Reminiscere

Lieber Luther,

der Mensch scheint unbelehrbar. Das war zu Jesu Zeiten so und ist heute so. Im heutigen Predigttext (Mk 12, 1-12) besteht wieder einmal die Chance, die Botschaft zu verkünden, die verstanden werden will. Aber wer tut das? Welcher Pfarrer wagt dies? Kommt heute die Botschaft, um die es geht, von den Kanzeln oder wird fabuliert und abgelenkt, um ja nicht den Verdacht zu erregen, dass der Gott, von dem sie angeblich predigen, etwas verlangt vom Menschen. Es geht, lieber Luther, um den Herrn des Weinbergs. Weiterlesen „Reminiscere“

Verführer

Lieber Luther,

es hätte mich gewundert, wenn ich über den Predigttext vom heutigen Sonntag, Mt 4, 1-11, nicht schon einmal geschrieben hätte, habe ich ihn doch schon viele Male gelesen. Was ich vor zwei Jahren geschrieben habe, kann ich so stehen lassen.

Trotzdem will ich etwas hinzufügen. Weiterlesen „Verführer“

Dienst

Der HERR war mit Josef, und was er tat, dazu gab der HERR Glück.
1.Mose 39,23

In der Elberfelder Übersetzung heißt es:

Der Oberste der Fest sah nicht nach dem Geringsten, das unter seiner Hand war, weil Jahwe mit ihm war, und was er tat, ließ Jahwe gelingen.

Von Glück steht da nichts.
Ist Glück und Gelingen dasselbe?
Ist gelungenes Leben glückliches Leben?

Wohl nicht unbedingt.
Joseph war ein Segen für seine Mitmenschen,
was ihm gelang, gelang ihm für die anderen.
Persönlich hat er viel erlitten,
aber sich gelungen in den Dienst gestellt.
So ging es auch vielen Propheten nach ihm,
oder vor ihm seinem Vater Jakob.

Persönliches Glück ist nicht der Maßstab,
den Gott anlegt,
sondern das gelungene sich Gott in Dienst stellen.

Joseph – Schatzsuche

Säen und Ernten

Lieber Luther,

Mariä Lichtmeß, der 2. Februar, ist vorbei und damit definitiv auch die Weihnachtszeit, 40 Tage nach Weihnachten. Früher hieß Maria Lichtmeß: Der Winterruhe ist vorbei, die Feldarbeit beginnt wieder, ausgefeiert, es muss wieder in die Hände gespuckt werden. Das Licht, die Sonne steigt, das Licht, das die Heiden erleuchten soll (Lk 2, 32). Jesu Licht im Jahreskreislauf: Es wird geboren, steigt, fällt, steigt in anderer Gestalt. Und das Ganze wieder von vorn an Weihnachten. Ein Kreislauf von Geburt – Leben – Fallen – Neues Leben, Jesu Lebenskreislauf, der Jahreskreislauf des Wortes, der Natur, des Menschen. Geboren werden – Leben – Sterben – Neues Leben. Die Natur der Natur Gottes. Das Wort wird geboren, gesät, fällt an den Weg, auf felsigen Boden, zwischen Dornengestrüpp oder auch auf gutes Land. Damit sind wir beim Predigttext dieser Woche (Lk 8, 5-15). Weiterlesen „Säen und Ernten“

Wort – Erfahrungen

Lieber Luther,

Geschafft! Ich habe tatsächlich in einem Jahr die gesamte Bibel gelesen, das Neue Testament zweimal, Wort für Wort, mit zwei Tagen Verzug. Schon vor zwei Tagen hat mich das mit großer Euphorie erfüllt, wie zwei Schritte bis Weihnachten.

Gelesen habe ich nach einem festen Bibelleseplan, mit einer Bibel App, das macht einen örtlich unabhängig. Ich habe nach dem Leseplan von Robert Roberts gelesen, im Durchschnitt jeden Tag vier Bibelkapitel aus dem Alten und Neuen Testament.

Für den Leseplan bin ich voller Bewunderung. Unglaublich, wie sich die einzelnen Tageskapitel aus verschiedenen Bibelbüchern thematisch zusammengefügt haben, mit dem absoluten Highlight am Ende, den 10 prophetischen Büchern des Alten Testamentes, Hiob und der Offenbarung. Es ist wie der krönende Abschluss, die Zusammenfassung und die Gesamtsicht. Man kann nochmals anhand dieser Bücher nachprüfen, ob – was da steht – mit dem übereinstimmt, was man selbst verstanden hat. Und manches versteht man auch erst ganz am Ende, wenn es einem dann wie Schuppen von den Augen fällt.

Wer die Bibel im Zusammenhang liest, anstatt verschenweise, ausschneidend und verkürzend, zensierend, dem erschließt sich der Kontext und Zusammenhang in anderer Weise. Es eröffnen sich ganz andere Horizonte, die sich in einer Inselsicht nicht weiten können.

Die Bibelsprache ist eine Sprache in Bildern, wer die Bilder nicht versteht, versteht den Inhalt nicht. Je weiter man fortschreitet, desto mehr versteht man die Querverweise und die gemeinsame und abweichende Bildsprache und – natürlich – den gemeinsamen Inhalt, die Botschaft hinter dem Bild. Man kommt auch kuriosen Fehlinterpretationen auf die Spur, wie mir zuletzt bei der Offenbarung klar wurde. Haben diejenigen, die von dem Weib, das mit der Sonne bekleidet ist und einen Sohn gebiert, predigen, wirklich den Zusammenhang verstanden? Wenn sie auf Maria verweisen, was üblicherweise geschieht, sicher nicht. Dazu schreibe ich dir sicher noch einmal.

Klar wird einem dabei auch, dass man, sofern man sich nicht aus eigener Anschauung ein Bild macht, immer auf die Interpretation der anderen angewiesen ist und hier liegt die Wurzel vielen Übels begraben. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder Pfarrer oder Priester die Bibel wirklich mindestens einmal von vorne bis hinten im Zusammenhang gelesen hat. Ich würde das erwarten, habe aber meine Zweifel. Dann könnten sie keinen solchen Unsinn verzapfen, den sie teilweise verzapfen. Sie sind oft selbst wie Blinde, die im Nebel stochern. Aber auch das ist nichts wirklich Neues. Sowohl im Ersten wie im Zweiten Testament wird dies häufig angeprangert, Jesus ist ein prominenter Vertreter davon. Geändert hat sich daran nichts, wieso auch? Mensch hat sich nicht geändert. Deshalb hat die Schrift ihre universale Gültigkeit behalten. Nichts ist veraltet.

Die Personen, Bilder und Symbole sind Container für die Botschaft, sie stehen nicht für sich als Person oder Ereignis, sondern als Träger der Botschaft. Für die Bibelschreiber war das noch klar. Der heutige im Eigenverständnis höchst gebildete Bibelleser oder auch –ausleger schreit, das könne alles nicht sein, Historie und Wissenschaft sprächen dagegen. Wie kann ein Elia oder Jesus in einer Wolke gen Himmel fahren? Was, wenn Jesus nicht in Bethlehem geboren wurde? Von keiner fleischlichen Jungfrau? Gebildet ungebildet, verbildet, falsche Götterbilder. Ein damaliger Bibelschreiber würde über so viel Analphabetismus nur den Kopf schütteln. Nichts verstanden zwischen A und O, nur die Buchstaben gesehen, den Sinn des Satzes nicht verstanden.

Deshalb ist es gut, dass die Bibelhistoriker Stück für Stück ans Tageslicht befördern, dass historisch in der Bibel recht wenig haltbar ist. Das gilt auch für Jesus. Das begrüße ich sehr. Das ist ein Fortschritt. Damit man endlich aufhört, die Personen als Personen zu sehen, den Kopf schüttelt über die Menschen im AT, sich über sie erhebt und doch die Unverständigkeit auf der eigenen Seite ist. Was, wenn die Ereignisse so gar nicht stattgefunden haben, real? Fällt dann der ganze Gottes- und Jesusglaube zusammen? Wenn Schaf nicht Schaf ist, und die Schafschur als landwirtschaftliches Ereignis nie stattgefunden hat?

Gut, dass die Wissenschaft eifrig weiter forscht, um den Realfetischisten diesen Zahn langsam hoffentlich endgültig zu ziehen. Die Religionswissenschaft frisst ihre Religionskinder, die auf die eigene Propaganda hereingefallen sind. Gut so und heilsam für den Glauben, vielleicht, je nachdem, auch für die Kirche. Ihr Lieben, was macht ihr, wenn die Wissenschaft euer Realgebäude langsam ganz aushöhlt, dann habt ihr nur noch ein Skelett, das noch nicht einmal mehr zusammenhält. Über unbefleckte Empfängnis braucht man dann gar nicht mehr diskutieren, das erledigt sich konkludent. Darauf spekulieren, dass diese Realität wenigstens den Anhängern verborgen bleibt? Das wäre eine tödliche Strategie. Es besteht ein gewisser (Wissenschafts-)Druck, diese veränderten Realitäten langsam anzuerkennen, sich von der Vordergründigkeit in die Hintergründigkeit zu bewegen, von der Oberflächlichkeit weg in die Tiefe, sonst laufen wegen fehlender Glaubwürdigkeit auch noch die Letzten Anhänger weg. Auf deren Dummheit und Ungebildetheit würde ich lieber nicht spekulieren. Entweder Kirche begreift es oder auch dieses Thema erledigt sich irgendwann von selbst. Jedenfalls als Volkskirche.

Die Gleichnisse von Jesu Lehren lassen sich nur vor dem Alten Testament und seiner Symbolsprache verstehen. Jesus war ein jüdischer Mensch, seine Botschaft fest im Alten Testament verankert. Wer sie aus diesem Zusammenhang herausreißt und durch eigene Lehren ersetzt, lehrt von Gott, es ist aber nicht Jesu Lehre, es ist eine eigene. Die christliche Lehre ist deshalb in weiten Teilen paulinisch, aber nicht jesuanisch. Jakobus und Petrus sind näher an der Lehre Jesu als Paulus.

Die fehlende Verankerung der paulinischen Lehre in Jesu Lehre und im alttestamentarischen Wort verschärft das Lehrproblem der Kirchen. Deshalb greift man es lieber nicht auf. Es wäre eine große Herausforderung, da dies ein großes Fragezeichen hinter die gesamte Lehre der katholischen und evangelischen Kirchen setzen würde, mit Gefahr des Legitimationsverlustes inklusive. Der moderne Mensch lässt sich nicht mehr mit leeren Sprüchen abspeisen und für dumm verkaufen. Er ist nicht mehr so ungebildet wie die paulinischen oder auch – lieber Luther, du würdest mir sicher Recht geben, der lutherischen Zuhörer. Christ ist heutzutage emanzipiert von Kirche. Er traut sich, auch ohne Kirche zu glauben. Der kirchliche Alleinerklärungsanspruch wird von den Menschen nicht mehr einfach geschluckt. Die Menschen drehen sich einfach weg und gehen ihre eigenen Wege. Macht das einen Unterschied in ihrer Stellung zu Gott? Sicherlich nicht.

Deshalb, wieso sich nicht selbst um ein Verstehen bemühen. Direkt in der Bibel. Aus eigener Anschauung und eigenem Verstehen. Das Bibelbuch liest sich meistens spannend wie ein Krimi. Es geht mir heute noch so wie von Anfang an: Bibel lesen, sich Bibel erarbeiten, erfüllt mich voller Energie, füllt mich bis oben an, inspiriert mich, bewegt mich, wühlt mich auf, klärt mich, bringt mir Ruhe, Frieden und Kraft. Jeden Tag ein bisschen mehr Verstehen, jeden Tag mehr Einsicht, jeden Tag ein anderes Aha-Erlebnis. Wir sind ein Gefäß, in das das Wort einfließen kann und soll. Wir müssen nur das Gefäß öffnen. Ich kann jeden nur ermuntern, es einmal zu probieren. Ich wäre bei Vielem noch auf einem anderen Dampfer, hätte ich nicht das ganze Wort mit eigenen Augen und eigenem Verstand gelesen.

Lieber Luther, ich habe die Bibel in deiner Übersetzung von 1912 gelesen, für mich immer noch das Beste, was es an Bibelübersetzung gibt. Das Einfühlsamste. In dieser Übersetzung ist die richtige Balance zwischen Wörtlichkeit und Sinnlichkeit getroffen. Bei dir kommt an erster Stelle der Sinn und da bist du, was das Verständnis anbelangt, nach wie vor unübertroffen. Und hin und wieder, wenn ich um den Sinn ringe, schaue ich auch in der Übersetzung von 1534 nach, da die dir noch ein Stück näher ist.

Eigentlich wollte ich ja weiter über Weihnachten schreiben, na ja, morgen ist auch noch ein Tag!

Herzliche Grüße
Deborrah

Werke

Lieber Luther,

Gott ist ein Gott der Abwägung, der unsere guten Seiten sieht und unsere schlechten. Es entgeht ihm nichts. Sein ganzes Bestreben ist darauf gerichtet, uns zu ihm zu bekehren. Wir sind ein harter Brocken. Unser Alltag frisst uns auf, wir lassen uns aber auch auffressen, so dass wir immer in Gefahr sind, bei allem werkeln das falsche Gewerk anzupacken. Gottes Wort ist Wegzeiger jeden Tag, Maßstab zur kritischen Selbstreflexion, Wegweisung zu Umkehr, Reue und Buße, Betriebsanleitung, dass unser Werk vor ihm gelingen kann.

Die Sendschreiben zu Beginn der Offenbarung sind wie Mahnschreiben, die uns unverblümt eine Analyse unseres Tuns vor Augen halten. Jesus Christus lässt uns ausrichten:

Ich kenne deine Werke, deine Arbeit, deine Geduld um meines Namens willen, deinen unermüdlichen Kampf gegen das Böse, gegen die falschen Apostel und Lehrer, deren Lügen du entlarvst. Aber du lässt dich verwickeln, deine Liebe ist mehr Eigenliebe, mehr Liebe unter Menschen als Gottesliebe, ich nichts als ein Vorwand. Diene Gott anstatt den Menschen. Bedenke, aus was du gefallen bist. Wer die Welt überwindet, dem werde ich vom Holz des Lebens zu essen geben. Tue Buße, sonst sinkt dein Stern und dein Licht wird nicht mehr leuchten (Offb 2, 1-7).

Ich kenne deine Werke, deine Trübsal, deine Nöte, in denen du trotz alledem reich bist , die Anfeindungen, die du von denen erfährst, die von sich behaupten, sie haben die wahre Lehre für sich gepachtet, aber in Wirklichkeit falsche Lehrer sind. Auch wenn sie dich in die Finsternis stoßen, sei getrost, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer die Welt überwindet, dem wird der Tod nichts anhaben können (Offb 2, 8-11).

Ich kenne deine Werke, dass du inmitten Gottloser wohnst, wo das Böse regiert. Du hältst an meinem Namen und an meinem Glauben fest, auch gegen höchste Bedrängung der Gottesverächter. Aber, dein Tun ist zweischneidig. Wie Bileam lässt du dich missbrauchen, heulst mit den Wölfen, verbeugst dich vor Götzenbildern, lehrst vor und von falschen Göttern, wenn es opportun erscheint, und führst dabei meinen Namen im Mund. Lass das sein und tue Buße, sonst schneidest du dich von mir ab. Wer die Welt überwindet, den will ich nähren, der wird ein reiner Stein werden, auf den ich bauen werde, und auf dem der Name stehen wird, bei dem ich dich rufen werde (Offb 2, 12-17).

Ich kenne deine Werke, deine Liebe, deinen Glauben, deine Geduld, dass du je länger, je mehr tust. Aber du lässt falsche Propheten gewähren, die meine Knechte dazu verführen, anderen Göttern nachzulaufen, sie davon abhalten, mein Brot zu essen. Ich habe dir Zeit zum Nachdenken und zur Umkehr eingeräumt, aber du willst nicht. Du schiebst keinen Riegel vor und tust nicht Buße. Deshalb wirst du zusammen mit denen untergehen, denen du nicht wehrst, wirst keine Frucht mehr bringen. Alle werden erkennen, dass ich es bin, der bei jedem Herz und Nieren erforscht und jedem nach seinen Werken geben wird. Wer die Welt überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, den werde ich teilhaben lassen an meiner Macht und Herrlichkeit, ihm, gleich wie mir von meinem Vater gegeben ist, Macht über die Heiden geben, sie zu weiden, um das Böse mit ehernem Stab wie Töpfergefäße zu zerschmettern. Ich werde ihnen den Morgenstern geben, sie werden als erste Lichter am neuen Himmel des neuen Tages leuchten (Offb 2, 18-29).

Ich kenne deine Werke, denn du lebst und bist doch tot. Werde wach und stärke das Übrige, das im Begriff steht zu sterben. Du bewirkst nicht, was du bewirken könntest. Denke daran, jeder tue, nachdem er empfangen und das Wort gehört hat. Bewahre dies und tue Buße. Wach auf, damit du bereit bist, wenn ich komme. Wenn du nicht aufwachst, werde ich in dein Haus kommen wie ein Dieb und du wirst überrascht sein über mein Kommen und es verschlafen. Du weißt weder Tag noch Stunde. Besudle dein weißes Kleid nicht in der Dunkelheit. Wer die Welt überwindet, muss mit weißen, reinen Kleidern angetan sein, dann soll sein Name nicht ausradiert werden aus dem Buch des Lebens und ich will mich zu ihm vor meinem Vater bekennen (Offb 3, 1-6).

Ich kenne deine Werke, ich habe vor dir eine Tür aufgeschlossen, die niemand zuschließen kann. Ich habe dir eine kleine Vollmacht gegeben, du hast meine Worte behalten und meinen Namen nicht verleugnet. Diejenigen, die Böses tun und doch sagen, sie seien christlich und sind es nicht wirklich, werden zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du geduldig auf mich geharrt hast, werde ich dich vor der Versuchung durch das Böse bewahren, die alle heimsucht, die auf der Erde wohnen. Siehe, ich komme bald, halte, was dir gegeben ist, damit dir niemand deine Krone nehme! Wer die Welt überwindet, den will ich auf ewig zum Pfeiler im Tempel meines Gottes machen. Ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes, den Namen des neuen Jerusalem und meinen neuen Namen (Offb 3, 7-13).

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist, dass du nicht anecken, nicht Position beziehen willst. Ach, dass du kalt oder warm wärst! Weil du lau bist, werde ich dich ausspeien. Du sagst: Ich bin reich, satt und bedarf nichts. Du weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und deine Schande offenbar. Ich rate dir, von meiner Wahrhaftigkeit zu kaufen, die von allem Selbstbetrug gereinigt ist, damit du reich wirst. Kaufe dir weiße Kleider, damit die schändliche Blöße, die du dir gibst, bedeckt wird. Salbe deine Augen mit Augensalbe, damit du der Wahrheit in Gesicht sehen kannst. Die ich liebhabe, fordere ich auch. Deshalb mache dich auf, beweg dich und tue Buße. Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und seine Tür aufmacht, zu dem werde ich eingehen und mit ihm das Abendmahl halten und er mit mir. Wer die Welt überwindet, der wird mit mir auf meinem Stuhl sitzen, gleich wie ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Stuhl gesetzt habe (Offb 3, 14-22).

Ich kenne deine Werke. Lieber Luther, man kann sich an der einen oder anderen Stelle ertappt fühlen und feststellen, dass man auf dem Holzweg ist. Das ist Sinn der Sache, nämlich uns zu belehren, uns zu helfen, uns Orientierung und Anstoß zum Nachdenken zu geben, uns die Richtung zu weisen, uns den Weg zu zeigen. Ich kenne deine Werke, sagt Christus, aber kenne ich seine auch? Oder schönfärbe ich? Gehe ich den Weg seiner Werke, den er vorausgegangen ist? Wer die Welt überwindet … Fast unüberwindlich für uns.

Herzliche Grüße
Deborrah

Neues

Gedenkt nicht an das Alte und
achtet nicht auf das Vorige!
Denn siehe, ich will ein Neues machen;
Jetzt soll es aufwachsen, und
Ihr werdet’s erfahren,
dass ich Weg in der Wüste mache und
Wasserströme in der Einöde.
(Jes 43, 18-29)

Erhöhung

Gott erhöht die Niedrigen und hilft den Betrübten empor.
Hiob 5,11

Hiob hat es erfahren:
Gott erniedrigt und erhöht die Erniedrigten,
er hilft den Betrübten wieder empor.
Auch die Hiobs in heutigen Tagen
können das erfahren.
Sie müssen sich dazu nur auf Gott einlassen.

Lest

Lieber Luther,

wenn einer das Wort Prophet verdient, dann ist es sicher Jesaja. Kein anderer hat so die Zukunft geschaut, Jesus mal abgesehen, wie Jesaja. Jesaja ist Weisheit, deshalb sollten wir ihm zuhören. Was er angekündigt hat, ist so eingetreten. So zitieren wir ihn auch gerne, insbesondere an Weihnachten, wenn es um seine Hin- und Vorschau auf Jesus geht. Aber, haben wir auch den ganzen Jesaja gelesen? Sind wir bereit, ihm ganz zuzuhören, oder nur auf dem netten Ohr, mit der Botschaft, die in unser Gottesbild, das wir uns tunlichst nicht machen sollten, passt?

Propheten zählen nichts im eigenen Land. Das wusste auch schon Jesaja. Damals wie heute wollten die Menschen nur die eine Seite der Medaille mit Gott hören, die andere aber nicht. Jesaja ist sich dessen bewusst. Deshalb legt er genau dorthinein seinen Finger. Gott befiehlt ihm: Gehe hin, schreib es ihnen vor, auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für und für ewiglich. Dass sie nicht sagen können, sie können es nicht wissen.

Denn, es ist ein ungehorsames Volk und verlogene Kinder, die das Gesetz des Herrn nicht hören wollen, sondern sie sagen zu den Sehern: Ihr sollt nichts sehen. Und zu den Schauern: Ihr sollt uns nicht die rechte Lehre schauen lassen. Predigt uns sanft, schaut uns Täuscherei. Geht uns aus dem Weg, aus unserem Gesichtsfeld mit euren Warnungen: Hört auf vom Heiligen Israels zu predigen, wie ihr predigt. Wer will das schon hören (Jes 30, 8-11).

Was antwortet Gott? Ihr verwerft dies Wort und trotzt ihm mutwilllig, ihr seid wie eine undurchdringliche Mauer, aber irgendwann fängt euer Putz, von dem ihr denkt, er hält euch zusammen, an zu rieseln. Irgendwann fallt ihr zusammen und nichts wird von euch übrigbleiben. Wenn ihr umkehren und still sein würdet, so würde euch geholfen, durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein. Aber: ihr wollt nicht: Ihr meint davonrennen zu können, Tausende werden fliehen vor eines einzigen Schelten (Jes 30, 12-17). Darum harret der HERR, dass er euch gnädig sei. Er hat sich aufgemacht, damit er sich eurer erbarme; denn der HERR ist ein Gott des Gerichts. Wohl allen, die sein harren (Jes 30, 18).

Gott ist ein Gott des Gerichts. Das Gericht ist Erbarmen. Das steht im gesamten Jesaja, in der gesamten Bibel, in beiden Testamenten, aber verstehen wollen das heute nur Wenige. Weil vor allem nicht mehr verstanden wird, dass es eine Freudenbotschaft ist. Bei dem Wort „Gericht“ zittern schon viele, es scheinen viele an Ungerechtigkeit zu denken anstatt an Gerechtigkeit. Wieso muss man sich vor Gerechtigkeit fürchten? Trauen wir Gott so wenig zu? Oder uns selbst? Wohl beides.

Für Jesaja gab es da keinen Zweifel: Wenn Gott mit seinem Zorn kommt, da werdet ihr singen wie in der Nacht eines heiligen Festes und euch von Herzen freuen, wie wenn man mit Flötenspiel geht zum Berge des HERRN. Und der HERR wird seine herrliche Stimme erschallen lassen, dass man seinen ausgereckten Arm sieht, wie er zornig herannaht, mit verzehrendem Feuer, Blitz, Starkregen und Hagel (Jes 30, 29-30). Ein Sommergewitter. Wenn der Feigenbaum wieder grünt werdet ihr wissen, dass der Sommer nahe ist (Mark 13, 28).

Siehe, es wird ein König regieren, Gerechtigkeit anzurichten, und Fürsten, die das Recht handhaben (Jes 32, 1). Die sehenden Augen werden sich nicht blenden lassen, die Ohren der Zuhörer werden aufmerken und die Unvorsichtigen werden Klugheit lernen. Es wird nicht mehr ein Narr Fürst heißen, denn ein Narr bewirkt Heuchelei und predigt Unsinn, so dass er die hungrigen Seelen aushungert und den durstigen das Trinken wehrt. Der Geizige, der dem Volk nur ein Teil des Wortes sagt, richtet Schaden an, er gönnt dem Armen sein Recht auf Gerechtigkeit nicht (Jes 32, 1- 8).

Wer meint in seinem Glaubensmäntelchen immer auf der sicheren Seite zu sein, das Gericht leugnet, wer denkt, ohne Gottes Gericht in seine Ewigkeit zu ziehen, ohne Buße, ohne Reinigung, der täuscht sich: Nach Jahr und Tag werdet ihr Sicheren zittern; denn es wird keine Weinernte geben. Erschreckt Ihr Stolzen, zittert, ihr Sicheren! es ist vorhanden Ausziehen, Blößen und Gürten um die Lenden (Jes 32, 10-12).

Ihr wollt nicht unter einem verzehrenden Feuer wohnen, nicht bei der ewigen Glut? Wer in Gerechtigkeit wandelt und Wahrheit redet, wer Unrecht hasst, mit dem Wort nicht geizt durch Weg- und Auslassungen, wer sich nicht mit falschen Versprechungen bestechen lässt, wer seine Ohren nicht verstopft, um etwas über seine Schuld zu hören, wer sich die Augen nicht zuhält, damit er ja nicht Arges sehe, der wird in der Höhe wohnen, und Felsen werden seine Feste und Schutz sein. Sein Brot wird ihm gegeben, sein Wasser hat er gewiss (Jes 33, 14-16).

Gottes Gerechtigkeit, lieber Luther, ist eine Heilszusage, Gott, Jesus, der zu seiner Rechten sitzt und der Richter sein wird, ist ein gerechter Richter. Ich kann es nur mit Jesaja halten: Freut euch und jubelt, wenn ihr vor ihm stehen werdet, wird uns Gerechtigkeit angetan werden. Wir werden das erreichen, nachdem wir hier auf Erden – vielleicht vergeblich – streben. Ich traue Jesus zu, dass er gerecht sein wird. Warum die Angst vor diesem gerechten Richter? Warum die Angst vor dem Abstreifen aller eigener Ungerechtigkeit? Wo ist das Vertrauen?

Die Angst, lieber Luther, ist geschürt in jahrhundertelanger Sünden-Lehre und Predigt. Daraufhin ist man ins andere Extrem verfallen. Predigt uns sanft, schaut uns Täuscherei. Nur Sünde oder nur voraussetzungslose, gleichmacherische Liebe Gottes zu predigen, ist gleichermaßen einäugig und nimmt sich in ihrer Halbheit nichts. Wer Gericht als Strafe interpretiert und als Bedrohung, hat nicht viel von der Botschaft und dem Geist in der Bibel verstanden – als Ganzes gesehen, nicht in ausgewählten Halbsätzen, so wie das heutzutage so üblich ist. Es geht um den Tenor. Es sind keine Drohungen, es sind Warnungen, ein Werben, Mensch, so hör doch. Wie ein Wetterbericht, der vor dem Donner-Wetter warnt, das am Ende den Segen im Regen bringt. Man vorenthält den Menschen dadurch ihre Chance auf Gottes reinigenden Regen, weil sie nicht entsprechend umkehren können, weil es ihnen niemand sagt. Es wird eine Bahn sein und ein Weg, welcher der heilige Weg heißen wird, auf dem kein Unreiner gehen darf (Jes 35, 8). Dies den Menschen vorzuenthalten, ist verantwortungslos.

Es ist gerade das Verschweigen, das Ängste schürt. Lass uns, lieber Luther, das gerechte Gericht ans Licht holen, damit der Mensch wieder lernen kann, dass das Gericht nichts anderes heißt als dass ich Gerechtigkeit erfahren werde. Es ist Teil der Heilsbotschaft, auch von Jesu Heilsbotschaft. Auch er hat von einem Gericht gesprochen. Die Wortgeizigen, die Wortunterdrücker, verschweigen das und richten damit, wie Jesaja schreibt, viel Unheil an. Auf Gottes Fügung kam dies Wort zu uns, lass es uns auch hören. Denn der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König, der uns hilft (Jes 33, 22). Suchet nun in dem Buch des HERRN und leset (Jes 34, 16)!

Herzliche Grüße
Deborrah

Segen und Fluch

Lieber Luther,

Gott ist das ewige Gut und wir ein Teil davon. Doch vor dem ewigen Gut steht viel Ungutes, viel Ungehorsam, viel Leid, mangelnde Demut, Eigenwille und Renitenz, kurz, der Mensch, so wie er geschaffen ist. Anzunehmen, der Mensch erreiche das ewige Gut, solange er menschlich lebt, ist Augenwischerei. Aber nicht nur, es ist auch Last und Belastung, das Postulat allein Beschwernis und Last. Gott wusste das. Deshalb hat er zum Segen auch immer den Fluch gesellt, zum ewigen Heil das ewige Gericht. Im ersten wie im zweiten Testament. Nicht nur der Mensch, auch Jesus und Gott sind zornig. Wären sie es nicht, wir – und unser Tun – wären ihnen gleichgültig, es bräuchte sie gar nicht. Ein Maßstab ohne Maßstab ist keiner. Es ist ja nicht unbegründeter Zorn. Wer das weg definieren will, verschließt die Augen vor 2,5 Millionen Jahren Menschheitsrealität.

Gott hat einen Bund mit uns geschlossen und die dazugehörige Handlungsanleitung ist einfach: So haltet nun die Worte dieses Bundes und tut darnach, auf dass ihr weise handeln möget in all eurem Tun (5.Mose 29, 9 ff). Du, jeder einzelne, der vor mir steht, sich zu dem Bund bekennt, tritt in den Eid auf den Bund mit mir ein. In diesem Bund und mit diesem Eid, besiegelt mit meinem Blut, richte ich dich zu meinem Volk auf. Ich sammle euch in dem Bund und unter diesem Eid. Ob dies der alte oder neue Bund ist, spielt keine Rolle, es ist immer der EINE Bund mit dem EINEN Gott, die EINE Stadt, das EINE Haus, der EINE Tempel, der EINE Zionsberg, das EINE Kreuz, der EINE Christus.

Gedenkt immer des Bundes, den ihr mit diesem EINEN geschlossen habt. Gedenkt eurer Geschichte und nehmt sie als Warnung, fallt nicht in eurem Herzen von mir ab, dient nicht anderen und falschen Göttern. Vor allem hüte dich davor, obwohl du diese Worte und diesen Fluch hörst, dich selbst in deinem Herzen zu segnen und zu sagen: Es geht mir wohl, obwohl du nur tust, was dir dein Herz sagt. Die sich an sich selbst betrinken, werden verdursten: Da wird der Herr nicht gnädig sein; sondern dann wird sein Zorn und Eifer rauchen über solchen Menschen, und es werden sich alle Flüche auf ihn legen, die in diesem Buch geschrieben sind; und der HERR wird seinen Namen austilgen unter dem Himmel (5.Mose 29, 20). Er wird ihr Land mit Schwefel und Salz verbrennen, dass es nicht besät werden kann, noch etwas darin wächst, noch ein Kraut aufgeht, gleich wie in Sodom und Gomorra. Warum? Weil du den Bund verlassen hast, den Eid gebrochen.

Gott ist ein zorniger Gott, aber auch ein langmütiger Gott: Wenn nun alles über dich kommt, nach deiner Wahl, der Segen und der Fluch, und du in dein Herz gehst, auch wenn du unter den Heiden bist, zu denen du verstoßen bist, Gott nicht kennst, und umkehrst, dich zu Gott bekehrst, seiner Stimme gehorchst, von ganzem Herzen und ganzer Seele, so wird dein Gott dir dein selbstgewähltes Gefängnis wenden. Selbst wenn du bis an der Himmel Ende verstoßen wärst, wird dich der Herr, dein Gott, von dort sammeln (5.Mose 30, 4).

Ihr habt keine Ausrede. Das Gebot, das ich euch gebe, ist nicht verborgen, ihr könnt nicht sagen, wer will uns über das Meer fahren und dein Wort uns holen, dass wir es hören und tun. Es ist da, es ist in der Welt. Es ist Verheißung, Hoffnung und Warnung. Denn seht, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben Mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und heilen, und ist niemand, der aus meiner Hand errette (5.Mose 32, 39).

Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst (5.Mose 30, 19). Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens (Heb 4, 12). Mensch, du hast die Wahl, auf mich, deinen Gott, kannst du es nicht schieben, wenn du meiner Stimme nicht gehorchst und du die Konsequenzen tragen musst.

Und es wird Konsequenzen haben. Auch darüber habe ich euch ausführlich belehrt. Denn, alle Menschen, die meine Herrlichkeit und meine Zeichen gesehen haben und mich dennoch zehnmal versucht, meiner Stimme nicht gehorcht, mir gelästert haben, sollen das Land nicht sehen, das ich ihren Vätern verheißen habe, sie werden nicht in meine Ruhe kommen (4.Mose 22 ff). Welchen schwur er aber, dass sie nicht zur Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungläubigen (Heb 3, 18)?

Lieber Luther, auch mit mancherlei Speis und Trank, mancherlei Taufen und äußerlicher Heiligkeit ist es nicht getan, den Gott sieht in alle Herzen (Heb 9, 10) und wartet hinfort, bis dass seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden (Heb 10, 13). Mir kommen die Konfirmationen dieser Tage in den Sinn. Oder auch Taufen. Viel äußerliche Heiligkeit, wenn überhaupt, nicht nur von denen, die so scheinheilig vor den Altar treten, sondern auch derjenigen, die mitspielen und ihren Segen dazu geben.

Und, passend zu Pfingsten, lieber Luther, eine wie viel ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, den Bund, den er geschlossen hat, das Blut des Testamentes, unrein achtet, durch welches er geheiligt ist, und den Geist der Gnade schmäht? Schrecklich ist’s, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen (Heb 10, 29-31), in jeglicher Beziehung, in Gutem wie im Schlechten. Erschrecken von der Größe des Segens, aber auch vor der Größe des Zorns. Ich kenne beides, du, lieber Luther, sicher auch. Umfassende, mich ganz erfassende Gottesfurcht und –ehrfurcht.

Die An- und Aufforderung, lieber Luther, ist also nicht, vor all dem Unguten die Augen zu verschließen, sich in die vereinfachte Formel zu flüchten, Gott vergibt alles. Am Ende, lieber Luther, vielleicht ja, das ist die Hoffnung, aber davor steht der zornige, der richtende Gott, der sich unsere Untaten alle ansieht. Und das ist gut so. Mich erleichtert das. Ich kann vor ihn nicht nur meine Fürbitten, sondern auch meine Flüche legen. Er kennt beides. Er, der gerechte Richter, wird sie wiegen und wägen und nach seiner Gerechtigkeit bewirken, richten und rächen. Zu Gott wie auch zu mir, gehören Segen und Fluch. Wer nur den Segen sieht und den Fluch negiert, halbiert Gott und Mensch. Licht macht die Dunkelheit zum Licht.

Herzliche Grüße
Deborrah

Jesu Blut für unsere Sünden vergossen?

Lieber Luther,

um Jesus ist es einsam geworden, bevor er sich aufmacht, um das zu durchleiden, vor dem es auch ihm gegraut hat. Der Satan, das menschlich Teuflische, wirkt an ihm, zerschindet seine Ehre, seinen Körper, peitscht sein Fleisch. Der Mensch greift nach ihm. Den Menschen in aller Grausamkeit zu durchleiden, ist nicht nur für uns, war auch für Jesus eine Herausforderung.

Zeit Bilanz zu ziehen, sich im Klaren zu werden, ob er nun alles erreicht hat, was ihm aufgetragen ist. Ob er manchmal daran gezweifelt hat, angesichts des anklagenden, geifernden Volkes? Weiterlesen „Jesu Blut für unsere Sünden vergossen?“

Jesu Testament

Lieber Luther,

in Jesus ist Gottes Wahrheit, Jesus hat immer gewusst was ist, was war und was sein wird. Aus diesem Überblick heraus hat er die Zwangsläufigkeit des Weltenlaufs gesehen, in einer Draufsicht, verklärt. Er weiß, dass ihn Hass verfolgt und dass ihn dieser Hass töten wird. So trifft er Vorbereitungen, er macht sein Testament, das er seinen Jüngern – uns -übergibt.

Jesus stellt sich der Situation, auch wenn sie für ihn lebensbedrohlich ist. Er zögert keinen Augenblick, sondern geht, auf seinen Vater vertrauend, zielstrebig weiter. Soll ich sagen, Vater, hilf mir aus dieser Stunde? fragt Jesus seine Jünger suggestiv. Nein, ist die klare Antwort, „darum bin ich in die Welt gekommen“, als Weizenkorn, das erstirbt, um viel Frucht zu bringen. Sein Tod lässt den Samen aufgehen, ist notwendig, damit die Frucht anfängt zu wachsen und neue Frucht hervorbringt (Joh 12, 26).

Jesus ist bereit, den letzten Schritt zu gehen. Mit Nachdruck bittet er seinen Vater: Verkläre deinen Namen, offenbare deine Herrlichkeit, deine Wahrheit, deine Klarheit, deine Reinheit, verschaffe deinem Namen Geltung, zeig all das Gute, das du bist. Eine Stimme kommt vom Himmel und Gott sagt: Ich habe ihn in der Taufe verherrlicht und will ihn auch jetzt, wo er seinen Weg vollendet, verherrlichen.

Gott macht damit klar, in Jesus ist mein Name, bin ich. Was er tut, tue ich, was er sagt, sagt er in meinem Namen. Gott gibt Zeugnis von sich in Jesus. Er gibt dies Zeugnis nicht um Jesu Willen, um ihn eventuell vor seinen Verfolgern zu retten, er gibt das Zeugnis um unseretwillen, dass wir glauben, was Jesus gesagt hat. Er setzt am Ende seine ganze Kraft ein, um das Werk von Jesu Mission zu vollenden. Es geht um den neuen Bund, den Gott mit uns schließt, in Jesus. Wer mir dienen will, der folge mir nach. Wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. Darin besteht der Bund und es ist der neue alte Bund, den Gott mit uns schließen will: Dient mir, folgt mir nach, haltet meine Gebote.

Es donnert, das Vorzeichen der Verfinsterung der Welt, dunkle Wolken sind im Anzug. Das Gericht ist da, das Gericht, das die Menschen, diejenigen, die nicht an ihn glauben, über den König, den Herrn, den Herrscher der Welt setzen, das Gericht, das ihn aus der Welt treibt, das Gericht, dass die Menschen meinen, über den Sohn Gottes halten zu müssen, in dem sie ihn hinausführen vor die Stadt und dort kreuzigen. Der Donner verkündet schon unheilvorhersagend die Verfinsterung der Erde auf Golgatha. Die Menschen fragen deshalb zu Recht: Es steht geschrieben, dass der Christus ewig bleibe. Wenn du jetzt gehst, kannst du ja nicht der Christus sein. Du sprichst vom Menschensohn. Wer ist dieser Menschensohn?

Ich bin das Licht, geht die kleine Zeit, die ich noch bei euch bin, in meinem Licht, denn wer in der Finsternis geht, weiß nicht, wo es lang geht. Glaubt an das Licht. Aber sie glaubten dennoch nicht, obwohl er so viele Zeichen gewirkt hatte, zum Zeugnis, dass er von Gott kommt. Der Unglaube ist die Finsternis der Welt, der Mensch, der sich nicht zu Gott bekehrt. Denn: Wer mich verachtet und meine Worte nicht aufnimmt, der hat schon seinen Richter. Jeder hat die Möglichkeit, an das Wort zu glauben. Wer die Ohren verschließt, wird sie am Tag des Gerichts aufmachen müssen, wenn er vor seinem himmlischen Vater stehen wird. Das Wort, der Grad der Nachfolge im Wort, wird der Maßstab sein, an dem gerichtet wird. Denn „ich weiß“, sagt Jesus, dass Gottes Gebot das ewige Leben ist (Joh 12, 47-50. Worin besteht die Nachfolge?

Zunächst im tätigen Dienen. Jesus gibt die Richtung klar vor: Der Apostel ist nicht größer als der Herr, ich wasche euch die Füße und setze mich nicht zuoberst der Hochzeitstafel, weil ich mich für den Wichtigsten halte. Der Wichtigste ist Gott allein. So sollt ihr es auch halten. Seid bescheiden und demütig (Joh 13).

Nachfolge ist Achtsamkeit: Wer aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer mich aufnimmt, der nimmt meinen Vater in sich auf, sagt Jesus (Joh 13, 20). Im Umkehrschluss, wenn ihr den, den ich geschickt habe, ausschließt, schließt ihr Gott und mich aus. Deshalb verschließt eure Herzenstüren nicht, gebt acht und wacht, es könnte ich sein, der an eure Tür klopft.

Folgt mir nach in der Liebe zueinander, fordert Jesus uns auf. Da ich fortgehe, werdet ihr mich suchen, wo ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen. Deshalb gebe ich euch ein neues Gebot: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Daran wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid (Joh 13, 34). Ein Gebot, an dem wir uns alle vergeblich abarbeiten, da die Liebe der Menschen untereinander nicht so vollkommen ist, wie die Liebe Jesu zu denen, die an ihn glauben.

Aber, erschreckt nicht: Glaubt an mich und glaubt an Gott, so ihr glaubt, seid ihr sicher, in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Ich werde auch alle zu mir ziehen (Joh 12, 32), auf dass ihr seid, wo ich bin. Wo ich hingehe und den Weg dorthin wisst ihr (Joh 14, 3). Zweifel? Ungläubig?

Jesus gibt Nachhilfeunterricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich. Ich bin die Tür, durch die ihr gehen müsst. Viele Gleichnisse habe ich davon erzählt. Wenn ihr mich kennt, so kennt ihr auch meinen Vater. „Von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen“ (Joh 14, 6). Punktum. Keine Ausrede mehr möglich. Ihr kennt den Weg, der im Glauben an mich besteht, ihr kennt die Wahrheit, in den Worten und Gleichnissen, die ich zu euch gesprochen habe, und ihr wisst, dass der Weg zum ewigen Leben nur über mich und mein Wort führt. Alles, was ich bewirke, alle Zeugnisse, alles was ich rede, kommt nur von meinem Vater. „Glaubt mir, dass ich im Vater und der Vater in mir ist; wo nicht, so glaubt mir doch um der Werke willen“ (Joh 14, 11). Glaubt wenigstens, was ihr gesehen habt, beschwört Jesus seine Jünger. Seine Worte sind im Strom der Zeit untergegangen. Er hatte die modernen Wissenschaften noch nicht auf dem Schirm. Jesu Werken und Zeugnissen zu glauben, weigert sich der wissenschaftlich gebildete Mensch standhaft, „denn sie liebten die Ehre bei den Menschen mehr als die Ehre bei Gott“ (Joh 12, 43).

Jesus gibt nicht auf. Er setzt dem entgegen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun“ (Joh 14, 12). Auch in den Werken, die ich getan habe, werdet ihr mir nachfolgen, denn ich gehe zum Vater, ihr werdet Berge im Glauben versetzen, Tote auferwecken und Kranke heilen. Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote. In Jesu Namen beten, in Jesu Namen bitten, ihn lieben, nicht sich selbst. Mit mir könnt ihr Berge versetzen, wenn ihr hört, was ich sage, wenn ihr mich bittet in meinem Namen (nicht in eurem), wenn ihr keine Angst habt und mutig mir darin folgt.

Ich weiß, sagt Jesus, dass ihr in Anfechtung fallen werdet, dass ihr Angst bekommt, das ihr dazu tendiert, beim ersten Gegenwind euch von mir abzukehren und euch in Windrichtung zu drehen. Deshalb braucht ihr etwas, an dem ihr euch aufrichten könnt, wenn ihr es braucht, einen „Tröster“, der nicht fleischlich ist und euch nicht verlässt, sondern ewig bei euch sein wird, den keiner töten und keiner von euch abhalten kann: den Geist der Wahrheit, der euch den Weg zeigt, wenn es dunkel um euch wird, der das Licht ist, das euch leuchtet, wenn die Finsternis nach euch greift. Die Welt der Ungläubigen sieht und kennt ihn nicht, aber ihr, die ihr an mich glaubt, kennt ihn. Ich bleibe bei euch, ich will euch nicht zu Waisen und Verlassenen machen. Den Frieden lasse ich euch, den Frieden gebe ich euch, euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht ((Joh 14, 27).

Und auch das hinterlässt er uns: Hättet ihr mich lieb, würdet ich euch mit mir freuen, dass ich zum Vater gehe. Ich habe es euch ja gesagt. Ich habe euch gesagt, ich gehe hin und komme wieder. Ihr werdet mich suchen. Ich habe es euch gesagt, damit ihr es glaubt, wenn es geschieht (Joh 14,29). Alles ist damit gesagt. Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn der Fürst der Welt wird über mich zu Gericht sitzen, obwohl er mir nichts vorzuwerfen hat. Ich weiß, was mir droht, trotzdem werde ich mich ihm ausliefern, damit ihr erkennt, dass ich den Vater liebe und ich tue, was er mir geboten hat. Damit ihr seht, was Liebe heißt, bedingungslose Liebe, Liebe die liebt ohne nach sich selbst zu fragen, Liebe zu euch, Liebe, in der ich euch belehre, was ich meine, wenn ich sage, liebt mich, wie ich meinen Vater liebe.

Lieber Luther, Jesus sagt uns, ich liebe euch so, dass ich euch den Weg zeige, in dem ich vorangehe, euch das Licht im Wort aufstelle und die Wahrheit lehre, wie ihr im Licht den Weg gehen sollt. Ich bin der Erste, der euch vorangeht, ich bin das Weizenkorn, das erstirbt, damit ihr diese Frucht, die ich euch hinterlassen habe, weitertragt, dass ihr lernt an mir, den Weg geht, den ich aufgezeigt habe, dem Licht folgt, das ich entzündet habe und in seinem Schein die Wahrheit erkennt.

Freut euch, sagt Jesus, lieber Luther, freut euch, dass ich zum Vater gehe. Wenn wir an Karfreitag weinen, weinen wir über uns selbst, darüber, dass wir uns zum Fürsten der Welt machen. Das Erschrecken an Karfreitag muss ein Erschrecken über uns selbst sein, ein Erschrecken, wie wenig wir bis heute verstanden haben, was Nachfolge heißt, wie wenig wir den Neuen Bund, den Gott in Jesus mit uns aufgerichtet hat, respektieren. Gottes Bund mit uns sehen wir gern als Einbahnstraße von oben nach unten. So ist es ganz und gar nicht. Das Neue Testament in Jesus sagt nichts anderes als der Erste Bund, den Gott mit uns geschlossen hat. Jesus hat uns das nur neu veranschaulicht und begreiflich gemacht. Das sagt sein Testament an uns.

Herzliche Grüße
Deborrah

Gleicher Maßstab

Sprich nicht: „Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun und einem jeglichen sein Tun vergelten.“
Sprüche 24,29

Wenn wir vergelten wollen,
auch nur in Gedanken,
was andere uns Böses antun,
machen wir uns ihnen gleich und
sind kein Deut besser.

Schlammgrube

Er zog mich aus der grausamen Grube,
aus dem Schlamm,
stellte meine Füße auf einen Fels,
gab ihnen festen Grund und
legte ein Loblied in meinen Mund.

Das werden viele sehen und
vertrauend hoffen
auf den Herrn.

(nach Psalm 40, 2-3)

Schlammgrube

Der ungerechte Richter oder: Gebt nicht auf!

Lieber Luther,

der heutige Predigttext (Lk18, 1-8) ist mir vor drei Wochen schon einmal begegnet und zwar in einer Form, die ich sicher mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde. An einem Ort, an dem sein ganzer Sinn plötzlich im Raum stand. Gott hat sich quasi neben die Menschen, die es angegangen ist, auf die Kirchenbank gesetzt und hat gewirkt. Alle Beteiligten haben seine Anwesenheit verspürt. Weiterlesen „Der ungerechte Richter oder: Gebt nicht auf!“

Ecksteine

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.
Psalm 118, 22-23

Auf Ecksteine bauen wir unser Haus.

Wenn der Eckstein schief sitzt, wird das Haus schief,
Wenn der Eckstein nicht passt, wird gar kein Haus.
Wenn der Eckstein falsch gewählt ist, fällt das Gebäude schnell in sich zusammen.

Die Wahl des Ecksteins entscheidet, ob wir an dem Haus Freude haben werden.
Mit der Auswahl tun wir uns mitunter schwer.
Was ist der Maßstab, den wir anlegen?
Schauen wir nur auf die geglättete Oberfläche?
Oder nehmen wir einen Stein mit Ecken und Kanten?

Ecken und Kanten halten oft besser zusammen als glatte Oberflächen,
Das Verkanten ist in diesem Fall Teil des Bauplans und
es sieht sich wie ein Wunder an,
wie die nicht normierten Oberflächen doch wie angegossen zusammenpassen.

Jesus hat nur ein paar Jahre öffentlich gewirkt, ein bis drei Jahre wird diskutiert.
Wer hätte damals gedacht, dass der spleenige Zimmermann Eckstein einer Weltkirche wird, dass Gott sein Haus auf diesen Außenseiter baut?
Auf einen, der für diesen Hausbau nur so kurze Zeit hatte?
Zimmermann hatte er ja gelernt, aber er musste auch die richtigen Steine für seinen Bau wählen, abseits aller Norm und äußeren Scheins.
Er hatte einen Bauplan, den er sich nicht von angeblichen Fachleuten hat zerreden lassen.

Das kann nur ein Wunder sein.
Kein Zweiter hat in so kurzer Zeit so nachhaltig gebaut.

Hassen – Perspektivwechsel

Lieber Luther,

heute ist der 5.Sonntag nach Trinitatis. Nichts besonderes. Gottesdienstalltag in der Kirche, möchte man meinen. Und doch war es heute nicht so, der Predigttext eine Herausforderung: Lukas 14, 25-33. Man muss jedoch den ganzen Abschnitt lesen, da er zusammengehört und eine eindeutige Botschaft enthält. Ich kann ihn hier nicht ganz wiedergeben, du kannst ihn selbst nachlesen. (Lk 14, 25-35)

Die Pastorin hat ihn in 3 Teile geteilt und keinen Zusammenhang gefunden. Sie hat sich sehr schwer getan mit dem Teil: „So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein“ (Lk 14, 26). Wie soll man das auch auffassen, als Mutter, Familienmensch? Guter Gott, was mutest du uns da wieder zu? Das kann doch nicht dein Ernst sein? Weiterlesen „Hassen – Perspektivwechsel“

Taube, Stumme und Blinde

Du sollst dem Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten.
3.Mose 19,14

Denn der Taube kann nichts dazu,
dass er nicht hören kann.
Der Stumme hat nicht gelernt zu beten.
Der Blinde kann nichts dafür,
dass er nicht sieht.

Wer einem Kranken
seine Krankheit zum Vorwurf macht,
tritt Gottes Gnade mit Füßen,
der muss Gott fürchten,

aber nicht der Taube,
nicht der Stumme,
nicht der Blinde.

Ihnen gehört Gottes Vergebung.

Guter Onkel

Ich bin, ehe denn ein Tag war, und niemand ist da, der aus meiner Hand erretten kann. Ich wirke; wer will’s wenden?
Jesaja 43,13

Ich wirke.
Ja.
Aber kaum einer glaubt es.
Kaum einer akzeptiert es.

Wer will’s wenden?
Wer kann aus deiner Hand erretten?
Niemand.

Aber es wird nicht als dein Wirken erkannt.
Entgegen allem was in der Bibel steht.
Man hebt dich gern in den Himmel,
dabei bist du mitten unter uns.

Man hat dich lieber als guten Onkel
nach unserem Willen, Gutdünken und Maßstäben,
denn als Gott nach deinem Recht und Willen

Wir denken dich als guten Gott dort und
alles Schlechte auf Erden ist der Mensch hier,
aber nicht du.

Nach wessen Willen wurde dein Volk nach Ägypten verschleppt
und in die babylonische Gefangenschaft geführt?
Nach wessen Willen musste Jesus sterben?

Wo bist du, wenn nicht im Menschen hier?
Wo willst du wirken, wenn nicht im Alltäglichen hier?
Wer will dein Wirken nach dem eigenen höchst beschränkten Maßstab beurteilen?

Demut vor dir ist die Stärke der Menschen nicht.
Ich danke dir für dein
Ich wirke, wer will’s wenden.