf einem ebenen Wege, auf dem sie nicht straucheln werden. Denn ich bin Israel zum Vater geworden, und Ephraim ist mein Erstgeborener. –

Wohin, wenn unsere Tränen uns ersticken?
Wohin fliehen, wenn wir heimatlos geworden sind?

Bei Gott anklopfen!

Er ist unser Vater,
an den wir uns immer wenden können.
Er leitet uns auf ebene Wege.

Flieg, mein weiser Bruder, flieg

Mit innerer Freude habe ich auf das Jahr geblickt,
nicht wissend,
woher sie kommt.

Bisher hat das Neue Jahr nur Nackenschläge gebracht.
Beide habe ich vorausgesehen und
doch schmerzen sie unendlich,
wenn sie eintreten.

Heute hat mich mein weiser Bruder angerufen,
mein Bruder im Geist,
mein Bruder im Glauben,
mein Bruder im Leben.

Das Telefonat musste er sich abringen.
Ich habe keine Zeit,
hat er gesagt.
Er meinte damit,
das habe ich erst später verstanden,
er habe nicht mehr lange zu Atmen.

Ich habe es kommen sehen.
Und nun, wo der Augenblick nah ist,
rinnen mir die Tränen über das Gesicht.

Er hat mich begleitet,
ich habe ihn begleitet.
Gedanken ausgetauscht,
gemeinsam Gott gesucht,
Glaubenserfahrungen bestaunt,
ohne Scheu Dogmen überwunden,
gemeinsam verstanden,
gemeinsam gesehen,
wo andere blind sind,
wie mit keinem anderen geglaubt,
tiefer und tiefer,
weiter hinein in unbekanntes Land,
weiter Gott entgegen …

Mein weiser Bruder,
der Benediktinermönch,
hat sich heute von mir verabschiedet:

Ich werde mich eine ganze Weile nicht mehr melden.
Nein, ins Krankenhaus gehe er nicht.
Er ist 87 oder 88 Jahre,
ich weiß es nicht genau.

Er hat viele Brüder beim Sterben begleitet,
er hat viele gut und nicht gut sterben sehen,
das harte Leben hat ihn weise gemacht,
er weiß, wann es soweit ist und
Gott seine Tür aufmacht.

Ich danke dir für alles, hat er gesagt,
und eine ganze Reihe aufgezählt,
ich danke dir für alles,
was du mir gegeben hast.
Ich danke dir,
dass ich dich kennen durfte.
Das wollte ich dir noch einmal
direkt gesagt haben.

Seine Liebe und Zuneigung
floss mir entgegen.

Ich habe es kommen sehen.
Und nun, wo der Augenblick nah ist,
rinnen mir die Tränen über das Gesicht.

Er hat gehört,
wie ich die Fassung verloren habe,
ich konnte ihm noch tränenerstickt zurufen:

Bis irgendwann einmal!
Ja, bis irgendwann einmal,
hat er gesagt.
Wir beide wissen,
dass es so ist.

Und wenn nicht,
dann rufe ich wieder an.
Ich glaube, wir beide wissen,
dass wir zum letzten Mal
telefoniert haben.

Dann hat er schnell aufgelegt.
Nur nicht sentimental werden.

Ich habe es kommen sehen.
Und nun, wo der Augenblick nah ist,
rinnen mir die Tränen über das Gesicht.

Er wird sich schlafen legen,
er ist vorbereitet,
wir haben oft über den Tod,
über seinen Tod gesprochen.
Und darüber, dass der Tod
der Weg ins andere Leben ist.
Da sind wir beide ganz gewiss.

Mein weiser Bruder,
wie unendlich werde ich dich vermissen.

Ich hoffe und bete und glaube,
Gott schickt dir einen Engel
auf dem Weg in sein Reich;
dorthin, wo der große Atem ist,
du wieder Atem schöpfen kannst und
der Mensch aufatmen kann.

Und du,
befreit von deinem müden Körper,
befreit von engen Klostermauern
befreit von jeglicher Begrenzung,

befreit wird deine Seele fliegen wie ein Adler,
der seinen Horst findet.
Flieg, mein weiser Bruder, flieg!

Ich habe es kommen sehen.
Und nun, wo der Augenblick nah ist,
rinnen mir die Tränen über das Gesicht.

Mondnacht

Tränenmeer

Wenn dein Herz voll Trauer und Schmerz ist
Läufst du Gefahr, dass du in der Trauer versinkst,
dass du im Schmerz ertrinkst.
Über Bord geworfen,
treibst du im aufgewühlten Tränenmeer,

Denkst an den Wal,
Denkst, Herr, sei da,
denkst, Herr, gib Demut,
denkst, Herr gib Nacht,

damit ich nicht mehr denken kann,
damit ich nicht mehr hoffen kann,
damit ein neuer Tag beginnen kann,
damit ich aufwache in deiner Stadt.

Im Tränenmeer

Bonhoeffer

Das Buch steht schon etwas länger in meinem Regal.
Ich habe es auf mancher Reise mitgenommen,
aber nie angefasst.

Ich wusste warum,
ich wusste um den Schmerz und die Sehnsucht,
die mir dort begegnen würde,
hatte Angst vor der Wirkung,
Angst, beides durch mich hindurchgehen zu lassen.

Nun habe ich zu dem Buch gegriffen,
veranlasst durch einen kleinen Nebensatz in der letzten Sonntagspredigt,
bereit, dem Schmerz und der Sehnsucht ins Auge zu blicken.

Wenn Sehnsucht und Schmerz sich in dir vereint,
gehst du am besten hindurch,
umarmst das Kreuz.

Was das heißt,
Dietrich Bonhoeffer hat es mir erklärt.
Ich kann viel von ihm lernen.

Im Tränenmeer

Rucksäcke

Ich habe jetzt einen Rucksack. Die nette Frau bei Globetrotter ist an mir fast verzweifelt. Ich sei eine Herausforderung hat sie gemeint. Da sei ihr ganzer Sachverstand gefordert. Krummer Rücken, breite Hüfte und schief. Aber sie hat sich wirklich Mühe gegeben. Wahrscheinlich dachte sie, Frau und Vorhaben passen nicht zusammen, dann wenigstens der Rucksack.

Sie musste mir erst einmal erklären, wie man so einen Hightech-Rucksack überhaupt seiner Anatomie anpasst. Nach dem fünften Rucksack wusste ich es einigermaßen. Es gibt eine Menge Schnellverschlüsse. Aber man muss sie in einer bestimmten Reihenfolge und Richtung bedienen, sonst sitzt der Rucksack nicht richtig. Hoffentlich habe ich jetzt den passenden und kann ihn auch richtig bedienen.

Stöcke und ein Navigationsgerät habe ich mir auch noch zugelegt. Erstere um den krummen Rücken und die schmerzende Schulter zu stützen. Letzteres zum Selbstschutz. In den weiten Dammer Wäldern habe ich mich schon einmal verirrt und nur nach etlichen Runden wieder ins Kloster zurückgefunden. Da war mir schon der Schrecken in die Glieder gefahren. Das Risiko gehe ich lieber mit 10 kg auf dem Rücken nicht ein. Ich befürchte, ich muss mich noch ein wenig mit dem Gerät befassen.

Und ich habe jetzt einen Plan. Ich werde am Samstag nach Wildeshausen fahren, mit dem Bus nach Harpstedt zurückfahren und dann wieder nach Wildeshausen laufen. Und von dort aus die weiteren Etappen. Meinen ursprünglichen Plan, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, habe ich aufgegeben. Da wäre ich 6 Stunden unterwegs, mit dem Auto dauert es nur knapp über eine Stunde.

Dafür gönne ich mir die Etappe zwischen Harpstedt und Wildeshausen. Als Entschädigung, dass ich mich mit all diesen Vorbereitungen, die eigentlich keine Vorbereitung sind, befassen muss. Ich weiß noch nicht warum, aber an dieser Etappe muss etwas Besonderes sein. Sonst würde ich sie nicht unbedingt laufen wollen.

Und ich muss mich unbedingt damit befassen, dass mein Vorhaben plötzlich sinnentleert ist. Das ist was mir der Tag heute auch gebracht hat. Wenn ich auch ankomme, mein Ziel werde ich nicht erreichen. Der Rucksack wiegt schwerer als alle Kilos auf dem Rücken.

Tränen auf dem Frauenmantel.

Traenen