Klingelzeichen treffen manchmal taube Ohren,
Kirchenglocken sind nicht zu überhören.
Herzklingen braucht keine Ohren.
Psalm 23
Mein weiser Bruder hat mich heute an die innere Weisheit von Psalm 23 erinnert.
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und
führt mich zum frischen Wasser.
Er erquickt meine Seele,
er führt mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkst mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen
mein Leben lang und
ich werde bleiben
im Hause des Herrn
immerdar.
So bekräftigt werde ich mich auf den Weg machen, dem Sonntagsläuten entgegen, mit Anlauf und hoffentlich ohne Schlaglöcher.
Wie Sterntaler
Ich kenne einen Weihnachtsort, der ist etwas ganz besonderes.
Man findet ihn vielleicht nicht auf Anhieb, aber
wenn man ihn gefunden hat,
tut sich der Himmel auf,
in silbernen und goldenen Fontänen
regnet es Sterne herab,
bedecken die Welt und
bedecken mich.
Wie Engelshaare.
Wie Sterntaler.
Machen mich zu einem
Segenstaler.
Ein wahres Weihnachtsmärchen.
Das verschwundene Christkind
Als ich heute Nachmittag das Christkind besuchen wollte, war es aus seiner Krippe verschwunden. Wo mag es wohl hin sein? Hat es ihm in seiner Krippe so alleine in der leeren Kirche nicht mehr gefallen?
Kein Mensch kümmerte sich mehr um es. Alle haben vermeintlich etwas besseres zu tun, gehen schon wieder shoppen. Oder fahren in Urlaub. Weihnachten ist abgehakt. Jetzt kann Konsum, Wellness und Freizeitvergnügen wieder in den Vordergrund rücken. Mit Silvester wartet schon das nächste Event. So mancher wird aufatmen. Gottseidank haben wir dieses Weihnachtsgedusel für dieses Jahr hinter uns gebracht.
Das Christkind hat das vorausgesehen. Es kennt das. Seit vielen Jahrhunderten ist das so. Deshalb hat es schon an Weihnachten beschlossen, dass es keinesfalls so einsam und allein in seiner Krippe in der kalten Kirche zurückbleibt. Wohin ist es verschwunden?
Wenn ihr nicht zu mir kommt, dachte das Christkind ganz pfiffig, dann komme ich eben zu euch. Es hat sich heimlich, still und leise an Weihnachten in die Herzen der Menschen geschlichen, die es an Heilig Abend mit glänzenden Augen angesehen haben. In die Herzen der Menschen, die sich an ihm gewärmt haben. Als Dank wärmt es nun diese Menschen von innen heraus, unabhängig von Weihnachten.
Eigentlich bin ich damit ganz zufrieden, denkt das Christkind bei sich, in den Herzen der Menschen ist es schöner als alleine in der leeren ungeheizten Kirche. Es strahlt vor Freude über seinen Einfall. Die Menschen, in denen das Christkind strahlt, spüren das. In ihren Augen spiegelt sich das Strahlen des Christkinds und – wenn sie einem anderen Menschen in die Augen sehen – geben sie dieses Strahlen weiter.
Man kann sich das so vorstellen, wie wenn bei der Christmette das Weihnachtslicht weitergereicht wird, von Mensch zu Mensch und manchmal auch von Herz zu Herz.
Joseph
Joseph, der Stille, der im Hintergrund lebt,
Joseph, der nicht auf die anderen hört.
Joseph, der sich der Aufgabe stellt,
Joseph, der sich verlässlich verhält.
Joseph, der handelt und nicht wankt,
Joseph, der tut, was Gott verlangt.
Joseph, der voll Demut gehorcht,
Joseph, der Frau und Kind umsorgt.
Joseph, der tut, was der Engel befiehlt.
Joseph, der mit seiner Familie flieht,
Joseph, der Gott allein vertraut.
Joseph, der fest auf den Glauben baut.
Joseph, du zeitloser Held,
vor dir verneige sich die Welt.
Joseph, dein selbstloses Handeln,
sei Beispiel auch in heutigem Wandel.
Joseph, deine Demut ohne Klagen
gebe mir Mut und lass mich es wagen.
Weihnachtskirchgang
Gottes Kind kommt in der Nacht und
hat das Licht mit sich gebracht.
Der neue Tag, von seinem Glanz erhellt,
wie neu erschaffen ist die Welt.
Klarheit liegt in der Luft, der Wind weht leise,
die Sonne strahlt und wärmt auf ihre Weise,
die dunklen Wolken sehen zu,
und lassen ihre Schleusen zu.
Ein Loblied liegt auf meinen Lippen,
Hier steh ich an Deiner Krippe,
Hier seh ich Deine Schöpferkraft,
Gesegnet sei die Heilge Nacht.
Weihnachten – Fest der Liebe
Weihnachten ist,
wenn du einen steilen Berg erklimmst,
mit großen Mühen,
immer in Gefahr aufzugeben,
immer in Gefahr abzustürzen,
unter Tränen weiter gehst,
bedrängt von Blitz, Donner und Hagelschlag,
schließlich
durchnässt, frierend und entkräftet
den Gipfel erreichst,
für einen kurzen Augenblick
die Wolken aufreißen und
du einen zärtlichen Blick werfen darfst
in das verheißene Land deiner Sehnsucht,
Dann hält –
einen Wimpernschlag lang –
die Welt
den Atem an und
du bist nichts
als Liebe.
Christkind
Ich steh an deiner Krippen hier
Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu Du mein Leben.
Ich komme, bring und schenke Dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin,
es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut,
nimm alles hin und
lass Dir’s wohl gefallen.
Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren und
hast mich Dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt,
erkoren.
Eh ich durch Deine Hand gemacht,
da hast Du schon bei Dir bedacht,
wie Du mein wolltest werden.
Ich sehe Dich mit Freuden an und
kann mich nicht satt sehen; und
weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
Oh dass mein Sinn ein Abgrund wär und
meine Seel ein weites Meer,
dass ich Dich möchte fassen.
(Paul Gerhardt)
Christ-Metten-Gang
Kurz vor Mitternacht habe ich mich auf den Weg gemacht.
Wandere auf stillen Wegen dem Christkind entgegen.
Plötzlich höre ich ganz erschrocken
in der Ferne die ersten Weihnachtsglocken.
Sie erfüllen mit ihrem himmlischen Schall
um mich herum das weite All.
Keine Zeit zum Träumen.
Ich will das Christkind nicht versäumen.
Frohe Weihnachten
Heiliger Abend
Vierter Advent
Unruhig gehe ich in den vierten Advent,
Wieso bin ich so bewegt?
Unruhig lausche ich in den vierten Advent.
Was bringt die Saiten in mir so ins Schwingen?
Unruhig wandere ich durch den vierten Advent.
Eiskalter Dezemberregen durchnässt mich, ohne mich zu kühlen.
Unruhig gehe ich aus dem vierten Advent.
Wehend hinein in die Heilige Nacht.
Arm und reich
Durch alle Dunkelheit hindurch,
sehe ich Dein Licht,
durch alle Angst,
alles Leid,
alles Nichtverstehen hindurch,
leitet mich Deine Hand.
Dein Licht leuchtet,
auch wenn ich es nicht sehe,
Deine Kraft waltet,
auch wenn sie verborgen ist,
Du sprichst mit mir,
auch wenn meine Ohren es nicht hören.
Du wirkst so wunderbar,
dass ich als Mensch es nicht begreifen kann.
Mein Verstand vermag Dich nicht zu fassen,
mein Tun ist mehr ein Unterlassen,
Arm und doch so reich steh ich vor DIR.
Künstliches Licht
Nicht gelebt
Der Advent verrinnt mir unter den Fingern.
Obwohl ich mich nicht auf dem Advents-Rummelplatz aufhalte.
Obwohl ich nicht in Weihnachtshektik bin.
Obwohl ich mir Zeit nehme und Stille gönne.
Der Advent verrinnt in meinem Inneren.
Ich warte auf etwas, ohne zu wissen auf was.
Es ist mir, als müsste ich noch etwas tun, ohne zu wissen warum,
Es drängt mich, mich vorzubereiten, ohne zu wissen wie.
Der Advent verrinnt wie mein Leben.
Ich fühle mich, als ob er gerade anfängt.
Stelle aber fest, dass er bald vorbei ist.
Wie nicht gelebt.
Mitten in der Nacht
Mitten in der Nacht
bin ich plötzlich aufgewacht,
geweckt von einem Geistesblitz.
Wer freut sich nicht über ein Adventslicht?
Der, dem es an einem aufrichtigen Herzen gebricht.
Wünschebaum mit Fragezeichen
Weihnachtsfest – Wünschefest.
Materielle Wünsche.
Glückwünsche.
Lebenswünsche.
Friedenswünsche
Gebetswünsche.
Segenswünsche.
Alles Weihnachtswünsche.
Ist Gott für uns ein Wünschebaum, an den wir unsere Wünsche hängen wie die Dekoration an einen Weihnachtsbaum?
Erwarten wir, dass ihm alles gefällt, was wir ihm anhängen?
Erwarten wir, dass unsere Wünsche in Erfüllung gehen?
Erwarten wir, dass er tut, was wir wollen?
Was ist, wenn er kein Wünschebaum ist?
Wenn er nicht erfüllt was wir uns wünschen?
Wenn er unseren selbstgebrauten Wunschpunsch verweigert?
Was machen wir dann mit unserem Wünschebaum?
Entsorgen wir ihn, wie einen dürren Christbaum, der seinen Reiz für uns verloren und keinen Zweck mehr für uns hat?
Oder?
Werden wir zum grünen Baum?
Überraschungsgast
Tag für Tag
trägst du deinen Unfrieden vor Gott.
Tag für Tag
bittest du für Ruhe in dir.
Tag für Tag
hoffst du, er möge es gewähren.
Du wartest,
und wartest
und wartest.
Ungeduldig
diskutierst du,
haderst,
deine Seele schreit.
Plötzlich ist er da,
der Überraschungsgast,
der weihnachtliche Friede.
Ganz unvermittelt.
Ganz unerwartet.
Wie aus dem Nichts.
Still,
bescheiden,
unspektakulär.
Gebranntes Kind,
traut dem Frieden nicht.
Selbst wenn ein Nach-Weihnachten kommt,
bleibt die Erinnerung, die dich wärmt,
bleibt die Hoffnung, die dich hält,
bleibt die Wurzel, die
die Rose nährt,
die dein Überraschungsgast
beim nächsten Besuch
dir verehrt.
Lege den Schlüssel unter die Matte
Ein alter weiser Mönch – er kennt mich gut – hat mir heute folgenden Text geschenkt:
Wenn du alles getan hast,
was man von dir erwartet hat;
Wenn du sehr viel mehr getan hast,
als man je von dir hätte fordern können,
dann lege den Schlüssel
unter die Matte,
und geh!
Schau nicht zurück.
Geh in Frieden,
lasse los.
Verscheuche allen Groll
aus deinem Herzen.
Erwarte keine Dankeshymnen.
Von niemanden.
Und vergiß nicht:
EINER weiss Bescheid!
Und – hat er hinzugefügt – vergesse insbesondere den letzten Satz nicht. Ich liebe diesen alten weisen Mönch sehr.





















