Treue

In fester Treue stehe ich zu dir,
wenn auch nach außen
alles an mir wankt,
wenn auch nach innen
alles in mir schwankt.

In fester Treue stehe ich zu dir,
weiß ich doch
um dein unergründlich Wesen,
weiß ich doch
um dein unerbittlich Weben,
weiß ich doch
von dir.

In fester Treue stehe ich zu dir,
dann stehst
in fester Treue
du zu mir.
Mag meine Welt auch noch so beben,
mag meine Welt auch untergehen.

Treue

Im aufgewühlten Meer

„Fast zwanzig Jahre trieb ich wie auf einem aufgewühlten Meer. Fallen, kurz aufstehen, und wieder hinfallen. Das war sehr anstrengend, denn ich fand mein Glück weder bei Gott noch in der Welt. Ich weiß nicht, wie ich das so viele Jahre aushalten konnte“
(Teresa de Jesus, Vida 8,2)

Teresa, meine Schwester.

Aufgewühltes Meer

Zwischen den Welten

Zwischen den Welten
leben und fragen
nach der Wahrheit,
dem Sinn, dem Warum,

Zwischen den Welten
suchen und finden
die Richtung,
den Weg und das Ziel.

Zwischen den Welten
schweben, verlieren
den Grund,
die Orientierung, den Halt.

Zwischen den Welten
leiden, ertragen
den Schmerz,
die Leere, die Angst.

Zwischen den Welten
alles haben
und nichts.

(Ingrid Schreiner, in: Achterbahn der Lebensmitte)

Himmelsleiter

Welt in Auflösung

Unterwegs. Ich sitze im Zug. Alles pünktlich. Alles so, als ob es so sein soll.

Wohin? Den Ort kenne ich, das Ziel nicht. Vielleicht auf der Suche nach einem neuen Zufluchtssort, nachdem ich heimatlos geworden bin? Im nicht mehr Wollen das Nichtwollen entdecken?

Als ob das Jahr schon Bilanz ziehen wollte. Es hatte sich angekündigt, wie es geworden ist. Heimat in Schall und Rauch. Die Erschütterungen sitzen mir in den Knochen.

Die schneebedeckte Landschaft zieht an mir vorbei, ohne dass mir das Herz aufgehen mag. Irgendwie funktioniere ich, sonst würde ich jetzt nicht im Zug sitzen.

Auf was das hinsteuert?

Sich auflösende Welten

Welt in Auflösung

Finstere Nacht

Ich wollte ein Adventslicht verschenken.
Ich habe ein Adventslicht verschenkt.
In der dunkelsten Woche des Jahres.

Jedoch
beim Schenken
ist ein kalter Windhauch gekommen
und hat es ausgepustet.

Finstere Nacht
in Eiseskälte.
Mein Herz eingefroren.

dunkle Nacht

Warten auf Irgendwann

Warten auf Vertrauen.
Warten auf Trauen.
Warten auf Dich.

Irgendwann blüht der Barbarazweig.
Irgendwann gewinnt das Leben.
Irgendwann ist Weihnachten.

Darauf hoffe ich.
Darauf baue ich.
Darauf vertraue ich.

Barbarazweig

Abram und Abraham

„Und der Herr sprach zu Abram: Gehe aus deinem Vaterlande und von deiner Freundschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will“ (1.Mose 12,1)

Und Abram geht. In unbekanntes Land. Allein auf ein Versprechen hin, vertrauend auf eine Verheißung. Ohne Rücksicht auf sein Alter, ohne Rücksicht auf seine Umgebung, Rücksicht nehmend nur auf das, was er verstanden hat.

Er mutet seiner Familie und Gemeinschaft viel zu. Und Gott fordert viel von ihm, seinen Verwandten und Freunden, oft an der Grenze des Zumutbaren und darüber hinaus. Gewinnen und geschenkt bekommen, verlieren und verlassen, Freude und Schmerz, immerwährend schwankend zwischen Abram und Abraham. Ein Bund der fördert und fordert. Das Wechselspiel des Lebens, das Wechselspiel mit Gott, ein Wechselspiel, das Abram schwanken und stolpern lässt und Abraham Leben und Verheißung schenkt.

Es ist der ewige Bund Gottes mit seiner Schöpfung. Abram und Abraham, Sarai und Sara, Kain und Abel, das Volk Israel und Gott, das alte und das neue Jerusalem. Grenzen verletzend und Grenzen überschreitend. Einengende Zelle und Keimzelle. Erde und Himmel. Tod und Leben. Ostern und Weihnachten.

Das Leben zwischen Abram und Abraham – Irrlichter und Lichter – Leben im Advent.


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Vor Jahr und Tag

Vor Jahr und Tag
hast du mich verraten,
mir das Herz versenkt.

Und heute,
nach sieben Jahren,
am ersten Advent,
sieht
mein Herz
dich zu ersten Mal wieder –
unverrenkt.

Dezemberblüten

Esel und Lasttiere

„Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ihr Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir! Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der HERR bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf daß erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht: „Saget der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin.“ (Mt 21, 1 ff).

Heißt:

Geh in den Ort,
der in dir liegt.
Du wirst finden
dich als Eselin
und als Kind.

Löse die Stricke,
lass deine Verstrickungen.

Dann hörst du das Rufen,
dann verstehst du den Grund,
wirst zum Lasttier und zur Tochter und
trägst das göttliche Kind.

Inneres Kind

Adventsversprechen

Siehe,
Ich will meinen Engel senden,
der vor mir her den Weg bereiten soll.

Und bald wird kommen zu seinem Tempel der HERR, den ihr sucht;,
der Engel des Bundes, des ihr begehrt,
Siehe, er kommt! spricht der HERR Zebaoth.

Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden können?
Wer wird bestehen, wenn er erscheinen wird?

Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmieds
und wie die Seifen der Wäscher.

Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen;
er wird die Kinder Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber.

So bekehrt euch nun zu mir,
so will ich mich zu euch auch kehren,
spricht der HERR Zebaoth

(Maleachi 3,1 ff)

Engel

Am äußersten Meer – Nachtrag

Nachtrag zu meinem Eintrag vom 13. November: Am äußersten Meer

Am Ende des Horizontes ist das äußerste Meer.
Ich weiß wie es dort ist …
Aber ich weiß nicht, was im Oben oder Unten kommt.

Wenige Tage nur liegen dazwischen.

Kurze Lebenswelt.
Lange Erfahrenswelt.
Welten dazwischen.

Nun weiß ich, dass ich nicht alleine dort bin.
Weggefährten, die auch dort sind.

Särge vor Jahresfrist,
schwarzer Samt wie ein Totengericht,
zaubern ein Lächeln in mein Gesicht.

Särge, in die wir gelegt,
aus denen neues Leben entsteht.

Am äußersten Meer,
Am Ende aller Gegenwehr.

Im Oben oder Unten
sind wir nur Gott allein verbunden.

Ostermorgen

Zedern des Libanon

Du stehst wie eine Zeder des Libanon im Sturm und
weißt nicht woher der Sturmwind kommt.
Deine Hände suchen und finden Halt wie Wurzeln im Grund.
Du stehst im Sturm,
hältst dich fest und
hoffst, dass du nicht fällst.
Es reißt dich hin und her,
ohne zu wissen,
was für ein Sturmwind das ist.
Keine Zeit zu denken.
Du blickst auf das, was dir Halt gibt,
blickst auf den, der dich hält.
Eine Ahnung von der Heiligkeit des Augenblicks steigt in dir auf.
Das war ein Versprechen,
ein unauflöslicher Bund.

Zedern des Libanon

Geburtstags-Abendmahl

Brot und Wein
Gottes Wort
Wahrer Leib und
Wahres Blut.

Gebe Dich mir.
Nehme mich mir.
Lebe in mir.

Lass mich
mich verlieren und
Dich finden.

Dein Blut schwemme
meine inneren und
äußeren Feinde hinweg,

Deiner bedarf ich,
damit es hell wird in mir,
Dein Erbarmen erflehe ich,
damit ich würdig werde vor Dir.

Verzeih meine Unzulänglichkeiten,
Vergib meine Schuld.

Ohne Dich verhungert mein Leib.
Ohne Dich verdurstet meine Seele.

Erleuchte
mein Verstehen mit dem Licht wahren Glaubens,
meine Gegenwart mit Deiner Gegenwart,
mein Herz mit Deiner Liebe.

Sei meine Speise und mein Trank.
Sei Nahrung für mein Leben,
damit ich Kraft finde für Dein Leben,
damit ich immer danken kann.

Lebendiges Wasser,
Blut und Wein,
fließe in mich ein,
damit Du,
Dein Friede und
Deine Liebe
aus mir heraus fließen.

Brot und Wein

Dein Leib
Dein Blut
Dein Kreuz

Dein allzeit sättigendes Abendmahl
für Dein Kind.

Danke – mein treu sorgender Vater.

Abendmahl

Stillschweigen

Ich brauche Stille in mir und
Stille außerhalb von mir.
Damit es still wird in mir.

Viele Gedanken geteilt,
viel von mir mitgeteilt,

Kein Echo mehr nach außen,
nur noch lauschen nach innen.

Stille im Blog.
Stille im Wort.

Hoffnung auf Ewigkeit.
Hoffnung auf Leichtigkeit.

Am Ende der Zeit.
Ich bin bereit.

Weide

Am äußersten Meer

Am Ende des Horizontes ist das äußerste Meer.
Ich weiß wie es dort ist.

Es gibt keinen Boden unter den Füßen,
es ist leer und hell und
es ist völlig egal, ob man nach oben oder unten fällt.
Ohne Emotionen wartet man,
was nun kommen mag.
Ohne Schrecken.
In Erwartung.

Weiter bin ich noch nicht gekommen.
Ich weiß nicht,
was im Oben oder Unten kommt.
Neugierig bin ich schon.

Äußeres Meer

Aschermontag

Montags geht es mir schlecht.
Wieso?
Es liegt am Sonntag.
Ob es mir besser geht, wenn ich das lasse,
was die Sonntage zum Sonntag machen?
Die Sonntage abschaffe?

Selbst-Zerstörung.
Fröhlich.
Fröhlich Leiden.
Leiden verstehe ich.
Aber was ist fröhlich?
Selbst-Zerstörung als Lust?
Lustiges Leiden?

Die unfröhliche Variante muss reichen.
die kann ich,
die kenn ich ,
aber fröhlich.
fröhlich kenn ich nicht.

Mehr kann ich nicht bieten.
Mehr habe ich nicht zu bieten.

Oder die Montage abschaffen?

Trennlinie

DU und ich

Bist DU ein DU und ich ein ich?
Sind wir zwei oder sind wir eins?

Wenn DU mich ansiehst,
sieht mein inneres Auge DICH.

Wenn DU zu mir sprichst,
hört mein inneres Ohr DICH.

Wenn DU bewirkst,
erfahre ich.

DU bist ein Mantel, der mich hüllt,
DU bist der Blitz, der mich erhellt,
DEIN Reich, das man nicht sieht,
Weil es in meiner Seele lebt.

Seelenfeuer

Teilen – St.Martins Gedanken

Bist DU ein Kleid, das ich anziehe, wenn es mir gefällt?
Ein Mantel, den ich ausziehe, wenn er mir nicht gefällt?

Verkleidung?

DEIN Wille ist mein Wille.
Mein Wille ist DEIN Wille.

DEIN Leiden ist mein Leiden..
Mein Leiden ist DEIN Leiden.

DEIN Kleid ist mein Kleid.
Mein Kleid ist DEIN Kleid.

DU TEILST MIT MIR!

Vor DIR kann ich mich nicht verkleiden.
Vor DIR brauche ich mich nicht entkleiden.
Vor DIR bin ich nackt.
Vor DIR bin ich wie ich bin.

DEIN Spiegelbild.

Spiegelbild

Soweit die Füße tragen

So weit die Füße tragen.
Wie weit tragen die Füße?

Experiment am Selbstobjekt.

Ich kann 12 Stunden ohne Pause durcharbeiten.
Ohne zu essen,
Immer auf das konzentriert, was gerade das Nächste ist.
Web-Konferenzen dazwischen.
Das lockert auf.
Dann steht noch einer in der Tür.
Wenn andere in den Feierabend gehen,
gehe ich in die 2.Schicht.

Haufenweise Probleme,
die gelöst werden wollen.
Probleme der anderen.

Das macht mich leicht.
Es sind die Probleme der anderen.
Die kann ich lösen.
Das erleichtert die anderen.

Es gibt noch andere Spätarbeiter,
die immer noch Probleme haben,
die sie noch nicht an mich adressiert haben.
Das verbindet,
Gemeinschaft der Spätarbeiter.
Als Dank bekommen sie ihr Problem gleich gelöst.

Meditatives Arbeiten.

Ohne Rechenschaft vor mir abzulegen, wieso ich das mache,
ohne zu hinterfragen, ob ich was anderes verdränge,
ohne mich selbst anzuzweifeln,
ohne Emotionen.

Einfach arbeiten.
Es ist völlig gleichgültig,
was man tut.

Wie lange?
Ist das von Interesse?

Den Acker bestellen.
Den Acker bestellen